DVD: THE SMELL OF US

Jugendliche in Frankreich verkaufen ihre Körper, fahren Skateboard und filmen sich dabei…

Kids 2018

Regisseur Larry Clarke bleibt sich und seinen Themen treu und so wirkt dieser Film wie eine späte Fortführung oder Fortsetzung seines Films „Kids“, in dem es um Jugendliche und Sex geht, mit einer Explizität, die kurz vor dem Hardcore ist. Die Handlung an sich ist eher dünn gesät, die Bilder sind rau und schmutzig, genau wie das, was passiert. Larry Clarke offeriert keine leichte Kost, keine nette Unterhaltung, sondern Filme, die unter die Haut gehen und Sex von seiner schmutzigsten Seite zeigen – und das nicht im positiven Sinn. Denn positiv scheint in Clarkes Filmwelten nicht viel zu sein.

Krasse Bilder, krasse Sprache

Und auch das nicht im Sinne des prolligen „voll krass, Alda“, sondern die Sprache ist genauso krass gewählt wie die Bilder, die wir sehen. Clarkes Film wirkt ein wenig wie eine Doku, auf traurige Weise realistisch, ungeschönt und unschön. Vieles sind einfach Bilder, Handkamera, Videoqualität, Musikuntermalt. Nahaufnahmen, nackte Körper, Skater in Bewegung. In gewisser Weise könnte man Clarkes Filme mit

Kinder ohne Kindheit

zusammenfassen, zumindest deren Variante in einer zivilisierten Welt. Die Kinder in seinen Filmen sind nicht wohlbehütet und spielen, sondern tun Dinge, die selbst für viele Erwachsene zu heftig wären. Wer seinen Kindern Angst vor Sex machen möchte, der könnte mit diesen Filmen Erfolg haben – oder mit „Fifty Shits of Grey“.

The Smell of Fazit

Keine leichte Kost. Eine Art schmutziger Kunstfilm, irgendwie genauso kaputt wie das, was er porträtiert. Nicht jedermanns Sache, auf keinen Fall Mainstream – und sicher nicht für Kinder geeignet! Ab 23.2.2018 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: Borg/McEnroe

Tennis-Ass Björn Borg hat bereits viermal Wimbledon gewonnen, doch nun muss er gegen den jungen, sich daneben benehmenden John McEnroe antreten, der ihm seinen fünften Sieg streitig machen könnte…

Wahre Geschichte

Für jemanden, der sich nie so für Tennis interessiert hat und der deshalb nicht weiß, wie dieses Finale ausgehen wird, ist das Ganze verdammt spannend. So wie „Rush“, nur mit Tennis statt Formel 1. Man erfährt, warum die beiden Spieler so sind, wie sie sind, erhält nette Einblicke in ihre Vergangenheit und ihr Denken. Das sind die Dinge hinter den Kulissen – und dann bekommt man die Spiele zu sehen. Und die sind so gut inszeniert und gespielt, dass einem Tennis auf einmal wie ein durchaus spannender Sport vorkommen kann. Besonders das Finale dann, das so wirkt, als könnte es eins der spannenden und besten Matches aller Zeiten gewesen sein, lässt einen mit den Protagonisten mitfiebern. Und das ist ein ausgesprochenes Kompliment für diesen Film.

Spiel, Satz und Sieg

Überzeugend ist nicht nur das Spiel auf dem Platz, sondern auch das der Darsteller. Sverrir Gudnason gibt einen überzeugenden Borg und Shia LaBeouf kann sich als auf dem Tennisgrün austickender McEnroe sehr schön einbringen und ausleben. Außerdem dürfte es für Stellan Skarsgard eine der wenigen Ausnahmen der letzten Jahre sein, dass er in einem Film seine Muttersprache sprechen kann, was in der deutschen Fassung natürlich entfällt, da man hier auf die Zweisprachigkeit des Originals verzichtet.

Bonus

Eine lange Featurette über die Entstehung des Films, in der man nette Einblicke in die Hintergründe erhält.

Mit

Sverrir Gudnason (Florian Hoffmann), Shia LaBeouf (David Turba), Stellan Skarsgard (Detlef Bierstedt), Tuva Novotny (Marie Bierstedt), Scott Arthur (Roman Wolko), Robert Emms (Konrad Bösherz), Ian Blackman (Jürgen Kluckert)

Fa/Zit

Ein spannender Einblick in eins der spannendsten Tennismatches aller Zeiten sowie die beiden Personen, die dieses Match ausgetragen haben – ein kleines Highlight des vergangenen Filmjahres. Ab 23.2.2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: THE WAILING – DIE BESESSENEN

In einem kleinen koreanischen Dorf werden Menschen besessen. Es gibt Blut, es gibt Tote. Der Dorfpolizist glaubt, dass der Besucher aus Japan dahinter steckt. Dann spitzen sich die Ereignisse sehr, sehr langsam zu…

Horror aus Asien

Hier funktioniert der Horror ein wenig anders als in der westlichen Welt. Es gibt keine Jump-Scares, alles ist mehr auf Stimmung und Mythologie ausgelegt… und Blut. Einen Hauch von Zombiismus gibt es auch. Aber es spielt nicht alles im Dunkeln oder einem alten Haus, so viele malerische Landschaftsaufnahmen bekommt man in Horrorfilmen sonst eher selten zu sehen. Und man muss Zeit mitbringen, denn der Film nimmt und lässt sich ebendiese, wenn er z.B. Rituale zelebriert oder er überhaupt zur Aufklärung dessen kommt, was hinter allem stecken könnte, von dessen Bekämpfung ganz zu schweigen. Das bringt ihn auf eine Lauflänge von 2.5 Stunden, die man sich dann halt dafür nehmen muss. Auf der – langen – Zielgeraden gibt es dann noch eine nette Wendung – und ein paar fiese Szenen.

Langer Film, kurze Besprechung

Eine andere Art von Horror. Interessant, aber durchaus zeitintensiv – und vielleicht nicht so, wie man es gewöhnt ist. Ab 23.2.2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: Heilstätten

Joh, Alda, n paar Jutjube-Spacken machen ne Tschellensch, in nem verhurten, nee, verhexten, also so von Geistern besessenen Haus ne Nacht zu machen, so, aber dann geht voll die Kacke ab, Alda, und die dampft sogar…

Fucking Found Footage Film

Wenn eine Komödie nicht lustig ist verfehlt sie ihr Ziel, wenn ein Horrorfilm nicht gruselig ist, gilt ähnliches. Dieser hier verkackt sogar die wenigen Jump-Scares, die er hat. Man könnte sagen, dass er sich in einem Punkt an der „Blair Witch“ Fortsetzung orientiert, indem er etwas einführt, womit er dann nix macht – dort war es eine Drohne, hier ist es eine Wärmebild-App – aber ein Kompliment ist das nun nicht gerade.

The Scare Bitch Project

Schon der bessere Titel! Statt gruselig ist der Film eher hektisch und anstrengend. Und dann hat man schon eine Handvoll hassenswerter Youtuber, die einem auf die Eier, oder, sexistisch korrekt, naja, Eier, gehen, also wünscht man sich, dass der Film endlich anfängt, sie umzubringen… doch selbst in der Sparte versagt er. Er ist so gesehen nicht langweilig, aber da er, wie gesagt, in seinem Hauptalleinstellungsmerkmal keine Schnitte macht, naja, kann man hier als Leser zu seiner eigenen Schlussfolgerung kommen. Es gibt dann zwar tatsächlich auch noch eine Wendung, aber dafür war’s vorher nicht gut genug und damit wird auch nicht genug gemacht, als dass man sagen könnte, dass das die ganze Sache rettet, rehabilitert oder sehenswert macht. Fassen wir das alles mal mit einem krassen Fack Ju Tjube, Alda zusammen.

Mit

Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz, Lisa-Marie Koroll, Nilam Farooq, Emilio Sakraya, Timmi Trinks und den „YouTubern“ Leon Machere, Davis Schulz und Freshtorge – Regie: Michael David Pate

Heilfazit

Hätt man wohl was draus machen können, versagt aber leider komplett in den Punkten, um die es bei dieser Art Film geht. Ab 22. Februar 2018 im Kino.

Kino: DIE VERLEGERIN

Ein Journalist kopiert geheime Akten, die zeigen, warum die USA weiterhin am Vietnamkrieg festhält. Als die New York Times wegen der Veröffentlichung Probleme bekommt, will sich nun die Washington Post an die Veröffentlichung wagen…

Wahre Geschichte

Wer in Amerika Geheimnisse verrät, das wissen wir nicht erst seit Snowden, wird als Landesverräter angesehen. Und Regierungen lassen ungern ihre Geheimnisse veröffentlichen, besonders, wenn sie sie in einem schlechten Licht dastehen lassen. Hier nun haben wir eine wahre Geschichte aus den 70ern, in der auch der Darling unter den Präsidenten, Richard Nixon, eine kleine Rolle spielt.

Das Thema ist gut, die Aussage am Schluss auch ein wenig dem aktuellen Präsidenten geschuldet, aber leider ist der Film weder ein „Snowden“ noch ein „Spotlight“, denn gerade letzterer schafft es, die Zeitungsarbeit extrem spannend darzustellen, auch wenn den ganzen Film über nichts anderes passiert, als reden. Leider braucht „The Post“, so der Originaltitel, ein wenig, um in die Gänge zu kommen, denn am Anfang wird viel und zu lang klargemacht, in welcher finanziellen Situation sich die Zeitung befindet – und Zahlen sind nunmal weder sexy noch spannend. Wenn das dann irgendwann abgearbeitet ist und man in die Aufarbeitung der Akten geht, wird es richtig gut und bereitet Freude.

Besetzung

Dass Meryl Streep und Tom Hanks gute Arbeit leisten, ist ja nicht überraschend, auch wenn beide in letzter Zeit immer öfter Personen spielen, die es wirklich gegeben hat. Bob Odenkirk, wohl am besten bekannt aus „Better Call Saul!“, kommt hier hervorragend als Journalist – und da ist jemand, der schon zwei Präsidenten und diverse andere Leute aus diesem Gewerbe gegeben hat: Bruce Greenwood. Er spielte in „13 Days“ Präsident Kennedy, war das beste als die Drogen besiegender Präsi in „Kingsman: The Golden Circle“, war eine Art Informant in „The Secret Man“ und ist hier nun als Robert McNamara zu sehen – so gesehen eine Degradierung. Ebenfalls mit dabei der politik(serien)erfahrene Bradley Whitford aus „The West Wing“, der stets gute, hier aber zu wenig genutzte Michael Stuhlbarg und Matthew Rice aus der hervorragenden Serie „The Americans“, den man viel zu selten sieht, obwohl er es verdienen würde.

Mit

Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie, Bob Odenkirk, Sarah Poulson, Carrie Coon, Jesse Plemons, Michael Stuhlbarg, Bruce Greenwood, Matthew Rice, Bradley Whitford, Carrie Coon – Regie: Steven Spielberg

Fazit

Hätte zu Beginn ein wenig Straffung vertragen, wird aber gegen Ende spannend und richtig gut. Ab 22. Februar 2018 im Kino.

Kino: Docteur Knock

Schwarzer Arzt kommt in französisches Dorf, wo er die Praxis übernimmt – und natürlich irgendwann von der Vergangenheit eingeholt wird…

Der Arzt schafft sich seine Patienten

Es fängt eigentlich ganz nett an, aber das hält nicht lange an. Unterm Stich wird der Film ein wenig zu der Aussage, dass der Arzt das Dorf, dem es unter seinem Vorgänger gut ging, aus Profitgründen krank macht – was ein anderer und möglicherweise besserer Film gewesen wäre. Hier versucht man, diese Geschichte in der Schlussszene auszuhebeln, indem man das Thema anspricht, aber eigentlich läuft alles genau darauf hinaus. Auch der Konflikt, der aufgebaut wird, ist keiner, da er ja ein echter Arzt ist und damit eigentlich nicht erpressbar.

Die Hauptrolle wird gespielt von Omar Sy, der mit „Ziemlich beste Freunde“ bekannt wurde und hier wieder eine schöne Leistung abliefert. Dass in einem Dorf in den 50ern, in dem der Deutschenhass noch immer vorhanden ist, ein Schwarzer a) akzeptiert wird und b) auch noch als Arzt, ohne dass da jemand – außer dem Pfarrer, der aber nur seine Felle schwimmen sieht – etwas negatives sagt und macht, darf ein wenig angezweifelt werden.

Docteur Fazit

Nicht wirklich Komödie oder Tragödie, ganz unterhaltsam, aber, wie es scheint, wenig durchdacht. Ab 22.2.2018 im Kino.

DVD: Murphys Gesetz

Polizist Murphy wird von Gangsterbande umgebracht und zu einer Mischung aus Mensch und Maschine gemacht, die das Gesetz…

Sorry, falscher Murphy!

Polizist Murphy ist nicht wirklich beliebt, weil er den Bruder eines Mafiabosses umlegt und dann ist da noch eine Frau, die es auch auf sein Leben abgesehen hat, während er mit einer Sprüche klopfenden Minderjährigen durch die Gegend zieht…

Alles, was schief gehen kann, wird schief gehen

Das ist „Murphys Gesetz“ – aber ist es dann auch, wenn Charles Bronson mit von der Partie ist? Ja und nein. Es ist ein bisschen Actionfilm und bis zu einem gewissen Punkt Krimi, bei dem man zwar weiß, wer ihn umbringen will, aber nicht warum. Als sich das dann geklärt hat, gibt es noch eine Art geiseligen Showdown, bei dem kein Auge trocken und kein Beteiligter unblutig bleibt. Erwähntes Gesetz wird zwar mehrmals angesprochen, aber nicht so richtig umgesetzt, was schade ist, da da eigentlich eine Menge Potential drinstecken würde. So bleiben wir bei einem Film, bei dem

Charles Bronson

einmal mehr seinen Mann steht. Der war zwar auch in den Zahlenwerken „Die glorreichen Sieben“, „Vier für Texas“ und „Das dreckige Dutzend“, aber am bekanntesten und berühmtesten wurde er als rot sehender Racheteufel in der „Death Wish“-Reihe als „Ein Mann sieht rot“, von der uns dieses Jahr ein Remake mit einem hoffentlich nicht ganz so gelangweilt wie in letzter Zeit üblich agierenden Bruce Willis ins Haus steht. Bronson macht hier seine Sache gut und disharmoniert hervorragend mit Kathleen Wilhoite als nicht auf den Mund gefallene jugendliche Schnodderschnauze, die für diesen Film als

Bonus

einen Audiokommentar beisteuert. Der ist offen, ehrlich und geht von Höckschen auf Stöckschen, wobei man das eine oder andere über den Film und seine Entstehung, aber auch über Bronson als Mensch und sie selbst sowie über das Filmbusiness im Allgemeinen und die Firma Canon im Besonderen erfährt – kurz: unterhaltsam und informativ.

Murphys Gesetz (1986)

Charles Bronson (Michael Chevalier), Kathleen Wilhoite (Melanie Pukaß), Lawrence Tierney (Klaus Miedel), Richard Romanus (Lothar Blumhagen) – Regie: J. Lee Thompson

Murphys Fazit

Actionknaller mit Rotseher Bronson als knallharter Bulle mit jugendlicher Labertasche an seiner Seite und einer mysteriösen Mörderin hinter sich. Nur Murphys Gesetz hätte man ein wenig konsequenter umsetzen können. Ab 16.2.2018 auf DVD und Blu-ray.