Kino: EIN LETZTER JOB

Gruppe in die hohen Jahre gekommener Gauner macht nochmal einen letzten Bruch in London, wobei sie sich einen Safe mit Schließfächern vornehmen…

Wahre Geschichte

Was nicht das Traurigste an der Sache ist. Das ist nämlich, dass man sich auf einen Film mit einer schönen Altersbesetzung freut, allen voran Michael Caine, und dann ist das Ergebnis

enttäuschend!

Im höchsten Maße. Man könnte die Frage in den Raum stellen, ob jede Geschichte, die das Leben so schreibt, wenn es gerade nix anderes zu tun hat und sich mal ein bisschen Ablenkung gönnen will, also quasi rein privat für sich und total unprofessionell, es wirklich wert ist, erzählt zu werden. Oder man verändert sie so sehr, dass sie dazu taugt. Ein Film über einen derartigen Bruch sollte spannend sein, oder witzig, auf jeden Fall aber clever. Hier ist nichts davon zu finden. Dann hofft man wenigstens darauf, dass am Ende noch irgendeine schicke Wendung kommt, dass einer der Strippenzieher hinter allem ist, der Plan im Plan im Plan… doch auch da wird man enttäuscht. Gäbe es dann noch eine schöne Dynamik oder Chemie zwischen den Figuren… doch, Sie haben es geaht, auch in dieser Abteilung ist nichts zu wollen. Und so wird man nach einem unbefriedigenden, tatsächlich traurigerweise erschreckend langweiligen Film entlassen, ohne sich wirklich über das, was man gerade hinter sich gebracht hat, zu freuen… eine Erfahrung, die man sich dann aber auch einfach ersparen kann.

OT: King of Thieves

Michael Caine, Jim Broadbent, Tom Courtenay, Michael Gambon, Ray Winstone, Charlie Cox

Regie: James Marsh

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Ein letztes Fazit

Es fehlen Witz (im mehrfachen Sinne), Spannung, Struktur und unterm Strich so ziemlich alles, was einen Film dieses Genres ausmachen würde. Ab 25. April 2019 im Kino.

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Heimkino: Charade

Junge Frau erfährt, dass ihr Mann auf unschöne Weise den Tod gefunden hat. Wie es scheint umgeben ihn nicht nur ein paar Geheimnisse, sondern sie plötzlich auch eine Reihe von Männern, die hinter dem Geld, das er offenbar gehabt hat, her sind. Nach und nach erscheint es ihr, dass sie keinem dieser Männer trauen kann, auch nicht dem netten…

Brillant, clever, zeitlos großartig!

Ein Film, der auch nach vielen Jahren noch nichts von seinem Charme, aber auch nicht seiner Cleverness verloren hat. Er ist brillant konstruiert, so brillant, dass man die Lösung mehrmals offen präsentiert bekommt, ohne sie zu erkennen. Das ist einfach toll, ebenso wie das Spiel… in mehrfacher Hinsicht. Zum einen das Spiel damit, wer der Mörder ist, wem man trauen kann… oder auch nicht. Und das wird bis zum Ende durchgehalten, so dass man erst auf der Schlussgeraden erfährt, was wirklich gespielt wird… mehr oder weniger. Zum anderen ist da das Spiel der Akteure, die getragen werden von einem Buch mit glorreichen Dialogen, wie man sie heutzutage nur noch sehr selten findet. Audrey Hepburn ist einfach hinreißend und zuckersüß und was Cary Grant angeht, so befindet sich dieser Film, neben „Arsen und Spitzenhäubchen“ und „Der unsichtbare Dritte,“ in der Top-3 aller Cary Grant-Filme, wobei dies der einzige davon ist, in dem er seine deutsche „Stammstimme“ Curt Ackermann hat.

Doch, und wie!“

Bei diesem Film stimmt einfach alles, die tollen Dialoge, die Musik von Henry Mancini, der Vorspann von Maurice Binder, der auch für die Vorspänne der Bond-Filme verantwortlich war, und die deutsche Fassung. Die bietet dann auch noch ein kleines Highlight, das aus dem Mund von Uta Hallant kommt. Nicht nur passt sie hier perfekt zur Hepburn, sie sprach auch in „Ein Fisch namens Wanda“ für Jamie Lee Curtis, wer sich also ein paar akustische Höhepunkte gönnen möchte, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Der in diesem Film befindet sich in der Szene, in der die Hepburn Grants Brille in Augenschein nimmt. Sie sagt jovial: „Ich wette, dass du die gar nicht brauchst.“ Schaut durch, reicht sie ihm wieder. „Doch, und wie!“ Einfach wunderbar!

Charade (1963)

Cary Grant (Curt Ackermann), Audrey Hepburn (Uta Hallant), Walter Matthau (Martin Hirthe), Ned Glass (Hans Hessling), Jaques Marin (Klaus Miedel), James Coburn (Arnold Marquis), George Kennedy (Hans Wiegner)

Regie: Stanley Donen

Fazit

Perfekt. Eine Handlung, die jede Menge Wendungen bringt, bei der man nie weiß, wem man vertrauen kann, bei der die Antwort offen vor uns liegt und wir sie doch nicht sehen, eine gelungene Mischung aus Krimi, Komödie und Liebesfilm, tolle Schauspieler, wunderbare Dialoge und eine großartige deutsche Fassung… mehr kann man eigentlich nicht verlangen! Ab 18. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: VAN GOGH – AN DER SCHWELLE ZUR EWIGKEIT

Vincent van Gogh ist zurück und diesmal sinnt er auf Rache…

?

Okay, kein Rachedrama mit Vinnie van Gogh, genannt „The Painter“, der seine Opfer mit Feldern aus Sonnenstrahlen zu Tode malt.

Van Gogh to go

Es geht um den Maler, den Misserfolg, das seiner Zeit voraus sein und das Ohrabschneiden…

Nah. Auf. Nahmen.

Leider wirkt das Ganze so, als habe Theo van Gogh das Leben seines Bruders mit seinem neuen iPhone 15 aufgenommen, was der Sache nicht ganz gerecht wird. Zu viele Nahaufnahmen, keine besonders tolle Bildkomposition, Schnitt und Gegenschnitt bei Dialogen in immer denselben Close-ups, rein visuell hätte ein Maler wie van Gogh ein besseres Denkmal verdient (siehe: „Loving Vincent“). Dass Willem Dafoe das ganz toll macht, darüber muss man nicht streiten, aber über die Art, die man hier gewählt hat, das Leben des Künstlers zu portraitieren (Vorsicht, Wortwitz!) kann man es sehr wohl. Was ich hiermit mache. Es gibt viele Aufnahmen, wo Vinnie durch die Landschaft latscht, was nicht irrsinnig viel an neuen Informationen bringt, denn man wird sich denken können, dass er wohl zu Fuß zu den Orten gekommen ist, die er gemalt hat. Dann gibt es noch, analog zur „Predator“-Vision so eine Art van-Gogh-Vision, die wohl seine Perspektive zeigen soll, vor allem aber den Eindruck vermittelt, dass er kurzsichtig gewesen sein muss. Würde die gesamte Handlung dem Zuschauer irgendwelche neuen Erkenntnisse über Person, Werk oder Tod vermitteln, ließe sich über all das vielleicht hinwegblicken… diesen Grund liefert uns der Film aber leider nicht.

OT: At Eternity’s Gate

Willem Dafoe (Rainer Schöne), Oscar Isaac (Victor Neumann), Mads Mikkelsen (Axel Malzacher)

Regie: Julian Schnabel

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Vincent Faz Gogh

Toll gespielt, in so ziemlich allen anderen Punkten aber nicht unbedingt dem Objekt der Begierde gerecht werdend. Ab 18. April 2019 im Kino.

Kino: LLORONAS FLUCH

Dämonisierte Frau tötet Kinder, indem sie sie ertränkt. Nachdem eine Soziapädagogin zwei Kinder aus einer, wie sie denkt, schlimmen Situation befreit hat, geht es erst denen an den Kragen – und dann, als Ausgleich, ihren eigenen…

Grusel

Bei einem Horror- oder Gruselfilm ist eigentlich in erster Linie wichtig, solang die Handlung nicht soooo hahnebüchen ist, dass man aus dem Haareraufen nicht mehr herauskommt und damit zu sehr abgelenkt ist, dass es genügend Gänsehautszenen gibt, um das Ganze zu rechtfertigen. Das haben wir hier, zur Genüge. Es ergibt sogar einen gewissen Sinn, dass die Figur das tut, was sie tut, also auch da muss man nicht dran verzweifeln. Was die Filmemacher vielleicht hätten sehen können, ist, dass Mörderbraut weit gruseliger wirkt, wenn sie den Schleier vorm Gesicht hat als ohne… aber damit kann man leben. Oder sterben. Nebenbei bemerkt scheint der Film im „Conjouring“-Universum angesiedelt zu sein, wer da also alle Aspekte abarbeiten möchte, kommt um diesen nicht drumherum – aber der ist weit gruseliger als ein paar der letzten Einträge, auch wenn sich hier nicht alle immer wirklich clever verhalten und man das eine oder andere kommen sieht, aber bei welchem Film tut man das nicht?

OT: THE CURSE OF LA LLORONA

Linda Cardellini, Raymond Cruz, Patricia Velasquez, Marisol Ramirez, Sean Patrick Thomas, Jaynee-Lynne Kinchen, Roman Christou

Regie: Michael Chaves

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazits Fluch

Nicht originell, aber in sich stimmig und mit genug Gänsehautszenen, dass man auf seine Kosten kommt. Ab 18. April 2019 im Kino.

Kino: WENN DU KÖNIG WÄRST

Patrick Stewart und Excalibur treffen ein weiteres Mal aufeinander…

Oh, zu früh!

England, heute. Das Land geht vor die Hunde, was die böse Hexe und Anverwandte von König Artus (heutzutage Arthur) zum Anlass nehmen will, wiederzukehren und das (nicht mehr lange) Vereinigte Königreich in eine Tyrannei ihrer… Tyrannei zu stürzen, doch da ist ein kleiner Junge, der es nun richten und sich ihr entgegensetzen soll…

Kinderfilm

Eine Neuauflage der Artus-Saga, diesmal in die Gegenwart verlegt – aber weit unterhaltsamer als der Schrott, den Guy Richie vor kurzer Zeit abgeliefert hat. Es dauert zwar ein bisschen, bis der Film richtig in die Gänge kommt, aber dann macht er sich eigentlich ganz gut. Die Kinder spielen auch recht brauchbar, nur der junge Merlin kommt aus dem Overacting nicht heraus und so freut man sich immer, wenn er durch sein älteres Ich, dargestellt von Patrick „Machen Sie es so“ Stewart abgelöst wird, was leider viel zu selten passiert. Und da sind wir wieder beim Einstieg: Patrick Stewart und Excalibur treffen ein weiteres Mal aufeinander. Das erste Mal war eine seiner ersten Filmrollen im titularen „Excalibur“, diesmal ist es hoffentlich nicht eine seiner letzten Rollen. Dennoch schließt sich hier gewissermaßen ein Kreis, quasi eine Runde, eine Tafelrunde um genau zu sein und ein bisschen kann man über die auch erfahren. Da wäre dann vielleicht nur die eine Frage, ob sich Vollmond und eine Sonnenfinsternis nicht eigentlich komplett ausschließen… aber wir wollen ja nicht kleinlich sein.

OT: The Kid Who Would Be King

Louis Ashbourne Serkis, Dean Chaumoo, Tom Taylor,
Rhianna Dorris, Angus Imrie, Patrick Stewart, Rebecca Ferguson

Regie: Joe Cornish

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Wenn du Fazit wärst

Nette Unterhaltung, für Kinder wie für Erwachsene geeignet, auch wenn sie ein bisschen braucht, um so richtig ans Laufen zu kommen. Ab 18. April 2019 im Kino.

Heimkino: Lucky Luke

Lucky Luke soll in Daisy Town dafür sorgen, dass die Eisenbahn dort vollendet wird, doch der Wilde Westen hält jede Menge Verbrecher parat, die ihm das Leben schwer machen…

Wechselbad

Es ist ein Hin und Her. Zwischen Dingen, die eine wunderbare Realumsetzung eines Comics sind und anderen, die einfach nicht in die Welt eines „Lucky Luke“ passen wollen. So beginnt das Ganze eher wie ein Sergio Leone Spaghettiwestern, in dem mal eben die Eltern von Luke abgeschlachtet werden. Das würde man so im zugrunde liegenden Comic wohl eher nicht sehen – und das zu recht! Denn der ist irgendwie unbeschwert und ein fracobelgischer Comic aus Zeiten, in denen noch nicht alles düster und abgefuckt war wie in einem Zack Snyder-Film. Nach dem Einstieg haben wir dann ein bisschen schönen Luke-Fun, bis sich das Blatt mal wieder wendet und es düster wird. Wunderbar ist zwar der „Slogan“ des Schützen umgesetzt

Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten“

doch, auch wenn das in den Comics eher unterschwellig und nicht so explizit wie hier ist, wird er mehr zu „dem Mann, der niemanden umbringt“, also quasi dem Batman des Wilden Westens. Das entwickelt zum Dreh- und Angelpunkt des Films, was zwar konsequent durchgezogen wird, aber durch seine Explizierung (ist bestimmt kein Wort, oder… war es bis jetzt nicht) der Sache das Comichafte nimmt und es wieder realer macht, als ein „Lucky Luke“, über den wir u.a. erfahren, dass er eigentlich „John Luke“ heißt, ein mehr als überflüssiges Detail, eigentlich sein sollte. Zu einem fast schon amerikanischen Level an Doppelmoral mutiert das Ganze, wenn er zwar, wie in frühen Heften, eine Zigarette drehen darf, aber rauchen tut er sie nicht. Tod zum Thema machen, aber am politisch korrekt gewordenen Nichtrauertum festhalten – Lucky Luke würde sich im Grab umdrehen!

Darauf einen Dujardin

Der reale Luke wird von niemand geringerem dargestellt als dem zu diesem Zeitpunkt noch relativ geringen Jean Dujardin, der dann erst später nicht nur ein grandioser Connery-Ersatz in den herrlichen und herrlich politisch inkorrekten „OSS 117“-Filmen werden, sondern auch für den Stummfilm „The Artist“ den Oscar bekommen sollte. Als Lucky Luke funktioniert er ziemlich gut, aber das ist bei einem Schauspieler seines Formats ja nicht verwunderlich.

Bonus

Ein Making-of, in dem man sieht, wie die Spezialeffekte entstanden sind.

Lucky Luke (2009)

Jean Dujardin (Tobias Kluckert), Sylvie Testud (Kerstin Fischer), Michael Youn (Fritz Rott), Alexandra Lamy (Susanne Reuter), Melvin Poupaud (Jochen Langer)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazit Luke

Die Passagen, die eine Realumsetzung eines Comics sind, sind wunderbar und strotzen vor Ideen – die Idee, dem ganzen aber einen ernsteren Hintergrund zu verleihen, trübt die Freude am Gesamtwerk. Das ist ein bisschen so, als würde man Asterix und Obelix in einem blutigen Gemetzel zeigen, bei dem den Römern Körperteile entfernt werden und das Schlachtfeld hinterher so aussieht wie die blutgetränkte Arena des Colosseums bei „Gladiator“ – es passt einfach nicht zusammen. Ab 12. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: DER FALL COLLINI

Junger Anwalt übernimmt Mordfall, doch wie sich herausstellt, ist er mit dem Opfer sehr gut vertraut…

Das Deutsche Klischee

Die Ausgangssituation ist verheißungsvoll und es beginnt mit ein paar schönen Szenen im Gericht. Langsam rollt sich der Fall auf und würde es hier nur um den Konflikt gehen, der sich aus der Situation ergibt, hätte das ein toller Film werden können. Doch an einem Punkt, bei dem der Verteidiger das Motiv seines Mandanten zu ermitteln versucht, sehen wir einen Grabstein und ab da wissen wir – leider – wohin die Reise gehen wird. Dahingehend wird man auch nicht „enttäuscht“, denn es kommt genau das, was man denkt… und das ist schade. Gegen Ende wird es dann wieder ganz schön, wenn man im Gericht ist und zum wahren und eigentlichen Thema des ganzen Films kommt, das zwar durchaus interessant und wichtig ist, aber der Sache wäre besser gedient gewesen, wenn man ihr von Anfang an den ganzen Film gewidmet hätte und nicht erst hintenrum damit angekommen wäre. Zudem ist die Familiengeschichte für den Hintergrund unnötig kompliziert, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Mit

Elyas M’Barek, Alexandra Maria Lara, Franco Nero, Heiner Lauterbach, Manfred Zapatka, Jannis Niewöhner, Rainer Bock, Catrin Striebeck, Pia Stutzenstein, Peter Prager, Hannes Wegener

Regie: Marco Kreuzpaintner

Das Fazit Collini

Fängt hervorragend an, entgleist dann aber auf das niedrigste Deutsche Klischee und kommt letztlich zu dem Thema, um das es den Machern eigentlich geht, womit ein vielversprechender Gerichtsfilm irgendwie verloren geht. Ab 18. April 2019 im Kino.