James Bond 007 – Felix Leiter

Er war schon im ersten Film mit dabei… doch da hieß er Clarence und war Brite, der dem amerikanischen Agenten Jimmy Bond bei seiner Arbeit gegen den Spieler Le Chiffre half. Ja, wir alle erinnern uns an die Fernsehfassung von „Casino Royale“ mit Peter Lorre als dem Spieler und Barry Nelson als James Bond. Aber, keine Sorge, auch im ersten Bond-Leinwandabenteuer „James Bond jagt Dr. No“ war Felix Leiter mit von der Partie. Dort wurde er dargestellt von Jack Lord, der dann wenig später in seiner eigenen Serie „Hawaii 5-0“ einen amerikanischen Agenten auf einer Insel spielte… und nie zu der Rolle von Bonds CIA-Kontakt zurückkehrte. Ein Schicksal, das er, mit Ausnahme von zweien, mit jedem der Darsteller teilte, die als Leiter antraten. David Hedison war der erste, der zurückkehrte, wenn auch viele Jahre nach seinem ersten Auftritt. Anfang der 70er war er in Roger Moores erstem Bond-Abenteuer „Leben und sterben lassen“ zu sehen und dann tauchte Felix Leiter erst wieder Mitte der 80er im ersten Film von Timothy Dalton auf („Der Hauch des Todes“), dort allerdings gespielt von John Terry („Christian Shepard“ in „Lost“, falls es wen interessiert). Erst einen Film später dann in „Lizenz zum Töten“ kehrte David Hedison zurück und wurde gleich den Haien zum Fraß vorgeworfen, im wörtlichen Sinne. Eine Szene, die eigentlich aus dem Roman „Leben und sterben lassen“ stammt, womit sich in gewisser Weise ein Kreis schließt. Die einzige andere Person, die Felix Leiter mehr als einmal verkörperte, ist Jeffrey Wright in „Casino Royale“ (der Drittverfilmung) und „Ein Quantum Toast“ – womit beide Darsteller jeweils in einem sehr guten Bond und dann einem der schlechtesten der Reihe auftreten. Sehr konsequent!

Steckbrief: Felix Leiter

Wenn man sich also die Besetzungsgeschichte von Felix Leiter ansieht, so drängt sich einem der Verdacht auf, dass man sich nie so richtig viel Mühe mit ihm gegeben hat. Was wissen wir über ihn, außer, dass er für die CIA arbeitet? So ziemlich nix.

Im Buch ist das ein wenig anders. Da hat er blondes Haar. Okay, das ist unfair, denn zumindest in „Live and let die“ bringt Leiter den Witz und Charme in die Geschichte ein, die dem literarischen Bond dort fehlen. In den Büchern erfährt man also mehr von Leiter. Und nun, nachdem er 1954 das erste Mal dargestellt wurde (von dem Schauspieler Michael Pate), widmet man ihm endlich mal etwas mehr Zeit und sein eigenes Spin-off. War auch eigentlich mal an der Zeit, Freunde. Und hier erfahren wir endlich mal ein wenig mehr über den einzigen Ausländer, der Bond über all die Jahre begleitet hat. Ach ja, hatte ich vergessen zu erwähnen.

Der Felix Leiter Comic ist da!

Denn bislang hat Leiter zwar noch nicht seinen eigenen Film bekommen (auch wenn man jede Menge Auswahl in Bezug auf den Hauptdarsteller hätte), aber immerhin seinen eigenen Comic. Der ist gerade im Splitter-Verlag erschienen und schließt an Historie und Geschichte aus den vorherigen Comics an (die, wie ich bereits schrieb, ihr eigenes Bond-Universum schaffen, was ein bisschen ein Mischmasch aus den Büchern und den Filmen ist). Felix Leiter ist blond und ihm fehlen eine Hand und ein Bein – die ihm wahlweise in „Leben und sterben lassen“ oder „Lizenz zum Töten“ abhanden gekommen sind, genau darauf eingegangen wird nicht, es zählt allein die Tatsache, dass man dieses Element das, wenn wir ehrlich sind, nur in den Büchern wirklich klar herausgestellt wurde, fortführt. Er arbeitet nicht mehr für die CIA sondern als Privatdetektiv… was uns die Möglichkeit gegeben hätte, etwas „kleineres“ zu erleben, einen schmutzigen kleinen Auftrag, der sich zu etwas größerem entwickelt. Ein wenig haben wir hier das auch, aber schon auf einer globaleren Ebene, denn er wird vom japanischen Geheimdienst angeheuert – wo wir einen alten Bekannten treffen. Tiger Tanaka aus „dem Japan-Bond“, der Chef des japanischen Geheimdienstes in „Man lebt nur zweimal“ gibt sich die Ehre, Leiter für einen kleinen Auftrag zu engagieren. Dann passieren Dinge von größerer Bedeutung und Leiter steckt irgendwie mitten drin. Insofern ist das alles schon sehr bondig, ein Auftrag in einem exotischen Land, ein Attentat, viele Tote, Anschläge und die Mission, den Gegner zu finden und auszuschalten, bevor er noch mehr Schaden anrichtet. Es zeigt sich allerdings, und das ist der Unterschied, dass Leiter kein Bond ist. Die Aufgabe, die er übernommen hat, ist irgendwie zu groß für ihn – und er fühlt es selbst auch. Die Selbstzweifel, die ein James Bond niemals haben würde, ziehen sich durch die Arbeit Leiters wie die Frauen durch die Betten von 007. Das ist durchaus interessant, ebenso wie die Tatsache, dass die Gimmicks, die Q für gewöhnlich liefert, nicht schon im Vorfeld verraten werden und somit eine kleine Überraschung darstellen. Überhaupt wird die Handlung, bei der oft das Breitbildformat des Comics, also beide Seiten zusammen, ausgenutzt wird, in vielen Rückblenden erzählt, um erstmal in Medias res zu gehen und dann ein paar Erklärungen nachzureichen. Und am Ende eröffnet sich der Pfad zu neuen Handlungen, an denen Leiter hoffentlich auch beteiligt sein wird. Denn wir alle wissen: James Bond kehrt zurück. Hoffentlich tut es Felix Leiter auch!

Fazit Leiter

Geradezu historisch! Felix Leiter darf zum ersten Mal selbst in den Mittelpunkt treten. Tatsächlich wäre es eine Spur interessanter gewesen, wenn man ein wenig „kleiner“ angefangen hätte und aus einem schmutzigen Noir-Fall erst eine weltumspannende Agentenstory gesponnen hätte, aber das hier ist Bond, oder zumindest im gleiche Universum, also schließen sich Kleinigkeiten da aus. Insofern sehen wir, wie Leiter sich schlagen würde, wenn er in Bonds Schuhen durch die Agentenwelt marschieren müsste – und das ist gleichermaßen interessant wie ehrlich. Den Comic gibt es ab 18.9.2017 im Handel.

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James Bond 007 – Hammerhead

Nachdem James Bond bei einem Auftrag nicht ganz so erfolgreich war, wie es sich sein Chef erhofft hatte und er den Chef einer Verbrecherorganisation nicht entlarven konnte, muss er auf einer internationalen Waffenmesse den Babysitter spielen, auf der auch die neue Waffe „Hammerhead“ vorgestellt wird, doch dann laufen die Dinge aus dem Runder…

James Bond kehrt zurück… im Comic

Ein neues Abenteuer mit dem berühmtesten Geheimagenten Ihrer Majestät – und wieder kehrt er auf die kleinen Seiten zurück statt auf die große Leinwand. Wie schon bei den Vorgängern geht es weit blutiger (und vor allem splatteriger) zur Sache als auf der Kinoleinwand, mit Bildern, die einem „Preacher“ nicht in viel nachstehen. Dieser Bond wäre also ab 18, und damit ist nicht Promille gemeint, denn zum Trinken kommt er hier selten, und auch sein Verschleiß an Frauen war im Kino stets größer… vor Craig, versteht sich, dem lustlos vor sich hinbrütenden Muckimann, der eher zum Biersäufer tendiert als zum feinsinnigen Martinitrinker – aber das sind ein bis zwei andere Geschichten.

Der neue Bond-Comic schickt unseren Lieblingsagenten auf eine internationalere Mission als seine beiden Vorgänger, wo er eher in England aktiv wurde, als das weltmännische Flair eines vorwiegend im Ausland tätigen Spions zu versprühen. Hier haben wir etwas mehr davon, was ja auch irgendwie dazugehört. Die Geschichte selbst verbindet überbondige Weltbeherrschungsphantasien mit erschreckend realen geschäftlichen Grundlagen, ist also eine ganz gute Mischung zwischen Bondismen und Wirklichkeit. Das eine oder andere Element der Handlung kommt einem zwar aus den Filmen vertraut vor, aber nach all den Jahren Bond lässt sich so was wohl kaum vermeiden.

Interessant ist, dass man auch hier in Sachen Moneypenny eine Art „Star Trek“ abzieht. Soll heißen: In „Raumschiff Enterprise“ saß Lieutenant Uhura die meiste Zeit an ihrer Konsole herum und durfte, außer ein paar Gespräche durchstellen nicht viel machen. In den neuen Filmen des JJ-Verse hat man das geändert und ihr eine weit aktivere Rolle verpasst. Ähnliches gilt im Bondiversum für Moneypenny. Statt, wie in den alten Filmen, an ihrem Schreibtisch herumzusitzen und Gespräche durchzustellen oder Gesprächspartner durchzuschleusen, durfte sie sich in ihrem ersten Filmauftritt bei Craig als komplett inkompetente Feldagentin outen, bevor sie dann zur Tippse degradiert wurde. In den Comics dagegen ist sie sowohl Assistentin als auch eine Art Leibwächterin, also definitiv eine Aufwertung von Rolle und Figur.

James Bond ist tot!

Der Comic erscheint zu einem traurigen Zeitpunkt der Bond-Historie, denn kurz vor seinem Erscheinen verstarb Roger Moore – und damit erstmals ein Bond-Darsteller. Er war der dritte James Bond der Filmgeschichte und spielte die Figur, ebenso wie sein Vorgänger Sean Connery, in sieben Filmen. Von 1973 mit „Leben und sterben lassen“ bis in die späten 80er mit „Im Angesicht des Todes“ war er derjenige, der die Figur geprägt hat – und er war auch der erste Bond, den ich im Kino gesehen habe („In tödlicher Mission“). Dem deutschen Fernsehzuschauer war er wahrscheinlich mehr durch „Die 2“ bekannt als durch „Simon Templar“, aber auch der großen Leinwand blieb er treu mit Filmen wie „Die Wildgänse kommen“ und dem herrlichen „Sprengkommando Atlantik“, wo er einen sehr schönen Gegenentwurf zu Bond abliefert. Auch, wenn er in den letzten Jahren in der Filmwelt weniger in Erscheinung trat, so wird seine Arbeit, nicht nur für Film und Fernsehen, sondern auch für Unicef, immer in Erinnerung bleiben. Wünschen wir ihm eine gute Reise.

Mein Name ist Fazit, James Fazit

Interessante Handlung, vielleicht ein bisschen zu brutal, ein Spritzer Humor hätte noch gepasst, aber ansonsten ein guter Bond. Ab jetzt im Handel.

James Bond 007 – Band 2 – EIDOLON

James Bond ist zurück…

Im Comic. Wann der berühmteste Agent Ihrer Majestät auf die große Leinwand zurückkehrt, ist bislang noch nicht bekannt – ebenso wenig wie die Frage, wer ihn denn diesmal verkörpern wird, d.h., ob sich Daniel Craig mit viel Geld und eigentlich wenig anderen erfolgreichen Projekten noch einmal dazu breitschlagen lassen wird, den charmelosen Muckibond zu geben oder ob wir endlich einen neuen Darsteller bekommen, der hoffentlich besser ist – doch da gibt es inzwischen eine gute Alternative, nämlich

James Bond als Comic

Mit „Vargr“ lag bis vor kurzem bereits ein erster Band vor und nun folgt darauf mit „Eidolon” eine Fortsetzung. Die Figuren sind dieselben… wie im vorherigen Comic. Wie zu diesem Thema bereits geschrieben, gab es schon immer Unterschiede zwischen Film und Buch sowie nun auch zwischen Comic, Film und Buch. Die Figuren ähneln einander, sind jedoch nicht wirklich identisch, außer, was die Namen angeht. Dies ist also keine Filmhandlung, die es einfach nicht auf die Leinwand geschafft hat und erzählt damit die Geschichte des Craig-Bonds weiter, sondern es ist eine Art eigenständiger Bond – wobei ein wenig die Frage ist, wie seine Grundlagen, seine „Mythologie“ aussieht. In den Filmen ist sie nicht verwurzelt, sondern eher in einer Mischung aus Filmen und Büchern, aus denen er sich, wie mir scheint, seine eigene Parallelmythologie bastelt. Sehr schön erkennen kann man das an einer Figur, die aus Büchern wie Filmen gleichermaßen (wenn auch extrem unterschiedlich) bekannt ist und demnächst in Comicform seine eigene Serie bekommen wird:

Felix Leiter

Gäbe es ein Quiz zu dieser Kolumne, wäre die Frage heute, welches die einzigen beiden Schauspieler sind, die die Rolle des Felix Leiter zweimal gespielt haben – und bei wem wie viele Jahre und wie viele Bond-Schauspieler dazwischen lagen. (David Hedison, auch „bekannt“ als Al Hedison aus der ersten Verfilmung von „Die Fliege“ mit Vincent Price, spielte in Roger Moores erstem und Timothy Daltons zweiten Bond-Film den CIA-Mann, Jeffrey Wright tat es in Daniel Craigs ersten beiden Filmen… aber da bei Hedison nicht nur anderthalb Jahrzehnte dazwischen liegen, sondern auch Connery für „Sag niemals nie“ [mit dem ersten schwarzen Leiter] zurückkehrte, gewinnt er nach Jahren und Darstellern.) Dieser Comic-Leiter nun entspricht dem „späteren“ Leiter, d.h. dem, der Bond schon länger kennt – und der diese Bekanntschaft mit ein paar Körperteilen bezahlen musste. Man sieht seinen „Haken“, den er statt einer Hand hat, was, unserer Zeit angepasst, eher einer Cyborgprothese entspricht und er erwähnt, dass ihn Haie Hand und Bein gekostet haben. Im Buch wäre das in „Leben und sterben lassen“ passiert, im Film war es dann „Lizenz zum Töten“, wo man diese Szene aufgriff… lustigerweise die beiden Filme, in denen David Hedison Felix Leiter spielte! Da man seine Verstümmelung in den Filmen nie zu sehen bekam, ist der Comic damit näher an den Büchern. Und wie seine eigenen Abenteuer aussehen und ob James Bond dort vielleicht sogar einen Gastauftritt haben wird, werden wir vielleicht schon bald erleben.

EIDOLON

Im neuen Band wird die Geschichte von Teil 1 konsequent weitergeführt, denn die Politik untersagt es Auslandsagenten im britischen Inland Waffen zu tragen – was für den Killer Ihrer Majestät natürlich wenig dienlich ist, bremst das doch ein wenig seine Lizenz zum Töten aus. Nicht, dass er dafür unbedingt Waffen brauchen würde. Problematisch wird es dann natürlich, wenn im Inland böse Mächte ihr Unwesen treiben und 007 mit in die Geschichte involviert ist. Was wie eine altmodische Überläufergeschichte beginnt, wächst sich zu einer Gefahrensituation aus, die mal wieder ganz England Kopf und Krone kosten kann – es sei denn, Bond übergeht ein paar Vorschriften und macht das, was er am besten kann…

Herausgekommen ist dabei eine spannende Geschichte mit jeder Menge Action und Gewalt. Auch da liegen die Comics weit vor den Filmen, denn ist deren Gewalt, genau wie der Sex, eher kindgerecht, kommt sie hier schon fast einem „Preacher“-Comic gleich, nicht ganz so heftig, aber schon auf einem blutigen Weg dorthin. Anstößige Nacktszenen gibt es auch hier nicht, aber dafür macht Bond etwas, das er in den Büchern gerne tat, was Dank politischer Korrektheit bei Craig aber völlig ausgestorben ist: er raucht! Das ist nicht unbedingt cool und auf keinen Fall eine Vorbildfunktion, aber es gehört halt zu Figur. Und wer würde schon gerne Präsident Lincoln ohne Bart sehen, hm?

Titel

Während der Titel von Band 1 mit „Vargr“ nicht nur sehr vokalarm, sondern auch ein wenig deplaziert daherkommt, ergibt „Eidolon“ im Laufe der Handlung ziemlich schnell (Ende von Kapitel 2) einen sehr schönen Sinn. Das ist die Art von Mehrdeutigkeit, die man sich öfter wünschen würde. Und auch im Gesamtkontext der Bond-Reihe ist das eine schöne Weiterführung einer alten Bedrohung.

Mein Name ist Fazit, James Fazit

Eine gute Bond-Geschichte, geschrieben von Warren Ellis, gezeichnet von Jason Masters, erschienen im Splitter-Verlag, die uns ein neues Abenteuer mit Frauenflachleger James Bond beschert – auch wenn das, genau wie in den Büchern, in den Comics nicht so sehr zum Tragen oder besser Liegen kommt wie in den Filmen (vor Craig). Am besten einen Bond-Soundtrack auflegen und eintauchen in die Welt von Bond, James Bond… Jetzt im Handel.

James Bond 007 – VARGR

James Bond is back!

Als Comic aus dem Splitter-Verlag, der hier seinem Namen alle Ehre macht. Denn dieser Bond ist blutig, kein blutiger Anfänger, aber ein kaltblütiger Killer – und es fließt mehr Blut, als in allen Bond-Filmen zusammen. Denn, seien wir ehrlich, vor der Craig-Ära, die Bond seine Alleinstellungsmerkmale Eleganz und Charme genommen hat, war James Bond ein Highsociety-Agent, bei dem zwar gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen und gevögelt, als gäbe es kein Morden, aber Blut und Nacktheit waren immer tabu. Das ist in diesem ersten Band der neuen Bond-Comicreihe anders. Es gibt zwar – noch? – keine ausgiebigen Nackt- und Sexszenen, aber appe Finger und spritzendes Blut en masse. Was, sieht man sich mal die Jobbeschreibung der Figur an, doch eigentlich Sinn ergibt. So gesehen ist dieser Comic nicht unbedingt realistischer, aber doch „ehrlicher“ als seine filmischen Kollegen. Aber…

Wer ist dieser James Bond überhaupt?

Das ist eine Frage, die sich schwerlich beantworten lässt, wird 007 doch mit jedem neuen Darsteller neu definiert. Aber nicht nur das, tatsächlich gibt es etwa vier Bond-„Universen“, um es einmal so zu formulieren, vier Varianten der gleichen Figur, die parallel zueinander existieren… wenn man eventuelle Videospiele nicht mitzählt. Da ist zum einen der bekannteste James Bond, der, den wahrscheinlich die meisten kennen, nämlich der, der alle Jahre wieder auf der großen Leinwand erscheint, also der Film-Bond.

Dann gibt es den Bond der Bücher… oder vielmehr die Bonds der Bücher, denn allein dort gab es in den letzten Jahren zwei unterschiedliche Inkarnationen. Eine davon lebt in den 60ern und knüpft an die alten Werke von Bond-Schöpfer Ian Fleming an („SOLO“). Eine weitere lebt in der Gegenwart und erlebt ihre Abenteuer heute („CARTE BLANCHE“). Beide sind gleich und beide sind unterschiedlich. Die Familiengeschichte ist ähnlich, aber den jeweiligen Zeiten angepasst. Zudem ist das, wofür der aktuelle Bond arbeitet, nicht direkt der MI6 sondern irgendeine Art Spezialabteilung. Zuzudem, was vielleicht nicht jeder weiß, gibt es in den Büchern keine direkte Figur namens Q, auch wenn es dereinst einen Major Boothroyd gab, ein Name der in den Filmen in „Dr. No“ fällt sowie später in, wenn ich nicht irre, „Der Spion, der mich liebte“. In den Büchern gibt es eher die „Q Abteilung“, während deren „Quartiermeister“ wohl eher eine austauschbare Figur ist, die von dem übernommen wird, der gerade Zeit hat. Der Begriff des Quartiermeisters ist dann irgendwie keine Doppelnullung sondern eine Doppelmopplung, die in den Filmen erstmals in „Stirb an einem anderen Tag“ aufgetaucht sein dürfte; so steht dann das Q wahlweise für eben diesen Meister oder aber für seine Q-Abteilung – im Zusammenhang dieser Filme aber eigentlich nie für ein übermächtiges, gottgleiches Wesen, das gerne mit der Enterprise-Crew spielt. Womit wir dann nach einer langen Vorrede bei der vierten Inkarnation von James Bond angekommen sind, denn das ist

Der Bond der Comics

Ich würde sagen, wir dürfen diesen Bond als eine weitere, halbwegs eigenständige Figur betrachten, losgelöst von allen drei anderen genannten Inkarnationen – aber mit Bezug zu ihnen. So wird zum Beispiel Peter Franks erwähnt, der Name eines Schmugglers, den Bond in „Diamantenfieber“ in einem Aufzug in Amsterdam umbringt, um seine Identität anzunehmen. Es gibt auch M, Q und Moneypenny (und Bill Tanner, aber nach dem hat eigentlich noch nie ein Hahn gekräht), aber die scheinen zumindest nicht 1:1 aus dem Filmuniversum übernommen zu sein. Zwar ist Moneypenny wie in den neueren Filmen eine Schwarze und ihr Waffenreinigen lässt ebenfalls auf einen vorherigen Außendienst schließen (als Staubsaugerverkäuferin, denn wir wissen ja um ihre Schießkünste), aber da haben wir es auch schon mit den Ähnlichkeiten. Q ist kein Jüngelchen mit Laptop, sondern ein älterer Herr, also keinerlei Verbindung zum aktuellen Filmuniversum. Und da ist M. Der wirkt ebenfalls so, als wäre er schwarz, also wohl nicht die Figur, die Ralph Fiennes dargestellt hat. Zudem ist sein Verhältnis zu Bond ein wenig gestört, was eher eine Parallele zu Judy Dench – und, was gerne vergessen wird, vor ihr Edward Fox – ist. War Bernard Lee noch der M, der Bond einfach mal auf eine tödliche Mission geschickt hat (traurige Ironie, dass er im Film dieses Namens erstmals nicht dabei war), waren es die erwähnten beiden, die in ihm eher ein Relikt aus dem kalten Krieg gesehen haben und mit seinen Methoden nicht ganz einverstanden waren. Das ist die Haltung, die auch dieser M ein wenig zu vertreten scheint – wobei sein Kommentar, Bond wäre immer schnell bei der Sache, wenn es um eine Racheaktion geht, fast wie eine Anspielung auf die aktuellen Filme wirkt. Dennoch würde ich behaupten, die Comics stehen mehr oder weniger für sich, auch wenn es wohl immer Anspielungen auf die Filme geben wird, wie z.B. die Sache mit seiner Dienstwaffe hier, die sehr an Ms Zurechtweisung in „Dr. No“ in Bezug auf seine Waffe, die „gut für eine Damenhandtasche“ wäre, erinnert.

Und… Action!

Der Comic beginnt mit einer Art Vorspiel, ähnlich wie die Filme, eine Pre-Titel-Sequenz, die fast wortlos abläuft, bevor dann der Titel kommt… der leider nicht gesungen ist. Da ist es eigentlich schade, dass man nicht auch noch eine gezeichnete Gunbarrel-Sequenz vor das Ganze gesetzt hat, aber die bleibt dann wohl nur den Filmen vorbehalten. Es beginnt also damit, dass Bond etwas erledigt, oder eher jemanden, was dann dazu führt, dass er einen neuen Auftrag bekommt, der ihn nach Berlin führt, wo er sich von einer Spur zur anderen hangelt und auf extrem blutigen Pfaden wandelt (oder in Blut watet, wenn Ihnen das besser gefällt). Sex gibt es keinen, aber dafür darf 007 etwas tun, was bei Craig irgendwie ausbleibt: seinen Kopf benutzen. Und ich meine damit nicht, mit ihm durch die Wand gehen, wörtlich gesprochen. Bond muss seinen Verstand einsetzen, um aus schwierigen Situationen herauszukommen – und es ist schön, das zu sehen. Außerdem hat er endlich wieder einen trockenen Humor, was der Filmreihe schon seit langem abgeht. Es ist zwar nicht ganz der gute alte James, wie man ihn sich wünscht – aber er ist schon weit näher dran!

Ellis wird gut

Geschrieben wurde dieser Band von Comic-Altmeister Warren Ellis. Das freut mich besonders, da er für eine meiner Lieblingscomicserien verantwortlich ist: „Transmetropolitan“. Abgedreht, schräg, witzig, clever und ziemlich kompromisslos. Eine völlig andere Richtung als Bond, aber ein wahres Vergnügen. Da fragt man sich natürlich, ob das Tattoo des Bösewichts im Teaser nicht eine Anspielung auf seinen Spider Jerusalem ist…

Mein Fazit ist Bond, James Bond

Für jemanden, der die alten Bond-Filme mag, ist das Warten auf einen neuen Film problematisch geworden. Brachte man vor der Jahrtausendwende noch etwa alle zwei Jahre einen Bond-Film heraus, so sind die Abstände inzwischen größer geworden – und die Filme selbst lassen dann auch noch das vermissen, was man eigentlich an Bond mochte. Die Comics schaffen da jetzt eine gewisse Abhilfe. Man kann sich die Zeit bis zum nächsten Film ein wenig mit einem neuen Abenteuer abkürzen – und außerdem fühlen sie sich, abgesehen von zuviel Blut und zu wenig Sex, ein bisschen mehr wie der Bond an, den man eigentlich sehen möchte. In Zeiten von Craig (die jetzt hoffentlich endlich zuende sind), also durchaus eine nette Alternative, ein bisschen mehr Zeit mit dem Geheimagenten Ihrer Majestät zu verbringen. Und das meine ich absolut ernst, denn: „Ich scherze nie, wenn es sich um meine Arbeit handelt, 007!“ Seit Juni 2016 erhältlich beim Comichändler Ihrer Wahl.

SPECTRE

James Bond ist zurück… oder ist er endlich da? Nach meinen Problemen mit den drei ersten Craig-Filmen, die für mich eigentlich keine „Bond“-Filme sind, beantworten wir heute die Frage, ob man die Craig-„Ära“ mit

Four Non Bondes

umschreiben muss – doch dem ist, zum Glück, nicht so. „SPECTRE“ ist der erste richtige Bond-Film den unser guter Daniel hingelegt hat, zumindest was die vier Formalien, die ich zugrunde lege, angeht, die notwendig sind, damit wenigstens ein bisschen Bond-Feeling aufkommt. Er fängt also, so wie sich das gehört, mit einer Gunbarrel an, dann gibt’s den Teaser und den Titelsong und außerdem zieht sich das Bond-Thema schön durch die Filmmusik. Ist alles da, wo es hingehört und damit liegt der Film für mich schon mal eine Stufe vor „Skyfall“, denn das hier ist Bond, James Bond. Ob es allerdings ein guter ist… nun, dazu kommen wir jetzt.

Titellied oder Titelleid?

Doch vorher, der Song. Der ist… da. War beim letzten Mal Adeles Lied noch das Bondigste am Film, Sam Smiths Song ist es nicht. Er ist irgendwie einfach nicht so dolle. Bisschen austauschbar, bisschen langweilig, wenig bondig – aber keine Katastrophe oder Folter wie der Mist, den Madonna und Jack White abgeliefert haben. Der Soundtrack von Thomas Newman vermittelt diesmal das notwendige Bond-Gefühl, er ist zwar kein David Arnold und erst recht kein John Barry, aber hier leistet er ganz gute Arbeit.

Kollege stirbt gleich

Unsere Kategorie, in der wir Bonds Kollegen vorstellen, d.h. Nummern von Doppelnull-Agenten nennen, die wahrscheinlich nur deswegen genannt werden, weil der Mann hinter der Nummer gerade das Zeitliche gesegnet hat. Es wird 009 erwähnt, aber sterben tut er nicht – und wenn doch, dann sagt man es uns nicht. Unabhängig davon taucht der Name „Hildebrand“ auf, was eine Anspielung auf einen der letzten verbleibenden Ian Fleming Titel, „Die Hildebrad Rarität“ sein könnte – aber nicht muss!

Craigismen

Was bei Craig einfach dazugehört scheint zu sein, dass er irgendwann im Laufe des Films in einem dunklen Zimmer sitzt und dort auf jemanden wartet. Haben wir hier auch, aber man muss sich ein bisschen gedulden, bis es soweit ist. Die andere Sache ist eine wahre Unsitte geworden. Seinerzeit war James Bond, so auch der Titel eines seiner Filme, „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ tätig, um für Krone und Vaterland den Feind zu besiegen und nebenbei auch noch die Welt flachzulegen und ein paar nette Mädels zu retten – oder umgekehrt. Doch seit Craig ist Bond eigentlich fast ständig im Alleingang unterwegs. In „Casino Royale“ erschleicht er sich so seinen nächsten Auftrag, in „Ein Quantum Toast“ ist er für die zweite Hälfte solo, bei „Skyfall“ spielt er „Kevin – allein zu Haus“ nach um ein paar zweisame Stunden mit seiner Chefin verbringen zu dürfen und hier arbeitet er eigentlich wieder den ganzen Film auf eigene Rechnung. Du hast einen Job, Junge, mach den, verdammtnochmal!

Spectrekulär?

Uns Bond findet im Teaser etwas heraus – und wir finden später heraus, warum er das herausfindet. Daraus entwickelt sich dann der Rest der Handlung, in der er auf eine Verbrecherorganisation (muss man wohl annehmen) stößt, die den Namen SPECTRE trägt (ehemals auch GOFTA oder PHANTOM aber merkwürdigerweise niemals FIFA) und wahrscheinlich QUANTUM aus den letzten Filmen aufgekauft hat, vielleicht hat’s auch eine feindliche Übernahme gegeben, zu sehr gehen wir da nicht ins Detail. Die will er also nun bekämpfen, nicht, weil das sein Job ist, den er ja nicht macht, sondern… weil’s zur Handlung dazugehört. Also macht er das irgendwie und am Ende wird die Welt zerstört, weil er versagt hat und stirbt… und das wäre doch mal ein überraschendes Ende gewesen.

Der Film fängt eigentlich recht gut an und schlägt sich ganz wacker, schön von angemessener Bond-Musik untermalt, doch irgendwann trifft Bondylein dann mit Christoph Waltz zusammen… und ab da wird es etwas schwammig.

Waltz with Bondier

Streng genommen sind die Szenen mit Waltz so ziemlich das einzige im Film, was nicht wirklich funktionieren will. Sie sollen eine Tiefe aufbauen, die aber nicht da ist. Da soll eine Geschichte dahinterstecken, doch die will einem nicht richtig schmecken, wirkt sie doch arg an den Haaren herbeigezogen. Und was Waltz mit Bond tut, nun, man könnte es verstehen, wenn es als Abrechnung für seine zwei letzten Filme gedacht wäre, im Kontext der Handlung ist es aber weitgehend sinnlos und unmotiviert. Was schade ist, denn neben einer ziemlich verschwendeten Monica Belutschmich, die mit 50 noch immer stilvoll lecker aussieht, gibt es sogar endlich wieder einen coolen Handlanger des Bösen, der statt Metallgebiss eine andere Fertigkeit hat, die eingeführt… und auf die nie wieder zurückgegriffen wird.

Schön sind die Szenen mit Q, die einen herrlichen Humor haben und zeigen, dass Bond sich auch mal nicht so ganz ernst nehmen konnte und man wünscht sich, die beiden letzten Filme hätten mehr davon gehabt. Aber dann sind wir wieder beim Waltz… und dem Versuch, alle Craigs unter einen Hut zu bringen. Und da zeigt sich die große Schwäche, nicht nur des Films, sondern auch der Bond-Produzenten. Hätte man das ganze als Trilogie angelegt, in sich geschlossen mit übergreifendem Handlungsbogen, so, wie Christopher Nolan die „Batmans“ gemacht hat, wenn man also bei Film 1 angedacht hätte, wo man bei Film 3 sein würde (ja, Toast einfach mal weglassen), dann hätte man da was schönes, in sich greifendes schaffen können, angefangen mit Bonds Anfängen, dann bei „Skyfall“ die idiotische „Bond ist zu alt für diesen Scheiß“-Scheiße weglassen und hier alles kulminieren lassen, das hätte schön funktionieren können. So wirkt das alles ein wenig bemüht und dadurch nicht wirklich gut. Dafür erfahren wir bei Craig mehr über Bonds Vergangenheit als in allen Filmen vor ihm zusammen…

Bond, James Bond

Zeit, auf Bonds Biographie einzugehen. Wir erfahren in „GoldenEye“ von 006, dass Bonds Eltern gestorben sind, aber das war es dann auch schon. Die Bücher geben uns da schon ein wenig mehr Informationen. In „Du lebst nur zweimal“, (verlegt bei Kaiser, S. 145) können wir lesen, dass unser Jimmy einen schottischen Vater namens Andrew Bond aus Glencoe und eine Schweizer Mutter namens Monique Deelacroix aus dem Kanton Waadt hat und dass sein Vater Auslandsvertreter der Vickers Waffenfabriken war. Als Bond 11 Jahre alt ist, verunglücken seine Eltern bei einer Bergtour in der Nähe vom Chamonix tödlich. Bond kommt unter die Obhut seiner Tante Miss Charmian Bond in dem kleinen Dorf Pett Bottom bei Canterbury in Kent.

Die Filme greifen Teile davon auf. Die Namen der Eltern sehen wir in „Skyfall“ auf deren Grabstein, die Klettertour wird in „SPECTRE“ erwähnt. Da ich dieses Jahr aber neben diesem Film auch zwei der Romane gelesen habe, wollen wir doch kurz auch darauf eingehen. Denn Bond und seine Geschichte hat sich nicht nur auf dem Weg vom Buch zum Film verändert, sondern auch in den Büchern finden wir Bond in unterschiedlichen Varianten. Der Roman „Solo“ spielt in den 60ern und schließt an die alten Bücher an. In „Carte Blanche“ jedoch erleben wir einen gleichen aber anderen Bond, dessen Geschichte zwar grob die gleiche ist, aber statt im Zweiten Weltkrieg hat er in Afghanistan gekämpft, er ist in den 2010ern in seinen 30ern, Felix Leiter hat noch alle Gliedmaßen und seine Beziehung zu Moneypenny ist auch irgendwie anders. Also auch auf dem Papier bleibt Bond nicht mehr der, der er einmal war. Da ist es also kaum verwunderlich, dass man auf der Leinwand mit ihm macht, was man will – und das passiert hier auch. Seine Zusammentreffen mit Waltz deuten etwas an… und das ist einmal mehr das Problem, denn über die Andeutung scheint auch das nicht hinauszukommen. Der Nachgeschmack der Halbherzigkeit lässt sich dann leider auch mit einem gut geschüttelten Wodka-Martini nicht ganz herunterspülen.

Mit

Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ben Wishaw, Naomie Harris, Dave Bautista, Monica Belucci, Andrew Scott, Rory Kinnear, Jesper Christensen, Ralph Fiennes – Regie: Sam Mendes

Mein Name ist Fazit, James Fazit

Fühlt sich an wie ein Bond-Film, hat aber durchaus seine Schwächen. Eine Straffung hätte dem ganzen ganz gut getan, eine bessere Herausarbeitung, was Waltz da eigentlich macht und warum und überhaupt, auch. Ich hatte dabei mehr Spaß als bei „Skyfall“, aber da gehen die Meinungen ja offensichtlich auseinander. Hoffen wir trotzdem, dass es bald einen neuen James Bond gibt – und damit meine ich vor allem -Darsteller! Ab 5. November 2015 im Kino.

Bonus-Episode: OSS 117

All denjenigen, bei denen bei den Daniel Craig „Bonds“ nicht mehr so das rechte Bond Feeling aufkommen will, seien an dieser Stelle die OSS 117 Filme mit Jean Dujardin empfohlen. Wahrscheinlich verdankt schon der originale OSS 117 seine Existenz einer Figur namens James Bond 007 – seine merkwürdige Nummer lässt so etwas vermuten, doch eider kann ich zu den frühen Filmen dieses Bond Kollegen nicht viel sagen. Die beiden neuen sind jedoch, um es mit einem Wort treffend auszudrücken, herrlich. Und eine gewisse Ähnlichkeit zum frühen Bond ist unverkennbar – vor allem, und das ist das Schöne, bei Hauptdarsteller Jean Dujardin.

Müsste der Darsteller von James Bond nicht Brite sein, Jean Dujardin sollte die Rolle bekommen! Denn Dujardin hat eine großartige Ähnlichkeit mit Connery, man kleidet ihn in ähnliche Anzüge und er schafft es, ähnliche Gesten und Bewegungen zu machen wie der Schotte Ihrer Majestät.

Dabei sind die OSS Filme eher Komödien als Parodien. Teil 1 spielt in den 50ern, Teil 2 in den 60ern und ich hoffe wirklich, dass sie noch einen dritten Teil machen. Die Filme, Teil 1 sogar mit Teaser, sind mit einem guten Blick fürs Detail gemacht und weniger voller Anspielungen als voller guter Gags – obwohl es sogar schlechte Rückprojektionen gibt!

„Der Spion, der sich liebte“

Einerseits ist OSS 117 natürlich ein Superspion – andererseits aber auch ein kompletter Vollidiot. Er löst eigentlich kein Rätsel selbst und hinkt der Handlung stets hinterher, so wie dem Nazi mit dem Rollator… wobei das wiederum dem literarischen Bond eines John Gardner sehr nahe kommt, der eigentlich auch nie selbst irgendetwas herausfindet und dabei auf die Arbeit von anderen angewiesen ist. Im Gegensatz zu 007 weigert sich OSS 117 sogar, mit den schönen Frauen zu schlafen. Er tut es dann doch, aber mehr aus Höflichkeit.

Was man den Filmen hoch anrechnen muss, ist, dass sie ihr Publikum ernst nehmen – oder, um es so zu formulieren, nicht für dumm halten. Sie rechnen mit dem Gedächtnis der Zuschauer, so dass sie die Vorlage für einen Gag (Schnattern der Hühner bei Licht / der Plan eines Enten-Tretboots) am Anfang mal kurz am Rande einführen, dann aber nicht, wie es schlechte Filmemacher heute gerne tun, direkt ausschlachten, sondern erst später wieder darauf zurückgreifen. Da fühlt man sich als Zuschauer endlich mal wieder vernünftig behandelt.

Das ist allerdings etwas, das OSS mit niemandem tut – ihn oder sie vernünftig behandeln. Er ist rassistisch und chauvinistisch – also wahrscheinlich auch wie Bond, nur dass es hier besser herausgearbeitet ist. Die Filme bieten deshalb nicht nur ein herrliches Spiel mit Klischees aus dem Agenten-Genre, sondern auch mit dem Rassismus – wobei eigentlich keiner gut wegkommt! Sei es Franzose, Amerikaner oder Nazi – hier hat keiner die moralische Hoheit. Was wieder mal das schöne ist, jeder kriegt hier sein Fett weg und niemand ist der saubere, strahlende Held.

„Er selbst ist sich genug“

Die Gegner sind, unter anderem, die Nazis. Doch was in amerikanischen Filmen und Serien zum ausgelutschten Klischee geworden ist (finden Sie mal irgendeine amerikanische Serie ohne Nazi-Episode!), wird hier viel cleverer und schöner bearbeitet – was seinen Höhepunkt darin findet, dass ein Nazi den Shylock-Monolog aus dem „Kaufmann von Venedig“ zum Besten gibt und OSS am Ende hofft, dass irgendwann „Nazis und Juden einander vergeben können“. Das ist ein herrlicher Umgang mit diesem Themengebiet, den die Deutschen nie dürften und die Amerikaner nie schaffen. Danke, Frankreich!

Im ersten Film gibt es dann noch einen Schauspieler, der frappierend an einen jungen Peter Ustinov erinnert sowie einen anderen mit leichtem Peter Lorre Anklang, der zweite bietet dann die wohl langsamste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte.

Wer also noch einmal einen Hauch von Bond erleben möchte, wie er etwa in den 60ern war, der sollte es vielleicht mal mit diesen Filmen versuchen.

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Bond Trivia – Die Antworten

Die große James Bond Retrospektive

Und hier die Auflösungen.

Der einzige Bond Darsteller, der im Laufe der Serie keinen Aston Martin fährt, ist Roger Moore – aber er holt es in „Auf dem Highway ist die Hölle los“ dann nach.

Und beim nächsten Mal gibt es eine Bonus-Episode!

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