Heimkino: KAFFEE, MILCH UND ZUCKER

Drei sehr unterschiedliche Frauen fahren als Fahrgemeinschaft von Küste zu Küste, doch so ganz problemlos geht zw. fährt das nicht, denn auch bei starken Frauen können Männer zu Schwächen führen…

Road Tripin

Sehr schön ist, dass die drei Frauen völlig anders sind, sich aber dadurch wunderbar ergänzen, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Hinzu kommt, dass man nach und nach mehr über sie erfährt, wodurch sich die Geschichte nicht nur stetig weiterentwickelt, sondern auch durch Hintergründe verdichtet. Da viele Frauen ja eher Wein oder Sekt bevorzugen, geht das Ganze auch nicht bierernst vonstatten, sondern hat nette, auflockernde Momente und ein paar tolle Dialoge.

Komödie und Tragödie

liegen nicht immer dicht beieinander, hier aber können sie perfekt nebeinander bestehen, so dass eine gelungene Mischung aus Gefühlen und Gefühlsmomenten entsteht, die einander befruchtet und dadurch noch verstärkt.

Drei Frauen und ein Star

Alle drei passen perfekt in ihre Rollen, so dass es ein großes Vergnügen ist, Whoopi Goldberg, Drew Barrymore und Mary-Luise Parker auf ihrer Reise zu begleiten – doch der größte Star, der aus diesem Film entsprungen ist, ist keine der Damen, sondern Matthew McConnaughey. Zwar haben alle drei noch immer Karrieren, er aber, der hier noch sehr jung wirkt, dürfte trotzdem der erfolgreichste sein. Das Leben, auch das zeigt uns der Film, ist nicht immer gerecht, aber es hilft, gute Freunde zu haben.

OT: Boys on the Side (1995)

Whoopi Goldberg (Regina Lemnitz), Drew Barrymore (Nana Spier), Mary-Luise Parker (Bettina Weiß), James Remar (Thomas Danneberg), Amy Aquino (Marianne Groß), Matthew McConnaughey (Charles Rettinghaus)

Regie: Herbert Ross

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Kaffee, Milch und Fazit

Schönes Wechselbad der Gefühle mit tollen Schauspielerinnen. Ab 11. Oktober 2019 erstmals auf Blu-ray.

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Heimkino: COLD BLOOD LEGACY

Junge Frau hat Unfall in den Bergen und landet bei einer einsamen Hütte. In der wohnt ein Berufskiller. Der hat erst kürzlich einen Job erledigt, und damit einen Mann, versteht sich, so dass auch ein Polizist an ihm interessiert ist…

Leon lässt grüßen

Natürlich erreicht dieser Film schwerlich das Niveau eines „Leon, der Profi“, aber das ist auch eine hohe Latte und nebenbei wohl einer von Jean Renos besten Filmen, wenn nicht gar sein bester. An den fühlt man sich ein wenig erinnert, was nicht nur daran liegt, dass er sich die Profession mit dem Genannten teilt, auch die Musik scheint hier und da die von Bessons Killer-Film durchklingen zu lassen, was wohl kaum Zufall sein wird. Auch denkt man sich, dass es schade ist, dass Leon, vorsicht, Spoiler, seinen Ausflug auf die Leinwand nicht überlebt hat und so freut man sich natürlich, Reno mal wieder als professionellen Killer zu sehen und stellt sich vor, das wäre Leon, wenn er nicht Gary Oldman begegnet wäre.

Schneesturm

Die Handlung ist recht gut und man fühlt sich wie in einem Schneesturm, da man zwar eine klare Richtung hat, aber nie so ganz weiß, was eigentlich gespielt wird und wohin genau man sich bewegt. Das wird einem nach und nach offenbart und die Wendungen machen ihre Sache recht gut. Lediglich das Ende fällt dann ein wenig ab, denn man würde sich da eine gewisse Aufklärung, einen Lerneffekt, eine Offenbarung, irgendetwas wünschen, das etwas mehr ist als einfach nichts. Was schade ist, da der Film bis dahin sehr solide war und eigentlich angedeutet hat, dass er es besser kann. Schade, denn so entsteht am Schluss eine Menge Aufwand für viel zu wenig, bei dem weit mehr drin gewesen wäre.

Bonus

Ein Making-of, in dem man einiges über die Entstehung erfährt.

Mit

Jean Reno, Sarah Lind, Joe Anderson, Samantha Bond

Regie: Frederic Petitjean

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Cold Blood Fazit

Spannend gemacht, wendungsreich, gute Geschichte, schwaches Ende. Ab 18. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Film Festival Cologne: BORN IN EVIN

Das kleine Fernsehspiel lädt ein…

…zu einer interessanten Doku über ein düsteres Thema.

Schauspielerin Maryam Zaree stammt aus dem Iran. Dort wurde sie geboren – aber nicht allein in dem Land, sondern in Evin, einem Gefängnis, in dem ihre Eltern inhaftiert waren. Nun, Jahre später, nachdem diese Vergangenheit in der Familie irgendwie nie wirklich thematisiert wurde, begibt sie sich auf eine

Spurensuche

mit der sie nicht nur ihre eigene Vergangenheit besser verstehen möchte, sondern in der Form dieses Films auch anderen die Geschehnisse, die sich in Iranischen Gefängnissen zugetragem haben und möglicherweise auch noch immer zutragen, näher bringen will. Man erlebt ihre Versuche, die Sache für sich selbst aufzuarbeiten, aber auch, wie sie nicht nur an familäre Grenzen stößt, sondern auch andere Menschen trifft oder eben nicht trifft, die sich zu diesem Thema nicht äußern wollen. Zur Abrundung gibt es auch ein paar historische Einblicke und so ist eine spannende wie berührende Doku entstanden, die das Herz am rechten Fleck trägt und mit Witz gespickt ist. Sehenswert.

Heimkino: Projekt: Antarktis – Die Reise unseres Lebens

Drei Studenten machen sich, um einen Film zu machen, auf den Weg in die Antarktis, doch der ist nicht nur eisig und windig, sondern auch steinig…

Dokumentation

Einerseits gibt es tolle Bilder. Und man erfährt, dass eine solche Reise auf mehreren Ebene schwierig und problematisch ist, von Zollfragen bis hin zur Gesundheit, Wind und Widrigkeiten mit Ausrüstung und Lieferung. Auf dieser Ebene ist das alles durchaus interessant und sehenswert. Der aufmerksame Leser spürt nun aber ein

ABER

kommen – und das zu recht. Denn auch wenn man das eine oder andere zu sehen bekommt, läuft letztlich doch vieles auf leider ein Wort hinaus:

Selbstzweck!

So wirkt das ganze, je länger man den Film schaut. Zwar gibt man vor, einen Film über die Antarktis machen zu wollen, doch was entstanden ist, ist ein Film über Leute, die möglicherweise einen Film über die Antarktis machen wollen. Die Antarktis rückt aus dem Fokus, der sich nun auf die drei Reisenden richtet. Zwar wird irgendwann mal gesagt, dass die Probleme mit Technik und allem dazu führen, dass man den Film, den man vorhatte, zu machen, nicht umsetzen kann und prinzipiell kann ich den Gedanken anerkennen, aus dem, was man hat, trotzdem etwas zu machen, aber irgendwie zündet das Ganze nicht so richtig, zumal man sich fragt, wie der Film denn überhaupt hätte aussehen sollen, wenn denn alles geklappt hätte? Was hätte man dann erfahren, wenn die Antarktis wirklich der Star gewesen wäre? Doch diese Antworten bleibt der Film schuldig, wir bekommen zwar ein paar nette Bilder von ihr zu sehen, von Pinguinen und Eisbergen (für die Wale waren die Jungs zu faul, rechtzeitig aufzustehen… sieht jemand das Problem hier?), tiefergehende Einsichten oder Erkenntnisse bleiben aber irgendwie aus. Einerseits ist die Aussage am Schluss ja durchaus nett und vernünftig, aber irgendwie reicht das letztlich nicht ganz aus, denn auch wenn man nicht das Ergebnis erreicht, das man eigentlich hatte erreichen wollen und dann statt dessen einen Film über sich selbst macht, hätte man da doch irgendwo irgendwie einfließen lassen können, was man eigentlich vorgehabt hatte, hatte zeigen und sagen wollen, so dass man als Zuschauer zumindest das Gefühl hätte, dass sie ein Ziel hatten, das über „wir fahren in die Antarktis und machen einen Kinofilm“ hinausgeht.

Von und mit

Tim David Müller-Zitzke, Dennis Vogt und Michael Ginzburg

Fazit

Interessant und mit schönen Bildern, aber irgendwie mit einem Fokus, der am eigentlichen Thema vorbeigeht, da er uns nicht die Antarktis zeigt, sondern den Versuch, sie zu zeigen und was dabei alles passiert. Ab 11. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand

Autor Charles Dickens hat gerade drei Flops hinter sich, braucht Geld, Inspiration und Erfolg, doch als seine Verleger nicht so recht von seinem Vorschlag für ein Buch zu Weihnachten überzeugt sind, entschließt er sich, es selbst zu veröffentlichen, wobei das größte Hindernis neben Geld ist, dass er es erst noch schreiben muss…

Herzerwärmend

Der Film schafft genau das, was er am Ende über „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Dickens sagt, dass er die Herzen erwärmt und man sich danach gut fühlt. Er zeigt uns, wie der Autor seine Figuren nicht nur entwirft, sondern auch trifft, wie sich sein Leben auf sein Werk auswirkt und das ist eine wundervolle Geschichte, die gleichermaßen schön ist, wie sie auch Scrooges Lieblingswort verdient:

Humbug!

Wer den Film unter dem Aspekt sehen möchte, eine Filmbiographie von Charles Dickens und eine analytische Darstellung, wie sein vielleicht berühmtestes Buch entstanden ist, zu erleben, der ist hier in der falschen Weihnachtsgeschichte. Der Film setzt quasi das ein, was Dickens selbst auch verwendet, die Figuren aus der Geschichte, nur, dass er sie in die echte Lebenswelt des Autors einbettet und sie mit ihm agieren lässt. Das dürfte der Wirklichkeit schwerlich gerecht werden, ist aber eine schöne Erzählung. Auch die Aussage des Titels, dass er Weihnachten „erfand“, ist ein wenig an der erwähnten Wirklichkeit vorbei, gab es das Fest doch schon weit früher. Eher trifft zu, dass er „der Mann ist, der Weihnachten zu dem machte, was es heute ist“… aber das ist natürlich nicht so knackig. Nichtsdestotrotz kann man hier sehen, inwiefern er das Feiern des Festes tatsächlich beeinflusst hat, ein Einfluss, der noch immer spürbar ist.

Der doppelte Dickens

Klingt wie ein britischer Film aus den 50ern, ist aber nur eine Anspielung auf die Besetzung, denn die beherbergt gleich zwei Darsteller, die den Autor spielten. Da ist natürlich Dan Stevens, der ihn hier gibt, da ist aber auch noch Simon Callow, der wohl immernoch am besten bekannt sein sollte aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, der Dickens in der Serie „Doctor Who“ spielte.

OT: Man Who Invented Christmas

Dan Stevens (Jonas Minthe), Chrstopher Plummer (Kaspar Eichel), Jonathan Pryce (Eberhard Haar), Justin Edwards (Stephan Benson), Miriam Margolyes (Isabella Grothe), Morfydd Clark (Franciska Fiede), Ian McNeice (Jürgen Holdorf), Simon Callow (Jürgen Uter), Donald Sumpter (Manfred Liptow)

Regie: Bharat Nalluri

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Eine Fazitgeschichte

Eine schöne Geschichte über die Entstehung einer schönen Geschichte, nicht unbedingt nah an der Realität, dafür aber nah am Herzen. Ab 17. Oktober 2019 auf DVD und Blu-ray.

Film Festival Cologne: Deerskin

Eröffnungsfilm des diesjährigen Film Festivals in der Domstadt…

…und eine verheißungsvolle Mischung. Quentin Dupleux ist der Regisseur von „Rubber“, einem hervorragenden Beispiel dafür, wie man auch ohne Worte eine Geschichte so erzählen kann, dass man sie versteht – und so, dass man daran sogar Spaß hat. In der Hauptrolle hier sieht man Jean Dujardin, den besten James Bond seit Pierce Brosnan und eigentlich ein perfekter Connery, leider, da Franzose, nicht in den Bond-Filmen selbst, dafür aber in den göttlichen und herrlich politisch inkorrekten OSS117-Filmen. Wenn sich also zwei zusammentun, die ich sehr schätze, was mag dabei herauskommen…?

Nuuuuuuuuuun

Mann kauft Wildlederjacke, die ihn auf die Idee bringt, dass es cool wäre, wenn er die einzige Person auf der Welt wäre, die eine Jacke trägt, also strebt er an, dieses Ziel zu erreichen…

Schräge Ideen

Sind eigentlich das Hauptmarkenzeichen von Dupleux, wie man auch in seinem „Wrong“ sehen kann. Davon finden sich hier einige, es gibt hübsche Einfälle, ein paar überraschende Elemente – und doch gibt es auch in diesem Film, der nur 77 Minuten lang ist, ein paar Längen. Das fängt beim Anfang an, es dauert, bis es wirklich los geht, dann passiert was, aber hin und wieder tauchen auch wieder die weniger begeisternden Passagen auf. Insofern ist der Film über die Jacke weit davon entfernt, ein perfekter Film zu sein, leider. Tatsächlich wäre der Sache besser gedient gewesen, hätte man daraus einen Kurzfilm gemacht – und vielleicht wäre das ein guter Weg für die Zukunft, dass Duplex, statt Langfilme mit einer Handlung zu machen, die letztlich nicht für den gesamten Film ausreicht, Episodenfilme zu basteln, in denen jede Geschichte ihr angemessen erzählt wird und so wenig bis gar kein Leerlauf auftaucht, dafür aber ein schräges Filmerlebnis entsteht, an dem man durchgehend seine Freude haben kann?!

OT: Le Daim

Jean Dujardin, Adèle Haenel, Albert Delpy

Regie: Quentin Dupleux

Kino: DORA UND DIE GOLDENE STADT

Mädchen, deren Eltern Forscher sind, wird von ebendenselben aus Storygründen auf die Highschool geschickt, anstatt sie auf ihrer Suche nach der Goldenen Stadt zu begeleiten, aber wie das Schicksal so spielt und das Drehbuch so schreibt, weiß man, dass sich ihre Wege über kurz oder lang wieder begegnen werden…

Indianerin Jones für Kinder

Wenn ich abwägen müsste, wie Indy, der eine Figur aus Gold gegen einen Sack mit Sand austauschen möchte, würde ich ein Verhältnis von 30:70 angeben. 70% sind gut und haben nette Sachen, 30% sind furchtbar bis schlimm, weil dumm oder grauenvolle CGI-Viecher wie Affe und Fuchs, aaaaaaber die Kinder haben dabei gelacht und insofern sind sie ziemlich ausschließlich für diese Zielgruppe. Es gibt eine Menge Zeugs, das bei Indianer Jones geklaut wurde, d.h., wer diese Filme gesehen hat, weiß schnell, was passieren wird. Auch ein bisschen Crocodile Dundee gibt es, wenn die Kleine in die Schule kommt, was Spaß macht, aber auch, wie der Rest, alles vorhersehbar ist. Dafür hat Isabela Moner, die die Dora gibt, jede Menge Spiellaune und bringt eine schöne Energie in die ganze Schose.

OT: Dora and the Lost City of Gold

Isabela Moner, Eugenio Derbez, Michael Peña, Eva Longoria, Adriana Barraza, Temuera Morrison, Jeff Wahlberg, Nicholas Coombe, Madeleine Madden, Danny Trejo

Regie: James Bobin

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazit und die goldene Stadt

Auch wenn es einiges schöne gibt, manches tut weh, aber die Zielgruppe hat ihren Spaß daran. Ab 10.0.2019 im Kino.