Neu im Kino: Sommerfest

Mann kommt wegen Tod des Vaters aus der Großstadt zurück in sein altes Dorf, wo er…

Hm?

Ach, das kennt man doch. Auch wenn die Stadt München und das Dorf Bochum ist, dann ist uns die Grundsituation doch mehr als vertraut, alte Freunde, alte Liebe und am Schluss die Frage, was seine wahre Heimat ist, die alte oder die neue. In dem Bereich muss man sich also keine neuen Erkenntnisse erhoffen, auch, wenn das der Sache mal eine nette Frische verliehen hätte.

Nach Frank Goosen

Wir wissen also, es geht um den Ruhrpott. Von dem und seinen Menschen wird ein hübsches Bild gezeichnet. Da es Goosen ist, wissen wir aber auch, dass es nicht unbedingt eine zügige Handlung gibt, sondern viele Personen, auf die man so trifft. Das hat mitunter einen netten Charme, funktioniert aber nicht in allen Szenen.

Von Sönke Wortmann

Schön ist, dass der Film sehr ruhig daherkommt und manchmal sogar ein wenig traurig ist. Die Schauspieler sind größtenteils gut und überzeugend, aber, wie gesagt, nicht alle Szenen oder Figuren sind zielführend. Anders als in Goosens „Radio Heimat“ wird man aber nicht mit allen deutschen Schauspielern, die schon mal in einem Ruhrpottfilm mitgemacht haben, zugeschmissen, was dann auch mal ganz angenehm ist.

Mit

Lucas Gregorowicz, Anna Bederke, Nicholas Bodeux, Peter Jordan, Sandra Borgmann, Markus John

Fazit

Zurück in den Pott… wär vielleicht auch n netter Titel gewesen. Ruhig und angenehm, ein Spaziergang durch Ort und Vergangenheit, bei dem man Figuren trifft und Geschichten hört, die in ihrer Unterhaltsamkeit variieren. Kann man gucken – ab 29. Juni 2017 im Kino.

Neu auf DVD: The Girl with all the Gifts

Kleines Mädchen wird in Zelle gehalten, denn wie ihre Mitschüler ist es „anders“. Dann gibt es einen Zwischenfall und sie muss mit ihrer Lehrerin, einer Wissenschaftlerin und ein paar Soldaten fliehen…

Spoilers!

Eigentlich ist es besser, vorher nicht zuviel zu wissen. Der Film ist spannend und führt einen nach und nach in seine Welt ein, ohne zuviel zu erklären. Man versteht am Ende, worum es geht, wer sie ist, warum sie ist, wie sie ist. Und wenn man nicht zuviel darüber weiß, kann man sich vielleicht ein wenig überraschen lassen, denn am Anfang hat man keine Ahnung, worum es geht, weil man nur Kinder gezeigt bekommt, die in einem Keller festgehalten werden.

Wenn wir etwas weiter gehen wollen, muss man sagen, dass man ein bestimmtes Genre des Horrorfilms aufgreift und mit ihm in eine leicht andere Richtung geht. Das Grundkonzept ist so ziemlich das Gleiche, aber die Details sind anders, woraus der Film auch seine Handlung bezieht. Getragen wird er von sehr guten Schauspielern, was will man mehr?

Freunde der Serie „Utopia“ werden übrigens akustisch auf ihre Kosten kommen, denn man erkennt deutlich den Stil Komponisten Cristobal Tapia de Veer, der auch hier wieder einen sehr schönen Soundtrack abliefert.

Bonus

Making-of und umfangreiche Interviews, in denen man einiges über die Produktion erfährt.

Mit

Gemma Arterton (Maria Koschny), Glenn Close (Kerstin Sanders-Dornseif), Paddy Considine (Viktor Neumann)

The Fa with all the Zit

Durchweg spannend, gut darin, einen langsam in seine Welt einzuführen und Elemente einzubringen, die Sinn und Bedeutung haben – und konsequent bis zum Schluss. Gruselig, clever, klasse. Sehr sehenswert! Ab 23. Juni 2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Transformers: The Last Knight

An König Artus Tafelrunde saßen Autobots, denn Merlin hat mit ihnen einen Deal gemacht, aber statt eine möglicherweise halbwegs interessante Geschichte zu erzählen, springen wir in die Zukunft, wo ein Ex-Unterhosenmodell mit einer Angelina Jolie Kopie die Welt retten muss…

Teurer Schrott!

Eine reine Aneinanderreihung von Szenen, der so etwas wie Struktur oder eine Handlung völlig fehlt. Man springt von hier nach da, führt Figuren ein, die keiner braucht, und das ganze für geschlagene zweieinhalb Stunden. Das ist irgendwann mehr als anstrengend und wenig verlockend. Dies wird der erste und letzte Transformers-Film sein, den ich im Kino sehe.

Ab einem gewissen Punkt wird man nur noch mit Effekten erschlagen, eine endlos andauernde Schlacht, bei der der Regisseur des Films Michael Bay nicht verstanden hat, dass einem sowas echt gepflegt am Arsch vorbeigeht, wenn man für keine der Figuren etwas empfindet. So ist es Schlacht um der Schlacht willen und damit reichlich langweilig.

Ein trauriger Aspekt dabei ist, dass die Effekte an sich gut aussehen könnten, ginge es nicht um albern unecht wirkende Autos, die sich in werweißwaswfüreinenscheiß verwandeln können und tun und überhaupt. Hätte man mit diesem Effektaufgebot etwas wirklich gutes und realistisches erschaffen, hätte das toll und echt aussehen können. So verpuffen die Möglichkeiten genauso wie die schmalen Ansätze von Humor. Und auch dass sich jemand wie Sir Anthony Hopkins für so einen Murks hergibt, tut einem irgendwie in der Seele weh.

Schwanzformers

Die Porno-Parodie… gibt es vielleicht noch nicht, sollte es aber – und ist garantiert besser als dieser stuktur- und handlungslose Mist, der irgendwie nur schwer zu ertragen ist. Ab 22.6.2017 im Kino.

Neu auf DVD: Verbotene Spiele

Nachdem bei einem Fliegerangriff der Deutschen (der in der deutschen Fassung offenbar fehlte) ihre Eltern sterben, landet ein junges Mädchen aus Paris auf einem Bauernhof, wo sie Tod und Religion kennenlernt…

Gefeierter Antikriegsfilm

Es geht vor allem um den Umgang mit dem Tod – und vor allem darum, wie sich Kinder quasi an dieses Thema heranarbeiten. Diese Verbindung zwischen Jugend und Tod war zur Entstehung des Films offenbar ein heikles Thema. Interessant ist, zu sehen, wie sich die Kinder dem Thema Tod nähern, wie sie damit umgehen, wie auch die Religion oder Ansätze davon mit hineinspielen.

Das kleine Mädchen verliert erst die Eltern und dann ihren Hund und fast scheint es, dass ihr letzteres näher geht. Und dann spielen Kreuze noch eine große Rolle…

Bonus

Gleichermaßen erhellend wie interessant ist der Bonusfilm, in dem man einige spannende Hintergründe über die Entstehung des Films erfährt – und, dass Regisseur Clément dafür seinen zweiten Oscar erhielt.

Verbotene Spiele (1952)

Jacques Marin (Heinz Schimmelpfennig), Brigitte Fossey (Reha Hinzelmann), Andre Wasley (Wolfgang Eichberger) – Regie: René Clément

Fazit

Der Umgang mit dem Tod – ein interessanter Ansatz, wie Kinder in einer kriegsgeschüttelten Zeit mit einem solchen Thema umgehen. Ab 22.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Der Dieb von Paris / Digital Remastered

Nachdem ihn sein Onkel um Erbe und Liebschaft betrogen hat, wird junger Mann zum Dieb und Einbrecher, wobei er einige Kollegen aus der Zunft kennenlernt…

Die Louis Malle Miniretrospektive

Jean-Paul Belmondo war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich bereits ein Star. Er hatte mit Godard gearbeitet und war sogar in einem Bond-Film zu sehen… einer Art Bond-Film. Streng genommen dem Bond, der am meisten verfilmt wurde (dreimal!) – und von dem keine Verfilmung zum Kanon gehört. Jedenfalls zum alten Kanon, der mit Connery beginnt und mit Brosnan endet. So gibt sich Belmondo also ein kurzes Stelldichein in „Casino Royale“ (dem zweiten), aber das tun ja einige… und ein guter Film (oder ein echter Bond) wird er damit noch lange nicht.

Jedenfalls ist es kaum überraschend, dass einer von Frankreichs größten Stars mit einem von Frankreichs größten Regisseuren zusammenarbeiten würde. Und so spielt Belmondo hier einen gentlemenartigen Dieb, der schlussendlich genauso ruhig und zurückhaltend ist wie der gesamte Film. Man erhält ein wenig Einblick in das Verbrecherwesen seiner Zeit, erhascht einen kleinen Ausblick auf die Politik, aber alles wirkt sehr ruhig, fast schon behäbig. Der Höhepunkt lässt sehr lange auf sich warten und selbst dieser unterwirft sich der Ruhe des Gesamtwerkes. Da darf man dankbar sein für Julien Guiomar (hierzulande wahrscheinlich am bekanntesten als Louis de Funès Gegner in dem appetitlichen „Brust oder Keule“), der den Film mit der nötigen Note Ironie ausstattet… von der ein wenig mehr nicht geschadet hätte.

Der Dieb von Paris (1966)

Jean-Paul Belmondo (Peer Schmidt), Julien Guiomar (Edgar Ott), Charles Denner (Heinz Petruo), Geneviève Bujold (Monika Barth) – Regie: Louis Malle

Fazit

Kein Werbefilm für die Gangsterzunft, aber ein teils netter Einblick in einen, wie der Film selbst sagt, aussterbenden Beruf. Vielleicht eine Spur ruhiger, als er hätte sein sollen. Ab 22.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Viva Maria! / Digital Remastered

Zwei Frauen, ein Wanderzirkus und jede Menge Revolution. Die eine Maria ist eine Terroristin, die mit ihrem Vater Brücken und Menschen gesprengt hat, die andere ist eine Sängerin im Zirkus. Zusammen werden sie eine neue Sensation, doch als ein Revoluzzer das Interesse an der einen bekundet, führt dies dazu, dass Maria und Maria später eine Revolution anführen sollen…

Die Louis Malle Miniretrospektive

Unsere kleine Retrospektive über die Werke des französischen Regisseurs geht weiter. Diesmal führt sie uns in den nicht mehr ganz so wilden Westen und ins revolutionsgeplagte Mexiko.

Leider erreicht der Film nicht die gleichen Höhen, die uns andere Filme von Louis Malle bisher geboten haben. Er hat zwar ein paar nette Szenen und schöne Ideen, das wahrhaft Mallische kommt aber erst in der Schlussschlacht so richtig zum Zuge, die vor den Einfällen sprüht, die man von Malle gewohnt ist. Bis dahin gibt es leider die eine oder andere Länge – insofern ist es vielleicht auch ein wenig ein Fluch, wenn man die Latte so hoch setzt, dass man sie selbst nicht immer erreichen kann.

Viva Maria! (1965)

Jeanne Moreau (Rosemarie Fendel), Brigitte Bardot (Margot Leonard), George Hamilton (Michael Chevalier) – Regie: Louis Malle

Viva Fazita

Nicht ganz so überzeugend wie viele andere Filme des Regisseurs, da dieser erst auf der Zielgeraden so richtig zeigt, was einen guten Malle eigentlich ausmacht. Ab 22.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Du neben mir

Junges Mädchen mit Krankheit, die sie ans Haus fesselt, bekommt neuen Nachbarjungen. Es entsteht eine Beziehung, die nicht nur auf Distanz sein will…

Liebesgeschichte

Es fängt recht gut an, die Distanz, der nahe Tod, die Krankheit und was man draus macht. Zwangsläufig hat sie viel Phantasie in ihr Leben gebracht, um mit der Beschränktheit oder vielmehr Eingeschränktheit ihrer Situation besser umgehen zu können. Das ist alles sehr hübsch, aber dann vollzieht der Film im letzten Drittel, bevor er sogar noch zu einem ganz anderen Film wird, eine Wendung, die einfach eine Spur zuviel ist – oder deren Motivation besser hätte herausgearbeitet werden sollen. Nichtsdestotrotz, eine Person, die eigentlich keine Abwehrkräfte im Blut hat, sollte keinen mehrstündigen Flug antreten, denn, seien wir ehrlich, danach geht es schon gesunden Menschen oft nicht mehr gut. Hätte man das ein wenig anders gelöst, wäre dieser Teil weit befriedigender gewesen und hätte am nachfolgenden Ende auch nichts geändert.

The Dying Games

Dass der Film aber für die meiste Zeit sehr gut funktioniert, ist vor allem der Hauptdarstellerin zu verdanken. Amandla Stenberg ist einfach durch und durch liebenswert – und so kennen und lieben wir sie, denn das hat sie auch schon bei den „Hunger Games“ bewiesen, wo sie mit Rue die so ziemlich einzige Person war, deren Tod einem wirklich etwas bedeutet hat. Insofern wunderbares und treffendes Casting, das auch ein wenig darüber hinwegsehen lässt, dass ihr Nachbarjunge irgendwie ein wenig blass daherkommt.

Der Originaltitel „Everything. Everything“ erklärt sich übrigens durch den Film, ob das mit dem deutschen Titel auch so ist, kann ich nicht sagen.

Fazit

Fängt gut an, hat eine tolle Hauptdarstellerin, wandert im letzten Akt aber in ein paar Gebiete ab, die die Glaubwürdigkeit aus der Sache herausnehmen. Ab 22. Juni 2017 im Kino.