James Bond 007 – Black Box

Jemand hat geheime Daten von England gestohlen. Bond soll sie zurückbeschaffen und den Verantwortlichen ausschalten. Die Spur führt nach Japan. Und da gibt es noch eine geheimnisvolle Frau…

Bond is back

In letzter Zeit ja eher als Comic als als Film… streng genommen, seit Craig die Rolle übernommen hat, aber lassen wir das. Dieser Band nun ist der erste, der es schafft, die Art der klassischeren Bond-Filme einzufangen, auch wenn man in Sachen Humor noch eine Schippe hätte drauflegen können… Bond hat für gewöhnlich meist zwei Gespielinnen, aber das kann ja noch werden. Jedenfalls verwendet man einige Elemente, die man aus den Filmen kennt, was, da das Bond-Gefühl bei Craig mir ja durchaus fehlt, gar nicht so verkehrt ist, um zu zeigen, wie Bond eigentlich „gehört“ (ähnlich wie „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ ein ziemliches Remake von „Krieg der Sterne“ war, um den Betrachter wieder dorthin zurückzuführen, was die Serie eigentlich ausgemacht hat).

So beginnen wir denn also mit einer Pre-Title-Sequenz, die im Film früher von Willy Bogner in Szene gesetzt worden wäre. Der Titelsong fehlt zwar, aber wir bekommen ein nettes Gespräch mit Boothroyd, dem bürgerlichen Namen von Q, der Bond als Dino bezeichnet (hat M in „GoldenEye“ auch gemacht). Dann geht es ins Casino zum Kartenspielen, wir schwimmen sogar mit den Haien. Ein unkaputtbarer Killer darf natürlich auch nicht fehlen, ebensowenig wie der formschön zum Einsatz gebrachte Aston Martin. Und am Ende endet alles so, wie sich das für Bond gehört.

Ich bin Spion. Ich seh gern zu.“

Ein Satz, der meinem guten Freund und Bond-Verbündeten Tillmann Courth sicher gefallen dürfte, weil er etwas ähnliches mal in einer seiner Moderationen gesagt hat. Bond ist hier als Ich-Erzähler unterwegs, was nicht schlecht ist, nur anfangs ein wenig ungewohnt. Schön ist, dass mit seinem Image gespielt wird – oder mit seinem Auftreten? Eigentlich mit seiner gesamten Persona, was in dieser Art und Weise auch eher neu gewesen sein dürfte. Denn es wird auf sein Inneres eingegangen und dass er eigentlich nur eine Maske über einer leeren Hülle ist. Das ist mehr Charakterisierung als man sonst so bekommt – und eine durchaus treffende, die eigentlich die gesamte Bond-Filmgeschichte ganz gut zusammenfasst.

Mein Name ist Fazit, James Fazit

Wer was neues von James Bond erleben möchte, ist zum Großteil auf die Comics angewiesen. Dieser hier macht eine gute Figur. Rein strukturell kommt er den Filmen recht nah, die Geschichte ist modern mit klassischen Elementen, das einzige was fehlt ist die Musik von John Barry – aber die kann man sich ja selbst auflegen. In einem Satz:

Ein altmodischer Bond mit neuem Thema

Ab 11.12.2017 im Handel. Und nicht vergessen:

James Bond kehrt zurück… im Comic!

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Kino: DIESES BESCHEUERTE HERZ

Reiches Arschloch, das Sohn eines Arztes ist, wird von Papa verdonnert, sich um einen sterbenden 15jährigen zu kümmern, damit der Geldfluss nicht aufhört…

Wahre Geschichte

Sagt uns der Vorspann. Macht’s nicht besser, Die ersten Worte, die einem einfallen sind, nach

TWOT

natürlich: Schlecht geschrieben, schlecht gespielt. Elyas M’Barek, dessen Name bei näherer Betrachtung so klingt, als wäre er eine Mischung aus Vulkanier und Klingone, Spocks Schwippschwager väterlicherseits vielleicht, zieht sein Ding durch, womit er zwar nicht über seinen Horizont hinauswächst, in diesem ansonsten aber furchtbaren Ensemble noch am positivsten hervorsticht.

Schlimm schlimm schlimm

ist Philip Noah Schwarz als der Sterbenskranke, der so grauenvoll schlecht spielt, dass man ihm einen frühzeitigen Tod

stirb stirb stirb

wünscht, damit wir alle von unseren Qualen erlöst werden. Selten hat man einer Hauptfigur so sehr den Tod gewünscht. Der Rest spielt dann alle Klischees aus, die hier nicht fehlen dürfen, der geläuterte Arsch, Abkehr von Herumvögeln, Alkohol und Drogen, all sowas, schon gesehen, meist besser, was aber keine Herausforderung ist. Wobei selbst das Zusammenspiel zwischen Arsch und Junge nicht vernünftig herausgearbeitet ist. Da hätte am Anfang mehr Ablehnung und dann Annährung sein müssen, damit ein Schuh draus wird, so war das eher larifari und überhaupt.

Dieser bescheuerte Film

Fazit. Ab 21. Dezember 2017 im Kino.

DVD: SS-GB

Deutschland hat, nun, vielleicht nicht den Zweiten Weltkrieg gewonnen, doch aber die „Luftschlacht um England“ (mit Michael Caine), was dazu geführt hat, dass das Vereinigte Königreich nun von Deutschland okkupiert wurde. Als ein Mord geschieht, ermittelt ein britischer Scotland Yard Mann, aber auch ein kühler Deutscher aus Deutschland wird eingeführt. Und dann gibt es ja noch den König und den Widerstand…

Themenabend: Hitler hat gewonnen

Die Grundidee ist natürlich sehr spannend. Wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten, wie würde die Welt dann aussehen? Hätten wir McDonald’s in den Innenstädten und „Friedmann“ im Fernsehen? Nun, so weit geht die Serie nicht, also rein zeitlich, weil sie 1942 spielt und da war an derartige Fernsehformate noch nicht zu denken, war doch Hitler einer der wenigen, der gesendet hat (siehe „Contact“ mit Jodie Foster). So spielt das denn alles im besetzten England, ein Konzept, dass wir ähnlich auch in der letzten Staffel von „Star Trek: Enterprise“ gesehen haben, wo Nazis from Outerspace zusammen mit irdischen Vertretern Teile der USA beherrschen. Leider hat man das Gefühl, dass man mehr aus der ganzen Sache hätte machen können, was aber vielleicht auch ein Problem der Zeit ist, denn heutzutage könnte das auch 1:1 in Afghanistan oder Irak spielen, aber die waren zu Zeiten des Buches, auf dem die Serie beruht, noch nicht erfunden.

The Bond Connection

Die literarische Vorlage hierzu stammt… nicht von Norman Spinrad, der mit seinem „Der stählerne Traum“ ein ähnliches Grundszenario schuf. Ihr Autor war Len Deighton, den wir woher kennen? Richtig, aus den 60ern. Denn damals schrieb er Agentenromane mit einem namenlosen Helden, aus dem ein namhafter wurde, „das intellektuelle Gegenstück zu James Bond“, wie es gerne genannt wurde, mit einem noch namhafteren Hauptdarsteller: Michael Caine (s.o.) als Harry Palmer, der es zu drei Filmen brachte (und zwei Fernsehfilmen, auf die wir nicht näher eingehen wollen), von denen zwei ziemlich gut sind und der dritte eher ein Abklatsch als ein Gegenstück von und zu Bond. Da das (Spin)Rad der Geschichte sich weiterdreht, wurde sein Roman nun adaptiert von zwei der Typen, die seit Daniel Craig für die Bond-Drehbücher verantwortlich zeichnen. Ob das nun für Qualität spricht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

EingeBrockt

Als ich vor ein paar Jahren „Lauf, Junge, Lauf“ gesehen habe, dachte ich, dieser Rainer Brock ist gar nicht schlecht, den sollte man öfter mal sehen. Hab ich sogar geschrieben. Inzwischen ist genau das eingetreten – und ich kann ihn langsam nicht mehr ertragen. Tja, immer vorsichtig mit den Wünschen sein. Dafür ist aber wenigstens schön, dass die Nazis, äh, die Deutschen, hier alle richtiges Deutsch sprechen, das hat man ja auch nicht immer.

Bonus

Ein paar Featuretten, die einige nette Einblicke geben.

Mit

Sam Riley (Michael-Che Koch), Kate Bosworth (Daniela Bette-Koch), Lars Eidinger, Rainer Brock, James Cosmo (Gerhard Fehn), Christina Cole (Svenja Wasser), Nicholas Farrell (Fritz Stavenhagen), Jason Flemyng (Maximilian Hildbrand)

FA-ZT

Schönes Grundkonzept, aber es könnte spannender oder gar subversiver sein, was aber beides eher in den Ansätzen stecken bleibt. Am Ende gibt es eine nette Aufklärung, der Weg dahin hätte aber durchaus etwas straffer gestaltet werden können. Wer wissen möchte, wie Großbritannien aussehen würde, wenn die Nazis gewonnen hätten (was zumindest diese Idiotie mit dem Brexit verhindert hätte), der hat ab 20.12.2017 auf DVD und Blu-ray Gelegenheit dazu.

DVD: Der Stern von Indien

1947 wird Lord Mountbatton als Vizekönig nach Indien entsandt, um das Land an die Inder zurück zu geben. Und dann ist da noch eine Liebesgeschichte zwischen zwei Einheimischen, doch es wird schwierig, als das Land in Indien und Pakistan aufgeteilt werden soll und man sich für eine Seite entscheiden muss…

Wahre Geschichte

Jedenfalls teilweise. Mit einem Schuss Bollywood. Aber weniger Musikeinlagen. Etwas weniger. Was im Film auch diskutiert wird ist vielleicht eine Frage seiner Entstehungszeit, denn ich stelle mal in Frage, dass das Thema Muslime und Minderheiten in dieser Weise vor 20, 30 Jahren in einen Film ähnlichen Themas eingeflossen wäre – wobei ich mich natürlich auch irren könnte. So ist es aber nicht verkehrt, dass diese Gespräche eingeführt und geführt werden, auch, weil sie damit den Bollywoodanteil kleiner halten.

Prinzipiell finde ich es immer richtig und hilfreich, wenn auch mal „der kleine Mann“ zu Wort kommt und nicht nur die Machthaber und weiße aber herrschende Minderheit, aber hier wirkt das mit dem Küchenpersonal ein wenig aufgesetzt, von der Liebesgeschichte ganz zu schweigen. Spannend wie interessant ist allerdings die große Geschichte, die Aufteilung, die Trennung des Landes, die Aufspaltung und die daraus resultierenden Aufstände, die sich blutig und brutal gestalten – was man noch ein wenig intensiver hätte herausarbeiten können. So wird über diese Ereignisse eher berichtet, als sie in ihrer Gewalttätigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, wobei auch Wochenschaumaterial verwendet wird. Dass einmal mehr die Religion Grund für Probleme, Mord und Totschlag ist, nunja, muss man nicht weiter kommentieren.

Mit

Hugh Bonneville (Erich Räuker), Gillian Anderson (Elisabeth Günther), Michael Gambon (Jochen Striebeck), Simon Callow (Lutz Mackensy), Manish Dayal (David Turba), Huma Qureshi (Sophie Rogall)

Der Stern von Fazitien

Kritische Betrachtung der Teilung Indiens mit einem Schuss Liebesgeschichte, die aber irgendwie zu klischeemäßig daherkommt. Ab 15.12.2017 auf DVD und Blu-ray.

Star Wars: Die letzten Jedi

Es war einmal,

vor nicht allzulanger Zeit,

in einem Kino,

gar nicht weit entfernt…

Machen wir uns nichts vor, „The Force Avakens“, mit dem vor zwei Jahren „Star Wars“ wiederbelebt wurde, sollte eigentlich

Previously on Star Wars“

heißen, denn, seien wir ehrlich, es ist mehr oder weniger eine Mischung aus Remake und Best of der alten Trilogie und insbesondere des ersten, „Krieg der Sterne“, um da mal einen in Vergessenheit geratenen Titel zu reaktivieren. Für gewöhnlich stört mich sowas, aber in dem Fall kann ich damit leben, ist der Film doch frisch und witzig genug, um darüber hinwegtrösten zu können, dass man das alles irgendwie schonmal gesehen hat. Aaaaaber die Situation war auch so, dass George Lucas mit seinen (Mach)Werken die Reihe ziemlich in den Sand gesetzt (oder den Karren in den Dreck gefahren) hat, so dass es nicht ganz so verkehrt war, die Leute dahin zurückzuholen, was „Star Wars“ einmal gewesen ist. Einmal lassen wir es ihnen also durchgehen, eben weil die alte Stimmung wieder aufgebaut werden musste. Die Frage ist nun also, ob der zweite Teil nur ein Abklatsch vom alten zweiten Teil (und bei vielen beliebtesten Film der Reihe) „Das Imperium schlägt zurück“ werden wird? Ganz ehrlich, ab diesem Punkt ist es an der Zeit, sich was neues einfallen zu lassen und andere Wege zu gehen – und wenn sich dies wirklich als Remake von „Imperium“ entpuppen sollte, wäre auch ich ziemlich angepisst. Also, schauen wir mal, was draus geworden ist…

The Last Jedi

Nicht makellos, aber doch ein Film, bei dem ich als alter „Star Wars“ Fan hin und wieder vor Freude ein kleines Tränchen herausdrücken möchte. Das ist meist, wenn die alte Musik saalerfüllend ertönt, es ist einfach schön, die alten Themen zur großen Leinwand zu hören, wie sie entweder eine Schlacht untermalen oder wenn Leia erscheint und man ihre Erkennungsmelodie hört. Schöne, mit Wehmut und Erinnerung verknüpfte Momente, wunderbar, den Tränen nah.

Auch sehr schön ist der Humor. Ich liebe es, wenn er als Brechung eingesetzt wird und da haben wir hier einige Stellen, an denen das passiert. Das macht Spaß und lockert auf – und bringt soetwas wie eine leichte Selbstironie mit hinein.

Und dann gibt es noch einige schöne Wendungen, die man so nicht unbedingt kommen sieht. Und jedes Mal, wenn man befürchtet, oh, jetzt wird es dann doch „Imperium“, dann wird es das eben doch nicht. Was sehr befriedigend ist. Ein bisschen „Jedi“ spielt mit hinein, aber das macht nichts.

Der klitzekleine Wermutstropfen ist dann, dass die Haupthandlung, quasi der rote Faden, eigentlich irgendwie keinen Sinn ergibt. Dann gibt es da noch einen kleinen Abstecher, für den das gleiche gilt. Irgendwie ist das ein wenig schade, aber nicht zu ändern.

Immernoch eine Entdeckung

Die Entdeckung des letzten Teils war Daisy Ridley und daran hat sich nichts geändert. Auch wenn sie hier ein wenig weniger Enthusiasmus hat, so ist und bleibt sie trotzdem großartig – und irgendwie wunderbar. Die Figur, die neben ihr am meisten Spaß macht, vielleicht auch, weil sie einen Handlungsbogen hat – und den brechenden Humor – ist die von Oscar Isaac. Und Mark Hamill hat diesmal einen etwas größeren Auftritt als im Vorgänger.

Was passiert denn nu eigentlich?

Das Imperium, äh, die First Order hat die Macht an sich gerissen und aus dem Widerstand sind wieder Rebellen geworden, müssen denn nun aber vor der ersten Ordnung fliehen, während Ray sich von Luke in die Macht einführen lassen und ihn zur Rettung der Galaxie überreden will, wo der aber ein wenig widerspenstig herangeht, wobei Ray die Zeit nutzt, um telepathische Ferngespräche mit Kylo Ren zu führen…

Mit

Mark Hamill, Carrie Fisher, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Anthony Daniels, Gwendoline Christie, Kelly Marie Tran, Laura Dern, Benicio Del Toro – Regie: Rian Johnson

Far Zit

Viele kleine, wunderbare, sehr schöne Szenen, die teils große Freude machen, aber ein Haupthandlungsstrang, der ein wenig schwach ist und unterm Elektronenteleskop keinerlei Sinn ergibt. Und doch hat mich einiges zu Wehmut gerührt und ich bin sehr, sehr befriedigt. So, wie der Film endet, wäre das ein schöner Abschluss dieser Trilogie geworden – aber da wird ja noch was kommen… Ab 14. Dezember 2017 im Kino.

Kino: Ferdinand – Geht STIERisch ab!

Kampfstier will nicht kämpfen…

Japp

Das isses so in etwa. Nur n bisschen länger. Basiert auf einem Kurzfilm. Übernimmt davon auch verschiedene Elemente und Details. Macht manches sogar besser. Aber auch länger. Er scheint für Kinder geeignet. Und für Erwachsene, die sich freuen, wenn Handlungen nicht plötzlich ungeahnte Wendungen machen, sondern genau das bringen, was man erwartet. Ein paar nette Gags gibt es, aber ich persönlich wünsche mir bei Animationsfilmen immer eine Fülle an visuellen wie inhaltlichen Einfällen und da reichen wir hier leider nur bis ins Mittelmaß. Und dass die Ziege wie ein billiger Abklatsch von Dorie wirkt, wirkt auch nicht so ganz originell. Dafür ist die deutsche Fassung aber, trotz Promisynchro, okay – bis auf den Köter.

Deutsche Sprecher

Daniel Aminati (Ferdinand), Bettina Zimmermann (Elvira/Lupe), Ben (Paco), Max Giermann (Valiente), Simons Schwarz (Franz), Forian Danner (Josef), Mirjam Weichselbraun (Sissi)

Fazit

Das Jahr geht zu Ende, die Kritiken werden kürzer. Für Kinder sicher in Ordnung, aber wer sich eine Fülle an Ideen wünscht, wird hier eher auf die Schlachtbank geführt als in die große Stierkampfarena. Ab 14.12.2017 im Kino.

DVD: Best of Rainer Werner Fassbinder

Der Mann war ausgesprochen produktiv – hier eine umfangreiche Auswahl seines weit größeren Oevres;

KATZELMACHER (1969)

Männer, Frauen, reden, reden. Draußen, drinnen, reden, reden. Stehen, gehen, reden, reden. Eine nimmt Geld für Sex. Einer gibt Geld für Sex. Ein Gastarbeiter aus Griechenland. Gespräche über Sex. Handlung, eher nicht. Und wenn, dann… zwischen den Zeilen. Essen, trinken, schlagen und… reden.

Sprich wörtlich

Statisch. In den Bildern. Im Spiel. Im Text. Man spricht darüber. Man tut nicht viel. Maximal minimalistisch. Eigenwillig. Eigenartig. Eigentlich… schwierig.

Dazu gibt es ein sehr schönes (und irgendwie weit lebendigeres) Gespräch mit Irm Herrmann, die sich angenehm offen äußert sowie einen Kurzfilm.

Mit

Hannah Schygulla, Irm Herrmann, Rainer Werner Fassbinder


DIE BITTEREN TRAENEN DER PETRA VON KANT (1972)

Modeschöpferin lernt hübsche Frau kennen und lieben, was natürlich nicht ohne Folgen bleibt…

Kammerspiele

Der Film würde auch sehr gut als Theaterstück funktionieren – und basiert möglicherweise auf einem. Alles findet an einem Ort statt – und es wird eigentlich nur geredet. Und es ist ein reines Frauenstück, was in seiner Konsequenz sehr nett ist und dankensweterweise nicht, z.B. durch einen Auftritt des Regisseurs, gebrochen wird. Es gibt gewissermaßen vier Akte, vier sehr lange Dialogszenen, etwas, das sich heutzutage niemand mehr trauen würde, da schon nach maximal 90 Sekunden zur nächsten Szene geschnitten werden muss, weil das Publikum sonst Aufmerksamkeit und Geduld verliert. Hier sind es vier etwa 30minütige Szenen, Frauen, die miteinander sprechen. Ein wenig distanziert, ein wenig steril, aber mit einer Entwicklung. Es ist ein wenig wie „Sex and the City – Fassbinder-Edition“. Irm Herrmann fungiert dabei als eine Art stummer Diener – auch das sehr konsequent durchgezogen. Vertreter von Policital Correctness sollten aber unbedingt einen großen Bogen um diesen Film machen, nicht, weil hier die gleichgeschlechtliche Liebe von Frauen propagiert wird, sondern weil der Begriff „Neger“ (inklusive großem, schwarzen Schwanz) mehrmals verwendet wird (was aber auch in anderen Filmen passieren wird). Insofern ist es ein Abbild seiner (oder in dem Fall eher ihrer) Zeit, da man damals halt noch so gesprochen hat. Als Kenner von englischen Slangausdrücken stellt man sich übrigens die Frage, wie sehr Autor und Regisseur Fassbinder damit vertraut war und ob sich das nicht in der Wahl des Namens der Hauptfigur niedergeschlagen hat.

Als Bonus gibt es ein Interview mit Irm Herrmann, die mal wieder sehr offen und ehrlich ist.

Mit

Margit Carstensen, Hannah Schygulla, Irm Herrmann, Eva Mattes


WELT AM DRAHT (1973)

Ein Mann stellt fest, dass merkwürdige Dinge passieren und die Welt, in der er lebt, vielleicht nicht die Wirklichkeit ist…

Scheinwelten

Lange, bevor die „Matrix“ es populär gemacht hat, hat sich bereits Fassbinder dem Thema der Scheinwelten angenommen. Zwar muss man hier auf Bullet-Time und Lederkutten verzichten, die Handlung ist aber dennoch nahezu zeitlos gut – denn das, wo alte SF meist versagt ist und bleibt einfach die Technik. Davon abgesehen aber eine ausgesprochen gute Geschichte, die clever gemacht und in Szene gesetzt ist.

Auch schauspielerisch hat der Zweiteiler eine Menge zu bieten. Bei Heinz Meier hat man zwar immer das Gefühl, in einem Loriot-Sketch zu sein, aber das gibt dem ganzen einen gewissen insiderigen Charme. Sieht und hör t man dagegen Klaus Löwitsch, fragt man sich, warum er keine größere Karriere gemacht hat, denn er ist nicht nur ein ausgezeichneter Schauspieler, er hat auch eine wunderbar markante Stimme. Ob es vom Regisseur intendierte Ironie war oder einfach passiert ist, ist schwer zu sagen, aber irgendwie lustig ist es, dass die einzige wirklich menschliche Figur so spielt, als wäre sie ein Roboter.

Ein schönes Spiel mit der Illusion und ein sehr gutes Gedankenexperiment über die Welt, in der wir leben… oder auch nicht?

Mit

Klaus Löwitsch, Barbara Valentin, Wolfgang Schenck, Karl Heinz Vosgerau, Günter Lamprecht, Gottfried John, Heinz Meier, Ivan Desney (Arnold Marquis)


MARTHA (1974)

Nach dem Tod des Vaters lernt Martha einen Mann kennen, den sie heiraten will und der ihr Leben sehr verändern soll…

Krank!

Das dürfte es ganz gut auf den Punkt bringen. Es geht um Hörigkeit, um Unterwürfigkeit, aber auch um Sadismus und Missbrauch. Krank ist das ganze auch. Und Psycho. Oder ist das ein Verb? Heutzutage würde man schreiben, „da passiert krasse Scheiße“. Was harmlos mit einem Schuss sonderbar anfängt, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Psychokiste, die sich immer weiter steigert. Das ist interessant, tut aber auch weh, zu sehen, wie die Persönlichkeit der Frau mehr und mehr bröckelt, während sie sich dem Mann unterwirft. Für Machos sicher ein wunderbarer how-to-do-it-Film, aber wenn man mal die Schlagzeilen der Gegenwart heranziehen möchte, kann man hier gerne Parallelen zu den Hollywoodskandalen um Harvey Weinstein und Konsorten erkennen, nicht im Detail, aber doch in der Art, wie man mit Frauen umgehen kann – aber nicht sollte. Ein Film, der die Haut nicht nur verbrennt, sondern auch unter sie geht. Und weh tut.

Die Interviews mit Karlheinz Böhm und Michael Ballhaus sind ausgesprochen interessant und geben sehr schöne Einblicke in die Arbeit, aber auch die Person von Fassbinder.

Mit

Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Barbara Valentin, El Hedi Ben Salem, Wolfgang Schenck, Günter Lamprecht


ANGST ESSEN SEELE AUF (1974)

Ältere Frau lernt an regnerischem Abend jüngeren schwarzen Mann kennen, was zu einer Beziehung führt – und zu jeder Menge Problemen…

Die gute alte Zeit

War genauso scheiße wie heute. Man könnte sagen, Fassbinder war mit seinem Film seiner Zeit voraus – leider war er das aber nicht unbedingt. Genau genommen wurden wir nur wieder von dieser Zeit eingeholt. Man sagt ja, die Geschichte wiederholt sich und dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür, dass Situationen, die 30 Jahre zurückliegen, heute genauso aktuell sind wie damals. Der Umgang mit Ausländern, mit Vorurteilen, all das ist in diesem Film zu sehen – und all das ist, spätestens seit der Flüchtlingskrise, leider wieder genauso aktuell, wie es das damals war, wenn auch mit ein paar kleineren Detailunterschieden. Das macht es gleichermaßen interessant wie traurig, diesen Film heute zu sehen, sind die Parallelen so offenkundig und die Veränderung im Denken und Handeln so… wenig existent. Man müsste nur hier da ein paar Zeilen ändern und schon könnte man nahezu 1:1 ein Remake machen… was, wie gesagt, traurig ist.

Man kann sehr schön, und leider auch sehr realistisch, sehen, wie Leute, die anders sind ausgegrenzt werden – und wie sich das auf die Leute überträgt, die mit diesen Menschen zusammen sind. Dabei ist die Sprache, die Fassbinder verwendet, ziemlich krass und ungezuckert. Harte Worte, aber von beiden Seiten. Auch interessant ist, wie und unter welchen Umständen Menschen dann wieder die Seite wechseln, wenn sie etwas von jemandem brauchen. Da ist der Schwarze Mann dann ganz schnell wieder vergessen oder kann akzeptiert werden, weil man a) etwas benötigt oder b) es jemanden gibt, der „noch schlimmer“ ist. Insofern zeigt der Film zwar kein schönes aber leider sehr treffendes Bild der Gesellschaft… aber heute ist ja alles viel besser. Oder?

Rassismus, Vorurteile, Ausländer, Ausgrenzung. Was wie das Wahlprogramm der AfD klingt, ist als Film heute noch genauso aktuell wie zur Zeit seiner Entstehung. Und ein guter Film ist es obendrein auch noch!

Wieder gibt es herrlich offenes und ehrliches Bonusmaterial, in dem sich besonders Brigitte Mira sehr locker zeigt und in dem man nettes Hintergrundwissen über den Mann erhält, um den es in dieser Edition geht.

Mit

Brigitte Mira, El Hedi Ben Salem (Wolfgang Hess), Barbara Valentin, Walter Sedlmeyer, Irm Herrmann, Rainer Werner Fassbinder


FONTANE EFFI BRIEST (1974)

In der Zeit Bismarcks heiratet eine junge Frau einen weit älteren Mann, doch die Ehe ist so distanziert wie die Sprache altmodisch…

Nach Theodor Fontane

Sehr interessant ist, wie Fassbinder den Roman umsetzt, denn er schafft einen eigenen Stil von Romanverfilmungen, indem er ungewohnte Wege geht. So gibt es immer wieder nicht nur einen Off-Kommentar, sondern auch Bild- und Texteinblendungen und Überleitungen, was man in diesem Genre eher selten zu sehen bekommt und dieser Verfilmung ihre ganz eigene Note verleiht.

Als Bonus gibt es eine kurze Doku „Fassbinder 1977“, in der er offen und ehrlich aus dem Nähkästchen plaudert.

Mit

Hannah Schygulla, Wolfgang Schenck, Irm Herrmann, Eva Mattes, Barbara Valentin

DIE EHE DER MARIA BRAUN (1979)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wartet Maria Braun auf die Rückkehr ihres Mannes. Doch als der nicht kommt, weil er wahrscheinlich tot ist, lässt sie sich mit einem schwarzen GI ein, von dem sie schon bald ein Kind erwartet. Doch nicht jeder totgeglaubte ist auch wirklich tot…

Karriere, Frau

Fassbinder stellt gerne Frauen in den Mittelpunkt und so ist es auch hier. Ein bisschen schade ist, dass er dafür so oft Hannah Schygulla besetzt, die nie so ganz natürlich wirkt. Dafür ist die Geschichte gut, mit vielen Entwicklungen, bei der eine Frau zeigt, dass sie genauso Karriere machen kann wie ein Mann, bei der sie ihren Verstand, aber auch ihre Reize, einsetzt, um ans Ziel zu kommen. Dabei ist nicht nur eine realistische Nachkriegsgeschichte entstanden, die sich mit vielen Themen aus dieser Zeit auseinandersetzt, dem Leben und Überleben in Deutschland, sondern auch eine spannende Aufstiegsgeschichte. Natürlich wäre mehr Löwitsch schön gewesen, aber man kann ja nicht alles haben.

Als Beigabe gibt es einen Beitrag aus einem Filmmagazin, in dem man noch ein wenig über den Film und seine Entstehung erfährt.

Mit

Hannah Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desney, Gottfried John, Günter Lamprecht, Rainer Werner Fassbinder


LOLA (1981)

Neuer, sauberer Baureferent kommt in eine Stadt voller Korruption, mit der er aufräumen kann, doch dann wird Prostituierte Schrägstrich Sängerin Lola auf ihn aufmerksam…

Western

Spätestens an der Stelle, an der der aufrechte Mann ins Bordell geht und seine Forderung stellt, merkt man, dass Fassbinder das Ganze auch als Western hätte inszenieren können, ein Sheriff, der in die Stadt kommt, der Saloon, das Hurenhaus, der Viehbaron und das Freudenmädchen, das hoch hinaus will. So hat er die Korruption in deutschen Amtsstuben der 50er Jahre zu seinem Thema gemacht, aber wenn man erstmal auf den Geschmack gekommen ist, schmeckt man die Optionen eines Westerns deutlich hinaus – obwohl offensichtlich eher „Der blaue Engel“ Pate gestanden haben soll. Wie dem auch sei, das Ergebnis ist interessant, spannend und unterhaltsam. Mit Barbara Sukowa hat er eine Hauptdarstellerin gefunden, die einen gewissen, eigenwilligen Stil in die Rolle bringt, was eine nette Abwechslung zu den anderen Filmen bringt.

Im Zusatzmaterial, das aus drei Interviews besteht, gibt sie nette Einblicke in die Arbeit am Film und mit Fassbinder.

Mit

Barbara Sukowa, Armin Mueller-Stahl, Helga Feddersen, Mario Adorf, Elisabeth Volkmann, Rosel Zech, Ivan Desney (Erik Schumann)


LILI MARLEEN (1981)

Sängerin mit jüdischem Freund, der daran beteiligt ist, Juden aus Nazi-Deutschland herauszuschmuggeln, darf nicht mehr in die Schweiz einreisen, nimmt stattdessen aber das Lied „Lili Marleen“ auf, das quasi zur Hymne des Zweiten Weltkriegs wird, doch nicht alles läuft, trotz Abendessen mit Hitler, wirklich gut…

Gegenschnitte

Sehr schön ist, wie Fassbinder die Musik gegen den Krieg schneidet, das schöne Lied gegen die schrecklichen Handlungen. Eine wunderbare Konterkarierung des Kriegsaktes und der Brutalität. Auch die Instrumentalisierung von Lied und Sängerin durch das Regime ist vorhanden, hätte aber vielleicht noch ein wenig besser herausgearbeitet werden können. An sich ist die Geschichte recht gut – aber leider auch reine Fiktion. Hier haben wir keine Abbildung der Wirklichkeit, eine Entstehungsgeschichte von Lied und Mythos, sondern eine Story, die man sich ausgedacht hat. Spannend ist der Film trotzdem und setzt seine Mittel sehr gut ein.

Diesmal gibt es ein Interview mit Fassbinder aus der Zeit, als der Filme gerade aktuell war – und bei einigen der Fragen kann man durchaus nachvollziehen, dass er nicht ganz so positiv reagiert.

Mit

Hannah Schygulla, Giancarlo Giannini (Fred Maire), Mel Ferrer (Helmo Kindermann), Erik Schumann, Elisabeth Volkmann, Barbara Valentin, Gottfried John, Udo Kier, Brigitte Mira, Rainer Werner Fassbinder

DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS (1982)

Sportjournalist lernt alternde Schauspielerin kennen, die einst ein Star war, nun aber von einer Ärztin behandelt wird, was Fragen aufwirft…

Bereit für meine Nahaufnahme, Mr. Fassbinder

Natürlich spielt da ein Hauch von Hollywood eine Rolle. Wobei die Einblicke in die Filmlandschaft und die mögliche Satire sich leider in Grenzen halten. Statt dessen steht die Person im Vordergrund – die, wie wir im beigefügten Interview mit Rosel Zech erfahren, einen wahren Hintergrund hat. Die gibt hier eine eindringliche Performance, zwischen verrückt und bemitleidenswert. Ein starker Film.

Mit

Rosel Zech, Hilmar Thate, Cornelia Froboess, Erik Schumann, Peter Berling, Günther Kaufmann, Armin Mueller-Stahl

BONUS: FASSBINDER

Eine Dokumentation, in der die Wegbegleiter zu Worte kommen und ein sehr rundes und auch ungeschminktes Bild von Mann, Regisseur, Genie, Diktator und Arschloch gezeichnet wird, als das man Fassbinder wohl ansehen kann. Viele Fragen dürften danach nicht mehr offen sein, was sie zu einer schönen und sinnvollen Bereicherung der Edition macht.

FAZZBINDER

Ein kleiner Ausschnitt aus einem großen Programm. Man kann die Entwicklung des Regisseurs miterleben, von den Anfängen bis zu kunstvoll inszenierten Filmen. Gewisse Themen schimmern durch, gewisse Vorlieben, gewisse Besetzungen. Das Zusatzmaterial rundet das Gesamtbild ab und gibt immer wieder Einblicke in die Person Fassbinder sowie seine Arbeitsweise als Regisseur. Wer Fassbinder kennenlernen möchte hat mit dieser Kollektion also eine gute Gelegenheit dazu. Ab 14.12.2017 auf DVD und Blu-ray.