James Bond fällt aus allen Wolken

Skyfall – oder Reinfall?

Die Kritik hat ihn geliebt, wie es scheint. Das Publikum ebenfalls. Ich… nicht so sehr. Warum können Sie sich, wenn Sie die vorhergehenden Artikel (klingt vielleicht doch besser als Kapitel) gelesen haben, wahrscheinlich schon selbst zusammenreimen.

Ich hab nichts dagegen, wenn man bei Bond etwas Neues versucht.  Nehmen wir zum Beispiel die erste Stunde von „Stirb an einem anderen Tag“. Sie zeigt, wie man so etwas gut macht: Bond gerät in Gefangenschaft, wird mit Musik von Madonna gefoltert, wird von seinen eigenen Leuten fallengelassen, muss sich selbst wieder berappeln und darf dann, nachdem er sich als würdig erwiesen hat, wieder für Mutter M arbeiten. Ab da driftet der Film mit Eispalast und Kampf im Flugzeug zum Über-Bond ab, der mal wieder alle Bondklischees bis ins äußerste steigern muss. Leider führt das eher zum Absturz als zum Höhenflug. Nichtsdestotrotz, bis Eispalast das Beste, was Bond in den letzten Jahren gezeigt hat. „Skyfall“ dagegen… seufz!

Alles neu macht der Sky?

Dass „Skyfall“ die wenigen Bondformalien nicht erfüllt, dürfte uns allen wohl inzwischen klar sein. Und, machen wir uns nichts vor, kein Bondfilm hätte eine starke Nutzung des Bondthemas so sehr gebraucht, wie „Skyfall“ (außer „Toast“), denn wenn man den Hauptdarsteller schon nicht für James Bond hält, dann sollte einem wenigstens die Musik so etwas vortäuschen. Tut sie aber nicht. Ganz ehrlich, ich kenne Pornofilme, deren Soundtrack mehr nach Bond klingt als das hier.

Man hätte es ja ähnlich konsequent machen können wie in „Casino Royale“, wo das Bond Thema langsam in kleinen Schritten in die Musik eingebaut wird, um an Ende zum Bond Thema zu kulminieren, so wie wir es kennen (weil Bond jetzt Bond ist). Bei diesem Film hätte man in der Actionsequenz am Anfang voll das Bond Thema fahren sollen und es dann, während Bond zu sich und dem Secret Service zurück findet, langsam wieder aufbauen können. Ja, „Casino Royale“ hat das sehr konsequent gemacht… aber das ist das Hauptproblem, das ich mit „Skyfall“ habe: Der Film ist von vorne bis hinten inkonsequent.

„Sturz aus allen Wolken“

Bond soll realistischer sein. Hmja, genau. Warum hat M dann eine Festplatte mit wichtigen Daten irgendwo in der Türkei herumliegen? Warum kennt Bond die Frau, mit der er arbeitet nicht (gut, er steigt zu jeder Tussi ins Auto, das kann man gelten lassen). Warum schießt Eve nicht noch mal, nachdem sie Bond getroffen hat? Warum merkt sie sich nicht, wie der Bösewicht ausgesehen hat? Warum überlebt Bond den Sturz in die Tiefe? Warum ist Silvas Plan so scheißkompliziert?

Damit sein Plan funktioniert, muss Silva davon ausgehen, dass

a) Bond den Attentäter überwältigt,

b) seinen Platz einnimmt,

c) den Waran (würg!) im Kasino überlebt,

d) auf Sex unter der Dusche steht und

e) zu seiner kleinen Insel kommt, nicht zu vergessen

z), dass da irgendwann irgendwo unter der Erde von London genau zur richtigen Zeit eine U-Bahn kommt, unter der Bond steht.

Jau, das ist natürlich viel realistischer als das unsichtbare Auto (und das war schon schwachsinnig!). Und Sie haben völlig Recht, normalerweise würde man solche Fragen bei einem Bond Film nicht stellen, aber wenn die Macher in Richtung „realistischer“ gehen wollen, dann werden sie sich wohl oder übel diese Fragen gefallen lassen müssen.

Konsequent inkonsequent

Zwei Filme lang hat man uns deutlich gesagt: Bond fängt an. Und hier: Zu viele Einsätze, zu alt, ausgebrannt. Inkonsequent!

Die Aston Martin Szene: Schön, das Bondthema endlich wieder laut und knackig zu hören – aber dieser Bond hat diesen Wagen nie gehabt, es ist sein Privatwagen (sagt er selbst), also warum weiß M vom Schleudersitz… INKONSEQUENT! Und, viel schlimmer, die Szene ist brachial und unelegant. „Stirb an einem anderen Tag“ hat die Reise durch 40 Jahre Bond weit netter und liebevoller eingebaut.

Dann sagt Q süffisant, dass man so was wie explodierende Füllfederhalter nicht mehr mache, zitiert aber trotzdem aus der guten alten Zeit, dass er es schön fände, wenn Bond die Sachen heile wieder mitbringen würde – Leute, entscheidet euch für eins, aber sich über das alte lustig machen und doch davon naschen zusammen geht nicht. In-kon-se-quent! (Früher hatte Bond immerhin noch eine schnippische Bemerkung, Q glaube gar nicht, wie viel Verschleiß es im Kampfeinsatz gebe zur Hand, aber das war ja auch ein anderer Bond.)

Zeit auf Daniel Craig einzugehen? Bond war mal charmant, süffisant, elegant. Craig wirkt auch im dritten Film trotz maßgeschneiderter Anzüge noch klobig und ungeschliffen. Vielleicht ändert sich das ja im nächsten Film… aber das hab ich auch schon vor zwei Filmen gehofft.

Bond, eine Charakterstudie

Zieht man also ab, dass es kein rechter Bondfilm ist, was bleibt dann noch? Die „Handlung“. Und die haben wir, das wird vielen nicht gefallen, in „Stirb an einem anderen Tag“ irgendwie schon mal und besser gesehen. Bond fällt, bleibt von der Bildfläche verschwunden und kehrt dann zurück… Traurig zu sagen, dass Sonnyboy Brosnan Charakterdarsteller Craig hier locker an die Wand spielt.

Denn dass Bond mal nen Bart hat und sich in ner Strandbar auf Malle die Kante gibt macht noch keine Charakterstudie. (Ja, ich weiß, es war in der Türkei.) Da wird Tiefe vorgetäuscht… aber eigentlich nur angedeutet.

Ja, bei dem Wort „Skyfall“ wird Bond böse… aber eingehend beleuchtet wird das nicht. (Weil er das Haus schon immer gehasst hat, gähn.) Ich sage nicht, dass in „Skyfall“ nicht ein guter Film drinsteckt, doch, doch, man hätte durchaus einen daraus machen können. Sogar einen Bond Film. Hat man aber leider nicht. Die Tiefe, die da sein sollte, wenn man sich schon weigert, einen Bond Film zu machen, fehlt ebenfalls. Aber hey, für die Kritiker hat’s gereicht. (Und sollte einer von euch erwähnt haben, wie toll und originell und cool die Szene mit dem spiegelnden Glas in Shanghai war – hat Regisseur Sam Mendes schon mal gemacht. Sogar mit Daniel Craig!)

Also von Inkonsequenz durchzogen, keinerlei emotionale Begründung (zum Beispiel warum dieser Bond diese M beschützen will, obwohl sie ihm selten guten Grund dafür gegeben hat) und letzten Endes dann ja auch eigentlich nur eine hyperkompliziert gestaltete Rachegeschichte (Mit seinen Fähigkeiten hätte Silva problemlos nach London fahren und M umlegen können, wenn er das gewollt hätte). Dazu kommt noch „Kinkaid“, der so wirkt, als hätte man die Rolle für Connery geschrieben, was auch alles in allem viel mehr Sinn ergeben hätte… aber statt sie dann wenigsten mit Roger Moore einem anderen Alt-Bond zu geben, verpufft mit der Besetzung von Albert Finney hier das möglicherweise angedachte „Schließen des Kreises“.

Auf der positiven Seite: Der Film ist schön fotografiert. Und der Titelsong ist gut. Klingt wie Bond – so ziemlich als einziges im Film.

Eleganz war früher mal

Dann noch die mangelnde Eleganz mit der Moneypenny eingeführt wurde. Wäre es denn so schwierig gewesen, zu schreiben:

BOND: „Du arbeitest jetzt für M? Wie muss ich dich dann nennen? Miss…“

EVE: „Moneypenny, der Name ist Moneypenny.“

Einfach, elegant und nicht so plump wie im Film.

Und dass aus MMMMMMallory der neue M werden würde, war dann auch nicht sooooo überraschend.

Oh, es wird immer wieder gerne hervorgehoben, dass mit dieser neuen Moneypenny den Frauen mal eine stärkere Rolle gegeben wird, als sonst nur wie ein Püppchen herumzustitzen und gut auszusehen. Das bedeutet also, es wird ein besseres Frauenbild gezeigt, wenn man sie als absolut unfähige Agentin darstellt, die in ihrem Job völlig inkompetent ist und deswegen dann später als Sekretärin ihres Chefs arbeitet? Gut, für Bond vielleicht schon!

Aber kommen wir zum Ende… des Films. Auch da ist Silvas Vorausdenken irgendwie… realistisch. Er schickt 20 Leute als Vorhut los, sagt dann aber erst später den Leuten, mit denen er ankommt, dass er die Frau selber umlegen will. Tja, gut, wenn man unfähiges Personal beschäftigt, sonst hätte die Szene nämlich auch ganz anders aussehen können…

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Ende gut, alles tot

Silva kommt an. Seine Leute erwarten ihn. Alles ist ruhig.

SILVA: Where are they?

KILLER: We killed them.

SILVA: What?

KILLER: We killed them. All of them.

SILVA: But… what about the woman?

KILLER: We killed her, too. And some groundskeeper.

SILVA: WHAT?

KILLER: Was our job, wasn’t it. I mean, you hired us for that. And we are professionals.

SILVA: But… I wanted to kill her.

KILLER: You didn’t tell us.

SILVA: But… but… HOW?

KILLER: Oh, we stole a policecar and knocked at the door. They opened and we killed them.

SILVA: But… that… is…

KILLER: Good work. High five? No.

SILVA: But… this is all wrong. I wanted to kill the woman.

KILLER: Then why didn’t you tell us?

SILVA: Because I thought you would be dead by now.

KILLER: Well, thanks for the vote of confidence, man. We’re pros! And, by, the way, we wanna get payed!

Na, das wäre doch ein viel besseres Ende gewesen. Und vor allem: Viel realistischer!

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von Martin Cordemann

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Bond oder nicht Bond…

…das ist hier die Frage

Wie wir im letzten Kapitel (darf man Kapitel schreiben, obwohl es ein Blog ist? Ja, ich glaub schon!) gesehen haben, gibt es da (in meinen Augen) ein paar Kriterien, die ein Bondfilm erfüllen sollte, um ein Bondfilm zu sein. Wobei es auch da Ausnahmen gibt.

Das berühmte Anfangstrio „Gunbarrel / Teaser / Titellied“ existiert in dieser Form eigentlich erst seit dem dritten Film („Goldfinger“, für alle, die es genau wissen wollen). Es wird in dieser Form aber auch nicht bei allen Filmen durchgehalten (z.B. bei „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Das Titellied „We have all the time in the world“ von Lewis Armstrong taucht während des Films auf, während im Vorspann ein Instrumentalstück gespielt wird, dessen Melodie sich durch den gesamten Film zieht).

Zurück zu den Anfängern

Wie sehen wir James Bond das erste Mal? Auf dem Klo in schwarz/weiß… wo er jemanden zusammenschlägt? Nein, das war „Casino Royale“. Wir sehen ihn durch den Lauf eines Gewehrs. Aber hören wir dazu das Bond Thema? Nein! Denn beim ersten James Bond Kinofilm war man noch ein bisschen am Experimentieren. (Ich schreibe KINOfilm, weil es ja vorher schon eine Bond-Verfilmung fürs Fernsehen gab, „Casino Royale“… aber ein anderes „Casino Royale“ als das oben genannte – eins von drei, um genau zu sein.)

Aber kommen wir zurück zu „Dr. No“. (Ich bin mir nicht ganz sicher, wie der Film bei uns nun eigentlich heißt, „James Bond jagt Dr. No“ oder „James Bond 007 jagt Dr. No“? Naja…) Wie gesagt, es war der erste Film und man experimentierte noch ein bisschen herum. So ließ man Maurice Binder ein bisschen herumspielen und die berühmte Gunbarrel-Sequenz entstand… allerdings ist der Mann, den man hier sieht, nicht Sean Connery sondern Stuntman Bob Simmons. Dazu hört man ein paar dissonale Klänge (oder wie würden Sie das bezeichnen?), die dann in das Bond Thema übergehen, so wie die Gunbarrel-Sequenz direkt in den Vorspann übergeht.

From EON with Love

Beim zweiten Film, „Liebesgrüße aus Moskau“, kam es dann zum ersten Mal dazu, dass nach der Gunbarrel und vor dem eigentlichen Vorspann eine Vortitelsequenz, kurz Teaser eingeführt wurde (etwas, das z.B. bei vielen amerikanischen Fernsehserien üblich ist). Aber so ganz hatte man seine Erfolgsformel noch nicht gefunden, denn obwohl es ein gesungenes Lied „From Russia with Love“ gibt, so baute man das erst am Ende des Films ein und unterlegte den von Maurice Binder gestalteten Vorspann nur mit einer Instrumentalversion des Songs. Danach schuf man dann mit „Goldfinger“ die Vorlage, die man viele Jahre weitestgehend konsequent durchhielt.

Dann wollen wir die beiden „Ausreißer“ nicht unerwähnt lassen, inoffizielle Bond Filme (d.h. nicht von EON und der Broccoli-Familie produziert). Einer davon ist, wie könnte es auch anders sein, „Casino Royale“! (Der dritte, na ja, eigentlich der zweite; als Parodie angelegt, aber eher anstrengend als witzig. Über diesen Film würde ich dann doch lieber den Mantel des Schweigens ausbreiten.)

Der andere ist Connerys Rückkehr zu Bond: „Sag niemals nie“, der aus rechtlichen Gründen sowohl auf Gunbarrel als auch auf das Bond Thema verzichten muss.

Never say Remake again

„Sag niemals nie“ ist ein Remake von „Feuerball“, das ist offiziell (und rechtlich abgesichert). „Moonraker“ ist ein Remake von „Der Spion, der mich liebte“, aber das ist inoffiziell (und auch nicht rechtlich abgesichert). Auf die Geschichte von „Sag niemals nie“ muss ich hier sicher nicht eingehen, da Sie sich ja auskennen. (Fleming entwickelt zusammen mit anderen Drehbuch, benutzt Handlung ohne zu fragen für Roman, die anderen bekommen die Filmrechte zugesprochen, was Kevin McClory später die Möglichkeit zu einem eigenen Bond Film gab.)

Dieser Film hat zwar einen gesungenen Titelsong, aber es gibt weder Gunbarrel noch Teaser noch Bond Thema – und doch wirkt er für mich mehr wie ein Bond Film als es jeder von Daniel Craig tut. Gut, dafür gibt es bei diesem Film einen besonderen Grund: Sean Connery! Es hilft auch, dass man sich nicht zu ernst nimmt und sogar das gesteigerte Alter des Agenten zum Thema macht. Es scheint einige zu geben, die ihn nicht mögen, aber unterm Strich fühlt sich dieser Film für mich aber einfach richtig an.

Anders „Lizenz zum Töten“, der zweite (und letzte!) Film von Timothy Dalton. Er erfüllt alle Formalien, Michael Kamen liefert einen angemessenen Soundtrack – und doch will es sich irgendwie nicht wie ein Bond Film anfühlen. Bond gegen einen Drogenbaron scheint nicht ganz ins Bild zu passen. Dass es sich um eine Rachegeschichte handelt auch nicht. Und dass der Drogenboss einer der uncharismatischsten Gegner ist, hilft der Sache auch nicht gerade. Als ich den Film das erste Mal gesehen habe, war das mit einem Freund zusammen in einem klassisch-schönen Kino in Holland. Unser beider Meinung war: Tolles Kino, schlechter Film.

Ähnliches kann man über „Ein Quantum Toast“ sagen – in meinen Augen weder ein guter Bond noch ein guter Film. Aber wie sieht es mit dem hoch gelobten „Skyfall“ aus? Nun, das erfahren wir beim nächsten Mal…

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von Martin Cordemann

Erschüttert, nicht gerührt

– Was macht einen Bond Film aus?

Was macht einen Bond Film aus? Nun, im Laufe der Zeit schraubt man seine Ansprüche ja immer mehr zurück. Das habe ich bei Bond inzwischen auch getan. Ich erwarte also keine clevere Handlung, keinen klugen Schurken, keinen brutalen Helfershelfer und keine schönen Frauen.

Hm, was ist mit den Figuren? Da gibt es doch bestimmt ein paar, die immer dabei waren, oder? Gute Frage: Welche Figuren tauchen in allen Filmen auf? Bond und M? Q? Moneypenny? Felix Leiter? Der Beisser? Nein.

Es gibt tatsächlich nur eine Figur, die in allen Bond Filmen auftaucht: James Bond. Selbst M ist nicht in allen Filmen vertreten (durch den überraschenden Tod des ersten M Darstellers, Bernard Lee, verzichtete man in „Moonraker“ auf die Figur und gab ihr „Urlaub“).

Auf ein Minimum reduziert

Wenn wir uns also auf die absoluten Mindestanforderungen beschränken wollen, die wenigen Formalien, die ein Film erfüllen muss, damit er ein BONDfilm ist, dann bleiben – neben der Hauptfigur – 4 Dinge übrig:

–         Gunbarrel-Sequenz am Anfang

–         Vortitelsequenz (Teaser)

–         Titel (am besten gesungen)

–         Bond Thema in der Musik während des Films

Klingt eigentlich nicht allzu kompliziert – scheint es aber zu sein. Umso schwerer ist es da zu verstehen, warum man diese wenigen Kriterien nicht einhalten möchte. Über die Musik und das Bond Thema hatten wir ja schon eingehend gesprochen, den Teil überspringe ich also mal.

Bleibt das Anfangstrio: Gunbarrel / Teaser / Titellied

Es gibt Bondfilme, die ohne auskommen und doch wie ein Bond Film wirken  („Sag niemals nie“ – aber das liegt hauptsächlich an Connery) und es gibt welche, die alle diese Elemente beinhalten und doch kein Bond Film sind („Lizenz zum Töten“). Und es gibt die Craig Filme.

Die Gunbarrel-Sequenz

Aber, bevor wir gehässig werden, wieso könnte jemand (ich!) das als Problem ansehen? Ich meine, gerade die Gunbarrel-Sequenz ergibt, bei näherer Betrachtung, überhaupt keinen Sinn.

Weiße Punkte (sollen Kugeleinschläge andeuten) hüpfen über einen schwarzen Hintergrund, dann sehen wir durch den Lauf (nicht das Zielfernrohr!) eines Gewehrs auf einen hellen Hintergrund, vor dem ein Kerl entlangläuft, der sich plötzlich zu uns dreht, schießt und dann läuft Blut (???) über den Gewehrlauf…

Ganz ehrlich, völliger Schwachsinn! Und doch ist es eine der besten und bekanntesten Eröffnungssequenzen, ähnlich wie die Augen und Hände beim „Tatort“. Sie signalisiert uns: Das ist Bond.

Seit „Dr. No“ hat jeder (offizielle) Bond so begonnen, es ist ein Intro, eine Einführung, der Jingle bevor es losgeht. Diese Sequenz wegzulassen ist, als würde man „All you need is love“ von den Beatles ohne die französische Nationalhymne als Intro spielen. Manche Dinge gehören einfach zusammen – und werden nach einer gewissen Zeit auch erwartet.

Dass man die Sequenz bei „Casino Royale“ weggelassen hat, ist durch die Struktur des Films begründet und in diesem Rahmen sinnvoll. Der Film soll Bonds Anfang zeigen, eine Anspielung auf diese Sequenz erfolgt in dem Moment, als er seinen zweiten Menschen tötet und sich damit seinen Doppelnullstatus verdient. So gesehen ist das eine schöne „Rechtfertigung“ für die Szene bei den anderen Filmen, da sie wiederum unterstreicht, dass es um 007 mit der Lizenz zum Töten geht. Die Szene aber bei den folgenden beiden Filmen ans Ende zu setzen… kann ich nur mit einem ausufernden Seufzen kommentieren.

Aber was ist mit dem Teaser? Und dem Titellied? Und überhaupt? Keine Sorge, das kommt schon noch!

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von Martin Cordemann

Bond is in the air

– Das James Bond Thema und die Frage: Wie wichtig ist die Filmmusik?

Was macht einen Bond Film aus? Na, was? James Bond war mal ein gut aussehender, rauchender, gebildeter Mann aus der höheren Gesellschaft, der jede Menge Frauen abgeschleppt und nebenbei die Welt gerettet hat, ein paar Morde inbegriffen. Aber, machen wir uns nichts vor, das ist inzwischen alles austauschbar geworden. Alles? Naja, fast alles. Denn es gibt eine Sache, wirklich nur noch eine Sache, die Bond aus der Masse hervorheben, die ihn individuell, erkennbar, einzigartig machen kann – also warum zur Hölle nutzt man sie nicht?

Die Rede ist, wie man unschwer dem Titel entnehmen kann, von der Musik. Hier hat man einen der größten Schätze der Filmgeschichte in der Hand und behandelt ihn völlig stiefmütterlich. Denn das James Bond Thema ist wohl eine der besten Action-Musiken aller Zeiten. Was den Wiedererkennungswert angeht spielt es locker in einer Liga mit „Mission: Impossible“, der „Star Trek“ Fanfare oder dem Thema von „Der weiße Hai“. Das Bond Thema ist einprägsam, leicht erkennbar, variabel und anpassungsfähig. Ich erspare uns jetzt, die Frage zu klären, wer nun mehr zu dieser Musik beigetragen hat, ihr eingetragener Komponist Monty Norman oder ihr Arrangeur John Barry – dazu gibt es Bücher, schlagen Sie es nach, wenn Sie interessiert.

Persönliche Noten

Aber warum ist diese Musik – in meinen Augen – so wichtig und warum höre ich nicht auf, die Leute damit zu nerven? Nun, weil sie wie gesagt das einzige ist, wodurch sich Bond heutzutage noch von anderen Actionfilmen unterscheiden kann. Dieses Thema ist quasi das einzige, das nicht austauschbar ist. Diese Noten verliehen den Filmen ihre persönlichen Noten.

Das Bond Thema ist zeitlos, es funktioniert in den 60ern genauso wie in den 90ern und im neuen Jahrtausend. Es hat Feuer, Klasse, Action. Es adelt jede Actionszene und lässt sie besser aussehen, als sie ist. Um „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ zu zitieren: „Es hebt… die Stimmung!“ Schauen Sie sich einfach mal den Anfang von „Moonraker“ an: Fallschirmspringen und Bond Thema – mehr braucht man nicht zu sagen!

Von diesem Standpunkt es ist schon mal schwer nachvollziehbar, warum man diesen Schatz in letzter Zeit so selten nutzt, hätte er doch sogar eine Gurke wie „Ein Quantum Toast“ vielleicht wie einen halbwegs passablen Film aussehen lassen – oder zumindest über ein paar seiner Schwächen hinwegtäuschen können.

Hören und hören lassen

Das andere ist: Diese Musik (und nur diese Musik!) ist der einzig verbliebene Identifikationsfaktor. Es hat diverse Bonddarsteller gegeben, diverse Ms, Qs, Moneypennys, Leiters und sogar vier Blofelds. Die Räumlichkeiten haben gewechselt, die Autos, die Frauen. Nur eins ist Bond in all den Jahren treu geblieben: Seine Musik.

(Exkurs: John Barry, den ich als den wahren Genie hinter dieser Musik vermuten würde, hat für „Liebesgrüße aus Moskau“ ein Stück mit dem Titel „007“ geschrieben, das er quasi als Gegenstück zum Bond Thema etablieren wollte. Es hat nicht so richtig funktioniert und man hört es nur in drei Soundtracks, die allesamt von Barry stammen… und in denen oft Boote zur Musik zu sehen sind.)

Das Bond Thema ist zeitlos – und man kann es jederzeit einsetzen. Und das, ohne dass es langweilig wirkt und immer gleich klingt. Der beste Bond Soundtrack ist der, der es schafft, die Melodie des Titelliedes mit dem Bond Thema zu verbinden. So bleibt einerseits die Erkennung „Bond“ erhalten, andererseits erhält das Thema aber auch seine individuelle, dem jeweiligen Film entsprechende Note. John Barry war ein Meister darin, beide Musiken miteinander zu verweben und auch David Arnold macht seine Sache sehr gut – wenn man ihn lässt.

Spiel mir das Lied vom Bond

„Goldfinger“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie beide Themen miteinander verbunden werden und gleichermaßen die Individualität des Films betonen und die Integrität der Reihe gewahrt wird (ja, das klingt ein wenig hochgestochen, hat aber was). Auch bei „Feuerball“ verschmelzen beide Elemente hervorragend miteinander. Auf Wunsch kann, wie bei „Man lebt nur zweimal“ auch gerne ein Hauch Lokalkolorit (japanisch) eingeflochten werden, das Bond Thema macht es mit.

„Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ ist einer der Sonderfälle, in dem der Name des Films nicht im Lied auftaucht. (Welche Überraschung! Aber auch „Oktopussy“ ist hiervon nicht verschont geblieben und der Song von „Der Spion, der mich liebte“ heißt „Nobody does it better“, auch wenn eine Textzeile auf den Titel verweist.) Das Lied heißt „We have all the time in the world“ und wird während des Films gespielt. Stattdessen hat der Film einen instrumentalen Anfangssong, der aber auch hier durchgehend und erfolgreich in den Soundtrack integriert wird.

Ein Beispiel, das etwas aus der Reihe läuft ist „Der Hauch des Todes“. Es scheint, Barry habe seine Differenzen mit A-ha, den Schöpfern des Titelliedes gehabt – Sie sind eh gerade im Internet, das können Sie also auch selbst nachschlagen. Da stehen unschöne Bezeichnungen, die er für diese Gruppe hatte… und er setzt diese Differenzen auch in seiner Musik um: Er verwendet die Melodie von „The Living Daylights“ äußerst selten – dafür hatte er aber offensichtlich Spaß an der Musik, die sie für den Killer Necros bei dessen ersten Einsatz gewählt hatten, und so pflegt er die Melodie von „Where Has Everybody Gone“ immer wieder – man hat das Gefühl: gerne – in die Filmmusik ein. Leider macht Necros irgendwann den Abgang und so muss er auf das Daylights Thema zurückgreifen.

Auch David Arnold hat einen eigenen Stil für die Bond Musik entwickelt. Er entscheidet sich etwas von dem Barrys, aber doch schafft er es, die Action auf den Punkt und das Bond Thema auf die Szene zu bringen. Auch das Verweben der Melodien gelingt ihm sehr gut. Zu traurig also, dass seine Musik für „Toast“ zu enttäuschend ausgefallen ist. Bei „Casino Royale“, dem „Bond wird Bond“ Film, schafft er es auf wunderbare Weise, den Prozess dieser Entwicklung auch in der Musik widerzuspiegeln. So wie Bond baut sich auch sein musikalisches Thema nach und nach auf. Ein bisschen Bond hier, ein Touch da, bis man am Ende das hat, was man haben möchte: Das James Bond Thema. Dass er es in „Toast“ kaum verwendet verwundert – aber vielleicht hat er den Film auch nicht für einen Bondfilm gehalten?!

„Mein Name ist Bar, Austausch Bar.“

Wir sehen also: Das Bond Thema kann altvertraut und doch immer frisch und neu, der Situation, den Film angemessen sein. Und sie ist, neben dem Namen (und ich schreibe bewusst nicht „Charakter“) James Bond, das einzige, was noch aus den 60ern übrig geblieben ist und sich nicht verändert hat.

Somit ist sie das einzige, was uns anzeigt, dass wir zu Hause sind, dass das hier ein James Bond Abenteuer ist und dass es sich bei dem gut gekleideten Typen, der Leute zusammenschlägt, um Agent 007 handelt und nicht um den Mann im Anzug aus „Person of  Interest“.

Die Musik sorgt dafür, dass das nicht austauschbare Ware ist – aber das scheinen die Produzenten nicht zu wissen. Oder es ist ihnen egal. Kann es ja auch sein, denn wenn einer der schlechtesten „Bond“ Filme (es ist kein Bond!) aller Zeiten, „Ein Quantum Toast“, der zweiterfolgreichste Film der Reihe ist, dann macht’s doch keinen Unterschied, dann kann man auch solchen Mist abliefern und dem Zuschauer wird’s schon gefallen. Also wozu sich Mühe geben?

Warum man einen Bond Film für Leute machen soll, die Bond Filme eigentlich nicht mögen… tja, erschließt sich mir nicht so ganz, denn dann braucht man ja auch streng genommen keinen Bond Film zu machen. Falls Sie das Gefühl haben, dass ich mich hier aufrege, dann liegen Sie gar nicht mal so falsch. Tja, ich schätze, das bringt uns zu der Frage: Was macht eigentlich einen Bond Film aus? Nun, das… klären wir beim nächsten Mal!

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von Martin Cordemann

Uuups, they did it again…

…Remake, Homage oder einfach nur geklaut?

Wat is ne Remake? Da stellen wir uns doch einfach mal dumm… denn das sind die meisten Remakes eigentlich auch, dumm… und überflüssig. Eins der Argumente, die man mir immer wieder dafür nennt, wenn ich mich über so was aufrege, ist: „Das Original kennt doch keiner!“ Weil es ja schon 30 Jahre alt ist. Oder 20. Oder 10. Oder eins!

Die Aufmerksamkeitsspanne der Leute lässt ja immer mehr nach und wer weiß denn da noch, dass „Spider-Man“ erst vor wenigen Jahren neu auf den Markt gekommen ist, wenn er jetzt ganz neu auf den Markt kommt? Aber dafür hat der liebe Gott doch die DVD erfunden, damit man sich an so was erinnert und es nicht in Vergessenheit gerät.

Und doch scheint Dinge, die gerade mal ein paar Jahre alt sind, keiner mehr zu kennen, auf dass man sie in neuem Gewande verbraten kann.

Stellen wir uns also nicht die Frage, ob man so was braucht, stellen wir uns die Frage: Was ist ein Remake? Was ist eine Homage? Und was ist schlicht geklaut?

Remake my day

Ein Remake ist relativ einfach zu erklären. Man nimmt etwas, das es schon gibt, und macht es noch mal, nur mit anderen Schauspielern… und ggf. völlig anders, mit großer Wahrscheinlichkeit aber schlechter. Was die eine oder andere Frage aufwirft. Wenn ich von etwas ein Remake machen will, warum mache ich es dann völlig anders und das einzige, was ich beibehalte, sind die Namen der Personen? Macht das ein Remake nicht eigentlich völlig sinnlos?

Ja, macht es, scheint aber keinen zu stören. Man kann also die Bezeichnung Remake gelten lassen, wenn eine Figur so heißt wie in der alten Fassung. In etwa. Wir wollen da nicht so streng sein. Dass man bei einem Remake selten versucht, den Geist des Originals zu übertragen, auch das ist… ich weiß es doch auch nicht. Vergleichen Sie einfach die Serie „Das A-Team“ mit dem Film „Das A-Team“ – und lassen Sie sich die Frage nach dem „warum“ mit dem einfachen Wort „Geld“ beantworten. Dass heutzutage alles jünger und schneller und hipper und funkiger sein muss, ist ja klar. Dass man aber irgendwie keinen rechten Zusammenhang zum Original finden kann, fällt nicht ins Gewicht, weil… na, haben Sie aufgepasst? Weil… Weil es keiner kennt! Japp! Also ganz egal, was man da macht, für die Freunde des Originals ist es eh nicht und alle anderen schert das einen Dreck.

Werde ich zu negativ? Ich glaube schon. Aber egal. Ich denke, Remake haben wir jetzt ganz gut umrissen. Kommen wir zu, Trommelwirbel, der…

Homage

Eine Homage, Komma, liebevolle, ist eine Anspielung auf ein Original. Es ist ein Augenzwinkern zum Zuschauer, vielleicht noch ein Zitat. Es zeigt, dass man das Original kennt und man verbeugt sich hiermit davor.

Parodien, jedenfalls gute, gehen teilweise in den Bereich der Homage. In ihren frühen Jahren haben die Zucker-Brüder zwei der besten Komödien aller Zeiten geschaffen, „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ und „Die nackte Kanone“. Beide spielen mit ihren Genres, zitieren und parodieren. Wenn man sich diese Filme betrachtet und sie neben das Original stellt, z.B. die „Airport“ Filme, dann wird man feststellen, dass hier mit einem guten Auge fürs Detail gearbeitet wurde und man Klischees aufgegriffen und parodiert hat.

Anders ist es bei heutigen „Parodien“, die diesen Namen nicht verdienen und die zur Abschreckung mit einem „Movie“ im Titel gekennzeichnet sind. Die bieten weder Parodie noch Homage, hier wird einfach eine Szene aus dem zu „parodierenden“ Film nahezu original übernommen und dann um wenig witziges (Furzen, Kacken, Kotzen) erweitert. Par Odie, der Erfinder der Parodie, würde sich im Grab umdrehen, wenn es ihn denn gegeben hätte.

Wenn wir in eine Zeit zurückgehen wollen, als Woody Allen Filme noch gut waren (ja, ich bin so alt), dann stoßen wir auf „Mach’s noch einmal, Sam“, ein Film, den ich persönlich zwar nicht so sehr schätze, der aber, glaube ich, ein ganz gutes Beispiel ist. Denn hier wird das Thema Bogart und „Casablanca“ aufgegriffen und damit gespielt. Ähnliches gibt es in einer Episode von „Sledge Hammer“, wo man ebenfalls einen Bogart auftreten lässt und sich das ganze in eine Art Film Noir wandelt. Das ist eine Homage, an eine Zeit, an eine Ära, an einen Mann. Hier wird mit diesen Versatzstücken gespielt, sie werden aufgegriffen, gezeigt, stellenweise parodiert. Auch das Auftauchen eines renitenten Computers in „Der Schläfer“ und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“ ist gleichermaßen Homage und Parodie auf HAL 9000 in Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“.

Oder wenn in einer Serie wie „The Big Bang Theory“ Zitate aus Genrefilmen in einen neuen Zusammenhang gebracht werden, dann ist das eine Anspielung, ein Hinweis für Eingeweihte auf das Original. Vielleicht liegt es daran, dass das ganze nur Andeutungen sind, Hinweise, ein lächelnder Blick auf ein anderes Werk, die sie als Homage kenntlich machen… hätte ich gesagt, aber in „Ein Quantum Trost“ liegt die Leiche der Toten Frau ziemlich exakt so auf dem Bett, wie sie es bei „Goldfinger“ tut, im einen mit Öl, im anderen mit Gold überzogen. Die Macher würden bestimmt von einer Homage sprechen, ich würde da jedoch mein Veto einlegen. Also…

Wann ist es einfach nur geklaut?

Wenn man wenig Eigenes dazu tut? Wenn der einzige Unterschied der zwischen Gold und Öl (schwarzem Gold) ist. Wenn man gefühlt ganze Handlungsstränge 1:1 übernimmt. Brian de Palma könnte man vorwerfen, er habe „sich inspirieren“ lassen, seine Werke seien „Verbeugungen“ oder eine „Homage“ an Hitchcock, Eisenstein und wie sie alle heißen, aber auch da würde ich eher sagen: Das ist dann doch eher geklaut. Nicht alles, aber vieles. Und das Problem bei Leuten, die klauen ist, dass sie in den wenigsten Fällen so gut sind, wie der Originalregisseur – was dazu führt, dass das meiste Geklaute weniger gut ist als das Original. Und das ist dann, verzeihen Sie das Wort, Scheiße!

Wozu soll ich mir eine beschissene Kopie ansehen, wenn ich mir ein großartiges Original ansehen kann? Immerhin sind viele gut genug, bei guten Sachen zu klauen, aber da das Endergebnis a) zu wünschen übrig lässt und b) eh nicht mit dem Original mithalten kann, kann ich’s mir dann trotzdem schenken.

Also kommen wir zur „Inspiration“ für diese Kolumne: „Star Trek Into Darkness“. Ich habe mich ausführlich zu diesem Film geäußert, aber, um auf unser Thema zurück zu kommen, der Film klaut dreist und schlicht eine Szene aus „Star Trek II: Der Zorn des Khan“. Es ist keine Parodie, keine Homage, denn sogar die Dialoge sind nahezu identisch. Was in „Zorn des Khan“ eine wichtige, emotionale, was eine Schlüsselszene für den Film ist, für die Handlung, für die Freundschaft zwischen Kirk und Spock, verpufft in seiner Geklautheit ziemlich. Es ist mit weniger guten Darstellern weniger gut nachgespielt, um es kurz zu fassen. Da bleibt jegliche Wirkung aus – und es entwertet den Film extrem, denn dies ist nicht neu, dies ist nicht gut, dies ist nicht eigenständig, dies ist lediglich peinlich. Geklaut, billig, unverschämt. Das ist ein bisschen so, als würde man von einem legendären Film, sagen wir mal „Psycho“, eine 1:1 Kopie machen, indem man alle Szenen mit neuen Darstellern in den gleichen Einstellungen neu filmt… und so einen idiotischen Schwachsinn würde doch niemand machen. Oder?

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von Martn Cordemann

„Go, Wolverines, go… HOME!“

– Das fabelhafte Remake „Red Dawn“

Ein Remake von guten Filmen zu machen ist ja fast schon nachvollziehbar, aber von einem schlechten Film? Diesen Ruf hat das Original zumindest, „Die rote Flut“, ein Film, in dem junge Mädchen ihre ersten Erfahrungen mit der weiblichen Menstruation machen… äh, nein, ein Film, wo Amerika von den Russen besetzt wird, glaub ich. Auch nicht viel besser. Vielleicht sogar eher das Gegenteil!

Man könnte jetzt natürlich sagen, wenn man von einem miesen Film ein Remake macht, dann kann das ja nur besser werden… Tja, wenn Sie diese Meinung vertreten, dann haben Sie „Red Dawn“ nicht gesehen! Denn es geht schlechter, wow, und wie viel schlechter!

Ach, ich muss zugeben, ich kann das eigentlich gar nicht beurteilen. Ich bin nicht sicher, ob ich „Die rote Flut“ jemals gesehen habe, und wenn, dann ist das so lange her, dass ich mich beim besten Willen (und den hab ich nicht) nicht mehr daran erinnern kann. Ich muss also vom Remake selbst ausgehen… und das ist ein wirklich beschissener Film.

Höflich ausgedrückt!

Die Russen kommen!

Nein, stimmt ja gar nicht, das war im Original.

Die Chinesen kommen!

Stimmt auch nicht, das war ja von der Überarbeitung. Ich nehme an, Sie kennen die Geschichte. Da ja jetzt die Chinesen der große Block im Osten sind (der Ostblock, wenn Sie so wollen), und die Russen (und ganz besonders Putin) unsere Freunde (der will nur spielen!), da dachte man sich, die Russen können wir nicht nehmen und wir wollen ja auch eine aktualisierte Variante dieses brisanten Stoffs (kicher!) machen, also nehmen wir die gelbe Gefahr! (Ich denke, das kann man schreiben, ohne rassistisch zu klingen, oder?) Dann hat man aber wohl festgestellt, dass die Chinesen ja jetzt der neue große Block im Osten sind und quasi so eine Art Absatzmarkt, mit dem man es sich ja nicht verscherzen will. Nu hatte man aber wahrscheinlich schon mit irgendwelchen Schlitzau… mit irgendwelchen Asiaten gedreht und da konnte man ja nicht einfach sagen, der Franzmann ist da. Oder der Kraut. Oder der Tommy. Der Mexikaner wäre gegangen, aber das hätte keiner geglaubt. Also hat man im Computer alles ein wenig neu bearbeitet und aus dem bösen Chinamann wurde im Nu…

Der böse Koreaner, Komma, Nord, Ausrufezeichen!

Denn wenn wir eins über den Nordkoreaner wissen, dann ist das, dass er böse ist. Und Kommunist. (Reimt sich!) Und wer böse ist und Kommunist der reist auch gerne mal nach Amerika, und wenn ich „reist“ sage, meine ich „marschiert ein“ und wenn ich „Amerika“ sage, meine ich „Amerika“, also genau genommen „USA“, dass es da noch mehr gibt, weiß ja keiner, besonders nicht der Amerikaner.

Also kommt die rote Gefahr… die gelbe Gefahr, mit Pauken und Trompeten, nein, mit Flugzeugen und Panzern. Und das ist toll, ein Meisterwer… ach, wem will ich hier was vormachen.

In war Sion

In der Invasionsszene sind eine solche Unmenge von Flugzeugen am Himmel und eine solche Unmenge von Geländefahrzeugen auf dem Boden, dass man sich nur eine Frage stellt: Wo haben die die vielen Maschinen her? Wie sind die unbemerkt dahin gekommen, besonders die Autos? Und wer ist jetzt eigentlich noch in Korea, wenn die alle hier sind? Drei, drei Fragen!

Die Antwort ist und bleibt Kopfschütteln, denn die Prämisse des Films ist mit idiotisch noch recht höflich umschrieben, der Rest des Films folgt dieser Idiotie aber mit der demütigen Treue, mit der man einem koreanischen Staatsdiktator folgt.

Baseball gegen Schlitzis

Na komm, bei dem Film darf man doch auch in der Kritik nicht an Rassismen sparen. Wenn schon keiner merkt, dass die Asiaten, die man als Chinesen gecastet hat, jetzt Koreaner sind, dann darf man das, sehen doch eh alle gleich aus, offenbar. Was genau die Koreaner da nun wollen, hat sich mir nicht so erschlossen. Jedenfalls sperren sie die Amerikaner in Gefangenenlager, wahrscheinlich, um deren CO2-Ausstoß zu verringern, was wirklich löblich wäre. Das würde der Invasion einen Sinn geben… den der Film nicht verdient hat. Denn das wäre zu originell. Und das ist er nun wirklich nicht.

Eine Horde junger College, Highschool oder wasauchimmer Kids beginnt nun, gegen die asiatische Mafia zu kämpfen… während Holland wahrscheinlich gerade in das menschenleere Nordkorea einmarschiert, aber das erfahren wir im Film nicht. Wahrscheinlich sind es Baseballspieler, denn das sind ja die meisten amerikanischen Kinder auf irgendwelchen Schulen. Und so als Team aus Spielern und so kämpfen sie dann gegen die Gegner und so und gewinnen auch mal hier und da und so und dann ist der Film irgendwann vorbei und man fragt sich: Wo hab ich eigentlich geparkt? Gehen wir jetzt noch was essen? Ja, am besten zum Asiaten. Denn auch wenn der Chinese nicht richtig einmarschieren kann, kochen kann er!

Halb_Fiction514

von Martin Cordemann

Lesen und sterben lassen

– Wie unterscheiden sich eigentlich James Bond Bücher und Filme?

Man weiß, es gibt Unterschiede zwischen den James Bond Büchern und den James Bond Filmen. Genau genommen geben die Filme die Bücher sehr wenig treffend wieder – wie man besonders am Beispiel von „Live and let die“ sehen kann.

Wer denkt, bei Bond gehe es vor allem um Sex und Gewalt, Frauen und Killen, angeheizt durch ein bisschen Spionage, der ist auf dem Holzweg. Denn in Ian Flemings zweitem Bond-Roman spielt eine völlig andere Sache eine große Rolle – was in den Filmen meist schmählich vernachlässigt wird. Nein, ich meine nicht den Rassismus (ich habe noch nie so oft das Wort „negroe“ gelesen wie in diesem Buch – und dass Schwarze und Voodoo zusammengehören wie Pech und Schwefel, äh, Laurel und Hardy, das ist ja wohl nicht rassistisch sondern einfach 50er Jahre Denken). Etwas anderes zieht sich durch dieses Buch, so wie Blofelds Katze durch eine sonnendurchflutete Villa: Essen.

Essenzielles

Ja, meine Lieben, bei Bond geht es ums Essen. Kein Scherz. Während sich der Agent seiner Majestät im Film eher in den Armen einer bikinigewandeten Schönheit vergnügt, unterbricht er seine Agententätigkeit in diesem Buch nicht für die Mahlzeiten… vielmehr unterbricht er seine Mahlzeiten nur, um hin und wieder mal ein bisschen in Sachen Spionage zu unternehmen.

Wahrscheinlich nimmt die Wichtigkeit des Essens im Laufe der Reihe ab, in „Goldfinger“ zum Beispiel braucht es vier Kapitel, bevor die erste Mahlzeit erwähnt wird. Doch wichtig bleibt es schon, wenn man beispielsweise einen Flick auf „Feuerball“ wirft. Bond beklagt sich über Kopfschmerzen von zuviel Rauchen und Saufen und schlechter Ernährung und stellt sich um auf gesunde Ernährung. Und es wirkt, es geht ihm besser… doch dann stellt er fest, dass er so gesund keine Leute umbringen kann und damit seiner Aufgabe nicht gerecht wird, also kehrt er zu seiner „ungezügelten Lebensweise“ („Sag niemals nie“) zurück. In „Leben und sterben lassen“ ist und bleibt das Essen allerdings die Hauptrolle.

Nur zwei Beispiele:

– Solitaire, Bonds Geliebte, wird entführt, mit ungewissem Schicksal und der Option auf Tod – nächste Szene, Bond isst.

– Felix Leiter, Bonds langjähriger (seit dem letzten Buch) Freund wird (im wahrsten Sinne des Wortes) den Haien zum Fraß vorgeworfen. Man bringt ihn ins Krankenhaus, Arm ab, Bein ab, Gesicht zerfetzt, Körper in schlechtem Zustand mit der Option auf Tod – nächste Szene, Bond frühstückt. Kein Scherz!

Und so hangelt sich der Agent von Mahlzeit zu Mahlzeit, wobei Fleming natürlich auch seinem Missfallen gegenüber der Amerikanischen Küche Ausdruck verleiht. Oh, ein schlechtes Frühstück mit Eiern von der Stange ist fast schlimmer als der grausame Tod des Schlafwagenschaffners.

Morden geht durch den Magen

Wie heißt es so schön: Morden geht durch den Magen. Und hier trifft das besonders zu. Kaum ein Kapitel kommt ohne eine angemessene Mahlzeit aus:

In Kapitel 1 gibt es halbdurche Hamburger, in Kapitel 3 Frühstück (Orangensaft, 3 Eier, Speck, Espresso), in 4 ebenso, aber ohne es näher zu spezifizieren. 5 bietet Hühnchen mit Speck, doch dann muss man sich bis zum Frühstück in 9 gedulden (Toast, Marmelade, Cornflakes, doppelter Espresso). Man hungert ein weiteres Kapitel nach einer Mahlzeit, bekommt aber erst im 11. Rührei mit Speck und Würstchen sowie einen der lokalen Camemberts vorgesetzt.

Ein Kapitel später dann macht Bond seine schlechten Erfahrungen mit billigem Amerikanischen Frühstück (Orangensaft, Kaffe, Rührei), die ihm fast den Spaß an dem ganzen Agentenabenteuer und seiner schnuckeligen Begleitung vermiest. In Kapitel 13 wird Essen zwar erwähnt, aber nur, wie andere das tun.

Dafür bietet Kapitel 14 gleich zwei Mahlzeiten: Abendbrot (Fisch in weißer Soße, ein Streifen Truthahn) und ein paar Sandwiches (nachdem Leiter seine Begegnung mit den Haien hatte). Eine kleine Änderung im Speiseplan gibt es dann im 15. Kapitel, wo einer der Bösewichte dann selbst vom Hai verspeist wird (eine Auflistung von Beilagen o.ä. bleibt leider aus).

Kapitel 16 beginnt kulinarisch mit einem trippeldecker Sandwich und erwähnt noch ein frühes Abendessen vor dem Abflug nach Nassau (Flugzeugbewirtung wird Bond – und dem Leser – erspart).

Nach einem nicht näher spezifizierten Frühstück in Kapitel 17 bereitet Quarrel in 18 etwas auf einem kleinen Kocher zu, doch unser Hunger nach mehr wird erst wieder am Ende von 22 gestillt – ebenso wie der der Haie, die Mr. Big verspeisen. Im letzten Kapitel wird dann noch erwähnt, dass Quarrel den besten Koch im Dorf organisiert hat, es wird schwarze Krebse, Ferkel und einen Avocado Salat geben… aber das soll eine Überraschung sein!

Das Erfolgs-Rezept

Wir sehen, einzig das Nennen von Rezepten fehlt, um dem ganzen den richtigen Schliff zu geben. Sätze wie „Bond kochte… vor Wut“ würden in einem solchen Fall in einem völlig neuen Zusammenhang gesehen. (Das mit den Rezepten hat Manfred Taut in seiner Satire „James Bomb jagt die Zombies“ (Moewig) dann nachgeholt – wobei das Standardwerk in diesem Bereich zweifelsohne „Es muß nicht immer Kaviar sein“ von Johannes Mario Simmel ist.)

Unterm Strich kann man also sagen, angemessener wäre der Titel „Live and let diet“… wobei dann aus „Goldfinger“ möglicherweise „Fishfinger“ geworden wäre, was eine ganze Industrie vorweggenommen hätte. Tja, damals war Bond eben oft seiner Zeit voraus.