Heimkino: For Love Or Money

Eine unromantische Komödie

Als junger Mann herausfindet, dass ihn sein Jugendschwarm nur deswegen heiraten will, weil sie es auf Geld, das er bald bekommen wird, abgesehen hat, beginnt er, ihr das Leben zur Hölle zur machen, auf dass sie ihren Plan von sich aus fallen lasse…

UnRomCom

Der Untertitel sagt schon, was der Macher dieses Films vor Augen hatte, nämlich eine Art Gegenentwurf zu einer Romantischen Komödie – und größtenteils funktioniert das ganz ausgezeichnet. Hier und da gibt es zwar ein paar Dinge, die nicht ganz so treffsicher sind, wie z.B. den wiederkehrenden Kellner, aber vieles andere ist durchaus amüsant.

Grundgütiger guter Grund

Es gibt witzge Dialoge und allein schon die Grundidee, jemanden auf diese Weise dazu zu bringen, die ganze Sache abzublasen, ist ausgesprochen hübsch. So kann man durchaus Freude an dem bösen Spiel finden, da die Braut in Spe ja jederzeit aussteigen könnte und somit einzig und allein ihre Geldgier schuld an ihrer Quälerei ist. Einzig über das Ende könnte man streiten… aber das werden wir an dieser Stelle nicht tun.

Mit

Robert Kazinsky (Marc Schülert), Samantha Barks (Leoni Kristin Oeffinger), Anna Chancellor (Ela Nitschke), Ivan Kaye (Jürgen Holdorf), Rachel Hurd-Wood (Leonie Landa)

Regie: Mark Murphy

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

For Love of Fazit

Feiner britischer Humor und die Umkehrung des Themas Romantische Komödie zu Unromantischer Quälerei sorgen für wenig Liebe aber viel Vergnügen. Ab 22. Januar 2021 auf DVD.

Heimkino: Nord Nord Mord – Sievers und die tödliche Liebe / Sievers und die schlaflosen Nächte

Auch wenn sich kaum einer, der dort arbeitet, die Miete leisten kanm, so zieht es die Mörder offenbar auch weiterhin nach Sylt…

Nordsee ist Mordsee

Hat schon Hark Bohm gesagt und auch diese norddeutsche Serie nimmt sich dieser Aussage immer wieder an. Fälschlicherweise wird Sylt auch diesmal wieder als Insel bezeichnet, was ja etwas ist, das rundum von Wasser umgeben wird und was man eben nicht mehr ist, wenn man sich einen blöden Eisenbahndamm hin zum Festland baut, aber das ist auch schon das Negativste, was man hier anmerken kann… und ein Fehler, der außer mir niemandem auffällt… oder interessiert. Auch diesmal überzeugt die Serie durch eine Mischung aus

guten Fällen

und

einem sympathischen Ermittler-Team

bei denen beides angereichert ist

mit feinen Dialogen

Was will man mehr? Morde und Auflösungen sind gut konstruiert und meist bis zum Ende undurchsichtig, die Leute sind, von ein paar leicht nervigen Ausrutschern abgesehen, angenehm und können schlagfertige Texte ihr eigen nennen.

Mehr Meer

Wer schon einmal auf Sylt gewesen ist, der wird hier auch das eine oder andere wiedererkennen – und das ist in Zeiten, in denen man dank einer Pandemie mit ungewissem Ausgang an die eigenen vier Wände gebunden ist und möglicherweise auch im Sommer nicht für einen hübschen Trip ans Meer fahren kann, besonders nett, da man dann mit dieser Serie zumindest in Erinnerungen schwelgen und auf diese Weise ein paar der Ausblicke genießen kann, die uns ansonsten derzeit vorenthalten werden. Und da sagen manche, dass sich Verbrechen nicht lohnt…

Mit

Peter Heinrich Brix, Julia Brendler, Oliver Wnuk

Fat Fat Zit

Mord Ahoi! Ein netter Ausflug nach Sylt mit jeder Menge Verbrechen… also fast so wie in Wirklichkeit, nur mit besseren Dialogen. Ab 8. Januar 2021 auf DVD.

Heimkino: AGAINST ALL ENEMIES

Das Leben der Schauspielerin Jean Seberg…

Spannende Filmbiographie

Denn für gewöhnlich kann man sich Künstlerbiographien auch selber zurechtschnitzen, hier ein bisschen Drogen, da ein bisschen Alkohol, Absturz, Comeback, Selbstmord, schreibt sich von selbst, nur den Namen einsetzen und gut ist… diese hier ist völlig anders, denn sie ist eine Filmbio verpackt in einen

Spionagethriller

Was daran liegt, dass hier nicht nur die Seite der Schauspielerin selbst gezeigt wird, bei der ich aus dem Stand auch nur „Außer Atem“ mit Jean-Paul Belmondo und „Airport“ mit Burt Lancaster, Dean Martin und allem, was zu dieser Zeit Rang und Namen hatte, benennen könnte, sondern auch von der Seite der Personen, die sie überwachen. Wie sich herausstellt, war Frau Seberg nämlich politisch ausgesprochen interessiert, was zu Verwicklungen mit dem Staat geführt hat, die hier ausführlich beleuchtet werden. Unterstützt wird die gute Handlung von einem Ensemble von Schauspielern, die alle, Kristen Stewart eingeschlossen, super Arbeit leisten, was den Film zu einer runden und mehr als sehenswerten Sache macht.

Bonus

Zum Vergleich Szenen mit dem Original aus „Außer Atem“ und der Kopie für diesen Film, was interessant ist, aber stärker wäre, wenn es sich bei mehr als einer davon um die gleichen Szenen handeln würde, sowie ein Interview mit Kirsten Stewart.

OT: Seberg

Kristen Stewart (Vanessa Eckart), Anthony Mackie (Stefan Günther), Jack O’Connell (Louis Friedemann Thiele), Vince Vaughn (Stefan Fredrich), Margret Qualley (Leslie Vanessa Lil), Zazie Beetz (Jacqueline Belle), Colm Meaney (Thomas Rauscher), Yvan Attal (Philipp Moog), Stephen Root (Wolfgang Müller), Otto Preminger (Ekkehardt Belle)

Regie: Benedict Andrews

Jean Fazberg

Der Beweis dafür, dass auch Filmbiographien von Schauspieler/innen ausgesprochen spannend sein können und damit gleich in mehrfacher Hinsicht sehenswert. Ab 21. Januar 2021 als Video on Demand (Early-EST), ab 28.1.2021 auf DVD und Blu-ray





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Heimkino: EXIL

Mann aus dem Kosovo arbeitet bei einem größeren Unternehmen in Deutschland. Eines Tages findet er eine tote Ratte, die man bei ihm aufgehängt hat. Es bleibt nicht der einzige Zwischenfall und er beschuldigt seine Kollegen, ihn wegen seiner Herkunft zu mobben und zu schikanieren…

Enthüllerungen

Sandra Hüller spielt seine Frau und sie sagt etwas sehr treffendes, das ich mir seinerzeit, als sich der Friedmann Michel, gerade vom TV-Saubermann zum Normalo-Drecksack gefallen, gerne statt vorher als Ankläger nun als Opfer darstellen wollte, gedacht habe, nämlich:

Was, wenn die Leute dich nicht, wie du behauptest, wegen deiner Herkunft nicht leiden können, sondern schlicht deshalb, weil du ein Arschloch bist?“

Ich hätte mir gewünscht, dass das in diesem Film der Kern- und Angelpunkt gewesen wäre, das, um das sich alles dreht und das nun intensiv ausgeleuchtet wird. Warum tut man ihm das an? Herkunft oder Verhalten? Dass er das eine glaubt und vorschiebt, sich das andere aber mehr und mehr als wahr erweist… und sich dann vielleicht noch einmal alles wendet.

Unklare Linie

Leider bleibt der Film dieser Frage nicht treu und ergeht sich zu oft im Unklaren. Das mag seinen Charme haben, hier erscheint es aber eher kontraproduktiv, weil dadurch keinerlei Stellung bezogen wird. Es wird weder wirklich geklärt, wer ihm diese Dinge angetan hat, noch, warum. Und damit nimmt sich der Film leider seine eigene Bedeutung und all die interessanten Ansätze verlaufen sich im Nichts. Man hätte durch eine klare Linie soviel mehr mit dem Thema machen können. Zu zeigen, dass manches, was er für Rassismus hält, einfach nur ein Missverständnis ist, was zumindest in Ansätzen da ist. Sicher, mancheiner in seiner Firma behandelt ihn nicht gut, aber die Ermangelung eines anständigen Endes, bei dem zumindest ein paar Punkte geklärt sind und nicht weiterhin in der Luft hängen, verspielt eine Menge Potential.

Mit

Mišel Maticevic, Sandra Hüller, Rainer Bock, Stephan Grossmann, Uwe Preuss

Regie: Visar Morina

Fazil

Eine interessante Richtung, die sich aber dadurch viel von ihren Möglichkeiten nimmt, dass sie auf klare Antworten in einigen Kernpunkten leider verzichtet. Ab 22. Januar 2021 auf DVD.

Heimkino: MORTAL

Norwegen. Junger Mann, der verdächtigt wird, mit einem Feuer auf einer Farm ein paar Leute umgebracht zu haben, wird, nachdem er einen Jungen tötet, verhaftet. Eine junge Frau soll ihn befragen, doch nach und nach entwickeln sich merkwürdige Situationen…

Richtungswechsel deluxe

Was anfängt wie eine Art Serienkillerfilm, bei dem Kollege Killer möglicherweise übernatürliche Fähigkeiten sein Eigen nennt, wechselt immer mal wieder ein wenig die Richtung und stößt dabei nach und nach in spannende und ungeahnte Gebiete vor, die den meisten Zuschauern in letzter Zeit eher in einer amerikanisierten und disneyfizierten Form dargeboten wurden, die aber durchaus interessante Wurzeln haben. Gemeint ist die nordische Mythologie, unterfüttert von überhaupt einem möglichen Umgang mit Religion. All das entwickelt sich zu einer am Anfang so nicht unbedingt vorhersehbaren Auseinandersetzung mit spannenden Themen und führt den Beginn des Films tatsächlích zu einem stimmigen und sinnvollen Ende, so dass wirklich alles passt.

Der heimliche Star

Neben dem unheimlichen Star, der qua Handauflegen Menschen umbringen kann, rückt etwas anderes und, seien wir ehrlich, weit beeindruckenderes immer mal wieder in den Vordergrund: Norwegen! Es ist einfach ein tolles Land, was seine Landschaften und seine Natur angeht und an beidem kann man sich hier immer mal wieder ergötzen. Hin und wieder wird die Schönheit der Natur ein wenig im Regen ertränkt, aber das hat, wie wir erfahren, durchaus einen Grund…

Mit
Nat Wolff (Sebastian Fitzner), Iben Arkelie (Alice Bauer), Per Frisch (Dieter B. Gerlach), Priyanka Bose (Cornelia Waibel), Arthur Hakalathi (Constantin von Jascheroff)

Regie: André Øvredal

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Faztal

Immer schön, wenn sich etwas als nicht das herausstellt, was man am Anfang gedacht hat und so ändert der Film immer mal wieder seinen Kurs, wobei er aber konsequent auf ein Ziel zuhält, das er treffsicher erreicht, was durchaus befriedigend ist. Ab 22. Januar 2021 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: RUN

Du kannst nicht entkommen

© 2021 LEONINE/LIONSGATE

Tochter von alleinerziehender Mutter, stellt fest, dass ihre Mama ihr merkwürdige neue Medikamente mitgebracht hat und so versucht das auf den Rollstuhl angewiesene und auf ihr abgelegenes Haus beschränkte Mädchen herauszufinden, was gerade passiert…

Wissen ist Macht, Unwissenheit ist Spaß

Deshalb sollte man auch hier nicht mehr über den Inhalt wissen als das, denn alles andere wird sich vor den eigenen Augen entfalten, so, wie sich das bei einem guten Film gehört. Und das ist er und das tut es. Möglicherweise hat man am Anfang schon einen kleinen Verdacht, aber nach und nach entwickelt sich alles und es ist die Unwissenheit, sowohl seiner Hauptfigur als auch des Zuschauers, aus der er geschickt und erfolgreich seine Spannung zieht. Es ist eine Reise, die sich lohnt und so kann man ab dem ersten Verdacht mit dem kranken Mädchen mitfiebern und hoffen, dass sie erfolgreich sein wird…

Mittiger Höhepunkt

Es ist sowohl ein seltenes Gut als auch immer toll, wenn sich in einem Film clevere Leute clever verhalten. Genau das haben wir hier auch, was besonders eindrücklich – und ausgesprochen befriedigend – wird, wenn das Mädchen etwa in der Mitte des Films eine Art Exkursion macht. Dabei hat sie etwas dabei und den Mund stets geschlossen, als hätte sie etwas darin und man fragt sich, was das wohl ist und warum sie das macht – und dann nutzt sie das, was sie dabei hat, es ergibt Sinn und es ist einfach toll, dass es jemanden gibt, der das durchdacht und umgesetzt hat (und man hofft, dass es auch wissenschaftlich korrekt ist), Einfach schön… was auch für das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen Kiera Allen und Sarah Paulson gilt, die vom Anfang bis zum Ende absolut überzeugen.

Bonus

Interviews mit Cast und Crew, in denen man erfährt, was sie an diesem Projekt so begeistert hat und wo die Inspirationen lagen.

Mit

Kiera Allen (Marie Hinze), Sarah Paulson (Ulrike Stürzbecher), Sharon Bajer (Daniela Hoffmann), Tony Revolori (Frank Schaff). Pat Healy (Karlo Hackenberger), Sara Sohn (Tina Haseney), BJ Harrison (Joseline Gassen)

Regie: Aneesh Chaganty

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit… du kannst ihm nicht entkommen

Spannend, clever, gut gespielt, wendungsreich und in jeder Beziehung ausgesprochen befriedigend. Watch, don’t run! Ab 15. Januar 2021 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: MAX UND DIE WILDE 7

© 2021 LEONINE

Junge kommt auf eine Burg, die auch als Altenheim dient, da dort seine Mutter arbeitet. Mit den Jungs in seiner Klasse kommt er nicht so gut klar, doch als es in dem alten Gemäuer zu Einbrüchen kommt, lernt er nicht nur „die wilde 7“ kennen, sondern auch, wie man einen Kriminalfall auflöst…

Emil und die Detektive“ trifft „Jim Knopf und die wilde 13“

Eine Aussage, bei der beide Aussagen mehr oder weniger unrichtig sind, zumal die 7 ihrer Zahl keinerlei Ehre machen, jedenfalls nicht, was ihre Anzahl angeht, doch gegen Ende der Geschichte erklärt sich der Name für das Trio geistig fitter Rentner, die hier ihren Lebensabend fristen. Man könnte auch sagen

Krimi für Kinder und Jugendliche

und läge damit ziemlich richtig. Kindgerecht sind die Themen, was heißt, dass sich der angehende Detektiv nicht mit Mördern herumschlagen muss, aber auch die Auflösung ist der jungen Zielgruppe durchaus angemessen. So erhält man einen netten Krimi, der in sich durchaus stimmig ist, gewürzt mit dem Ärger, den sich Schulkinder ab und an bereiten und einer stark mit farbigen Metaphern durchzogenen Sprache.

Anspielungen auf jüngere Tage

Uschi Glas war mal ein heißer Feger… und irgendwie ist sie das immernoch. Hier spielt sie eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, bei der sich reale und fiktionale Gestalt eine Filmographie teilen, da die Figur vorgibt, einige Rollen der Glas gespielt zu haben, z.B. das Halbblut Apanachi aus den Winnetou-Filmen. Das macht den Anspielungsreigen zu einem netten Suchspiel für Filmkenner, bei dem sie es sich nicht nehmen lässt, auch einen Hinweis auf ihren vielleicht bekanntesten Film zu bringen. Zu Sache, Uschi!

Bonus

Ein Blick hinter die Kulissen und ein Audiokommentar mit allen Beteiligten, die ein paar Einblicke vermitteln.

Mit

Jona Eisenblätter, Uschi Glas, Günther Maria Halmer, Thomas Thieme, Alware Höfels

Regie: Winfried Oelsner

Max und das wilde Faz7nt

Netter Krimi für die jüngere Generation, bei dem es jede Menge Anspielungen für die ältere gibt. Ab 15. Januar 2021 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: DARK JUSTICE – Du entscheidest!

Gruppe von Nerds entführt Gruppe von Industriespitzen und präsentiert diese, eingeschlossen in einem Raum via Internet, wo sie sich ihren Verbrechen stellen sollen…

Ökothriller

Der Grundgedanke ist richtig und wenn einem die Welt, in der wir leben, oder vielmehr die ganze Welt, nicht völlig egal ist, dann würde man sich schon wünschen, dass mal irgendjemand hingehen und eine Ansammlung von megareichen Entscheidern mit dem, was sie so an

Verbrechen an der Menschheit

geleistet haben, konfrontieren und zur Rechenschaft ziehen würde, doch irgendwie wird das, was wir im Film zu sehen bekommen, eher ein Wunschtraum bleiben. Leider inszeniert er sich auch ein wenig an Aussage und Thema vorbei, indem er den Aspekt von Entführung, Suche nach den Entführern und all diesen Kram zu sehr in den Vordergrund stellt und sich Zeit lässt, bis man überhaupt erstmal erfährt, warum man diese Gruppe Arschgesichter überhaupt eingesperrt hat. Die Bilder, mit denen er endet, die erwähnten Verbrechen, die systematische Zerstörung und Verschmutzung der Umwelt, damit hätte man anfangen sollen, dann einen kleinen Teil der Urheber und Profiteure dieses Problems auftreiben und an ihnen die gezeigte Wunschvorstellung ausleben, die ja auch beinhaltet, dass Verhalten neuerdings auch Konsequenzen hat, was das alles in der Tat zum Märchen abstempelt. Zwischenzeitlich hätte man dann ein wenig die Realität durch die Fiktion hindurchschimmern lassen können und, da dies ja nur fiktionale Figuren und Konzerne sind, andeuten, wer in unserer wirklichen Wirklichkeit dafür verantwortlich ist… und vielleicht eine Andeutung in die Richtung machen, was man vielleicht mit diesen Firmen und Leuten tun sollte. Damit wäre man weit mehr auf den Punkt, als es der Film ist – und in Sachen Nachhaltigkeit wäre das möglicherweise gar nicht so verkehrt gewesen.

OT: Justice dot Net

Martin McCann (Daniel Schlauch), Désirée Nosbusch, Pascale Bussières (Claudia Urbschat-Mingues), Philippe Duclos (Joachim Tennstedt), Astrid Ross (Jazqueline Belle), Sean Gleeson (Thomas Wenke). Yves Jazques (Dieter Memel), Mai Duong Kieu (Shandra Schadt), Jonathan Harden (David Riedel), Danny Ashok (Johannes Wolko)

Regie: Pol Cruchten

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Dark Faztice

Der Grundgedanke ist richtig, an der Umsetzung hätte man aber noch feilen können, da sie zu sehr einige der Figuren sowie den kriminellen und kriminalistischen Aspekt in den Vordergrund rückt, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was der Titel verheißt, die Gerechtigkeit nämlich – oder vielmehr die Forderung danach. Ab 14. Januar 2021 auf DVD und Blu-ray.

STAR TREK: PICARD kommt ins Heimkino, Teil 2

Viele Jahre nach dem letzten Abenteuer, bei dem Captain Picard und seine Crew gegen Picards eigenen Klon Shinzon gekämpft haben, spielen auch wieder die Romulaner eine große Rolle im Leben des Kapitäns a.D. …

Von Trek-Kennern mit dem Blick fürs Detail gemacht…

…ist „Star Trek: Picard“ leider nicht. Was vielleicht ein wenig damit zu tun hat, dass sich keine einzige Figur so verhält, wie man es von ihr kennt, der Titelcharakter eingeschlossen. Die Kollegen vom für „Star Trek“-Freunde sehr zu empfehlenden (englischsprachigen) Podcast „Inglorious Treksperts“, von denen einer, Daren Dochterman, hier im Zusatzmaterial zu sehen ist, sagen immer wieder gerne, und zu recht, dass William Shatner seinen Kirk von Anfang an perfekt verkörpert hat. Leonard Nimoy brauchte ein wenig, um seinen Spock zu finden, aber Shatner war von seinem ersten Auftritt an Kirk – und blieb es, mit einem Ausrutschter in „Star Trek: Der Film“, wo sich Kirk erst selbst wieder finden musste, bis zu seinem Ende in „Star Trek: Generations“. Ein bisschen (komplett) anders verhält es sich da bei Captain Picard. Was weniger am Spiel Patrick Stewarts liegt, sondern quasi an allem. Picard ist zu Beginn bei TNG ein ruhiger Diplomant, der Probleme mit Kindern hat und eine gewisse Distanz zu seinen Untergebenen hält. Sobald es die nächste Generation aber auf die Leinwand schafft, tritt ein völlig anderer Picard zutage. In der Serie hätte er alles mit den Borg ausdiskutiert, hier aber empfiehlt er, borgifizierte Besatzungsmitglieder direkt kalt zu machen. Aus dem Redner wird ein soziopathischer Actionman, der mit Gewehren auf Gegner ballert und mit dem Strandbuggy durch die Dünen brettert. Insofern… warum sollten wir jetzt eigentlich überrascht sein, dass der Picard von „Picard“ eigentlich mehr wie Stewarts Rolle Professor Xavier aus den X-Men-Filmen wirkt als wie der kühle Kommandant der Enterprise? Und überhaupt, wie glaubwürdig ist eigentlich jemand, der seinen eigenen Namen falsch ausspricht?

Das D ist stumm

Nicht das der Enterprise D, aber das am Ende von Picard. Zumindest im Französischen. Wo er ja eigentlich her kommt, der gute Mann. Doch sieht man ihn im klingonischen Original, äh, nein, das ist ein Zitat aus „Das unentdeckte Land“, sieht man ihn im englischen O-Ton, dann hört man von jedem, der diesen Namen ausspricht, das PicarD D gut heraus. Und da gibt es immernoch genug Heulsusen, die darauf rumhacken, ach wie schlecht doch die deutsche Fassung von „Star Trek“ ist, aber mit keinem Wort erwähnen, dass die einen elementaren Fehler des Originals korrigiert. Wie dem auch sei, wenn man sich viele, viele Jahre zu intensiv mit „Star Trek“ befasst hat, dann fällt es einem irgendwann schwer, einfach mal zu akzeptieren, dass das

nur eine Fernsehserie

ist (ja, „Galaxy Quest“, da habt ihr völlig recht). Sowas kann man konsequent und mit korrekter Kontinuität machen… ist aber nicht immer der Fall. Und auch wenn man das Trek bis hierher betrachtet und genau unter die Lupe nimmt, dann finden sich da durchaus Unstimmigkeiten (gab es in den 90ern wirklich einen Eugenischen Krieg und ist ein gewisser Khan Noonien Soong da mit einem Raumschiff entfleucht???), also muss man sich ab einem gewissen Punkt zwingen, zu sagen: Was solls? Ja, Picard hat sich verändert. Tun manche Menschen. Sagen wir einfach, sein Zangsaufenthalt bei den Borg seinerzeit hat nicht unbedingt zu einem Stockholmsyndrom geführt. Was die Sternenflotte angeht… okay, die besteht dann jetzt komplett aus Arschlöchern. Die gab es früher vereinzelt, ja. Der Admiral in DS9, der einen Putsch machen wollte, um an die Macht zu kommen und die Erde vor den Formwandlern zu schützen. Doch, solche Leute gab es. Selbst Captain Sisko hat unfeine Dinge getan, um dafür zu sorgen, dass die Romulaner am Krieg gegen das Dominion teilnehmen (in der glorreichen Folge „In the Pale Moonlight“, sehr zum empfehlen!). Überhaupt, mögen einige jetzt einwänden, die Zukunft, die in DS9 gezeigt wird ist düster, entspricht die überhaupt noch der strahlenden, positiven Zeit, die uns

Gene Roddenberry

versprochen hat? Die Antwort ist… naja, hmm, sagen wir mal so: Dort wird noch darum gekämpft, das Positive an der Zukunft zu erhalten. Der Kern, der Grundgedanke ist da, aber es herrscht Krieg und man muss ihn verteidigen. Bei „Picard“ ist dieser Zug aber bereits abgefahren. Die Zukunft ist im Arsch, Roddenberrys Vision einer positiven Menschenheit das Klo runtergespült. Wie das Jahr 2020, um da mal eine Parallele aus der näheren Vergangenheit zu ziehen. Am Ende von einem der JJ-Filme, ich glaube, „Into Dumbass“, sitzen die Kadetten in grauen Uniformen vor dem Space-Reichstag, während sich vor ihnen eine Enterprise mit riesigem Hakenkreuz erhebt… okay, war vielleicht nicht ganz so, wirkt aber so, als würde das passen, wenn man es sieht – und genau dazu ist die Sternenflotte jetzt geworden, einem Haufen fremdenfeindlicher Arschlöcher. Aus „Paradise lost“ wird in gewisser Weise „Paradise gone“, denn von der Vision, dem Positiven, dem Guten, ist nicht mehr viel übrig. All das ließe sich allerdings besser schlucken, wenn die Serie darauf abzielen würde, zu dem Positiven Roddenberrys zurückzukehren, dafür zu kämpfen, es neu zu erschaffen… Doch leider bleibt das aus.

Keine Fortsetzung von NEXT GENERATION!“

Sagt kein geringerer als Patrick Stewart im Zusatzmaterial. Dort werden auch die Parameter erwähnt, dass gewisse Dinge nicht und wenn, dann nur mit gutem Grund auftauchen sollten, z.B. Picard in Uniform. Aber gehen wir doch mal ein bisschen in medias res…

Spoiler… hätt ich vielleicht schon früher schreiben sollen?!

Es geht eigentlich ganz vielversprechend los. Der gealterte Captain wird mit einem Mysterium betraut, muss sich eine Crew zusammensuchen und eine Aufgabe lösen. Leider fängt es schon damit an, schade zu werden, dass man zwei interessante Charaktere, nämlich die beiden Romulaner, die bei ihm eingezogen sind, daheim lässt und stattdessen mit der Nerdin, der Drogenkranken und dem Han Solo Abklatsch auf große Fahrt geht. Letzterer hat dann in der deutschen Fassung auch, der Figur entsprechend, Leonhard Mahlich, der auch für den anderen Han Solo Abklatsch Chris Pratt bei den „Guardians of the Galaxy“ zu hören ist und den Synchronregisseur Björn Schalla gerne und gerne für solche Rollen besetzt, Zu den genannten Figuren gesellen sich dann noch der Samurai Romulaner und der Hipster Romulaner, was uns zu dem Problem bringt, dass hier aber auch kein einziger Romulaner wie ein solcher wirkt, aussieht oder sich so verhält. Man kann einwänden, dass das ein Volk von Geheimniskrämern ist, aber die haben in den verschiedenen Serien durchaus eine Identität und einen Stil gehabt, die man hier vergeblich sucht.

Buffys Höllenschlund

Hinzu kommt, dass offenbar die gesamte Romulanische Administration ziemlich lahmarschig ist, um es mal höflich zu sagen. Denn, wie wir hier, nach mehr als 50 Jahren STAR TREK erfahren, hat das Volk mit den spitzen Ohren eine Aversion gegen Maschinenwesen und künstliche Intelligenz… und hat dann aber doch gewartet, bis die Menschenheit einen Weg gefunden hat, eine Sklavenarmee von Androiden zu erstellen, anstatt das Ganze schon im Ansatz zu ersticken, indem man Kollege Data mal eben aus dem Universum geblasen, die restlichen Soongs aufgespürt, mit ihnen das gleiche gemacht und damit das Problem gelöst hätte. Spätestens beim letzten Film der Next Generation-Mannschaft wäre das mit Shinzon durchaus eine Option gewesen. Stattdessen aber schaut man zu, wie die Menschenheit das macht, gegen das sich Picard, Data und der hier wieder auftauchende Bruce Maddox seinerzeit bei TNG ausgesprochen haben, nämlich doch eine künstliche Lebensform zu Sklavenzwecken heranzuzüchten… nicht, dass sie das nicht schon mit nicht so doll funktionierenden Hologrammen machen würden, wie uns „Star Trek: Voyager“ gezeigt hat. Ja, die Föderation ist schon ein Haufen Arschlöcher, irgendwo stimmt das schon. All das führt nun aber dazu, dass man im Finale statt eines blauen einen roten Strahl in den Himmel schießt, auf dass sich ein Portal öffne und wie aus Buffys Höllenschlund mechanische Tentakelwesen hervorkommen… das ist… schwierig.

Sehen nicht wie Schweden aus

Dinge, die nicht wirklich eine Funktion haben, sind… überflüssig? Wir haben hier einen Borgwürfel, wir haben Seven of Nine, wir haben einen Borg, der Picard Locutus nennt. Ja, Leute, das sind die Dinge, die beim Brainstorming zum Thema Borg rauskommen, euer Job wäre es gewesen, dann auch was draus zu machen. Aber das entfällt leider. Hätte man herausgearbeitet, dass die Romulaner den Würfel untersuchen, um künstlichem Leben auf die Spur zu kommen, dann hätte es da einen Grund gegeben. Ach, wäre es nicht toll gewesen, wenn sich daraus ein Konflikt ergeben hätte, in dem die Borg selbst eine Rolle gespielt hätten, z.B., ob sie sich den Spitzohren anschließen oder für die Mechatentakel aus einer anderen Dimension sind?! Ein paar Borg hätten in Picard ihr altes Sprachrohr wiedererkennen und er hätte das ausnutzen können. Doch nichts dergleichen, das Ding ist da, wird aber außer als Bus nicht wirklich verwendet, was heißt, dass man es auch anders hätte lösen können, wodurch das Ganze eigentlich eher wertlos ist.

Korrektur der Dummheit

Die Serie geht übrigens auf Ereignisse aus dem ersten JJ Abrams-Film „Star Trek“ (ja, kein Untertitel oder sowas) ein, korrigiert aber ein wenig den Schwachsinn, der dort ausgesprochen wurde. Spock faselt da nämlich etwas von „einer Sonne, die zur Supernova wird und die Galaxie bedroht“. Jjjjja, irgendjemand wird inzwischen nachgeschlagen haben, dass das Blödsinn ist und nun spricht man von „der romulanischen Sonne“, was weit mehr Sinn ergibt.

Moderner und gleichzeitig nicht zeitlos

Man kann darüber streiten, wie zeitlos STAR TREK bis zu diesem Zeitpunkt war. Die Kleidung, oder das Ausbleiben davon, in den 60ern war schon ein wenig speziell… aber es war keine Mode von der Stange. Alles war ein wenig gekünstelt, künstlich, was man auch von der Sprache sagen kann. Hier nun aber versuchen die Macher total hip zu sein, was in Sachen Zeitlosigkeit komplett nach hinten losgeht. Man hat bei Trek noch nie so viele Reißverschlüsse und Knöpfe gesehen und Picards Tropenanzug in der romulanischen Kolonie sieht aus wie von C&A, inklusive Hut. Auch Rafis E-Zigarette, Rios dicke Zigarre und Tatoos, all das zeigt nicht, in welcher Zeit die Serie spielt, sondern nur, in welcher sie entstanden ist. Das mehrfache „fuck“ wird dem deutschen Zuschauer vorenthalten, aber wenn eine romulanische Agentin den Begrif „freakig“ gebraucht, löst sich die Zeitlosigkeit in Luft auf. Hinzu kommt das Innere der Raumschiffe, das eher den Designs von „Star Trek: Discovery“ entspricht – und auch da fehl am Platze ist. Ein Schiff mit einem riesigen, ungefüllten Innenraum ist nicht nur Verschwendung, es kann sich auch im Falle eines Hüllenbruchs als ungemein nachteilig erweisen, wenn dann gleich mal das gesamte Innere dekomprimiert. Nett ist zwar, dass Rafi ihren Trailerpark Wohnwagen dort hat, wo man die Classic-Episode „Arena“ gedreht hat (die mit dem Gorn), und der Fan weiß das auch, aber dann kann man das doch trotzdem mit einem klitzekleinen Satz ansprechen,

Uninspirierte Effekte

Der Endkampf scheint dann von den gleichen Dumpfbacken zu stammen, die schon bei „Star Wars: Der Ausstieg Skywalkers“ dachten, dass es unheimlich geil und cool ist, wenn man das selbe Schiff einfach 5000 mal kopiert und damit den Bildschirm vollkleistert. Passiert hier auch, sowohl mit der romulanischen als auch der Sternenflotten Flotte, was bestenfalls langweilig, schlicht aber auch einfallslos aussieht.

Bonus

Jede Menge Featuretten, für jede Episode eine, sowie ein Audiokommentar, in denen man einiges über die Produktion erfährt, aber auch darüber, für was für große Fans von „Star Trek“ sich einige der Beteiligten halten.

Where No Fazit Has Gone Before…

Ein völlig anderer Picard als man ihn kennt, eine völlig andere Sternenflotte, Föderation, Galaxie. Für Freunde des klassischen „Star Trek“, also allem, was vor JJ Abrams Filmen geschaffen wurde, können die Versionen von „New Trek“ ein bisschen schwierig sein, weil sie einen Titel tragen, dessen Inhalt und Gedankengut, dessen Einstellungen und Vorstellungen sie nicht widerspiegeln. Bei „Star Trek: Picard“ stimmt so gesehen keins der Worte, da es weder das eine noch das andere ist. Aber es gibt, so hört man immer wieder, Menschen, die trotzdem daran ihre Freude haben. Also wenn man nicht seit Jahrzehnten mit Trek indoktriniert wurde oder man auch mal fünfe gerade sein lassen kann („Da sind VIER Lichter!“… Anspielung auf andere Zeiten), dann kann man „Picard“ als eine Serie sehen, die eigentlich sehr vielversprechend anfängt, dann aber ein bisschen an der Unfähigkeit der Autoren scheitert, Dinge, die sie eingeführt haben, auch angemessen zu benutzen, Dinge allgemein zu durchdenken und dann zu einem sinnvollen Ergebnis zu führen. Trek-Fans werden hier keine ihrer lieb gewonnenen Figuren wiedererkennen, vom Aussehen her schon, aber nicht von dem, was sie tun und wie sie sich verhalten. Das Ganze ist durchaus unterhaltsam, hätte aber auch durchaus ausgefeilter sein können. Aaaaaaber…

TRIGGER WARNUNG:

Das Thema Selbstmord wird in dieser Serie in Wort und Bild mehrfach angesprochen. Bei wem das etwas auslöst, der sollte vielleicht lieber den ersten Kontakt meiden.

Ab 14. Januar 2021 auf DVD und Blu-ray.

STAR TREK: PICARD kommt ins Heimkino, Teil 1

Jean-Luc Picard, ehemals Captain der USS Enterprise…s D und E, um genau zu sein, hat sich auf das Weingut seiner Familie zurückgezogen. Doch wie es das Schicksal so will, wartet ein neues Abenteuer auf ihn – oder kommt vielmehr vorbei, um ihn abzuholen…

Trivia Trek

Beginnen wir mit ein bisschen unnötigem Fachwissen… bevor wir uns noch unnötigerem noch Fachigerem Wissen stellen, eine Entscheidung, die der Tatsache geschuldet ist, dass dieser Artikel einfach unausgeufert lang geworden ist. Patrick Stewart hat an dieser Stelle Colm Meaney überholt, liegt aber noch immer weit hinter Michael Dorn zurück. Bis zu „Picard“ war Meaney nämlich der einzige Schauspieler, der in zwei Pilotfilmen und Serienfinalen einer „Star Trek“-Serie zu sehen war, „The Next Generation“ und „Deep Space Nine“. Stewart ist nun ebenfalls in zwei Finalen dabei, aber auch in drei Pilotfilmen (TNG, DS9, Picard). Kaum einholen können wird er aber Michael Dorn, der nach 7 Staffeln TNG noch 4 Staffeln DS9 ansammelte und damit der Schauspieler sein dürfte, der in mehr Folgen mitspielt als jeder andere. In fast jeder Serie zu sehen ist allerdings jemand anders: Jonathan Frakes. Abgesehen von TOS, also der klassischen „Star Trek“-Serie tritt er nur in „Star Trek: Discovery“ nicht in Erscheinung… obwohl er da sicher irgendwann mal Regie geführt hat. Und ja, sein Auftritt bei DS9 ist eigentlich Thomas Riker, aber das ändert ja nichts an dem, der ihn spielt.

Von Trek-Kennern mit dem Blick fürs Detail gemacht…

…ist die Synchro. Da, und wir wissen, dass das in der Geschichte dieses Franchise in Deutschland auch nicht immer so der Fall war, hat man sich wahrlich Mühe gegeben. Blicken wir ganz zurück, als das ZDF, nachdem es nach der Hälfte der Episoden „Raumschiff Enterprise“ mit der Ausstrahlung aufhörte, stattdessen sinnloserweise die Zeichentrickserie kaufte… und in der deutschen Fassung keinen einzigen der Stammsprecher besetzte (außer Klaus Miedel für Harry Mudd, aber das wird wohl reiner Zufall gewesen sein, dafür aber mit Rolf Schult für Captain Kirk…) und das ganze mit bestenalls als bescheiden zu bezeichnenden Dialogen unter dem Titel „Die Enterprise“ auf den Zuschauer losließ. Dann kam irgendwann der erste Kinofilm, wo man es schaffte, mit Ausnahme von Fred Klaus für George Takeis Sulu wirklich alle Sprecher der ZDF-Fassung zu reaktivieren, was sich aber schon ab dem zweiten Film, dem „Zorn des Khan“, für viele der beste „Star Trek“-Film überhaupt, ändern sollte, wo dann nicht nur die leider verstorbenen Sprecher/in/nen für McCoy und Uhura (Manfred Schott und Rose-Marie Kirstein) ersetzt wurden, sondern auch statt dem phantastischen Gerd-Günther Hoffmann nun Klaus Sonnenstein aus William Shatners Kirk sprach. Im Laufe der Jahre gab es ein Hin und Her, das wir hier gnädigerweise überspringen wollen, und dann kam

Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“

auch bekannt als „Star Trek: The Next Generation“. Zunächst erschienen ein paar Episoden auf Video mit einer Synchronisation aus Hamburg (dort sprach Peter Aust, der u.a. Nigel Hawthorne in der Serie „Yes, Minister“ und Edward James Olmos in „Miami Vice“ seine Stimme lieh, Patrick Stewart), als sich das ZDF dann dazu entschied, auch diese Serie einzukaufen, aber auf keinen Fall vollständig zu zeigen (man erkennt hier eine Art Muster), wurde in Berlin komplett neu besetzt und synchronisiert. Dabei schenkte man uns Michael Pan für Brent Spiners Data, der die Figur perfekt einfing und, zusammen mit dem Androiden, einer der wenigen Lichtblicke war, die einen durch die etwas mauen ersten Jahre brachte – und der der einzige ist, der im Laufe der nachfolgenden Jahre auf seinem Schauspieler nie umbesetzt wurde! Hinzu kam jemand, dessen Namen wir eben schon gelesen haben, allerdings für einen anderen Charakter im „Star Trek“-Universum: der wunderbare Rolf Schult für Patrick Stewart als Captain Picard. Schult war u.a. der Stammsprecher für Robert Redford, passte aber auch grandios als Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ auf Anthony Hopkins. Nun, wie bereits versprochen zeigte das ZDF die Serie nur bis zum Beginn der vierten Staffel, danach sprang SAT1 in die Bresche, die das gleiche bereits bei „Raumschiff Enterprise“ gemacht hatten und bei denen man tatsächlich darauf achtete, so viele der Ursprecher wie möglich zu bekommen. Bei der „Next Generation“ gelang das eher so halb, bei den Frauen gar nicht, bei den Männern bei allen bis auf… Captain Picard höchstselbst. Ich meine, einmal gelesen zu haben, dass Rolf Schult zu diesem Zeitpunkt in Nordrhein-Westfalen lebte und da man gewillt war, so viel Material am Stück wie möglich zu synchronisieren, was man dann auch tat, hatte man doch einiges nachzuholen, hätte das etwa ein Jahr Trennung von zu Hause bedeutet, was für den auch im Theater tätigen Schauspieler wohl zu diesem Zeitpunkt nicht so erstrebenswert war.

Der neue Picard

Also suchte und fand man jemand neuen, der mit der erst kürzlich geschehenen Wende verfügbar geworden war: Ernst Meincke. Der hatte sogar „Star Trek“-Erfahrung, hatte er doch in einer Folge Andreas Katsulas als Romulaner Tomalak gesprochen, der sonst immer die Stimme von Friedrich G. Beckhaus hatte. Das erste Mal, dass dem deutschen Zuschauer der neue Picard zu Ohren kam, war allerdings nicht in einer der neuen Folgen „Next Generation“, sondern im Pilotfilm von „Star Trek: Deep Space Nine“… und es war, ehrlich gesagt, ein Schock. Erst später erfuhr man dann über die Gründe und all das und auch wenn Meincke von der Stimme her tatsächlich weit näher am Originalton eines Patrick Stewart ist, so ist Rolf Schults Stimme doch einfach so schön, dass es dann doch ein bisschen schwer fällt, sich mit dem neuen Sprecher anzufreunden. Nun, die Serie kam zu einem Ende, die nächste Generation wechselte auf die große Leinwand… und Rolf Schult kehrte zurück! (Dafür verließen abr dem „ersten Kontakt“ Detlef „Riker“ Bierstedt und Charles „Geordi“ Rettinghaus das Schiff, weil sie offenbar mehr Geld wollten, was man ihnen nicht gestattete und leider umbesetzte, aber das sind ein bis drei andere Geschichten, zumal Rettinghaus in „Voyager“ und Bierstedt in „Enterprise“ und „Picard“ zurückkehrte, dankenswerterweise!) Die Enterprise flog durch die Kinos – und verschwand dann nach vier Filmen für einige Jahre, ebenso wie das gesamte Franchise.

Abschied von großen Stimmen

Auch Rolf Schult verstarb im Laufe der Jahre, wurde bei Robert Redford und Patrick Stewart aber teilweise durch Kaspar Eichel ersetzt, der ein bisschen so klingen kann wie der verstorbene Schauspieler. Und auch Ernst Meincke zog sich aus gesundheitlichen Gründen irgendwann aus dem Synchron zurück… und damit kommen wir zur einleitenden Überschrift, nämlich den Leuten, die mit Liebe für „Star Trek“ bei der Sache sind. Offensichtlich kontaktierten sie Picards „Zweitstimme“ Ernst Meincke, probierten es mit ihm – und brachten ihn zurück hinters Mikrophon. Dafür gebührt ihnen Respekt und Dank – und in diesem kleinen Beitrag kann man sehen, wie sehr sich Herr Meincke darüber gefreut hat und wie rührend das Ganze ist. Und er macht seine Sache ganz ausgezeichnet! Zudem achtete man darauf, die richtigen Stimmen von Riker, Data, Troi, Seven of Nine und sogar Hugh den Borg zu besetzen, was, wie man weiß, auch nicht selbstverständlich ist, dafür aber wirklich schön! Ach, wären die Macher der Serie doch mit genausoviel Liebe und Wissen um „Star Trek“ zu Werke gegangen…

Mit

Jean-Luc Picard: Patrick Stewart (Ernst Meincke)

Dr. Agnes Jurati: Alison Pill (Manja Doering)

Dahj Asha & Dr. Soji Asha: Isa Briones (Lydia Morgenstern)

Elnor: Evan Evagora (Sebastian Fitzner)

Raffi Musiker: Michelle Hurd (Heide Domanowski)

Cristóbal „Chris“ Rios: Santiago Cabrera (Leonhard Mahlich)

Narek: Harry Treadaway (Jeremias Koschorz)

Lt. Narissa Rizzo: Peyton List (Maria Koschny)

Admiral Kirsten Clancy: Ann Magnuson (Sabina Trooger)

Commodore Oh: Tamlyn Tomita (Sabine Arnhold)

Laris: Orla Brady (Sabine Falkenberg)

Zhaban: Jamie McShane (Viktor Neumann)

Reporterin: Merrin Dungey (Victoria Sturm)

Benayoun: David Paymer (Hans Bayer)

Bruce Maddox: John Ales (Frank Schaff)

Hugh: Jonathan Del Arco (Leon Boden)

sowie

William T. Riker: Jonathan Frakes (Detlef Bierstedt)

Deanna Troi: Marina Sirtis (Eva Kryll)

Seven of Nine: Jeri Ryan (Anke Reitzenstein)

und

Data: Brent Spiner (Michael Pan)

Fortsetzung folgt…