Neu im Kino: Collide

Junger Mann will junger Freundin Operation bezahlen und stiehlt deshalb für weniger jungen, wie Zuhälter gekleideten Kleinkriminellen vom geschmacklos angezogenen Großverbrecher eine Ladung Drogen, was letzterem nicht gefällt und zu Problemen mit ihm führt…

Bis auf die Dialoge ganz gut

Um es einmal zusammenzufassen. Die Actionszenen sehen klasse aus, sind super gemacht und stammen aus deutschem Hause. Denn der Film spielt in Köln, weil… ja, okay, das können wir jetzt nicht klären, wahrscheinlich, weil die deutsche Stuntfirma gerne einen Film für den internationalen Markt machen wollte und dafür braucht man dann internationale Stars, da man aber dort drehen will, wo man sich auskennt, hat man die „Handlung“ kurzerhand in Köln angesiedelt und so gibt es Lokalkolorit für Leute, die sich in der Stadt ein bisschen auskennen. Da man hierzulande aber eher amerikanische Polizeiaction gewohnt ist, wirkt es immer merkwürdig, wenn man Polizisten in deutschen Uniformen als Einsatzkommando in Aktion sieht – gut, da würden mir ehemalige RAF-Mitglieder wahrscheinlich widersprechen. Es entsteht auch eine Art verquere Exotik dadurch, dass man heftige Stunts nicht auf Highways sieht, sondern auf Autobahnen, mit denen man vom Typ her vertraut ist, denen man solche Stunts aber nicht zutrauen würde (daher die Exotik). Das wäre also die Haben-Seite.

Sobald gesprochen wird, wird es ein wenig schwierig. Die Texte sind, grob gesagt, meist furchtbar, die Anspielung oder was immer das sein sollte auf Burt Reynolds ist weder witzig noch funktioniert sie auch nur ansatzweise, ebenso wie alle gewollt wirkenden Filmanspielungen, die man eigentlich von schlechten Autoren zu hören bekommt, die keine eigenen guten Sprüche schreiben können, also einfach mal auf irgendwas anspielen und gut is, und das, was man Anthony Hopkins sagen lässt rechtfertigt schon fast sein grauenvolles Spiel, weil man sich vorstellen kann, dass er sich dank dieser Texte innerlich vor Schmerzen windet. Aber im Gegensatz zu Ben Kingsley hat er wenigstens mit Joachim Kerzel seine gewohnte Synchronstimme, also was war bitte mit Peter Matic, hatte der keine Zeit oder was? Kingsley spielt sich auch einen zurecht, gehüllt in die klischeereichste Zuhälterkluft, die man sich vorstellen kann. Man denkt kurz daran, als sich beide gegenübersitzen, dass aus einem Buch über Hopkins hervorgeht, dass man ihn damals als „Gandhi“ haben wollte, er aber mangels Ähnlichkeit (und Sinn) abgelehnt hatte und sich so quasi zwei Möglichkeiten für den berühmten Inder gegenübersitzen… aber dann fällt einem wieder ein, dass hier einmal mehr ein Brite einen Deutschen spielt und man sich auch nicht entblödet, ihm eine irgendwie Nazi-Vergangenheit anzudichten, ja, der internationale Markt liebt son Scheiß, mir könnt ihr damit aber gestohlen bleiben!

Fazit

Gute Stunts und Action, eingerahmt von schlechten Dialogen, zweifelhaftem Schauspiel und Figuren, bei denen sich alle miteinander abgesprochen zu haben scheinen, niemals, aber auch wirklich niemals klug zu handeln. Ab 4. August 2016 im Kino.

Neu auf DVD: Out of Inferno

Ein brandneues Hochhaus, ein Feuer… und jede Menge Gefahr…

Flammendes Inferno 2.0

Ein Katastrophenfilm aus China, der ein bewährtes Thema aus diesem Genre aufgreift und in modernisierter Form neu darstellt. Auch hier gibt es Personen, die nicht immer richtig handeln oder gehandelt haben, aber es gibt auch zwei Brüder, deren Konflikt sich im Laufe des Films offenbart. Beide waren bei der Feuerwehr, doch einer ist ausgestiegen und hat eine Firma in dem neuen Gebäude… in dem die Frau des anderen Bruders einen Arzttermin hat. Das gibt deren Mann die notwendige Motivation, wenn er nach Ausbruch des Feuers dort erscheint und der Überlebenskampf beginnt.

Der „Ausbruch des Feuers“

Das ist eine irgendwie treffende Umschreibung, denn manchmal hat man das Gefühl, das Feuer in diesem Film wäre eine Art Superschurke, der die Menschen durch das Gebäude jagt und nach und nach nach Belieben auslöscht… oder eher verbrennt, wenn man das mal genau betrachtet. Eigentlich wäre das ein schönes Konzept für einen Katastrophen-Horrorfilm, bei dem das Feuer wirklich lebendig ist und nicht nur eine Naturgewalt, ein zerstörerisches Wesen, das es auf die Menschen abgesehen hat… kommt vielleicht noch.

Was sehr angenehm ist, ist, dass man versucht, intelligente Wege aus der Misere zu finden, clevere Lösungen gegen den übermächtigen Feind. Natürlich gelingt das nicht immer und es sterben Menschen, aber wenn keiner draufgeht, wo wäre da der Reiz bei einem Katastrophenfilm? Im Making of erfahren wir, dass die Filmemacher eng mit der Feuerwehr zusammengearbeitet haben, so dass man davon ausgehen kann, dass der Film recht nah an der Realität sein dürfte – und er muss sich hinter seinem amerikanischen Kollegen keineswegs verstecken!

Out of Fazit

Katastrophenfilm über Menschen in einem brennenden Wolkenkratzer, gleichermaßen feurig wie spannend. Wer diese Art Filme mag (bei denen es um Katastrophen geht und nicht der Film selbst die Katastrophe ist, wie heutzutage viel zu oft üblich), der müsste auf diesen Film eigentlich echt heiß sein! Seit 25.3.2016 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Raum

raum_fr_xp_dvdEine junge Frau und ihr Sohn in einem kleinen Raum. Für den Sohn ist dieser Raum die Welt. Nach und nach erfahren wir, was wir da sehen… und dann ändert sich die Situation für alle Beteiligten.

Schweigen

Je weniger man vorher weiß, umso besser. Der Film beginnt mit einer Situation und klärt uns irgendwann darüber auf, was dieser Situation zugrunde liegt. Als mitdenkender Zuschauer geht man wahrscheinlich von zwei möglichen Szenarien aus, eins davon wird wahrscheinlich zutreffen. Die Situation ist konsequent durchdacht und alles, was sich im Laufe der Handlung entwickelt, ebenfalls. Er spielt eine Möglichkeit durch, etwas, das passieren kann und wie man darauf reagiert. Konsequent. Vielleicht ein bisschen deprimierend. Aber vielleicht auch mit ein bisschen Hoffnung?

Erschreckend ist, wie realistisch der Film ist, nicht nur die Umgehensweise der Figuren damit, sondern auch die Ausgangssituation. Was traurig ist, sehr traurig. Wunderbar dagegen ist, wie Mutter und Kind mit dieser Situation umgehen, was genau das ist, was diesen Film so besonders macht.

Oscar

Da es in erster Linie um Menschen geht, ist es natürlich wichtig, dass die gut besetzt sind. Und das ist hier ebenfalls der Fall. Alle Darsteller tragen den Film und sorgen durch ihr gutes Spiel dafür, dass alles glaubwürdig ist – und dass man mit den Figuren, ihren Höhen und Tiefen mitfühlt. Ein ganz großes Lob muss dabei an den kleinen Jacob Tremblay gehen, denn ohne ihn würde der ganze Film nicht funktionieren. Ebenso ist es ein verdienter Oscar für Brie Larson – und ein Film, den man einfach gesehen haben sollte!

Bonus

Zwei Making ofs, die ein paar Hintergründe zur Entstehung des Films – und zur Entstehung des Raums – liefern.

Mit

Brie Larson (Laura Maire), Jacob Tremblay (Xara Eich), Joan Allen (Susanna Bonasevicz), Sean Bridgers (Viktor Neumann), Tom McCamus (Hans-Eckart Eckhardt), Amanda Brugel (Svantje Wascher), Cas Anwar (Nico Mamone), Wendy Crewson (Susanne von Medvey), Matt Gordon (Roland Wolf), William H. Macey (Joachim Tennstedt) – Regie: Lenny Abrahamson

Fazit

War beim ersten Schauen schon einer der besten Filme des Jahres – ist es immer noch! Intensiv, durchdacht, konsequent, gut, sehenswert, Empfehlung. Ab 28.7.2016 auf DVD und Blu-ray von Universal Pictures.

Ghostbusties

Keine Ahnung, warum man den Film nicht gleich so genannt hat, denn es ist

Ghostbusters

mit Frauen… jedenfalls dem Namen nach. Und groben Teilen der Handlung. Und den Andeutungen und Hinweisen auf das Original. Den Gastauftritten. Anspielungen. Und natürlich ist er, genauso wie „Independence Day 2“, eine Enttäuschung, denn er ist keineswegs so grauenvoll, wie er es hätte sein müssen und wie der Aufschrei nach dem ersten Trailer durchs Internet klang. Verstehen wir uns da nicht falsch, nur weil er nicht furchtbar ist, ist er damit noch lange kein guter Film, aber er ist fern davon, das Schlimmste seit Erfindung des Celluloid zu sein… oder in dem Fall seit Erfindung des Digitalfilms.

Die Handlung ist dem Original nachempfunden, Wissenschaftler, niemand glaubt an Geister, dann kommen die aber doch und nur drei mutige Frauen und eine Schwarze kämpfen dagegen an. Man kann auch ungefähr erkennen, welche Figur wem nachempfunden ist, aber da haben wir ein bisschen das Problem, denn beim Original sind die Charaktere irgendwie besser abgesteckt. Murray als der Con-Artist und Frauenfänger, Aykroyd als der Gläubige, Ramis als der emotionslose, Spock-artige Wissenschaftler und Hudson als der… Schwarze. Gut, zumindest in der Richtung hat sich nicht viel geändert.

Sexxxxxismus!

Ist erlaubt, wenn Frauen es machen. Jawohl! Und davon gibt es hier eine ganze Busladung voll – wofür bei umgekehrten Vorzeichen die Frauenbeauftragte auf die Barrikaden gegangen wäre und ihren BH verbrannt hätte, aber so ist das völlig okay und da sagt keiner was. So ist denn Chris Hemsworth hervorragend als Sexobjekt und Dummchen in einer Person, darstellerisch eigentlich der Höhepunkt des Films. Melissa McCarthy ist überraschend okay, wahrscheinlich das erste Mal außerhalb der „Gilmore Girls“, Leslie Jones funktioniert recht gut, Kate McKinnon ist zwar eigentlich ganz gut, irgendwann wird einem aber klar, dass ihr der Begriff „subtil“ fremd zu sein scheint, was die Sache dann auf Dauer ein wenig anstrengend macht, nur…

Kristen Wiiiig is weak

Um es mal mit einem englischen Wortspiel zu umschreiben, also schwach, dünn… blass? Und das nicht, weil sie nicht die Schwarze spielt, sondern irgendwie ist sie einfach… ohne die klaren Linien, die die Figuren des Originals haben.

Von denen – Vorsicht, Spoiler! – geben sich auch alle die Ehre, Harold Ramis wie dereinst Denholm Elliott in „Kristallschädel“ als Büste, Dan Aykroyd (gesprochen von Thomas Danneberg), Ernie Hudson (gesprochen von Jürgen Kluckert), Annie Potts (gesprochen von Philine Peters-Arnolds – also alle wie im Original!), Sigourney Weaver (Karin Buchholz) und der Mann, der schon im zweiten Teil eigentlich nicht dabei sein wollte: Bill Murray (nach dessen Tod leider nicht gesprochen von Arne Elsholtz, sondern von… Oliver Kalkofe, was irgendwie auf keiner Ebene so richtig funktionieren will!).

Feig dich selbst!

Eigentlich sollte man ja einen Film für sich selbst sprechen lassen, ungeachtet der Personen, die dafür verantwortlich sind, aber da es im Vorfeld schon Anfeindungen im Internet gegeben hat, wollen wir uns heute mal von diesem Pfad trennen. Nach dem ersten Trailer schrieen irgendwelche Leute, das wäre furchtbar – und der Regisseur Paul Feig und seine Mannen schrieen zurück, indem sie alle, die ihren Trailer nicht mochten als Frauenfeinde deklarierten und damit zukünftigen Kritiken jeden Wind aus den Segeln nehmen wollten, denn wer die Ghostbusties nicht mochte, musste ein Frauenfeind sein, Stempel drauf, abgeurteilt, scheißegal wie schlecht der Film wirklich ist. Das kann wohl kaum der richtige Weg sein – und, seien wir ehrlich, es war die beste Werbung für einen Film, die man sich ohne Geld kaufen kann. Das Problem, warum „Ghostbusters, Womens Edition“ nicht so richtig funktioniert, ist u.a. Regisseur Paul Feig, denn der versteht offenbar nichts von vernünftigem Filmemachen. Denn, seien wir ehrlich, die Kamera irgendwo aufzubauen und die Leute mal machen zu lassen, führt in den seltensten Fällen zu guten Filmen. Ich mag da ein wenig traditionalistisch sein, aber erst schreibt man ein gutes Buch und dann verfilmt man es und wenn das Buch wirklich gut ist, dann braucht man seine unbegabten Schauspielaffen nicht improvisieren zu lassen! Da Paul Feig aber offensichtlich nicht weiß, wie so was funktioniert – oder nicht in der Lage ist, ein gutes Drehbuch zu schreiben – kommt dann dabei oft ungarer Mist heraus. Einfachstes Lösungsproblem für diesen Film hier: Ihn im bereits bestehenden „Ghostbusters“-Universum ansetzen, die alten Jungs sind in Vergessenheit geraten, die Regierung hat Geister totgeschwiegen und dann passiert etwas, das die neuen Geisterjägerinnen auf den Plan ruft. Dann hätte sich niemand beklagt… aber man hätte auch nicht all die billige Werbung gehabt!

Ghostfazit

Das Problem ist, dass man ihn mit dem Original vergleichen muss, und da hat er einfach keine Schnitte. Er macht nichts besser als der alte Film, er hat zwar durchaus ein paar nette Szenen und Dialoge, aber im Großen und Ganzen ist es eine mäßig lustige Komödie, die Lust darauf macht… sich das Original mal wieder abzusehen. „Ghostbusties“ gibt es ab 4. August 2016 im Kino.

Neu auf DVD: Doctor Who – Sechster Doktor, Volume 3

Der Prozess gegen Colin Baker… oder seinen Doktor? Nun, das Urteil scheint beide Möglichkeiten zuzulassen…

Die Geschichten

Die Box beinhaltet die 23. Staffel, bestehend aus drei 4-Teilern und einem 2-Teiler mit einer Laufzeit von je 25 Minuten pro Folge… oder aber aus einem 14-Teiler:

  • Das Urteil – Der rätselhafte Planet (Teil 1-4) / The Trial of a Timelord [The Mysterious Planet] (Teil 1-4)

  • Das Urteil – Mindwarp (Teil 5-8) / The Trial of a Timelord [Mindwarp] (Teil 5-8)

  • Das Urteil – Vervoid Terror (Teil 9-12) / The Trial of a Timelord [Terror of the Vervoids] (Teil 9-12)

  • Das Urteil – Der schlimmste Feind (Teil 13-14) / The Trial of a Timelord [The ultimate Foe] (Teil 13-14)

Wie immer gibt es dazu jede Menge Bonusmaterial und ein ausführliches Begleitheft.

Der Prozess gegen einen Timelord

Die Staffel bietet altes und neues. Zunächst einmal kehrt man zum Format der 25-Minüter zurück, was bis zum „Spielfilm“ und die Staffelübergabe an Paul McGann beibehalten werden wird. Auch sind die Episoden wieder Mehrteiler – doch es gibt eine Neuerung, die die Entwicklung des Fernsehens in die Neuzeit vorwegnimmt, um es mal in den besten Farben zu schildern. Denn, wie ich annehme, erstmals, haben wir hier eine Rahmenhandlung, die sich über die komplette Staffel erstreckt und einen Bogen vom Anfang bis zu ihrem Ende spannt. Das ist heute bei vielen Serien Standard, mal ausgiebiger (wie bei „24“), mal weniger (wie bei „Doctor Who“). Für die damalige Zeit war es doch aus heutiger Sicht fast schon bahnbrechend, war doch die einzige Serie im Science Fiction Genre, die etwas ähnliches machte, „V“ – und die kam erst kurze Zeit später. Insofern betritt „Doctor Who“ Neuland, auch, wenn man es ihm nicht so richtig gedankt hat.

Es gibt also als roten Faden einen Prozess, in dem dem Doktor Dinge zur Last gelegt werden, gegen die er sich verteidigen soll – und das Beweismaterial gegen ihn sind die Mehrteiler, die wir gemeinsam mit der Inquisitorin und den Geschworenen verfolgen. Die sind wieder ein wenig durchwachsen, haben aber den Vorteil, dass ein paar der Rätsel, auf die man zwischenzeitlich stößt, am Ende eine Auflösung erfahren. Die erste Episode spielt auf einem merkwürdigen Planeten, bei der das Bemerkenswerteste ist, dass eine interessante Figur eingeführt wird, die uns am Ende wiederbegegnen wird. Im zweiten Mehrteiler geht es dann u.a. um die Transplantation von a) Gehirn oder b) Geist in einen anderen Körper. Die dritte Geschichte ist eigentlich die interessanteste: Sie spielt auf einem Kreuzfahrtschiff und ein Mord geschieht. Zum Abschluss wird dann alles in einem Zweiteiler aufgerollt und man erfährt, was eigentlich dahinter gesteckt hat…

Zeitreisende und Mitreisende

Wer mit dem Doktor reist, muss damit rechnen, dass er irgendwann einen grausamen Tod stirbt, sein Gedächtnis verliert oder einfach auf der Erde zurückgelassen wird. Die eine Mitreisende geht, eine neue kommt – nur wird hier leider eine schöne Gelegenheit verpasst. Mel wird „eingeführt“ in einer Geschichte, die in der Zukunft spielt und in der sie quasi schon lange eingeführt ist (dass der Doktor den Mord dann nicht schneller aufklärt, obwohl er ihn in seiner eigenen Vergangenheit im Fernsehen gesehen hat und sich daran erinnern müsste, wird nicht weiter angesprochen). Wir sehen sie also in der Zukunft, wo sie und der Doktor sich schon gut zu kennen scheinen. Und genau hier ist es schade, dass so wenig Leute Ahnung von Zeitreisen haben, selbst wenn sie in einer solchen Serie darüber schreiben. Denn da Mel, wie ich annehme, vorher noch nie aufgetaucht ist, hätte sich eigentlich als Ende für die Episode aufgedrängt, dass der Doktor sie kennenlernt und wir rückwirkend ihr erstes Zusammentreffen erleben… aber wer denkt schon so weit?

Die schreiende Pussy

Doctor Who“ kommt aus England, das ist, wie wir erfahren haben, eine Insel und deshalb ist das Reservoir an Schauspielern begrenzt. Und so gibt es Schauspieler, auf die man immer wieder treffen wird, sei es in den James Bond-Filmen, den Britcoms oder später bei „Game of Thrones“. Zu den bekannten Gästen in dieser Staffel zählt denn also auch ein altgedientes Bondgirl, Honor Blackman, der Welt wohl besser bekannt als „Pussy Galore“, die Gespielin mit dem einprägsamsten Namen… bei dem das Wortspiel auf deutsch leider völlig verloren geht. Ebenfalls mit dabei ist der Mann, der Schreien für Schauspielerei hält, Brian Blessed. Zu seinen lautstarken Auftritten zählen u.a. „Flash Gordon“, „Blackadder“ und „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“.

Bonus

Wie immer gibt es jede Menge Bonusmaterial, in dem man wieder viel über die Geschichte des Doktors als Fernsehserie erfährt, z.B. darüber, warum er für 18 Monate pausiert hat und welche Folgen das hatte. Wir erfahren auch viel über die Entstehung dieser Staffel und welche Probleme es dabei gab. Ebenfalls sehr schön sind einmal mehr die Audiokommentare, in denen die Beteiligten frei von der Leber weg erzählen. Für deutsche Wholigans bietet das Begleitheft noch ein kleines Schmankerl, denn dort gibt es ein Interview mit des Doktors (oder vielmehr „der Doktoren“) deutscher Stimme Michael Schwarzmaier (und der hat ja nicht nur Sylvester McCoy und Colin Baker die Stimme geliehen, sondern dank der „Die X Doktoren“-Specials rückwirkend auch gleich noch den restlichen fünf, die davor kamen). Alles in allem also rundum gelungenes Zusatzmaterial.

Who vadis?

Zum möglicherweise letzten Mal stellen wir hier die Frage nach „Doctor Whos“ weiterem Weg in Deutschland, denn anders als bei den anderen Boxen gibt es auf dem Beipackzettel diesmal keine Ankündigung für kommende Attraktionen. Es ist also gleichermaßen zu vermuten, dass man nicht für teuer Geld die restlichen fünf Doktoren synchronisieren lassen wird, ebenso wie man scheinbar nicht die Rechte an „Doctor Who: Der Film“ mit Paul McGann zu haben scheint, denn der dürfte der letzte deutsch bearbeitete Doktor sein, der noch zur Verfügung steht und würde die Lücke zwischen McCoy und Eccleston schließen – so dass man tatsächlich von Doktor 6 bis heute alles auf deutsch komplett vorliegen hätte. Bei Redaktionsschluss gab es noch keine Information von Pandastorm zu diesem Thema, sollte aber noch eine eintrudeln, werde ich sie nachreichen.

Fazit Who

Das Ende des Doktors, sowohl für Colin Baker als auch für die klassischen Doktoren in Deutschland, ist ein bisschen durchwachsen. Dass es einen übergreifenden Handlungsbogen gibt ist eine nette und zeitgemäße Neuerung, manche der Episoden sind aber nicht so gut, wie sie hätten sein können. Den timey-wimey wibbely-wobbeligen Abschluss gibt es ab 29. Juli 2016 auf DVD.

Neu im Kino: Legend of Tarzan

Tarzan, der jetzt in England lebt, kehrt nach Afrika zurück, um ein neues Abenteuer zu erleben, bei dem er auch seine Frau retten muss und auf alte Bekannte aus dem Tierreich trifft…

Abenteuer

Tarzan“ war schon immer eine Abenteuergeschichte und auch hier schwingt das, wie es sollte, mit. Prinzipiell ist es auch eine schöne Idee, sich von den gängigen Mustern zu entfernen und eine neue Geschichte zu erzählen, wie man sie so vielleicht nicht kennt. Aber das ist nicht „Spider-Man“, wo man alle paar Jahre eine aufgewärmte Entstehungsgeschichte vorgesetzt bekommt, es gibt Leute, bei denen „Tarzan“ nicht ganz so parat ist, außer, dass er im Dschungel wohnt und einen tollen Erkennungsschrei hat. Es ist also ein bisschen schade, dass man scheinbar ein wenig mehr an Hintergrundwissen voraussetzt, als es heute vielleicht üblich ist. Natürlich ist es löblich, wenn man davon ausgeht, dass der Zuschauer eine bestimmte Hintergrundgeschichte kennt und man sie ihm nicht zum tausendensten Mal vorkaut. Trotzdem wäre es vielleicht ganz schön gewesen, ein bisschen ausführlichere Rückblenden zu bieten, in denen man Tarzan als Tarzan sieht und erlebt, wie er mit der Natur harmoniert und gut Freund mit den Tieren ist. Das kommt ein wenig zu kurz und man muss es sich zusammenreimen.

Dass es sich um eine pure Fantasy handelt, erkennt man an der Rolle von Samuel L. Jackson. Der ist wie immer eine wunderbare Ergänzung, die einen lockeren Humor in den Film hineinbringt, aber da er 1890 einen schwarzen Doktor spielt, der aus einem Land (Amerika) kommt, in dem man noch 50 Jahre später die Rassentrennung hatte und der sich mit erhobenem Zeigefinger für eine Abschaffung der Sklaverei einsetzt, wie gesagt, um Uhura aus „Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock“ zu zitieren: „Das hier ist keine Wirklichkeit sondern reine Phantasie!“ Nichtsdestotrotz ist er die beste Figur im Film. Christoph Waltz bekommt mehr und sinnvolleres zu tun als bei „Spectre“, bleibt aber doch irgendwie Waltz, der einen Bösen spielt. Alexander Skarsgard aus „True Blood“ ist als Tarzan eigentlich recht überzeugend, die Sache ist halt nur, dass man wenig von Tarzan zu seinen Hochzeiten zu sehen bekommt.

Legend of Fazit

Tarzan kehrt zurück… nach Afrika. Ein neues Abenteuer, das ein bisschen zu sehr das Wissen um die Vorgeschichte (oder die klassischen Geschichten) voraussetzt. Eine nette Besetzung, aber ein bisschen zuviel CGI. Erinnert sich noch jemand, als man in Filmen echte Tiere eingesetzt hat? Nun, die sind wahrscheinlich inzwischen alle in der Gewerkschaft und zu teuer. Wie dem auch sein, ganz nettes Abenteuer, das ab 28. Juli 2016 im Kino zu sehen ist.

Neu im Kino: Pets

Die Geschichte des Pets-Spenders. Eine Dokumentation, in der gezeigt wird, wie Adolf Pets 1913 eine geniale Idee hat und…

???

Okay, es geht um Haustiere. Fängt ein wenig an wie „Toy Story“ mit Haustieren, aber dann… schien man nicht so richtig gewusst zu haben, wie man weitermachen sollte und so jagen sich freie wie unfreie Haustiere durch ein post-9/11-isches New York (also durch eins ohne World Trade Center) und… jeder lernt seine Lektion, außer einer Schlange, der man im übertragenen Sinne den Zahn zieht. Irgendwie wirkt dieser Film von den Leuten, die uns zuletzt mit den „Minions“ behelligt haben (mit denen es auch einen Vorfilm gibt, der soviel besser ist als ihr grauenvolles Kinoabenteuer), als wäre er nicht so ganz durchdacht und das hilft der Sache nicht unbedingt. Es gibt ein paar ganz nette Gags, aber im Gesamtbild kann das Werk nicht so wirklich überzeugen. Hätte man im Vorfeld doch mal vielleicht ein wenig Grips in eine vernünftige Handlung investiert.

Promisynchro

Bei vielen Leuten, die sich für deutsche Synchronisationen fremdsprachiger Filme interessieren ist dieser Begriff eine Art Schimpfwort – und dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür, warum das so ist. Da hat man durch die Bank weg „Schauspieler“ und „Comedians“ besetzt, also Leute, die das Publikum eher vom Sehen als vom Hören kennt – und auf deren variierende Punkte im Bereich Talent ich jetzt mal nicht eingehen möchte. Das macht man natürlich, weil man den Zuschauer mit bekannten Namen locken möchte – oder weil diese Leute eh die ganze Zeit in Talkshows ihre Hintern platt sitzen und damit auch für Werbung sorgen, suchen Sie es sich aus. Das Problem ist, dass sich seit dem zweiten Weltkrieg eine Sparte des deutschen Schauspieltums herausgebildet hat, die sich Synchronsprecher oder, wie die es lieber hören, Synchronschauspieler nennt. Das sind meist Leute, deren Stimme man aus anderen Filmen und Fernsehserien kennt und die mit ebendieser auch umgehen können. Aber die sind halt nicht so bekannt wie oben genannte VIPs und bekommen deshalb auch für bessere Arbeit nur einen Bruchteil des Geldes der „Promis“. Dieser Film hier ist leider komplett mit „bekannten Namen“ besetzt – und da klingen die Namen besser als das, was man im Film zu hören bekommt. Über Ralf Richter kann man wenigstens nur sagen, dass er komplett fehlbesetzt ist und weder Spiel noch Stimme zur Figur passen. Didi Hallervorden scheint inzwischen auch jede Menge Zeit im Synchronstudio zu verbringen, war er doch erst letztens in „Hotel Transsylvanien 2“ und „Robinson Crusoe“ (mit Tieren) zu hören, immer, wie auch hier, auf die Rolle des alten Sacks besetzt. Das geht noch, ist aber nicht wirklich originell. Besonders schade ist es dann aber, wenn es bei den Hauptrollen hapert. Für Dietmar Bärs Part hätte man sich jemanden gewünscht, dessen Stimme man einfach kennt und die so bärig klingt wie er heißt (seine Besetzung erfolgte also wahrscheinlich allein aufgrund seines Namens) – und auch wenn Fahri Yardim es irgendwie kann, hätte sein Hoppelhäschen mit einem exquisiten Synchronprofi mehr reißen können als so. Und dann decken wir den Mantel des Schweigens über Jan Josef Liefers in der Hauptrolle, der irgendwie nicht so richtig funktioniert… na ja, warum Leute besetzen, die so was können, wenn man sich auch Stars leisten kann? Aber, seien wir ehrlich, der Film an sich wäre durch gute Sprecher auch nicht viel besser geworden!

Fazits

Ein paar nette Ideen machen noch keinen Spielfilm – wer sich ein eigenes Bild davon machen möchte, was das heißt, kann es ab 28. Juli 2016 im Kino tun.