DVD: Wunder

Junge mit deformiertem Gesicht muss nach Jahren der Heimschulung auf die Schule gehen, was natürlich schwierig ist, da Kinder, wie wir wissen, grausam und gemein gegen Menschen wie ihn sind…

Gut, Mensch

Es geht zu Herzen, es berührt, es ist auch befriedigend, aber am Ende schmerzen einem wegen all des Zuckers doch ein wenig die Zähne, denn letztlich sind hier zu viele zu gut – weswegen der Film eigentlich eher

Unglaubwürdig

oder

Schönreden

heißen sollte. Es ist ein Film, der alle Knöpfe kennt und drückt und auch wenn man weiß, was passieren wird, kommt man nicht umhin, mitzufühlen. Was man ihm hoch anrechnen muss. Bis auf der erwähnten Überfluss am Ende.

Gespielt ist er hervorragend, was man ihm ebenfalls hoch anrechnen muss, denn die meisten Schauspieler sind Kinder, angeführt vom derart deformiert aufbereiteten Jacob Tremblay, dass man ihn eigentlich gar nicht erkennt, der bereits in „Raum“ gezeigt hat, was Kinderdarsteller leisten können.

Die Erzählweise offeriert uns ein paar unterschiedliche Perspektiven, was auch nett ist, zumal einem seine Schwester eigentlich fast mehr leid tut als er selbst. So gesehen gute und gut gemachte Unterhaltung, die zum Glück aufs Abdriften in die Religiösität verzichtet und Kino für die ganze Familie bietet.

Bonus

Making-ofs und ein Audiokommentar mit der Autorin der Buchvorlage und dem Regisseur des Fims, die viel über die Entstehung und die Zusammenarbeit mit den Kindern vermitteln, aber auch, was sich die Autorin vorgestellt und dabei gedacht hat.

Mit

Julia Roberts (Daniela Hoffmann), Owen Wilson (Philipp Moog), Jacob Tremblay (Jan Philipp Jäschke), Mandy Patinkin (Erich Räuker), Izabela Vidovic (Emily Gilbert)

Fazit

Schön und gut. Sehr gute Schauspieler in einer zu Herzen gehenden Geschichte, die einen schwerlich unberührt läßt. Wohlfühlkino, bei dem man aber dennoch seine Zahnbürste nicht vergessen sollte, denn am Ende wird es süßer, als für alle Beteiligten gut ist. Ab 28. Mai 2018 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: LOVING VINCENT

Nach dem Tode Vincent van Goghs kommt ein junger Mann in die Gegend und befragt die Einheimischen, wobei er mehr und mehr Zweifel daran findet, dass der Tod ein Selbstmord war…

Van Gogh Krimi?

Das wäre etwas zuviel gesagt und verlangt. Interessant ist, dass der Film Fragen stellt und den Tod mehr und mehr wie einen Kriminalfall behandelt. Das hätte man theoretisch stärker herausarbeiten können, aber darum geht es dem Film nicht. Er versucht etwas anderes,

Pressenotiz:

LOVING VINCENT erweckt die einzigartigen Bilderwelten van Goghs zum Leben: 125 Künstler aus aller Welt kreierten mehr als 65.000 Einzelbilder für den ersten vollständig aus Ölgemälden erschaffenen Film. Entstanden ist ein visuell berauschendes Meisterwerk, dessen Farbenpracht und Ästhetik noch lange nachwirken.”

Schöne Idee

Im wahrsten Sinne des Wortes ist das eine sehr schöne, was besonders visuell gemeint ist, Idee. Wie uns das erhellende Bonusmaterial sagt, haben 94 Gemälde von van Gogh Pate gestanden und damit als Grundlage gedient. Man wandert als Zuschauer in der Handlung also quasi durch die Bildwelten van Goghs, was, wie gesagt, eine wunderbare Idee ist – und eine, die einem Maler mehr als gerecht wird. Zwei Kleinigkeiten hätten sich daran vielleicht noch in eine andere Richtung entwickeln lassen:

Original und Fälschung

Einerseits sehen die Figuren im Film den Schauspielern, die sie spielen, dann doch eine Spur zu ähnlich, um die Illusion eines reinen van Goghs richtig aufrechterhalten zu können. Da wäre ein größerer Abstand zur „Realität“ und eine stärkere Verfremdung zum Werke des Meisters hin durchaus hilfreich gewesen. Und dann hätte man im Abspann den Vergleich beider Welten, der, in dem Fall, von van Gogh geschaffenen Originale und der „Fälschung“ des Filmes stärker Seite an Seite stellen können (in etwa, wie man es bei „The Disaster Artist“ am Ende mit den Originalszenen und den rekreierten Szenen von „The Room“ gemacht hat), also nicht nur in einem Buch und damit, zumindest für den Fernseher, ein wenig klein, sondern richtig groß Bild und Filmumsetzung nebeneinander, Das ist denn nun eine Arbeit, die das Bonusmaterial leisten muss.

Bonus

Eigentlich ein unerläßliches Muss, eine wunderbare Erklärung dafür, wie alles entstanden ist und eine Antwort auf die Fragen, die man sich eventuell stellt, z.B. bezüglich der schwarz/weiß-Szenen.

Mit

Douglas Booth (Jacob Weigert), Saoirse Ronan (Anja Stadlober), Chris O’Dowd (Uli Krohm), Aidan Turner (Leonhard Mahlich), Eleanor Tomlinson (Anna Griesbach), Robert Gulaczyk (Alexander Doering), Jerome Flynn (Oliver Siebeck)

Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman

Loving Vazit

Visuell originell und eigentlich die beste Art, einem Maler gerecht zu werden, wobei ein bisschen mehr Verfremdung und für den nicht ganz so van Gogh-affinen Zuschauer eine stärkere Darstellung der Grundlagen hilfreich gewesen werden, wobei zumindest letzteres nun durch das Zusatzmaterial ausgeglichen wird. Ab 25. Mai 2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: In the Dark

1 schwangere Polizistin, 2 Fälle, 4 Episoden

Fast ist es wie zwei kurze Staffeln, die aus jeweils zwei Episoden bestehen. Sie basieren auf den Büchern „Die Scherben der Wahrheit“ und „Zeit zum Sterben“

von Mark Billingham

Im Mittelpunkt der Serie steht eine Ermittlerin, die besonders dann Freude macht, wenn sie brutal wird. Das passiert leider viel zu selten. Was die Fälle auszeichnet ist nicht nur, dass eine Frau die Ermittlungen führt, sondern auch, dass sie

sehr persönlich

sind. Soll heißen: die Polizistin steht immer in einem persönlichen Verhältnis zu den Opfern oder Beteiligten. So ist dies nicht nur kalte, unpersönliche Polizeiarbeit, sondern die Figur ist selbst betroffen und quasi beeinflusst von den Taten – was sie ebenfalls ein wenig zum Opfer macht. So ist das Ganze gleichermaßen Krimi wie Drama.

Für den ersten Fall fährt sie in ihr altes Dorf, wo zwei Mädchen verschwunden sind. Das führt nicht nur zu Treffen mit alten Bekannten, sondern weckt auch alte, unangenehme Erinnerungen. Und auch da wird die eigene Vergangenheit wieder zum wichtigen Teil der Geschichte – beim zweiten Fall dann ist es eher die eigene Gegenwart. Und doch sind Begebenheiten aus diesen Episoden wichtig für die nächsten.

Die Fälle

sind angenehm clever, sehr schön konstruiert und führen zu hübschen Auflösungen am Schluss – hübsch im krimimäßigen Sinn, nicht unbedingt für die Beteiligten.

Bonus

In den sehr aufschlussreichen Making-ofs erhält man Einblick in die Unterschiede zwischen der Buchvorlage und der Serie sowie in deren Entstehung.

Mit

MyAnna Buring (Marie Biestedt), Ben Batt (Christoph Banken), David Leon (Fabian Osar Wien), Emma Fryer (Nora Kunzendorf), Matt King (Matti Klemm), Ashley Walters (Peter Lontzek), Tim McInnerny (Tobias Lelle)

Fazit

Zwei unterschiedliche Geschichten die trotzdem zueinander gehören, aufeinander aufbauen, einander bedingen. Guter Krimi-Mehrteiler mit interessanten Personen, cleveren Fällen und einer sehr persönlichen Note. Ab 25.5.2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: Feinde – Hostiles

Frühzeitig rausgegangen, denn… es war einer dieser Tage, für den drei Pressevorführungen angesetzt waren, dies hier, mit stolzen 134 Minuten, war der zweite Film und dann hätte man sich abhetzen müssen, um noch rechtzeitig zu einem anderen Kino zu kommen, in dem es dann den neuen „Avengers“ gab und bei drei Filmen am Tag, das hat die Erfahrung gezeigt, leidet der dritte dann oft ein wenig, weil man müde ist und schon zuviel in sich aufsaugen musste – und hin und wieder sollte Kino ja auch mal Spaß machen. An jedem anderen Tag hätte dieser Western also, trotz seiner Mängel wie ein wenig viel Gequatsche und einer leichten Zähigkeit, bessere Karten gehabt und natürlich war es schön Wes Studi mal wiederzusehen, aber all das reicht dann eben manchmal doch nicht, deshalb… keine Kritik!

OT: Hostiles

Christian Bale, Rosamund Pike, Wes Studi, Ben Foster, Rory Cochrane, Jesse Plemons, Timothée Chalamet

Regie: Scott Cooper

Starttermin

Ab 24. Mai 2018 im Kino.

DVD: IT COMES AT NIGHT

Ein Haus. Eine Familie. Eine Seuche. Das Ende der Welt? Dann tritt jemand Fremdes in die Abgeschiedenheit…

Bedrückend

Damit läßt sich der Film zusammenfassen. Auf engstem Raum mit einer kleinen Gruppe Personen wird bewiesen, wie

Beklemmend

ein Film sein kann und dass man die Auswirkungen einer Apokalypse auch mit wenig Geld und Massenszenen eindrucksvoll präsentieren kann. Vieles bleibt dabei im Unklaren oder vielmehr

im Dunklen

Es gibt kaum Erklärungen, das meiste kann man sich zusammenreimen, aber am Schluss gibt das eine oder andere Raum für Interpretationen. Dies ist

kein Wohlfühlfilm

und wohl auch nichts fürs erste Date – es sei denn, die Gefühle Bedrückung und Beklemmung sollten dabei eine Rolle spielen (und wenn, sollten Sie sich ernsthaft Fragen über Ihre Psyche stellen). Dies ist ein Film für den

grauen

und

deprimierenden

Herbst – obwohl das schwer nach hinten losgehen könnte. Also wenn gucken, dann in einer gefühlsmäßig sehr gefestigten Stimmung. Sonst wird es so gefährlich wie die Situationen im Film!

Mit

Joel Edgerton (Alexander Brem), Riley Keough (Laura Maire), Carmen Ejogo (Angela Wiederhut), Kelvin Harrison Jr. (Felix Mayer)

Fazit at Night

Gut gemacht, ein Beispiel dafür, wie man mit wenig viel erreichen kann, eine intensive Erfahrung, aber nichts zum wohlfühlen. Ab 25. Mai 2018 auf DVD und Blu-ray.

SOLO: A STAR WARS STORY

Es war einmal…

Erinnern wir uns noch an die „X-Men“? Da dachte man sich beim ersten Film: „Wow, Wolverine ist eine so tolle Figur, der müsste eigentlich seinen eigenen Film bekommen.“ Es hat einige Zeit gedauert, aber dann ist es tatsächlich geschehen, der erhoffte Film kam – und er war scheiße. Ist er immernoch.

Nuuuuun, als man damals,

vor langer, langer Zeit

in einem Kino,

weit, weit entfernt

den ersten „Krieg der Sterne“ sah, da wusste man auch gleich, dass Han Solo eine der coolsten (auch wenn das Wort damals noch nicht seinen Weg in die deutsche Sprache gefunden hatte, aber kurz davor stand) Figuren überhaupt war und… dass sie eigentlich ihren eigenen Film bekommen müsste!

Nuuuuuuuuuuuuuun…

Seitdem sind noch mehr Jahre vergangen und streng genommen ist es vielleicht wirklich ein wenig zu spät. Damals, als man noch drin war, in der Materie, in den Filmen, da hätte man es sich gewünscht, die Abenteuer des jungen Han Solo mit Harrison Ford in der Hauptrolle zu sehen. Sicher, es gab die Romane, aber man wollte es sehen, erleben. Gut, heute wissen wir, dass, selbst wenn man damals die cineastischen Mittel dafür gehabt hätte, Ford wohl niemals dafür zur Verfügung gestanden hätte. Für viele Jahre war er nämlich ausgesprochen wählerisch und hat nur einen Film pro Jahr gemacht. Okay, die meisten dieser Filme sind scheiße, also fragt man sich, was seine Auswahlkriterien waren, aber prinzipiell ist fraglich, ob er sich dafür hergegeben hätte, wollte er doch, dass seine Figur in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ stirbt, wahrscheinlich, um das Ganze hinter sich zu haben.

Nun also…

Sind Jahrzehnte vergangen und endlich, endlich? bekommen wir einen Han Solo Film. Dazu sollte man noch sagen, dass Solo tatsächlich die einzige der großen Figuren aus der klassischen Trilogie ist, die bislang nur in diesen drei Filmen und in „Das Erwachen der Macht“ aufgetaucht ist, aber in keiner anderen Leinwand- oder Fernsehinkarnation (wobei wir über das „Holiday-Special“ dann mal gnädig den Mantel des Schweigens decken wollen). Luke taucht als Baby in Episode III auf, ebenso Leia, die aber auch Gastauftritte in „Rogue One“ und „Rebels“ hat; beides gilt auch für Darth Vader, letzteres für Lando. Chewie ist ebenfalls in Episode III sowie in Episoden der „Clone Wars“ zu sehen und über Obi-Wan müssen wir wohl nicht sprechen. So war Solo bis „Solo“ also solo… gewissermaßen.

Und eine Frage wäre da noch, bevor wir uns endlich dem Film widmen: Warum hat Disney eigentlich sein Veröffentlichungsschema geändert? Die letzten drei Filme erschienen im Dezember, passend zu Weihnachten. Das war ein kleines Geschenk auf das man sich freuen konnte und bei dem man wusste, dass es unter dem Weihnachtsbaum liegen würde. Also warum bekommen wir dieses Jahr nichts zu Weihnachten und der Film kommt schon im Mai?

Und nuuuuuuuuuuuuuun…

Wir wissen, wo Han Solos Reise endet, hier sehen wir, wie sie beginnt. Wir erleben ein paar der Dinge, von denen wir bereits gehört haben, Chewbacca ist dabei, Lando ist dabei, der Falke ist dabei. Solo trifft eine Entscheidung, um seine Freundin aus ihrer Heimat Correllia zu holen, doch der Weg zur Freiheit ist hart, steinig und mit diverser Kriminalität verbunden…

Eigentlich…

Würde ich einem Film extrem ankreiden, wenn er in seiner Kerndisziplin, seinem Alleinstellungsmerkmal, dem Grund seiner Existenz, versagt. Denn ich für meinen Teil hatte nur selten das Gefühl, Han Solo zu sehen. Hier und da mal schafft es Ehrenreich, wie Ford/Solo zu wirken, aber nicht wirklich oft. Was für den Film spricht, und das extrem, ist, dass es einem scheißegal ist! Es gibt Abenteuer, Action, subtile Anspielungen, den Blick fürs Detail und sogar eine brauchbare Struktur, eine Geschichte, die sich stetig weiterentwickelt, wo eins zum anderen führt.

Wir haben eine Sequenz, die ein wenig wie der Erste Weltkrieg wirkt, wir haben, leider, eine Erklärung für seinen Namen (was so wäre, als würde man bei „Star Trek“ erklären, warum ein Arzt „Bones“ oder „Pille“ heißt) und wir haben einmal mehr den Beweis dafür, dass Greedo nichtmal die Spur einer Chance gehabt hätte, zuerst zu schießen. Und die blöden Würfel, die Luke Leia in „Die letzten Jedi“ gibt, werden dann auch endlich mal eingeführt – denn, im Ernst, hat die jemand jemals in der alten Trilogie wahrgenommen?

Die Handlung ist gut, es ist nicht geleckt, sondern durchaus schmutzig in vielfacher Beziehung, es fühlt sich alles richtig an, es fühlt sich an wie „Star Wars“, denn das hier ist

ein Abenteuerfilm im „Star Wars“-Universum

und darin ist es ziemlich gut. Man kann das Abenteuer fühlen – und genießen, Ehrenreich hin oder her, denn der Rest ist gut getroffen. Lando, Chewie, die Sets, die Effekte, alles funktioniert hervorragend. Und besonders die Musik, die

an den richtigen Stellen

die richtigen Melodien spielt, beim Tie-Fighter-Angriff die Musik aus KdS, beim Asteroidenflug die aus Imperium – also in den „Star Wars“-Momenten, so, wie das Bond-Thema in den Bond-Momenten erklingen sollten. Das ist hier perfekt eingesetzt und verdient Respekt. Auch ein paar wohlgesäte

Anspielungen

gibt es, Aurra Sing (sieht man für eine halbe Sekunde in Episode I, aber wer die Figuren gesammelt hat, weiß, was gemeint ist) wird erwähnt, ebenso wie Scarrif aus „Rogue One“… und ein Gangsterboss auf Tatooine. Auf zwei Dinge aber muss man verzichten, denn dies ist

der erste Film

in dem R2-D2 und C-3PO nicht auftauchen! Aber das läßt sich verschmerzen, denk ich. Dafür aber reiht sich jemand in die Reihe derer ein, die wie Greg Grunberg und Simon Pegg sowohl bei „Star Wars“ als auch bei „Star Trek“ zu sehen waren: Clint Howard, Bruder des Regisseurs, ist mit dabei – und der hatte schon 1966 an der Seite von Shatners Kirk einen Auftritt in der ersten Staffel „Raumschiff Enterprise“!

Mit

Alden Ehrenreich, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Donald Glover, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Paul Bettany, Clint Howard und Joonas Suotamo

Regie: Ron Howard

Solo: A Fazit Story

Ein guter Film, ein schönes Abenteuer, eine rasante Geschichte. „Star Wars“ wie es sein kann und sollte. Wenn man über Ehrenreich hinwegkommt, macht das Ganze nicht nur Spaß, sondern auch Lust auf mehr! Ab 24. Mai 2018 im Kino.

Star Wars: A Disney Story

Han Solo steht vor der Tür… und wie auch bei der neuen Trilogie kommt das alles irgendwie leider 30 Jahre zu spät. Han Solo und Harrison Ford sind nun einmal untrennbar miteinander verbunden, also werden wir sehen, ob ein anderer Schauspieler – und hier weiß ich noch immer nicht, warum man nicht Anthony Ingruber aus „Für immer Adeline“ genommen hat, der wirklich wie ein junger Ford aussieht… und nicht wie ein junger Opel – dem gerecht werden kann und wird. Aber bevor es soweit ist machen wir noch einen kleinen Exkurs über den aktuellen Kurs von „Star Wars“.

Star Wars“ auf Kollisionskurs

Ein bisschen nimmt es einen Wunder, wie Disney an das Thema „Star Wars“ heranzugehen scheint, jedenfalls dann, wenn man die fertigen Produkte sieht und Teile über ihre Entstehungsgeschichte hört. „Das Erwachen der Macht“ scheint ja noch reibungslos vonstatten gegangen zu sein, aber schon beim ersten Solo-Film (nicht dem „Solo“-Film) „Rogue One“ gab es Geschichten über jede Menge Nach- und Neudrehs – und der hier bald zu besprechende „Solo“-Film soll quasi mehr oder weniger komplett neu gemacht worden sein, nachdem man mit der Arbeit der beiden ersten Regisseure wohl nicht ganz einverstanden gewesen zu sein scheint. Und dann ist da noch „Die letzten Jedi“, bei dem man dann wiederum den Regisseur hat machen lassen…

Letzte Worte über die letzten Jedi

Und da sind wir dann endlich beim Thema. Was für eine Arbeitsweise steckt hinter der ganzen Sache? Dass man Leuten in die Arbeit reinredet, wenn sie Mist bauen, ist ja eine Sache, aber auf der anderen Seite finde ich die Herangehensweise an eine Trilogie mehr als merk- und fragwürdig. Einem Regisseur künstlerischen Spielraum und volle Handlungsfreiheit zu geben ist für einen Künstler eine schöne Sache (auch wenn das dann oft bei Leuten wie Tarantino passiert, die durch den zu großen Erfolg mancher Werke nie gelernt haben, was Demut und Einschränkung bedeutet und deshalb ausschweifende Filme machen, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wofür in großem Maße auch „Toni Erdmann“ ein hervorragendes oder eher abschreckendes Beispiel ist).

Künstlerische Freiheit für einen Künstler ist also toll – aber ehrlich, Freunde, das ist nicht der Weg, eine Trilogie anzugehen! Wenn ein Dreiteiler von einem Regisseur oder Team gemacht wird, dann funktioniert das vielleicht, aber man kann doch nicht drei unterschiedlichen Beteiligten freie Hand geben, ohne festzulegen, dass man sich vorher miteinander abspricht und vielleicht sogar einen Bogen, eine klare Linie, ein Gesamtbild hat – denn nur so funktioniert eine Trilogie!

Das scheint im Falle von „Star Wars“ aber nicht geschehen zu sein, man hat J.J. Abrams anfangen lassen… und damit haben wir doch schonmal ein Problem. Nicht, weil er das nicht kann, der Film ist ausgesprochen unterhaltsam, ein schönes Best of der alten Trilogie, aber Abrams gehört zu den Leuten, die ein Geheimnis aufbauen, in den Raum stellen und es wichtig erscheinen lassen – und er hat keine Ahnung, was die Auflösung dafür ist. Hier bei dem Großen Führer Snoke und der Herkunft von Rey. Abrams stellt das alles in den Raum – und muss sich keine Gedanken darüber machen, was er ja offenbar auch nicht getan hat, was da die Auflösung ist, soll sich doch jemand anders darum kümmern.

Lost“ lässt grüßen

Ganz ehrlich, an Stelle von Rhian Johnson hätte ich mir da auch gesagt: „Leck mich, ich hol doch nicht für dich die Kastanien aus dem Feuer, weil du zu faul warst, dir selbst ne Lösung auszudenken“ und hat die Sache für viele Zuschauer unbefriedigend gelöst. Ich meine, ich schreib doch auch keinen Krimi, stelle neun Verdächtige in den Raum, am besten mit Hinweisen, und sage dann: „Du findest schon heraus, wer es war.“ Sorry, aber so arbeitet man nicht an solchen Dingen!

Aber, wie gesagt, man muss sich nicht wundern, dass sowas passiert, wenn man bei einer Trilogie, die aufeinander aufbauen und eine Geschichte erzählen soll, niemanden als Mastermind und Stippenzieher im Hintergrund hat, der das große Ganze sieht, bestimmt und sich darum kümmert. Bei der klassischen Trilogie war George Lucas immer im Hintergrund und auch wenn man im Nachhinein immer froh ist, wenn er sich möglichst wenig eingemischt hat, so hat es da doch wenigstens eine Art Führung und Richtung gegeben. Eine Trilogie von Einzelfilmen dürfte nie ein geschlossenes oder organisches Ganzes ergeben – und ich frage mich wirklich, wie ein Konzern wie Disney in diesem Fall so arbeiten konnte???

Was wird einmal vor langer Zeit in einer fernen Zukunft?

Was die Zukunft der „Star Wars“ Filme angeht, so würde ich mir wünschen, dass Disney auf den reichen Schatz an Geschichten aus dem Universum schauen und sich davon bedienen würde, anstatt unbefriedigende „neue“ Sachen zu machen. In meiner Jugend, als man die Filme noch nichtmal auf Video ansehen konnte, gab es ein paar sehr schöne Bücher, drei davon über Han Solo bevor er Luke und die Rebellion traf. Da hätte man sicher eine schöne Fundgrube gehabt.

Und wenn man witzige Filme machen möchte, es gibt Comics über die Charaktere aus der Kantine – da wären also vorliegende Geschichten, die man nur in eine Rahmenhandlung einbetten und filmisch umsetzen müsste. Was aber eine der interessantesten Storys wäre, wäre endlich mal zu zeigen, wie Darth Vader die Jedis jagt und vernichtet (um Obi-Wan zu zitieren), was weit spannendender wäre als die Abenteuer des jungen Obi-Wan oder Jabba, der zum Abnehmen auf die Schönheitsfarm fährt. Es gibt viele und viele gute Geschichten im „Star Wars“-Universum – nutzt sie, anstatt schlechte neue zu erzählen!

Solo-Abenteuer

Wo man schonmal sein Universum erweitert, indem man eine Geschichte wie die von „Rogue One“ erzählt, halte ich es für unverständlich, dass man dem ganzen nicht auch gleich mehr inneren Zusammenhalt verleiht. Warum zum Beispiel ist die Kommandantin in „The Last Jedi“ eine lilabehaarte Frau, von der wir noch nie gehört haben und nicht Mon Mothma. Ich verstehe, dass man dem Film mehr Frauenpower verleihen wollte und dafür Fischstäbchen Admiral Ackbar über die Klinge (oder aus dem Netz) springen ließ, aber warum nutzte man dann nicht einfach Mon Mothma, der man damit einen schönen Handlungsbogen gegeben hätte, Rädelsführerin der Rebellion in „Rogue“, flammende Rednerin in „Jedi“ (also „Rückkehr der“) und selbstopfernde Heldin in „Jedi“ (also „Die letzten“)?

Nun wäre es also sinnvoll, wenn man in diesem Film über den jungen Han Solo auch Maz Kannata (rückwirkend) einführen würde. Sicher, wir haben vor „Erwachen der Macht“ nie von ihr gehört, aber Han und sie schienen sich zu kennen und sie hat den Schuppen da seit tausend Jahren (oder Generationen, ist ja n bekannter Rechenfehler im SW-Universum… oder nur bei George Lucas) betrieben, also würde es Sinn er- und dem neu zu erweiternden Universum mehr Festigkeit und Zusammenhalt geben, wenn sie hier auftauchen würde, wenn auch nur kurz. Und, was mir, als ich letztens „Vom Winde verweht“ angesehen habe, aufgefallen ist: Es gibt starke Parallelen zwischen Han Solo und Rhet Butler. Denn auch letzterer ist Schmuggler, für den eine Sache am wichtigsten im Universum ist: Er selbst. Er schmuggelt für den Profit und ist ein „Schurke“ („er wird Ihnen gefallen“), während ein Bürgerkrieg herrscht und er sich irgendwann der Rebellion anschließt. Einziger Unterschied ist, dass er mehr der Frauenheld ist als Solo, aber das kann dieser Film ja noch ruinieren… ich meine, das kann ja noch kommen.

Fortsetzung folgt…

Ob das alles so sein wird, was uns der Han Solo Solo-Film bieten wird und was nicht, das… erfahren wir beim nächsten Mal!