Neu im Kino: Die guten Feinde – Mein Vater, die rote Kapelle und ich

Dokumentation über den Autor Günther Weisenborn von dessen Sohn Christoph, in der der Widerstand seines Vaters gegen das Naziregime, seine Mitstreiter, aber auch die Art und Weise, wie mit ihrer Gruppe „Die rote Kapelle“ auch nach dem Krieg noch umgeganngen wurde, gezeigt werden.

Ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man spannende und interessante Dokumentationen machen kann. Der Film ist von Anfang bis zum Ende spannend und setzt das Bildmaterial aus der damaligen Zeit sinnvoll ein, wobei er es immer mit Filmen aus der Gegenwart gegenschneidet.

Kurz gesagt: Gleichermaßen informativ wie sehenswert! Ab 27.7.2017 im Kino.

Neu im Kino: Baby Driver

Junger Mann mit Tinitus arbeitet als Fluchtwagenfahrer für Gangster…

Nicht das Prequel zu „Boss Baby“

Zum Glück. Statt dessen kommt dieser rasante Actionfilm von Edgar Wright, der zusammen mit Simon Pegg und Nick Frost für hervorragende Filme wie „Shaun of the Dead“ und weniger hervorragende wie die anderen verantwortlich ist. Diesen hier, der ohne die beiden auskommt, könnte man auch als

A Symphony in Cars

bezeichnen, denn Musik spielt eine große Rolle… eine sehr große sogar. Denn es gibt kaum eine Minute, kaum eine Sekunde ohne Musik. Alles, was man sieht, ist zu jeweils einem Lied choreographiert und geschnitten. Einerseits ist das originell und schön, weil es konsequent durchgezogen wurde und an einigen Stellen ganz wunderbar funktioniert, andererseits kann das dann aber irgendwann auch ein wenig anstrengend werden. Bei einer etwas kürzeren Laufzeit hätte das vielleicht eine Spur besser gepasst.

Die Handlung ist so, wie man sie bei einem Film dieser Art erwarten kann, viel Gefahre, hier und da ein bisschen Gewalt, und ein Ende… das man so nicht erwartet hätte. Eine angenehme Überraschung. Nur die Schlussschlacht ist mal wieder ein wenig zu lang und die Entscheidung von Kevin Spaceys Figur nicht so richtig durch die vorherige Handlung motiviert.

Mit

Ansel Elgort, Lily James, Kevin Spacey, Jon Hamm, Jon Bernthal, Jamie Fox

Baby Fazit

Rasant, konsequent, schnell, ein Stückweit sogar originell. Absolut unterhaltsam und fast immer auf der Überholspur. Ab 27.7.2017 im Kino.

Neu im Kino: The Party

Peter Sellers, der einen Inder spielt, kommt auf die Party eines reichen Filmproduzenten…

Ähem!

Ja?

Das war eine andere Party. Oder vielmehr „Der Partyschreck“, wie er bei uns heißt.

Oh. Und worum geht’s dann?

Eine Frau kann etwas feiern, doch ihr Mann eröffnet den Abend mit einer unangenehmen Überraschung, die zu weiteren unangenehmen Überraschungen führt…

Klingt wie’n ganz normaler Abend.

Aber es ist in schwarz/weiß.

Ach sooo…

Manche würden sagen, „wie abgefilmtes Theater“, aber da frage ich mich eigentlich, wieso das was Negatives sein soll? Denn wenn man tolle Dialoge hat, witzig, pointiert, die von großartigen Schauspielern dargeboten werden, dann kann es noch so theatermäßig wirken, solange es einfach gut funktioniert.

Ist das hier so?

Leider nicht. Die Dialoge könnten pointierter sein, einzig Patricia Clarksons Figur hat hier und da mal ein bisschen bissigen Text, der Rest… hätte besser sein können.

Aha. Und wer spielt mit?

Patricia Clarkson, Cherry Jones, Bruno Ganz, Timothy Spall, Kristin Scott Thomas, Emily Mortimer und Cillian Murphy.

Klingt doch ganz gut.

Sind sie auch, aber das reißt es bei den eher mittelmäßigen Texten leider nicht raus.

Schade.

Fand ich auch.

Wo gibt’s das?

Im Kino.

Wann?

Ab 27. Juli 2017.

Neu auf DVD: Versailles – Staffel 2

Am Hofe von Ludwig dem Sonnenkönig. Es gibt Geliebte, Krieg mit Holland, aber auch Pülverchen und Gift, die in Versailles für Aufregung und Spannung sorgen…

Intrigen, Mord, Sex und Krieg… gehen weiter!

Am Anfang wirkt es fast, als wäre dies ein Crossover zwischen „Narcos“ und dem Sonnenkönig, eine Staffel, bei der herauszufinden wäre, wer Kokain am Hofe des Königs verkauft, doch das tritt dann ein wenig in den Hintergrund, wenn andere Dinge wichtiger werden.

Leider verliert Ludwig ein bisschen den Fokus und gewinnt ihn erst gegen Ende der Staffel wieder – was dazu führt, dass auch wir den Fokus verlieren und erst wieder so richtig Freude haben, wenn auch der König wieder auf der Höhe ist. Der Weg dahin ist gepflastert mit jeder Menge Sex und Blut, aber nur selten in Kombination miteinander. Gerade die Opfer der Giftmorde zeichnen sich durch blutspeiende Münder aus, die einer Zombieserie würdig gewesen wären, und dann gibt es natürlich auch noch jede Menge Intrigen und Verräter. Und natürlich

Jede Menge Schauwerte

denn neben nackigen Frauen ist die Serie auch reich an ansehnlichen Kostümen und Drehorten, die einen schnell in die Zeit des Sonnenkönigs entführen. Was die historische Genauigkeit angeht, so wäre es interessant, zu erfahren, wie sehr sie vorhanden ist. Das gilt weniger für die großen als für die kleinen Figuren und Handlungselemente, die Maitressen zum Beispiel. Leider gibt es kein Bonusmaterial, das uns Aufschluss darüber geben würde.

Mit

George Blagden (Nicolas Böll), Tygh Runyan (Uwe Jellinek), Alexander Vlahos (Jan Makino), Evan Williams (Wanja Gerick), Joe Sheridan (Douglas Welbat), Stuart Bowman (Hans-Eckart Eckhardt), Pip Torrens (Charles Rettinghaus), Anna Brewster (Nicole Hannak)

Das Fazit bin ich

Dadurch, dass die Hauptfigur selbst nicht ganz ihr eigener Herr ist, ist es die Serie irgendwie auch nicht. Und man möchte doch den Sonnenkönig in Aktion erleben. Doch der ist sich seiner nicht ganz gewiss, was ein wenig das Vergnügen aus der Staffel nimmt. Insofern fällt sie ein wenig gegen die erste ab – aber vielleicht ist Ludwig nächste Staffel ja wieder voll auf der Höhe und dann wird bestimmt alles gut. Ab 25.7.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Shadow Effect

Mann wacht ständig über der Kloschüssel auf und denkt, dass er seine Freizeit mit dem Umbringen von Menschen verbringt. Ist es wahr oder ist es nur ein Traum…?

Jason Bourne im Tagesgeschäft

Das ganze erinnert natürlich an den Promi unter den Gedächtnisverlustern im Agenten- und Mordgeschäft. Doch während sich Jason Boring nicht an seine Vergangenheit erinnern kann, kann sich der Held dieses Films nicht sicher sein, ob die Morde, die er ständig sieht und die er möglicherweise begeht, echt sind oder nur ein Produkt seiner Phantasie.

Schönes Konzept

Das ist eigentlich ein wunderbares Konzept, doch leider hapert es hier ein wenig an der Umsetzung. Man hätte mehr damit spielen können, mit dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Mordlichkeit. Die Träume hätte man stärker als solche inszenieren sollen, damit man das Gefühl hat, sie spielten wirklich in einer anderen Wirklichkeit und als könnten sie tatsächlich nur eingebildet sein – was man so nie hat. Da wäre ein stärkerer Kontrast schön gewesen, so dass man als Zuschauer ebenfalls nicht sicher ist – und man hätte sogar noch weitergehen können. Man hätte ihn seine Traumwirklichkeit akzeptieren lassen und Spaß damit haben lassen können, weil er denkt, es sei ja nur ein Traum. Und dann…

Auf Lösung

Am Ende gibt es auch eine Auflösung, die an einen der besten Science Fiction Filme der letzten Jahre erinnert (ich verrate nicht welchen, um sie nicht vorwegzunehmen), doch wenn man mal darüber nachdenkt, ist sie zwar schön, aber passt nicht ganz, weil sie nicht so durchdacht ist, weil sie streng genommen keinen Sinn ergibt.

Mit

Cam Gigagnet (Arne Obermeyer), Michael Biehn (Gordon Piedesack), Jonathan Rhys-Meyers (Norman Matt)

Shadowzit

Da wäre das Potential zu einem wirklich guten Science Fiction Action Agenten Thriller gewesen, wenn man das eine oder andere besser herausgearbeitet hätte. So bleibt ein solider Actionfilm, der seinen an sich guten Ansätzen aber leider nicht ganz gerecht wird. Ab 25. Juli 2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Fresh

Schwarzer Junge verkauft Drogen und spart das Geld, doch es ist nicht leicht, aus dem Viertel herauszukommen…

The Wire“

Bevor die HBO-Serie uns einen eindrucksvollen Einblick ins Drogenmillieu verschafft hat, geht „Fresh“ einen ganz ähnlichen Weg. Da ist der Junge, der begabt ist, aber er hat einen Nachteil: Er ist schwarz. Und damit hat man in Amerika eigentlich schon verloren. Besonders, wenn man in einem schlechten Viertel lebt. Denn dort geht es nicht friedlich zu, Gewalt ist ein Teil des Lebens. Und auch das, was Drogen aus einem Menschen machen können, bekommt man hier zu sehen. Was den Film an manchen Stellen erschreckend unangenehm macht – und damit noch erschreckender realistisch.

Im letzten Drittel schlägt der Film dann eine neue Richtung ein. Nachdem wir vorher in das Leben (und Sterben) im Viertel eingeführt worden sind, setzt der Junge nun sein Talent für Schach in einem anderen Bereich um, woraus eine spannende und clevere Thrillerhandlung erwächst.

Samuel L. Motherfucking Jackson

Inzwischen spielt er oft sehr ähnliche Typen auf eine sehr ähnliche Art, doch früher war das noch anders und so kann man hier einen angenehm ungewohnt anderen Sam Jackson erleben. Statt wie heutzutage die meiste Zeit mit Schreien zu verbringen, schlägt er hier als Schachspieler ruhigere Töne an. Schade, dass das im Laufe der Zeit ein wenig verloren gegangen zu sein scheint.

Eine andere Art von Vorgeschmack auf die Zukunft erhalten wir durch Giancarlo Esposito. Der spielt einen Drogenhändler und wird an einer Stelle mehrmals „Hermano“ genannt – ein Rollenname (und eine Rolle), der (die) er später in der Serie „Breaking Bad“ wieder erhalten sollte.

Fresh (1993)

Samuel L. Jackson (Rainer Schmitt), José Zuniga (Sascha Draeger) – Regie: Boaz Yakin

Freshzit

Interessante Millieustudie, die sich gegen Ende in einen cleveren Thriller verwandelt. Ab 20.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Major Valerian und seine Partnerin Laureline müssen eine Gefahr, die auf einer gigantischen Raumstation besteht, die aus der über Jahrhunderte gewachsenen ISS entstanden ist, bekämpfen…

Nach einer wahren Geschichte

H—?

Nach einem Comic!

Und streng genommen gibt die Zusammenfassung den Inhalt nicht ganz wieder, denn die Geschichte ist verstrickter, als es wahrscheinlich für den Erfolg eines so teuren Films gut ist. Was mir persönlich gefällt, für das Publikum, das aber möglicherweise nur ein Spektakel ohne dabei nachdenken zu müssen sehen möchte, vielleicht etwas zuviel ist. Was auch in dem Fall schade wäre, weil man hier gerade visuell eine Menge geboten bekommt.

Überhaupt strotzt der Film vor visuellen Einfällen, besonders, was außerirdische Rassen und Details angeht. Aber auch an Ideen mangelt es nicht, wie die Sequenz, die in zwei Dimensionen gleichzeitig spielt, zeigt. Und dann vollbringt der Film am Anfang das kleine Meisterstück, nachdem er uns eine glorreiche Nutzung von Major Toms „Space Oddity“ gezeigt hat, uns ein komplettes Volk in wenigen Minuten so nahe zu bringen, dass wir mit ihm mitfühlen, wenn ihm schlimme Dinge passieren. Respekt!

Schlenker

Im Mittelteil gibt es dann ein paar Szenen, wenn wir uns im Bereich Sie sucht Ihn und Er sucht Sie befinden, wo man theoretisch ein wenig hätte straffen können, aber diese Schlenker tun der Sache keinen Abbruch. Denn: Der Film hat genügend und den richtigen Humor, um uns all das trotz der Umleitungen schmackhaft zu machen.

B-Setzung

Was mich im Vorfeld nicht mit Vorfreude erfüllt hat, war die Besetzung. Der Typ, den ich nicht leiden kann und die Tussi, die nicht spielen kann. Doch, welche Überraschung, Dane DeHaan kommt überraschend sympathisch rüber und Cara Delevigne ist in ihrer Rolle perfekt, nicht nur äußerlich, sondern auch spielerisch. Tatsächlich erweist sie sich gerade gegen Ende als die interessantere Figur, und dass sie die überzeugend spielt, macht Spaß – und Mut auf mehr.

Mit

Dane DeHaan, Cara Delevigne, Clive Owen, Rihanna, Rutger Hauer, Ethan Hawke – Regie: Luc Besson

Das Fazit der tausend Planeten

Okay, der etwas unsinnige Titel wird halb rehablitiert, aber das ist auch der einzige Schwachpunkt am Film. Visuell herausragend mit einer runden Geschichte, bei der Details vom Anfang später wieder eine Bedeutung haben können, mit der notwendigen Portion Humor und spielfreudigen Darstellern. So kann Science Fiction auch sein – und das ist ausgesprochen erfreulich! Ab 20. Juli 2017 im Kino.