Heimkino: KÖNIG DER MURMELSPIELER

St. Louis, 1933. Die große Depression macht vor keinem halt. Eine Familie wohnt in einem Hotel. Der Bruder wird fortgeschickt, die Mutter erkrankt und der Vater fährt als Vertreter durch andere Bundesstaaten, doch der Junge, der allein zurückgelassen wird, macht das Beste aus seiner Situation…

Die große Depression

erzählt, ohne dass man Depressionen bekommt. Und das ist eine Kunst. Statt uns herunterzuziehen zeigt Soderbergh anhand eines Jungen, dass man sich auch in schweren Zeiten nicht unterkriegen lassen muss. Das hat seinen ganz eigenen Charme und wird von einem sehr jungen Jesse Bradford getragen. Ohne ihn würde der Film nicht funktionieren und so ist es eine enorme Leistung, die er hier vollbringt. Während die Welt um ihn herum im Zeitlupentempo auseinanderfällt, versucht er, trotzdem weiterzumachen. Dazu gehört auch, seinen Klassenkameraden Geschichten über seine Familie zu erzählen, die mit der Wahrheit nicht immer ganz deckungsgleich sind. Das Hotel ist sein Zuhause und die Menschen darin wichtige Figuren in seinem Leben, auf die eine oder andere Weise…

Bonus

Ein kurzes Making-of mit ein paar Hintergründen.

OT: King of the Hill (1993)

Jesse Bradford, Jeroen Krabbé, Lisa Eichhorn, Karen Allen, Spalding Gray, Elisabeth McGovern, Adrian Brody

Regie: Steven Soderbergh

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit der Murmelspieler

Mit seinem dritten Film zeigt Steven Soderbergh, dass er eine an sich schwierige Geschichte auf eine Art präsentieren kann, die einem die Ereignisse charmant erzählt, ohne einen dabei herunter zu ziehen. Es ist nicht direkt eine Lausbubengeschichte, es ist die Geschichte eines Kindes, das ein bisschen erwachsener sein muss als alle anderen, damit es nicht von den Gegebenheiten untergebuttert wird. All das macht ihn ausgesprochen sehenswert! Ab 28. Juni 2019 als limitiertes Mediabook.

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Heimkino: IMMENHOF – DAS ABENTEUER EINES SOMMERS

Drei Mädels vom Immenhof (die Enkelinnen der Originale, wie wir im Making-of erfahren) betreiben jenen bekannten Hofe, auf dem sich Pferde unterschiedlichster Couleur die Ehre geben, doch nachdem die mittlere Schwester ein Prachtexemplar aus dem Sumpfe gerettet hat, tritt sodann der böse Großgrundbesitzer auf den Plan, der allen das Leben schwer macht, aber da ist ja noch der sonnige Sunnyboy aus der Großstadt, der seine Sozialstunden ableisten muss, also ist auch für eine schmucke Dreiecksbeziehung, also jetzt nicht mit dem Großgrundbesitzer oder einem der Pferde, gesorgt…

M Fohlen

Das sei der Film, denn er ist überraschend unterhaltsam. Klar, man weiß, welche Pfade die literarischen Pferde reiten werden, welche Hürden sie nehmen und wer wem ein Leckerchen Zucker ins Maul schieben wird, aber das macht nichts, denn das hier ist Unterhaltung für die ganze Familie, und bei wem das Wohnzimmer groß genug ist, der kann direkt auch noch seine Pferde reinholen und mit ihnen zusammen gucken, denn die flotten Zossen gibt es in den schönsten Aufnahmen zu sehen, so dass Pferdenärrinnen und -narrhalesen extrem auf ihre Kosten kommen sollten. Also ist der Film der Familie empfohlen, auch der, die keine eigenen Pferde, Gestüte oder Rennbahnen ihr Eigen nennen kann. Denn wie wir sehen ist das Leben kein Ponyhof, besonders, wenn man selbst einen betreibt, denn dann gibt es immer jemanden mit Futterneid, der den stolzen Tieren ebenselbiges vor der Nase wegfressen will und dann muss dieser unsympathische Jungspund aus der Großstadt kommen, der sich dann aber natürlich als der Landflüchtige mit dem Herz aus Gold entpuppt und rettet, was nicht mehr zu retten ist, oder wer.

Einzig…

Zwei Dinge wären da, wo ich im Zweifel mal nachhaken würde. Was sich mir nicht so ganz erschlossen hat, ist, entweder wem denn nun Pferd Holly gehört oder welchen Deal die große Schwester dann mit Lauterbachs Heiner abgeschlossen hat. So ganz will das nicht zusammengehen, fast so, als hätten es Kurtzman, Orci und Lindelhof geschrieben… aber dann wäre mehr Rache im Spiel gewesen. Die andere Sache ist, dass Freund Großstadtkind 180.000 Follower hat und der ausstehende Kredit 180.000 Euro beträgt… entweder eine brillant eingebaute falsche Spur, damit man denkt, das wäre die Lösung… oder einfach nicht richtig durchdacht, weil man nichts mit den Followern macht? Und wenn es ersteres war, hätt man’s noch n bisschen forcieren können, damit man mehr damit rechnet. Das wars aber auch schon.

Bonus

Making-of und Featuretten, bei denen es um die Entstehung, aber auch die Frisuren der Pferde geht. Hüahh!

Mit

Leia Holtwick, Laura Berlin, Ella Päffgen, Heiner Lauterbach, Moritz Bäckerling, Rafael Gareisen, Valerie Huber, Max von Thun, Wotan Wilke Möhring

Regie: Sharon von Wietersheim

Fazithof

Familienunterhaltung, mit oder ohne Weide. Zwar vorhersehbar und mit vielen Klischees, aber einfach irgendwie nett und unterhaltsam. Und wer Pferde mag, wird sich hieran nicht sattsehen können. Ab 25. Juni 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: THE WIZ

Nachdem Dorothy in eine Art zauberhaftes Land entfleucht wird, trifft sie eine hirnlose Vogelscheuche, einen herzlosen Blechmann und einen mutlosen Löwen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Wiz, der ihnen all das geben soll, was sie begehren…

Vom Farbfilm zum schwarzen Musical

Dereinst, im Jahre 1939, also vor genau 80 Jahren, verschlug es Judy Garland in „Das zauberhafte Land“ (so der deutsche Titel, bevor man ihn irgendwann mit „Der Zauberer von Oz“ an das Original heranholte), was revolutionär war, da sie aus dem schwarz/weiß-Film in den Farbfilm wechselte, womit den Kinozuschauern neue Welten eröffnet wurden. Seitdem hat es viele Ausflüge nach Oz gegeben. Dieser hier ist ein ganz besonderer.

Blaxpoimusical

Wenn ich nicht irre hat sich George Lucas vor nicht allzulanger Zeit auf die Schulter geklopft, weil er einen Film mit einer rein schwarzen Besetzung gemacht hat. Offenbar hat er diesen hier nicht gekannt. Anders als Joss Whedon, wie sich vermuten lässt, denn die Nummer „He’s the Wiz“, ähnelt stilistisch doch sehr einer aus seiner großartigen Muiscal-Episode von „Buffy“. Was wir hier nun haben, ist quasi die Rhythm & Blues-Version vom Oz-Zaubermann, ein wenig moderisiert, farblich aufgepeppt, ein Musical mit jeder Menge Songs, bei denen man an einigen Stellen fast schon erwartet, das Wort „Carwash“ zu hören. Es wird gesungen und getanzt was das Zeug hält und ein gewisser Michael Jackson spielt eine Vogelscheuche… was mit der englischen Bezeichnung „Scarecrow“ sogar irgendwie noch treffender wirkt.

Bonus

Die Limited Edition ist eine Blu-ray Premiere und kommt mit zwei CDs mit dem Soundtrack. Dazu gibt es eine Karaoke Mitsing-Version der Songs sowie einen deutschsprachigen Audiokommentar, in dem die eine oder andere Frage beantwortet wird.

The Wiz – Das zauberhafte Land (1978)

Diana Ross, Michael Jackson, Richard Pryor

Regie: Sidney Lumet

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

The Faz

Der Zauberer des zauberhaften Landes in poppiger, peppiger und souliger Version, spricht Auge und Ohr gleichermaßen an. Ab 21. Juni 2019 als limitiertes Mediabook.

Heimkino: Morgiana

Ende des 19. Jahrhunderts. Zwei Schwestern, die eine gut, die andere böse. Letztere beschafft sich ein Gift und verabreicht es ersterer…

Stimmungsvoller Märchen-Psychothriller

Es ist eine sehr schöne und gleichermaßen stimmungsvolle wie stimmige Mischung. Die wunderbar gestalteten Bilder, die Kostüme, die Schminke, all das weckt den Geist von Märchen – und das konnten die Tschechen seinerzeit ja ausgezeichnet. Noch immer ist die großartige Kinderserie „Die Märchenbraut“, nunja, großartig. Hier geht es weniger lustig zu, aber eine märchenhafte Stimmung, die sich mit einer Thrilleratmosphäre mischt, wird ausgesprochen erfolgreich erreicht. Abgerundet wird das ganze durch einen sehr intensiven Soundtrack, der auch gesondert als Bonusmaterial auf der Blu-ray enthalten ist.

Frauen und Katzen

Titelfigur des Filmes ist Morgiana, und das ist nicht die böse Schwester, sondern deren Katze. Das… ist irgendwie am Thema vorbei, da sie an keiner Stelle mehr als ein Tier zu sein scheint, zwar mit katzenuntypischen blauen Augen, aber ihr Beitrag zur Handlung ist dann eher weniger bedeutend. Extrem bedeutend und ebenso beeindruckend ist allerdings der von Iva Janzurova. Sie, und das erklärt dann die teilweise doch etwas exzessive Schminke, spielt beide Schwestern, gut wie böse. Und das macht sie ganz ausgezeichnet, denn sie setzt die beiden Figuren so gut voneinander ab, dass man sich zwar zwischendurch denkt, dass es eigentlich toll wäre, wenn beide von derselben Frau gespielt würden, als man dann aber liest, dass es tatsächlich so war, erscheint das ganze nur umso beeindruckender. Tolle Leistung!

Mit

Iva Janzurova, Josef Abraham, Nina Diviskova, Petr Cepek, Josef Somr, Jiri Kodet, Jiri Lir

Regie: Juraj Herz

Enthält die Original Defa-Synchro

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazigiana

Stimmungsvoll, in schöne Bilder gekleidet, von einem starken Soundtrack unterlegt und großartig gespielt. Ab 21. Juni 2019 auf Blu-ray.

Heimkino: Break – No Mercy, Just Pain!

Vier Mädels fahren zum Campen in irgendein Hinterwäldlergebiet, wo fiese Hiterwäldler gerne Mädels jagen…

Wrongest Turn in Zeiten der Laienhaftigkeit

Es erinnert einen natürlich direkt an „Wrong Turn“ mit einem Hauch von „The Descent“ (weil es halt vier Frauen sind), ist dann aber doch meilenweit davon entfernt. Am Anfang hat man noch das Gefühl, das wirke alles sehr laienhaft und wenig kompetent gemacht, wegen der Beleuchtung und den fragwürdigen Darstellerleistungen, doch am Ende… bleibt dieses Gefühl. Englisch scheint dann auch die Muttersprache von keinem der Mädchen zu sein, was in den Ohren amerikanischer Zuschauer dann sicher noch mehr schmerzt.

Hansi Hinterwäldler & Co.

Die Hinterwaldgesellen mit Hang zur Mächenjagd und -ausweidung werden recht früh und recht unsubtil vorgestellt, so, als hätte es (den großartigen) „Tucker & Dale vs. Evil“ nie gegeben. Brechungen, gegen die Erwartung der Klischees und der Zuschauer arbeiten, das wäre etwas… das hier eher nicht passiert. Wär ja mal ne nette Sache gewesen. Stattdessen stammen sie aus dem Handbuch für Klischee-Rednecks und haben bei ihrem Datingprofil als Hobbys „viel schreien und böse Lachen, Lieblingswort: Bitch“ eingetragen, etwas, dem wohl keine Frau widerstehen kann. Keine Frau verhält sich hier auch so, als hätte niemand jemals einen Horrorfilm oder gar „Scream“ gesehen, aber wenn sich die Leute in Filmen clever verhalten würden, wären die Dinger meist schnell zuende. Dabei hätte man hier so schön die Gelegenheit gehabt, die Klischees mal umzudrehen, die Frauen zu den Starken zu machen, die dann den Spieß umdrehen und Hansi Hinterwäldler jagen anstatt umgekehrt. Chance verpasst, dumm gelaufen… wie für die Mädels im Film.

Bonus

Ein umfangreicher Behind the Scenes Beitrag mit dem Regisseur, der uns zeigt, wie, was, warum und wo… oder wer? Mit Sicherheit aber nicht wann. Da die Mitmachenden als „Actor“ bezeichnet werden, fällt es dann doch ein bisschen schwer, die ganze Sache ernst zu nehmen.

Mit

Marina Anna Eich und Ralph Willmann

Regie: Matthias Olof Eich

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Yes Fazit, Just Pain!

Wenn man seine Frauen in Blut getränkt vorzieht und dazu gerne eine Beilage von lauthals herumschreienden Hinterwäldlern hat, all das mit Schauspielern, die diese Bezeichnung nicht verdienen, dann kann man hier auf den Geschmack kommen… wenn nicht, dann könnte das schwerfallen. Horror ja, aber die falsche Art davon. Ab 21. Juni 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: THE BELIEVER

Amerika. Junger Mann in den Reihen der Nazis bekundet seinen Wunsch, einen Juden zu töten…

Diskurs

Der Film ist interessant und hat viele gute Momente, aber irgendwie scheint er nie so ganz Farbe zu bekennen. Er ist eine faszinierende Diskussionsrunde, in der spannende Gebiete thematisiert werden, er ist ein ausgezeichneter Diskurs über Antisemitismus und das Judentum. Von diesen Standpunkten her ist er absolut sehenswert und Ryan Gosling macht das ganz ausgezeichnet.

Aaaaaber…

Was er nicht tut, ist weh. Und das tut ein Film wie „American History X“ sehr wohl. Das tut eine Serie wie „Holocaust“. Oder „Mississippi Burning“, auch wenns da um Schwarze geht und nicht um Juden. Der hier spricht diskussionswürdige Themen an, nimmt aber dann nicht das metaphysische Bajonett und stößt es einem in die Hirnwindungen, Man gerät in keinen Zwiespalt, man bekommt keinen Hass, weder auf die Juden, auch wenn über diesen Hass viel gesprochen wird, noch auf die Nazis, die ihn sich redlich verdient haben. Das ist ein kleines Manko, denn zumindest auf die letztgenannte Gruppe sollte man ein solches Gefühl in einem solchen Film durchaus wecken können und dürfen. Man könnte ihm jetzt anrechnen, dass er eben keinen Hass schürt… aber das wäre zu einfach. Das macht es sich der Film leider auch in Bezug auf seine Hauptfigur. Der wird eine nette Wendung implantiert, die Fragen aufbringt, nämlich nach ihrer Motivation, den Gründen für ihr Handeln und das, was sie wirklich denkt. Womit wir an dem erwähnten Punkt wären, dass der Film keine Farbe bekennt, keine Kante zeigt, keine klare Position bezieht, Hier wäre es sinnvoll wenn nicht gar notwendig gewesen, sich für etwas zu entscheiden, klarzumachen, was Sache ist… und irgendwie drückt sich der Film davor und ich habe nicht das Gefühl, dass ich am Ende weiß, warum die Figur all das gemacht hat.

Inside a Skinhead (2001)

Ryan Gosling (David Nathan), Billy Zane (Johannes Berenz), Garret Dillahunt (Olaf Reichmann), Summer Phoenix (Sarah Riedel), Theresa Russell (Arianne Borbach)

Regie: Henry Bean

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Inside a Fazead

Ein interessanter Diskurs mit schönen Denkanstößen, aber irgendwie „schwammig“. Sicher, mein Argument wäre, dass man einem Naziidioten einen noch so guten Film vorsetzen kann wie man will, er würde sein Denken niemals ändern… weil kein Denken vorliegt. Nichtsdestotrotz bevorzuge ich eine klare Linie und die scheint hier irgendwie sehr verwaschen zu sein. Er ist durchaus sehenswert und gut gespielt, aber nicht vollends befriedigend. Ab 21. Juni 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook.

Kino: BRIGHTBURN: SON OF DARKNESS

Was wäre, wenn Superman statt gut einfach böse wäre…?

Netter Ansatz

Die Grundidee ist schön… und gleicht von der Struktur her sehr dem superigen Ankömmling von Krypton, nur, dass er irgendwann das Böse in sich entdeckt. Leider dauert das viel zu lange und man kitzelt einfach nicht genug aus dem Thema heraus. Was die Sache eher öde macht als spannend. Denn auch wenn das Ganze als Horrorversion von Heldenvision angedacht war, hapert es da doch ein wenig an der Ausführung. Einzig wenn man ein paarmal sieht, was das böse Kind mit seinen Opfern gemacht hat, bleibt einem die Spucke weg, denn das ist hart und fies und böse und geht wirklich unter die Haut. Leider bietet der Film nicht genug davon, um einen bei Laune – oder Spannung – zu halten und dann bekommt man im Nachspann als Andeutung den Film angerissen, den man eigentlich viel lieber gesehen hätte. Schade, das Böse hätte so schön sein können.

Mit

Elizabeth Banks, David Denman, Jackson A. Dunn, Matt Jones und Meredith Hagner

Regie: David Yarovesky.

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Son of Fazit

Mehr Brightboring als Brightburn. Ab 20. Juni 2019 im Kino.