DVD: BACKSTABBING FOR BEGINNERS

Junger Mann kommt vor Beginn des 2. Golfkriegs zur UN, womit ein Traum für ihn in Erfüllung geht. Dort hat er mit dem Öl für Lebensmittel-Programm im Irak zu tun, doch sein Idealismus wird auf eine harte Probe gestellt…

Wahre Geschichte

Prinzipiell sind Skandale und die Aufdeckung davon, dass Institutionen, von denen man eigentlich mehr erwarten würde, genauso korrupt sind wie alle anderen, ja durchaus eine Grundlage für spannende, bewegende, sauer machende Filme. Leider erreicht dieser hier weder das, noch, eine gewisse Spannung aufzubauen. Da mag mit hineinspielen, dass diese wahre Geschichte, verglichen mit anderen Skandalen, gerade in unserer Gegenwart, fast schon ein wenig unbedeutend wirkt. Es ist nicht die Aufdeckung, dass der Präsident über den Grund für einen Krieg gelogen hat, es ist „nur“ Korruption oder dergleichen. Das heißt nicht, dass man es diesen Leuten durchgehen lassen sollte, aber spannend darstellen wäre dennoch hilfreich gewesen. Hinzu kommt ein wenig geschmäcklerisches. Denn wenn einen der Film schon nicht so sehr in seinen Bann zieht, dann schweifen die Gedanken und man fragt sich möglicherweise, warum dieser Film gerade jetzt herauskommt, in einer Zeit, in der Clown-Präsident Trump gegen die UN wettert (gut, gegen wen nicht?), dass man den Leuten noch einmal zeigen möchte, dass die eben auch nicht so dolle sind und man sich mit denen vielleicht nicht einlassen sollte… aber wahrscheinlich gehe ich da ein wenig zu weit und das sind nichts weiteres als Fakenews…. oder alternative Fakten?

Mit

Theo James (Jesco Wirthgen), Ben Kingsley (Erich Ludwig), Rachel Wilson (Marieke Oeffinger), Jacqueline Bisset (Dagmar Dempe), Brian Markinson (Dieter Memel)

Regie: Per Fly

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Backstabbing for Fazitters

Ein schöner Titel, hinter dem man eigentlich eine scharfzüngige Satire erwarten würde, doch das Ergebnis ist eher mild als scharf, eher angehauchter Thriller als Satire, eher mau als spannend. Leider. Ab 20. November 2018 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: LORD OF ILLUSIONS

Viele Jahre nachdem ein junger Magier einen älteren ins Reich des Todes geschickt hat, ermittelt ein Detektiv in Zaubererkreisen – und der Tod scheint nicht so permanent zu sein, wie man geglaubt hat,,,

Clive Barker

Er schrieb die „Bücher des Blutes“, dürfte aber vielleicht am bekanntesten geworden sein durch seinen Film „Hellraiser“ – und an den erinnert dieser hier in einigen Bereichen. Denn Barker hat seine ganz eigene Art von Horror, die, bei der Dinge ins Fleisch getrieben werden, eine ganz bestimmte Ästhetik der Verstümmelung, um es mal so zu nennen. All das findet sich auch hier, allerdings diesmal verbunden mit den Elementen eines Detektivthrillers. Beides fügt sich ganz gut zusammen, auch wenn man mehr in die copperfieldsche Welt der Show-Illusionisten hätte eintauchen können, denn gerade die eine Showeinlage, die wir zu sehen bekommen, hätte eigentlich Grundlage für eine Menge mehr geboten. Doch so bleibt sie mehr schmückendes, wenn auch notwendiges Element. Worin sich Barker ebenfalls treu bleibt, ist die Tatsache, dass das, was man zu sehen bekommt, nichts für schwache Nerven oder kleine Kinder ist. Dies ist keine leichte Kost, kein leichtfüßiger Ausflug in das Reich des Horrors, sondern etwas, das einem unter die Haut geht… wenn es sie einem nicht runter reißt!

Bonus

Eine große Truhe voller Zauberkunststücke, von Making-ofs bis hin zu einem Audiokommentar mit Barker persönlich, die vielleicht nicht alle Tricks der Magie verraten, aber doch den einen anderen der Produktion.

Lord of Illusions (1995)

Scott Bakula (Bernd Schramm), Kevin J. O’Connor (Thomas Petruo), Famke Janssen (Franziska Pigulla), Daniel van Bargen (Roland Hemmo), Vincent Schiavelli (Georg Tryphon)

Regie: Clive Barker

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Faz of Illusions

Bei Clive Barker kann es so oder so ausgehen. Hier haben wir einen, der seiner Art des Horror zwar treu bleibt, sie aber auch glaubwürdig mit dem Genre des Detektivthrillers verbindet, so dass wir eine gute Mischung haben, die niemals langweilig wird, aber auch keine leichte Kost ist. Ab 23. November 2018 auf DVD und als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook.

DVD: DIE FARBE DES HORIZONTS

Pärchen fährt mit Boot aufs Meer, doch nach ein wenig Schiffbruch beginnt der Überlebenskampf…

Wahre Geschichte

Leider, leider erfahren wir diese Tatsache schon im Vorspann. Und, ganz ehrlich, Leute, wann lernt ihr das endlich? Dieser Hinweis verrät meist zuviel – oder er schränkt zumindest ein. Denn für gewöhnlich kann man bei einer Überlebenskampfgeschichte wie dieser davon ausgehen, dass dann ja wohl irgendjemand diesen Kampf gewonnen hat – und das nimmt einem als Zuschauer die Möglichkeit, dass alle Beteiligten sterben, denn irgendjemand wird das dann ja wohl erzählt haben. Sowas finde ich immer schade und bei einem Film dieser Art schlicht falsch! Davon abgesehen haben wir hier

All is Lost – Couples Edition“

Denn ein ähnliches Thema hatte der Ein-Mann-Film mit Robert Redford ebenfalls. Hier nun ist es ein Zwei-Personen-Stück geworden, das von seinen beiden Hauptdarstellern Shailene Woodley und Sam Claflin hervorragend getragen wird. Es ist ein harter Kampf und beide meistern ihn sehr gut – als Schauspieler, nicht unbedingt gegen die Elemente. Das ist oft gleichermaßen schmerzhaft wie spannend. Allerdings mag der deutsche Titel falsche Assoziationen eines schmalzigen Liebesfilms wecken, auch wenn Frau Woodley im Zusatzmaterial davon spricht, dass es sich auch um eine Liebesgeschichte handelt, denn letztlich bedeutet der Originaltitel in etwa

Abgetrieben

uuuuund das würde auch falsche Assoziationen wecken. Wie dem auch sei, es geht weder um das eine noch um das andere sondern um

Schiffbruch

und den erleidet der Film selbst zum Glück nicht, denn er erfült nicht jede Erwartung, die man an ihn hat.

Bonus

Kurze Featuretten und ein Audiokommentar mit Regisseur und Hauptdarstellerin, die ein wenig Einblick in die Produktion geben.

OT: Adrift

Shailene Woodley (Janin Stenzel), Sam Claflin (Patrick Roche), Grace Palmer (Jessica Walther-Gabory), Jeffrey Thomas (Hans Bayer), Elisabeth Hawthorne (Katharina Lopinski)

Regie: Baltasar Kormákur

Das Fazit des Horizonts

Liebesgeschichte an Land, Überlebenskampf im Ozean – spannend und gut gespielt. Ab 16. November 2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Die Fürsten der Dunkelheit Uncut / Digital Remastered

Eine einsame Kirche in Lost Angeles. Der Kirchenhüter stirbt. Ein Priester entdeckt, dass dort seit Urzeiten ein Geheimnis gehütet wird. Gemeinsam mit einer Gruppe Wissenschaftler versucht er, es zu enträtseln – doch das ist ein Fehler…

Der Prinz der Finsternis

Gemeint ist natürlich Kollege Teufel, weshalb der deutsche Titel ein wenig irreführend ist – andererseits erfahren wir aber ein wenig mehr über dessen Hintergrundgeschichte und das rechtfertigt es dann fast schon wieder. Wie dem aber auch sei, es ist schwierig, zu sagen, ob dieses spätere Werk von John Carpenter ein guter Film ist – aber er ist auf jeden Fall effektiv. Schon von Beginn an schafft Carpenter es, wie üblich unterlegt durch seine eigene Musik, eine Atmosphäre der Bedrohlichkeit aufzubauen, die fast durchgehend bis zum Ende anhält. Gewürzt wird das ganze mit gruseligen Ideen und Bildern Schrägstrich Todesarten, die einem unter die Haut gehen und die man nicht vergisst. Spannenderweise funktioniert das weniger über Splatter als durch angsteinflößendes Aussehen, teils der Figuren, teils dessen, was geschieht. Und dann ist da noch der Videotraum aus der Zukunft, der immer wieder erschreckend auf einen einwirkt…

Bonus

Dazu gibt es einen Audiokommentar mit Carpenter und Schauspieler Peter Jason, der sowohl Spaß macht, weil beide fröhlich aus dem Nähkästchen plaudern, als auch einiges über die Entstehung des Films verrät.

Die Fürsten der Dunkelheit (1987)

Donald Pleasence (Friedrich G. Beckhaus), Jameson Parker (Hubertus Bengsch), Victor Wong (Eric Vaessen), Lisa Blount (Katja Nottke), Peter Jason (Hans-Werner Bussinger), Robert Grasmere (Thomas Petruo), Susan Blanchard (Evelyn Maron), Dirk Blocker (Detlef Bierstedt)

Regie: John Carpenter

Die Fazits der Dunkelheit

Ein guter Film? Weiß der Teufel! Aber verdammt gruselig und erschreckend. John Carpenter beweist einmal mehr, dass er Horror perfekt und effektiv inszenieren kann. Also: Eine ruhige Stunde wählen, das Licht dimmen und dann zur Kirche gehen. Es sei denn, Sie haben schwache Nerven! Ab 8. November 2018 auf DVD und Blu-ray.

Neu bei Netflix: NARCOS: MEXICO

Nachdem wir in den ersten drei Staffeln Columbien, Drogenstar Pablo Escobar und das Cali Kartell abgearbeitet haben, verschlägt es uns nun, wie der Titel schon sagt, nach Mechico. Dort steigt ein junger Mann erstmal ins Dope-Geschäft ein, doch auch wenn er damit Millionen scheffelt, eins scheinen viele Drogenbarone einfach gemein zu haben: sie wollen immer mehr – und das ist irgendwie immer mit Tod und Blutvergießen verbunden…

Neuer Spielort, neue Spieler, bewährte Struktur

Narcos“ gehört zu den wenigen Serien, die bislang noch nie enttäuscht haben. Und so bietet auch diese Staffel wieder eine gelunge Mischung aus Drogenthriller, Geschichtsstunde und Anleitung, wie man ein Drogenkartell aufbauen kann, was man dabei aber besser vermeiden sollte. Das ist eine gleichermaßen spannende wie unterhaltsame Mischung, die uns einmal mehr die Männer hinter den Drogen näher bringt, ohne die als Abziehbilder von Kriminellen zu charakterisieren. Man ist nicht unbedingt auf ihrer Seite, aber irgendwie sind sie dann doch menschlich. Zumindest der eine oder andere von ihnen. Und das ist schon eine besondere Leistung, die die Serie hier wieder vollbringt – auch wenn es, wie üblich, gegen Ende der Staffel heftig zur Sache geht. Aber, wie heißt es doch so schon, das Drogengeschäft ist kein Ponyhof, also wird hier mehr fließen als Tränen.

Er, Zähler

Auch in dieser Staffel gibt es wieder einen Erzähler, der launig kommentiert, doch es ist nicht der aus der letzten Staffel. Faszinierenderweise aber ist diese Staffel, auch wenn man es zunächst vielleicht denkt, keine direkte Fortsetzung der vorherigen. Überraschenderweise laufen einem nämlich irgendwann alte Bekannte über den Weg und dann geht einem plötzlich auf, was da eigentlich gerade geschieht. Was ein super Kniff ist und einen überraschend trifft, wenn man vorher nicht genau auufgepasst und 2 und 2 zusammengezählt hat. Gegen Ende erlebt man dann sogar etwas, von dem bereits in Staffel 1 gesprochen wurde – womit sich sowohl ein Kreis schließt als auch ein neuer öffnet, denn dass der Krieg gegen die Drogen weitergeht, das wissen wir ja…

Mit

Michael Peña, Diego Luna, Matt Letscher

Farcos

Eine Serie, die ihr hohes Niveau hält, unter-hält und nebenbei noch einen faszinierenden Blick in die Welt des internatinalen Drogenhandels gewährt. Ab 16. November 2018 bei Netflix.

DVD: TERMINAL

Rache war noch nie schöner

Ein Café. Ein Bahnsteig. Eine mysteriöse Blondine. Männer, Tod und jede Menge Neonlicht…

Entwicklung

Würde man versuchen wollen, die Handlung der ersten 25 Minuten zusammenfassen zu wollen… dann käme in etwa obiges dabei heraus. Bis zu diesem Zeitpunkt ist relativ unklar, worum es nun genau geht. Gut, der Tod spielt eine Rolle, die Männer scheinen mit ihm bekannt zu sein und auch die Frau selbst scheint das eine oder andere auf dem Kerbholz zu haben – aber viel mehr wissen wir nicht. Ganz am Ende sieht das dann allerdings anders aus, denn bis dahin haben wir erfahren, was wir da gesehen haben – und deshalb soll hier auch kein weiteres Wort darüber verloren werden, denn der Film entspinnt und entwickelt seine Handlung selbst und kommt dann zu einem Ergebnis, bei dem man zwar den einen Twist kommen sieht, aber andere möglicherweise nicht. Was das Ganze zu einem durchaus befriedigenden Ausflug macht, hier und da angereichert durch ein paar sehr schöne Dialoge, besonders zwischen Margot Robbie und Simon Pegg, aber auch, wenn dieser am Bahnhof zwei Ganoven trifft. Da sind ein paar sehr schöne Szenen und eine sehr schöne Hauptdarstellerin, die überdies einmal mehr zeigen darf, dass sie nicht nur gut aussieht, sondern auch desgleichen spielen kann. Ein wahres kleines Fest, das man hier von ihr geboten bekommt, denn sie genießt ihre Rolle und läßt sie sich auf der Zunge zergehen, so dass sie auch für uns zum cineastischen Gaumenschmaus wird, um da mal ein paar Bilder unsittlich miteinander zu vermengen. Getaucht ist das alles in einen Neonschein und bunte Farben, so dass man am Ende des Films auch nicht ein Fitzelchen natürlichen Lichts gesehen hat. Das ist nicht Neo Noir, das ist Neon Noir, im wahrsten Sinne des Wortes.

Bonus

Making-ofs mit ein paar netten Einblicken, das aber auch zu dem Trinkspiel einlädt, jedes Mal einen zu heben, wenn jemand „so many twists and turns“ sagt.

Mit

Margot Robbie (Stephanie Kellner), Simon Pegg (Sascha Rotermund), Mike Myers (Kai Taschner), Dexter Fletcher (Thomas Wenke), Max Irons (Dominik Auer)

Regie: Vaughn Stein

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Ein paar sehr schöne Szenen und Dialoge, eine Handlung, bei der man sich zwar zwischenzeitlich fragt, ob das nicht etwas komplizierter ist, als es sein müsste, die am Ende dann aber doch Sinn ergibt und die auf dem Weg dahin einen durchaus morbiden Spaß bereitet. Ab 16. November 2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: LORO – DIE VERFÜHRTEN

Koks und Nutten! Nein, nicht Bender, nicht Friedmann, sondern Berlusconi, Staatsoberhaupt, Medienmogul, Lebemann, steht im Mittelpunkt…

Keine Doku

Obwohl… so ganz sicher weiß man das nicht. Man hört, dass der Film von Paolo Sorrentino wohl eigentlich ein Zweiteiler ist, der nun für diesen Markt zu einem Film verquickt wurde. Da mag durchaus etwas dran sein, denn auch wenn er bis zum Auftritt Berlusconis selbst nach rund einer Stunde absolut unterhaltsam ist, so ist gegen Ende doch keine der hier vorgestellten Personen wirklich von Belang oder wichtiger Teil der Handlung, so dass man sich, streng genommen, bei diesem 2½ Stunden langen Film von diesem Teil durchaus hätte trennen können. So aber haben wir eine schöne Eröffnung mit jeder Menge Nacktheit, bis sich die Handlung dann eher auf Berlu konzentriert, der sehr überzeugend dargestellt wird. Wer sich hier scharfe Kritik, Satire oder einen tieferen Einblick in seine Bunga-Bunga-Parties, für die im ersten Teil ja mehr oder weniger die Grundlage gelegt wird, erhofft, dürfte allerdings ein wenig enttäuscht werden. Der Film ist, wie bei Sorrentino üblich, visuell ausgesprochen ansprechend, doch harsche Kritik ist eher Mangelware. Fast könnte man sogar meinen, der Duce, äh, der Berlu wäre ein Mann, der zu seinem Wort steht, denn genau das sehen wir. Tja…

Mit

Toni Servillo, Ricardo Scamarcio, Elena Sofia Ricci

Regie: Paolo Sorrentino

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Paolo Fazzitino

Schön anzusehen, vielleicht ein wenig zu lang geraten und nicht so bissig, wie man es sich erhoffen würde. War seine Papst-Serie aber auch nicht. Ab 15.11.2018 im Kino.