Neu im Kino: Mikro & Sprit

Zwei französische Pubertierende bauen sich eine Art fahrbaren Kleingärtnerschuppen und kutschieren damit durchs Land. Als sich die Berge als zu hoch für den kleinen Motor erweisen, schlagen sie eine andere Richtung ein, die zu Problemen untereinander und mit anderen führen soll…

Puh Bär tät

Diese Phase spielt ein bisschen die dritte Hauptrolle im Film. Sie schwingt immer mit und ist bisweilen Auslöser für verschiedene Handlungen. Der Mittelteil des Films ist ausgesprochen unterhaltsam, die beiden Jungs sind nett, clever und abgedreht, die Idee und die Umsetzung ihres Gefährtes sind wunderbar, aber vorher braucht man ein bisschen, um überhaupt in den Film rein zu kommen. Und dann ist irgendwann und überstürzt das Ende da und man fragt sich, ob den Filmemachern vielleicht das Filmmaterial ausgegangen ist und man alles schnell irgendwie abgebrochen wirkend beenden musste. Auch erlebt eine der Hauptfiguren kurz vor Schluss noch zwei Rückwärtsmomente, die weder irgendwoher kommen noch irgendwohin führen und man fragt sich, ob das vielleicht auch mit dem Ausgehen des Filmmaterials zusammenhängt.

Mikro & Fazit

Zwischenzeitlich recht unterhaltsamer Film, in dem Pubertät und Roadmovie eine unheilige Allianz eingehen, der einige schöne Ideen bietet, von guten Schauspielern getragen wird, aber am Schluss eventuell durch das abgebrochen wirkende Ende ein bisschen unbefriedigend daherkommen könnte. Ab 2.6.2016 im Kino.

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Neu im Kino: The Nice Guys

Ein eigenwilliger „Problemlöser“ ermittelt mit einem abgehalfterten Detektiv in einer Art Vermisstenangelegenheit, die sich aber als weit größer und weitreichender erweisen soll…

Zurück in die 70er

Ein wenig denkt man, der Film könne eine Art inoffizielles Prequel zu „Kiss Kiss Bang Bang“ sein, ist doch bei beiden Shane Black für Buch und Regie verantwortlich. Auch die Grundkonstellationen sind ähnlich, ein älterer und ein jüngerer Ermittler, einer davon kriegt derbe auf die Fresse, das Filmgeschäft, schräge Typen… Doch auch wenn sich Teile ähnlich sind, wirkt es nicht so, als hätte sich der Autor und Regisseur hier schlicht kopiert. Es gibt eine Menge Humor und einen Fall, der sich am Ende als herrlich ausgeklügelt herausstellt. Es gibt Überraschungen – aber zum Glück keine Verletzten (der Film gibt eine Antwort darauf, warum das so ist).

Eigentlich sollte man auch nicht mehr über die Handlung sagen, damit jeder unbelastet hineingehen und sich einfach amüsieren kann. Denn der Film ist ein wahrer Segen für die inzwischen geschundene Filmguckerseele. Weil die Handlung Hand und Fuß hat, die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt, das Kind großartig ist und das Endergebnis einfach eine Menge Spaß macht.

Die netten Jungs

Russell Crowe (gesprochen von Martin Umbach) und Ryan Gosling (gesprochen von Tommy Morgenstern) sind die beiden ungleichen Partner, beide irgendwie heruntergekommen, aber auf unterschiedliche Weise. Was dazu führt, dass sie sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten wunderbar ergänzen. Hinzu kommt noch Goslings Tochter, gespielt von Angourie Rice, die, Dank schöner Rolle und wunderbarem Spiel des Mädchens, irgendwie zur Seele des Teams wird – auch wenn sie eigentlich von diesen Sachen fern bleiben sollte.

Die deutsche Fassung ist auch sehr gelungen, hat aber ein paar kleinere Schönheitsfehler. Obwohl ich Thomas Fritsch auf Russell Crowe immer vorgezogen habe (und der auf den gealterten Crowe eigentlich schon fast wieder passen dürfte), macht Umbach seine Sache hier sehr gut. Er spricht so knorrig, dass er manchmal ein wenig an Elmar Wepper erinnert – was mich zu der Frage gebracht hat, ob der Film mit Mel Gibson statt Crowe auch funktioniert hätte. Ich denke, er hätte. Was nicht ganz stimmig ist, ist die Sprache. Hier finden sich im deutschen Buch ein paar unzeitgemäße und unnötige Anglizismen. „Blue Face“ lass ich mir ja gerade noch gefallen, aber dass es statt „Zimmerservice“ bei „room service“ geblieben ist und auch nicht das Wort „Dachterrasse“ verwendet wird, sondern irgendwas mit „roof“, hätte man wohl vermeiden können. Aber das tut dem Gesamtgenuss keinen Abbruch!

The Nice Fazit

Macht einfach Spaß. Ein verwinkelter Fall mit ein paar heruntergekommenen Ermittlern und schrägen Randfiguren, so, wie man das von Shane Black erwarten kann. Ab 2. Juni 2016 im Kino.

Neu im Kino: Green Room

Junge Band muss in Neonazi-Schuppen spielen, doch als sich die jungen Leute wieder auf den Weg machen wollen, werden sie Zeuge von etwas, das ihre „Gastgeber“ dazu bewegt, sie dort festzuhalten… was wohl nicht gut enden kann!

Spannung und Spannungen

Zunächst fängt alles ganz langsam und ruhig, fast langweilig an, aber ab dem Moment, in dem der Konflikt beginnt, ist der Film bis zum Ende durchgehend spannend. Er ist brutal und hart und so eine Art Horrorfilm ohne übernatürliche Elemente. Er beweist, dass auch natürliche Elemente erschreckend und schlimm sein können – und er beweist es bis zum Ende! Vorausschicken sollte man:

Nichts für schwache Nerven!

Denn die werden hier voll beansprucht, von der beklemmenden, bedrängten Stimmung, in der man sich befindet, ebenso wie von dem, was wir zu sehen bekommen. Denn obwohl die Musiker Gefangene sind, werden hier keine Gefangenen gemacht. Ein Kampf beginnt, erst psychologisch, später sehr physisch. Und: Wegsehen gilt nicht!

Der Picard aus dem Paralleluniversum

Da wir wissen, dass im Paralleluniversum alle böse sind… Patrick Stewart darf in diesem Film zeigen, dass er mehr kann, als nur mit Außerirdischen rumdiskutieren. Er mag kein Actionstar sein, aber ein ernstzunehmender Gegner ist er auf jeden Fall. Und ein bedrohlicher umso mehr. Also, Kinder, legt euch nicht mit Patrick Stewart an, denn der Kerl kann böse sein wie sonst was!

Der Talk zum Film

In einem interessanten Q&A mit Jeff Goldsmith spricht Regisseur Saulnier über die Entstehung des Films.

Mit

Patrick Stewart, Anton Yelchin, Imogen Poots, Alia Shawkat – Regie: Jeremy Saulnier

Green Fazit

Hart. Spannend. Böse. Schmutzig. Heftig. Wenn der Psychoterror physisch wird, bleibt kein Auge trocken – oder unblutig! Ein kleiner Film, der eine große Wirkung entfaltet. Ab 2.6.2016 im Kino.

Neu im Kino: Der Moment der Wahrheit

Journalistin will vor seiner zweiten Präsidentschaftswahl zeigen, wie George W. Bush seinen Dienst bei der Nationalgarde „verbracht“ hat, doch nach der Ausstrahlung des Beitrags kommt es zu Schwierigkeiten…

Wahre Geschichte, guter Film

Liegt vielleicht daran, dass ich kein Fan von George W. bin und das, was er aus „Star Wars“ gemacht hat, war wirklich… Moment, anderer George!

Gut, reden wir über den Präsidenten, der kein Amtsenthebungsverfahren dafür bekam, weil sein Kriegsgrund eine Lüge war – was, wie wir wissen, anders gewesen wäre, wenn er sein Innerstes über das Kleid einer Praktikantin verschüttet hätte. Aber Sex und Gewalt in Amerika, wir haben diese Debatte oft genug geführt. Der Film zeigt uns, wie andere Leute andere Debatten führen und wie sie versuchen, einen eher anrüchigen Punkt in der Geschichte des damaligen Präsidenten zu offenbaren. Das ist mit Problemen behaftet, aber wenn sie es schaffen, die Sache bis zur Wahl aufzudecken, dann wird George Bush vielleicht nicht wiedergewählt…

Okay, wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Das macht den Film allerdings nicht weniger spannend oder interessant. Er ist voller starker Figuren, die von wunderbaren Schauspielern gespielt werden, allen voran Cate Blanchett, die hier einfach nur hervorragend ist. Wir tauchen ein sowohl in das politische wie auch das nachrichtliche Geschehen und erleben, wie ein Beitrag entsteht – und was er für Folgen haben kann. Für alle Beteiligten. Außer dem Präsidenten, denn dem konnte man ja noch nie was nachweisen. Dabei entsteht ein spannender Film, der nur auf der Schlussgerade ein bisschen schwächelt, aber das muss bei einem solchen Thema wohl sein.

Ensemble

Neben einer guten Handlung bietet der Film ein starkes Ensemble, an dem man seine rechte Freude haben kann. Cate Blanchett zeigt sich sowohl von ihrer starken als auch, wenn notwendig, von ihrer verletzlichen Seite. Robert Redford bleibt irgendwie der Held, der er schon immer war und Dennis Quaid hat und macht einfach Spaß als Exsoldat. Sehr schön ist es, Stacey Keach mal wieder auf der großen Leinwand zu sehen – gerne mehr davon!

Mit

Cate Blanchet, Robert Redford, Topher Grace, Dennis Quaid, Elisabeth Moss, Bruce Greenwood, Stacey Keach – Regie: James Vanderbilt

Der Moment des Fazit

Gut, spannend, politisch interessant – und ein bisschen traurig. Vielleicht das Biopic für das Ende des Journalismus in den USA? Urteilen Sie selbst – ab 2. Juni 2016 im Kino.

Neu im Kino: Agnes

Sachbuchautor lernt Frau kennen, die ihn überredet, über sie eine Geschichte zu schreiben. Geschichte und Beziehung entwickeln sich…

Seufz!

und das wäre der Punkt gewesen, an dem man schön zweigleisig hätte fahren können, eine unklare Trennung zwischen Phantasie und Wirklichkeit, die sich zu einer klaren entwickelt, bei der der Autor seine geschaffene Wirklichkeit der realen vorzieht, was zu Beziehungsproblemen führt. Ein Spiel mit der Wirklichkeit, mit den Ebenen, mit den Figuren, das wäre das, was man aus dieser Grundsituation hätte herausholen sollen. Doch der Film nutzt seine Grundidee nicht, hin und wieder taucht die Geschichte innerhalb der Geschichte zwar auf, aber so richtig große Bedeutung und vor allem Einfluss auf die Handlung hat das nicht – und wenn etwas keinen Einfluss auf die Handlung hat (und weder besonders witzig noch sexy noch spannend ist), dann kann man es weglassen, ohne, dass es dem Gesamtwerk schadet. Wenn man also mit dieser Geschichtsgeschichte nichts macht, kann man’s auch lassen!

Alle Frauen sind gestört!

Nun, das ist die Erfahrung, die wir aus den deutschen Filmen der letzten Wochen ziehen. Frauen sind gestört. Alle. Komplett. Obwohl… letztlich ist es in diesem Fall nicht sicher, ob die Hauptdarstellerin nun gekonnt eine gestörte Frau spielt oder einfach nur schlecht ist. Hölzerne Textwidergabe (von hölzernen Texten) ist man im deutschen Film ja leider gewöhnt, aber helfen tut das nicht. Hier wäre wieder ein Spiel mit den Geschichten hilfreich gewesen, wenn Agnes in der Wirklichkeit gestört wirken und in der Phantasiewelt anders, besser, lockerer erscheinen würde. Dann hätte man sehen können, ob die Entscheidung für diese Art zu spielen bewusst oder eher nicht war. Dass sie keine Probleme hat, sich vor der Kamera auszuziehen, hilft also leider über die angesprochenen Schwächen nicht hinweg.

Faznes

Eine schöne Grundidee, aus der man nicht viel gemacht hat. (Schieben wir’s auf den Roman, auf dem der Film basiert.) Wo man sich neben der Wirklichkeit eine bunte Phantasiewelt hätte schaffen und mit den Diskrepanzen zwischen beiden hätte spielen können, versackt der Film in hölzernen Dialogen und Nacktszenen, die nicht darüber hinwegtäuschen können, dass hier viel Potential genauso brach liegt wie die Brüste der Hauptdarstellerin. Ab 2.6.2016 im Kino.

Neu im Kino: Everybody Wants Some

Sittengemälde des amerikanischen Collegelebens in den 80ern…

Ähem!

Obwohl das eigentlich als Scherz gemeint war, ist der Film doch mehr oder weniger genau das. Und die Frage, warum es eigentlich so gut wie keine sichtbare Handlung gab, wird einem direkt im Abspann mit dem Namen Richard Linklatter beantwortet. Denn der hat es schon geschafft, aus einer großartigen, epischen Idee einen kleinen, nahezu banalen Film zu machen.

Was wir hier zu sehen bekommen, ist das Leben der Baseballmannschaft eines College kurz vorm ersten Schultag. Man will saufen, vögeln und… ja, das isses eigentlich schon. Durchaus nachvollziehbar, aber mehr Abbild als Geschichte. Es gibt Typen, die man wieder erkennt, das studentische Leben ist sicherlich sehr treffend dargestellt und die „Mode“ dieser Zeit ist derart furchtbar, dass sie einem Alptraum entsprungen sein könnte – was wiederum ein interessanterer Film hätte sein können. Es gibt Schnäuzer und Mädels und einmal bekommen wir sogar ein bisschen was von dem zu sehen, weshalb es die Jungs überhaupt an die Uni geschafft haben, Baseball nämlich… aber nur das erste Training.

Die Schauspieler sind alle jung und unverbraucht – sprich: man kennt sie nicht. Das gibt dem Ganzen einen Hauch von Authentizität und auch so wirkt alles eher wie eine Doku, was aber an dem bereits erwähnten Mangel an Handlung liegt. Szene folgt auf Szene, mal in der Disko, mal auf der Party, mal beim Herumkutschieren im Auto. Und am Ende fängt alles an – und das ist noch nichtmal gelogen.

Everybody Wants Fazit

Schön ausgestattet, authentisch gespielt, treffend abgebildet, aber zu wenig inhaltliche Substanz für fast zwei Stunden Film. Ab 2.6.2016 im Kino.

Neu im Kino: Doktor Proktors Zeitbadewanne

Als ihr Freund, der Doktor Proktor, einen Hilferuf aus der Vergangenheit schickt, begeben sich die Kinder Juliette und Bulle auf eine Reise durch die Zeit, um ihn zu retten. Dabei treffen sie historische Persönlichkeiten und versuchen, die Geschichte zu verändern…

Zeitreise für Kinder

Wir sollten an dieser Stelle erwähnen, dass der Titel des ersten Films aus der Doktor Proktor Reihe „Doktor Proktors Pupspuvler“ betitelt ist, was uns einen gewissen Hinweis auf ein Gimmick gibt, das auch in diesem Film zum Einsatz kommen wird.

Ein bisschen wandelt der Film auch auf den Spuren von Monty Python, besonders, was einen Gefangenen in einer Zelle angeht – der, zumindest für diesen Film, auch eigentlich keine weitere Funktion hat. Was aber tatsächlich ganz gut funktioniert ist der Zeitreiseaspekt, auch wenn man bezüglich der dafür notwendigen Badewanne am Ende ein wenig die Konsequenz missen lässt. Was allerdings die Szene mit dem Scheiterhaufen angeht, so kann man nur hoffen, dass die so aus dem Buch übernommen wurde, ansonsten hätte ich mir da eine intelligentere Lösung gewünscht.

Doktor Proktors Fazit

Netter Zeitreisefilm für Kinder, besonders für die, die an Pupshumor noch ihren Spaß haben. Ab 2. Juni 2016 im Kino.