Neu im Kino: Tulpenfieber

Im Amsterdam der Hochzeit des Tulpenhandels lässt sich ein reicher Händler seine Frau malen, doch die lässt sich vom Künstler lieber pudern…

Börsenspekulation

Wer einen Film erwartet, in dem es um den Börsenhandel mit Tulpen und den großen Blumen-Crash geht, eine spannende Geschichte aus den Anfängen der Börse, der dürfte hier eher enttäuscht werden. Und eher ziemlich. Denn das wäre möglicherweise der bessere Film gewesen.

Dieser hier ergeht sich mehr in einer tragischen Liebesgeschichte. Die ist, wenn man das Ganze am Ende mal in Ruhe betrachtet, so, dass man da durchaus etwas spannendes hätte draus machen können, weil da eine gute Geschichte drin steckt… doch das Endergebnis kommt diesem Urteil leider nicht nahe. Und der Tulpenhandel ist für die Handlung fast so unwichtig, dass man ihn u.U. komplett hätte entfernen können. Im Titel hat er jedenfalls nichts zu suchen, denn so erweckt er einen falschen Eindruck. Klarer Fall von falscher Etikettierung!

Bilder

Was gut getroffen ist, ist die Zeit. Alles sieht aus, als wären es Bilder großer Holländischer Meister, wie man sie in einem Museum hängen sehen kann. Leider haben sie auch nicht mehr Leben. Alicia Vikander wirkt irgendwie zu distanziert, als das man sie mögen könnte und Christoph Waltz ist inzwischen einfach langweilig. Einzig Dame Judy Dench als Äbtissin und der immer ein wenig schräge Tom Hollander als ein wenig schräger Arzt bringen ein wenig Farbe in das graue Gemälde. Traurig irgendwie – ebenso wie die Tatsache, dass der Film aus der Feder von Tom Stoppard stammt, der uns den wunderbaren „Rosenkrantz und Güldenstern“ (sind tot) geschenkt hat.

Mit

Alicia Vikander (Yvonne Greitzke), Christoph Waltz (dto.), Holliday Grainger (Sophie Rogall), Dane DeHaan (Patrick Roche), Judy Dench (Kerstin de Ahna), Cara Delevigne (Maximiliane Häcke), Zach Galifianakis (Michael Iwannek), Tom Hollander (Axel Malzacher), Jack O’Connell (Julian Manuel), Kevin McKidd (Markus Pfeiffer), David Harewood (Ole Pfennig)

Fazitfieber

Eine gute, spannende Geschichte – versteckt in einer eher langweiligen. Schauwerte gibt es, aber es besteht die Gefahr, dass man sich in Sachen Interesse genauso verspekuliert hat wie der Markt mit den Tulpen. Ab 24. August 2017 im Kino.

Neu im Kino: Bullyparade – Der Film

Episodenfilm, basierend auf der Sketch-Fernsehserie, der mit einer Zeitreise beginnt (auf die nie wieder eingegangen wird), uns in Winnetous Wilden Westen führt, dann ins Königreich von Sissi, mit Lutz nach New York und zum Abschluss mit Spucki in den Weltraum…

Unter haltsam

Hand aufs Herz (oder vom Sack): Ich bin kein Bully-Fan. Weder, was den VW, noch, was den Schulrüpel angeht… und von der Fernsehsendung auch nicht. Über den Kinoableger „Periode I“ kann ich nur soviel sagen, dass die Effekte super aussahen, besonders für eine deutsche Produktion, aber witzig… fand ich das eher nicht. Was schwierig ist bei einer Komödie, denn das ist ihr erstes Ziel. Wenn sie da nicht punkten kann, hat sie eigentlich schon versagt, so, wie der Horrorfilm, bei dem man keine Gänsehaut bekommt. Soviel also zur Vorgeschichte.

Doch dieses Paradebeispiel ist, wie es die Zwischenüberschrift (Zwischenschrift? Mittelschrift) erahnen lässt, überraschend unterhaltsam, wenn auch mit absteigender Tendenz. Soll heißen: Die erste Episode hat eine Menge sehr schöner, lustiger Gags. Das macht größtenteils richtig Spaß. Die Folgen danach können da dann leider nicht mehr mithalten, was nach diesem schönen Auftakt ausgesprochen schade ist. Hier und da flimmert mal was schönes auf und in der „Trek“-Episode gibt es zwei wunderbare Gags, aber, auch wenn es nicht langweilig wird, doch ein wenig Leerlauf. Da würde man sich bessere Dialoge erhoffen. Und dann kommt einer er der größten Lacher erst im Nachspann bei den verpatzten Szenen… sollte einem nicht zu denken geben, oder? Die zeigen aber auch, dass die drei Jungs sympathisch sind und nicht nur eine Menge Spaß machen, sondern auch haben.

Zusammen, halt

Eine kleine Anmerkung noch. Es gibt natürlich jede Menge Details und Anspielungen, die gerade die Freunde der Serie erfreuen sollten. Was aber schön gewesen wäre, wenn man einen stärkeren Zusammenhalt zwischen den einzelnen Episoden hergestellt hätte. Meine Güte, es fängt mit einer Zeitreise an, in einem Film, der durch verschiedene Zeiten reist, da ist es doch verdammtnochmal keine Kernphysik, auf die Idee zu kommen, den Zeitreisetrabbi in jeder Folge irgendwo subtil im Hintergrund auftauchen zu lassen. Oder die drei Typen mit den Sonnenbrillen in jede Folge einzubauen. Stärkerer Zusammenhalt, Freude, das muss doch möglich sein. Davon ab ist es aber schön inszeniert.

Mit

Michael „Bully“ Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Sky Dumont

Die Fazitparade

Fängt stark an, kann die Gagdichte aber leider nicht über die erste Episode hinaus aufrecht erhalten, ist aber trotzdem unterhaltsam und alles andere als ärgerlich, was man ja nicht über viele deutsche Komödien sagen kann. Ab 17. August 2017 im Kino.

Neu auf DVD: Masterminds – Minimaler IQ, maximale Beute

© Universum Film GmbH

Gutmütiger Geldtransportfahrer wird von Exkollegin dazu überredet, eine ganze Menge Geld zu klauen…

Nach einer wahren Geschichte

Jedenfalls behauptet das der Film. Da kann man nur hoffen, dass die Furz- und Kackwitze, auch bekannt als das beliebte

Fäkalkolorit

das durch den Film tropft wie ein brauner Faden, eher der einfältigen Fantasie der Drehbuchautoren entsprungen sind als der Wirklichkeit. So geht es hier und da unter die Gürtellinie – und, mit Ausnahme einer netten Szene am Schluss – die ganze Zeit unter den Normal-IQ… wie es der deutsche Untertitel schon ankündigt. Wer also Spaß an dummen Menschen, die dumme Dinge tun, hat, wer sehen möchte, wie dumme Leute einen großen Diebstahl begehen, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Ghostbusties

Wer dagegen schon keinen Spaß an der weiblichen Verhunzung der „Ghostbusters“ hatte, dürfte hier wenig Freude finden, denn gleich zwei der weiblichen Geisterjäger sind auch hier mit dabei. Wobei Kate McKinnon einmal mehr beweist, dass sie unfähig ist, einen echten Menschen zu spielen und die hier einmal mehr so furchtbar unecht und gekünstelt schlimm ist, dass sie selbst Kristen Wiiiiig natürlich erscheinen lässt. Und Zach Galifia… Galifina… Gallifrey… Wieauchimmer macht das, was er eigentlich meistens macht – wer’s mag, mag’s mögen, wer nicht, der eher nicht. Einzig Jason Sudeikis bringt als Killer einen netten Touch ein, davon hätte der Film mehr vertragen können.

Mit

Zach Galifianakis (Michael Iwannek), Kristen Wiig (Katrin Fröhlich), Owen Wilson (Philipp Moog), Jason Sudeikis (Norman Matt)

Fazit

Es ist schwer, den wahren Hintergrund ernst zu nehmen. Interessant wäre eine Doku, die zeigt, wie sehr der Film von der Realität abweicht, denn der eigentliche Diebstahl hätte durchaus Potential für eine gute Geschichte gehabt, doch diese Version erscheint in nahezu allen Aspekten so albern, dass sich da Glaubwürdigkeit nun wirklich nicht einstellen will. Ab 18. August 2017 auf DVD und Blu-ray.

Auf DVD: Monster

Prostituierte lernt nettes junges Mädchen kennen. Die beiden freunden sich an und es wird mehr daraus. Doch während die Ältere per Anhalter fährt, um „Kunden“ zu finden, wird sie von einem davon vergewaltigt. Sie wehrt sich – und sie beginnt, es öfter zu tun…

Wahre Geschichte

Während man bei Filmen wie Bond und „Star Trek“ immer die Frage stellen muss, was denn nun eigentlich die Motivation des Bösen ist (gut, es ist in allen Fällen Rache, weil den faulen Pennern nichts anderes mehr einzufallen scheint), ist hier die Motivation klar nachvollziehbar. Überhaupt schaffen es Film und Hauptdarstellerin, dass man mit ihr mitfühlt und teilweise sogar auf ihrer Seite ist, zumindest, was ihre erste Tat angeht. Das hat nicht nur mit der gleichermaßen traurigen wie spannenden Geschichte zu tun, sondern auch mit der Hauptdarstellerin:

Charlize Theron

Die hat sich für diesem Film von ihrem guten Aussehen getrennt, denn für gewöhnlich wirkt sie weit hübscher als hier. Doch die Maske ist genauso überzeugend wie ihr Spiel – und das hat ihr sogar einen Oscar eingebracht. Zu recht, wie man hier eindrucksvoll erleben kann. Denn auch wenn man ihr wahres Gesicht nicht sieht, kann sie hier zeigen, was in ihr steckt, ein wunderbarer kleiner Widerspruch in sich, der aber unterm Strich Hollywood möglicherweise perfekt beschreibt. Ihr zur Seite und ebenfalls ausgezeichnet spielt Christina Ricci. Auch wenn die inzwischen in vielen anderen Rollen überzeugen konnte, wird ihr doch immer eine anhängen: Tochter Wednesday aus der „Addams Family“. Perfekt – und unübertroffen.

Mit

Charlize Theron (Andrea Loewig), Christian Ricci (Maria Koschny), Pruitt Taylor Vince (Detlef Bierstedt), Bruce Dern (Gunter Schoß)

Fazit

Spannend, interessant, bewegend. Eine wahre Geschichte, die gleichermaßen traurig wie unterhaltsam ist – und ein Film, der nichts von seiner Intensität und Faszination verloren hat. Unbedingt sehenswert! Einen Trailer gibt es hier. Ab 18. August 2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Zwei ungleiche Freunde

Schüchterner Mann lernt etwas abenteuerlicheren kennen, doch wie sich herausstellt, haben beide das gleiche Ziel: eine Frau kennenzulernen…

Singlekomödie

Man sagte früher mal, dass es für eine Frau über 40 unmöglich sei, einen Mann kennenzulernen – oder, dass sie eher im Lotto gewinnen würde, als einen Mann kennenzulernen? Wie dem auch sei, dieser Film zeigt, dass es auch dem „stärkeren“ Geschlecht ab einem gewissen Alter nicht anders geht. Und da lernen wir zwei Wege kennen, den des Mannes, den man gemeinhin als Versager abtun würde, und den des Draufgängers, auch wenn sich die Ergebnisse bei beiden nicht sonderlich zu unterscheiden scheinen. Trotzdem entwickelt sich zwischen ihnen eine Freundschaft und eine durchaus interessante Beziehung. Nett ist dabei auch der Trick, den der Abenteurer entwickelt hat, um schöne Frauen kennenzulernen und an dem er seinen Freund teilhaben lässt. Zudem gibt es ein paar nette wiederkehrende Gags, was aber viel wichtiger ist:

Der Film hat das Herz am rechten Fleck!

Er ist charmant, sympathisch und in gewisser Weise einfach herzlich. Er macht sich nicht über seine Protagonisten lustig, sondern leidet und freut sich gewissermaßen mit ihnen. Und wäre dies ein amerikanischer Film, wüsste man auch von vornherein, wie er ausgehen würde, doch da diese Komödie aus Frankreich kommt, kann man da nie so ganz sicher sein…

Bonus

Es gibt ein Making-of, in dem man Einblicke in die Entstehung des Films erhält.

Just Friends – 2 ungleiche Freunde (2004)

Gérard Depardieu (Manfred Lehmann), Jean-Paul Rouve (Uwe Büschken), Annie Girardot (Ingrid Kaehler)

1 gleiches Fazit

Eine Komödie aus dem Singledasein, die uns auf warmherzige und sympathische Weise zeigt, dass es auch Männer in Sachen Liebe und Beziehungen nicht immer einfach haben. Ab 17.8.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Kill Switch

© Universum Film GmbH

Um an günstige Energie zu kommen, schafft man eine Art Spiegeluniversum, doch es gibt Probleme…

Ego-Viewer

Für den größten Teil wird dieser Film wie eine Art Egoshooter präsentiert, d.h. wir sehen alles aus der Perspektive der Hauptperson, so, wie sie es sehen würde – und das, ohne Found Footage zu sein. Es gibt sogar wie in den Spielen dieser Art, Einblendungen, wenn die Person verletzt ist und sich zu einem Arzt begeben sollte. Zudem wird auch viel gekämpft, besonders gegen moderne Kampfdrohnen, die ein wenig an die Jäger aus „Terminator“ erinnern. Und da kann man nicht meckern, denn die Effekte sind alle extrem gut, besonders, wenn man davon ausgehen muss, dass dieser Film wahrscheinlich kein großes Budget hatte. Was uns zu den anderen Dingen bringt…

Die anderen Dinge

Die Hauptrolle in diesem Film wird gespielt von Dan Stevens, der in der Serie „Legion“ zeigt, wie großartig – und wie anders als in „Downton Abbey“ – er sein kann. Doch fast drängt sich einem der Eindruck auf, das Budget des Films hätte auch nicht wirklich für ihn gereicht, sieht man ihn doch nur in ein paar Szenen, während der Großteil des Films ja aus der Ego-Perspektive gezeigt wird… und er seine Texte vielleicht erst später nachsynchronisiert hat? Wenn dem so wäre, wäre das auf jeden Fall ein cleveres Konzept. Was uns zur Wissenschaft bringt….

Die Wissenschaft

Da sollte man eigentlich nicht drüber sprechen. Man sagt hier, dass man quasi eine Kopie des Universums schafft. Nu is das aber verdammt groß (unendlich) und die Energie, die man dafür benötigte, würde locker jede Energiekrise der gesamten Galaxis lösen, also ist das ganze irgendwie fragwürdig. Obwohl das und die Schaffung einer Spiegelerde mit Spiegelversionen von uns schon immer ein interessantes Thema in der Science Fiction war, doch so richtig ausgelebt und ausgeforscht wird das leider nicht. Was uns zum Fazit bringt…

Das Fazit

Obwohl eine im SF-Bereich beliebte Idee der Parallelwelt die Grundlage ist, dreht sich der Film doch eigentlich eher um die Ego-Action, von der er aber solide Ware bietet. Bleibt also hinter seinen Möglichkeiten zurück, hat aber gute Action und Effekte. Ab 18. August 2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Valmont

Eine feine Dame der Gesellschaft möchte nicht, dass ihr Geliebter ein unschuldiges Mädchen heiratet, um ihn nicht zu verlieren, während Schürzenjäger und Herzensbrecher Valmont einer anderen Dame nachstellt, doch wo es Lügen und Intrigen gibt, gibt es irgendwann auch Bitterkeit und Tod…

Verhalten

Der Film ist verhalten erotisch und verhalten humorvoll. Zumindest zu Beginn, denn später wenden sich die Dinge. So könnte man denn auch schreiben:

Lieben und Intrigen

Irrungen und Wirrungen

Schmach und Rach

Valmont“ ist ein Kostümdrama, das sich visuell und schauspielerisch sehen lassen kann. Filmhistorisch interessant ist, dass Regisseur Milos Forman, der auch „Amadeus“ auf die Leinwand brachte, den Film inszenierte, der nur ein Jahr nach „Gefährliche Liebschaften“ mit John Malcovich und Uma Thurman herauskam, welcher das selbe Thema bearbeitete. Beide miteinander zu vergleichen wäre sicher interessant, doch das bleibt für einen anderen Zeitpunkt. Ebenfalls interessant ist, zu sehen, wer hier alles zu sehen ist:

Colin Firth

Zu einem Zeitpunkt, als er noch nicht auf die Rolle des steifärschigen Briten abonniert war (und von der er sich erst durch seinen smarten und arschtretenden Agenten in „Kingsman“ gelöst hat) darf hier den Erotiker raushängen lassen – und hat daran seine sichtliche Freude. Die hat

Annette Bening

auch an ihrer Rolle, denn sie spielt die Intrigen spinnende Dame der Gesellschaft mit einem Spaß und einer Leidenschaft, die man sich für mehr Rollen wünschen würde. Geradezu süß und unschuldig wirkt

Fairuza Balk

– und wahrscheinlich zum ersten und letzten Mal in ihrer Karriere, denn man hat das Gefühl, dass sie sonst üblicherweise für abgefuckte und heruntergekommene Typen (oder heißt es Typinnen?) besetzt wird, so ist es eine erfrischende Abwechslung, sie einmal so zu sehen.

Valmont (1989)

Colin Firth (Wolfgang Condrus), Annette Bening (Anita Lochner), Meg Tilly (Susanna Bonasevicz), Jeffrey Jones (H.-W. Bussinger), Ian McNeice (Klaus Sonnenschein) – Regie: Milos Forman

Fazit

Kostümdrama mit einem Hauch Erotik, jeder Menge Intrigen und… Verführung Minderjähriger?! Tja, das waren eben andere Zeiten. Ab 3.8.2017 auf DVD und Blu-ray.