Heimkino: WARUM ICH EUCH NICHT IN DIE AUGEN SCHAUEN KANN

Ein autistischer Junge erklärt seine Welt

Spannende Doku

Nach der Grundlage des Buches von Naoki Higashida, der versucht hat, durch das Schreiben seine Welt, bzw, wie er die Welt wahrnimmt, ist nun dieser einblick- und aufschlussreiche Film entstanden. Autismus ist nicht einfach nur cool, wie in „Rain Man“, weil man auf einen Blick alle Streichhölzer einer Schachtel zählen kann – es ist, wie wir hier lernen können, eine komplett andere Weise, die Welt um uns wahrzunehmen. Und das macht es so interessant und faszinierend. Und so ganz falsch liegt „Rain Man“ mit seiner bekannten Szene nicht, denn als Autist erlebt man die Welt, wie wir erfahren, nicht als großes Ganzes, sondern tatsächlich im Detail, bestehend aus allen Details und daraus muss man sich dann seine eigene Wahrnehmung zusammensetzen. Es ist, in gewisser Weise, eine völlig andere Herangehensweise an die Welt – und all das erfahren wir hier auf sehr eindrückliche und eindrucksvolle Weise.

Der Grund, warum ich springe“

So die Übersetzung des Originaltitels – klang den Deutschen vielleicht zu sehr nach Selbstmord, obschon er im Original erklärt wird. Erwähntes Buch dieses Titels dient eher als Basis und Kommentar, während wir im Film verschiedene Menschen vorgestellt bekommen, die der kleinen Gemeinde der Autisten angehören. Dadurch lernen wir unterschiedliche Formen kennen, erleben aber auch die Freude mancher Menschen, denen das Buch geholfen hat, ihr Kind und die Art, wie es die Welt sieht, ein bisschen besser zu verstehen.

OT: The Reason I Jump

Regie: Jerry Rothwell

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Spannend, interessant, faszinierend… sehenswert! Ab 20.5.2022 auf DVD.

Heimkino: DEXTER: NEW BLOOD

Nach etwa zehn Jahren Abstinenz vom Morden kehrt Serienmörder Dexter, der es vor allem auf Verbrecher abgesehen hatte, zu alten Traditionen zurück…

Schön, dich wiederzusehen, Dexter Morgan

Und das, obwohl der Abschied ein wenig weh tat. Denn größtenteils war „Dexter“ eine ausgezeichnete Serie gewesen, doch dann, auf der Zielgeraden, in der letzten Staffel schaffte man es irgendwie, das Ende gehörig zu versauen. Schade, denn so blieb immer ein fader Beigeschmack, wenn man an Dexter, der ein paar tolle Höhepunkte hatte, zurückdachte. Doch nun kehrt er, nicht nur zu alten Verhaltensweisen, sondern auch auf den kleinen Bildschirm zurück, und etwa genau dort, wo wir ihn beim letzten Mal verlassen haben. Statt vom sonnigen Miami ist er nun von Schnee und Eis umgeben, was ein schöner Kontrast zu dem Ort ist, an dem wir ihn kennengelernt haben. Und auch wenn der Abschied damals traurig war, so rein künstlerisch betrachtet, so ist es doch sehr schön, ihn wiederzusehen – und nicht nur ihn, dessen Leben nicht nur von gelegentlichem Mord, sondern auch von Visionen angereichert ist, und so sind er und wir nach all den Jahren nicht ganz allein, denn eine alte bekannte Figur steht ihm zur Seite, wenn auch nur auf eine eher eingebildete Art und Weise.

Blut im Schnee

Es fühlt sich frisch an, so, wie man sich das bei der Xten Staffel einer Serie wünscht, aber es fühlt sich auch richtig an. Eben wie „Dexter“, selbst wenn die letzte Folge ein Jahrzehnt zurück liegt. Das liegt u.a, daran, dass sich Michael C. Hall von Anfang an wieder perfekt in seine Figur hineinfindet, er ist Dexter und deshalb gibt es hier, anders als bei Serien wie „Star Trek: Picard“, auch keinen Bruch. Hinzu kommt, dass man sich auch inhaltlich treu bleibt, denn über Dexter schwebt ununterbrochen das Damoklesschwert des Entdecktwerdens, mit dem er in jeder Episode ringen muss. Hinzu kommt ein gewisses „Familienproblem“, um es mal so zu nennen, das durchaus einen Sinn ergibt und ganz organisch in die Handlung einfließt und auch auf diese Weise eine neue Dynamik schafft, die sich in die Jahre gekommene Serien oft wünschen. Und dann ist da noch der Fall der verschwundenen Frauen, dem er sich über kurz oder lang zwangsläufig annehmen wird – auf seine Weise, versteht sich…

Aliems und Indianer

Es hat nur ein paar Jahrzehnte gedauert, aber inzwischen spielen endlich auch Ureinwohner von Amerika größere Rollen in Serien, also jetzt nicht als Häuptlinge und Medizinmänner, äh, Medizinperson:innen, sondern in der Gegenwart. Die Minderheit, die vor allen anderen dort war und die gerne ignoriert wird, auch bei dem Verlangen von Oscarnominierungen oder der Präsidentschaft des Landes, tritt endlich ein wenig ins Rampenlicht. Wurde auch Zeit! Bei „Resident Alien“ spielt eine Idianerin eine wichtige Rolle und auch in dieser Staffel von „Dexter“ wird die Sheriffin von einer Ureinwohnerin dargestellt. Hoffentlich ein Trend, der sich fortsetzt!

Bonus

Kurze Beiträge mit ein paar interessanten Einblicken.

Mit

Michael C. Hall (Dennis Schmidt-Foß), Jennifer Carpenter (Ilona Otto), John Alcott (David Kunze), Clancy Brown (Oliver Stritzel), Johnny Sequoyan (Marie Hinze), Julia Jones (Manja Doering), Fredric Lehne (Erich Räuker), David Zayas (Sebastian Christoph Jacob), John Lithgow (Bodo Wolf)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit Morgan

Es macht Spaß, Michael C. Hall wieder ganz Dexter zu sein – und zu sehen, wie Dexter nicht ganz er selbst ist. Etwas aus der Übung, macht Fehler, muss wieder zu seinen alten Wegen und seiner alten Perfektion finden. Das bietet großartige Szenen und gute Unterhaltung. Die vorletzte Folge ist einer der Höhepunkte der Staffel und der Serie – und die hat uns im Laufe der Jahre viel großartiges geboten. Von wunderbarer Musik, kunstvoll gestalteten Vorspännen über spannende Handlungsbögen bis hin zu phantastischen Gästen wie John Lithgow und Yvonne Strahovski und hat uns dankenswerterweise bewiesen, dass Ray Stevenson sowohl als tumber Klotz in „Rom“, als auch als hochgebildeter Geschäftsmann funktioniert, etwas, als das man ihn öfter mal besetzen könnte! Die Staffel baut sich sehr schön zu diesem Finale auf und entschädigt damit ein wenig für ihre Vorgängerin, die nicht so dolle war. Der Abschluss dann… ist in sich schlüssig, nicht unbedingt schön, aber auf jeden Fall nicht so unbefriedigend wie der davor. Insofern bietet die Staffel viel Dexter, jede Menge Spannungen und Spannung sowie ein Ende für die gesamte Serie, mit dem man durchaus leben kann. Ab 28.4.2022 auf DVD und Blu-ray.

Kino: DOG

Um wieder in den Krieg – oder zumindest ein Kriegsgebiet – ziehen zu dürfen, bekommt Soldat den Auftrag, eine kriegsgeschädigte Hündin mit Aggressionspotential zur Beerdigung ihres ehemaligen Herrchens zu bringen…

Roadtrip mit Hund

Ein bisschen ist es wie ein Buddy-Cop-Movie, bei dem sich die beiden am Anfang nicht leiden können, nur, dass sie hier keine Verbrechen lösen. Obwohl der Hund das wahrscheinlich könnte. Der bzw. die hat eine tolle Präsenz – und die Hündin und Channing Tatum haben mehr Chemie miteinander als Daniel Craig mit jeder einzelnen Bondine, die ihm über den Weg gelaufen ist.

Buddy-Dog-Movie

Und auch ein bisschen ein Psychodrama – wobei der oder vielmehr die psychisch kranke hier die Hündin ist. Gut, andersrum wäre es auch ein bisschen schwierig… und wenn sie unterwegs wären, um Channing Tatum nach getaner Arbeit einzuschläfern – ganz anderer Film! So aber haben beide ihre eigenen Probleme, ebenso wie ein paar gemeinsame und erleben auf dem Weg zum Abdecker ein paar nette Abenteuer. Schön ist dabei, wie gesagt, dass die beiden, Darsteller und Hündin, gut miteinander spielen und auch wenn man weiß, wie das vermutlich enden wird, so ist das doch eine Reise, an der man seine Freude haben kann.

Mit

Channing Tatum, Luke Forbes, Ethan Suplee, Kevin Nash, Jane Adams, Q’orianka Kilcher u.v.m. 

Regie: Channing Tatum & Reid Carolin

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Netter Roadtrip mit einer tollen Hündin… was durchaus doppeldeutig gemeint ist! Ab 19.5.2022 im Kino.

Kino: FUCHS IM BAU

Lehrer kommt ins Gefängnis… um dort eine Klasse Jugendlicher, die derzeit noch eine Lehrerin haben, zu unterrichten…

Rea Listisch

Man hat das Gefühl, man kann kaum näher an eine Doku herankommen als das. Alle Darsteller, jung wie alt, sind sehr echt und das lässt das Ganze spo realistisch erscheinen, wie es dann wahrscheinlich auch ist. Es geht darum, mit schwierigen Jugendlichen umzugehen, dabei aber auch Wege zu gehen, die ihnen entgegen kommen und vom herkömmlichen Unterricht abzuweichen – was hier sehr schön demonstriert wird. Auch geht es natürlich darum, wie das System mit solchen Menschen umgeht und wie offen es für einen solchen Umgang ist.

Einfach gut

Ist hier das Fazit, was gleichermaßen die interessante Handlung, die gut gemachte Umsetzung und die Darsteller umfasst, allen voran Maria Hofstätter, die hier so ganz anders ist, als in den Eberhofer-Krimis und damit eine schöne Bandbreite beweist.

Mit

Aleksandar Petrović, Maria Hofstätter, Luna Jordan, Sibel Kekilli, Andreas Lust

Regie: Arman T. Riahi

Fazit

Sehenswert! Ab 19.5.2022 im Kino.

Heimkino: KING RICHARD

Vater Richard Williams hat den Plan, dass seine Töchter Venus und Serena die besten und erfolgreichsten Tennisspielerinnen der Welt werden sollen…

Wahre Geschichte

Ganz großes Tennis, würde man heute sagen – und das gilt gleichermaßen für die Williams-Sisters wie den Film. Und einmal mehr ist es so, dass es eine Sache – oder in diesem Fall auch wieder ein Tennismatch – weit spannender macht, wenn man ihren Ausgang nicht kennt. Wer also nicht weiß, wie das wichtige Spiel ausgeht, für den wird es so gut in Szene gesetzt, dass man selbst als jemand, dem der Ballsport völlig am Allerwertesten vorbeigeht, große Spannung dabei empfindet – und das ist einfach gut.

Kein Shakespearedrama

Sollte man noch einmal drauf hinweisen, da der Titel da doch ein wenig fehlleitend ist und auch wenn man Herrn Williams so genannt haben mag, so gibt es dann doch Abzüge in der B-Note, was den Namen des Films angeht. Dafür zeigt sich aber Will Smith als erwähnter König schauspielerisch von seiner besten Seite und spielt weit abseits von seiner üblichen Cool- und Lockerheit (genau wie bei des Oscars), wenn auch nicht ohne Humor (s.o.). Überhaupt ist das gesamte Ensemble sehr gut und auch Jon Bernthal, der zu Beginn seiner Karriere in Sachen Sympathie oft nur wenig Punkte machen konnte, ist hier wunderbar und sympathisch – womit der Film also in jeder Beziehung durchaus sehenswert ist.

Bonus

Will Smiths schlagfertige Erwiederung bei der Oscarverleihung… ist leider nicht mit dabei. Schade, war irgendwie unerwartet. Stattdessen gibt es ein paar Einblicke in die Produktion.

Mit

Will Smith (Jan Odle), Aunjanue Ellis (Natascha Geisler), Saniyya Sidney (Samina König), Demi Singleton (Derya Flechtner), Tony Goldwyn (Peter Flechtner), Jon Bernthal (Martin Kautz), Kevin Dunn (Lutz Schnell), Rich Sommer (Peter Lontzek), Dylan McDermott (Tom Vogt)

Regie: Reinaldo Marcus Green

King Fazit

Spannend, interessant – und gerade dadurch sehenswert, dass der titulare König zwar ein wenig nebenspurig wirkt, tatsächlich aber zum Ziel hat, dass seine Töchter vor dem Erfolg erstmal eine Kindheit und Schule haben – etwas, das andere Eltern berühmter Kinder wohl eher vernachlässigen. Schade ist nur, dass man sich kaum dem Werdegang der jüngeren Tochter widmet, die, wie man im Nachspann lesen kann, offenbar ihren eigenen Film verdient hätte… Ab 19.5.2022 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: The Wicker Man / Special Edition / Blu-ray

Polizist wird auf eine abgelegene Insel geschickt, um das Verschwinden eines Mädchens zu untersuchen, doch was er herausfindet, ist erschreckend…

Kult-Klassiker

In doppelter Hinsicht – und zumindest außerhalb von Deutschland. Denn auch wenn sich der Film andernorts einer gewissen Bekannt- und Beliebtheit erfreut (er wird u.a. in der wunderbaren und immer wieder zu empfehlenen Serie „Coupling“ von Steven Moffat erwähnt), so hat man es den Deutschen da ein bisschen schwer gemacht – und ihnen mit das schrecklichste, was man im Film zu sehen bekommt, Christopher Lees Frisur, vorenthalten. Für viele Jahre, 47, um genau zu sein, gab es nichtmal eine deutsche Fassung und man weiß ja, dass die für einen Erfolg nicht ganz unwichtig ist, besonders in der Zeit, aus der der Film stammt. In der es ihn also nicht nach Deutschland verschlagen hat. Nun aber gibt es eine und somit ist er nicht nur Kennern und englischsprachigen Menschen zugänglich, sondern, dank der noch taufrischen Synchro aus dem Jahre 2020, eben auch allen anderen, die sich für Kult und Horror und schlimme Frisuren interessieren.

Krimi, Horror, Kult

Ich muss gestehen, als ich den Film vor einigen Jahren zum ersten Mal sah, hatte ich keine Ahnung, was der titulare „Wicker Man“ war. Das Cover zeigte eine gruselige Figur, aber was genau die bedeutet, ließ sich daraus nicht schließen. Eine Gestalt, die des Nachts durch die Gegend schleicht und Leute umbringt? Nuuuuuun, im Film taucht sie erst auf der Zielgeraden auf, und sie ist erschreckend, aber man sollte den Teufel tun und erklären, was es mit dem Ding auf sich hat. Falls Sie es also wissen wollen und sich noch nicht irgendwo haben spoilern lassen, dann müssen Sie die Reise selbst machen. Und die ist voller verstörender Elemente, visuell wie akustisch. Lieder und Bilder, in denen Sexualität im Vordergrund steht, was Sergeant Spassbremse mit dem christlichen Hintergrund natürlich gar nicht gefällt, hält er die Insel und ihre Bewohner doch für vollkommen verkommen, während er sich nach und nach an das Geheimnis herantastet. Und das hat es in sich, denn auch als Zuschauer weiß man nicht, was da gespielt wird. Lügen über Unwahrheiten, was ist hier passiert, was verheimlicht man, was soll das alles? Nun, am Ende löst sich alles auf… wenn auch nicht unbedingt in Wohlgefallen.

Die Synchro

Nach 47 Jahren eine passende Synchronisation hinzubekommen ist eine Herausforderung. Natürlich hätte man lieber eine aus der damaligen Zeit, mit… einer von den vielen Stimmen, die Christopher Lee im Laufe seiner Karriere verschlissen hat, dürften so um die 100 sein, ohne, dass sich jemand wirklich durchsetzen konnte. Und einen, der ihn hier und da mal gesprochen hat, bekommt man ja auch zu hören, wenn auch auf jemand anderem, denn Lothar Blumhagens (sprach Lee u.a. in „Gremlins 2“, Zitat: „Tollwut? Die hab ich doch schon!“) Stimme ist inzwischen auch nicht mehr die gleiche und hier fast nicht wiederzuerkennen, so dass er als junger Christopher Lee dann wohl leider doch nicht mehr so ganz passen würde. Am Anfang tut man sich vielleicht noch ein bisschen schwer mit der Synchro, aber schon bald hat man sich an Bernd Vollbrecht für Woodward und Reinhard Kuhnert für Lee gewöhnt, denn es ist schwierig, heute Stimmen zu finden, die sich in die damalige Zeit nahtlos einfinden können und beide machen das dann doch durchaus gut – und auch Lutz Mackensy auf dem stets schrägen Aubrey Morris (Bewährungshelfer in „Uhrwerk Orange“, Leiter der Irrenanstalt in „Lifeforce“ [und erster Leinwandkuss von Patrick Stewart], Kapitän in Badewanne der B-Arche in „Per Anhalter durch die Galaxis“), macht sich ganz gut, besonders, weil er auch in einer deutschen Fassung aus jener Zeit zu hören gewesen sein könnte, nur eben, wie Blumhagen, in einer anderen Rolle. Auch beim Buch hat man sich Mühe gegeben, zeitgemäß zu sein, so dass das Ganze durchaus stimmig ist, auch wenn man am Schluss den „Wicker Man“ als solchen stehen lässt und nicht übersetzt.

Graf Bondula

Christopher Lee hatte eine lange Karriere, mit guten und schlechten Filmen und vor allen Dingen vielen. Berühmt wurde er als Dracula, den er insgesamt um die 12 mal gab, er gab den Sherlock Holmes, ebenso wie seinen Bruder Mycroft (wenn auch in unterschiedlichen Produktionen), Dr. Fu Man Chu und Rochefort bei drei bis vier „Musketieren“, spielte zum Ende seiner Karrie bei „Star Wars“ mit und den Saruman im „Herrn der Ringe“ und er war Scaramanga, in und „Der Mann mit dem goldenen Colt“, der nur ein Jahr nach Herrn „Wicker“ entstand und in dem auch Britt Ekland dabei war, was sie zum nervigsten Bondgirl aller Zeiten machte. Eine weitere Verbindung zu James Bond gibt es hier auch noch, denn Diane Cilento war Sean Connerys Ehefrau.

Bonus

Jede Menge interessante, erhellende und zumeist rückblickende Betrachtungen, die man aber besser erst nach dem Film genießen sollte, denn den sollte man so unvoreingenommen wie möglich betrachten, um sich von dem, was man zu sehen bekommt, überraschen – und, wenn alles gut geht, auch erschrecken – zu lassen. „The Wicker Man“ gibt es in drei Versionen, als Kinofassung, als Director´s Cut und als Final Cut, der als einziger eine deutsche Synchro hat.

OT: The Wicker Man (1973) – Synchro (2020)

Edward Woodward (Bernd Vollbrecht), Christopher Lee (Reinhard Kunhert), Britt Ekland (Marieke Oeffinger), Diane Cilento (Liane Rudolph), Aubrey Morris (Lutz Mackensy), Ingrid Pitt (Heide Domanowski), Russell Waters (Frank Glaubrecht), Doland Eccles (Lothar Blumhagen)

Regie: Robin Hardy

The Fazit Man

Der Kultstatus ist durchaus gerechtfertigt. Es ist in gewisser Weise ein brillanter Krimi, der sich kurz vorm Ende in einen Horrorfilm verwandelt. Brillant insofern, weil er genau das macht, was ein guter Krimi machen sollte und was man erst wirklich zu würdigen weiß, wenn man die Auflösung kennt, denn dann sieht man, das alles funktioniert, denn der Film gibt einem alle Hinweise, sagt einem genau, was passieren wird, präsentiert einem die Antwort… nur, dass man sie nicht entschlüsseln kann – aber am Schluss passt alles zusammen, genau, wie sich das gehört. Der Weg dorthin ist ein wenig verstörend, aber genau das macht auch seinen Reiz aus. Ab 17.4.2022 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Carnal Knowledge / 50th Anniversary Edition / Blu-ray

Die Kunst zu lieben

Zwei sehr unterschiedliche Freunde, Frauen – und das Thema Sex…

Gute Unterhaltung… über Sex

Zu Beginn ist es ein wenig merkwürdig, dass sich zwei Leute, die offensichtlich weit über 30 sind, unterhalten, als wären sie die Art Schüler, die sie darstellen sollen und offen und herzlich über ihr hoffentlich bald stattfindendes erstes Sexerlebnis sprechen, doch später bewegen wir uns ein wenig in der Zeit, so dass das Ganze im Nachhinein doch einen Sinn ergibt. Weit überraschender ist dann allerdings, wie

Überraschend offen

das alles ist, besonders für einen amerikanischen Film. Käme er aus Frankreich, würde man sich keine Gedanken machen, aber bei etwas aus dem prüden Amerika, wo schon beim zweiten Auftauchen des Wortes „fuck“ alles, zumindest gefühlt, eine Altersstufe nach oben versetzt wird, da ist man dann schon verwundert, wieviele unschickliche und dort offensichtlich „jugendgefährdende“ Vokabeln gebraucht werden… obwohl das nur ein Rückschluss aus der deutschen Fassung ist, die mit derlei Wörtern nicht geizt. Es wird viel, eigentlich fast nur, gesprochen, wobei Sex eine extrem große Rolle spielt – und wenn man mal einen Vergleich zu aktuellen Produkten zu diesem Thema herstellen möchte, sowas wie die „After Passion/Love/Abortion/Suicide“ (o.ä.) Filme, dann muss man attestieren, dass dies hier weit mehr Gehalt hat und die Bereiche Sex und Leidenschaft, wie gesagt, weit offener – und damit auch interessanter – bearbeitet. Kindgerecht wird es dadurch allerdings nicht.

Ein Langer Weg

Interessant ist die deutsche Besetzung für Jack Nicholson. Bei dem kristallisierte sich zu dieser Zeit als Stammsprecher Manfred Schott heraus, der „Star Trek“-Fans als erste deutsche Stimme von Dr. „Pille“ McCoy bekannt sein sollte. Statt ihm hört man hier aber Norbert Langer, der später mit Tom Selleck und Burt Reynolds zwei der bekanntesten Schnauzbartträger der Film- und Fernsehgeschichte seine Stimme lieh und in letzter Zeit eher auf Briten abonniert zu sein scheint – was er beides absolut super macht, fraglos auch der Grund dafür, dass er „Magnum“ sowohl für die ARD als auch später nochmal für RTL sprach. Ein Jahr später, 1972, hörte man ihn allerdings für Dustin Hoffman – der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls als Stammsprecher Manfred Schott hatte. Irgendwie merkwürdig – aber Langer macht hier seine Sache auf Nicholson ausgesprochen gut und passt perfekt.

Bonus

Jean-Baptiste Thoret über den Film.

OT: Carnal Knowledge – Die Kunst zu lieben (1971)

Jack Nicholson (Norbert Langer), Candice Bergen (Traudel Haas), Art Garfunkel (Uwe Paulsen), Ann-Magret (Eva Pflug)

Regie: Mike Nichols

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Carnal Fazit

Sprechen wir über Sex – für die damalige Zeit und einen amerikanischen Film überraschend offen und mit weit mehr Substanz, als heutige Machwerke in dieser Richtung. Ab 21.4.2022 auf DVD und Blu-ray.

Kino: STASIKOMÖDIE

Familie reagiert überrascht, als Mann in seine Stasi-Akte schaut und dann zieht sein Leben an unseren Augen vorbei…

Nomen und so

Um es höflich auszudrücken: Der Begriff Komödie preist etwas an, das dann irgendwie nicht so wirklich geliefert wird. Es sei denn, und das ist ein großes Fragezeichen, man war damals dabei, also vielleicht nicht unbedingt bei der Stasi, aber in der DDR und vielleicht trifft das hier dann alles voll den Punkt und man fühlt sich an die gute, alte Zeit erinnert, juppdidu? Sonst mag es aber in Sachen Humor ein weniglich schwierig werden, weil… kaum lustig.

Die Liebe zur Stasi“

wäre vielleicht ein treffenderer Titel gewesen, denn es geht um Liebe und Hippietypen und all sowas, ums Schreiben und Berichte über Leute und was fehlt sind nur scharfe Spitzen, herrliche Übertreibungen und eiskalte Satire, also alles, was man bei einem solchen Thema gebraucht hätte. Zudem ist es immer ein ganz klein bisschen schwierig, wenn die großen Bösen, seien es Nazis, seien es Stasileute, als lächerliche Deppen dargestellt werden, nicht, weil es deren großartige Arbeit verunglimpft, sondern weil es eine Lächerlichkeit vortäuscht, wo eigentlich Angst und Mord geherrscht haben. Verniedlichung einer massenmörderischen Gefahr, muss ja nicht sein.

Mit

David Kross, Jörg Schüttauf, Antonia Bill, Deleila Piasko, Henry Hübchen, Matthias Mosbach, Christopher Nell, Karl Schaper, Eric Spiering, Margarita Broich, Tom Schilling, Detlev Buck, Steffi Kühnert, Uwe Dag Berlin, Bernd Stegemann, Robert Stadlober, Alexander Scheer, Karsten Speck u.v.m.

Drehbuch & Regie: Leander Haußmann

Fazitkomödie

Definitiv am Titel vorbei und möglicherweise nur für Hardcorefans der DDR und/oder der Stasi wirklich ein Genuss? Ab 19.5.2022 im Kino.

Heimkino: Wild Republic (Staffel 1)

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter soll statt Gefängnis lieber eine kleine Tour durch die Berge machen, doch als jemand umgebracht wird, trifft man ein paar schlechte Entscheidungen…

Orange is the new Young

Wie bei der großartigen Knastserie bekommt man nach und nach die Vergangenheit der Straftäter:innen vorgestellt, so dass man weiß, warum sie dort gelandet sind, nur, dass die Gruppe hier nicht nur aus Frauen und Frau:innen besteht, sondern auch aus anderen… Geschlechtern. Da das alles

in einer tollen Naturkulisse

wie sie beeindruckender kaum sein könnte, spielt, mit Bergen bis zum Horizont, bekommt man nicht nur was fürs Auge geboten, es drängt sich einem auch der Verdacht auf, dass sich das Ganze ein wenig zu einem „Mörderischen Vorsprung“ entwickeln könnte, der ein großartiger Spielfilm mit Sidney Poitier und Tom Berenger war und ist und hiermit jed:er und jed:em em:pfohlen sei. In diesem Fall bleibt es eher bei Ansätzen, hier und da erinnert das Ganze dagegen ein bisschen zu sehr an „Der Herr der Fliegen“, wobei es, für alle Beteiligten, doch vielleicht keine schlechte Idee wäre, herauszufinden, wer denn für den Mord verantwortlich ist. Worin ein bisschen der Haken liegt oder hängt. Es wäre schöner, sinnvoller und auch spannender gewesen, genau darauf den Fokus zu legen, auf das Damoklesschwert, das über allen und allem schwebt und das immer droht, die kleine Gemeinschaft, die sie sich aufbauen wollen, zu zerstören: Es ist ein Mörder unter ihnen… und wer zum Henker ist das? Leider wird dieses Potential nicht genutzt.

Haken und Ösen

Schwierig ist auch die Betreuerin, die, wie man später erfährt, eigentlich eine Art Störung zu haben scheint, mit der sie diese Gruppe überhaupt nicht begleiten sollte, dann verschwindet sie lange Zeit aus der Serie, bis sie unvermittelt wieder auftaucht, alles Dinge, an denen man noch ein wenig hätte pfeilen können, ebenso wie die Sache mit „dem Unbekannten in der Gruppe“, was a) Potential für eine Menge Spannung gehabt hätte und den sie b) nach ihrem Auftauchen plötzlich als solchen entlarvt, obschon sie das c) ja wohl auch mal vorher hätte tun können. Hmmm.

Die Darsteller

sind gut gewählt, so dass man sofort weiß, wer wer ist uns was repräsentiert. Und dann ist da Béla Gábor Lenz, der auf eine nette Weise irgendwie an Malcolm McDowells Alex DeLarge aus „Ohrwerk Orange“ erinnert und den perfekten Sozio- und Psychopathen gibt, was schön schräg und bedrohlich ist.

Mit

Emma Drogunova, Verena Altenberger, Franz Hartwig, Ulrich Tukur, Merlin Rose, Rouven Israel, Béla Gábor Lenz, Maria Dragus, Camille Dombrowsky, Anand Batbileg, Aaron Altaras und Luna Jordan

Wild Fazit

Gut mit Abstrichen. Da wäre noch viel Potential für Spannung und Bedrohlichkeit gewesen – und auch wenn die Schlusspointe gut ist, das Drumherum, das man aufgebaut hat, passt eher leider nicht so ganz zum Rest und erscheint ein wenig übertrieben. Ansonsten aber ziemlich gute Unterhaltung. Ab 19.5.2022 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Infinite

Lebe unendlich

Sie wandeln unerkannt unter uns. Die Highlan- Die Menschen, die konsequent in andere Körper reinkarnieren. Doch es gibt gute und böse unter ihnen. Die einen wollen die Welt zerstören, die anderen haben einen Supermann, der all das verhindern könnte – würde er sich doch nur an alles erinnern…

Doctor Wholander

Irgendwie scheinen sich hier zwei (Film-)Welten zu treffen, und ein Hauch der Trill von „Star Trek“ schwimmt auch mit drin herum. Wesen, die wiedergeboren werden, in neuen Körpern mit altem Geist ihr Leben fortsetzen, nur, dass es da Fraktionen gibt, die dem ein Ende bereiten wollen, weswegen es ein ewiger Kampf bleibt. Natürlich hätte man ein wenig mehr ausloten können, wie das ist, wenn man von einem auf das andere Leben das Geschlecht wechselt, doch hier geht es weniger um Philosophie oder Physiognomie, sondern letztlich nur um Action, Kämpfe und nochmal Action. Wer also Freude an sowas hat, der sollte hier auf seine Kosten kommen.

Mo Tivation

Auch wenn vieles ein wenig bekannt und darob nicht zwingend originell erscheint, so muss man dann doch attestieren, dass zumindest die Motivation des Bösewichts, wenn man ihn, der alles Leben auf der Erde ausrotten möchte, denn so nennen möchte, durchaus nachvollziehbar ist. Er hat also tatsächlich einen guten Grund, das zu tun, was er da tun will… was man nun nicht unbedingt über aktuelle Bösewichte unserer Geschichte und deren Handlungen sagen kann.

Lichtblick

Das kleine Highlight des Films ist allerdings an einer anderen Stelle zu suchen… und auch zu finden. Freunde von Podcasts haben hier mal wieder die Gelegenheit, Jason Mantzoukas von How Did This Get Made zu sehen. Der verleiht dem Film nicht nur endlich die Lockerheit und den Humor, der ihm bis dahin weitgehend gefehlt hat, es ist auch eine seiner eher zurückhaltenderen Performances, weit weniger überdreht als sonst, was die Sache ausgesprochen und in jeder Hinsicht angenehm macht.

Bonus

Ein paar Einblicke in die Produktion.

Mit

Mark Wahlberg (Oliver Mink), Chiwetel Ejiofor (Torben Liebrecht), Tom Hughes (Arne Stephan), Jason Mantzoukas (Jan-David Rönfeldt), Rupert Friend (Armin Schlagwein), Toby Jones (Hans Hohlbein)

Regie: Antoine Fuqua

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazinite

Jede Menge Action – was will man mehr? Ab 24.3.2022 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD.