Neu im Kino: Live By Night

Gangster aus Boston zieht es beruflich nach Tampa, wo er während der Prohibition für einen italienischen gegen einen irischen Mafiaboss, mit dem er auch noch ein paar Rechnungen offen hat, ein Geschäft aufbaut…

Nach einer wahren Begebenheit

Okay, das ist in dem Fall gelogen, auch wenn es die Prohibition tatsächlich gab, und Tampa möglicherweise auch. Tatsächlich ist es jedoch nach einem Roman, zum dem Ben Affleck nun Drehbuch und Regie beigesteuert hat, und Hauptrolle auch. Und darin liegt ein wenig das Problem, um es mal so zu nennen, nicht in Affleck, sondern in der Umsetzung einer Vorlage. Denn, wenn man den Film mal ökonomisch betrachtet, hätte man die gesamte Anfangsgeschichte mit Boston, die ein bisschen eine Art Rahmen bieten soll, komplett streichen können, ohne, dass dabei viel verloren gegangen wäre. So ziemlich alles, was mit dem irischen Gangsterboss zu tun hat, hätte entfernt werden können, da es weder eine genügend große Motivation bietet, noch deren Ansätze wirklich ausgespielt werden – obwohl es natürlich schön ist, Robert Glenister von „Hustle“ mal auf der großen Leinwand zu sehen (ebenso wie Christian Clemenson von „Boston Legal“), aber rein handlungstechnisch hätte man darauf verzichten und das Werk damit sinnvoll straffen können.

Ansonsten haben wir einen soliden Gangsterfilm mit viel Gewalt, brutalen Schusswechseln und ein paar interessanten Figuren. Elle Fanning zum Beispiel darf einen für einen solches Thema eher ungewöhnlichen Charakter spielen. Und auch Chris Cooper als ihr Vater ist mal wieder sehr ansehnlich. Schauspielerisch der Höhepunkt ist aber Chris Messina (u.a. von „The Newsroom“), dessen Rolle sich so sehr von seinen üblichen zu unterscheiden scheint, dass es einfach Spaß macht ihn hier zu sehen – so, wie es ihm offenbar Spaß gemacht hat, so zu spielen.

Live By Fazit

Mafiagangsterfilm zu Prohibitionszeiten, dem es möglicherweise gut getan hätte, wenn man sich nicht zu sehr an die literarische Vorlage gehalten, sondern sich auf das Wesentliche konzentriert hätte. Ab 2. Februar 2017 im Kino.

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Neu im Kino: Elle

Frau wird in ihrem eigenen Haus vergewaltigt. Da sie eine schwierige Vergangenheit mit der Polizei hat, zeigt sie die Tat nicht an. Zudem hat sie ein Verhältnis mit dem Mann ihrer besten Freundin und ihr Sohn ist auch in einer schwierigen Beziehung…

Paul Verhoeven ist zurück!

Und jetzt auch im Kino, nicht nur beim Film Festival Cologne. Ja, es ist endlich mal wieder ein Film, der sich auch wie ein Film anfühlt und nicht nur wie eine Aneinanderreihung von Szenen. Man merkt Struktur und Ineinandergreifen, nicht pures hintereinanderzeigen. Dinge haben Einfluss auf andere Dinge und das Ganze hat eine Dichte, die man sich von einem Spielfilm wünschen würde. Ob das allein an Paul Verhoeven liegt, sei dahingestellt, aber dieser Film zeigt, dass er es noch immer drauf hat. Und mit dem Thema Vergewaltigung vereint und verbindet „Elle“ quasi die beiden Hauptmerkmale von Verhoeven-Werken: Sex und Gewalt. Dass das keine leichte Kost und für jeden das Richtige ist, muss man eigentlich nicht groß erklären. Und doch wandelt der Film nicht allein im düsteren Territorium, das er natürlich auch ausgiebig besucht, er bietet auch zwischenzeitlich jede Menge Humor, um von Anfang bis zum Ende unterhaltsam zu sein – und einfach ein großes Vergnügen für Freunde des holländischen Großmeisters. Vielleicht ist es ein bisschen schade, dass man nicht tiefer in die Vergangenheit der Hauptfigur und ihres Vaters eingetaucht ist, aber auch ohne das hat man immernoch eine Menge Spaß… sofern man sowas über Vergewaltigung sagen kann…. was aber auch irgendwie ein Thema des Films ist.

IsabELLE Huppert

Die Titelfigur wird dargestellt von Isabelle Huppert, die hier eine kleine Glanzleistung vollbringt und der eigentlich schwierigen Rolle eine erfrischende Leichtigkeit verleiht. Sie ist schlicht genauso grandios wie der Film. Einer ihrer Verehrer stammt sogar aus Deutschland, zumindest der Schauspieler, Christian Berkel, der es offensichtlich auch endlich in internationale Produktionen geschafft hat und dabei auch ziemlich gut ist. Für Verhoeven bedeutet dieser Film, dass er inzwischen in Holländisch, Englisch, teils Deutsch („Black Book“) und nun auch Französisch gedreht hat… welcher andere Regisseur kann das schon von sich behaupten?

Mit

Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling – Regie: Paul Verhoeven

Fazithoeven

Nichts für jeden, aber trotzdem endlich mal wieder ein Film, der diese Bezeichnung auch verdient. Wandelnd zwischen Spannung und Humor und mit interessantem Verhalten seiner Figuren bleibt „Elle“ vom Anfang bis Ende interessant und unterhaltsam – und man sollte unbedingt darauf achten, was die Nachbarin am Ende sagt. Ab 2.2.2017 im Kino.

Neu im Kino: Volt

In einer nahen (und nahe liegenden) Zukunft, werden so eine Art Flüchtlinge in einem Transitbereich gehalten, doch als Polizist Volt in der ersten Szene des Films einen von den „Blackies“ kalt macht, ist die Kacke quasi am Dampfen…

Der Film macht eigentlich alles falsch

Um das mal in einem höflichen Urteil zusammenzufassen. Die Darsteller sind nicht gut, die Bilder sind nicht gut, die Schauwerte sind nicht gut – aber das ist nur das Oberflächliche. Viel schlimmer ist, dass er weder in der Lage ist, seine Welt richtig aufzubauen, noch das verschissene Lager, in dem sich die Flüchtlingsanwärter aufhalten. Und das wären verdammtnochmal die Grundlagen gewesen! Man muss verstehen, wie die Welt aussieht, soll es doch eine düstere Utopie sein, also wenn man schon nicht die Kohle hat, um sie zu zeigen, sollte man sie wenigstens im Gespräch anständig erklären. Und auch von dem Lager hat man keine vernünftige Vorstellung, besonders, da da offensichtlich jeder (oder zumindest der mit seinen oft weit aufgerissenen Augen eher bescheiden agierende Benno Führmann… oder Abführmann, weil er Polizist ist?) ein und ausgehen kann, wie’s gerade beliebt, was die ganze Sache ziemlich sinnlos macht. Man hätte ein paar schöne Geschichten mit dieser Grundidee erzählen können, eine Satire, eine Anklage gegen schlechte Flüchtlingspolitik, einen spannenden Krimi, in dem Volt die Schwester des von ihm Umgebrachten dazu bringt, einen ihm unwohl gesonnen Polizisten umzulegen, weil „sie unbedingt ihren Bruder rächen möchte“. All das bietet der Film nicht und man fragt sich einmal mehr, was für ein Mist eigentlich in diesem Land Fördergelder bekommt, denn dieser Streifen mit seiner extrem lauten und nervigen Musik läuft aus unerfindlichen Gründen ab 2. Februar 2017 im Kino.

Neu auf DVD: Thirteen – Ein gestohlenes Leben

13 Jahre nachdem ein damals 13jähriges Mädchen entführt wurde, taucht sie wieder auf. Alles hat sich verändert, die Welt, ihre Familie, ihre Freunde – aber auch sie. Und ihr Entführer ist noch immer auf freiem Fuß…

Spannend!

Man fühlt sich ein wenig an „Raum“ erinnert und natürlich beschäftigt sich die 5-teilige Serie mit einer sehr ähnlichen Problematik, geht dann aber andere Wege. Was die Sache umso interessanter macht. Denn sie verbindet zwei interessante Aspekte der Unterhaltung und bietet dadurch eine gute

Mischung aus Drama und Krimi

Und beides auf hohem Niveau. Zunächst beginnt es wie ein Drama, das entführte Kind, endlich befreit, die Veränderungen, der Umgang damit. Doch dann tauchen Fragen auf. Kann das, was sie gesagt hat, wirklich so stimmen? Verheimlicht sie etwas? Lügt sie vielleicht sogar? Muss alles, was man geglaubt hat, in Frage gestellt werden? Und dann passieren weitere Dinge, die sich zu einem spannenden Finale steigern.

Neben einer guten Geschichte, die spannend erzählt ist, hat die Serie auch sehr gute Schauspieler. Alles ist gut gespielt und wirkt dadurch extrem glaubwürdig. Wodurch einem die Sache noch näher geht – und genau das soll sie ja auch!

Bonus

Zwei kurze aber interessante Making ofs, in denen man ein wenig über die Entstehung der Serie erfährt.

Mit

Jodie Comer (Anita Hopt), Natasha Little (Dorette Hugo), Stuart Graham (Peter Flechtner), Richard Rankin (Tobias Nath), Nicholas Farrell (Tobias Lelle)

Fazit

Spannende Mischung aus Drama und Krimi – sehr sehenswert! Ab 27.1.2017 auf DVD.

Neu im Kino: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Drei schwarze Frauen arbeiten in den 60er Jahren bei der NASA, doch da sie a) Frauen und b) schwarz sind und es zu diesem Zeitpunkt im Land der Freien noch die Rassentrennung gibt, ist es egal, wie fähig sie sind, doch dagegen wollen sie vorgehen…

Wahre Geschichte

Man ist ein bisschen hin und her gerissen. Denn als Zyniker hat man ein paar Zweifel daran, dass sich das alles wirklich so abgespielt hat. Dass es plötzlich auf einer Seite eine Einsicht gibt und alles verändert wird. Und es kommt einem ein bisschen merkwürdig – nicht komplett unglaubwürdig, aber doch merkwürdig – vor, dass es dann letztlich diese eine Schwarze, die zwar ein Mathegenie ist, ist, die das Raumfahrtprogramm rettet… was ein sehr schlechtes Licht auf die Kompetenz der NASA und ihrer Mitarbeiter wirft. Davon abgesehen aber ist der Film ausgesprochen befriedigend, wenn man sieht, dass Leute, die etwas können, auch mal erfolgreich sein können.

Competence Porn“

So hat David Chen vom Slashfilmcast diese Art Film bezeichnet, bei der man sich daran delektieren kann, wenn Profis ihren Job exzellent machen – und, seien wir ehrlich, das kommt viel zu selten vor. Sowohl in der Wirklichkeit als auch im Film. So können wir denn also dabei zusehen, wie ein paar Frauen etwas können und das auch mal ausleben dürfen. Wie gesagt, ausgesprochen befriedigend, wenn man so etwas mag!

Der Film ist gut gespielt, die Figuren sind alle überzeugend, nur die private Familiengeschichte hätte man vielleicht auslassen können, weil die dann doch ein wenig zu süßlich daherkommt.

Mit

Taraji P. Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe

Hidden Fazit

Schöne Geschichte mit starken Darstellerinnen, bei der man aber trotzdem ein bisschen den Verdacht hat, dass sie die Geschichte eine Spur positiver darstellt, als sie in Wirklichkeit gewesen sein mag. Ab 2. Februar 2017 im Kino.

Neu im Kino: Die irre Heldentour des Billy Lynn

Manchmal fragt man sich bis zum Ende des Films, worum es eigentlich gehen soll – und manchmal bekommt man keine Antwort darauf. Wie bei diesem Film. Das, was am ehesten wahrscheinlich scheint, ist, dass es sich um eine Art

Rekrutierungsvideo für die Army

handelt, denn irgendwie lässt das Ende durchaus auf so was schließen. Ein junger Soldat kommt aus Vietnam, äh, dem Irak zurück und weil er vielleicht was ganz tolles gemacht hat, was auf Video aufgenommen wurde, werden er und seine Einheit herumgereicht, weil sie versuchen, dass jemand einen Film über sie finanziert? Oder so? Die Schwester will dann noch, dass er einen Arzt trifft, der ihn aus der Armee rausholt – und dann gibt es die süße Cheerleaderin, die sich natürlich sofort in ihn verliebt.

Leider gehen einem eigentlich alle Figuren so sehr am Allerwertesten vorbei, dass einem ihr Schicksal oder sonst was ziemlich egal ist. Der komplette Film ist uninteressant, aber mit einer Menge Nahaufnahmen, auch von Steve Martin (ja, er lebt noch, er lebt noch) erzählt, sowohl inhaltlich als auch formal – und das einzige Element, aus dem man etwas hätte machen können, nämlich Billy Lynns Phantasien, wird nicht oft benutzt und kann deshalb aus den Akten gestrichen werden.

Eine interessante Geschichte wäre vielleicht gewesen, wenn jemand PTSD gehabt hätte und das dann an irgendeinem Punkt während einer Werbeveranstaltung richtig zum Tragen gekommen wäre. Oder wenn man die tapferen Krieger einfach nur für Werbezwecke ausgenutzt und von einer Veranstaltung zur nächsten gereicht hätte. Oder wenn die Heldentat sich als erstunken und erlogen herausgestellt hätte. Oder wenn man immerhin das Gefühl gehabt hätte, Jüngelchen würde sich wirklich ernsthaft Gedanken darüber machen, ob er die Army verlassen soll. Doch nichts davon trifft zu, was dazu führt, dass der Film auf der Interessantheitsskala genauso wenig zu bieten hat wie auf der Geschichtenskala – nämlich in beiden Fällen Werte, die gegen Null tendieren.

Die irre Fazittour des Billy Lynn

Wer sich für die amerikanische Armee anwerben lassen will, der kann sich dieses viel zu lang geratene Rekrutierungsvideo ab 2. Februar 2016 im Kino ansehen.

Neu im Kino: Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

Junge verkauft sein Lachen an den Teufel, doch als er merkt, wie freudlos das Leben trotz Geld ist, hätte er es gerne zurück…

Der Teufel spielt Horst Frank

Und nicht umgekehrt. Denn Horst Frank war einfach so unglaublich gut, dass da selbst der leibhaftige Teufel schwer mithalten kann. Aber hier reden wir von der Erstverfilmung als Fernsehserie mit Tommi Ohrner, der in diesem Film einen (klitze)kleinen Gastauftritt hat.

Lassen wir die Katze direkt aus dem Sack, der Film ist nicht die erwartende Katastrophe. Denn: Er macht vieles anders, lässt die Geschichte nicht in der Gegenwart spielen, sondern in der Vergangenheit – und kupfert sogar eine kleine Sache von „OSS 117 – Er selbst ist sich genug“ ab, wenn wir da mal ehrlich sind. An einer Stelle sieht man nämlich das, was der Teufel sich für die Zukunft vorstellt – also für unsere Gegenwart. Und das erinnert, wenn man mal darüber nachdenkt, ein wenig daran, dass die Nazis bei OSS ein Bild der Welt entwerfen, wie sie sie sich schaffen wollen, das frappant an unsere Wirklichkeit erinnert. Jedenfalls gibt es ein paar Dinge, die der Film recht gut macht und dass er sich weit von der Serie entfernt ist ebenfalls hilfreich, weil er ihm nicht nur etwas Eigenständiges verleiht, sondern auch nicht zu einem zu starken Vergleich auffordert. Dass Justus von Dohnányi trotz alledem mit Horst Frank nicht ganz mithalten kann, nun, das ist dann doch nicht überraschend, denn, seien wir ehrlich, wenn es schon der Teufel selbst nicht kann, wer kann es dann schon?

Aaaaber

Neben dem guten, ein paar netten Ideen und einem wie immer sehr angenehmen Charly Hübner, der ein wenig Herz und Seele des Films ist, gibt es dann aber auch noch weniger schöne Dinge, wie zum Beispiel zwei ausgesprochen nervige Figuren, die sich zwischenzeitlich zu CGI-Viechern verwandeln… und die man komplett aus der Handlung hätte streichen können, ohne, dass es sich ausgewirkt hätte – außer positiv, natürlich. Warum eine der Figuren von einem Mann im Frauenkostüm gespielt wird, nun, durch den Film wird es nicht gerechtfertigt.

Mit

Arved Friese, Justus von Dohnányi, Axel Prahl, Andreas Schmidt, Jule Hermann, Charly Hübner, Bjarne Mädel

Timm Fazit

Die etwas andere Herangehensweise tut dem Film sehr gut, aber perfekt wird er dadurch leider noch nicht. Er ist immer dann gut, wenn er intelligente Lösungen für Probleme findet, wenn die Leute begreifen, wie man Timm Thalers Fähigkeit sinnvoll einsetzen kann. Eigentlich, aber das geht wahrscheinlich auf die literarische Vorlage selbst zurück, müsste die Handlung sein: Timmy verzaubert alle mit seinem Lachen, der Teufel kommt in seinem Job so grimmig nicht weiter, Timmy verkauft sein Lachen, der Teufel setzt es ein, um die Menschen zu verführen, Timmy verzweifelt mehr und mehr und während der Teufel immer erfolgreicher wird, nur Dank des Lachens, also sucht Timmy einen Weg, es zurück zu bekommen… In Ansätzen ist das im Film, aber wenn man schon eine Neuinterpretation macht, hätte man sich eigentlich auf diese Kernpunkte fokussieren können. Ab 2. Februar 2017 im Kino.