Heimkino: London Town

England Ende der 70er. Vater macht zwei Jobs, Mutter ist irgendwo nach London verschwunden, da trifft der Junge im Zug auf ein flippiges Mädchen, das in ihm nicht nur den Wunsch nach dem Ausbrechen aus dem bisherigen Leben, sondern auch das Interesse für die Band „The Clash“ weckt, doch mit dem Vater überschlagen sich die Dinge und Handeln ist gefragt…

Gelungene Mischung

Aus mehreren Elementen und Genres. Es geht ums Erwachsenwerden, den Schritt vom Jungen zum Mann. Es geht um den Drang nach Freiheit, dem Ausbrechen aus dem Alltag. Es geht um das Leben der einfachen Leute, der Arbeiter, ein Genre, in dem England mal ganz groß war und ein paar tolle Filme zustande gebracht hat. Und es geht um Musik, die all das irgendwie miteinander verbindet. Was wie ein Sammelsurium aus Einzelteilen wirken könnte, funktioniert hier ausgesprochen gut, da sich alle Teile ergänzen und ineinanderwirken, weiter vorantreiben, voneinander leben und miteinander gedeihen. Das eine geht nicht ohne das andere und so wird die Handlung von diesem Zusammenspiel bestimmt und immer weiter gelenkt. Hier und da gibt es auch Konflikte, aber die gehören zum Leben wie zu Filmen dazu. Ob dies nun tatsächlich wirklich passiert ist, da es sowohl die 70er als auch The Clash wirklich gab… darf angezweifelt werden, nimmt dem ganzen aber nichts von seinem rauen Arbeitercharme, in dem selbst der von mir eher so gar nicht geschätzte Dougray Scott keineswegs negativ heraussticht, sondern durchaus okay ist.

Sprachschwierigkeiten

Allerdings ist dies wieder einer von jenen Filmen, in dem das (noch) Vereinigte Königreich ein paar seiner Akzente hervorkramt, die dann doch eher eine Herausvorderung denn eine Genugtuung darstellen, Betrachtern der Originalfassung seien hier also Untertitel angeraten, wenn sie auch wirklich alles zu verstehen trachten.

Mit

Daniel Huttlestone (Florian Marissal), Dougray Scott (Achim Buch), Natasha McElhone (Katrin Decker), Tom Hughes (Flemming Stein), Nell Williams (Tomma Harloff), Anya McKenna-Bruce (Leyla Bulut), Jonathan Rhys Meyers (Norman Matt)

Regie: Derrick Borte

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Schöne Mischung aus verschiedenen Genres, die einen netten ArbeitererwachsenwerdenersteLiebemitMusikFilm ergeben. Ab 13. Dezember 2019 auf Blu-ray.

Heimkino: DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN

Eine Kleinstadt. Eine Hochzeit. Freunde. Einfache Leute. Arbeiter. Sie jagen gemeinsam – und drei von ihnen gehen nach Vietnam…

Vietnamesisches Roulette

Wäre ein angemessener Titel, denn dort, in einem Land, in dem sie nichts zu suchen haben und einen Krieg kämpfen, der sie nichts angeht, werden die amerikanischen Soldaten mit einer besonderen Grausamkeit ihrer Gastgeber konfrontiert, einem perversen russischen Roulette, das alle drei Freunde verändert, aber jeden auf eine andere Weise.

Sehr intensiv

Krieg macht keinen Spaß und das vermittelt dieser Film recht drastisch, intensiv und verständlich. Die Szenen in Vietnam gehen unter die Haut und man kann verstehen, dass sie die Männer verändern. Auch die Veränderungen selbst sind nachvollziehbar und dadurch gut, dass sie in völlig andere Richtungen gehen. Krieg verändert die Menschen und manche macht er kaputt. Hier kann man verstehen, warum das so ist.

Sehr lang

Leider war Michael Cimino wohl nie jemand für eine knackige Story und eine straffe Erzählweise. So sind die drei Stunden Spielzeit weit mehr, als man eigentlich für diese Geschichte benötigen würde, zumal ihm das, was er vielleicht angestrebt hat, auch nicht vollständig zu gelingen scheint. Die Grundidee, die drei Männer in ihrer gewohnten Umgebung zu zeigen, bevor man sie in die Grausamkeit des Krieges schickt und am Ende ihre Rückkehr und Probleme zu präsentieren, ist grundsätzlich der richtige Ansatz, aber vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn der Beginn in der Heimat von Wärme und Freundschaft erfüllt gewesen wäre, die dann erst auf dem Schlachtfeld abhaben kommen. So verbringt man etwa eine Stunde auf einer Hochzeit mit zu vielen Datails, die zu zu wenig führen, was schade ist, da sich der Film damit einiges von seinen Möglichkeiten und seiner Wirkung nimmt.

Aufwendig restauriert in 4k-Abtastung

Wer richtig in das grausame Kriegsgeschehen eintauchen möchte, kann das jetzt in bester Bildqualität tun. Unbestritten sind natürlich die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten. Robert de Niro, damals noch hungrig und am Arbeiten interessiert, spielt genauso intensiv, wie es der Film braucht und natürlich ist Christopher Walken wie immer eine sichere Bank für tolles Spiel. Hier ist es ein bisschen schade, das sich Heiner Lauterbach irgendwann zugunsten einer Filmkarriere aus dem Synchrongeschäft zurückgezogen hat, denn er war tatsächlich die perfekte Stimme für Walken, wie man auch hier wieder erleben kann.

Bonus

Die Edition ist vollgepackt mit soviel Zusatzmaterial, wie amerikanische Kriegsgefangene in ein Lager von Charlie passen. Es gibt jede Menge Making-ofs, Interviews und zwei Audiokommentare, die einem viel über die Entstehung, aber auch die Rezeption in der damaligen Zeit verraten.

The Deer Hunter – Die durch die Hölle gehen (1978)

Robert De Niro (Christian Brückner), Christopher Walken (Heiner Lauterbach), Meryl Streep (Dagmar Heller), John Savage (Ivar Combrinck), John Cazale (Horst Raspe), George Dzundza (Michael Rüth)

Regie: Michael Cimino

Die durch die Fazits gehen

Intensiv, aber zu lang. Ab 13. Dezember 2019 in 4k-Qualität auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: KILLERMAN

Zwei Geldwäscher wollen die Kohle für einen Drogendeal nutzen, doch der läuft nicht wie erwartet und es wird kompliziert, zumal einer der beiden sein Gedächtnis verliert…

Actionzeugs

Die Idee mit dem Gedächtnisverlust ist eigentlich ganz nett, man muss aber auch was damit machen. Das fällt hier ziemlich dürftig aus. Am interessantesten ist da noch die Anfangssequenz, in der man einen groben Eindruck davon bekommt, wie in etwa Geldwäsche funktioniert. Leider geht der Film danach schnell in eher konventionelle Action über, die, wie man so schön sagt, dem Genre eigentlich nichts neues hinzufügt.

Orange is the best girl

Einzig Diane Guerrero aus „Orange is the new black“ ist ein kleiner Lichtblick, so wie sie immer einer ist, doch traurigerweise hält die Freude über ihr Auftauchen nicht lange an und dann geht es zurück in die Konventionalität.

Ab 18?

Bei manchen Filmen fragt man sich, warum sie eine Freigabe ab 16 Jahren haben, obwohl sie eigentlich erst ab 18 gesehen werden sollten, dieser hier ist das umgekehrte Beispiel, aus welchen Gründen auch immer.

Mit

Liam Hemsworth (Leonhard Mahlich), Emory Cohen (Tim Sander), Tony Guerrero (Armin Schlagwein), Diane Guerrero (Maria Hönig), Zlatko Buric (Bert Franzke)

Regie: Malik Bader

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazitman

Konventioneller Actionfilm, der nicht viel aus seinem Thema macht, aber möglicherweise auf einer wahren Geschichte beruht, was es aber nicht besser macht. Ab 13. Dezember 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: FISHERMAN’S FRIENDS

Ein paar Fischer im britischen Cornwall, die auch gerne mal den einen oder anderen Shanty erklingen lassen, werden von einem schmierigen Musikproduzenten aus London angequatscht…

Wahre Geschichte

Und wie üblich zur Hälfte erlogen. Und vorhersehbar. Zwar hat der Film sein Herz am rechten Fleck und der eine oder andere Shanty ist auch sehr schön, aber letztlich ist das Ganze ein wenig zu lang geraten. Was auch daran liegt, dass er in manchen Bereichen einfach nach Schema F gestrickt zu sein scheint, z.B. die Liebesgeschichte und der krampfhaft integrierte Konflikt, bei denen man bei beiden das Gefühl hat, dass das in der Wirklichkeit nicht stattgefunden hat. Als Zuschauer weiß man aber, wie die Sache ausgehen wird und dass sich auch die singenden Seemänner als charmante Chartstürmer erweisen werden, kann man sich denken, is ja ne wahre Geschichte und die handeln selten von Losern. Insofern ist das ganze urige Unterhaltung mit schönen Bildern von Küstenkäffern und Meer, ein paar nett geschmetterten Liedern, aber bar jeder Überraschung.

Ohrwürmer

Auch wenn das ein Film ist, den man eher wie ein Musical hätte stricken sollen, d.h. weit mehr Shantys, wenigr „Handlung“, so geht er auf deutsch doch sehr schön ins Ohr. Thomas Nero Wolff, deutsche stimmliche Stammkraft für Hugh Jackman und Woody Harrelson, passt perfekt zum rauen Seemann, den James Purefoy hier gibt. Und es ist immer ein Vergnügen, eine Charakterstimme wie die von Friedrich G. Beckhaus zu hören, der neben vielen anderen für Harry Dean Stanton und Robert Duvall zu hören und als Atan Shubashi bei „Raumpatrouille“ zu sehen war, ein ohrendliches Vergnügen.

Bonus

Ein recht kurzes Making-of.

Mit

James Purefoy (Thomas Nero Wolff), Daniel Mays (Armin Schlagwein), Tuppence Middleton (Marieke Oeffinger), Meadow Nobrega (Milena Rybiczka), David Hayman (Friedrich G. Beckhaus), Maggie Steed (Sonja Deutsch), Sam Swainsbury (Sascha Werginz), Dave Johns (Hans Bayer), Noel Clarke (Florian Clyde), Christian Brassington (Marius Clarén), Vahid Gold (Marcel Collé), Mae Voogd (Nora Jakhosha), Ken Drury (Rainer Gerlach), Jason Bailey (Rainer Fritzsche), Julian Seager (Sven Fechner)

Regie: Chris Foggin

What shall we do with the drunken Fazit?

Nett, aber zu lang und zu vorherseebär. Ab 13. Dezember 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: MCLINTOCK!

McLintock gehört eine Menge Land, doch dann kommen neue Siedler, seine alte Frau, seine junge Tochter und die Häuptlinge der Indianer, was alles seine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt…

Fortschrittlicher Western

Irgndwie scheint man immer zu hören, dass John Wayne ein harter Konservativer war, aber einige seiner Filme scheinen das nicht wiederzuspiegeln. Dieser hier gehört eindeutig dazu. Zugegeben, es gibt keine Schwarze und die Darstellung des chinesischen Kochs würde heute als hochgradig rassenunsensibel gesehen werden, um nicht zu sagen rassistisch, wenn auch nicht ganz so schlimm wie Mickey Rooney in „Frühstück bei Tiffany“… aber das sind eher Kinder ihrer Zeit. Anders, und das erscheint in der Tat fortschrittlich, denn immerhin handelt es sich hier um einen Western, ist der Umgang mit den Indianern. Die sind nicht die Feinde, die schonungslos niedergeschlachtet werden dürfen und müssen, sondern selbst Raubein Wayne erkennt in den unendlen Wilden ehemalige Feinde und nun Freunde und behandelt sie, anders als andere, mit Respekt. Und auch das Frauenbild ist weiter entwickelt als man denkt, denn der harte Kerl, der vor keiner Schlägerei weglaufen würde, kneift vor einer Frau.

Waynes World

John Wayne spielt hier, wie so oft, einen Typus. Raubein, harter Kerl, trinkt gerne zwei bis acht über den Durst, hat auch ein Faible für sichs Prügeln. Die Art Kerl gibt er öfter mal, ganz egal ob Sheriff oder, wie hier, Großgrundbesitzer mit markigen Sprüchen, die einmal mehr auf deutsch aus dem Munde von Arnold Marquis kommen. Seine Tochter in diesem Film wird gespielt von einer wahren Powerfrau, Stefanie Powers, um genau zu sein, die zwar weniger im Kino anzutreffen war, es sei denn, sie hat sich da was angesehen, dafür aber von der Mattscheibe nicht wegzudenken ist, auf der sie die weibliche Hälfte von „Hart aber herzlich“ gab, die Frau an der Seite von Robert Wagner, deren Hobby „mörderisch“ war (und deren Butler Max alias Lionel Stander von Arnold Marquis synchronisiert wurde). Hier kann man sie in etwas jüngeren Jahren erleben.

Bonus

Ein kurzes Making-of, aus dem man überraschend viel erfährt.

McLintock! (1963)

John Wayne (Arnold Marquis), Strother Martin (Hugo Schrader), Stefanie Powers (Marianne Lutz), Bruce Cabot (Benno Hoffmann), Edgar Buchanan (Konrad Wagner), Perry Lopez (Jürgen Thormann), Jack Kruschen (Curt Ackermann), Maureen O’Hara (Edith Schneider), Yvonne De Carlo (Elisabeth Ried)

Regie: Andrew V. McLaglen

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

MCFAZIT!

Solide John Wayne-Westernkomödie, die moderner ist, als man wahrscheinlich annehmen würde. Ab 29. November 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook.

Kino: JUMANJI: THE NEXT LEVEL

Wieder wird eine Gruppe von Bekannten in ein (virtuelles Computer-)Spiel hineingezogen, in dem sie von anderen Figuren verkörpert werden, Aufgaben lösen und gewinnen müssen, denn sie haben nur drei Leben, und wenn die verbraucht sind, sind sie es auch…

Fortsetzung der Fortsetzung

Schon der letzte Film, der mit nahezu der gleichen Besetzung aufwartet, die hier nur um die Dannys Glover und DeVito erweitert und bereichert wird, war ein nettes Vergnügen und dieser hier steht ihm in nichts nach. Zwar gibt es hier und da Szenen, die vor Effekten ein wenig überborden und damit dann doch ermüdend und langweilig werden, worauf es aber ankommt, ist das Spiel der Akteure, also das Schauspiel. Denn es ist sehr schön, wie mancher Schauspieler z.B. Danny DeVito interpretiert, wobei Awkwafina in dieser Kategorie definitiv gewinnt. Alle arbeiten ihre jeweils andere Figur schön heraus, was den eigentlichen Spaß ausmacht, zumal dies die einzige Art von Film ist, in der Kevin Hart erträglich wird, denn er spielt nicht sich, was ungemein angenehm ist. Lediglich der Anfang ist, wenn man sich nicht mehr so an den letzten Teil und an die „wirklichen“ Figuren erinnert, ein wenig zäh, weil nicht so richtig dolle interessant, aber sobald man sich dann im Spiel selbst befindet, kann man sich zurücklehnen und den Spaß genießen.

Mit

Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Nick Jonas, Awkwafina, Alex Wolff, Morgan Turner, Ser’Darius Blain, Madison Iseman, Danny Glover und Danny DeVito

Regie: Jake Kasdan

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Spielerisches Fazit

Ein paar schöne Ideen und Lösungen, hier und da ein wenig zuviel Effektgeballer, aber das Schauspiel der Darsteller und -innen gibt dem Ganzen seinen Reiz und Spaß. Ab 12. Dezember 2019 im Kino.