James Bond 007 – The Body

James Bond kehrt zurück… im Comic!

Diesmal verteilen sich die Geschichten über seinen Körper. Jedes Kapitel hat einen anderen Körperteil zum Titel und irgendwie geht es auch darum:

  • Der Körper

  • Das Gehirn

  • Der Magen

  • Das Herz

  • Die Lunge

  • Das Begräbnis

Zugegeben, der letzte Titel sticht ein wenig heraus, macht aber nix, rundum ergibt das alles nämlich durchaus einen Sinn. Auch wenn man zu Beginn denkt, es handele sich nur um Einzelgeschichten, so greift am Ende doch alles ineinander und ergibt ein großes Ganzes, ein komplettes James Bond Abenteuer, das sich nur in einzelnen Kapiteln entwickelt, aber auf ein gemeinsames Ziel hinausläuft.

Und so erleben wir Bond, der eine nette Geschichte über seinen letzten Auftrag erzählt, dann tritt er in die Fußstapfen von Jack Bauer und darf zeigen, was er in Sachen Verhör so bevorzugt, anschließend trifft er sich mit einer Gruppe Nazis, wird von einem Killer gejagt und muss einen Anschlag verhindern. Am Ende darf sogar ein alter Freund sich ein kleines Stelldichein geben, Felix Leiter, die einzige andere Figur aus dem Bondiversum, die in diesem Band einen Gastauftritt hat.

Abwechslung, 007, Abwechslung

Wieder einmal beweisen die Comics das, was die Filme seit Jahren missen lassen: Man kann in der Welt eines James Bond interessante Geschichten erzählen und dabei auch eine Spur Humor und einen gewissen Stil bewahren. Was aber sogar noch einen Tacken schöner ist, ist, dass gerade die ersten drei Stories auch zeigen, dass man andere Wege gehen kann als die mehr als ausgetretenen – oder das, was kleingeistige Menschen als „die Formel“ bezeichnen, nach der die Filme gestrickt sind. Wer was auf sich und das Geschichtenerzählen hält, weiß, dass Formeln Quatsch sind und was für Anfänger und dass man geschichtstechnisch eine Menge wagen kann, wenn man zumindest ein paar Dingen treu bleibt, z.B. der Figur. Hier wird sehr anschaulich bewiesen, dass Bond eben auch als Kammerspiel funktionieren kann, in dem er einfach nur jemand anderen verhört. Oder wenn er mit ein paar Jungs in der Sauna sitzt und hier und da ein paar launische Bemerkungen einfließen lässt. Oder wenn er auch nur verschmitzt seinem Arzt von seinem letzten Einsatz erzählt und dabei mit leichtem Humor nicht geizt. All das findet sich hier und wer aufgeschlossen genug ist, auf irgendeine blöde Formel zu verzichten, der kann hier viel Vergnügen im Bondiversum haben.

00Fazit

Der 8. Band mit James Bond-Comics beweist einmal mehr, dass das Universum eines James Bond mehr Möglichkeiten bietet, als es die Filme ausschöpfen. Was wie ein paar nette Einzelgeschichten wirkt, verdichtet sich mehr und mehr zu einer durchgehenden Handlung, die sowohl in Sachen Spannung wie auch Humor trumpfen kann und dem Bond-Fan viel Freude bereitet. Der Comic ist ab 19.3.2019 im Handel.

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James Bond 007 – Spezialakten

James Bond kehrt zurück… im Comic!

Beim letzten Mal haben wir „Casino Royale“ besprochen und dazu sei noch eine Anmkerkung nachgereicht. Wenn man sich Alfred Hitchcocks „Geheimagent“ aus dem Jahre 1936 mit John Gielgud und einem sehr schrägen Peter Lorre ansieht, dann drängt sich einem der Verdacht auf, dass Bond-Schöpfer Ian Fleming diesen Film oder das ihm zugrunde liegende Buch kannte. Die Parallelen sind einfach zu groß, um Zufall sein zu können, davon, dass jemand einen feindlichen Agenten umbringen soll über ein Casino als wichtigen Ort bis hin zu der Tatsache, dass Ashendens Boss R heißt – ob der wohl verwandt mit M ist? Lustig ist, dass Lorre wenige Jahre später in der allersten James Bond-Verfilmung, ironischerweise „Casino Royale“, mitspielen sollte. Aber kommen wir zu den

SPEZIALAKTEN“

Eine kleine Sammlung von Heften, die sich auf verschiedene Figuren fokussieren und damit analog zum Marvel Filmuniversum endlich mal so eine Art erweitertes Bondiversum schaffen.

SERVICE

Bond wird im eigenen Land eingesetzt, was in letzter Zeit häufiger vorkommt und thematisiert, dass er als Agent des Auslandsgeheimdienstes dort eigentlich keinerlei Befugnisse hat. Das bringt Probleme mit sich, beschert uns aber eine schöne Geschichte, bei der 007 aktiv ermitteln und kombinieren darf und einen netten, trockenen Sinn für Humor an den Tag legt.

MONEYPENNY

Vor Daniel Craig war sie a) Sekretärin und b) Flirtobjekt für James Bond. Die Frau, die er niemals haben würde… Doch wir leben im 21. Jahrhundert und da ist ein Sekretärinnenjob wohl nicht mehr gut genug. So machte man sie in „Skyfall“ zur Außenagentin – aber zu einer unfähigen, die man direkt wieder aus dem aktiven Dienst nahm und hinter den Schreibtisch verbannte. Soviel also zur „Beförderung“, eine wahre Schande für die Gleichberechtigung. Hier nun bekommen wir nicht nur erstmals eine echte Vorgeschichte, zudem sind die Gründe dafür, dass sie fortan in Ms Vorzimmer hocken muss, weit weniger inkompetent als im Craigoversum. Ob man die gute Moneypenny allerdings wirklich unbedingt agententechnisch emanzipizieren muss, steht auf einem anderen Blatt.

SOLSTICE

Bond soll einen inoffiziellen Auftrag erfüllen – aber im Gegensatz zu Craig hat er wenigstens einen – was sich als eine nette Geschichte entpuppt. Und wir treffen einen alten Bekannten wieder, Mathis ass „Casino Royale“. Da dies eine andere Kontinuität ist als die der Filme, lebt er noch und ist nicht Zombie-Mathis. Die Geschichte ist zwar klein, macht aber mehr her und hat mehr Bond-Feeling als die letzten Leinwandabenteuer.

M

005 hat Scheiße gebaut… stirbt aber nicht. Ungewöhnlich für einen Doppel-Null-Agenten, dessen Nummer nicht 7 ist. Der taucht übrigens erstmals nicht auf. Stattdessen muss sich M seiner Vergangenheit stellen, und die macht ihn, anders als seine Vorgänger bis Judy Dench, nicht zum Seemann und Admiral, sondern zu einem britischen Soldaten, der in Belfast war – worum es in dieser Geschichte geht. Soviel dürften wir über eine(n) M noch nie erfahren haben…

00Fazit

Gute und interessante Geschichten, teils mit netten visuellen Ideen erzählt, die das Bondiversum erweitern und einigen Figuren ein wenig Hintergrundgeschichte verleihen. Der Comic ist ab 11.12.2018 im Handel.

James Bond 007 – Casino Royale

Oder eigentlich:

Ian Fleming’s

James Bond Agent 007

Casino Royale

Denn dies ist ein Klassiker unter den Bond…inen und nun wird er auch klassisch und mit Klasse aufgezogen:

James Bonds erstes Abenteuer. Zumindest das erste, von dem wir wissen und das niedergeschrieben wurde… und auch das stimmt nicht ganz, denn wir erfahren im Laufe der Geschichte von zwei Morden, die er für den Geheimdienst ausgeführt und nach denen man ihn zum Doppel-Null-Agenten befördert hat, nicht, weil man zwei Abschüsse dafür braucht, sondern weil er auf diese Weise bewiesen hat, was für ein kaltblütiger Kerl er ist. Aber „Casino Royale“ war der erste Roman über und mit James Bond, in dem er in einem Spielcasino gegen einen Mann namens Le Chiffre antritt… und das haben wir hier auch.

Vier Adaptionen, keine davon Kanon

Casino Royale“ scheint es schwer zu haben im Bond-Universum. Das fängt schonmal damit an, dass die deutsche Ausgabe des Romans, zusammen mit zwei anderen Büchern, bei Ullstein erschien, während alle anderen Bond-Bücher als Scherz-Krimis zu haben waren. Schon hier keine Einheitlichkeit, doch das ist erst die Randnotiz.

Wir erinnern uns an die drei Verfilmungen. Tatsächlich war „Casino Royale“ der erste Bond-Roman, der verfilmt wurde. Noch in den 50ern. Allerdings nur fürs amerikanische Fernsehen mit einem amerikanischen Jimmy Bond (nicht zu verwechseln mit Jimmy Bondy, James Bonds kleinem Bruder aus den „Dudu“-Filmen). Dann starteten Cubby Broccoli und Harry Saltzman Anfang der 60er ihre Filmreihe um den Agenten… doch die Rechte an diesem ersten Buch besaßen sie nicht. So kam es denn in den 60ern zum ersten Gegen-Bond, eine „Parodie“, die sich lose einiger Figuren bediente, aber schwerlich als werkgetreue Umsetzung bezeichnet werden kann. Oder als Teil des Kanon. Doch dann gab es im neuen Jahrtausend das Reboot der Bond-Filmreihe und so erblickte „Casino Royale“ endlich als offizieller Bond das Licht der großen Leinwand. Aber, da es, wie gesagt, ein Reboot war, wurde die Reihe bis dato damit hinfällig, womit der Film nicht Teil des alten Kanons ist. Was uns zu diesem sehr schönen Comic bringt: Der… ist eine liebevolle Adaption des Romans, Le Chiffre arbeitet für SMERSH und die Russen, die Wetteinsätze sind in Francs… Ja, er spielt in einer anderen Zeit, der Vergangenheit, um genau zu sein, während die Comics bisher in der Gegenwart spielten, aaaaalso… ist er nicht Teil des Comic-Kanons. Soviel dazu!

Liebevolle Adaption

Da haben wir die beiden Schlüsselwörter, die diesen Comic sehr schön zusammenfassen. Man orientiert sich bei ihm sehr an Ian Flemings Vorlage, was ihn zu einem ausgesprochen literarischen Comic macht… auch, weil er viel Text hat. Wer also noch nie einen von Flemings Romanen gelesen hat, der kommt hiermit dichter ran als er es mit jedem der Filme tun wird, vielleicht ausgenommen „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. So haben wir also einen Comic, der sich stark an der Quelle orientiert und nicht nur Stil und Frauenbild der alten Zeit heraufbeschwört, sondern auch Flemings Sprache übernimmt. Wer sich über das Frauenbild in den Filmen, besonders der Connery-Ära beklagt, der findet hier Sätze wie

Frauen waren zum Vergnügen da.“

In Zeiten von MeToo also vielleicht doch keine so schlechte Idee, die Handlung nicht in die Gegenwart zu versetzen. Schön ist, dass wir hier ein bisschen über Bond und seine Arbeitsweise, seine Gedanken erfahren, sogar sein eines Hobby kommt vor, der Bentley, den wir bestenfalls in „Liebesgrüße aus Moskau“ und dann in „Sag niemals nie“ zu sehen bekommen – also nur bei Connery. Was den Humor angeht, so bleibt man hier auch Flemings Vorlag und nicht der Film-Variante treu, also weitgehend humorlos, zumindest, was Bond selbst angeht, was uns aber trotzdem eine schöne Stelle von Mathis einbringt:

Bravo! Ich bin stolz auf Sie. Sie sollten jeden Tag gefoltert werden.“

Der Teil bleibt übrigens schmerzhaft – und unter der Gürtellinie. Was die Übersetzung angeht, so beweist sie ihre Qualität besonders am Ende, denn hier ist niemand der Versuchung erlegen, den Begriff „bitch“ mit „Schlampe“ zu übersetzen, denn in den 50ern wäre das nicht adäquat gewesen und so trifft das „Miststück“ voll – in jeder Beziehung.

Fazit

Ein bisschen ist das eine Liebhaber-Ausgabe, mit einem informativen Vorwort und sogar einem Making-of, eine liebevolle Adaption von Flemings erstem Bond-Roman, die in jeder Beziehung ein großes Vergnügen ist… außer vielleicht beim Frauenbild. Der Comic ist ab 20.8.2018 im Handel.

James Bond 007 – Kill Chain

James Bond kehrt zurück… im Comic!

Eine MI6-Agentin verkauft offenbar Geheimnisse. Aber an wen? Bond bleibt ihr auf der Spur, doch dann wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die die Welt verändern könnte – und das nicht zum Positiven…

Mein Name ist Comic, Bond Comic

Es ist ein wenig traurig, aber die einzigen, die sich offenbar derzeit bemühen, gute Bond-Filme zu machen, scheinen die Comicmacher zu sein. Hier haben wir wieder eine Geschichte, die sich sehr schön als Film gemacht hätte, weil sie sich sehr gut und stetig weiterentwickelt, die aber auch perfekt auf die Einzelhefte oder „Kapitel“ zugeschnitten ist, so dass es pro Episode auch Action gibt, die den Leser bei der Stange hält. Sehr angenehm ist, wie sich alles entwickelt, dass Bond selbst aktiv werden und Nachforschungen anstellen muss, dass ihn jedes neue Stückchen Information zum nächsten Punkt der Reise bringt und dass die Actionsequenzen aus der Handlung heraus begründet sind und nicht einfach da, weil man den Leser wach bekommen will. Die Auflösung am Schluss, wer nun hinter allem steckt und warum, ist nicht nur erschreckend aktuell und nicht völlig unrealistisch, sie versöhnt einen auch für die Nazi-Sache am Anfang, die dann doch mal wieder zu klischeehaft ist. Und es gibt ein Ende, das ein Anfang für etwas neues ist, was auch ein schöner Zug ist.

‚Geheim‘ ist nicht so Ihre Stärke, was?“

Da spricht sie einem aus dem Herzen. Wunderbar. Weil wir auf den nächsten Bond-Film wahrscheinlich noch eine Weile warten müssen – und zwar, bis Daniel Craig die Rolle endlich abgibt – sind die Comics nicht nur eine gute sondern derzeit so ziemlich die einzige Alternative für den Bond-Fan (da ich nicht weiß, wie es um die Romane bestellt ist). Sie bieten auch weit mehr von dem, was die Filme vor der Craig-Ära ausgezeichnet hat, z.B. eine Prise Humor. Alte Bekannte gibt es diesmal auch wieder, einschließlich Aston Martin, Major Boothroyd (Q), Tanner und „Universal Exports“, der alte Deckmantel des britischen Geheimdienstes (taucht neben den Fleming-Büchern auch in den Filmen „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“, „In tödlicher Mission“ und „Ein Quantum Toast“ auf). Die Erotik überträgt sich bei den Comics bislang so wie bei den Craigs (also gar nicht), aber dafür ist die Brutalität wieder mal fast so blutig wie in einem Paul Verhoeven-Film.

Und da ist noch etwas, das den gezeichneten Bond von vielen seiner Gegenparts unterscheidet: Er ist ein kaltblütiger Killer, der nach dem Gespräch, wenn er die Leute nicht mehr braucht, auch gerne mal seiner Walther die Gesprächsführung überlässt. Das ist eine Härte, die sich die Craigs zwar auf die Fahne schreiben, aber dort sind es nur Lippenbekenntnisse, während hier Bond nicht nur eiskalt ist, sondern auch knallhart und tödlich.

Gecomict, nicht gefilmt

James Bond ist wieder da – und er zeigt, zu was er fähig sein kann, wenn sich die richtigen Leute seiner annehmen. Bond kann knallhart sein, eine Spur Humor haben, aber auch eine gute Handlung erzählen, die eventuell sogar aktuellen politischen Bezug hat. Dies ist der Beweis – würden sich die Filme doch ein paar Scheiben von den Comics abschneiden! Ab 23.4.2018 im Handel.

James Bond 007 – Black Box

Jemand hat geheime Daten von England gestohlen. Bond soll sie zurückbeschaffen und den Verantwortlichen ausschalten. Die Spur führt nach Japan. Und da gibt es noch eine geheimnisvolle Frau…

Bond is back

In letzter Zeit ja eher als Comic als als Film… streng genommen, seit Craig die Rolle übernommen hat, aber lassen wir das. Dieser Band nun ist der erste, der es schafft, die Art der klassischeren Bond-Filme einzufangen, auch wenn man in Sachen Humor noch eine Schippe hätte drauflegen können… Bond hat für gewöhnlich meist zwei Gespielinnen, aber das kann ja noch werden. Jedenfalls verwendet man einige Elemente, die man aus den Filmen kennt, was, da das Bond-Gefühl bei Craig mir ja durchaus fehlt, gar nicht so verkehrt ist, um zu zeigen, wie Bond eigentlich „gehört“ (ähnlich wie „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ ein ziemliches Remake von „Krieg der Sterne“ war, um den Betrachter wieder dorthin zurückzuführen, was die Serie eigentlich ausgemacht hat).

So beginnen wir denn also mit einer Pre-Title-Sequenz, die im Film früher von Willy Bogner in Szene gesetzt worden wäre. Der Titelsong fehlt zwar, aber wir bekommen ein nettes Gespräch mit Boothroyd, dem bürgerlichen Namen von Q, der Bond als Dino bezeichnet (hat M in „GoldenEye“ auch gemacht). Dann geht es ins Casino zum Kartenspielen, wir schwimmen sogar mit den Haien. Ein unkaputtbarer Killer darf natürlich auch nicht fehlen, ebensowenig wie der formschön zum Einsatz gebrachte Aston Martin. Und am Ende endet alles so, wie sich das für Bond gehört.

Ich bin Spion. Ich seh gern zu.“

Ein Satz, der meinem guten Freund und Bond-Verbündeten Tillmann Courth sicher gefallen dürfte, weil er etwas ähnliches mal in einer seiner Moderationen gesagt hat. Bond ist hier als Ich-Erzähler unterwegs, was nicht schlecht ist, nur anfangs ein wenig ungewohnt. Schön ist, dass mit seinem Image gespielt wird – oder mit seinem Auftreten? Eigentlich mit seiner gesamten Persona, was in dieser Art und Weise auch eher neu gewesen sein dürfte. Denn es wird auf sein Inneres eingegangen und dass er eigentlich nur eine Maske über einer leeren Hülle ist. Das ist mehr Charakterisierung als man sonst so bekommt – und eine durchaus treffende, die eigentlich die gesamte Bond-Filmgeschichte ganz gut zusammenfasst.

Mein Name ist Fazit, James Fazit

Wer was neues von James Bond erleben möchte, ist zum Großteil auf die Comics angewiesen. Dieser hier macht eine gute Figur. Rein strukturell kommt er den Filmen recht nah, die Geschichte ist modern mit klassischen Elementen, das einzige was fehlt ist die Musik von John Barry – aber die kann man sich ja selbst auflegen. In einem Satz:

Ein altmodischer Bond mit neuem Thema

Ab 11.12.2017 im Handel. Und nicht vergessen:

James Bond kehrt zurück… im Comic!

James Bond 007 – Felix Leiter

Er war schon im ersten Film mit dabei… doch da hieß er Clarence und war Brite, der dem amerikanischen Agenten Jimmy Bond bei seiner Arbeit gegen den Spieler Le Chiffre half. Ja, wir alle erinnern uns an die Fernsehfassung von „Casino Royale“ mit Peter Lorre als dem Spieler und Barry Nelson als James Bond. Aber, keine Sorge, auch im ersten Bond-Leinwandabenteuer „James Bond jagt Dr. No“ war Felix Leiter mit von der Partie. Dort wurde er dargestellt von Jack Lord, der dann wenig später in seiner eigenen Serie „Hawaii 5-0“ einen amerikanischen Agenten auf einer Insel spielte… und nie zu der Rolle von Bonds CIA-Kontakt zurückkehrte. Ein Schicksal, das er, mit Ausnahme von zweien, mit jedem der Darsteller teilte, die als Leiter antraten. David Hedison war der erste, der zurückkehrte, wenn auch viele Jahre nach seinem ersten Auftritt. Anfang der 70er war er in Roger Moores erstem Bond-Abenteuer „Leben und sterben lassen“ zu sehen und dann tauchte Felix Leiter erst wieder Mitte der 80er im ersten Film von Timothy Dalton auf („Der Hauch des Todes“), dort allerdings gespielt von John Terry („Christian Shepard“ in „Lost“, falls es wen interessiert). Erst einen Film später dann in „Lizenz zum Töten“ kehrte David Hedison zurück und wurde gleich den Haien zum Fraß vorgeworfen, im wörtlichen Sinne. Eine Szene, die eigentlich aus dem Roman „Leben und sterben lassen“ stammt, womit sich in gewisser Weise ein Kreis schließt. Die einzige andere Person, die Felix Leiter mehr als einmal verkörperte, ist Jeffrey Wright in „Casino Royale“ (der Drittverfilmung) und „Ein Quantum Toast“ – womit beide Darsteller jeweils in einem sehr guten Bond und dann einem der schlechtesten der Reihe auftreten. Sehr konsequent!

Steckbrief: Felix Leiter

Wenn man sich also die Besetzungsgeschichte von Felix Leiter ansieht, so drängt sich einem der Verdacht auf, dass man sich nie so richtig viel Mühe mit ihm gegeben hat. Was wissen wir über ihn, außer, dass er für die CIA arbeitet? So ziemlich nix.

Im Buch ist das ein wenig anders. Da hat er blondes Haar. Okay, das ist unfair, denn zumindest in „Live and let die“ bringt Leiter den Witz und Charme in die Geschichte ein, die dem literarischen Bond dort fehlen. In den Büchern erfährt man also mehr von Leiter. Und nun, nachdem er 1954 das erste Mal dargestellt wurde (von dem Schauspieler Michael Pate), widmet man ihm endlich mal etwas mehr Zeit und sein eigenes Spin-off. War auch eigentlich mal an der Zeit, Freunde. Und hier erfahren wir endlich mal ein wenig mehr über den einzigen Ausländer, der Bond über all die Jahre begleitet hat. Ach ja, hatte ich vergessen zu erwähnen.

Der Felix Leiter Comic ist da!

Denn bislang hat Leiter zwar noch nicht seinen eigenen Film bekommen (auch wenn man jede Menge Auswahl in Bezug auf den Hauptdarsteller hätte), aber immerhin seinen eigenen Comic. Der ist gerade im Splitter-Verlag erschienen und schließt an Historie und Geschichte aus den vorherigen Comics an (die, wie ich bereits schrieb, ihr eigenes Bond-Universum schaffen, was ein bisschen ein Mischmasch aus den Büchern und den Filmen ist). Felix Leiter ist blond und ihm fehlen eine Hand und ein Bein – die ihm wahlweise in „Leben und sterben lassen“ oder „Lizenz zum Töten“ abhanden gekommen sind, genau darauf eingegangen wird nicht, es zählt allein die Tatsache, dass man dieses Element das, wenn wir ehrlich sind, nur in den Büchern wirklich klar herausgestellt wurde, fortführt. Er arbeitet nicht mehr für die CIA sondern als Privatdetektiv… was uns die Möglichkeit gegeben hätte, etwas „kleineres“ zu erleben, einen schmutzigen kleinen Auftrag, der sich zu etwas größerem entwickelt. Ein wenig haben wir hier das auch, aber schon auf einer globaleren Ebene, denn er wird vom japanischen Geheimdienst angeheuert – wo wir einen alten Bekannten treffen. Tiger Tanaka aus „dem Japan-Bond“, der Chef des japanischen Geheimdienstes in „Man lebt nur zweimal“ gibt sich die Ehre, Leiter für einen kleinen Auftrag zu engagieren. Dann passieren Dinge von größerer Bedeutung und Leiter steckt irgendwie mitten drin. Insofern ist das alles schon sehr bondig, ein Auftrag in einem exotischen Land, ein Attentat, viele Tote, Anschläge und die Mission, den Gegner zu finden und auszuschalten, bevor er noch mehr Schaden anrichtet. Es zeigt sich allerdings, und das ist der Unterschied, dass Leiter kein Bond ist. Die Aufgabe, die er übernommen hat, ist irgendwie zu groß für ihn – und er fühlt es selbst auch. Die Selbstzweifel, die ein James Bond niemals haben würde, ziehen sich durch die Arbeit Leiters wie die Frauen durch die Betten von 007. Das ist durchaus interessant, ebenso wie die Tatsache, dass die Gimmicks, die Q für gewöhnlich liefert, nicht schon im Vorfeld verraten werden und somit eine kleine Überraschung darstellen. Überhaupt wird die Handlung, bei der oft das Breitbildformat des Comics, also beide Seiten zusammen, ausgenutzt wird, in vielen Rückblenden erzählt, um erstmal in Medias res zu gehen und dann ein paar Erklärungen nachzureichen. Und am Ende eröffnet sich der Pfad zu neuen Handlungen, an denen Leiter hoffentlich auch beteiligt sein wird. Denn wir alle wissen: James Bond kehrt zurück. Hoffentlich tut es Felix Leiter auch!

Fazit Leiter

Geradezu historisch! Felix Leiter darf zum ersten Mal selbst in den Mittelpunkt treten. Tatsächlich wäre es eine Spur interessanter gewesen, wenn man ein wenig „kleiner“ angefangen hätte und aus einem schmutzigen Noir-Fall erst eine weltumspannende Agentenstory gesponnen hätte, aber das hier ist Bond, oder zumindest im gleiche Universum, also schließen sich Kleinigkeiten da aus. Insofern sehen wir, wie Leiter sich schlagen würde, wenn er in Bonds Schuhen durch die Agentenwelt marschieren müsste – und das ist gleichermaßen interessant wie ehrlich. Den Comic gibt es ab 18.9.2017 im Handel.

James Bond 007 – Hammerhead

Nachdem James Bond bei einem Auftrag nicht ganz so erfolgreich war, wie es sich sein Chef erhofft hatte und er den Chef einer Verbrecherorganisation nicht entlarven konnte, muss er auf einer internationalen Waffenmesse den Babysitter spielen, auf der auch die neue Waffe „Hammerhead“ vorgestellt wird, doch dann laufen die Dinge aus dem Runder…

James Bond kehrt zurück… im Comic

Ein neues Abenteuer mit dem berühmtesten Geheimagenten Ihrer Majestät – und wieder kehrt er auf die kleinen Seiten zurück statt auf die große Leinwand. Wie schon bei den Vorgängern geht es weit blutiger (und vor allem splatteriger) zur Sache als auf der Kinoleinwand, mit Bildern, die einem „Preacher“ nicht in viel nachstehen. Dieser Bond wäre also ab 18, und damit ist nicht Promille gemeint, denn zum Trinken kommt er hier selten, und auch sein Verschleiß an Frauen war im Kino stets größer… vor Craig, versteht sich, dem lustlos vor sich hinbrütenden Muckimann, der eher zum Biersäufer tendiert als zum feinsinnigen Martinitrinker – aber das sind ein bis zwei andere Geschichten.

Der neue Bond-Comic schickt unseren Lieblingsagenten auf eine internationalere Mission als seine beiden Vorgänger, wo er eher in England aktiv wurde, als das weltmännische Flair eines vorwiegend im Ausland tätigen Spions zu versprühen. Hier haben wir etwas mehr davon, was ja auch irgendwie dazugehört. Die Geschichte selbst verbindet überbondige Weltbeherrschungsphantasien mit erschreckend realen geschäftlichen Grundlagen, ist also eine ganz gute Mischung zwischen Bondismen und Wirklichkeit. Das eine oder andere Element der Handlung kommt einem zwar aus den Filmen vertraut vor, aber nach all den Jahren Bond lässt sich so was wohl kaum vermeiden.

Interessant ist, dass man auch hier in Sachen Moneypenny eine Art „Star Trek“ abzieht. Soll heißen: In „Raumschiff Enterprise“ saß Lieutenant Uhura die meiste Zeit an ihrer Konsole herum und durfte, außer ein paar Gespräche durchstellen nicht viel machen. In den neuen Filmen des JJ-Verse hat man das geändert und ihr eine weit aktivere Rolle verpasst. Ähnliches gilt im Bondiversum für Moneypenny. Statt, wie in den alten Filmen, an ihrem Schreibtisch herumzusitzen und Gespräche durchzustellen oder Gesprächspartner durchzuschleusen, durfte sie sich in ihrem ersten Filmauftritt bei Craig als komplett inkompetente Feldagentin outen, bevor sie dann zur Tippse degradiert wurde. In den Comics dagegen ist sie sowohl Assistentin als auch eine Art Leibwächterin, also definitiv eine Aufwertung von Rolle und Figur.

James Bond ist tot!

Der Comic erscheint zu einem traurigen Zeitpunkt der Bond-Historie, denn kurz vor seinem Erscheinen verstarb Roger Moore – und damit erstmals ein Bond-Darsteller. Er war der dritte James Bond der Filmgeschichte und spielte die Figur, ebenso wie sein Vorgänger Sean Connery, in sieben Filmen. Von 1973 mit „Leben und sterben lassen“ bis in die späten 80er mit „Im Angesicht des Todes“ war er derjenige, der die Figur geprägt hat – und er war auch der erste Bond, den ich im Kino gesehen habe („In tödlicher Mission“). Dem deutschen Fernsehzuschauer war er wahrscheinlich mehr durch „Die 2“ bekannt als durch „Simon Templar“, aber auch der großen Leinwand blieb er treu mit Filmen wie „Die Wildgänse kommen“ und dem herrlichen „Sprengkommando Atlantik“, wo er einen sehr schönen Gegenentwurf zu Bond abliefert. Auch, wenn er in den letzten Jahren in der Filmwelt weniger in Erscheinung trat, so wird seine Arbeit, nicht nur für Film und Fernsehen, sondern auch für Unicef, immer in Erinnerung bleiben. Wünschen wir ihm eine gute Reise.

Mein Name ist Fazit, James Fazit

Interessante Handlung, vielleicht ein bisschen zu brutal, ein Spritzer Humor hätte noch gepasst, aber ansonsten ein guter Bond. Ab jetzt im Handel.