Neu im Kino: Mustang

Mein Filmtipp des Jahres!

Damit ist die Katze aus dem Sack. Denn wenn der einzige Kritikpunkt an einem Film der ist, dass man den Titel nicht gut findet, dann spricht das sehr für den Film. Und auch wenn 2016 gerade erst begonnen und man „nur“ 15 Filme gesehen hat, so ist dieser doch schon jetzt der beste Film des Jahres – und wird wohl auch bis zum Ende einer der besten bleiben.

Mädchen in der Türkei

Na, fasst das die Handlung nicht angemessen zusammen? Ja und nein. Wir erleben eine Familie im Herzen der Türkei, oder vielmehr fünf junge Mädchen in verschiedenen Altern, alles Schwestern, die bei der Oma und deren Sohn, ihrem Onkel leben. Sie leben in einem abgeschiedenen Haus, das mehr und mehr zum Gefängnis wird – und das nicht nur in metaphorischer Weise. Wir erleben, wie es ist, in einem solchen Haus in einer solchen Gesellschaft zu leben, was die Mädchen möchten und was ihnen die Gesellschaft zugesteht. Und wer glaubt, dass es heutzutage nicht mehr vorkommt, dass Mädchen mit Männern verheiratet werden, die sie nicht kennen, der irrt. Gewaltig.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der jüngsten Tochter – und ich muss gestehen, es fällt schwer, der Handlung des Films angemessen Rechnung zu tragen, ohne zuviel zu verraten. Also kurz: Die Handlung ist interessant, gibt uns Einblick in eine andere Kultur und entwickelt sich einfach perfekt – mit allen Höhen und Tiefen. Was das angeht, einfach ein perfekter Film.

Gut gespielt

Das alles funktioniert nur deshalb so gut, weil die Darstellerinnen hervorragend sind. Sie sind glaubhaft und einfach echt. Was wichtig ist, um den Film ernst zu nehmen und mit allem, was passiert, mitzufühlen. Besonderes Lob gilt dabei dem jüngsten Mitglied des Haushalts, die gleichzeitig Erzählerin und treibende Kraft der Geschichte ist. Güneş Nezihe Şensoy, die sie spielt, ist einfach großartig – und der Film ist es auch!

Mit

Güneş Nezihe Şensoy, Doğa Zeynep Doğuşlu, Elit İşcan, Tuğba Sunguroğlu, İlayda Akdoğan, Nihal Koldaş, Ayberk Pekcan

Fazit

Großartig! Nicht mehr, nicht weniger. Ein Film über das Leben junger Mädchen in der Türkei, darüber, wem man vertrauen kann – und wer sich letztendlich als der größte Heuchler erweist. Voller Wendungen, voller Spaß – ein voller Erfolg. Prädikat: Mehr als sehenswert… aber in der Türkei selbst wahrscheinlich nicht besonders beliebt. Ab 25. Februar 2016 im Kino.

Rasante Raser

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Kann denn ein Film über Fahrradkuriere wirklich interessant sein? Doch, das geht. Aber sein wir mal ehrlich, wer hier hat denn schon mal was von

„Premium Rush“

gehört? Hm? Und wenn es keiner hat, dann ist das wirklich traurig. Denn der Film hat wirklich was zu bieten. Nämlich rasante Action. Aber nicht so einen Mist, der aussieht wie aus dem Computer berechnet, sondern etwas, das wirklich echt wirkt.

Zugegeben, da sind Computereffekte dran beteiligt, das geben alle Beteiligten zu. Und doch hat man ständig das Gefühl, die Radfahrer könnten von einem der Autos getroffen werden. Was wohl auch während der Dreharbeiten das eine oder andere Mal passiert sein muss. Aber gerade das gibt diesem Film das gewisse Kitzeln, das Kribbeln, das sich einstellt, wenn man über die Kreuzung schießt und sich dann in den Gegenverkehr einordnet. Dinge, die man selbst mit dem Rad tunlichst unterlassen sollte.

Echt sieht eben echter aus

Also warum hat man hier das Gefühl, wirklich mitten drin zu sein? Weil nicht alles aus dem Computer kommt, weil echte Stuntmen daran beteiligt sind, echte Radfahrer, die können, was sie da tun. Echte Stunts können einen Film unglaublich aufwerten. Man kann viel über die alten „Mad Max“ Filme sagen (hey, steht da nicht auch bald ein Remake an?), zum Beispiel… na ja, dass eigentlich das wirklich einzige verbindende Element ein Typ namens „Max“ ist, der von Mel Gibson gespielt wird und immer die gleichen Klamotten anhat. Ich denke, das ist das „durchgehende“, das und: Stunts mit Autos!

Und das ist eben das, was man diesen Filmen zugute halten muss. Mögen sie auch sonst ein wenig krude sein, besonders der erste, mögen sie auch so alberne Namen wie „Papagallo“ mit sich bringen (also ehrlich, Leute!), so bieten sie doch eine Sache, die man heute fast nur noch aus der Retorte zu sehen bekommt: Spaß mit Autos. Also Spaß im Sinne von Verfolgungsjagden und brutalen Crashs. Dinge, denen man deutlich ansieht: Wenn der Stuntman da nicht ordentlich aufgepasst hätte, dann wär er jetzt tot. Das ist eine Kunst, die durch die Computertechnik immer mehr in den Hintergrund zu geraten scheint. Und die der Sache auch ein wenig den Reiz nimmt, das Besondere, das Tolle. Denn im Computer kann man jeden Scheiß zusammenmanschen (was ja auch ständig getan wird), aber für echte Stunts braucht man eben Könner, die wissen, was sie da tun – und man merkt, dass das nicht ganz ohne Risiko war.

Zum Sterben schön

Natürlich will ich nicht, dass irgendwelche Stuntmen für einen bescheuerten Film ihr Leben riskieren – aber man erkennt halt den Unterschied. Zwischen echter Handarbeit und Computerpixeln. Und da sieht die Handarbeit, mag sie auch aus den 70ern stammen, eben in den meisten Fällen einfach besser aus.

Was der Grund ist, warum ich an dieser Stelle meinen Hut vor „Premium Rush“ ziehe und ihn hier empfehle, denn ganz gleich, ob er nun ein adäquates Abbild des Lebens und Arbeitens von New Yorker Fahrradkurieren darstellt oder nicht, er ist streckenweise einfach atemberaubend!

DoubleDOHSexy06Vorstellung

von Martin Cordemann

Galaktische Genüsse

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Leider sind wir inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem die großen, teuren, megateuren, phantastilioteuren Science Fiction Filme meist einfach nur noch hirnlose Scheiße sind. Oder schlicht zusammengeklaut. Oder beides. Umso widersinniger erscheint es da, dass man gute Science Fiction eigentlich fast nur noch in relativ günstig produzierten Filmen zu finden scheint…

„Pitch Black“

 Manchmal sind es die kleinen, preiswerten Filme, die die großen, teuren ausstechen. Das beweist „Pitch Black“ auf zweierlei Weise. Zum einen ist es ein günstig gemachter SF-Horrorfilm, der gute, aber nicht überbordende Effekte aufweist, bei dem die Handlung und die Personen wichtiger sind, als die bombastischen Spezialeffekte, die bei vielen Filmen inzwischen zum reinen Selbstzweck zu verkommen scheinen. Also einfach ein kleiner, gut gemachter Film, der Spannung über Stil setzt und sich damit von der üblichen Hollywoodmasse abhebt.

Zum anderen gab es, durch den Erfolg dieses Films bedingt, eine Fortsetzung – die das genaue Gegenteil davon ist. Bombastisch, geradezu monströs, prätentiös, mehr Inhalt vorgebend als beinhaltend, statt auf eine Hauptperson (Vin Diesel mit der herrlich tiefergelegten Stimme von Martin Keßler) beschränkt nun mit einem Staraufgebot, ein Epos sein wollend, ohne dafür wirklich die nötige Tiefe zu haben.

Zwei Filme, die im gleichen Universum spielen und doch weiter nicht auseinander liegen könnten. Ein kleines Meisterwerk des SF-Horrors und ein langweiliges Pseudo-Epos. Wenn Sie also dem gut gemachten Horror im Sinne eines „Alien“, bei dem kaum eine der Figuren das Ende des Films erleben wird, den Vorzug geben, dann sind Sie mit „Pitch Black“ gut bedient. Ziehen Sie das monumental hohle Epos vor, bei dem ich kaum das Ende des Films erleben werde, dann sollten Sie sich lieber an „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ halten. Inzwischen gibt es einen dritten Teil, der sich angeblich eher am ersten Teil orientieren soll. Nun, wir werden sehen… besonders im Dunkeln!

„District 9“

Ein Film, der scheinbar nicht viel gekostet hat, aber besser aussieht als mancher Film, dessen Budget wahrscheinlich das Hungerproblem in Afrika hätte lösen können. Und damit ist „District 9“ wieder einmal der Beweis dafür, dass Effekte, in die die Macher ihr Herzblut stecken, die mit Liebe gemacht sind, einfach weit besser wirken, als die synthetische Scheiße aus Hollywood. Die Außerirdischen hier sind weder knuffig noch lieb, sie sind so, wie Menschen halt auch, teils Arschlöcher, teils ganz normale Leute, die einfach nach Hause wollen. Das Schöne ist, dass sie nicht wie Menschen aussehen, oder wie ein Typ im Gummianzug, sondern so, wie man sich Wesen von einem anderen Planeten durchaus vorstellen könnte. Das ganze ist dreckig, aber kein Wunder, sie müssen ja auch in einem Slum leben. Eine gewisse Sozialkritik – der Film spielt in Johannesburg – ist da nicht zufällig, sondern beabsichtigt.

Sicher, die Grundidee ist nicht ganz neu. Dass Außerirdische zur Erde kommen, hatten wir schon in „V“, dass sie hier gestrandet sind und selbst Teil der Erdbevölkerung werden, gab es in „Alien Nation – Spacecop L.A. 1991“. Und doch scheint dieser Film neue Aspekte aufzuzeigen, und all das durchaus realistisch. Was als Dokumentarfilm beginnt, endet zwar in einer Gewaltorgie, aber trotzdem scheint das hier irgendwie zu passen. Das Ende eröffnet zwar die Möglichkeit für eine Fortsetzung, aber da die bei einer großartigen Vorlage ja doch meist enttäuschend ausfallen, ist es vielleicht besser, wenn der Regisseur („Elysium“) so erfolgreich wird, dass er keine machen muss!

„Moon“

Ein kleiner Film, ein Science Fiction Kammerspiel, das größtenteils mit einem Schauspieler und der Stimme eines anderen auskommt. Sam Rockwell verrichtet Dienst auf dem Mond, mehr oder weniger nur unterstützt von einem Roboter, der im Original von Kevin Spacey gesprochen wird (und in der deutschen Fassung dankenswerterweise von dessen deutscher Stimme Till Hagen). Rockwells „Schicht“ auf dem Mond ist so gut wie abgelaufen, doch dann passieren Dinge, die gewissermaßen sein Universum erweitern, zusammenbrechen lassen und wieder neu zusammensetzen. Mit wenigen Mitteln erreicht der Film, was andere mit vielen nicht schaffen. Das ist spannend, clever und natürlich ein Vergnügen, Sam Rockwell bei der Arbeit zuzusehen. Der schauspielerischen. Ein Wohlfühlfilm ist es allerdings nicht!

„Galaxy Quest“

Zum Abschluss noch ein bisschen Spaß. Eigentlich liegt auch dieser Film noch nicht soooo lange zurück – aber da heutzutage ja schon nächstes Jahr das Reeboot zum Remake von diesem Jahr gemacht wird, ist der Film ja vielleicht schon vergessener, als es ihm gebührt. Genau genommen gebührt es ihm nämlich gar nicht vergessen zu werden. Er schafft es, gleichermaßen Parodie und selbst Science Fiction Film zu sein, der beste „Star Trek“ Film, der kein „Star Trek“ Film ist. Und, leider, irgendwie auch mehr „Star Trek“ als es die neuen Filme von J.J. Abrams sind.

Es geht um eine alte Serie und deren Darsteller, die sich noch immer im Ruhme ihrer alten Rollen sonnen – denn sonst haben sie auch nichts im Leben. Heimwerker Tim Allen (herrlich arrogant gesprochen vom oben genannten Martin Keßler) gibt hier einen wunderbar selbstverliebten Kirk (oder Shatner?!), man erfährt, dass die Kombination Alan Rickman/Lothar Blumhagen einen hervorragenden Spock abgegeben hätte und selbst „Alien“-Kämpferin Sigourney Weaver wirkt hier regelrecht sexy. Ein Film, der sowohl als Parodie auf „Star Trek“ und auf dessen Fans als auch als Science Fiction Abenteuer prima funktioniert. Also, „niemals aufgeben, niemals kapitulieren!“

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von Martin Cordemann

Vergessenes Vergnügen

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Eine gute Komödie mit Robert de Niro? Gibt es nicht? Oh doch, die gibt es. Denn lange, bevor er glaubte, „richtige“ Komödien machen zu müssen und darin nicht wirklich überzeugend war, gab es:

„Midnight Run“

De Niro als Kopfgeldjäger, der Charles Grodin nach L.A. bringen soll, am besten, ohne, dass ihn John Ashton um seine Prämie bringt – oder Dennis Farina ihn umlegen lässt. Und dann ist da noch FBI Agent „heißen jetzt bei euch alle“ Mosley, gespielt von Bond Bösewicht Yaphet Kotto, der Ashton stets die Zigaretten klaut. Da es eigentlich eher eine Art Actionfilm ist, kam de Niro nicht auf die Idee, den „Komödianten“ herauszukehren, wie er das dann später in verschiedenen Werken tat, und so funktioniert das ganze mit dem Humor sehr gut. Es gibt Action, Charaktermomente und nette Sprüche („Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen: Ich hab’s Ihnen ja gesagt!“). Wem der Actionmist von heute inhaltlich zu dünn ist, der sollte hierbei eigentlich auf seine Kosten kommen.

„Octalus“

Klingt nach einem schlechten Horrorfilm. Aber wenn man die Story hört von einem riesigen Kraken, der sich ein riesigeres Kreuzfahrtschiff schnappt… klingts noch mehr danach. Und doch ist es das nur auch, also ein Horrorfilm. Denn was der Film vor allem macht, ist Spaß! Er nimmt sich nicht zu ernst, hat schräge Figuren und auch wenn man weiß, dass die alle nach und nach draufgehen werden, schmälert das nicht das Vergnügen. Ein Film, in dem selbst der heroische Selbstmord mit der eigens dafür aufgesparten Kugel in die Hose geht – allerdings nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Wahrscheinlich kein Meisterwerk, aber alles in allem in sich stimmig und vielleicht ein kleines Juwel im Bereich des schlichten und schlechten Horrors.

Bei näherer Betrachtung fällt allerdings auf, dass der Film in vielen Dingen große Ähnlichkeit mit dem ein Jahr früher erschienen „Alien: Die Wiedergeburt“ hat, sei es eine schräge Gruppe von Söldnern, die mit einem Schrottschiff auf einem riesigen Schiff landen, sei es der Zeitpunkt, wo die Gruppe einen Ort an Bord findet, wo Alien/Octalus seine Eier/Überresten der Leichen ausgebreitet hat, sei es eine komplette Szene, in der die übrig gebliebenen der Gruppe tauchen müssen, um einen anderen Teil des Schiffs zu erreichen – inklusive dem Teil, in dem es einen aus der Gruppe unter Wasser erwischt. Die Parallelen sind einfach zu groß, um hier auf reinen Zufall schließen zu können. Naja…

„Sprengkommando Atlantik“

Klingt wie ein billiger Actionfilm – aaaaaaaber vielleicht ist er das irgendwie auch. Und doch hat er seinen Charme. So ziemlich jeder Bond Darsteller hat nach seinem Ausscheiden aus der Bond Reihe mindestens einen Film gemacht, mit dem er sich irgendwie von Bond lösen wollte… bevor er irgendwann mit einem anderen Film irgendwie wieder ins Agentengenre zurückgefunden hat. Außer George Lazenby, der eigentlich nie wieder Filme gemacht hat… zumindest keine, die irgendjemand gesehen hat. Nein, das stimmt nicht, selbst der war in dem „Solo für ONKEL“ Film-Revival-Wiederaufnahme-Dings, der dann bei uns auch noch bondenesk „Thunderball“ heißt, wohl weil der Name im deutschsprachigen Raum nicht geschützt war, und in dem Lazenby offenbar als „J.B.“ mit einem Aston Martin einen Gastauftritt hat… aber das ist ja auch egal.

In diesem Film hier löst sich Roger Moore von seinem Bond Image, indem er als Ffolkes nicht nur einen Bart trägt, sondern auch Frauen verabscheut, weil er viele Schwestern hatte und deren Kleider auftragen musste. Er trinkt Whisky aus der Pulle und stickt, um besser nachdenken zu können. All das hat eine gewisse Ironie und einen netten Witz. Nachdem ein Psycho (Anthony Perkins, leider nicht gesprochen von Eckart Dux sondern klischeemäßig von Bösensprecher Christian Rode, wohl dem Vorläufer des heutigen Klischeebösensprechers Udo Schenk) ein paar Bohrinseln vermint hat und droht, sie in die Luft zu jagen, wenn er nicht eine Unsumme Lösegeld bekommen würde, ist es nun an Moore, den Tag (und die Bohrinseln) zu retten. Lustigerweise trifft er dabei auch einen alten Bekannten wieder, nämlich David Hedison alias Felix Leiter aus seinem ersten (und Timmy Daltons letztem) Bond Film… aber das dürfte außer mich eigentlich niemanden interessieren. Aber was wollen Sie machen? Mir einen Killerroboter auf den Hals hetzen?

„Westworld“

Maschinen, die rebellieren und beginnen, Menschen umzubringen – das klingt wie „Terminator“, ist es aber nicht! Dieser Film stammt aus der Feder von „JurassicPark“-Autor Michael Crichton, der es wie kaum ein anderer versteht, Technik und Spannung miteinander zu verbinden. Die meisten seiner Bücher beschäftigen sich mit diesen Themen: Was ist in der Wissenschaft möglich, was könnte man damit machen – und wie beißt es uns dann in den Arsch? In diesem Film baut er, ähnlich wie später in „JurassicPark“, einen Vergnügungspark für die Reichen, in dem man Abenteuer als Ritter erleben kann, im alten Rom oder auch im Wilden Westen. Was das ganze a) faszinierender und b) wahrscheinlich billiger macht, ist, dass man neben einem Heer von Technikpersonal nur mit Robotern arbeitet, die man nach Lust und Laune vögeln oder auch umlegen kann.

Unnötig zu erwähnen, dass das ganze irgendwann schief geht und die Maschinen beginnen, die Besucher umzubringen. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Revolverhelden, der von Yul Brynner gespielt wird, und der es sich zum Ziel gesetzt hat, Richard Benjamin zu jagen und zu erschießen, wie er vorher schon James Brolin erschossen hat. Brynner ist dabei so bedrohlich, dass er locker den ganzen Film trägt, und das, ohne viel zu sagen.

Warum man ausgerechnet einem schießwütigen Roboter ein besonders gutes Zielsystem einbaut, wie einer der Mitarbeiter prahlt, inklusive Infrarotaugen, damit er auch ja jeden Gegner finden kann, ist natürlich ein bisschen fragwürdig, ist doch seine eigentliche Aufgabe, nicht zu erschießen, sondern erschossen zu werden – und das wieder und wieder. Doch das tut der Spannung keinen Abbruch, „Westworld“ ist und bleibt ein Klassiker des intelligenten Sci-Fi-Horrors und funktioniert auch heute noch hervorragend!

„Schatten der Vergangenheit“

Und da es hier um vergessene Filme geht, zum Abschluss ein Film, bei dem es auch ums Vergessen geht. Oder eigentlich ums wieder erinnern. Oder Seelenwanderung. Oder Karma. Oder so was. Ein sehr schöner Thriller, bei dem sich am Ende alle Puzzlesteine perfekt zusammenfügen, der immer wieder mit Überraschungen aufwartet und auch eine Prise Humor aufweist.

Auch die deutsche Fassung bietet einen schönen Rückblick in die Vergangenheit. Kenneth Brannagh wird hier noch gesprochen von dem hervorragend passenden Ulrich Matthes, der sich dann leider irgendwann aus dem Synchrongeschäft zurückgezogen hat, was insbesondere in Bezug auf Brannagh ein großer Verlust war.

Dann haben wir Robin Williams, der einmal mehr von Peer Augustinski kongenial übertragen wird. Dieser, der als deutsche Stimme für Williams immer großartig war und dem Original schauspielerisch in nichts nachstand, war nach einem Schlaganfall zwischenzeitlich ausgefallen, wurde dann aber später, wie man sagt, aus „versicherungstechnischen Gründen“, von den Studios nicht mehr gebucht. Kein schöner Umgang mit einem hervorragenden Sprecher.

Zu guter Letzt sei noch Eckart Dux für Derek Jacobi erwähnt, den zu hören immer eine Freude ist und bei dem mir erst jetzt beim Sehen auffiel, dass seine Besetzung eigentlich völliges Typecasting ist. Das wird besonders klar, wenn er „Mutter!“ ruft. Wenn Ihnen das als Hinweis noch nicht reicht… dann vielleicht einfach mal anschauen!

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von Martin Cordemann

Amüsante Abenteuer

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Sagt Ihnen der Name Richard Maibaum irgendetwas? Michael G. Wilson? Joseph Stefano? Dan O’Bannon? Peter Benchley und Carl Gottlieb? Nein? Wenigstens Steven Moffat oder Aaron Sorkin?

Kaum einer kennt sie, die Leute, die die Drehbücher von Filmen schreiben. Ja, Hitchcock kennen wir, oder Spielberg, oder Lucas, oder Scott. Ridley? Tony? Egal, die Namen haben wir schon mal gehört, weil sie die Regisseure sind. Aber wer weiß denn schon, wer die James Bond Filme geschrieben hat? Oder „Psycho“? Oder „Alien“? Oder „Der weiße Hai“?

Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem öden „Beim Film zählt aber die Bildsprache, deshalb ist der Regisseur viel wichtiger als der Autor“! Schöne Bilder und lausige Dialoge ergeben oft einen langweiligen Film. Und da ich offensichtlich von der schreibenden Seite komme, halte ich das Buch durchaus für eine wichtige Angelegenheit… die in Hollywood gerne mit Füßen getreten wird.

Zu viele Köche…

…verderben ein Skript. Film ist eine Industrie, also müssen wir uns nicht wundern, wenn Filme industriell hergestellt werden. Und natürlich fließen in einen Film nicht nur die Vision des Autors ein, sondern auch die des Regisseurs, des Hauptdarstellers, der Hauptdarstellerin, ihrer Katze, des Produzenten, dessen Tochter, dessen Frau, deren Liebhaber und dann noch von den 3.000 Leuten von der Presseabteilung, die den Mist später vermarkten müssen. Von dem Standpunkt ist es überraschend, dass überhaupt gute Filme entstehen!

Ich bin auch das „Argument“ leid, dass an einem Film oder einer Serie ruhig mehrere Drehbuchautoren arbeiten sollten, da das die Sache befruchtet. Nun, wenn wir acht beschissene Autoren haben, hilft das der Sache nicht. Oder sieben beschissenen und einen guten, der sich nicht durchsetzen kann. Hatte „Catwoman“ nicht mehr als 20 Autoren? Und, wow, was ist das für ein guter Film geworden! Und wie viel besser wäre der wortgewandte „Rosenkranz und Güldenstern“ geworden, wenn neben Tom Stoppart auch die dialogschwachen Alex Kurtzman und Robert Orci am Drehbuch mitgewirkt hätten?

Und bitte, begründet diese idiotische Theorie nicht mit „beim Fernsehen ist das aber auch so und die Amerikaner machen viel bessere Serien als wir“. Ja, machen sie, aber vor allem aus dem Grund, weil sie einfach so verdammt viel mehr davon machen, dass da schon rein statistisch eine bessere Anzahl bei rauskommen muss. Und auch da gibt es Folgen, die besser und Folgen, die schlechter sind.

Zudem habe ich ein schönes Gegenbeispiel, drei, um genau zu sein: Steven Moffat, Aaron Sorkin, J. Michael Straczinsky. Moffat hat die beiden großartigen Serien „Coupling“ und „Jekyll“ geschrieben, allein nehme ich an. Sorkin schrieb die ersten vier Staffel seiner Serie „The West Wing“ nahezu im Alleingang, dann hat man ihn ausgebootet und die Qualität der Serie hat stark nachgelassen. Und auch Straczinsky schrieb bei „Babylon 5“ den Grossteil aller Episoden. Wenn man also einen guten Autoren hat und man ihm ein paar Freiheiten gibt, dann kann dabei auch eine tolle Serie herauskommen!

Der Herr der Fliegen ihr Herr

Aber zurück zum Thema… oder zum Anfang des Themas, das ja eigentlich noch gar nicht begonnen hatte. Ein weiterer Autor, der für den Film immer wieder gute Arbeit leistet, ist William Goldman. Viele von uns verbinden mit seinem Namen zunächst vielleicht nur unangenehme Erinnerungen, ist er doch Autor des Buches „Lord of the Flies“, „Der Herr der Fliegen“, das man uns im Englischunterricht hat durchkauen lassen. Neben diesem Werk, das einem gleichermaßen den Autoren wie die englische Sprache vermiesen kann, ist er u.a. jedoch auch als Drehbuchautor tätig und hat dabei wunderbare Filme geschaffen. Das Buch des Nazi- und Folter-Thrillers für Zahnarztfreude „Der Marathon-Mann“ stammt von ihm, ebenso wie „Wehrlos – die Tochter des Generals“ und diverse andere Filme. Hier wollen wir aber einen kurzen Blick auf drei seiner Werke werfen, die besonders leicht daherkommen und sich alle durch seine wunderbaren Dialoge auszeichnen.

„Die Braut des Prinzen“

Ein Drehbuch nach seinem Kinderbuch, ein wunderbarer Film. Wenn man mal Bücher, die für Kinder geschrieben sind, miteinander vergleicht, dann stellt man fest, dass es da gute gibt und schlechte. Gut, das sollte wohl auf jedes Genre zutreffen. Aber vielleicht denkt man, wenn es für Kinder ist, muss es nicht gut geschrieben sein, es muss ja reichen, wenn Kinder daran Spaß haben. Enid Blyton, Autorin der „Fünf Freunde“ scheint so zu denken oder zumindest so zu arbeiten. Denn liest man ihre Bücher heutzutage, „könnte man kotzen“, um Erich Kästner zu zitieren. Der wiederum gehört zu der guten Kategorie, denn seine Bücher sind gleichermaßen für Erwachsene wie Kinder ansprechend.

Gleiches trifft auf „Die Braut des Prinzen“ zu. Auch, wenn das ganze wie eine Kindergeschichte daher kommt, die Peter Falk seinem kleinen Enkel erzählt, ist sie doch gespickt mit schillernden Figuren und witzigen Dialogen. Man fragt sich am Anfang, ob es die Rahmenhandlung mit Opa und dem Kind aus „Wunderbare Jahre“ wirklich braucht, aber Goldman macht, wie so oft, etwas Gutes daraus und so verleiht es dem Film einen angemessenen Rahmen.

Die Geschichte: Ein Mann läuft seiner Liebe hinterher, ein anderer seiner Rache. Ob beide am Schluss ihr Ziel finden? Nun, es ist ein Kinderfilm, oder? Es ist allerdings auch nicht „I saw the devil“, so werden die Konsequenzen von Rache dann doch ausgespart. Hätte vielleicht auch nicht ganz gepasst. Alles in Allem ist es ein Film, an dem man viel Spaß haben kann – und einer, wo Wallace Shawn nicht so sehr nervt wie sonst meistens!

„Zwei Banditen

Paul Newman und Robert Redford planen einen Coup… nee, das kam erst später. Hier sind sie „zwei Banditen“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, um genau zu sein. Wir können annehmen, dass Redford sein „Sundance Film Festival“ nach dieser Rolle benannt hat, oder? Ich denke, wir können.

Jedenfalls sind beides Ganoven, die sich mit Zugüberfällen, Banküberfällen und Radfahren zur Musik von Burt Bacharach die Zeit vertreiben. Auch hier zeichnet Goldman für das Drehbuch verantwortlich und auch hier zeichnet es sich durch jede Menge origineller Ideen und geschliffener Dialoge aus. Wie üblich ist es eine Freude, Goldmans Figuren zuzuhören, wenn sie Höflichkeiten oder Bosheiten austauschen. Wer also Spaß an Figuren hat, die sich selbst nicht so ernst nehmen, der setzt mit Goldman meist aufs richtige Pferd… oder den richtigen Spieler:

„Maverick“

Das Remake einer Fernsehserie kann eigentlich nicht gut sein… es sei denn, man lässt Goldman das Drehbuch schreiben und holt sich noch das Team von „Lethal Weapon“ dazu (Mel Gibson, Danny Glover [Cameo-Auftritt], Richard Donner [Regie] und Steve Kahan [Richard Donners Schwager, so ziemlich in jedem seiner Filme in einer kleinen Rolle mit dabei].

Außerdem ehrt man die Originalserie, indem man ihren Hautdarsteller, James Garner, ebenfalls mit in den Film hinein nimmt. Also ist es wirklich ein Remake oder gar eine späte Fortsetzung? Das müssen Sie selbst entscheiden.

Ein bisschen wirkt der Film, als wäre er die leichtfüßige Westernversion von Mel Gibsons „Payback“, da dieser auch hier von einer Patsche in die andere stolpert, doch hier hat das weit weniger düstere Konsequenzen. Goldman erzählt die Geschichte mit leichter Hand, in der Glücksspieler Maverick genug Geld für ein großes Pokerturnier zusammenbekommen muss, das dann den Höhepunkt des Films darstellt… ein bisschen wie „Casino Royale“, nur mit mehr Humor und weniger Folter.

Auch dieser Film sprüht vor Ideen und fließt vor flüssigen Dialogen. Da ist es eine Freude, dem Meister bei der Arbeit zuzusehen… Gibson, Donner, Goldman, suchen Sie sich einen aus!

Nachtrag…

…ender Weise sei natürlich korrigiert, dass „Der Herr der Ringe“ von Tolkien stammt und „Der Herr der Fliegen“ von William Golding und nicht William Goldman – was natürlich einen gewissen Sinn ergibt, aber, wie es so schön heißt, Golding will Weile haben, tja, kann man ja mal verwechseln die beiden.

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von Martin Cordemann

Herrlicher Horror

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Horrorfilme sollten gruselig sein – viele verfehlen ihr Ziel aber leider. Inzwischen haben Gedärme den Grusel verdrängt… und wurden inzwischen durch das Genre des Folterpornos selbst verdrängt. Es gibt ein paar sehr gute Horrorfilme, die meist mit subtilen Mitteln ihr Ziel erreichen (z.B. „The Innkeepers“ und „When a Stranger calls back“). Das ist die wahre Kunst, mit wenig viel zu erreichen. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren dann allerdings Blutfontänen, Gedärme und Zerstückeln in – was man im Englischen als „Gore“ bezeichnet. Das kann sein Ziel erreichen, das kann aber auch wie albernes Kasperletheater aussehen. Natürlich gibt es auch Filme, die sich auf humoristische Weise mit dem Feld des Horrors auseinandersetzen. Schauen wir doch mal, was wir da so im Angebot haben.

„Rubber“

Dieser Film ist für mich ein kleines Meisterwerk. „Rubber“ kommt über lange Strecken völlig ohne Dialog aus und zeigt gewissermaßen Aufstieg und Fall eines Reifen. Dabei geht er alle Stadien durch, von dem Zeitpunkt, wo der Reifen zum Leben erwacht, sich seiner bewusst wird, sich seiner „Macht“ bewusst wird bis hin zu einer Situation, die ihn dazu bringt, auszuflippen und ein Massaker anzurichten. All das ohne Worte und doch so, dass man die ganze Zeit versteht, was vor sich geht – etwas, das viele Hollywoodfilme inzwischen nicht mal mit Worten schaffen!

Der Film zeigt die Klischees des Horrorgenres, spielt aber auch damit. Er ist gleichzeitig Horrorfilm und Parodie darauf. Streng genommen ist es ein Meta-Film, ein Film über Film, der sich dessen, was er da tut, bewusst ist und der auch das Publikum mit einbezieht. Um die Metaebene noch zu unterstreichen, gibt es eine Art Rahmenhandlung mit einem Publikum, das stellvertretend für das Publikum steht. Irgendwann wird auch diese Grenze durchbrochen und das Publikum wird in die Handlung integriert.

„Rubber“ ist ein schöner kleiner Film, der zeigt, dass Kreativität noch immer der beste Weg ist, denn viel gekostet haben wird er nicht. Ich glaube, das Budget lag bei 500.000 Dollar und dafür geht man in Hollywood noch nichtmal aufs Klo, geschweige denn kriegt man einen Film gemacht. Besonders unter diesem Aspekt ist das, was man hier geschaffen hat, extrem beeindruckend.

„Severance”

Es ist die klassische Situation: Eine Gruppe Leute gerät in eine abgelegene Hütte irgendwo in einem Wald oder in Osteuropa (oder, wie hier, beides) und dann beginnt irgendjemand, die Gruppenmitglieder einen nach dem anderen umzubringen. So ist es auch hier, nur, dass es sich diesmal nicht zu ernst nimmt, sonder Horror gespickt mit Ironie ist.

Der Film ist sich seines Genres durchaus bewusst, denn es werden des Öfteren Klischeesituationen mit Spannung aufgebaut und dann mit Ironie gebrochen – nur um kurz darauf wieder in Spannung umzuschlagen. Darüber hinaus ist es ein Film für ein aufmerksames Publikum, für ein Publikum das mitdenkt und sich an Dinge, die vorher passiert sind oder gesagt wurden, erinnert. An verschiedenen Stellen wird auf etwas, das zuvor beiläufig erwähnt wurde, wie z.B. ein Bär als Hinweis auf eine Grenze, zurückgegriffen. Wer also bei Filmen auch gerne mal aufpasst, kommt hier auf seine Kosten.

Trotz der ironischen Anklänge geht es hier für die Leute genauso schlecht aus, wie in einem humorlosen Horrorfilm. Der Tod bleibt, die Verstümmelungen bleiben – und trotzdem ist es witzig. Dass die „Auflösung“ am Schluss genauso unrealistisch ist wie bei einem „echten“ Horrorfilm, spielt dabei keine Rolle. Man merkt dem Film an, dass sich die Macher mit dem Genre auskennen – und dass sie gekonnt damit spielen.

„Tucker & Dale vs. Evil“

Hier haben wir die Umkehrung der Situation des vorherigen Films… und diesmal erleben wir sie aus der Sicht der „Hinterwäldler”. Es ist eigentlich das, was wir bekämen, wenn „Evil Dead“ und „Wrong Turn“ ein gemeinsames Kind hätten – nur eben mit Humor.

Die Handlung ist typisch: Eine Gruppe Jugendlicher fährt in ein amerikanisches Waldgebiet und trifft dort auf zwei Einheimische, die sich merkwürdig verhalten. Für gewöhnlich, das sagen uns die Filme dieses Genres mit steter Regelmäßigkeit, sind die böse, inzestuös und bringen Jugendliche um, wenn nicht schlimmeres. Hier nun ist das ein wenig anders. Denn hier sind die beiden liebe Kerle und wirklich nur missverstanden. Während die Jugendlichen ihre aus vorgenannten Filme begründeten Vorurteile ausleben und die beiden für Mörder halten, sehen wir sehen aus der Perspektive von Tucker und Dale, wie es zu Begebenheiten kommen kann, die man in der Retrospektive völlig anders interpretieren kann und würde.

Es ist ein herrliches Spiel mit den Klischees dieses Horrorgenres und eine wunderbare Brechung: Wenn die Jugendlichen nach und nach alle einen grausamen und originellen Tod finden und die vermeintlichen Hinterwäldler selbst sagen, dass das anders aussieht als es in Wirklichkeit war. „Würdest du uns glauben?“ ist da eine durchaus berechtigte Frage.

Wer von der ständigen Darstellung amerikanischer Waldbewohner als zurückgebliebene mordlüsterne Gesellen genug hat, sollte diesen Film nicht verpassen.

„Dog Soldiers“

Anders als die vorgenannten Filme ist „Dog Soldiers“ kein Film des Humors. Es ist ein Horrorfilm. Ein guter Horrorfilm. Und einer, der wahrscheinlich nicht viel gekostet hat. Und dadurch wieder einmal ein Beweis dafür, dass es nicht das Geld ist, das einen guten Film macht – es sind die guten Leute.

Hier geht es um eine Gruppe Soldaten, die eigentlich nur zu einer Übung soll, welche sich aber schnell als etwas völlig anderes entpuppt – so, wie sich einige Leute als Werwölfe entpuppen. Eine spannende Handlung, die zunächst in den Wäldern Englands spielt und dann später zu einer Belagerungssituation in einem einsamen Haus führt.

Wie die letzte Einstellung des Films zeigt, nimmt er sich nicht zu ernst, bietet aber gut gemachte Unterhaltung für alle, denen es mehr auf Spannung als auf die Literzahl an herumspritzendem Blut ankommt. Vom gleichen Regisseur stammt übrigens auch „The Descent“, der nicht nur guten Horror bietet, sondern auch perfekt mit der Platzangst spielt und einem in mancher Szene das Gefühl vermittelt, selbst unter der Erde eingeschlossen zu sein. Definitiv nichts für Leute, die Angst in engen Räumen haben!

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von Martin Cordemann

Clevere Comödie

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Für alle, die nicht an England glauben und denken, es sei nur eine Finte der Kartographen, bieten wir heute:

„Rosenkranz und Güldenstern“

…sind tot, um den Originaltitel zu zitieren und damit gleichermaßen das Ende ein wenig vorwegzunehmen. Andererseits sollten Kenner von „Hamlet“ wissen, wie dieses Spin-off von zwei seiner Nebenfiguren ausgehen sollte, ist es doch in Shakespeares Stück bereits so angelegt. Umso brillanter die Idee von Dramatiker Tom Stoppart, ausgerechnet diese beiden Figuren aus ihrer gewohnten Umgebung („Hamlet“) herauszunehmen und sie in diesem surrealen Stück um eine eigene Geschichte zu erweitern.

Dadurch werden nicht nur aus zwei Randfiguren die Hauptfiguren in ihrem eigenen Stück, manche Stellen aus „Hamlet“ werden hier auch aus einer anderen Perspektive präsentiert – nämlich aus ihrer, was z.B. dem Tod Ophelias Vater eine ganz neue Bedeutung verleiht. Oder sagen wir, dem Grund für seinen Tod. Stoppart spielt mit den Figuren und mit der Vorlage und schafft dadurch eine wunderbare Komödie, die selbstverständlich endet wie eine Tragödie.

Aufschlag Stoppart

Film und Stück bestechen durch geschliffene Dialoge, die vor wortreichen Wortspielen nur so strotzen. Nur einer der vielen sprachlichen Höhepunkte ist ein Tennismatch, bei dem nur Fragen erlaubt und Aussagen Fehler sind.

Verstehen Sie?

Alles klar?

Ich meine, wirklich?

Ist das denn so schwer?

Oder soll ich das anders formulieren?

Mache ich mich ehrlich nicht verständlich?

Oder was?

Hm?

Was meinen Sie?

Ich wiederhole mich?

Ist das Ihr Ernst?

Das glaube ich nicht.

FEHLER!

Männer in der Identitätskrise

Der Film ist voll von schönen Ideen. Eine davon ist der Running Gag, dass Rosenkranz (oder ist es Güldenstern?) ständig kleine Experimente macht. Doch jedes Mal, sobald er sie seinem Freund zeigt, gehen sie mit traumwandlerischer Sicherheit schief. Der Vorführeffekt.

Was uns zur Besetzung bringt. Die Hauptfiguren werden gespielt von Tim Roth und Gary Oldman. Beide standen damals noch am Anfang ihrer Karriere, zeigen aber schon ihr großes Talent. Roth ist der forsche, sarkastische Gegenpart zu Oldmans naivem, leicht tumben Gesellen, wobei sich beide perfekt ergänzen.

Besonders bei Oldman tut es weh, dass man ihn viele Jahre klischeemäßig immer nur auf die Rolle des Bösen reduziert hat, denn hier zeigt er, wie viel komödiantisches Talent in ihm steckt. Was für eine enorme Verschwendung!

Der einzige anwesende Hollywoodstar zu dieser Zeit war Richard Dreyfuss, obwohl seine Rolle wohl eigentlich für Sean Connery gedacht war. Daneben  finden sich in der Besetzung als Hamlet und sein Stiefvater zwei Schauspieler, die später beide in der großartigen HBO-Serie „Game of Thrones“ auftauchen sollten, Iain Glen und Donald Sumpter.

Wer mit surrealen Situationen und schlagfertigen Dialogen etwas anfangen kann, der sollte sich ärgern, dass an die DVD derzeit schwer heranzukommen ist!

Halb_Fiction147

von Martin Cordemann