DVD: PANS LABYRINTH

Spanien 1944. Ein böser Kommandant, eine schwangere Frau, deren kleine Tochter und Rebellen, die sich in den Wäldern verstecken. Doch für das kleine Mädchen gibt es einen Ausweg aus dieser kalten Situation, denn sie stellt fest, dass sie eine Prinzessin aus der Unterwelt ist und nur drei Aufgaben erfüllen muss, um dorthin zurückzukehren…

Wiedersehen macht Freude?

Es gibt Filme, die sind toll – und man möchte sie dennoch niemals wiedersehen. Weil sie einem an die Substanz gehen. „Das Experiment“ gehört dazu, ebenso wie „Requiem for a Dream“… und eben auch „Pan’s Labyrinth“. Ich hatte ihn einmal gesehen und das Ende hatte mich damals so sehr deprimiert und heruntergezogen, dass ich diesen Film niemals wiedersehen wollte, trotz all seiner Qualitäten. Und die hat er ohne Zweifel – und man kann viele Ähnlichkeiten zu del Toros letztem wunderbaren Werk, „The Shape of Water“, erkennen. Da sind tolle Bilder, märchenhafte Einfälle und eine großartige Kontrastierung zweier Welten, einerseits der harten, brutalen, tödlich und stets fiesen Realität und der Traumwelt. Nur, dass ich meinte, mich erinnern zu können, dass hier nun das Ende eher alptraumhaft als traumhaft war… doch möglicherweise habe ich mich da geirrt? Vielleicht sieht am Ende doch nicht alles so grimmig, trostlos und deprimierend aus, wie ich immer gedacht habe? Vielleicht ist da ja doch ein Funken Hoffnung, ein Silberstreif am Horizont, eine Märchenwelt, die für alle Gräueltaten der Realität entschädigt? Ob das so ist, muss allerdings jeder für sich selbst herausfinden – und dafür gibt es jetzt eine großartige Möglichkeit.

Was für’s Auge

Dass del Toro beeindruckende Bilder kreieren kann, ist nicht neu – hier wird man ihnen jetzt auch mehr als gerecht. Denn nicht nur wird für diese Veröffentlichung das neue Criterion-Bildmaster verwendet, das anlässlich des 10. Jubiläums des Films in Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro erstellt wurde, darüber hinaus gibt es auch eine

Limitierte Sammlerbox

Und die hat es in sich:

– den Film als 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray, DVD + über 7 Stunden Extras auf einer Bonus-Blu-ray sowie 24-seitiges Booklet)

– die Dokumentation „Creature Designers: The Frankenstein Complex“ (102 Min., Blu-ray, OmU-Fassung + 4 Stunden Extras auf einer Bonus-Blu-ray, inkl. der Vortragsreihe „Masterclass mit Guillermo del Toro“)

– den Original-Soundtrack auf CD

Außerdem:

– ein 100-seitiges Storyboard-Booklet

– 6 Postkarten

– ein Poster

– ein nummeriertes Zertifikat

Zudem gibt es noch einen Audiokommentar mit del Toro höchstpersönlich, der ausgesprochen hörenswert ist.

OT: El Laberinto del Fauno

Ariadna Gil (Claudia Urbschat-Mingues), Manolo Solo (Erich Räuker), Sergi Lopez (Udo Schenk), Federico Luppi (Horst Lampe), Maribel Verdu (Peggy Sander), Ivana Baquero (Lydia Morgenstern), Doug Jones (Dieter Memel)

Regie: Guillermo del Toro

Pans Fazyrint

Harte Realität trifft auf Märchenwelt. Brutal, fies, schmerzhaft, realistisch… und toll umgesetzt von Guillermo del Toro. Ein Gemälde aus Bild und Ton, das gleichermaßen märchenhaft wie erschreckend ist. Ab 19. Juli 2018 als 6-Disc Ultimate Edition und als 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook erhältlich.

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DVD: : I’M A CYBORG, BUT THAT’S OK

Koreanisches Mädchen hält sich für einen Cyborg und landet deswegen in einer Irrenanstalt – und die sind ja bekanntlich voller schillernder Gestalten…

Schrääääääg!

Es fängt brillant und großartig an, unterlegt mit einer tollen Musik. Allein wie in den Vorspann die Namen der Beteiligten eingebaut sind ist gleichermaßen originell wie phantasiereich. Dann geht es ab in die Anstalt, wo sich herrliche und extrem schräge Gestalten und Geschichten auftun. Leider wird das dann ab einer Stelle ein wenig redundant, der Reiz des Neuen geht verloren und auch inhaltlich kommt nicht so viel neues dazu. Was nach dem wunderbaren Auftakt ein wenig schade ist, zumal sich der Film mit Ausnahme weniger Szenen bis zum Ende nicht mehr fangen und sein altes Niveau erreichen kann.

Eine flog übers Kuckucksnest

Visuell ist das jedoch alles toll gemacht, strotzt vor Ideen, Phantasien, Farben und Bildern. Selten war irre so bunt – quasi irre bunt irgendwie.

Bonus

Zum Film gibt es jede Menge Bonusmaterial, Interviews mit dem Regisseur, ein Making-of, geschnittene Szenen mit Kommentar, alles, was ein wenig Einblick in die Entstehung gibt.

Mit

Lim Soo-jung, Rain

Regie: Park Chan-wook

I’m a Fazit, but that’s okay

Nachdem es wirklich großartig anfängt und im wahrsten Sinne des Wortes irre lustig ist, ist es schade, dass wir uns am Ende doch nur auf ein Okay begeben müssen. Aber allein für den Anfang lohnt es sich schon, diesen verrückten Film über Verrückte zu sehen. Ab 13. Juli 2018 ist er als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook sowie auf DVD erhältlich.

Kino: HOTEL ARTEMIS

Die nahe Zukunft. Aufstände, weil eine Corporation die Leute für Wasser abzockt. Ein Hotel, das eigentlich ein Krankenhaus ist. Für die Creme de la Creme… der Verbrecher. Aber es gibt Regeln. Das Hotel Artemis, das von einer ältlichen Schwester und einem Berg von einem Mann betrieben wird, ist neutraler Boden, hier darf nicht gemordet werden. Doch dann…

John Wicks Vorlage

Auch wenn dies so klingt, als hätte man sich von dem Hotel in den „John Wick“-Filmen „inspirieren“ lassen (Hollywoodumschreibung für „geklaut“), empfand ich diesen Film ungleich unterhaltsamer als beide „Wicks“ zusammen. Was an verschiedenen Dingen liegt. Hier gibt es einen Hauch von Humor, ein bisschen Cleverness und ein paar nette Dialoge. Die ausufernde Schlussschlacht kommt erst am Ende, bis dahin hat man ein wenig Kammerspiel mit Mördern in den Wänden des Hotels. Wichtig ist aber auch, wer bei sowas dabei ist und während Keanu Reeves schauspielerisch zumindest zweifelhaft ist, haben wir hier eine sehr schöne Riege, die dann doch mehr Freude bereitet als Reeves ewig gleicher „ich mach jetzt mal auf ernst“ Gesichtsausdruck.

Stars and Stripes… of Blood

Die alternde Krankenschwester wird gespielt von Jodie Foster, die ihre Sache ausgesprochen gut macht. Dave Bautista ist inzwischen eh zu einer sicheren Bank geworden und die ist hier so sicher, dass man sich getrost drauf niederlassen und entspannen kann. Bei Jeff Goldblum ist man dann traurig, dass man für ihn in der deutschen Fassung nicht Arne Elsholtz hören wird, was der Sache noch einen besonderen Kick verliehen hätte. Sofia Boutella zeigt, dass Männer gegen sie keine Chance haben, was einem helle Freude bereitet. Und dann ist da natürlich Sterling K. Brown. Der war viel zu wenig in „Black Panther“, hat aber eben eine so große Ausstrahlung, dass man sich mehr mit ihm gewünscht hätte. Wer ein bisschen was davon erleben möchte, dem sei die hervorragende Serie „The People vs. O.J. Simpson“ empfohlen, wo er einmal mehr seine Starqualitäten beweist, allerdings nicht in der Titelrolle.

Mit

Jodie Foster, Sofia Boutella, Dave Bautista, Sterling K. Brown, Zachary Quinto, Charlie Day und Jeff Goldblum

Regie: Drew Pearce

Hotel Fazitmis

Mörder unter sich. Macht irgendwie Spaß, ist überraschend gut geschrieben und von guten Darstellern getragen. Ab 26. Juli 2018 im Kino.

DVD: I KILL GIANTS

Mädchen verteidigt ihr Dorf gegen die bösen Riesen – gilt in der Schule aber eher als Einzelgängerin und Freak. Dann kommt ein neues Mädchen in die Schule, die zur Freundin werden könnte, doch der Kampf gegen die Riesen ist noch nicht ausgestanden…

8 Minuten nach Mitternacht?

Je länger man ihn sieht, umso mehr erinnert einen der Film an „Sieben Minuten nach Mitternacht“ – und am Ende fragt man sich, ob beide auf derselben Grundlage beruhen oder der eine vom anderen abgeschrieben hat. Was man als sich Zuschauer vielleicht erhoffen würde, wäre eine klarere Herausarbeitung mancher Dinge. Zum Beispiel eine Entscheidung, eine klare Richtung, damit der Zuschauer denkt, dass sich das Mädchen das alles nur einbildet und sie alle zu Recht für verrückt halten – oder aber, dass das alles wirklich ist und sie zu Unrecht as Psycho angesehen wird. Hier scheint eine klare Trennung dieser Art zu fehlen, was das Ganze ein wenig brüchig erscheinen lässt, oder ein wenig schwammig. Es wird zu einer Nicht Fisch, nicht Fleisch, aber vielleicht Tofu oder was anderes Geschmackloses Geschichte, bei der man sich einfach fragt, was das denn nun soll? Sicher, am Ende weiß man’s, aber man hat ja auch schon den oben genannten Film aus dem gleichen Holz gesehen und so ist man dann nicht ganz so überrascht, oder, was schlechter ist, befriedigt. Man versteht, was gemeint ist, aber da man es schonmal sehr ähnlich gesehen hat, wirkt es eben nicht so originell, wie es hätte sein können. Dass die kleinen Mädchen gut spielen hilft dann auch nicht so wirklich. Schade.

Bonus

Zwei Making-ofs, die uns zeigen, wie’s gemacht wurde.

Mit

Zoe Saldana (Tanja Geke), Madison Wolfe (Paulina Rümmelein), Imogen Poots (Shandra Schadt), Noel Clarke (Johannes Raspe), Jennifer Ehle (Ulla Wagener), Sydney Wade (Liv Wagener)

Regie: Anders Walter

I Kill Fazits

Schülerin kurz vorm Nervenzusammenbruch oder tapfere Kämpferin gegen Riesen? Klare Linien und ein gekonntes Spiel mit dieser Ungewissheit hätten der Sache gut getan, so bleibt man möglicherweise eher ein wenig leer und unbefriedigt zurück – es sei denn, man mag Gewalt, die minderjährige Mädchen einander antun. Ab 26. Juli 2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: SICARIO 2

Selbstmordattentate in Amerika. Der Mann fürs Grobe findet eine Spur – und die führt zu mexikanischen Kartellen. Also reaktiviert er seinen alten Sicario und sie tüfteln einen Plan aus, der auf Eskalation ausgerichtet ist…

Schmutzig!

Das trifft auf vieles von dem zu, was wir hier in der Fortsetzung von „Sicario“ zu sehen bekommen. Der war vor wenigen Jahren für mich einer der besten Filme des Jahres und er stammt aus der Feder von Taylor Sheridan, der auch für „Wind River“ verantwortlich ist, der im letzten Jahr für mich einer der besten Filme des Jahres war. So gesehen lag die Latte für diese Fortsetzung extrem hoch und heutzutage werden ja oft schon weit tiefer liegende Latten nichtmal mehr annähernd erreichrt, doch „Sicario 2“ schafft das… fast.

Er ist von Anfang bis Ende mit wenigen Ausnahmen spannend wie sonstwas. Er ist schmutzig, dreckig und brutal, er ist unangenehm, tut weh und lässt einen am Ende nicht unbedingt mit einem positiven Gefühl zurück. Nicht, was den Film angeht, denn der ist ziemlich gut, sondern wegen dem, was man da gerade gesehen hat. Er ist also wirklich extrem gut und effektiv – und unbedingt sehenswert – aber so ganz die Schwelle des Großartigen, die sein Vorgänger erlangte, erreicht er nicht. Muss er ja auch nicht, ist ja auch schwierig, aber der hatte irgendwie noch ein schwer zu beschreibendes Tüpfelchen mehr. Das mag der Reiz des neuen gewesen sein, dass mag sein, weil Josh Brolin, der hier so düster daher kommt wie der ganze Film, eine Spur Lockerheit in die Sache gebracht hat, die ihm hier nach seiner ersten, grandiosen Szene ein wenig verloren geht.

Spannnnnnend!!!

Auf was man sich aber verlassen kann ist die Spannung. Sobald sich ein Convoy mit Autos in Bewegung setzt, geht es los. Toll fotografiert, nervenzerfetzend umgesetzt, einfach perfekt. Unterlegt wird das wieder von einer Musik, die einen auch nie zur Ruhe kommen lässt. Entspannung, Ausruhen, Luft holen… gibt es hier nicht. Das kann man erst wieder nach dem Film machen.

OT: Sicario – Day of the Soldado

Benicio Del Toro, Josh Brolin, Catherine Keener, Isabela Moner

Regie: Stefano Sollima

Fazario

Wie zu erwarten nicht ganz so grandios wie der Vorgänger, aber verdammt dicht dran. Eine gute Geschichte mit tollen Darstellern, zu denen natürlich einmal mehr auch Benicio del Toro seinen Beitrag leistet, aber alles andere als Wohlfühlkino. Wer Spannung möchte, müsste hier eigentlich auf seine Kosten kommen. Ab 19. Juli 2018 im Kino.

DVD: GOD OF WAR

China im 16. Jahrhundert. Ein Haufen Piraten unter der Führung einer Gruppe von Samurai hält einen Teil des Landes in Atem. Eine Armee Ming-Soldaten führt einen langen Kampf gegen sie, doch ohne viel zu erreichen. Dann tritt ein neuer General auf den Plan und es scheint Hoffnung zu geben…

Strategie und Praxis

Wieder einmal muss man sich – und anderen – die Frage stellen, warum man im Kino so oft maue Kost vorgesetzt bekommt, aber ein Film wie dieser nur fürs Heimkino bereitgestellt wird. Es ist eine Schande, bei der wir ja wissen, wie Samurai mit sowas umgehen, denn hier vermengt sich eine gute Geschichte mit exzellenten Kämpfen und das ist genauso unterhaltsam wie sehenswert – und originell und clever. Strategien werden entwickelt und umgesetzt. Der Kampf gegen eine Übermacht, aussichtslos – und doch tritt man ihn an. Nicht die Masse macht es, sondern das, was man im Kopf hat. Und selbst die Geschichte mit der Frau des Generals ergibt am Ende einen Sinn für den Film. Hier ist nichts verschwendet, alles führt irgendwohin… ob zum Sieg muss allerdings jeder für sich selbst herausfinden.

Sam U. Rai

Was eine solche Situation hzw. einen solchen Film ausmacht, sind gleichwertige Gegner. Das ist sehr schön dadurch gelungen, dass dem General, selbst eine kleine Legende, wie wir sehen, nicht eine Übermacht tumber Piratensäcke gegenübersteht, sondern dass deren Hintermänner ebenfalls Taktiker vom Feinsten sind: Samurai aus dem fernen Japan. Der Ruf, der diesen Kriegern vorauseilt, ist mehr als gerechtfertigt und so liegen die Kontrahenten immer dicht an dicht, bis einer einen Fehler macht oder der andere ein entscheidendes Detail entdeckt. Der Film ruht sich und uns auch nur selten aus und nutzt jede sich bietende Gelegenheit für den einen oder anderen kleineren oder größeren Kampf, die oft nicht gut durch sondern eher sehr butig sind. Und das Element, dass hier nicht nur Schwerter und Lanzen gegeneinander kämpfen, sondern auch Gewehre involviert sind, gibt dem Ganzen etwas besonderes, von dem man das Gefühl hat, dass man es so noch nicht gesehen hat. Sollte man aber – und kann man jetzt!

OT: Dang kou feng yun

Wenzhuo Zhao (Marcus Off), Sammo Kam-Bo Hung (Andreas W. Schmidt), Regina Wan (Milena Karas), Yasuaki Kurata (Achim Barrenstein)

Regie: Gordon Chan

Faz of War

Tolle Bilder, gute Handlung, klasse Film! Ab 19. Juli 2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Twin Peaks – Der Film / Digital Remastered

Twin Peaks“ war ein Phänomen, eine Serie, wie man sie so noch nie gesehen hatte. Sie hatte ihren ganz eigenen Stil, war irgendwie eine Art Soap Opera mit schrägen Figuren, einer einprägsamen Musik, einzigartigen Bildern und einem extrem cleveren Detektiv. Und dann war da natürlich das tote Mädchen, das ermordet worden war und die Frage, wer der Täter war…

Lynch-Justiz

Offenbar hatte David Lynch nie vor, den Mörder zu entlarven, doch der Sender zwang ihn dazu und die Auflösung… ist in zweierlei Hinsicht schwierig. Zum einen deshalb, weil sie in der Mitte der zweiten Staffel stattfand und damit dem Rest der Serie so ziemlich den Wind aus den Segeln nahm. Oder, in anderen Worten: Es hat danach keine Sau mehr interessiert. Das andere Problem war, in gewisser Weise, Lynch selbst, bzw. die Art und Weise wie er an seine Kunst herangeht. Und so war dann die Tatsache, dass irgendein langhaariges Mitglied des Filmteams an einer Stelle ungewollt und zufällig im Bild auftauchte der Grund dafür, dass nun jener Jeansjacken tragende „Bob“ der eigentliche Mörder war. War wohl einfacher, als die Szene einfach nochmal zu drehen.

Aber das ist eben David Lynch. Als letztens der Film „A Quiet Place“ in Stille begann und man direkt in die Handlung geworfen wurde, da hatte man das gute Gefühl, dass das kein Problem wäre, weil der Film einem über kurz oder lang schon erklären würde, was Sache ist und so war es dann auch. Wäre dieser Film aber von David Lynch gewesen, so hätte man direkt gewusst: „Scheiße, ich erfahre nie, warum hier alles in Stille geschieht.“ Denn wer Erklärungen sucht, ist bei Lynch an der falschen Adresse, schon, weil er, wie ich annehme, selbst keine hat. Seine Filme sind wie Puzzle, bei denen niemals alle Teile vorhanden sind, manche sind falsch bedruckt, einige passen zusammen, stammen aber aus unterschiedlichen Puzzlen und die Lücken zwischen den fertigen Bildern sind so groß, dass man ganze Laster darin parken könnte… kurz: Es mag nette Augenblicke und Szenen geben, aber es entsteht nie ein passendes großes Ganzes. Aber zurück zu „Twin Peaks“.

Serie, Film, Serie

Als im vergangenen Jahr die Fernsehserie neu aufgelegt wurde, haben einige den Leuten, die damit nichts anfangen konnten, gesagt: „Was habt ihr denn erwartet? Das ist eben purer Lynch.“

Und da haben wir ein wenig das Problem. Denn die alte Serie war das nicht. Sie war in gewisser Weise mehr „geerdet“, weniger Lynch und vielleicht mehr Mark Frost. Da gab es phantastische und fantastische Elemente, auch Verstörendes, aber es blieb dennoch verständlich, die Weekly-Soap mit Mörder-Touch. Das ist kein purer Lynch!

Deshalb haben die, die sagen, der Film „Fire Walk With Me“ ist die bessere Grundlage für die dritte Staffel „Twin Peaks“ als die ersten beiden Staffeln, durchaus recht. Dieser Film ist verdammt lynchig – und dürfte, aus eben diesem Grund, eine Enttäuschung für die Fans der alten Serie gewesen sein, die sich hier vielleicht etwas erhofft haben. Aber was? Antworten? Eine Weiterführung der Kleinstadtidylle mit Sägewerk und dichtem Wald? Beides bleibt aus, denn er spielt vor den Ereignissen in der Serie. Wir erhaschen einen kurzen Blick auf Agent Cooper in einer Sequenz, die mehr mit Staffel 3 zu tun hat als mit dem Rest. Und wir erleben „Laura Palmer, wie sie wirklich war“. Wer also auf den Charme der Serie verzichten und statt dessen das wilde Drogen- und Sexleben des zukünftigen Opfers, inklusive ihrer Ermordung, miterleben möchte, der ist hier an der richtigen Adresse. Es gibt viel surreales, viel abstruses, absurdes – es ist der Pilotfilm zu der Staffel, die fast 30 Jahre später kam. Antworten findet man dort aber auch nicht! Die gibt es überraschenderweise als

Bonus

Denn neben einer kurzen Featurette hat der Film einen deutschsprachigen Audiokommentar von Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger, der mehr Antworten gibt als 30 Jahre “Twin Peaks” zusammen.

OT: Twin Peaks: Fire Walk With Me (1991)

Kyle MacLachlan (Torsten Sense), David Bowie (Frank Glaubrecht), Ray Wise (F.O. Schenk), James Marshall (Andreas Fröhlich), Miguel Ferrer (Eberhard Prüter), Kiefer Sutherland (Tobias Meister), Grace Zabriskie (Traudel Haas), Moira Kelly (Maud Ackermann), James Marshall (Andreas Fröhlich), David Lynch (Wolfgang Condrus), Chris Isaak (Kurt Goldstein), Michael J. Anderson (Wilfried Herbst), Harry Dean Stanton (Dietmar Richter-Reinnick)

Regie: David Lynch

Faz Peaks

Wer David Lynch mag, der ist hier richtig. Wer „Twin Peaks“ mag, das alte, bis zur Entlarvung des Mörders, der eher nicht. Der Film ist purer Lynch, teils schwer- bis unverständlich, teils wirr und verwirrend, teils ohne Hand und Fuß… oder zumindest mit einem Einarmigen. Das Leben der Laura Palmer – Sex, Drugs & Mystery. Wer allerdings seine Probleme mit Staffel 3 hatte und gerne mal wissen möchte, was er da möglicherweise gesehen hat, für den ist der Audiokommentar eine große Hilfe! Ab 19.7.2018 auf DVD und Blu-ray.