Neu im Kino: Ben-Hur

Ähm, Wagenrennen?!

Das hier ist kein Test.

Ach, nicht?

Nein.

Und wenn, was für ein Test?

An was man sich spontan bei „Ben Hur“ erinnert.

Das Wagenrennen!

Ja. Und?

Und… zwei Fassungen, eine Stummfilm, eine mit Charlton Heston… und…

Ja?

Das Wagenrennen!

Seufz.

Das gehört in Klammern.

Bitte?

(seufz)

Ach so.

Ja. Weil es etwas ist, das man macht und nicht, was man sagt.

Könnten wir dann bitte mal zum Thema zurückkommen?

Okay. Was… war das noch mal?

Ben Hur“!

Nein…

Nein???

Streng genommen ist es „Ben-Hur“. Mit Bindestrich. Wie „Spider-Man“.

(seufz)

So ist’s richtig!

Und?

Aaaaalso, seien wir ehrlich: Ich hab die alten Filme seit Ewigkeiten nicht gesehen – was diesem Film und seiner Kritik vielleicht entgegen kommt. Fassen wir es so zusammen: Der Film ist nicht direkt langweilig. Zu lang. Kürzenswert. Aber unterm Strich tut er nicht weh – er tut aber auch nicht nötig, um es mal so zu formulieren. Ich habe es schon bei „Elliott, der Drache“ geschrieben und werde es dieses Jahr vermutlich noch mal schreiben, aber, liebe Studios, warum bringt ihr nicht einfach die tollen alten Filme noch mal raus, n bissken aufgepeppt, meinetwegen auch in verschissenem 3D, aber in der Originalfassung anstatt sie schlechter neu nachzumachen? Da hätten wir alle mehr davon. Und ich hätte lieber Charlton Heston auf der großen Leinwand gesehen als… John Huston? Jack? Ich weiß es nicht. Denn das ist das Hauptproblem des Films: Wenn man eine epische Geschichte erzählt, braucht man auch epische Darsteller. Bei diesem Film fehlt schlicht die Starpower. Wenn Morgan Freeman wenigstens Jesus gespielt hätte… aber wenn man dafür Xerxes aus „300“ verpflichtet, dann hat man schon n Problem. Mit all diesen austauschbaren Fressen kann man keine epische Geschichte erzählen, weil einem die Typen ziemlich am Arsche vorbeigehen. Und es wirkt dadurch wie eine billige TV-Verfilmung. Meine Güte, „Game of Thrones“ hat mehr Starpower als das hier (und ist natürlich eh weit besser). Also ohne Stars braucht man keinen neuen „Ben-Hur“ zu machen. Und was das Herzstück angeht, oder das Filetstück, das Wagenrennen… das war okay. Die einzige Szene des Films, bei der Spannung aufkommt. Denn es wirkt recht echt, nicht die erwartete CGI-Scheiße – auch wenn man am Anfang kurz die Furcht hat, das ganze könne sich zu einem synthetischen Pod- Rennen aus „Star Wars – Episode I: Das Zerstören einer guten Serie“ entwickeln. Doch zum Glück bleibt das aus – rechtfertigt aber auch keine Neuauflage dieses Films, denn es sei unterstellt, dass das alte Wagenrennen wahrscheinlich viel geiler ist als das hier. Deshalb mein Vorschlag für die nächste Neuauflage dieses Filmklassikers: Macht einen 90-Minuten-Film der komplett aus Wagenrennen besteht! In echt. Vielleicht streckenweise aufgezogen wie ein Formel-1-Rennen. Denn, machen wir uns nix vor, für den Rest der Handlung interessiert sich eh keine Sau! Oder verlegt ihn in die Neuzeit und macht das ganze mit Autos. Mit Vin Diesel als Ben-Hur? Ben-Fast and Ben-Hurious? Unnötiger als das hier würde das auch nicht werden. Ab 1.9.2016 im Kino.

Neu auf DVD: Narcos – Staffel 1

Leben und Aufstieg des Drogenbarons Pablo Escobar, erzählt von einem DEA-Agent…

Das Leben schreibt die besten Geschichten

In diesem Fall ist da sogar was dran. Denn die Serie basiert auf wahren Begebenheiten, die in diesem Fall über ein „es gibt ein Land namens Kolumbien, aber der Rest ist erfunden“ hinausgehen. Es geht um einen Drogenbaron – und manche Ereignisse in dieser Serie sind so abstrus, dass sie absolut unglaubwürdig wären, wäre dies eine erfundene Geschichte. Natürlich ist dies keine 1:1-Abbildung der Wirklichkeit, da Personen zusammengefügt oder hinzuerfunden wurden, aber es sollte trotzdem relativ dicht an der Realität sein.

Wie wir aus dem Zusatzmaterial erfahren, wollte der Schöpfer der Serie eigentlich etwas über das Cali-Kartell machen, aber bei seinen umfangreichen Recherchen fand er dann heraus, dass die Wurzeln des aktuellen Drogenhandels eigentlich viel tiefer liegen und so wandte man sich der schillernden Figur des Drogenmonopols zu, Pablo Escobar. Und, wie wir hier sehen, ist das eine sauspannende Geschichte!

Vorspiel zu „Sicario“

Die Serie funktioniert hervorragend in Zusammenhang mit dem großartigen Film „Sicario“, in dem auch das Wort „Medellin“ eine Rolle spielt. Wir bekommen dort eine Erklärung – und hier bekommen wir die kompletten Grundlagen. Und das auf eine Vielzahl von interessanten Weisen. Die Geschichte wird mit einem Off-Kommentar erzählt, von einem Polizisten der amerikanischen Drogenfahndung (kurz: DEA), eine Person, die es tatsächlich gibt und deren Erfahrungen wohl auch in die Serie eingeflossen sein dürften. Der Kommentar hat herrlich beißende Stellen, aber die Hauptfigur der Serie ist nicht er, sondern Pablo Escobar – und das ist wunderbar, denn man muss sich nicht damit herumschlagen, wie ein Ami einen Latino verfolgt, alles schön amerikanisch, sondern wir erleben die Geschichte des Drogenimperialisten, und die ist weit spannender als die Suche nach ihm. Die spielt zwar auch mit rein, aber in erster Linie ist dies eine Art Serienportrait des bekanntesten Drogendealers der Welt.

Dieses Portrait nun erhält Authentizität durch zwei weitere ungewohnte Faktoren: Die Serie ist zur Hälfte auf Spanisch gedreht, was bedeutet, dass wir jede Menge Untertitel bekommen. Und es werden auch Originalaufnahmen aus den Nachrichten etc. verwendet. Was bedeutet, dass man nicht nur die jeweiligen Schauspieler sieht, sondern auch teilweise deren Originale, parallel, kurz hintereinander. Das ist eine Technik, die sonst eher nicht angewendet wird – und die hier trotzdem super funktioniert. Denn tatsächlich ist das weniger ablenkend, sondern verleiht dem Ganzen noch einen besonderen Hauch von Wirklichkeit und Echtheit.

Akteure

Da man für die Serie sinnvollerweise viele Schauspieler aus lateinamerikanischen Ländern besetzt hat, dürften dem normalen Zuschauer nur wenige davon bekannt sein. Luis Guzman sollte aber einigen ein Begriff sein, und der erfährt hier ein Upgrade, denn statt wie sonst üblich den Kleinkriminellen darf er hier einen großen Drogenboss geben – und macht das hervorragend. Einer der Fahnder wird dargestellt von Pedro Pascal, der vor nicht allzu langer Zeit einen bleibenden Eindruck bei „Game of Thrones“ hinterlassen hat – in mehrfacher Hinsicht. Auch hier kann er wieder zeigen, was er für ein guter Schauspieler ist. Besonderes Lob gilt aber Wagner Moura, der hier einen Pablo Escobar gibt, der vollkommen menschlich wirkt. Er ist keine Karikatur, kein Monster, er ist ein hochintelligenter Mann, der eine Marktlücke findet und sie für sich ausnutzt… bis er irgendwann anfängt, über Leichen zu gehen. Man kann ihn nichtmal hassen, man muss Respekt für ihn haben und dank dem Schauspieler mag man ihn sogar irgendwie. Und das verdient Respekt!

Bonus

Making-ofs und Audiokommentare, in denen man nicht nur erfährt, dass Hauptdarsteller Wagner Moura für die Rolle erst noch Spanisch lernen musste, sondern auch, wie die Serie entstanden ist, was ihr zugrunde liegt und warum Netflix eigentlich der beste Ort für eine solche Serie ist.

Fazit

Spannend, clever, hart, großartig! Eine der besten Serien dieses Jahr, die gleichermaßen interessant wie spannend ist und dabei keine Kompromisse eingeht – also genau wie die Person, um die es in ihr geht. Höchst sehenswert! Ab 1.9.2016 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Mein ziemlich kleiner Freund

Blonde Frau lernt kleinen Kerl kennen, der sich als sympathisch und charmant erweist, aber eben nur 1.37m groß ist und damit kann man sich bei Freunden und Verwandten ja nicht blicken lassen…

Kleine Komödie aus Frankreich

Gäbe es einen französischen Peter Dinklage, wäre das wahrscheinlich die Rolle für ihn gewesen. Möglicherweise verfügt Frankreich aber nicht über genügend schauspielernde Zwerge, jedenfalls hat man all das Wissen, das man bei „Herr der Ringe“ angesammelt hat, nämlich wie man normalgroße Menschen so groß wie Zwerge und Hobbits aussehen lassen kann, angewandt und die Rolle des kleinen Mannes mit Oscar-Preisträger und OSS-Agent Jean Dujardin besetzt. Und das funktioniert ausgesprochen gut, denn Dujardin hat genau den Charme und Humor, den man braucht, um diese Figur zu mögen – sowohl als Zuschauer als auch als Gespielin im Film. Wie üblich ist es also eine Freude, ihn zu sehen – und Virginie Efira an seiner Seite macht eine sehr gute Figur… oder hat? Beides.

Die Geschichte an sich ist recht nett, hätte aber zwischenzeitlich ein wenig aufgepeppt werden können. Nichtsdestotrotz macht der Film aber Spaß, auch wenn das Ende ein wenig a) amerikanisch und b) übertrieben/unrealistisch (siehe also a)) daherkommt.

Mein ziemlich kleines Fazit

Nette Komödie aus Frankreich mit einem wie immer wunderbaren Jean Dujardin… und ein paar kleineren Längen. Ab 1. September 2016 im Kino.

Neu auf DVD: No Offence – Staffel 1

Einer Polizistin fällt auf, dass es scheinbar jemanden gibt, der Mädchen mit Downsyndrom entführt und ermordet. Doch das ist erst der erste Fall dieses neuen Polizeiteams…

Britcrime, again

Auch wenn Schöpfer Paul Abbott, der auch für die Serie „Shameless“ verantwortlich zeichnet, behauptet, er würde hier völlig neue Wege gehen, so stimmt das doch nicht ganz. Was nicht negativ gemeint ist, es ist nur eben nicht ganz so originell, wie man uns glauben machen will. So gesehen ist es eher eine etwas schmutzigere, düstere Version von „Scott & Bailey“, einer ebenfalls britischen Serie, bei der ebenfalls drei Frauen in den Führungsrollen zu sehen sind – und auch einer der Fälle erinnert stark an einen aus der vierten Staffel dieser Serie. Doch das nimmt dem Ganzen nicht den Spaß an der Freude, haben wir hier doch eine sehr solide Krimiserie mit starken Figuren und guten Fällen.

Mord an Behinderten

Es beginnt, wie gesagt, mit der Entführung und Ermordung von behinderten Mädchen – doch wird dieser Fall nicht schon in der ersten Folge abgeschlossen. Er ist der rote Faden, der sich durch die komplette Staffel zieht und am Ende in einer sehr eigenwilligen Auf- und Erlösung kulminiert. Das, da muss ich Paul Abbott recht geben, hab ich so tatsächlich noch nicht gesehen. Zu dem Handlungsbogen gibt es dann auch noch pro Folge einen weiteren Fall, was der Serie auch ein wenig den Touch des Realistischen verleiht, dürfte es doch auch in der Wirklichkeit so sein, dass manche Fälle etwas länger für eine Aufklärung brauchen.

Hinzu kommt, dass man für die Rollen mit Downsyndrom nicht oscarheischende Hollywoodstars (oder deren britische Äquivalente) besetzt hat, „die das nur spielen“, sondern wirkliche Schauspieler mit dieser Krankheit. Und die können zeigen, dass sie trotzdem sehr gut spielen können – und man sie vielleicht öfter besetzen könnte!

Starke Frauen

Auch diese Serie wird dominiert von starken Frauen – und schreckt nicht davor zurück, sie menschlich zu machen, indem man sie fehlerbehaftet sein lässt. Superheldinnen gibt es hier nicht, nur normale Menschen, die trotz ihrer Fehler versuchen, einen guten Job zu machen. Auch das trägt sehr zum Realismus bei und gibt der Serie die Möglichkeiten, das zu machen, was sie dann auch macht.

Mit

Joanna Scanlan (Susanne von Medyvey), Elaine Cassidy (Anke Kortemeier), Alexandra Roach (Farina Brock), Will Mellor (Stefan Günher), Paul Ritter (Philipp Moog), Colin Salmon (Matti Klemm)

Fazit

Brticrime Serie, die nicht nur mit interessanten Figuren und Fällen aufwartet, sondern von Folge zu Folge spannender wird, bis sich alles in einem ungewöhnlichen Finale entlädt. Ab 2.9.2016 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Von Trauben und Menschen

Dokumentarfilm über Saisonarbeiter in Frankreich, die bei der Traubenernte helfen…

Nicht mehr…

Man lernt ein bisschen was über die betreffenden Personen – aber nicht viel – und man lernt noch viel weniger über die Ernte, was gemacht wird, wann und warum – nämlich eigentlich nichts. Alles, was wir erfahren, ist, dass die Saisonarbeiter inzwischen keine Ausländer mehr sind, sondern allesamt Franzosen, was einen Rückschluss auf die Wirtschaft zulässt, aber das isses denn auch schon. In die Tiefe geht der Film in keiner Richtung so richtig und viel mehr als das, was ich gerade geschrieben habe, sagt er uns auch nicht.

nicht weniger!

Aber immerhin ist er kurz. Ab 1. September 2016 im Kino.

Neu im Kino: Belladonna of Sadness

Japanischer Zeichentrickfilm über ein französisches Bauernmädchen, das sich nach einer Vergewaltigung mit dem Teufel einlässt, aber besser wird es dadurch auch nicht unbedingt…

Japsploitation

Gibt es eine japanische Version von Exploitation? Falls ja, hätte dieser Film vielleicht dort hineingepasst – würde uns der Film aus dem Jahr 1973 nicht erst jetzt erreichen, da er scheinbar lange verschollen war. Ob er vorher einen ploitativen Zwischenstopp in Amerika gemacht hat ist schwierig zu sagen, ist er doch recht sexuell freizügig geraten und damit für den amerikanischen Markt wohl eher gesperrt. Ein bisschen drängt sich dem wenig kundigen Zuschauer ein Vergleich mit einigen Werken von Ralph Bakshi auf, ein bisschen, als wäre er eine Mischung aus „Die Welt in 10 Millionen Jahren“ und „Fritz the Cat“ – ob er als Inspiration dafür gedient hat, lässt sich ebenfalls schwer sagen. Währende Bakshi jedoch mangelndes Budget durch Rotoskopie überspielen wollte, lässt sich dieser Film über weite Strecken eher als

In-Animations-Film

bezeichnen, denn in vielen Sequenzen wirkt es so, als habe man einfach Bilder abgefilmt, während man langsam an ihnen entlangfuhr und das dann mit Sprache und Musik unterlegt hat, in etwa ein abgefilmter Comic. Man könnte sich das damit schön reden, dass man sagt, das gibt dem Film einen ganz eigenen Stil, andererseits nimmt es aber auch ein wenig die Freude am Gesamtbild (und mehr ist es dadurch oft leider nicht), weil Film ja „bewegte Bilder“ sind und diese hier sich oft nicht rühren.

Mir fehlt leider das Wissen, um zu sagen, dass der Film zumindest filmhistorisch oder bezogen auf das japanische Kino oder den japanischen Animationsfilm ein Meilenstein ist, den man nicht auslassen darf und dass es deshalb ein Glücksfall ist, dass er endlich nach Deutschland kommt und auf der großen Leinwand betrachtet werden kann… Wer aber auf Japankino steht, oder auf alte Zeichentrickfilme mit weniger Trick, bei dem eigentlich kein Dialog als Gespräch animiniert ist, sondern über wenig bewegte Bilder gesprochen wird, in dem sich manche Sequenzen in psychedelisch anmutenden Animationen abspielen und der Teufel als sprechender Penis in Erscheinung tritt – ein Film, der so wirkt, als wäre LSD eine große Hilfe, sei es bei der Entstehung oder bei der Rezeption – der wird von diesem auf der Geschichte der Jeanne d’Arc basierenden vielleicht beigeistert sein? Ab 1. September 2016 kann man das im Kino herausfinden.

James Bond 007 – VARGR

James Bond is back!

Als Comic aus dem Splitter-Verlag, der hier seinem Namen alle Ehre macht. Denn dieser Bond ist blutig, kein blutiger Anfänger, aber ein kaltblütiger Killer – und es fließt mehr Blut, als in allen Bond-Filmen zusammen. Denn, seien wir ehrlich, vor der Craig-Ära, die Bond seine Alleinstellungsmerkmale Eleganz und Charme genommen hat, war James Bond ein Highsociety-Agent, bei dem zwar gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen und gevögelt, als gäbe es kein Morden, aber Blut und Nacktheit waren immer tabu. Das ist in diesem ersten Band der neuen Bond-Comicreihe anders. Es gibt zwar – noch? – keine ausgiebigen Nackt- und Sexszenen, aber appe Finger und spritzendes Blut en masse. Was, sieht man sich mal die Jobbeschreibung der Figur an, doch eigentlich Sinn ergibt. So gesehen ist dieser Comic nicht unbedingt realistischer, aber doch „ehrlicher“ als seine filmischen Kollegen. Aber…

Wer ist dieser James Bond überhaupt?

Das ist eine Frage, die sich schwerlich beantworten lässt, wird 007 doch mit jedem neuen Darsteller neu definiert. Aber nicht nur das, tatsächlich gibt es etwa vier Bond-„Universen“, um es einmal so zu formulieren, vier Varianten der gleichen Figur, die parallel zueinander existieren… wenn man eventuelle Videospiele nicht mitzählt. Da ist zum einen der bekannteste James Bond, der, den wahrscheinlich die meisten kennen, nämlich der, der alle Jahre wieder auf der großen Leinwand erscheint, also der Film-Bond.

Dann gibt es den Bond der Bücher… oder vielmehr die Bonds der Bücher, denn allein dort gab es in den letzten Jahren zwei unterschiedliche Inkarnationen. Eine davon lebt in den 60ern und knüpft an die alten Werke von Bond-Schöpfer Ian Fleming an („SOLO“). Eine weitere lebt in der Gegenwart und erlebt ihre Abenteuer heute („CARTE BLANCHE“). Beide sind gleich und beide sind unterschiedlich. Die Familiengeschichte ist ähnlich, aber den jeweiligen Zeiten angepasst. Zudem ist das, wofür der aktuelle Bond arbeitet, nicht direkt der MI6 sondern irgendeine Art Spezialabteilung. Zuzudem, was vielleicht nicht jeder weiß, gibt es in den Büchern keine direkte Figur namens Q, auch wenn es dereinst einen Major Boothroyd gab, ein Name der in den Filmen in „Dr. No“ fällt sowie später in, wenn ich nicht irre, „Der Spion, der mich liebte“. In den Büchern gibt es eher die „Q Abteilung“, während deren „Quartiermeister“ wohl eher eine austauschbare Figur ist, die von dem übernommen wird, der gerade Zeit hat. Der Begriff des Quartiermeisters ist dann irgendwie keine Doppelnullung sondern eine Doppelmopplung, die in den Filmen erstmals in „Stirb an einem anderen Tag“ aufgetaucht sein dürfte; so steht dann das Q wahlweise für eben diesen Meister oder aber für seine Q-Abteilung – im Zusammenhang dieser Filme aber eigentlich nie für ein übermächtiges, gottgleiches Wesen, das gerne mit der Enterprise-Crew spielt. Womit wir dann nach einer langen Vorrede bei der vierten Inkarnation von James Bond angekommen sind, denn das ist

Der Bond der Comics

Ich würde sagen, wir dürfen diesen Bond als eine weitere, halbwegs eigenständige Figur betrachten, losgelöst von allen drei anderen genannten Inkarnationen – aber mit Bezug zu ihnen. So wird zum Beispiel Peter Franks erwähnt, der Name eines Schmugglers, den Bond in „Diamantenfieber“ in einem Aufzug in Amsterdam umbringt, um seine Identität anzunehmen. Es gibt auch M, Q und Moneypenny (und Bill Tanner, aber nach dem hat eigentlich noch nie ein Hahn gekräht), aber die scheinen zumindest nicht 1:1 aus dem Filmuniversum übernommen zu sein. Zwar ist Moneypenny wie in den neueren Filmen eine Schwarze und ihr Waffenreinigen lässt ebenfalls auf einen vorherigen Außendienst schließen (als Staubsaugerverkäuferin, denn wir wissen ja um ihre Schießkünste), aber da haben wir es auch schon mit den Ähnlichkeiten. Q ist kein Jüngelchen mit Laptop, sondern ein älterer Herr, also keinerlei Verbindung zum aktuellen Filmuniversum. Und da ist M. Der wirkt ebenfalls so, als wäre er schwarz, also wohl nicht die Figur, die Ralph Fiennes dargestellt hat. Zudem ist sein Verhältnis zu Bond ein wenig gestört, was eher eine Parallele zu Judy Dench – und, was gerne vergessen wird, vor ihr Edward Fox – ist. War Bernard Lee noch der M, der Bond einfach mal auf eine tödliche Mission geschickt hat (traurige Ironie, dass er im Film dieses Namens erstmals nicht dabei war), waren es die erwähnten beiden, die in ihm eher ein Relikt aus dem kalten Krieg gesehen haben und mit seinen Methoden nicht ganz einverstanden waren. Das ist die Haltung, die auch dieser M ein wenig zu vertreten scheint – wobei sein Kommentar, Bond wäre immer schnell bei der Sache, wenn es um eine Racheaktion geht, fast wie eine Anspielung auf die aktuellen Filme wirkt. Dennoch würde ich behaupten, die Comics stehen mehr oder weniger für sich, auch wenn es wohl immer Anspielungen auf die Filme geben wird, wie z.B. die Sache mit seiner Dienstwaffe hier, die sehr an Ms Zurechtweisung in „Dr. No“ in Bezug auf seine Waffe, die „gut für eine Damenhandtasche“ wäre, erinnert.

Und… Action!

Der Comic beginnt mit einer Art Vorspiel, ähnlich wie die Filme, eine Pre-Titel-Sequenz, die fast wortlos abläuft, bevor dann der Titel kommt… der leider nicht gesungen ist. Da ist es eigentlich schade, dass man nicht auch noch eine gezeichnete Gunbarrel-Sequenz vor das Ganze gesetzt hat, aber die bleibt dann wohl nur den Filmen vorbehalten. Es beginnt also damit, dass Bond etwas erledigt, oder eher jemanden, was dann dazu führt, dass er einen neuen Auftrag bekommt, der ihn nach Berlin führt, wo er sich von einer Spur zur anderen hangelt und auf extrem blutigen Pfaden wandelt (oder in Blut watet, wenn Ihnen das besser gefällt). Sex gibt es keinen, aber dafür darf 007 etwas tun, was bei Craig irgendwie ausbleibt: seinen Kopf benutzen. Und ich meine damit nicht, mit ihm durch die Wand gehen, wörtlich gesprochen. Bond muss seinen Verstand einsetzen, um aus schwierigen Situationen herauszukommen – und es ist schön, das zu sehen. Außerdem hat er endlich wieder einen trockenen Humor, was der Filmreihe schon seit langem abgeht. Es ist zwar nicht ganz der gute alte James, wie man ihn sich wünscht – aber er ist schon weit näher dran!

Ellis wird gut

Geschrieben wurde dieser Band von Comic-Altmeister Warren Ellis. Das freut mich besonders, da er für eine meiner Lieblingscomicserien verantwortlich ist: „Transmetropolitan“. Abgedreht, schräg, witzig, clever und ziemlich kompromisslos. Eine völlig andere Richtung als Bond, aber ein wahres Vergnügen. Da fragt man sich natürlich, ob das Tattoo des Bösewichts im Teaser nicht eine Anspielung auf seinen Spider Jerusalem ist…

Mein Fazit ist Bond, James Bond

Für jemanden, der die alten Bond-Filme mag, ist das Warten auf einen neuen Film problematisch geworden. Brachte man vor der Jahrtausendwende noch etwa alle zwei Jahre einen Bond-Film heraus, so sind die Abstände inzwischen größer geworden – und die Filme selbst lassen dann auch noch das vermissen, was man eigentlich an Bond mochte. Die Comics schaffen da jetzt eine gewisse Abhilfe. Man kann sich die Zeit bis zum nächsten Film ein wenig mit einem neuen Abenteuer abkürzen – und außerdem fühlen sie sich, abgesehen von zuviel Blut und zu wenig Sex, ein bisschen mehr wie der Bond an, den man eigentlich sehen möchte. In Zeiten von Craig (die jetzt hoffentlich endlich zuende sind), also durchaus eine nette Alternative, ein bisschen mehr Zeit mit dem Geheimagenten Ihrer Majestät zu verbringen. Und das meine ich absolut ernst, denn: „Ich scherze nie, wenn es sich um meine Arbeit handelt, 007!“ Seit Juni 2016 erhältlich beim Comichändler Ihrer Wahl.