Kino: Paddington 2

Als der Bär, der unbehelligt in London lebt, seiner Tante ein tolles Geburtstagsgeschenk machen möchte, wird er des Diebstahls angeklagt und ins Gefängnis geworfen, wo ihn die Todesstrafe erwartet…

Wahre Geschichte

Okay, die letzten beiden Punkte stimmen nicht. Es gibt weder die Todesstrafe, noch beruht es auf einer wahren… andererseits, bei dem Punkt weiß man nie.

Um den Film in einem Wort zusammenzufassen:

Nett

Oder auch

Einfach nett!

Auch wenn ich für meinen Teil vieles, und vor allem die Brechungen, ein wenig vorhersehbär fand, so gab es doch ein paar schöne Einfälle und Gags. Der Film macht Spaß, ist abär, besonders wenn wir uns hinter schwedische Gardinen begeben, einfach nur Phantasie, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat… abär mit einem sprechenden Bären als Titelfigur kann man ja auch eigentlich nichts anderes erwarten.

Die Geschichte an sich ist auch nicht schlecht, auch wenn man das alles mit einem kurzen Gespräch im Sinne von „Ich leih mir das Buch mal aus, wenn ich das Rätsel geknackt habe, kannst du es dann haben“ gelöst hätte… wobei sich der Plot ein wenig an „Grand Piano“ mit Elijah Wood zu orientieren scheint, ein Film, der leider untergegangen zu sein scheint, obwohl er als „Phone Booth“-Variante im Konzertsaal sehr sehenswert und irgendwie ein übersehenes Kleinod ist, das ich an dieser Stelle empfehlen möchte.

Saubäre Leistung

Einen großen Spaß als Meister der Verkleidung hat hier Hugh Grant. Das macht einfach Freude und hält den Film auch weiterhin interessant, wenn der Bär gerade mal nicht auftaucht. Und, wer kann mir sagen, in welchem Film er vorher einmal mit dem später durch „Downton Abbey“ bekannt gewordenen Hugh Bonneville zu sehen war, der hier die Hauptrolle spielt? Richtig, „Notting Hill“.

Auch mit dabei ist, neben „Doctor Who“ Peter Capaldi und Grummelgesicht Brendan Gleeson die wunderbare Sally Hawkins. Die hat erst kürzlich eine großartige Performance in und als „Maudie“ hingelegt, die man hier auch noch ein bisschen nachzuhallen glaubt.

Mit

Hugh Bonneville (Erich Räuker), Hugh Grant (Patrick Winszewski), Brendan Gleeson (Axel Lutter), Jim Broardbent (F.-O. Schenk), Peter Capaldi (Tobias Lelle), Ben Miller (Frank Röth), Tom Conti (Peter Groeger) sowie Ben Whishaw / Elyas M’Barek

Fazitton

Einfach nett – und für Kinder bestimmt ein bäriger Spaß. Ab 23. November 2017 im Kino.

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Kino: Justice League

Die Welt ist in Gefahr und so ziehen Iron-Man, Captain Amerika, Thor und Spider-Man in die Schlacht…

Falsches Franchise?

Ja und nein. Das hier ist DC und nicht Marvel und da heißen die Helden natürlich anders. Nichtsdestotrotz, Bruce Wayne, der reiche Kerl, ist nichts viel anderes als ein düsterer Tony Stark, Wonder Woman ist das Äquivalent von Cap, Aquaman das von Thor und der Flash erinnert hier sehr stark an den neuen Spider-Man. Und tatsächlich ist das alles sogar positiver zu bewerten, als man glauben würde.

Snyder vs. Whedon

Im Vorfeld des Films gab es Geschichten, dass Regisseur Zack Snyder den Film noch einmal ziemlich überarbeiten musste und dass man danach auch nochmal den Comicerfahrenen Joss Whedon hinzugezogen hat. Wenn man den fertigen Film nun sieht kann man das alles durchaus glauben – und man schmeckt den Whedon heraus. Eigentlich immer, wenn Humor auftaucht, ist man geneigt zu denken, die Szene stamme von Whedon, was das Endprodukt zwar ein wenig uneinheitlich macht, aber durchaus belebt und aufwertet. Man bleibt also von der humorbefreiten Düsternis, die Snyder bisher abgeliefert hat, verschont und hat hier und da ein paar helle und amüsante Momente. Das kommt besonders der Endschlacht zu Gute, die sonst gerne zu einem langweiligen Gebratze zu werden neigt, hier aber in Whedonscher Manier immer wieder durch kleine humorige Stellen aufgelockert wird. Auch das macht Spaß, auch das hält frisch und den Zuschauer, der nicht nur da ist, um zu sehen, wie sich computergenerierte Figuren auf die Fressen hauen, bei der Stange. So gesehen ist das alles durchaus ein Schritt in die richtige Richtung!

Ohrnitologe

Ob es schon eine Entscheidung von Snyder war oder erst von Whedon lässt sich nicht sagen, für die Musik wurde jedenfalls Danny Elfman engagiert. Das schafft an ein paar Stellen einen Wiedererkennungswert, denn er läßt sein Batman-Thema aus den Burton-Filmen anklingen – und auch John Williams Supermann-Thema klingt an einer Stelle kurz an.

Mit

Ben Affleck, Gal Gadot, Jason Momoa, Ezra Miller, Ray Fisher, Henry Cavill, Jeremy Irons , Amy Adams, Diane Lane, J.K. Simmons, Amber Heard, Joe Morton, Ciarán Hinds 

Fazit League

Wer einen originellen Comicfilm erwartet… wird weiterhin warten müssen. Neu is hier nix, aber wenigstens macht es, trotz einer gewissen Unebenheit, mehr Spaß als Snyders humorbefreite Vorfilme. Insofern ein DC-Film, der fast wie einer von Marvel wirkt… was, da man Fans kennt, unterm Strich wahrscheinlich keine von beiden Seiten befriedigen wird. Ab16. November 2017 im Kino.

Kino: Detroit

Während der Rassenunruhen in den 60ern im Schwarzenviertel von Detroit stürmen Polizisten ein Motel, aus dem angeblich auf sie geschossen wurde und die Dinge nehmen ihren Lauf…

Wahre Geschichte

Oder zumindest teilweise. Der Schlusstext sagt uns, dass vieles dann doch eher spekulativ ist… was sich nicht als einziges Problem des Films herausstellt. Denn erstmal dauert es zu lange, bis sich sowas wie eine Handlung herauskristallisiert und dann wird die Situation im Motel, die eigentlich beklemmend, intensiv und spannend sein müsste eher anstrengend. Zumal man sich die Frage stellt, warum die Leute nicht einfach sagen, was passiert ist, die Sache (zu Recht) auf den Ins Gras Gebissenen schieben und damit alles beenden. Doch manchmal hat man das Gefühl, die Aussage des Films ist, dass Schwarze dumm sind, sind sie es doch, die zu Beginn offen und ehrlich ihr eigenes Viertel abfackeln und ihren eigenen schwarzen Nachbarn und Freunden schaden. Auch die Polizei ist zwar letztlich böse, aber das eine oder andere, was sie tut, erweist sich eher als Taktik als als böse. Wobei es da zu einer Szene kommt, die man als Zyniker kommen sieht und die dadurch ein wenig unfreiwillig komisch wirken kann… aber auch irgendwie lustig. Und dann ist da noch der Punkt, dass erwähnter Ins Gras Gebissener tatsächlich überhaupt für die Probleme und die gesamte Situation verantwortlich ist, es also in dem Fall nichtmal wirklich nur Unschuldige trifft, denn, ganz ehrlich, wer in einer derartigen Belagerungssituation auf Polizisten schießt, und sei es auch nur mit einer Spielzeugknarre, darf sich nicht wundern, dass soetwas passiert.

Spiel

Gut gespielt ist das alles, und schon auch teils intensiv, aber z.B. John Boyegas Figur trägt eigentlich nicht sonderlich viel zur Handlung bei. Am Ende kommt dann eine Gerichtsverhandlung, die einen einmal mehr an Recht und Gerechtigkeit zweifeln lässt. Das ist der Teil, der emotional am besten funktioniert.

Mit

John Boyega, Anthony Mackie, Will Poulter, Algee Smith, Samira Wiley, John Krasinski, Hannah Murray – Regie: Kathryn Bigelow

Fazit

Strukturelle Probleme, besonders am Anfang. Die Einführung zusammenkürzen, den interessanten Teil im Hotel spannend und beklemmend gestalten und dann am Ende vor Gericht die Wut in einem wecken. So hätte der Film aussehen können – leider tut er das nicht. Ab 23.11.2017 im Kino.

Kino: HAPPY DEATHDAY

Und täglich grüßt der Slasher-Typ“

Ein Film, auf dem sich am Ende wörtlich bezogen wird. Denn:

Studentin erlebt ständig ihren Geburtstag wieder, der damit endet, dass sie umgebracht wird. Nun kommt sie auf die Idee, den Mörder zu entlarven…

Leider ist der Film nicht so clever, wie man sich das wünschen würde. Hier und da gibt es ein paar nette Einfälle, aber unterm Strich hätte sich die Sache ganz einfach lösen können, indem man dem Killer nach getaner Arbeit einfach mal die Maske vom Gesicht gezogen hätte – aber dann wär der Film vorbei gewesen.

So bleibt er, trotz ein paar Brechungen, meist vorhersehbar; unterhaltsam, aber vorhersehbar, was schade ist, da da durchaus mehr drin gewesen wäre. Gleiches gilt auch für die Auflösung. Ein bisschen mehr spielen mit dem Thema und den Möglichkeiten wäre schön gewesen und hätte dem kindgerechten Schlachterfilm gut zu Gesicht gestanden. Ein bißchen schwierig ist, dass die Hauptfigur einem nie so ganz sympathisch wird. Auch das ist schade.

Mit

Jessica Rothe (Kaya Moeller), Israel Brussard (Patrick Baehr), Rachel Matthews (Julia Kaufmann), Ruby Modine (Jodie Blank), Charles Aitken (Tobias Nath), Rob Mellow (Stefan Krause), Jason Bayle (Frank Röth), Alexander Christopher Jones (Marco Kröger), Blaine Kern III. (Tim Knauer)

Happy Fazitday

Murmeltier-Film nach bewährtem Muster, diesmal mit Mord am Ende der Zeitschleife. Durchaus unterhaltsam, aber leider zu vorhersehbar, um eine neue Note im Genre zu setzen. Ab 16. November 2017 im Kino.

DVD: Der junge Inspektor Morse, Staffel 2

Inspektor Morse ist zurück… mit neuen Fällen in einer alten Zeit.

Vorspiel

Eigentlich ist die einzige Frage, die man sich stellt, ob Oxford nicht eine der blutrünstigsten Gemeinden im Vereinigten Königreich sein muss und ob man nicht vom klassischen Schema hätte abweichen und statt Morse auch in seiner Jugend am bekannten Ermittlungsort zur Arbeit zu schicken ihn vielleicht vorher von einem Dorf zum anderen hätte versetzen können, bis er dann in der letzten Folge seine Stelle in Oxford antritt… oder dass er vorher die ganze Zeit in Cambridge gearbeitet hätte und danach nach Oxford geht. Natürlich hätte man dafür auf die Kontinuität von Charakteren verzichten müssen – und es ist auch nur der Gedanke, den man hat, wenn man sich fragt, warum an einem bestimmten Ort so viele Morde geschehen.

Davon ab haben wir wieder vier Fälle im Spielfilmformat. Die sind wieder so gestaltet, dass sie am Ende mit einer netten Auflösung aufwarten – oder sagen wir, mit einer guten, denn nett sind die Fälle eher nicht, eher unschön. Was zu Mord gehört, denn Verbrechen sollten keinen Spaß machen und insofern kann man hier nicht immer von einem Vergnügen sprechen. Schade ist ein bisschen die Lauflänge von 90 Minuten, ein kürzeres Format hätte der Serie vielleicht besser zu Gesicht gestanden. Dafür entwickelt sich neben dem kriminalistischen auch das Privatleben der Figuren weiter, womit wir mehr und mehr über den jungen Inspektor Morse und seine Kollegen erfahren.

Gäste

Hat man bei britischen Serien oft das Gefühl, bei den Gastdarstellern ein Who-is-who aus anderen Serien zu erleben, kommt das Gaststartaufgebot in dieser Staffel etwas verhalten daher. Wir haben Diane Fletcher aus „House of Cards“ – oder vielmehr „Jedes Kartenhaus zerbricht“, dem britischen Original mit Ex-Sherlock Holmes Ian Richardson in der Hauptrolle. Dann ist da Rob Jarvis, den man immer mal wieder irgendwo sieht, z.B. bei „Doctor Who“, dessen bekannteste Rolle aber wohl die des Barbesitzers aus der großartigen Gaunerserie „Hustle“ sein dürfte. Und dann ist da noch Anya Taylor-Joy. Ihre Karriere scheint gerade durchzustarten, nachdem sie in Filmen wie „THE VVITCH“ und „Split“ zu sehen war.

Mit

Shaun Evans (Till Endemann), Roger Allam (Axel Lutter), Anton Lesser (Robert Missler), Jack Laskey (Dirk Stollberg), Sean Rigby (Dennis Sandmann), Diane Fletcher (Katharina Tomaschewski), Rob Jarvis (Dieter Memel)

Der junge Inspektor Fazit

Krimiserie, die auch in ihrer zweiten Staffel gute Fälle mit cleveren Auflösungen bietet. Ab 17. November 2017 auf DVD.

Kino: THE BIG SICK

Komödiant mit pakistanischen Wurzeln lernt amerikanisches Mädchen kennen und lieben, doch seine Mutter besteht auf einer Ehe mit einer Pakistanerin – und dann bringt das Mädchen noch eigene Probleme mit ein…

gran-di-os!

Ungemein lustig, aber auch anrührend. Macht Spaß, wo er soll, macht aber auch traurig, wenn es angebracht wird. Eine gelungene Mischung aus Humor und Tragik, wunderbar geschrieben, wunderbar gespielt, basierend auf einer

wahren Geschichte

aber trotzdem nicht nur schön und witzig, sondern schlicht

einer der besten Filme des Jahres

mit einer gewohnt guten Holly Hunter, einem überraschend guten Ray Romano und einer hinreißend liebreizenden Zoe Kazan – getragen von einem gleichermaßen witzigen wie überzeugenden Kumail Nanjiani (und seiner Filmfamilie), auf dessen Geschichte das Ganze basiert.

Man könnte noch mehr darüber schreiben, aber: warum? Lieber einfach angucken, Spaß haben, weinen… und vielleicht einen der witzigsten Gags über den 11. September hören.

The Big Fazit

Nicht verpassen! Ab 16. November 2017 im Kino.

DVD: Vendetta – Alles was ihm blieb war Rache

Ein Fluglotse, der am Absturz zweier Maschinen beteiligt ist und ein Vorarbeiter, der dabei seine Familie verliert…

Nach einer wahren Begebenheit

Die gar nicht so lange zurückliegt – und sich hierzulande zugetragen hat. Wie sich der eine oder andere vielleicht erinnert.

Ausgewogen

Leider klingt der deutsche Titel wie die Eröffnung eines neuen „Plane and Revenge“-Genres, doch tatsächlich kündigt der Name spektakuläreres und blutrünstigeres an, als man zu sehen bekommt. Denn der Film selbst ist ausgesprochen ruhig, mehr Charakterdrama als Racheepos, und er ist dabei sehr ausgewogen in dem, wie er beide Seiten darstellt. Das macht ihn durchaus sehenswert, denn hier gibt es in dem Sinne kein Gut und Böse… sieht man vielleicht mal von den schmierigen Anwälten ab. Die beiden Seiten aber, um die es wirklich geht, den Lotsen, in dessen Dienstzeit die Katastrophe passierte, und den Vater, für den damit seine Welt zerstört wurde, sind sich ähnlicher, als man es vermuten würde – und das arbeitet der Film sehr gut heraus.

Arnieversum

In den 80ern war es seine physische Präsenz, die über seine eingeschränkten darstellerischen Fähigkeiten hinwegarbeiten konnte, aber dies hier ist kein Actionfilm, dies ist ein Drama, ein Charakterfilm, und da stellt sich die Frage, ob Arnold Schwarzenegger das gestemmt kriegt, wie man so schön sagt. Die Antwort ist deutlich: JA! Nach „True Lies“ von James Cameron zeigt Schwarzenegger hier seine wahrscheinlich beste schauspielerische Leistung. Er ist kein Star, kein Muskelmann, kein kühler Killer, er ist ein Vater, der mit dem Verlust geliebter Menschen umgehen muss – und er ist in jeder Sekunde des Films glaubwürdig. Eine überzeugende Darstellung, die sich sehen lassen kann – wobei es schade ist, dass man sie nicht auf der großen Leinwand sehen konnte. Was uns zu der Frage bringt, warum man prätentiösen Mist wie „A Ghost Story“ ins Kino bringt und diesen Film nicht? Denn Arnie im Kino zeigen sehen zu können, dass er wirklich spielen kann, wäre schon ein echtes Highlight gewesen.

Mit

Arnold Schwarzenegger (Thomas Danneberg), Scoot McNairy (Matthias Deutelmoser), Maggie Grace (Mareile Moeller), Glenn Morshower (Martin May), Martin Donovan (Robert Missler)

Fazdetta

Sehen wir mal vom reißerischen Titel ab, ein guter, ausgewogener Film über eine wahre Tragödie mit einem hervorragenden Arnold Schwarzenegger. Ab 13. November 2017 auf DVD und Blu-ray.