Neu auf DVD: Doctor Who – Der Film

Der Doktor ist zurück… endlich… zum letzten Mal… vorerst…

Doktor Häh?

Doctor Who“ begann in den 60er Jahren in England und fand einen brillanten Weg, den Namensgeber und Hauptdarsteller auszutauschen, indem er sich in eine andere Person aka einen anderen Schauspieler regenerierte. Anders als bei Serien, wie James Bond zum Beispiel, konnte man so seinen Star wechseln, ohne sich groß Sorgen machen zu müssen, dass sich jemand fragte, warum der Doktor plötzlich anders aussah… und benahm, denn man gab jedem neuen Doktor auch gleich eine neue Persönlichkeit. Das ging über viele Jahre ziemlich gut, doch irgendwann dann schlich sich ein bisschen Ermüdung und Abnutzung ein, was dann spätestens bei Sylvester McCoy zum Abbruch der Serie führte. Für mehrere Jahre.

Doch, wie wir aus dem wie immer sehr umfangreichen, schönen und ehrlichen Zusatzmaterial erfahren, lebte die Serie auch ohne aktuelle Bildschirmpräsenz weiter, z.B. in Comicform. Sie blieb in den Gedanken und Herzen der Zuschauer und so wurde, wie seinerzeit bei „Star Trek“, der Gedanke geboren, sie einmal mehr neu aufleben zu lassen… oder zu regenerieren?! Serie, Kinofilm, Fernsehfilm, all das wurde hin und her geworfen – auch das gibt das Zusatzmaterial sehr schön wieder. Und so entstand ein neuer Versuch zur Wiederbelebung des Doktors, den wir nun in diesem Film vorliegen haben…

Doktor Who regeneriert sich und muss gegen seinen alten Widersacher, den Master, antreten, der nebenbei noch die Erde zerstören würde, wenn man ihn denn ließe!

und wurde nach McCoy zu einem neuen Sargnagel für das Franchise. Im Doktoraffinen England schien der Fernsehfilm erfolgreich gewesen zu sein, doch beim amerikanischen Publikum schien er nicht so recht landen zu können. Und das, obwohl dies wohl der unbritischste „Doctor Who“ aller Zeiten ist, denn er wurde in Kanada gedreht und irgendwie fehlt da einfach das britische Flair, das die Serie so auszeichnet – und das einfach dazu gehört. Also wurde der Doktor wieder auf die Strafbank geschickt und blieb dort, bis ihn Russell T. Davies Anfang des nächsten Jahrtausends wieder beleben sollte – und diesmal so erfolgreich, dass er auch heute noch läuft und es sowohl nach Amerika als auch nach Deutschland geschafft hat.

Doktor Nummer ?

Sylvester McCoy, der hier die Staffelübergabe übernehmen darf, war der siebte Doktor, Paul McGann nun ist der achte. Und er regeneriert sich in… John Hurt. Wie wir in dem dankenswerterweise beigefügten „The Night of the Doctor“ sehen dürfen, womit die DVD alle Fernsehauftritte von McGann beinhaltet… alle beide! Rückwirkend ist denn also Hurt Doktor Nummer 9, Christopher Eccleston 10, David Tennant 11… und 12, wenn wir dem Weihnachtsspecial glauben dürfen, und Matt Smith 13, welcher im erwähnten Special ein bisschen Energie zugeschustert bekommt, die dann auch alle Doktoren in Zukunft erklären dürfte, angefangen mit Peter Capaldi, der damit 14 ist… oder 1.0.

Paul McGähn

McGann ist „der romantische Doktor“, so sagt man. Muss an Outfit und Frisur liegen. Leider ist er in diesem seinem ersten und fast einzigen Auftritt eher dröge. Das hätte sich möglicherweise im Verlauf einer Serie geändert, aber hier kommt er nicht so spannend rüber. Was durchaus schade ist, da er, wenn man ihn so sieht und hört, nicht nur ein ausgezeichneter Schauspieler ist, sondern auch jede Menge Humor hat. Da wäre also noch eine Menge Spiel nach oben gewesen – und wenn wir ihn in der beiliegenden „Nacht des Doktors“ sehen, hätte er aus pfiffigen Dialogen auch wirklich etwas machen können. Wer mehr von ihm und Doktor 8 erfahren möchte, dem bleiben die im Bonusmaterial erwähnten Comics und die britischen Hörbücher.

Deutschland Who

Mit diesem Film nun schließt sich der Kreis des deutschen Doktors. Wir erinnern uns. Mit Sylvester McCoy betrat erstmals ein Doktor die deutschen Fernsehschirme, und da er wohl erfolgreich genug war, reichte man noch das Special „Die fünf Doktoren“ und nach Überspringen diverser Episoden noch den Rest mit Colin Baker nach. Nachdem all dieses auf deutsch vorhandene Material auf DVD erschienen war, fehlte nur noch dieser eine Puzzlestein, um die Lücke zwischen McCoy und Eccleston zu schließen, die letzte deutsch synchronisierte Folge des Doktors. Doch die scheint seinerzeit nicht im Fernsehen gelaufen zu sein. Offenbar war bei Erscheinen das Interesse am Doktor bereits abgeklungen und so wurde sie statt von RTL nun für eine VHS-Auswertung eingedeutscht. Das passierte, wie öfter bei Auskoppelungen für den Videomarkt, in Hamburg, wo man auch vielen Serien von „Magnum“ über „Baywatch“ bis „Knight Rider“ und dem „Sechs-Millionen-Dollar-Mann“ eine deutsche Fassung verpasste. Was für den Doktor bedeutete, dass er erstmals seine Stimme verlor… was schon ein bisschen komisch ist, da alle bis dahin aufgetauchten sieben Doktoren bislang nur von einem einzigen Schauspieler gesprochen worden waren, Michael Schwarzmaier. Doch den holte man nicht für eine VHS-Synchro nach Hamburg und so bekamen alter und neuer Doktor neue Stimmen – und erstmals zwei unterschiedliche!

Innen größer als außen: das Bonusmaterial

Wie üblich gibt es jede Menge Zusatzmaterial inklusive zwei Audiokommentare. Darin findet man eigentlich alle Antworten auf die Frage, was sich in der Geschichte von „Doktor Who“ rund um diesen Film und seine Entstehung so getan hat. Und wie immer sind die Beteiligten dabei so offen und ehrlich, dass es eine Freude ist – was natürlich auch für den Audiokommentar mit McGann und McCoy gilt, die fröhlich aus dem Nähkästchen plaudern.

Who vadis?

Mehr Doktor gibt es nicht… auf deutsch! Jedenfalls bis jetzt. Vom Doktor selbst gibt es noch so viele Folgen, dass man damit ganze Regale füllen könnte – und, in manchen Wohnungen, auch hat! Ob dieses Material nun aber für den deutschen Markt erschlossen wird, ob man es Original mit Untertitel herausbringt oder Geld in eine teure Synchronisation steckt, in Episoden, die teils schon mehr als 50 Jahre alt sind, das muss die Zukunft zeigen. Es gab schon eine kurze Ankündigung, dass der Anfang des Doktors kommen sollte… also wer weiß, vielleicht hat selbst der alte „Doktor Who“ noch eine Zukunft in Deutschland?!

Mit

Paul McGann (Kai-Henrick Möller), Sylvester McCoy (Harald Pages), Eric Roberts (Wolfgang Jürgen), Yee Jee Tso (Christian Stark), Daphne Ashbrook (Ela Nitzsche)

Fazit Who

Alle Episoden von Paul McGann in einer Edition! Anfang und Ende des achten Doktors… wobei die sechsminütige Endepisode besser geschrieben ist und besser aussieht. Nichtsdestotrotz, ein Muss für Wholigans, das in keiner Sammlung fehlen darf, wenn auch eher aus nostalgischen Gründen. Oder als abschreckendes Beispiel dafür, wie „Doktor Who“ wäre, wenn er nicht in England sondern in Amerika produziert werden würde. Ab 31.3.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Doctor Who – Sechster Doktor, Volume 3

Der Prozess gegen Colin Baker… oder seinen Doktor? Nun, das Urteil scheint beide Möglichkeiten zuzulassen…

Die Geschichten

Die Box beinhaltet die 23. Staffel, bestehend aus drei 4-Teilern und einem 2-Teiler mit einer Laufzeit von je 25 Minuten pro Folge… oder aber aus einem 14-Teiler:

  • Das Urteil – Der rätselhafte Planet (Teil 1-4) / The Trial of a Timelord [The Mysterious Planet] (Teil 1-4)

  • Das Urteil – Mindwarp (Teil 5-8) / The Trial of a Timelord [Mindwarp] (Teil 5-8)

  • Das Urteil – Vervoid Terror (Teil 9-12) / The Trial of a Timelord [Terror of the Vervoids] (Teil 9-12)

  • Das Urteil – Der schlimmste Feind (Teil 13-14) / The Trial of a Timelord [The ultimate Foe] (Teil 13-14)

Wie immer gibt es dazu jede Menge Bonusmaterial und ein ausführliches Begleitheft.

Der Prozess gegen einen Timelord

Die Staffel bietet altes und neues. Zunächst einmal kehrt man zum Format der 25-Minüter zurück, was bis zum „Spielfilm“ und die Staffelübergabe an Paul McGann beibehalten werden wird. Auch sind die Episoden wieder Mehrteiler – doch es gibt eine Neuerung, die die Entwicklung des Fernsehens in die Neuzeit vorwegnimmt, um es mal in den besten Farben zu schildern. Denn, wie ich annehme, erstmals, haben wir hier eine Rahmenhandlung, die sich über die komplette Staffel erstreckt und einen Bogen vom Anfang bis zu ihrem Ende spannt. Das ist heute bei vielen Serien Standard, mal ausgiebiger (wie bei „24“), mal weniger (wie bei „Doctor Who“). Für die damalige Zeit war es doch aus heutiger Sicht fast schon bahnbrechend, war doch die einzige Serie im Science Fiction Genre, die etwas ähnliches machte, „V“ – und die kam erst kurze Zeit später. Insofern betritt „Doctor Who“ Neuland, auch, wenn man es ihm nicht so richtig gedankt hat.

Es gibt also als roten Faden einen Prozess, in dem dem Doktor Dinge zur Last gelegt werden, gegen die er sich verteidigen soll – und das Beweismaterial gegen ihn sind die Mehrteiler, die wir gemeinsam mit der Inquisitorin und den Geschworenen verfolgen. Die sind wieder ein wenig durchwachsen, haben aber den Vorteil, dass ein paar der Rätsel, auf die man zwischenzeitlich stößt, am Ende eine Auflösung erfahren. Die erste Episode spielt auf einem merkwürdigen Planeten, bei der das Bemerkenswerteste ist, dass eine interessante Figur eingeführt wird, die uns am Ende wiederbegegnen wird. Im zweiten Mehrteiler geht es dann u.a. um die Transplantation von a) Gehirn oder b) Geist in einen anderen Körper. Die dritte Geschichte ist eigentlich die interessanteste: Sie spielt auf einem Kreuzfahrtschiff und ein Mord geschieht. Zum Abschluss wird dann alles in einem Zweiteiler aufgerollt und man erfährt, was eigentlich dahinter gesteckt hat…

Zeitreisende und Mitreisende

Wer mit dem Doktor reist, muss damit rechnen, dass er irgendwann einen grausamen Tod stirbt, sein Gedächtnis verliert oder einfach auf der Erde zurückgelassen wird. Die eine Mitreisende geht, eine neue kommt – nur wird hier leider eine schöne Gelegenheit verpasst. Mel wird „eingeführt“ in einer Geschichte, die in der Zukunft spielt und in der sie quasi schon lange eingeführt ist (dass der Doktor den Mord dann nicht schneller aufklärt, obwohl er ihn in seiner eigenen Vergangenheit im Fernsehen gesehen hat und sich daran erinnern müsste, wird nicht weiter angesprochen). Wir sehen sie also in der Zukunft, wo sie und der Doktor sich schon gut zu kennen scheinen. Und genau hier ist es schade, dass so wenig Leute Ahnung von Zeitreisen haben, selbst wenn sie in einer solchen Serie darüber schreiben. Denn da Mel, wie ich annehme, vorher noch nie aufgetaucht ist, hätte sich eigentlich als Ende für die Episode aufgedrängt, dass der Doktor sie kennenlernt und wir rückwirkend ihr erstes Zusammentreffen erleben… aber wer denkt schon so weit?

Die schreiende Pussy

Doctor Who“ kommt aus England, das ist, wie wir erfahren haben, eine Insel und deshalb ist das Reservoir an Schauspielern begrenzt. Und so gibt es Schauspieler, auf die man immer wieder treffen wird, sei es in den James Bond-Filmen, den Britcoms oder später bei „Game of Thrones“. Zu den bekannten Gästen in dieser Staffel zählt denn also auch ein altgedientes Bondgirl, Honor Blackman, der Welt wohl besser bekannt als „Pussy Galore“, die Gespielin mit dem einprägsamsten Namen… bei dem das Wortspiel auf deutsch leider völlig verloren geht. Ebenfalls mit dabei ist der Mann, der Schreien für Schauspielerei hält, Brian Blessed. Zu seinen lautstarken Auftritten zählen u.a. „Flash Gordon“, „Blackadder“ und „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“.

Bonus

Wie immer gibt es jede Menge Bonusmaterial, in dem man wieder viel über die Geschichte des Doktors als Fernsehserie erfährt, z.B. darüber, warum er für 18 Monate pausiert hat und welche Folgen das hatte. Wir erfahren auch viel über die Entstehung dieser Staffel und welche Probleme es dabei gab. Ebenfalls sehr schön sind einmal mehr die Audiokommentare, in denen die Beteiligten frei von der Leber weg erzählen. Für deutsche Wholigans bietet das Begleitheft noch ein kleines Schmankerl, denn dort gibt es ein Interview mit des Doktors (oder vielmehr „der Doktoren“) deutscher Stimme Michael Schwarzmaier (und der hat ja nicht nur Sylvester McCoy und Colin Baker die Stimme geliehen, sondern dank der „Die X Doktoren“-Specials rückwirkend auch gleich noch den restlichen fünf, die davor kamen). Alles in allem also rundum gelungenes Zusatzmaterial.

Who vadis?

Zum möglicherweise letzten Mal stellen wir hier die Frage nach „Doctor Whos“ weiterem Weg in Deutschland, denn anders als bei den anderen Boxen gibt es auf dem Beipackzettel diesmal keine Ankündigung für kommende Attraktionen. Es ist also gleichermaßen zu vermuten, dass man nicht für teuer Geld die restlichen fünf Doktoren synchronisieren lassen wird, ebenso wie man scheinbar nicht die Rechte an „Doctor Who: Der Film“ mit Paul McGann zu haben scheint, denn der dürfte der letzte deutsch bearbeitete Doktor sein, der noch zur Verfügung steht und würde die Lücke zwischen McCoy und Eccleston schließen – so dass man tatsächlich von Doktor 6 bis heute alles auf deutsch komplett vorliegen hätte. Bei Redaktionsschluss gab es noch keine Information von Pandastorm zu diesem Thema, sollte aber noch eine eintrudeln, werde ich sie nachreichen.

Fazit Who

Das Ende des Doktors, sowohl für Colin Baker als auch für die klassischen Doktoren in Deutschland, ist ein bisschen durchwachsen. Dass es einen übergreifenden Handlungsbogen gibt ist eine nette und zeitgemäße Neuerung, manche der Episoden sind aber nicht so gut, wie sie hätten sein können. Den timey-wimey wibbely-wobbeligen Abschluss gibt es ab 29. Juli 2016 auf DVD.

Neu auf DVD: Doctor Who – Die komplette Staffel 9

Der Doktor und Clara sind zurück. Und diesmal war es nicht unsicher, ob Jenna Coleman weitermachen würde, also wurde dieses Hin und Her der letzten Staffel vermieden. Clara ist fest mit an Bord – und das im doppelten Sinne, denn nicht nur das Ausprobieren von Ersatzmitreisenden fällt diesmal flach, auch, dass sie zum Abendessen zu Hause sein muss, so dass sie statt dessen Vollzeit an Bord der TARDIS sein kann. Das sind gute Verbesserungen zum letzten Mal… und da dies der Doktor ist, verändert sich nicht nur die Figur, sondern hin und wieder auch die Serie selbst. So sind denn in dieser Staffel die meisten Folgen Zweiteiler, bis auf 8 und 9… oder sagen wir, bis auf 8.

Dr. Moffat

Seit der Staffelübergabe an Matt Smith ist Steven Moffat weiterhin der Chef-Autor, der für die komplette Serie verantwortlich ist. Diesmal spürt man einen Hauch Russell T. Davies, zumindest, was die Einführung des Finales angeht, denn das wird, ähnlich dem „Bad Wolf“ in der ersten Staffel der neuen Zeitrechnung, schon relativ früh angedeutet und oft genug wiederholt, dass dem aufmerksamen Beobachter auffallen sollte, in welche Richtung es gehen wird… zumindest grob. Das Ende selbst ist dann… anders. Und das ist ganz schön.

Das „Problem“ mit Moffat bleibt jedoch weiterhin, dass er einfach immer ein besserer Autor als Showrunner war, soll heißen: als Davies die Serie noch geleitet hat, waren die herausragenden Folgen meist die, die von Moffat geschrieben waren. Moffat für „Doctor Who“ war ein bisschen das, was „Buch und Regie: Joss Whedon“ bei „Buffy“ war, nämlich die Folgen, bei denen man feuchte Augen bekommt, wenn man über sie spricht. Und so wie Whedon mit der Stummfilmfolge „Hush“ und der Musicalfolge „Once more with Feeling“ kleine Großartigkeiten schuf, möchten wir an dieser Stelle von Moffat doch mal eine kleine Auswahl an seinen Meisterwerken erwähnen:

  • in seiner Serie „Coupling“ u.a. „The Girl With Two Breasts“

  • bei „Sherlock“ die erste Folge der zweiten Staffel: „A Scandal in Belgravia“

  • und natürlich „Blink“ bei „Doctor Who“

Das sind Episoden, die einfach zum Niederknien gut sind. Wer also die Glanzpunkte von Moffats Schaffen sehen möchte, mit diesen dreien ist man gut bedient. Leider gelingt ihm das, seit er selbst „Doktor Who“ leitet, nicht mehr so richtig. Die Folgen dieser Staffel sind zwar alle gut und auf einem hohen Niveau, aber absolute Höhepunkte wie die erwähnten gibt es leider nicht. Und noch etwas scheint ein wenig zu fehlen: der Humor. Bislang war der Doktor meist eine gute Mischung aus Drama und Humor, doch letzterer tritt in dieser Staffel ein wenig in den Hintergrund und erlebt seine Rückkehr erst im Weihnachtsspecial.

Immerhin erfahren wir, warum der Doktor dieses Gesicht gewählt hat. Und es gibt eine schöne Idee mit Karten, die dem Doktor dabei helfen sollen, in Situationen, bei denen Mitgefühl angesagt wäre, das richtige zu sagen – da hätte man auch gerne noch mehr mit machen können.

Der Inhalt der blauen Box

Die DVD-TARDIS enthält auch diesmal wieder nicht nur die 12 Folgen der Staffel (man scheint inzwischen von 13 auf 12 reduziert zu haben) sondern auch das Weihnachtsspecial (womit wir dann wieder die 13 zusammen hätten), das traditionell bei den britischen Boxen erst immer in der Staffel vom Folgejahr enthalten war, aber vielleicht hat man das auch dort geändert?

Wir beginnen mit einer neuen Begegnung mit einem alten Feind. Es folgt eine Art Geistergeschichte. Dann wird eine Handlung, die an anderer Stelle eröffnet wurde, weitergeführt und alte Bekannte tauchen wieder auf. Eine interessante Doppelfolge, in der man auch die Themen Flüchtlinge und Terrorismus wieder findet, also brandaktuell.

Und nun wird eine neue Figur eingeführt, die zu sehen eine Freude ist, wird sie doch von der wunderbaren Maisie Williams aus „Game of Thrones“ gespielt. Damit eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten – und Handlungsstränge, die uns bis zum Ende der Staffel begleiten. Kurz vorm Finale präsentiert uns Moffat dann noch etwas ungewöhnliches: Gab es in der Vergangenheit oft Folgen, in denen der Doktor durch Abwesenheit glänzte, weil er gleichzeitig das Weihnachtsspecial (oder das Finale?) drehen musste, so haben wir hier eine Folge, in der eigentlich nur der Doktor auftaucht. Ein reines Solo für Peter Capaldi – und dann geht’s ab ins Finale. Als Weihnachtsgeschenk bekommen wir dann noch ein Wiedersehen mit River Song spendiert, das mehr oder weniger an ihren ersten Auftritt in der David Tennant Doppelfolge mit der Bibliothek (geschrieben von Steven Moffat) anschließen wird…

The League of Who

Was uns zur Vollendung einer kleinen Dreieinigkeit bringt: „The League of Gentlemen“. Mark Gatiss war der erste, ein bekennender „Doktor Who“-Fan (und Mit-Schöpfer von „Sherlock“). Er trat neben Tennant im „Lazarus-Projekt“ auf, bevor er einer der Autoren der Serie wurde. Steve Pemberton gab sich die Ehre in der erwähnten Bibliotheks-Folge und nun ist auch der dritte im Bunde, Reece Shearsmith mit von der Partie – in einer von Mark Gatiss geschriebenen Episode.

Bonus Who

Jede Menge Zusatzmaterial, Interviews mit den Beteiligten, Besuch auf dem Set der TARDIS, von Fans mit Fans über Fans, Podiumsdiskussionen, kurz: jede Menge Einblicke in die Entstehung von „Doctor Who“ allgemein und dieser Staffel im Besonderen. Wenn danach noch Fragen offen sind, dann nur, weil Steven Moffat sie nicht beantworten will! Außerdem gibt es für einige Folgen Audiokommentare, in denen man noch mehr über die Serie, ihre Produktion, aber auch etwas über die daran beteiligten Personen erfährt.

Mit

Peter Capaldi (Bernd Vollbrecht), Jenna-Louise Coleman (Luisa Wietzorek), Michelle Gomez (Katharina Koschny), Sylvester McCoy (Michael Schwarzmaier), Colin Baker (Markus Haase)  David Tennant (Philipp Brammer), Alex Kingston (Peggy Sander), Reece Shearsmith (Florian Halm)

Whozit

Gute Episoden, solide Staffel, aber irgendwie fehlt der Moffat- und Who-typische Humor. Ein schöner Abschluss ist insofern das Weihnachtsspecial, in dem der Doktor wieder genau so ist, wie man ihn sich wünscht. Hoffen wir, dass sich diese Leichtigkeit in die nächste Staffel überträgt, bevor Moffat und Capaldi ihren Nachfolgern das Feld räumen. Nichtsdestotrotz: ein Muss für alle „Doctor Who“-Fans. Ab 18. März 2016 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Doctor Who – Sechster Doktor, Volume 2

Fivish Doctor“ Colin Baker kehrt zurück mit drei neuen alten Abenteuern. Wie üblich trifft er alte Bekannte… oder viele Gegner!

Die Geschichten

Die Box komplettiert die 22. Staffel, mit einem 3-Teiler und zwei 2-Teilern mit einer Laufzeit von je 45 Minuten pro Folge:

  • Androiden in Sevilla / The Two Doctors (Teil 1-3)

  • Das Amulett / Timelash (Teil 1-2)

  • Planet der Toten / Revelation of the Daleks (Teil 1-2)

Wie immer gibt es dazu jede Menge Bonusmaterial und ein ausführliches Begleitheft.

Man fragt sich, was bei der deutschen Fassung von „Androiden in Sevilla“ schief gegangen ist, denn der Titel bezieht sich nur auf die deutsche Fassung. Im Original geht es um Androgyne… Androgum, die eine eigene Rasse darstellen, während es sich bei Androiden bekanntermaßen um künstliche Lebensformen handelt. Ob man das damals falsch verstanden oder aus anderen Gründen umgearbeitet hat, lässt sich schwer sagen, im Original soll Doktor Zwei jedenfalls zu einem anderen Wesen umgearbeitet werden, nicht zu einer Art menschlichem Roboter. Die Folge bietet eine weitere seltene Gelegenheit, eins der früheren Modelle des Doktors in Aktion zu erleben.

In der zweiten Geschichte geht man dann alte neue Wege, Wege, die auch wenig später von „Star Trek: The Next Generation“ beschritten werden sollten, aber nun ist definitiv klar, wer sich da von wem hat inspirieren lassen. Denn diese Geschichte wird um eine historische Figur bereichert, die sich dereinst an ihre Abenteuer mit dem Doktor erinnern soll und diese in literarischer Form abarbeitet. TNG macht dies ein paar Jahre später mit Mark Twain und der Doktor macht dies seit seinem Neustart eigentlich jährlich, von Charles Dickens bis William Shakespeare. Ob diese Tradition hier ihren Anfang nahm, können nur Hardcore-Whovianer beantworten, für den deutschen Sprachraum kann man das aber, denke ich, hier festmachen.

Die dritte Geschichte hat eigentlich eine schöne Grundidee, aber sie verliert sehr durch das neue Format, das man für diese Staffel gewählt hat, so, wie die meisten dieser Folgen. Perfekt wäre ein Dreiteiler a 25 Minuten gewesen, aber man muss 90 Minuten füllen und da brauchen der Doktor und Peri fast die ganze erste Folge, um überhaupt zum Schauplatz des Geschehens zu kommen. Hinzu kommt, dass es zu viele Figuren gibt, zu viele Grüppchen, da hätte man mindestens eine oder zwei von streichen können. So wird die an sich nette Idee leider ein wenig verwässert, was der ganzen Sache eher schadet.

Der Bonus

Wer etwas über die Episoden im Einzelnen oder den Doktor und seine Geschichte im Besonderen erfahren möchte, für den bietet die Box wieder umfangreiches, interessantes und unterhaltsames Bonusmaterial. Einige Dokumentationen und wie üblich ein Audiokommentar zu jeder Folge gewähren dem Whonteressierten ehrliche Ein- und Rückblicke in die Entstehung einer der langlebigsten Science Fiction-Serien aller Zeiten.

Fazit Who

Eine der wenigen Möglichkeiten, die klassische Ära des Doktors kennenzulernen, ausgestattet mit jeder Menge Zusatzmaterial, um nicht nur in die Geschichten, sondern auch die Geschichte des berühmten Zeitreisenden einzutauchen. Ab 26.2.2016 auf DVD.

Neu auf DVD: Doctor Who – Sechster Doktor, Volume 1

Nach „Die fünf Doktoren“ folgt nun der sechste Doktor: Tom, äh, Colin Baker! Es geht weiter, wenn auch nicht direkt. Mangels deutscher Fassung, wie ich annehme, überspringen wir die restlichen Abenteuer des gerade erst kennengelernten fünften Doktors Peter Davison und setzen da an, wo er aussetzt. Scheinbar zum ersten Mal bei „Doctor Who“ wurde der neue Doktor noch vor Ende der laufenden Staffel eingeführt und so beginnen wir unsere Reise mit Colin Baker mit den letzten vier Folgen der 21. Staffel.

Der Inhalt der blauen Box

Die aktuelle DVD-TARDIS enthält Colin Bakers Einführung sowie die ersten Episoden der 22. Staffel, die damals 4-Teiler mit einer Laufzeit von je 25 Minuten oder neuerdings 2-Teiler mit einer Laufzeit von je 45 Minuten pro Folge waren:

  • Zweimal Einstein / The Twin Dilemma (Teil 1-4)

  • Angriff der Kybermänner / Attack of the Cybermen (Teil 1-2)

  • Revolte auf Varos / Vengeance on Varos (Teil 1-2)

  • Die Rache des Meisters / The Mark of the Rani (Teil 1-2)

Wie immer gibt es dazu jede Menge Bonusmaterial und ein ausführliches Begleitheft.

Der neue Doktor

Wie der Doktor sind auch die damaligen deutschen Zuschauer sowie die Betrachter der DVD-Boxen in gewisser Weise Zeitreisende, zumindest, was die Chronologie angeht. Wir begannen mit dem siebten Doktor und endeten kurz vor seiner Umwandlung in Paul McGann, die noch immer aussteht, aber hoffentlich als krönender Abschluss der klassischen Ära nachgeholt wird. Dann machten wir einen Sprung in die Vergangenheit zu den „fünf Doktoren“ und nun wieder einen kleinen Sprung in die Zukunft. Die neuen Abenteuer liegen also zeitlich vor denen, die wir bereits kennen – und Figuren wie die Rani, die hier scheinbar das erste Mal auftauchen, sind uns bereits begegnet. Zeitreise ist eben eine knifflige Angelegenheit.

Da sich aber auch die Geschichte des Doktors ein wenig zu wiederholen scheint, kann uns in dieser Staffel trotzdem eine Entwicklung auffallen. Wir kennen den Doktor als 25-Minüter, die in 3 bis 4 Folgen eine Geschichte erzählen. Zu Beginn der 22. Staffel änderte man dieses Format jedoch. Nun sollte es pro Handlungsblock je einen Zweiteiler a 45 Minuten geben – wie wir in dieser Box feststellen. Nun, wir wissen, dass es irgendwann wieder dorthin zurück gehen wird, bevor Russell T. Davies mit Christopher Eccleston ein neues Zeitalter für den Doktor einläuten sollte, aber schauen wir doch erstmal, was uns Colin Baker so zu bieten hat.

Was passiert?

Wir erleben etwas… das wir hin und wieder nach einer Regenaration des Doktors erleben, in dieser Weise aber am stärksten bei Peter Capaldi. Der Doktor ist neu, aber irgendwie ein wenig neben der Spur. Ähnlich wie später bei Capaldi scheint bei ihm noch nicht alles ganz richtig zu funktionieren, weswegen er sich zunächst sehr seltsam verhält. Vielleicht ist damit auch seine etwas eigene Kleiderwahl zu erklären, die ihn wie einen Lappenclown aus dem Kölner Karneval wirken und jede Unauffälligkeit vermissen lässt. Nicht nur auf dieser DVD, auch auf anderen hat Colin Baker mehrmals zu Protokoll gegeben, dass ihm ein anderes Outfit lieber gewesen wäre, etwas, das mehr in die Richtung geht, die Eccleston seinerzeit eingeschlagen hatte. Nun, dafür ist es dann wohl zu spät… es sei denn, er besitzt eine eigene TARDIS und nutzt sie, um in die Vergangenheit zurück zu reisen und seine Folgen neu zu drehen.

Die Geschichte mit den Zwillingen ist ganz okay, die Cybermänner in der Folge danach fester Bestandteil des Whoniverse, auch wenn sie, wenn der erste Kontakt mit ihnen die Davies-Variante nach dem Neustart war, heute wenig erschreckend daherkommen, dann folgt ein kleiner Höhepunkt mit Varos und ein nettes Gedankengefecht mit Meister und Rani. Die Folge lässt den Meister fast ein wenig blass dastehen, denn sie beweist, wie viel interessanter eigentlich die Figur der Rani ist. Nicht nur sexy, sondern auch clever ist sie ein würdiger Gegner für den Doktor und es ist schade, dass man sie seit Jahren nicht wieder aus der Versenkung geholt hat. Vorher haben wir aber eine Folge, in der nicht nur Sean Connerys Sohn Jason mitspielt, sondern die auch ein paar wunderbare Anflüge von Medienkritik hat und mit einer schönen Pointe endet. Und irgendwie wirkt das alles, trotz der handelsüblichen Steinbrüche und Gesellschaften, die nur aus Korridoren zu bestehen scheinen, durch die Autos oder Roboter gurken, nicht ganz so trashig wie wenig später bei Sylvester McCoy.

Das Whoniversum

Wenn man in die Welt von „Doctor Who“ eintauchen, mehr darüber erfahren, mehr davon sehen möchte, dann sind diese Boxen wirklich das Richtige. Denn neben den Episoden bieten sie soviel mehr, um in das Whoniversum des gallifreyschen Zeitreisenden einzutauchen. Im wie üblich sehr umfangreichen Zusatzmaterial erfährt man meist mehr als nur etwas über die jeweilige Episode, es gibt Einblicke in Jahrzehnte britischer TV-Geschichte, hier zum Beispiel mit der Entstehungsgeschichte der Cybermen. Auch Selbstkritik der Beteiligten kommt dabei nicht zu kurz – und da jede Folge einen Audiokommentar hat, bleiben eigentlich nur wenige Fragen zur damaligen Entstehung unbeantwortet.

Who vadis?

Als nächstes dürfte die zweite Hälfte der 22. Staffel folgen, die Frage ist jedoch, ob man Staffel 23 danach auf zwei Boxen aufteilen wird. Die besteht im Original aus drei Vierteilern (was mich vermuten lässt, dass man bereits dort wieder zum 25-Minuten-Modell zurückkehrt) und einem Zweiteiler, die Folgen heißen in Deutschland jedoch „Das Urteil“ Teil 1-14. Nun, lassen wir uns überraschen.

Fazit Who

Wer vom Doktor einfach nicht genug bekommen kann, für den ist auch diese Box wieder die perfekte Erweiterung des Whoniversums, sowohl was die Geschichten, als auch, was das Zusatzmaterial angeht. Da jeder Doktor anders ist, muss man selbst herausfinden, ob man ihn mag oder nicht. Ab 27.11.2015 kann man das auf DVD.

Neu auf DVD: Doctor Who – Die fünf Doktoren

Bevor es „Die drei Tenöre“ gab, gab es bereits „Die fünf Doktoren“ (und davor, wenn ich nicht irre, auch „The Three Doctors“, aber das ist eine andere Geschichte). Zwei Doktoren vor McCoy gab es ein großes Zusammentreffen… oder sagen wir, ein Mittelgroßes, denn streng genommen ist der Titel aus zwei Gründen ein bisschen Ettikettenschwindel.

Wholigans

Mit „Die fünf Doktoren“ hat der deutsche Zuschauer nun endlich die Möglichkeit, ein paar mehr Doktoren kennenzulernen, quasi vom Anbeginn der Serie an… mehr oder weniger. Nach dem Kurzauftritt der 13 Doktoren im 50 jährigen Jubiläum „Der Tag des Doktors“, treffen hier die ersten fünf Doktoren aufeinander. Fast. Tom Baker, offenbar der Rekordhalter unter den galaktischen Ärzten was die Anzahl seiner Dienstjahre angeht, ist mehr sporadisch an Bord, will sagen: mit einem Ausschnitt aus einer Folge, die es wegen eines Streiks nie zur Vollendung geschafft hatte (die von Douglas Adams geschriebene „Shada“). Er ist also dabei, aber nicht mit dabei. Brigadier Nicolas Courteney spekuliert im Audiokommentar kurz darüber, was es für Gründe dafür von Seiten des Schauspielers geben könnte, lässt sich aber nicht zu Spekulationen (oder Antworten) hinreißen. Auch der erste aller Doktorschauspieler, William Hartnell, ist persönlich nur ganz zu Anfang zu sehen. Da er zum Zeitpunkt der „fünf Doktoren“ leider nicht mehr lebte, wurde sein Doktor von Richard Hurndall übernommen – der, laut Audiokommentar, offenbar kurz nach der Aufzeichnung ebenfalls seine Reise nach Transelor antrat.

So kann das deutsche Publikum nun also einen kleinen Vorgeschmack auf das bekommen, was es, mangels deutscher Fassungen, möglicherweise nie zu sehen bekommen wird: die ersten fünf Doktoren.

Nummer 1 war, wie gesagt, William Hartnell, vertreten durch Richard Hurndall. Doktor Nummer 2 war Patrick Traughton, klein mit dunklem Pagenschnitt in Perückenform. Als 3. Doktor ging nun Jon Pertwee ins Rennen, der Mann mit den wilden weißen Haaren. 4 war dann der durch Abwesenheit glänzende Tom Baker (für viele Briten der absolute Lieblingsdoktor, wie es scheint), der durch Peter Davison als 5. Doktor abgelöst wurde. (6 wird Colin Baker, 7 Sylvester McCoy, 8 Paul McGann… und ab da wird es etwas schwammig. 9 ist jetzt John Hurt, 10 Christopher Eccleston, 11 David Tennant, 12 Matt Smith und 13 Peter Capaldi, nur für den Fall, dass Sie mal in einem Gespräch statt den Namen die Nummer Ihres Lieblingsdoktors nennen sollen).

Die Handlung

Die fünf Doktoren werden aus ihrer Zeit gerissen und in eine schwierige Situation gebracht, die sie lösen sollen, am besten gemeinsam…

Handfeste Handlung, eine schöne Gelegenheit, ein paar der Doktoren kennenzulernen – und einen Ort, der dem deutschen Zuschauer der neuen Ära wegen seiner Zerstörung meist vorenthalten wird: Gallifrey, die Heimat der Timelords. Dort spielt die Handlung, die alles in allem weniger trashig wirkt, als viele Episoden der McCoy-Staffeln. Natürlich gibt es alles, was das Whorz begehrt, vom Meister bis zum Brigadier, von den Kybermännern bis zu den Daleks und zusätzlich jede Menge Reisebegleiter der Doktoren. Wenn mich mein übersichtliches „Doctor Who“-Wissen nicht trügt, dann dürfte Sarah Jane (Elisabeth Sladen) hier den Rekord aufstellen, mit mehr Doktoren zusammengearbeitet zu haben als alle anderen, denn zu den fünfen hier gesellen sich noch zwei David Tennants und, wenn ich recht informiert bin, ein Matt Smith in ihrer Spin-off-Serie. Herzlichen Glückwunsch, Sarah! Schade ist allerdings, dass man von den fünf Doktoren dieses 20-Jahre-Jubiläums möglicherweise keinen wieder sehen wird…

Das Bonuszeugs

Drei Audikommentare, wie üblich mit netten Anekdoten und schönen Details aus der Entstehungszeit, aber auch einer mit dem neueren Doktor David Tennant.

Die fünf Doktoren“ gibt es in drei Versionen, einmal in der britischen Fernsehversion, dann als Dreiteiler in der gekürzten deutschen Variante und noch einmal als „Special Edition“. Die ist zwar etwa zehn Minuten länger, aber trotzdem eher enttäuschend, da man zwar neue Effekte eingebaut hat, aber die neuen Szenen irgendwie nicht besonders auffallen.

Sehr schön und informativ sind die beiden Dokus zum 20. Jubiläum und dieser Folge. Hintergründe, Abgründe, Gründe, genau das richtige, um mehr über den Doktor und seine Geschichte zu erfahren.

Look, Who’s talking!

Fünf Doktoren, eine Stimme. Okay, genau genommen sieben Doktoren (oder acht Schauspieler, wenn wir den ersten Doktor auf Hartnell und Hurndall aufteilen), eine Stimme. Manchmal hat man sich in der deutschen Fassung so entschieden, mal so. Bei „Die Ritter der Kokosnuss“ erhält jedes der Monty Python Mitglieder gleich mehrere Sprecher, statt sie, wie in den anderen Filmen, mit einem Sprecher pro Schauspieler und nicht einem pro Figur zu besetzen. Bei „Austin Powers“ hatte man sich in den ersten beiden Filmen dafür entschieden, jede Figur von Mike Myers (Michael Myers?) mit einem anderen Sprecher zu besetzen – der dritte Film zeigt uns, dass das in dem Fall die richtige Entscheidung war, denn Rick Kavanian, der hier alle Rollen Myers spricht, kann mit dem großartigen Gudo Hoegel für Doktor Evil aus Teil 1 und 2 einfach nicht mithalten. Beim Doktor nun hat man sich, aus welchen Gründen auch immer, dafür entschieden, alle Doktoren vom selben Sprecher sprechen zu lassen: Michael Schwarzmaier. Wahrscheinlich, weil man dachte, dass es immer dieselbe Figur ist, also soll sie auch dieselbe Stimme bekommen. Oder so. Wer also Schwarzmaier im Gespräch mit sich selbst erleben möchte, der hat hier in der deutschen Fassung die Gelegenheit dazu.

Und ein kleiner Nachtrag zu Capaldi. Inzwischen hatte ich die Zeit, die Staffel auch einmal auf deutsch zu sehen… nuuuuun, das ist ein bisschen eine enttäuschende Erfahrung, da Capaldi im Original schon etwas sehr besonderes hat, das mit Bernd Vollbrecht ziemlich verloren geht. Die deutsche Fassung verliert in meinen Ohren durch den Sprecher schon sehr. Schade, sehr schade.

Who vadis?

Es geht weiter mit dem Doktor, aber, wie gesagt, mit keinem der fünf, die wir hier erleben dürfen. Tatsächlich überspringen wir die letzte Staffel mit Doktor 5 Peter Davison (weil dafür wahrscheinlich bislang keine deutsche Fassung vorliegt) und machen da weiter, wo auch das Fernsehen damals weitergemacht hat, nachdem das Material mit McCoy aufgebraucht war: Beim 6. Doktor Colin Baker. Mit dem dürfte es zwei Staffeln geben, das heißt, die Aussicht beim nächsten Mal dürfte inzwischen auch relativ klar umrissen sein… spannend ist dann aber die Frage: Was kommt danach? Der Film mit Paul McGann? Neue Staffeln mit alten Doktoren, die entweder aktuell synchronisiert wurden oder vielleicht gar keine deutsche Tonspur anbieten werden? Oder kommt vielleicht erstmal gar nichts mehr… wir werden sehen!

Die fünf Fazits

Ein Ausblick auf ausbleibende Attraktionen. 20 Jahre „Doctor Who“, 5 Doktoren… diverse Reisebegleiter. Wer sich schon immer dafür interessiert hat, was vor Smith war, oder vor Tennant, Eccleston, McCoy (McGann und Baker II lassen wir erstmal außer Acht), die können hier ein bisschen hineinschnuppern. Andere Doktoren, andere Sitten – hier lernen wir fünf davon kennen. Naja, vier. Wer dabei Appetit auf mehr bekommt, kann sich ja in seine TARDIS setzen, und die Erstausstrahlung der Serie im britischen Fernsehen verfolgen… oder in die Zukunft reisen, um zu schauen, ob es dort auch deutsche DVDs von den ersten fünf Doktoren geben wird. Bis dahin kann man sich aber erstmal hiermit die Zeit vertreiben – ab dem 28.8.2015.

Neu auf DVD: Doctor Who – Siebter Doktor, Volume 3

Die letzte Staffel mit Sylvester McCoy als Doktor, eine Ära geht zu Ende, oder vielmehr Ären! Denn seit den 60er Jahren reist der Doktor durch Raum und Zeit, mit verschiedenen Begleitern und mit verschiedenen Gesichtern. Doch mit dieser Staffel kommen die Zeitreisen des Briten von Gallifrey zu einem vorzeitigen Ende, oder einer kurzen Unterbrechung in seiner Zeitreiselinie, wenn Sie so wollen. Was folgen sollte war eine längere Pause, dann der Versuch eines amerikanisierten Neustarts, eine noch längere Pause und dann die Wiedergeburt durch Russell T. Davies mit Christopher Eccleston. Doch bevor es soweit ist, sehen wir uns doch einmal an, was uns diese blaue Box so bringt.

Was gibt’s?

Doktor Who – Staffel 26“, enthält folgende Geschichten, die damals 3- oder 4-Teiler mit einer Laufzeit von je 25 Minuten pro Folge waren:

  • Excalibur’s Vermächtnis / Battlefield (Teil 1-4)

  • Das Haus der tausend Schrecken / Ghost Light (Teil 1-3)

  • Die Todesbucht der Wikinger / The Curse of Fenric (Teil 1-4)

  • Der Tod auf leisen Sohlen / Survived (Teil 1-3)

Zu den Episoden „Excalibur’s Vermächtnis / Battlefield“ und „Die Todesbucht der Wikinger / The Curse of Fenric“ gibt es zusätzlich eine extra für die DVD entstandene Spielfilmfassung mit zusätzlichen Szenen – und das ist doch eine sehr vernünftige Idee, aus den Serials einfach einen langen Film zu machen. Man hat sich sogar die Mühe gemacht, die deutsche Tonspur an diese neue Fassung anzupassen, damit auch der deutsche Zuschauer auf seine Sprache (mit Ausnahme der eingefügten Szenen) nicht verzichten muss. Hut ab, das ist guter Dienst am Kunden!

Das Who is Who des Doctor Who

Bei „Doctor Who“ kann und muss man in zwei Richtungen denken, nach vorne und nach hinten, ist ja nicht wirklich überraschend bei einem Zeitreisenden. Denn hier darf der deutsche Zuschauer erstmals rückblickend eine wichtige, wiederkehrende Figur der Serie kennenlernen, auf die es bereits Anspielungen gab, die er aber bislang nie zu sehen bekam. Gemeint ist Brigadier Lethbridge-Stewart, der hier einen von seinen zwei deutschen Auftritten hat (der andere wird in „Die fünf Doktoren“ sein). Dem britischen Publikum dürfte er bekannt sein, dem deutschen wohl weniger. David Tennants Doktor macht in der Doppelfolge „The Sontaran Stratagem / The Poison Sky“, als er mit UNIT zu tun hat, eine Anspielung auf den Brigadier und dessen Fehlen, Matt Smiths Doktor trifft sogar dessen Tochter – und, Vorsicht, Spoiler, im Finale von Peter Capaldis erster Staffel trifft er sogar noch mehr. Für alle, die sich immer gefragt haben, wer dieser ominöse Brigadier eigentlich sein soll, schließt sich hier nun endlich der Kreis.

Außerdem erfährt man, dass der Doktor einmal Merlin… gewesen sein wird, eine Geschichte, die also noch in seiner Zukunft liegt. Wann und ob wir diese Geschichte einmal zu sehen bekommen werden und welcher Doktor es sein wird, darauf können wir gespannt sein.

Dies ist übrigens nicht nur die letzte Staffel vor dem Neustart, sondern damit auch die letzte Staffel im alten Format. Was bedeutet, dass es zum letzten Mal Folgen von 25 Minuten Länge gibt, deren Handlungsbogen 3 bis 4 Episoden umfasst. Das Konzept des Serials mit Cliffhanger am Ende und Auflösung in der nächsten Folge wird die Reise ins nächste Jahrtausend nicht überstehen, beim Neustart orientiert man sich weniger an britischen Sendeformaten (für gewöhnlich 6 Folgen pro Staffel) sondern am amerikanischen Modell mit 13 Episoden a 45 Minuten.

Die Geschichten

Aber nicht nur in der Zukunft des Doktors wird sich etwas ändern, es beginnt schon in dieser Staffel. Der Clown wird ernster. Kein Löffelchenspiel von McCoy, das zeigt uns, dass das Herumalbern vorbei ist. Kaum verwunderlich also, dass auch die Folgen eher in eine andere Richtung gehen: Horror. Oder das britische Low-Budget-Fernseh-Äquivalent davon. Es beginnt zwar mit einer Artus/Merlin-Rittergeschichte, aber schon in der zweiten Folge landen wir in einer Art Spukhaus. Episode 3 ist dann ein wenig wie „The Fog“ ohne den Nebel gemischt mit „The Imitation Game“ ohne Homosexualität und zum Abschluss der Staffel (und quasi des siebten Doktors) kehren wir endlich wieder in einen britischen Steinbruch zurück, um dort nicht nur den „Master“ zu treffen, sondern auch eine Reise zum „Planet der Katzen“ zu machen.

Damit hat Sylvester McCoy die großen und klassischen Gegner des Doktors zusammen (beim großen „Doctor Who Quartett“): Daleks, Davros und Cybermen in Staffel 2, den Master in Staffel 3. Alles in allem sind die Geschichten sehr entclownt und gehen in eine düstere Richtung, was für die Zukunft spannend hätte werden können, wenn es denn eine gegeben hätte. Doch da niemand wusste, dass dies die letzten Abenteuer des siebten Doktors sein würden und da Fernsehen damals noch anders funktionierte, gibt es am Ende keinen großen Knall oder Cliffhanger.

Bonus

Wie immer wird man mit Bonusmaterial überhäuft. Audiokommentare so weit das Öhrchen reicht, aber auch jede Menge Dokus und Filmaufnahmen von den Dreharbeiten. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie „Doctor Who“ in den 80ern entstanden ist, der muss hier seine Phantasie wenig belasten. Schön ist auch, wie ehrlich und selbstkritisch die Beteiligten mit den Episoden umgehen, die sie nicht für so gelungen halten. Erfrischend, angenehm und unterhaltsam – ebenso wie die Kommentare zu den Folgen, bei denen McCoy, Sophie Aldred und diverse andere fröhlich aus dem Nähkästchen plaudern. Besonders interessant ist der Beitrag, in dem es darum geht, was für die nächste Staffel möglich gewesen wäre und warum der Doktor vorübergehend abgesetzt wurde… wenn auch länger, als erwartet.

Who Vadis?

Der siebte Doktor ist komplett… nun, nicht ganz. Denn wie wir wissen übergibt Sylvester McCoy in „Doctor Who – der Film“ den Staffelstab noch an Paul McGann, es fehlt also noch ein kleines Puzzlestück, um die Lücke zwischen der langen ersten Phase des Doktors und seiner Regeneration im 21. Jahrhundert zu schließen. Die DVD-Box sagt uns nichts über die Veröffentlichung des Films, aber sie kündigt etwas anderes an: „Die fünf Doktoren“, ein Zusammentreffen von fünf Doktoren und drei Tenören… von fünf Doktoren vor Sylvester McCoy. Was zeigt, dass man gewillt ist, auch weiterhin in die Welt des Doktors einzutauchen. Ob danach dann die synchronisiert vorliegenden Staffeln mit Colin Baker folgen werden oder der Film… oder nichts… das werden wir auf dem Beipackzettel in jener Box sehen. Lassen wir uns überraschen!

Fazit Who

Für Komplettisten unverzichtbar. Mit Ausnahme seiner Degenerierung in „Der Film“ liegen damit alle Episoden des siebten „Doctor Who“ Sylvester McCoy vor – und das in deutscher Sprache. Finanziell möglicherweise eine Alternative zu den britischen Einzelboxen (pro Geschichte), mit jeder Menge Bonusmaterial ausgestattet und ein guter Einblick in das etwas trashigere Fernsehen der 80er Jahre. (Wer glaubt, die „Whos“ der 60er und 70er wären weniger trashig, der irrt!) Trotzdem die liebevollste Art, wie man mit einer in die Jahre gekommenen Serie umgehen kann – woran sich viele andere ein Beispiel nehmen sollten! Ab 24.4.2015 auf DVD.