Kino: FIGHTING WITH MY FAMILY

England, eine Familie von Wrestlern. Nun eröffnet sich für Sohn und Tochter die Möglichkeit, in die WWE aufzusteigen und in Amerika zu Ehre, Ruhm und Reichtum zu gelangen…

Wahre Geschichte

Wenn es etwas gäbe, das ich an diesem Film auszusetzen hätte, dann wäre es, dass er auf einer wahren Geschichte beruht. Denn sowas zeigt einem oft an, wo die Reise enden wird. Davon abgesehen:

Großartige Komödie!

Selbst wenn man dem Wrestlingzeugs nix abgewinnen kann, ist der Film eine wahre Freude. Witzige Dialoge, tolle Szenen, großartige Darsteller. Florence Pugh… wird uns in der zwar schon geschriebenen aber noch nicht veröffentlichten Besprechung zu „Die Libelle“ noch einmal begegnen und die Frau ist einfach toll. So eine Art weiblicher Tom Hardy, nur, dass sie verständlich spricht, ansonsten aber jede Rolle völlig anders anlegt und damit wandelbar und wunderbar bleibt, quasi wundelbar. Lena Heady von „Game of Thrones“ darf auch mal wieder zeigen, dass sie eher in Richtung Bandbreite geht als in Richtung Eindimensional und Nick Frost… ist halt Nick Frost. Sehr schön ist auch, dass Vince Vaughn nach „Hacksaw Ridge“ und „Brawl in Cell Block 99“ ein weiteres Mal beweisen kann, dass er ein richtig toller Schauspieler sein kann… und das als der ernste Teil in einer Komödie. Mehr solche Rollen, bitte.

No Gervais

Damit ist kein Frühstücksquark gemeint, sondern der Ricky. Mit dem hat der Autor und Regisseur des Films, Stephen Merchant, nämlich ne Weile abgehangen und die beiden haben viele Projekte gemeinsam auf die Beine gestellt. Hier nun ist Merchant im Soloflug – und ich will nicht behaupten, dass es der Sache gut tut… aber das tut es. Für einen Merchant braucht es keinen Gervais, um eine tolle Komödie zu machen, also auch davon bitte gerne mehr.

Mit

Florence Pugh, Lena Headey, Nick Frost, Jack Lowden, Vince Vaughn, Dwayne Johnson

Regie & Drehbuch: Stephen Merchant

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit with my Family

Großer Spaß, großes Lob, schön geschrieben, schön gespielt – haut einen echt auf die Bretter, trotz des blöden Themas Wrestling. Ab 1. Mai 2019 im Kino.

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Heimkino: Harlots – Haus der Huren – Staffel 1

London im 18. Jahrhundert. Das älteste Gewerbe der Welt in einer Zeit, als Swingerclubs und Onlinepornographie noch Zukunftsmusik waren, die Liebe aber schon genauso käuflich war, wie heute…

Kostümdrama über das Horizontale Gewerbe

Das fasst es eigentlich schon so ziemlich zusammen. Wo man herzögliche Gesellschaften erwarten würde, bekommt man hier eher unzüchtige Belegschaften zu sehen. Vor ein paar Jahren hätte man an dieser Stelle schreiben können, dass das mal eine Abwechslung wäre, aber in Zeiten von „Game of Thrones“ ziehen viele Serien nach und da gibt es in „Versailles“ mehr Nacktheit, Sex und Gewalt zu sehen, als… hier, um genau zu sein. Denn vergleicht diese züchtigen Unzüchtigkeiten man mit der Serie um den Sonnenkönig, kommt dieses fernsehliche Hurenhaus vergleichsweise harmlos und züchtig daher. Nicht, dass das heutzutage für eine Serie ein notwendiges Verkaufsargument wäre, aber wenn der käufliche Sex schon der Inhalt der ganzen Sache ist, dann sollte man in dem Bereich auch ein wenig auffahren. So bleibt denn ein nett ausgestattetes Kostümdrama, bei dem man sich wünschen würde, dass man ein wenig über den eigenen Horizont hinauswächst und vielleicht mal zumindest einen Sherlock Holmes in das Bordell eintreten lässt, doch leider bleibt man uns einen derart elementaren Gastauftritt schudig.

Downton Slutty

Für einige junge Damen mag ihr Aufenthalt in der Abbey der erste Schritt zu größerem Ruhm gewesen sein. Rose Leslie zum Beispiel spielte erst im „Game of Thrones“ mit, bevor sie in „The Good Fight“ hineingezogen wurde. Auch Jessica Brown Findlay lebte in dem malerischen Herrenhaus, bis es sie dann ins horizontale Gewerbe verschlug – und dies hier ist nicht ihr erster Einstieg in diesen, wie man hier sehen kann, nicht ganz so romantischen Arbeitsbereich, wie sich das manche vielleicht vorstellen. Schon Jahre vor diesem Ausflug in die Vergangenheit geriet sie in einer nicht allzufernen – oder allzu unrealistichen – Zukunft ebenfalls auf die schiefe Bahn, nämlich in einer der besten Folgen des hervorragenden „Black Mirror“.

Bonus

Ein paar Making-ofs mit Einblicken hinter die Kulissen.

Mit

Samantha Morton (Sabine Arnhold), Lesley Manville (Liane Rudolph), Jessica Brown Findlay (Rubina Nath), Hugh Skinner (Arne Stephan), Con O’Neill (Achim Buch), Fenella Woolgar (Margrit Straßburger), Tim McInnerny (Bernd Vollbrecht)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Farzots – Das Haus der geheimnisvollen Huren

Ein weder romantisierender noch verklärender Blick auf die Prostitution. Leider weit biederer und züchtiger, als es sich für ein Hurenhaus geziehmen würde. Ab 5. April 2019 auf DVD.

Heimkino: SUMMER ’03

Im Krankenhaus, fast auf dem Sterbebett, gibt Oma der Familie noch ein paar Bemerkungen und Ratschläge mit auf den Weg, die zu gewissen Dingen führen, besonders für die Tochter…

Komödie übers Erwachsen werden

Mit ein bisschen Pepp und Pfeffer im Arsch. Im Original wird, für einen Film dieser Art, überraschend oft das Wort „fuck“ gesagt, deshalb erlaube ich mir an dieser Stelle diese Wortwahl. Natürlich bringt er auch das eine oder andere Klischee, das man von einer solchen „Mädchen auf Highschool mit erstem Sex und Jungen und so“ Geschichte erwarten kann, aber dafür macht er hier und da auch den einen oder anderen Schlenker, den sich mehr solcher Filme erlauben sollten und der dann ein wenig mehr Freude in das Bekannte bringt, und ein kleines bisschen Abwechslung. Am Anfang hat man kurz mal den Verdacht, das Ganze könnte eine Art christliches Anwerbungsvideo sein, das sich als Teenagerkomödie tarnt, aber dann hätte es wohl kaum so viele Fucks gegeben, in mehrfacher Hinsicht. Stattdessen geht der Film ein paar durchaus schräge Wege, was ihn dankenswertweise von vielen seiner Kollegen abhebt und damit tatsächlich wirklich unterhaltsam macht.

Cheer for Scheer

Freunde des Podcasts HOW DID THIS GET MADE kommen bei diesem Film in besonderer Weise auf ihre Kosten, nicht, weil man sich fragt, wie sowas entstanden ist, sondern weil einer der Podcaster mit von der Partie ist: Paul Scheer spielt hier das, was er im wirklichen Leben inzwischen auch ist, nämlich einen Vater… den der Hauptfigur, um genau zu sein.

Mit

Joey King (Maresa Sedlmeier), Andrea Savage (Claudia Urbschat-Mingues), Paul Scheer (Patrick Schröder), Erin Darke (Stefanie Dischinger), Jack Kilmer (Karim El Kammouchi), June Squibb (Marion Hartmann)

Regie: Becca Gleason

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit ’03 gegen Schalke ’04

Ob der Film nun ausgerechnet 2003 spielen muss…? Ja, da gibt es die Harry Potter Anspielungen, aber das hätte man auch anders lösen können. Warum nicht „Summer ’17“, dann hätte man nicht nur das Jahr, in dem er spielt, sondern auch das der Hauptfigur und damit eine nette Doppeldeutigkeit…. aber sowas wird ja heutzutage nicht mehr produziert. Davon ab aber eine nette Komödie übers Erwachsenwerden (erwachsen werden?) mit netten Dialogen und Ideen und oft genug weit genug ab vom Klischee, um Spaß zu machen. Ab 26. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: MEGA TIME SQUAD

Neuseeland. Kleinganove soll für seinen Kleinganoivenboss Geld von der lokalen chinesischen Mafia klauen. Dabei fällt ihm ein Stück in die Hand, mit dem man durch die Zeit reisen kann…

Anders als erwartet

Und das ist absolut positiv gemeint. Mit Zeitreise kann man eine Menge machen und oft genug geht das schief – womit eher die Filme gemeint sind denn die Handlung, denn der etwas altmodische Ansatz, eine Handlung erstmal zu durchdenken, bevor man sie auf den Zuschauer loslässt, wird heute nur noch selten beherzigt. So kommt es, dass vieles im Bereich Zeitreise bestenfalls halbgar und jedenfalls unerfreulich ist. Das ist hier anders. Nicht, weil es besser durchdacht wäre, sondern weil man in eine unerwartete und ungewohnte Richtung geht – und damit eine Menge Spaß hat. Was genau das ist, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn hin und wieder ist es doch einfach mal schön, sich von einem Film überraschen zu lassen. Das macht dieser hier, der auch noch den Vorteil hat, dass er sich selbst nicht zu ernst nimmt. So entsteht eine low-Budget-Gauner-Liebeskomödie mit hier und da ein bisschen Gewalt, auf jeden Fall aber einer Menge Spaß.

Bonus

Im Audiokommentar erzählt der Regisseur, wie er auf die Idee gekommen ist, den Film so umzusetzen, nämlich mit dem, was er hat und was wenig kostet so viel wie möglich zu erreichen. Das ist ein Ansatz, den mehr Filmschaffende verfolgen sollten, denn es fördert die Kreativität, da man statt Geld nun Ideen braucht, um gewisse Dinge umzusetzen. Und wenn soetwas gelingt, ist es immer schön, das zu sehen.

Mit

Anton Tennet, Jonny Brugh, Milo Cawthorne, Hetty Gaskell-Hahn

Regie: Tim van Dammen

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit Time Squad

Durchgeknallt, ausgesprochen unterhaltsam und ein weiterer Beweis dafür, dass man keine Unmengen an Geld braucht, um einen guten Film zu machen, sondern nur Unmengen an Phantasie. Ab 26. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Don‘t look back – Schatten der Vergangenheit

Frau, die als Kind einen Unfall gehabt hat, sieht plötzlich in einem Video, in dem eigentlich sie zu sehen sein müsste, eine andere Frau…

Kein Lynch

Und das meine ich durchaus nicht im negtiven Sinne, denn auch wenn man zwischendurch keine Ahnung hat, was eigentlich gespielt wird, erhält man am Ende doch eine Erklärung, die weitestgehend Sinn ergibt. Man versteht also, was das Ganze soll. Das ändert allerdings nichts daran, dass da doch ein bisschen verschenktes Potential im Raume steht. Man hätte den Horroraspekt besser herausarbeiten können, mehr die Unterschiede zwischen ihrer Wohnung vorher und nachher zeigen, damit wir sehen können, warum sie reagiert, wie sie reagiert, weil wir die Veränderungen genauso erkennen wie sie. Auch mit der Verwandlung selbst hätte man stärker arbeiten können. So macht das Ende zwar klar, was man eigentlich gesehen hat, aber der Weg dorthin hätte weit spannender gestaltet werden können.

Zwei Brandtgirls

In der oder den Hauptrollen bekommt man hier zwei Bondgirls geboten, auch wenn hier die Bezeichnung Bondwoman oder gar Bondlady weit zutreffender ist. Es sind Frauen mit Stil und Klasse und Sophie Marceau, bekannt worden durch „La Boum – die Fete“, kann sich rühmen, die einzige Bondoberschurkin in der Geschichte des gesamten Franchise zu sein, eine Rolle, die sie mit Bravour meisterte. Mit Bravour meistert sie auf deutsch in vielen Fällen Judith Brandt… die allerdings auch häufig für Monica Bellucci zu hören ist. Leider, auch wenn es die Rolle durchaus hergeben würde, lässt man hier Brandt nicht beide Damen vertonen, so dass man für Bellucci leider Christin Marquitan, die besonders bekannt geworden sein dürfte für Amanda Tapping in „Stargate“, hört… und das ist nicht immer ein Vergnügen.

OT: Ne te retourne pas

Sophie Marceau (Judith Brandt) & Monica Bellucci (Christin Marquitan)

Regie: Marina de Van

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazit der Vergangenheit

Befriedigende Auflösung… nach einem eher unbefriedigenden Weg dorthin. Ab 26. April 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Das Vermächtnis des Sherlock Holmes

OT: How Sherlock Changed the World

Hin und wieder gibt es Literatur oder Filme, die die Realität dahingehend beeinflussen, dass man versucht, die in der Fiktion gezeigten Errungenschaften in der Wirklichkeit ebenfalls zu erreichen. Die Bond-Filme haben die Spionagedienste inspiriert, wenn auch zu etwas eigenwilligen, wenig gesellschaftsfähigen Gadgets, aber da waren sie nicht das erste Franchise, das in dem von ihm beschriebenen Bereich für Neuerungen sorgte. Sherlock Holmes, Ende des 19. Jahrhunderts von dem Arzt (und nicht, wie in der eher vergessbaren „In 80 Tagen um die Welt“-Verfilmung mit Jackie Chan unterstellt, Polizisten) Arthur Conan Doyle (nicht verwandt mit „Conan, der Barbar“ oder „Conan O’Brien) ins literarische Leben gerufen, leistete seinen Dienst für den Bereich der Kriminalität… oder, besser, der kriminalistischen Forensik, sprich: Spurensicherung und solche Details. Zwar sind es auch seine kleinen, grauen Zellen (ähhh, das war Agatha Christies Hercule Poirot), seine meisterlichen Wege der Deduktion, Dinge genau zu betrachten und Schlüsse daraus zu ziehen, in seinem Fall glücklicherweise immer die richtigen, die einen wesentlichen Bestandteil seines Reizes ausmachen. Doch auch Dinge, die sich eher der wissenschaftlichen Herangehensweise an Verbrechen und Tatorte widmen, tauchen offenbar erstmals in den Erzählungen Conan Doyles auf, bevor sie ihren Einzug in die Wirklichkeit der Polizeiarbeit fanden. Diese zweiteilige Doku gibt uns Einblicke in das, was Sherlock Holmes, so fktional er auch in Wirklichkeit sein mag, für die Realität der Polizeiarbeit gelekistet hat. Und das ist überaus interessant.

Kein Koks für das Privatleben des Sherlock Holmes

Zwar wissen wir durch verschiedene Verfilmungen ein bisschen über bestimmte Aspekte seines Lebens, z.B. dass er dem Kokain nicht abgeneigt war und da eine „7%-Lösung“ (so der Originaltitel von „Kein koks für Sherlock Holmes“) bevorzugte, doch in Billy Wilders „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ erfahren wir dann noch andere Ansätze seiner Arbeit, z.B. die Erstellung eines Lexikons von (gerauchten) Tabaksorten (also Asche), für die er eine Maschine fleißig rauchen ließ – und, dass sein Ablagesystem in seinem Zimmer in der Baker Street 221B auf der Höhe der Staubschicht beruhte – ein Alptraum für jede Putzfrau. Diese nette kleine Doku, die für uns nun ein wenig die Tiefe geht und zeigt, wechen Einfluss Holmes auch heute noch hat, dürfte ihre Existenz auch ein wenig der Renaissance des berühmtesten Detektivs aller Zeiten verdanken, gab es doch einen kurzen Zeitraum, wo er gleichzeitig eine Kino- (mit Robert Downey jr,) und zwei Fernsehserien (UK: Benedict Cumberbatch, US: Tommy Lee Miller) sein Eigen nennen konnte, auch wenn man sich hier mehr auf die Cumberbatch-Variante der BBC bezieht, zu recht, da sie die beste der drei Inkarnationen ist. Wer sich also gerade für diese Version begeistern kann, der mag hier ein paar nette Einblicke in die Hintergründe bekommen und sehen, dass Sherlock Holmes nicht nur seiner Zeit voraus war, sondern noch immer aktuell ist – eben zeitlos gut.

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Elementary, Dear Fazit

Ein interessanter Einblick darin, wie die Fiktion des Meisterdetektivs Sherlock Holmes sich auf die wirkliche Welt der Kriminalistik und Forensik ausgewirkt hat. Ab 26. April 2019 auf DVD.

Doctor Who – Staffel 11

Der Doktor ist zurück… und diesmal ist er eine Frau!

Offenbar haben Millionen in panischer Angst aufgeschrien (nee, das ist aus „Krieg der Sterne“), als sie hörten, dass nun eine Frau die Praxis des seit den 60er Jahren männlichen Doktors übernehmen würde… sagen wir es mal so: deren Problem! Denn, wie bereits an anderer Stelle geschrieben, „Doctor Who“ dürfte so ziemlich die einzige Serie in Film und Fernsehen sein, die es geschafft hat, den Wechsel von Schauspielern für dieselbe Rolle nicht nur sinnvoll zu erklären, sondern auch organisch in die Serie einzubauen. Ganz im Ernst, mit einem weiblichen James Bond hätte ich meine Probleme. James is ja nu auch nicht so der Frauenname und da die Produzenten von Filmen oft auch im Bereich der Idiotie ansässig sind, würde man Jame? Jaime? Jamima? dann bestimmt auch prompt lesbisch machen (Bond schläft ja auch mit Frauen), weil ja nicht nur alle taffen Weiber lesbisch sind, sondern weil man dann ja, Verzeihung, auch nicht die Eier hätte, sie mit Männern rumvögeln zu lassen, weil sich das dann ja in den prüden Augen solcher Leute doch nicht geziehmt. Wie dem auch sei, wenn eine Serie prädestiniert dafür ist, auch mal eine Frau ans Ruder – oder ans Śtethoskop in dem Fall – zu lassen, dann ist es „Doctor Who“. Was man hiermit gemacht hat. Jodie Whittaker gibt hier nach der Reinkarnation am Ende der letzten Folge ihren Einstand – und, was soll man sagen, sie macht das ganz ausgezeichnet. Man hat nie das Gefühl, dass sie nicht der Doktor wäre (und da wollen wir jetzt nicht einmal mehr auf meine Probleme mit Daniel Craig eingehen). Irgendwie erinnert sie ein wenig an einen gemäßigten David Tennant, nicht ganz so hibbelig, aber auch nicht so zurückhaltend wie Eccleston. Sie findet einen guten Weg, die Figur zu personifizieren – und auf nichts anderes kommt es in diesem Fall an. Obẃohl… das stimmt nicht ganz. Gute Geschichten wären ja auch ganz schön. Leider hat nun aber zusammen mit Peter Capaldi nicht nur der letzte Doktor das Schiff verlassen, auch Steven Moffat, der seit Matt Smith als Showrunner dabei war und der zu Zeiten von Russell T. Davies ein paar der besten Who-Folgen aller Zeiten schrieb, ist nun aus der TARDIS ausgestiegen. Das Resultat ist… ordentlich.

Bring back Captain Jack

Was sich einem als Wunsch ein bisschen aufdrängt, wäre… wie wäre es, wenn ihr Captain Jack Harkness zurückbringen würdet? Auch wenn er später bei „Torchwood“ eher in der Kategorie schwul angesiedelt wurde, so war er doch bei seinem ersten Auftritt eher jemand, der mit allem geflirtet hat, Männlein, Weiblein, Roboterlein, ganz egal. Was man über Lando in „Solo“ so sagt, war genau das, wie sich Captain Jack zu Beginn seiner TV-Laufbahn verhalten hat. Warum kann man das nicht zurückbringen? Einen alten Bekannten des Doktors, der nun völlig neue Seiten in der Timelordin…Timelady sieht? Das hätte Potential für viel Spaß und knisternde Momente… aber irgendwie fürchte ich, dass das niemals passieren wird. Schade eigentlich!

So lide

Die Staffel an sich ist durchaus solide. Es fehlen zwar großartige Episoden, aber die waren ja auch in den letzten Jahren nicht mehr so an der Tagesordnung. Die historische Figur, die diese Staffel die Tradition fortsetzt, ist Rosa Parks, die Frau, „die den Bus entführt hat“ (Jaime Presley in „My Name is Earl“). Sehr schön ist auch die Episode über den Lieferservice, die mit gruseligen Robotern aufwartet. „Die Hexenjäger“ bietet als Zückerchen Alan Cumming als König, dessen Spiel einfach Freude macht. Und auch einen seiner Kollegen aus „The Good Wife“ bekommen wir geboten, auch, wenn der den meisten (besonders weiblichen) Zuschauern eher als Mr. Big aus „Sex & the City“ bekannt sein dürfte: Chris Noth. Hier ähnelt seine Rolle aber eher der aus ersterer Serie, denn die Staffel bietet jede Menge Kritik an aktuellen Tendenzen, gewisse Präsidenten eingeschlossen. Was es diesmal allerdings nicht gibt, ist ein staffelübergreifender Bogen, der in einem Finale im Finale kulminiert. Sehr schön ist dagegen, dass die neue Doktorin zugibt, dass ihr Schallschraubenzieher eigentlich eher so eine Art Schall-Schweizer-Armeemesser ist, obwohl man auch einfach Zauberstab sagen könnte.

Bonus

Wie beim Doktor üblich gibt es wieder eine Menge Zusatzmaterial, inklusive Audiokommentare und Making-ofs, die wie üblich interessante Einblicke ins Whoniversum liefern.

Episoden

  • Die Frau, die zur Erde fiel / Tho Woman who fell to Earth

  • Das Geistermonument / The Ghost Monument

  • Rosa

  • Spinnefeind / Arachnids in the UK

  • Das Tsuranga-Rätsel / The Tsuranga Conundrum

  • Dämonen in Punjab / Demons on the Punjab

  • Frei Haus / Kerblam!

  • Die Hexenjäger / The Witchfinders

  • Verkehrte Welt / It takes you away

  • Auf dem Pfad der Vergeltung / The Battle of Ranskoor Av Kolos

Mit

Jodie Whittaker (Melanie Hinze), Bradley Walsh (Erich Räuker), Tosin Cole (Ricardo Richter), Mandip Gill (Kaya Marie Möller) sowie Susan Lynch (Sabine Arnhold), Shaun Dooley (Boris Tessmann), Art Malik (K. Dieter Klebsch), Vinetta Robinson (Anke Reitzenstein), Mark Addy (Lutz Schnell), Chris Noth (Tom Vogt), Alan Cumming (Viktor Neumann)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit Who

Solide Staffel mit einer überzeugenden neuen Doktorin, aber ohne Anflüge von Großartigkeit früherer Jahre. Ab 26. April 2019 auf DVD und Blu-ray.