Neu im Kino: Boyhood

Manchmal ist die Geschichte hinter einem Film interessanter als der Film selbst. Die Grundidee von „Boyhood“ ist großartig: Eine Geschichte nicht nur über mehrere Jahre zu erzählen, sondern sie auch über mehrere Jahre (2002-2013) zu filmen, also die Figuren nicht künstlich altern zu lassen, sondern die Schauspieler zu sehen, wie sie auch in Wirklichkeit älter werden.

Before…

Etwas Ähnliches hat Regisseur Richard Linklater schon vorher gemacht. In „Before Sunrise“ lernen sich zwei junge Leute kennen, etwa neun Jahre später in „Before Sunset“ treffen sie sich wieder und weitere neun Jahre später in „Before Midnight“ sehen wir, wie sich ihre Beziehung seitdem entwickelt hat. Ein wunderbares filmisches Experiment, das ehrlich mit sich und mit seinen Schauspielern umgeht und eventuell auch noch nicht beendet ist (freuen wir uns auf „Before Noon“).

Bei „Boyhood“ hat Linklater nun ein ähnliches Prinzip angewandt, diesmal aber für einen einzigen Film. Elf Jahre vergehen zwischen dem Beginn des Films und seinem Ende, sowohl für die Figuren als auch für die Schauspieler. Was den Vorteil hat, dass man die jungen Kinder vom Anfang nicht später durch andere Schauspieler austauschen muss, es sind immer dieselben Leute, die dieselben Figuren spielen. Das ist wirklich gelungen und wunderbar.

Aber…

Leider wird diese wunderbare Grundsituation nicht durch die Handlung des Films gestützt. Hat man schon einmal so ein tolles Konzept und ist auch in der Lage, es umzusetzen, dann ist es eigentlich schändlich, es durch eine derart, nunja, banale Handlung zu verschwenden. Denn, ganz ehrlich, für diese Handlung hätte man auch die Schauspieler austauschen können, denn was wir sehen ist, wie es der Titel sagt, wie ein Junge langsam erwachsen wird (das, liebe Presseleute, dürfte die angemessene deutsche Umsetzung für den Begriff „coming-of-age-story“ sein, das kann man wohl so gerade eben noch übersetzen, oder?). Es ist schön, zu sehen, wie die Darsteller älter werden, wie aus dem Jungen ein junger Mann wird und aus seiner Schwester eine junge Frau – aber das ist es dann auch leider schon. Die Handlung kommt ohne große Höhepunkte aus, ohne große Spannung, sie ist fast so, wie sie wahrscheinlich fast jeder amerikanische Jugendliche erlebt (hat). Das ist dann zwar eine ganz nette Abbildung der Wirklichkeit, aber dafür hätt es dann auch ein Fotoalbum getan. Wozu, ich frage es noch einmal, verschwendet man ein so wunderbares Konzept für eine so banale Geschichte, die zwar jeder nachvollziehen kann, aber vor allem, weil er sie selbst erlebt hat. Kino kann mehr als das, Linklater kann mehr als das.

Womit wir beim nächsten Punkt sind: Bei dieser Handlung, die eine Laufzeit von 163 Minuten eigentlich nicht rechtfertigt, wäre für dieses Projekt vielleicht das Fernsehen das angemessenere Medium gewesen. Ein schöner Dreiteiler, jeder Teil eine Stunde lang. Aber dann würde man a) das Altern der Figuren vielleicht nicht so hautnah erleben und es b) auffallen, dass es eigentlich keine nennenswerte Geschichte gibt, Episoden, die aneinanderhängen und das Altern der Figuren zeigen, aber nichts, wo man sagen würde: Oh, das hätte ich jetzt unbedingt sehen müssen.

Für einen Film dieses Konzepts wäre eine größere Handlung besser gewesen, eine stärkere Geschichte, es muss ja nicht gleich episch sein und es muss auch nix explodieren, aber wenn ein versoffener Stiefvater die größte Klippe des Films ist, dann bleibt er weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Leider, sehr, sehr leider!

Spieler…

Es ist interessant, die Figuren und die Schauspieler altern zu sehen. „Before… Something“ Schauspieler und Mitautor Ethan Hawke ist mit von der Partie, ebenfalls Patricia Arquette – die Eltern der Hauptfigur. Mehr im Mittelpunkt (und spannender zu betrachten) sind jedoch Lorelei Linklater (wahrscheinlich die Tochter des Regisseurs) und Ellar Coltrane, die beiden Kinder, deren Entwicklung man während des Films verfolgen kann. Sie machen das wirklich sehr gut. Tja, hätte es für sie doch eine etwas interessantere Geschichte gegeben! Kinostart ist der 5. Juni 2014.

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Neu im Kino: Cuban Fury – Echte Männer tanzen

Stellen wir uns der philosophischen Frage: Reicht es, wenn eine Komödie nicht langweilig ist – oder muss sie auch lustig sein? Leider gibt das Infomaterial den Film als „Komödie“ an, also fürchte ich, dass wir auf diesen Aspekt eingehen müssen und nicht einfach von „irgendwie ganz nettem Film“ sprechen können. Denn wenn eine Komödie die Aufgabe hat, witzig zu sein, um diese Bezeichnung zu verdienen, dann versagt der Film in dem Punkt.

Die Figuren und so

Ja, also, die Figuren sind nicht lustig, die Dialoge sind nicht lustig… die Geschichte ist nicht lustig. Von Minute 5 an weiß man, wo und wie der Film enden wird – das hat man öfter, aber wenn das, womit die Zeit dazwischen ausgefüllt wird, spitzig und amüsant oder tieftraurig und herzerwärmend oder geil und sexy ist, dann kann man darüber hinwegsehen. Hier laviert sich der Film irgendwie so durch die Gegend. Nick Frost, der in „The World’s End“ gezeigt hat, dass er mehr als nur den schrägen Sidekick drauf hat, ist… da. Chris O’Dowd, den wenigsten bekannt aus der durchaus amüsanten Serie „The IT-Crowd“, ist einfach nur ein Arsch ohne viel Tiefgang und selbst Ian McShane (großartig in „Deadwood“) reißt nichts heraus. Auch wenn man hier – wie bei den meisten britischen Komödien – ein Wiedersehen mit vielen Schauspielern aus verschiedenen britischen Sitcoms hat, hilft das nicht, über den fehlenden Witz hinwegzutäuschen.

Die Handlung? Wirklich? Na gut. Junge wird auf Weg zu Tanzfinale gedemütigt und gibt das Tanzen auf, bis eine schnuckelige Amerikanerin wieder das Fieber in ihm weckt. Irgendwie ein bisschen so wie „One Chance“, der Paul Potts Film, nur weniger lustig… was leider nicht mal ein Scherz ist!

Ja, also, wer Tanzfilme mag… oder so was… der… hat da vielleicht Spaß dran? Und am Ende gibt es ein Finale, also ein Tanzfinale, wo getanzt wird, also Salsa. Und das war’s dann auch eigentlich. Ab 6. Juni 2014 im Kino.

Neu auf DVD: Lunchbox

Sehr schön, um es kurz zu sagen. Die Handlung: Ein mürrischer älterer Mann bekommt das falsche Mittagessen (in einer Lunchbox) geliefert und daraus entspinnt sich ein über kleine Botschaften geführter Dialog mit einer jungen Frau, eine Art Fernbeziehung, die möglicherweise beider Leben ändert.

3 Stunden und ein paar Musicaleinlagen

So stellt man sich indische Filme vor – und ich fürchte, oft genug hat man damit recht. Ich geb es zu, ich bin damit nie warm geworden. Dieser Film entspricht diesen Klischees nicht, aber daraus zu schließen, dass das der Grund ist, warum ich ihn mag, wäre vielleicht etwas zu einfach gedacht. Er hat eine schöne Geschichte, er hat gute Darsteller, allen voran Irrfan Khan aus „Life of Pi“, und er hat eine gewisse Zeitlosigkeit. Liegt vielleicht daran, dass ich noch nie in Indien war, aber würde nicht irgendwann das Wort „E-Mail“ erwähnt, es wäre für den Außenstehenden schwierig, festzumachen, ob der Film in den 80ern, 90ern oder im 21. Jahrhundert spielt. Und das halte ich eher für einen Vor- als für einen Nachteil, denn Dinge, die zeitlos sind, kommen irgendwie nie aus der Mode.

Liebe geht…

…durch den Magen, so sagt man bekanntlich. Und so scheint es denn auch in Indien zu sein. Denn mit einem leckeren Gericht fängt alles an und auch im Weiteren bleibt das Essen ein wichtiger Mitspieler in diesem Beziehungsgeflecht. Mit jeder neuen Mahlzeit bekommt die Hauptfigur nicht nur einen Gaumengenuss, sondern auch eine neue Nachricht – und er schickt eine zurück. Beide Protagonisten erfahren auf diesem Wege mehr über den anderen und treffen neue Entscheidungen. Wie das ganze ausgeht… nun, um das zu erfahren, sollte man sich den Film ansehen!

Bonus

Es gibt ein Booklet mit Rezepten aus dem Film. Das Interview mit Regisseur Ritesh Batra gibt einen schönen Einblick in den Hintergrund des Films, seine Entstehung und das Gewerbe der Lunchboxlieferanten. Sehr sympathisch ist der Audiokommentar mit Ritesh Batra, Irrfan Khan und Hauptdarstellerin Nimrat Kaur, der uns nicht nur etwas über den Film und sein Zustandekommen erzählt, sondern auch über die daran Beteiligten.

Fazit

Ein sehr schöner Film, der sich zu sehen lohnt. Ab 28.5.2014 auf DVD.

Stirb an einem anderen Tag

Die große James Bond Retrospektive

Es ist wirklich traurig… aus mehreren Gründen. Es ist traurig, dass dies Pierce Brosnans letzter Bond Film ist, denn für mich war es immer eine Freude, ihn in der Rolle zu sehen. Und es ist traurig, dass dieser Film in etwa einer Klassenarbeit entspricht, deren Endnote sich aus den Kategorien Grammatik und freier Text zusammensetzt und bei der man in einem Bereich eine 1 hat und im anderen eine 6! Die erste Hälfte des Films ist großartig, das Beste, was Bond in den letzten Jahren zustande gebracht hat. Es weicht komplett von der Formel ab, was es besonders interessant macht, denn es ist neu und es ist gut: Bond wird gefangen genommen, gefoltert, fast gebrochen, fallen gelassen und muss dann auf eigene Faust und nur mit seinem Verstand weitermachen. Das ist phantastisch. Doch sobald er zurück zum MI6 kommt, beginnt der Film schwächer zu werden… und kippt gegen Ende komplett. Aber beginnen wir mit einem anderen Schwachpunkt:

Die schlimmsten Bond Songs aller Zeiten

Und da ist unser erster Gewinner: Madonna! Was sie hier abliefert ist eins der schrecklichsten Lieder, die je im Vorspann eines Bond Films zu hören waren – und es teilt sich diese Ehre mit einem anderen Song, auf den wir zu gegebener Zeit zu sprechen kommen. Nichtsdestotrotz ist das furchtbar!

Der Film beginnt diesmal nicht nur mit einem Teaser, der für den Film selbst wichtig ist, sondern diesmal ist der anschließende Song eine Fortführung des Teasers, oder, um es mit den Worten meines Freundes Marco Behrens zu sagen: „Bond wird 14 Monate mir Madonna Songs gefoltert.“ Das wiederum würde das Titellied in einen gewissen Kontext rücken – schade, dass es nicht so gedacht war!

Es gibt auch wieder die inzwischen üblichen Einblendungen von Ortsnamen – und es gibt das, auf das wir alle gewartet haben. Viele Leute beschweren sich über die schlechten Computereffekte in diesem Film, aber, seien wir ehrlich, die sind nur eine konsequente Fortführung und moderne Version der schlechten Rückprojektionen. Und die bekommen wir hier im großen Stil zurück! Konsequent… aber schlecht!

Gute Figur

Es gibt ein paar gute Figuren, aber auch da gibt es Abstriche. Wie üblich ist der Film eine Spur zu lang und hat ein paar Charaktere, auf die man durchaus verzichten könnte. Leider verzichtet man handlungsbedingt auf einen guten Schauspieler, denn Will Yun Lee ist leider nur in der Anfangssequenz zu sehen, was sehr schade ist. Auch Oscarpreisträgerin Halle Berry wird ihrem Titel nicht ganz gerecht, ebenfalls schade, da wir hier mal wieder eine aktive und starke Frauenfigur hätten. Der Mann mit der diamantenen Fresse ist zwar eine nette Idee, eine, die zu den üblichen Bond Übertreibungen passt, doch unterm Strich wäre ein Attentäter mit blitzenden Diamanten im Gesicht genauso unauffällig, wie ein Profikiller, der mit goldenen Kugeln schießt.

Die Handlung bietet einmal mehr keinen direkten Oberschurken – oder sagen wir so, wir erfahren erst später, was es mit ihm eigentlich auf sich hat. Das ist aber durchaus in Ordnung, da vorher im Laufe des Films immer wieder kleine Hinweise dazu gegeben werden, also hätte man wohl auch selbst drauf kommen können. Dass es einen Plan, der Diamanten und einen Satelliten zum Kaputtmachen von Sachen schon mal gegeben hat („Diamantenfieber“), hatten wir ja vor Ort schon geklärt.

Es gibt auch mal wieder einen Verräter innerhalb der Organisation. Was mit „GoldenEye“ begonnen und mit „24“ bis zur letzten Konsequenz wieder und wieder ausgeschlachtet wurde, wird uns auch bei Bond wieder begegnen.

Wie inzwischen üblich verpulvert der Film seine besten Actionsequenzen an den falschen Stellen. Die Hoverboat-Jagd am Anfang ist ganz nett, ein kleiner Höhepunkt ist aber der Schwertkampf in der Mitte des Films. Der gehört zwar kein Stück in einen Bond Film und ist sicher dem Erfolg von „Herr der Ringe“ geschuldet, aber doch ist er eine schöne Szene, weil es nämlich ein echter Kampf mit echten Menschen ist und kein hingerotzter CGI-Dreck (der kommt ja, wie gesagt, später).

Beim Barte des Bondpheten

Dies dürfte das erste Mal sein, dass wir Bond mit langen Haaren und Bart sehen – offensichtlich war der Service im Nordkoreanischen Gefangenenlager nicht gut und kostenfreie Hygieneartikel standen nicht zur Verfügung. Während bei „Star Trek“ der Bart ein Zeichen für böse Schrägstrich Paralleluniversum ist, ist es bei Bond das Zeichen für gefallener Held, der sich wieder aufrappeln muss. Ist es hier noch durch seinen Aufenthalt im Gefangenenhotel begründet, dürfte es bei „Skyfall“ dann pure Faulheit des Agenten sein, noch auf sein Äußeres zu achten. Großartig ist übrigens die Szene, in der Bond im Pyjama und verlottert aussehend in ein Hongkonger Hotel hineinmarschiert.

Aus unserer beliebten Rubrik „Bond Bullshit“ haben wir auch was zu bieten, denn neben dem Schuss ins Bein in „Feuerball“ und dem verletzten Arm in „Die Welt ist nicht genug“ sehen wir hier Bond auch bluten, und zwar aus der Nase. Daniel Craigs demolierte Fresse ist also kein Präzedenzfall.

Bond raucht Zigarre, aber er ist auch in Kuba, wo sich das so gehört. Dort bekommen wir auch eine nette kubanische Version des James Bond Themas. Überhaupt liefert David Arnold einmal mehr einen hervorragenden Bond Soundtrack ab – leider zum bislang letzten Mal. Und das Titellied…

Wir bekommen die Flughafenstimme aus „Der Morgen stirbt nie“ in der Klinik zu hören, aber das nur am Rande.

Wann übrigens der Bollinger den Dom Perignon als nobles Blubberwasser nach Bonds Geschmack abgelöst hat, habe ich jetzt irgendwie übersehen, wird aber wahrscheinlich schon vor diesem Film gewesen sein.

Herzlichen Glückwunsch, Mr. Bond

Da „Stirb an einem anderen Tag“ zum 40 jährigen Jubiläum der James Bond Filme entstand, hat man es sich natürlich nicht nehmen lassen, einige Anspielungen auf die Reihe einzubauen – liebevolle Anspielungen, wie ich finde, nicht so eine unpassend aufdringliche hier-habt-ihr-Scheiße wie in „Skyfall“. Schauen wir doch mal, was wir da so haben…

In Kuba betrachtet sich Bond ein Buch, auf dem groß das Wort „BIRDS“ zu lesen steht, wahrscheinlich ist der volle Titel „Birds of the West Indies“, ein Buch, das in der Bibliothek von Ian Fleming nicht fehlte und das geschrieben war von einem Mann namens James Bond – dem Namensgeber unserer Figur.

Bei seiner ersten Begegnung mit Jinx (die ja beim aus dem Wasser steigen den gleichen Gürtel trägt wie dereinst Ursula Andress in „Dr. No“) sagt Bond: „My friends call me James Bond“, was genau das ist, was Connery dem russischen Mädel in „Liebesgrüße aus Moskau“ sagt.

Als Bond auf Los Organos (subtiler Name, Freunde) durch das Krankenzimmer in die Klinik eindringt, stibitzt er sich im Vorbeigehen eine Weintraube, wie einst Connery in „Feuerball“ beim Verlassen von Graf Lippes Zimmer.

Bonds Einsatz beim Fechtkampf ist einer der Diamanten von Gustav Graves und damit etwas, das für diesen Gegner wichtig ist – so wie es bei Goldfinger ein Goldbarren war und bei Kamal Khan in „Octopussy“ ein Fabergé Ei.

In Qs Keller finden sich auch noch ein paar Requisiten aus alten Filmen. Aufgefallen sind mir das Krokodil und das Miniflugzeug aus „Octopussy“, Rosa Klebbs Schuh aus „Liebesgrüße aus Moskau“ und der Raketenrucksack aus „Feuerball“. Aus diesem Film stammt auch das kleine Tauchgerät, das Bond später im Film benutzt.

Qs Bemerkung, dass dies Bonds 20. Uhr sein müsste, ist eine Anspielung auf die Anzahl der Filme („Sag niemals nie“ nicht mitgerechnet), Bonds Ausspruch „You must be joking“ eine Antwort, die er auch schon zur Existenz des Schleudersitzes gemacht hatte. Qs Standardspruch dürfte übrigens sein: „Pay attention, 007!“

Ob wir die peinliche Szene mit dem Laser als eine Anspielung auf „Goldfinger“ interpretieren sollen, sei dahingestellt, dass Bond mit seiner Knarre unter dem Kopfkissen schläft (auch beim Liebesspiel), wie er es hier tut, behauptet er bereits in „Feuerball“ (wo er nur für sein Land mit Fiona Volpe geschlafen hat, Spaß hatte er dabei nicht).

Der letzte Brosnan

Wie gesagt, es ist traurig. Die erste Stunde gehört zu meinen absoluten Lieblingsmomenten bei Bond. Danach wird es stetig schlechter und macht das Großartige ein wenig kaputt – und zwar nur, weil man Bond ist und immer übertreiben muss. Das Ende ist also nur dem eigenen „Ego“ oder schon fast der eigenen Konsequenz geschuldet, immer zuviel zu machen. Das unsichtbare Auto zum Beispiel ist eine logische Konsequenz der Bond Übertreibungen, aber es ist auch einfach Quatsch. Wie üblich gibt es auch mindestens eine Actionszene zuviel. Beim Eisplanet… Eispalast flieht Bond erst (siehe beschissene CGI-Effekte) und dann gibt es eine Autoschlacht mit Diamond-Face (wär n guter Name für nen Killer). Das ist zuviel und redundant und blödsinnig – und nur, um die Wirkung des Satelliten zu zeigen… und selbst das ist Quatsch, weil sie das mit dem Eispalast wenig später ohnehin tun. Also Fluchtsequenz raus und direkt Auto gegen Auto (wobei Diamantengesicht ein Cabrio fährt – in Island!). Das hätte dem Film schon mal ein bisschen gut getan – und wir wären um die furchtbaren Bluescreeneffekte herumgekommen.

Ein echtes Trauerspiel, denn bis Eispalast finde ich den Film großartig, bis zum Start des Flugzeugs verliert er zwar ein wenig, ist aber noch recht gut, doch der Showdown ist mal wieder katastrophal. Schade, Mr. Bond.

Und dann der Schluss mit Moneypenny: das hätte die letzte Szene sein sollen. Gut, die Produzenten wussten zu diesem Zeitpunkt wohl nicht, dass sie alles, was sie bisher hatten, in die Tonne treten und „neu anfangen“ würden, aber wenn man das gewusst hätte, dann hätte man hier den Schlussstrichen ziehen können und einen guten Schlussstrich: Bond kommt ins Büro, er und Moneypenny küssen sich, sind ein Paar – und Ende! Wäre ein perfekter Abschluss gewesen, der sagt: Bond hat seine Abenteuer hinter sich, hat sich (und anderen) die Hörner abgestoßen und jetzt setzt er sich mit der Frau, die ihn schon immer geliebt hat, zur Ruhe. Ein perfektes Ende… doch sie versauen es nicht nur dadurch, dass sie noch die Szene mit Oscar-Jinx anhängen, sondern auch noch einen Neustart des Franchise machen! Vertane Gelegenheit, meine Freunde von EON, vertane Gelegenheit.

Also verabschieden wir uns hier von Pierce Brosnan, den ich in der Rolle immer sehr geschätzt habe und… freuen uns auf die Rückkehr von Sean Connery. Demnächst in dieser Kolumne.

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

 Auf die Frage, ob er sich den neuen Bond anschaue, spuckte Harald Schmidt seinerzeit die Stakkato-Sätze aus: „Den neuen Bond? Mit Halliberri und Piss Brosnan? Schau ich mir nicht an!“. Offenbar ist dieser Kabarettist kein Bond-Fan. Aber so schlimm wird er nicht sein, der 2002 von Lee Tamahori inszenierte letzte Brosnan-Bond, oder?

Im Vorsetzer lässt Bond einen korrupten nordkoreanischen Militär hochgehen. Saubere, krachige Action in originellem Setting (ein schlammgraugrünes Nordkorea). Mit Luftkissenbooten durch ein Minenfeld. Wo hat man das schon mal gesehen?

Es folgt der kreative und wilde Vorspann, der in fiebrigen Visionen Bonds Folter schildert. Nur schade, dass Madonna dazu singt.

Starker Moment in Filmminute 20: Bond wankt verlaust und abgerissen über eine neblige Brücke, er wird nach 14 Monaten ausgetauscht gegen Zao, das Diamantengesicht. Doch niemand will ihn mehr. M ist patzig und ruppig zu Bond, stellt ihn außer Dienst. „Ihr Doppel-Null-Status ist annuliert“ – nicht mal aufs Klo darf der arme Mann noch, harhar.

26. Minute: Eine der schönsten Augenblicke der neueren Bondgeschichte – Bond latscht tropfnass, halbnackt und bärtig in den Hong Kong Yacht Club, wird dort als Stammgast begrüßt und bekommt die Präsidentensuite! Mit Unterstützung der freundlichen Chinesen macht sich Bond auf die Jagd nach Zao, der in Kuba gesichtet wurde. Und raucht dort wieder ausgiebig Zigarren (die haben ja sonst nichts auf Kuba).

34. Minute: Die schaumgeborene Halliberri entsteigt im orangenen Bikini dem Ozean, lässt einen abgestandenen Anmach-Dialog über sich ergehen – und danach im Bett auch James. Sie lieben sich als gäbe es kein Morgen, dabei weiß doch jeder: Der Morgen stirbt nie. Mir fällt auf, dass Halliberris Figur „Jinx“ die Haare kurz trägt – läuft das nicht gegen jedes Bond-Girl-Muster?

43. Minute: Rabatz in der Klinik von Dr. Alvaro, der „Gentherapie“ anbietet und Menschen formwandeln kann! Hello, Science Fiction. Dort liegt unter Hypnose auch Zao, der lieber „Thomas Schiller aus Hamurg“ werden und „ein Bankkonto eröffnen“ möchte. Warum nicht gleich diese Herrenboutique mit dem Papst in Wuppertal? Bond stört ihn dabei, doch Zao entkommt. Auch Jinx ist hinter ihm her, kann aber nur Dr. Alvaro ausschalten. Köppert dann rückwärts ins Meer und sichert sich somit die Höchstwertung der kubanischen Turmsprung-Jury. Bravo.

49. Minute: Auftritt der beiden letzten tragenden Figuren. Gustav Graves, Bösewicht und Blutdiamantenhändler (Gott, muss es ja auch geben) und seine PR-Agentin Frau Frost (Rosamunde Pike in ihrer ersten Rolle!). Damit kommen wir flugs zur Kampfszene im Fechtclub. Wunderbar schwitzige, altmodische Action wie aus einem Douglas-Fairbanks-Film. Großartig.

60. Minute: Bond ist wieder nützlich für den Geheimdienst Ihrer Majestät, wird von M wieder zurückgeholt – muss aber erst mal ne Runde auf dem Holodeck trainieren. Hello, Science Fiction, die zweite. Q taucht auf und präsentiert Bond einen Ring. Aber nicht weil er ihn heiraten will, sondern der Ring Panzerglas schneiden kann. Und natürlich das UNSICHTBARE Auto. Hello, Science Fiction, die dritte. Das unsichtbare Auto, das auch sonst alles kann, außer Milch aufschäumen.

65. Minute: Auf geht es nach Island, nach Nordkorea ein weiterer unkonventioneller Handlungsort. Fehlte noch Leverkusen, und wir wären komplett. Auf Island steht der EISPALAST (keine Eisdiele, sondern eine Art Hotel ganz aus Eis gebaut) – ist das eine gute Idee in Zeiten globaler Erwärmung? Alle reisen an, weil sie mal lecken wollen: Jinx, Miss Frost, Zao und Bond. Es wird entdeckt, dass Graves in Wahrheit jemand anderes ist, nämlich… Superman, halt: der nordkoreanische Militärzampano, den Bond eigentlich im Vorsetzer exekutiert hatte. Will denn niemand mehr tot bleiben? Formgewandelte Zombie-Klone greifen an! Graves will nämlich mit einem Weltall-Turbo-Bräuner namens „Ikarus“ (keine Angst vor schlechten Omen?) die Welt erwärmen bzw. verkohlen.

77. Minute: Miss Frost geht mit Bond in ein Bett, geformt wie ein Schwan aus Eis. Also das Bett, nicht Miss Frost. Brrrrr. Keine Klagen über kalte Füße? Derweil foltert Zao die freche Jinx mit blauzuckenden Stromstößen als wäre er der Imperator im Zwiegespräch mit Luke Skywalker. Dann fragt er: „Wer schickt sie?“ – und Jinx blafft: „Ihre Mama!“. Who’s your daddy? Ein Mann in Schwarz (nicht Darth Vader, sondern Bond) kommt zur Rettung.

85. Minute: Nette Wendung: Miss Frost hat Bond im Bett geleimt und das Magazin seiner Pistole geleert. Jetzt ist er wieder in den Händen der Nordkoreaner, entschlüpft ihnen aber sogleich wieder und wird von Ikarus beschossen (und flieht surfend übers Eismeer!) – der traurige Tiefpunkt des Films.

92. Minute: Okay, jetzt schließen sich die Autorasereien an. Die sind hochgetunter Mumpitz. Mittlerweile taut Graves den Eispalast ab und Jinx droht darin umzukommen. Praktischerweise ist der Palast wie ein Parkhaus gebaut, und Bond kann mit dem Wagen direkt vor der Zimmertüre vorfahren. Henchman Zao ersäuft, Jinx wird errettet.

125. Minute: Willkommen zum Finale. Ikarus räumt das Minenfeld zwischen Nord- und Südkorea ab (was irre aussieht, wie ich finde!), Bond und Jinx klettern ins Flugzeug der Bösen und räumen auch so Einiges ab. Bond schubst Graves in die Turbine, und Jinx erdolcht Miss Frost, die im Sport-BH und einem Säbel zum Endkampf antritt.

Nette Schlusspointe ist noch, dass sich Moneypenny im Holodeck eine Affäre mit James Bond erlaubt.

Fazit:

Im Großen und Ganzen ist der Film rassig, atemberaubend und brillant inszeniert. Ich mag (trotz meiner flapsigen Bemerkungen oben) gar nicht meckern über „Stirb an einem anderen Tag“. Unterhaltsam ist er. Seine Schwächen hat er – wie alle Bonds. Zu lang ist er natürlich auch mal wieder. Dafür wartet Lee Tamahori mit genügend zauberhaften und memorablen Szenen auf, um Brosnans Abgang würdig zu gestalten.

Ein Lob auch den Darstellern: Toby Stephens als Gustav Graves ist ein tauglicher Schurke (auch wenn ich sein nordkoreanisches Alter Ego aus dem Vorsetzer noch lieber mochte), sein Henchman Zao ist ebenfalls alles andere als übel. Die beachtliche Rosamunde Pike hatte nach Bond tatsächlich noch eine Karriere. Und irgendwo mittendrin ist noch Michael Madsen als rotziger CIA-Macker versteckt… Nur Halleberri nervt ein wenig mit übercoolem Gehabe.

 

Stirb an einem anderen Tag (2002)

Originaltitel: Die Another Day

Regie: Lee Tamahori

Musik: David Arnold / Titelsong: Madonna

James Bond: Pierce Brosnan / Frank Glaubrecht

Jinx: Halle Berry / Melanie Pukass

Miranda Frost: Rosamunde Pike / Ranja Bonalana

Gustav Graves: Toby Stephens / Thomas Vogt

Zao: Rick June / Johannes Baasner

Falco: Michael Madsen / Engelbert von Nordhausen

Col. Moon: Will Yun Lee / Normann Matt

Raoul: Emilio Chevarria / Christian Rode

Varity: Madonna / Sabina Trooger

Robinson: Colin Salmon / Detlef Bierstedt
und

M: Judy Dench / Gisela Fritsch

Moneypenny: Samantha Bond / Anita Lochner

Q: John Cleese / Thomas Danneberg

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

Never Say Never Again

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Neu auf DVD: ALL IS LOST

Ich mag Filme, die sehr reduziert sind. Und ich mag Filme, die einem nicht alles vorkauen, die dem Zuschauer weit genug vertrauen, dass man ihm nicht alles haarfein erklären muss. „ALL IS LOST“ bietet beides.

Ein Mann, ein Boot

Die Anzahl der Filme, bei denen es mehr oder weniger nur eine einzige Person gibt, lässt sich wohl an wenigen Händen abzählen. Dieser Film reiht sich nun in diese sehr kurze Reihe ein und ist in der Art, wie er es durchzieht, sehr konsequent. Es gibt nur eine Person, dargestellt von Robert Redford. Es gibt auch noch eine kaum verständliche Stimme, die aus dem Funkgerät spricht. Aber das war es dann auch mit den Sprechrollen – oder mit den Rollen im Allgemeinen.

Die Handlung ist folgende: Robert Redford ist mit seinem Boot unterwegs. Er wacht auf und stellt fest, dass er gegen einen Container gefahren ist, der ihm ein Loch in die Bordwand gerissen hat. Und später dann beginnt der Sturm und man kann nicht sagen, dass sich die Situation verbessert…

Was ich an diesem Film sehr schätze ist weniger das, was er zeigt, sondern eher das, was er auslässt. Das ist nicht unbedingt immer völlig befriedigend, aber es ist erfreulich, weil er damit den Zuschauer ernst nimmt. Jeder andere Film hätte wahrscheinlich mit einem durchgehenden Off-Kommentar des Protagonisten gearbeitet, der uns minütlich erklärt, was er da gerade macht und wozu das gut ist. Dieser Film verzichtet darauf. Man muss schon zuschauen und sich selbst zusammenreimen, was er da macht und welches Ziel das verfolgt. Das ist, wie gesagt, hin und wieder einen Hauch unbefriedigend, aber letzten Endes sehr schön. Wenn man in der Lage und gewillt ist, mitzudenken.

Was uns wohl auch jeder andere Film gegeben hätte, dieser aber nicht, ist die Vorgeschichte des Mannes, den wir da sehen. Er hätte uns seine Vergangenheit gezeigt, wie er mit seinen Kindern spielt, seiner Frau einen letzten Kuss auf die Wange gibt, bevor er mit dem Boot dahinsegelt… oder irgendeine andere Geschichte. Nicht so „All Is Lost“. Wir erfahren… streng genommen nicht viel, um nicht zu sagen so gut wie nichts. Nicht mal einen Namen. Und warum ist das kein Problem? Weil wir es verdammtnochmal auch nicht brauchen! Danke, dass das endlich mal jemand begriffen hat! Es reicht, wenn wir sehen, wie eine Figur reagiert, was sie tut, wie sie handelt, wir müssen vorher nicht wissen, ob sie verheiratet oder lieb zu Hunden ist. Alles, was wir wissen müssen, ist, dass das ein Mann mit einem Boot ist und dass der gerade in echte Schwierigkeiten kommt. Und dann sehen wir, wie er damit umgeht und sehen, was er für ein Mensch ist. Sehr erfrischend, es einmal auf diese Weise gezeigt zu bekommen.

Womit wir auch direkt zum Stil des Films zurückkommen. Wir als Zuschauer bekommen nur dann etwas mit, wenn auch die Hauptperson etwas mitbekommt. Ist Redford am Schlafen oder ohnmächtig, hat auch der Zuschauer Pause. Und wir erleben alles mehr oder weniger aus seiner Perspektive. Natürlich gibt es ein paar Einstellungen, die ein wenig hinunter tauchen ins Meer und uns die Fische unter ihm zeigen, aber das meiste erleben wir aus seiner Sicht. Hätte ein anderer Regisseur (oder einer, dem möglicherweise mehr Geld zur Verfügung gestanden hätte?) nicht der Versuchung erlegen, den großen Sturm in all seiner computeranimierten Kraft zu zeigen und dem Zuschauer echt was künstliches zu bieten für sein Geld? Wahrscheinlich. Nicht so J.C. Chandor. Auch während des Sturms bleiben wir immer an der Seite von Redford, beklemmend eingeschlossen in der kleinen Kabine seines Schiffes und erleben ihn so, wie er ihn erlebt. Auch das ist sehr schön, denn es ist eine wunderbare Abweichung vom Standard.

Wer ist Schult?

Ein kleiner Exkurs sei an dieser Stelle gestattet. Ende der 60er Jahre sprach der kürzlich leider verstorbene Rolf Schult zum ersten Mal Robert Redford und war seitdem in vielen Filmen seine deutsche Stimme. Bei „Von Löwen und Lämmern“ kam es dann aus irgendeinem Grund dazu, dass Schult ihn in diesem Film und erstmals seit 1978 nicht sprach. Nun besteht diese Möglichkeit ja leider gar nicht mehr. In diesem Film nun tritt nun Rolf Schults Sohn Christian Schult in die Fußstapfen seines Vaters und spricht erstmals für Robert Redford. Der allerdings, reduziert wie dieser Film ist, hat nur sehr wenig Text. Es gibt einen kleinen Text am Anfang, ein Funkgespräch bei Minute 21 und bei ca. 1 Stunde 9 noch einmal ein wenig… der größte Teil des Films kommt also ohne gesprochene Sprache aus – was ich ebenfalls sehr selten und sehr schön finde!

Bonus

Es gibt Featurettes, Interviews und eine B-Roll. Da für die Featurettes Teile aus den Interviews verwendet wurden, ist das ganze ein bisschen redundant. Und die B-Roll kann man komplett vernachlässigen. Ein paar Sachen sind ganz interessant und geben Einblick in die Entstehung des Films, letztendlich kann man sich aber wahrscheinlich entscheiden, ob man die Interviews in voller Länge ansieht oder man mit der komprimierten Variante in den Featurettes Vorlieb nimmt.

Fazit

Das Boot wird zum Spielball der Wellen und zeigt uns, dass man gegen Naturgewalten kaum eine Chance hat. Ein schöner Ein-Mann-Film, der den Zuschauer so ernst nimmt, wie die Hauptfigur den Ozean ernst nehmen muss. Ab 23.5.2014 im Handel.

Neu auf DVD: Zwei vom alten Schlag

Ein bisschen wie „Die Sunny-Boys“ als Boxer. Zwei alte Recken, die sich bis auf die Knochen hassen, treffen wieder aufeinander – was natürlich nicht gut gehen kann. Aber da die beiden Boxer sind, ist es unumgänglich, dass man sich irgendwann gegenseitig eins auf die Fresse haut – aber natürlich ordentlich im Boxring…

Die amerikanische Antwort auf Terence Hill und Bud Spencer

Das stimmt natürlich nicht ganz. Genau genommen stimmt das eigentlich kaum. Aber es klingt verdammt gut. Und so ganz falsch ist es denn ja auch nicht, ist Sylvester Stallones deutsche Stimme Thomas Danneberg ja auch der Stammsprecher von Terence Hill. Hätte man jetzt noch Spencers Sprecher Wolfgang Hess für Robert de Niro besetzt… aber für den stieg einmal mehr Christian Brückner in den Ring und verteidigt seine Position dort seit 1988 ungebrochen (während Danneberg Stallone bereits seit 1980 ohne Unterbrechung spricht). Wenn man es aber mal genau nimmt, dann haben wir hier eigentlich

Rocky vs. Raging Bull

Denn das dürfte mit der Hintergedanke bei diesem Film gewesen sein: Zwei alte Boxer treten noch einmal gegeneinander an, also nehmen wir zwei Schauspieler, die schon ein- oder mehrmals Boxer gespielt haben. Dass Stallone sich 1976 mit und als „Rocky“ Weltruhm erkämpfte, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Dass aber auch Robert de Niro 1980 „Wie ein wilder Stier“ kämpfte, mag bei all seinen weiteren Rollen vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten sein. So haben wir hier also zwei alte Kämpfer, denen man ihr Alter durchaus ansieht. Gut gehalten hat sich dagegen Kim Basinger, die sich hier ebenfalls die Ehre gibt. Und Alan Arkin darf das machen, was er in allen Filmen gemacht hat, in denen er in den letzten Jahren aufgetreten ist, nämlich die alte aber schillernde Nebenfigur sein, deren Sprüche hier jedoch oft unter der Gürtellinie landen.

Der Film ist ein bisschen Komödie, ein bisschen Drama, ein bisschen Liebe, ein bisschen Nostalgie. Es gibt sogar eine schöne Anspielung auf „Rocky“, als sie sich in einem Schlachthaus befinden.

Bonus

Die DVD bietet drei nicht verwendete Szenen mit Einleitung des Regisseurs. Auf der Blu-ray gibt es darüber hinaus „weitere lustige Momente mit Kevin Hart“, „Am Ring mit Tyson & Holyfield“, „Schlag auf Schlag mit Larry Holmes“ sowie alternative Anfangs- und Endszenen „und mehr“ (was ich mangels Blu-ray-Player nicht zu beurteilen in der Lage bin).

Fazit

Netter Film über alternde Boxer, die es noch einmal wissen wollen, gespielt von alternden Hollywoodmimen, die es besser wissen sollten. Eigentlich eher Drama mit komödiantischen Untertönen als Komödie mit dramatischen Untertönen. Ab 22.5.2014 im Handel.

Neu im Kino: X-Men – Days of Future Past

Wirklich gut!

Na, das war mal ne kurze Besprechung

Man muss ja nicht immer alles zerreden. Und wenn mir schon mal was gefällt… Okay, werden wir trotzdem ein bisschen umfangreicher. Der Film (deutscher Titel: „Zukunft ist Vergangenheit“) beginnt mit einer gewaltigen Actionsequenz, die dann (Applaus) zu einer Handlung führt. Und einer Zeitreise. Und überhaupt. Aber da ich großer Freund einer Handlung bin, war ich sehr angetan, dass man sich hier die Mühe macht, eine zu haben. Man kann es sich in etwa vorstellen: die Zukunft ist scheiße und man täte ganz gut daran, in die Vergangenheit zu reisen, und dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt – also das, was wir alle schon mal gedacht haben, aber mangels Zeit (oder Zeitreise) bisher einfach noch nicht tun konnten. Sie tun es und… der Rest ist Geschichte. Gewissermaßen. Und wie wir seit „Lawrence von Arabien“ wissen: „Nichts steht geschrieben!“

Vor dem Film war ich ein wenig skeptisch. Warum? Nun, ich mochte die ersten beiden, den dritten finde ich okay, aber er wäre mit Bryan Singer am Steuer wahrscheinlich besser geworden. Das findet der selbst auch, hat aber in meinen Augen das Recht verloren, sich über den dritten Teil aufzuregen, weil er selbst es ja wohl für wichtiger hielt, einen blöden Superman-Film zu machen, anstatt seine eigene Trilogie abzuschließen. Selbst schuld, Alter!

Als nächstes kam dann der Film, der in meiner Sammlung fehlt, nämlich der erste „Wolverine“… und da hatte man bei „X-Men“ noch gedacht, hey, geile Figur, n Film mit dem Typen wär bestimmt klasse. Tja, da hat man sich dann halt geirrt. Er war schlecht und kam zu spät – das war so, als würde man heute Fortsetzungen des alten „Star Wars“ machen, eine blöde Idee… Mooooment!

Dann setzte man aber mit „First Class“ (hätte man auf deutsch auch „Erste Klasse“ nennen können, Jungs!) einen neuen Höhepunkt, ein schöner Film, mit dem man in die Vergangenheit der Figuren ging und der vor dem ersten Film spielte. Gute Besetzung, gute Handlung, guter Film. (Danach kam dann noch der zweite „Wolverine“ Film, der nicht schlecht ist und bei mir die Frage aufbringt, warum man Hugh Jackman nicht als James Bond besetzt hat, denn er hat einen ähnlich durchtrainierten Körper wie Daniel Craig, anders als der dann aber auch Charme und Humor… ach, es ist traurig!)

Da „First Class“ gut funktioniert hat, ohne dass (außer Hugh Jackman und Rebecca Romijn) einer von den alten Recken dabei war, war ich von der Idee, beide Zeitlinien miteinander zu verknüpfen, eigentlich wenig begeistert. Sie hatten gezeigt, dass es auch ohne Picard und Gandalf geht, also warum musste man ihnen das unbedingt wegnehmen und die alten Säcke in die neue Handlung integrieren? Nötig gewesen wäre es prinzipiell nicht – aber sie machen hier was gutes draus!

Zeiteisen für Zeitreisen

Was der Film wirklich sehr gut macht, ist, beide Zeitebenen miteinander zu verbinden. Dadurch stehen die jungen Helden im Vordergrund, aber auch die alten haben noch etwas zu tun. Mit 130 Minuten nimmt sich das auch zeitlich sehr angenehm aus. Sie spielen sehr schön mit der Geschichte, aber auch mit den eigenen Klischees der Reihe. Es gibt jede Menge Anspielungen und kurze Rückblendungen, die bisher geschehenes (in Zukunft geschehen werdendes) zeigen. Wie auch schon der zweite „Wolverine“ beziehen sie sich auf Dinge aus den anderen Filmen, was der ganzen Reihe mehr Substanz verleiht. Und am Ende ist wieder alles so, wie es… sein sollte. Oder?

Hatte Wolverine in „First Class“ nur einen kurzen aber schönen Gastauftritt, ist er hier eine der tragenden Figuren des Films. Die andere dürfte wohl Ruhm und Oscar geschuldet sein, denn ich wage mal zu bezweifeln, dass Mystique der Dreh- und Handlungspunkt des Films gewesen wäre, hätte sich Jennifer Lawrence (von Arabien?) nicht durch die „Hunger Games“ Starruhm und durch „Silver Linings Playbook“ (oder war es „American Hustle“?) einen Oscar beschert. So geht es ihr aber wie der (weit unbegabteren) Halle Berry in „Stirb an einem anderen Tag“ und ihre Rolle wird auf wundersame Weise größer.

Wer bis zum Ende des Nachspanns bleibt, wird belohnt mit einer… Überraschung! Jawohl. Eine Überraschung, die so groß ist, dass sie mir rein gar nichts sagt. Wenn Sie kein Hardcore-Fan der Comics sind, sorgen Sie dafür, dass einer dabei ist, damit Sie den nachher fragen können, was das bedeuten soll. Nehmen wir einfach mal an, wenn wir den nächsten X-Men-Film sehen, werden wir schlauer sein. Hoffentlich.

Worauf man übrigens verzichten kann, ist das 3D. Es ist… bestenfalls unbefriedigend. Kaum zu bemerken. Nicht gut genutzt. Wenn Sie sich die schwere Brille auf der Nase ersparen wollen, schauen Sie lieber in 2D. Das tut dem Film keinen Abbruch, denn der ist, ich glaube, ich sagte es schon, wirklich gut! Kinostart ist der 22.5.2014… oder irgendwann in der Zukunft.