2016, 484, 285, 30, 4

2016

484 Artikel

285 mal im Kino

30 Würdigungen und…

4 mal frühzeitig rausgegangen!

Hand aufs Herz: Man kann es mit dem Kino auch übertreiben. 285 Filme auf der großen Leinwand zu sehen erweist sich bei näherer Betrachtung als weniger lustig, als es klingt, denn bei einem derartigen Overkill verliert man irgendwann den Spaß an der Sache… und beginnt, Filme zu hassen. Was auch daran liegt, dass man einfach eine ungeheure Menge Mist zu sehen bekommt. Leider weiß man aber nie vorher, was sich als sehenswert herausstellen wird, so dass man um das Gucken vieler Sachen schwerlich herumkommt – auch wenn dieses Jahr Überraschungsfilme, von denen man sich nichts versprochen hat, die sich dann aber als großartig erwiesen haben, größtenteils ausgeblieben sind, vielleicht mit einer Ausnahme.

Auch gibt es einen entscheidenden Unterschied zum Vorjahr. Hat man da mit dem Auftauchen wirklich guter Filme bis in die zweite Jahreshälfte warten müssen, und dann waren es auch noch ausgerechnet Blockbuster, die wirklich klasse waren, schien dieses Jahr ein Gros der guten Filme irgendwie in den ersten drei Monaten gewesen zu sein. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass hier und heute von den Pressevorführungen 15 bis 48 genau 9 Filme hier auftauchen… und dann gibt es erst wieder eine Nennung ab Nummer 110. Also schauen wir doch mal, was ich dieses Jahr im Kino wirklich gemocht habe… und damit sind nicht die Filme gemeint, die dieses Jahr ins Kino gekommen sind, sondern die gezeigt wurden, das eine oder andere lässt sich also ggf. noch nachholen!

Die Überraschung

Eine gab es dann doch, und auch die recht früh im Jahr. Mustang, ein Film über türkische Mädchen, die von ihrer Verwandtschaft mehr und mehr eingepfercht und zur Heirat verschachert werden. Und immer, wenn ich eine meiner Zusammenfassungen zu diesem Film lese, denke ich, dass sie ihm einfach nicht gerecht wird und fast ein falsches Bild von ihm zeichnet. Er hat eine gute Geschichte, einen Funken Humor und eine Menge wunderbarer junger Schauspielerinnen – und es steht zu befürchten, dass er dichter an der Realität ist, als man sich das wünschen würde. Definitiv ein Highlight dieses Jahres!

Liebe zum Film oder Liebesfilme?

Es überrascht mich selbst, dass ich Gefallen Nicolas Sparks gefunden habe, aber bei The Choice – Bis zum letzten Tag liegt das vielleicht auch an seinem sympathischen Hauptdarsteller Benjamin Walker, denn der macht eine Menge aus. Vorhersehbar, aber trotzdem nett. Anders dagegen mochte ich den Hauptdarsteller von Deadpool nie so richtig, und doch hat Ryan Reynolds hier einen Film geboten, der die Superheldenseite mal mit einem Augenzwinkern und Metaebene zeigt – und es ist ja auch irgendwie ein Liebesfilm… oder?

Einfach gut

Ein Beweis dafür, dass man für einen guten Film nicht mehr braucht, als ein gutes Buch und gute Darsteller, ist Raum. Ein schwieriges Thema so umgesetzt, dass es spannend ist und einem nahe geht. Nicht viel drüber lesen, einfach anschauen – auch wenn man ein bisschen starke Nerven braucht.

Dann haben wir noch zwei Filme, die die Glanzzeit von Hollywood zeigen, der eine fiktional, der andere basierend auf wahren Ereignissen – und beide mit dem richtigen Humor. Als Classic Hollywood Doublefeature empfehlen wir dieses Jahr: Hail, Caesar! und Trumbo. Eine Verbeugung vor der alten Zeit – und ein Umgang mit einer wirklich schlechten Phase! Schön geschrieben, schön gespielt, schön gemacht.

Einfach lustig

Es gab sogar ein paar gute Komödien dieses Jahr. Die Bestsellerverfilmung Ein Mann namens Ove zum Beispiel. Böse, bitter, tragisch, komisch. Ein Mann, den man eigentlich nicht mag, der einem aber irgendwie ans Herz wächst, ein guter Film aus Skandinavien, der auf vielen Ebenen arbeitet. Und kann man bei einem Film über einen Mann, bei dem man sieht, dass er einen neuen Selbstmordversuch plant, weil er dazu seinen Selbstmordanzug anzieht, irgendetwas falsch machen? Nun, man könnte, hat man aber nicht. Ähnliches gilt für Eddie the Eagle, eine Art Filmbiographie über Englands erfolgreichsten Skispringer… der schon zu seiner Zeit den Standard nicht erreicht hat. Ein liebenswerter Film über einen liebenswerten Verlierer mit dem Herz am rechten Fleck.

Aus Frankreich wurden uns auch zwei sehr schöne Komödien beschert. Nur Fliegen ist schöner über einen Kajaktrip durchs Land, der genauso entspannend und angenehm ist, wie es das Filmplakat verspricht, eine wahre Entschleunigungskomödie. Mit dem Herz durch die Wand ist eine wunderbare Liebeskomödie über zwei Nachbarn, deren Wand so dünn ist, dass sie einen Weg finden müssen, damit und miteinander umzugehen.

Ein bisschen Action gab es auch. The Nice Guys von Shane Black ist ein herrlicher Kumpel-Detektiv-Film mit gut aufgelegten Schauspielern und so schönen Ideen, dass sie über die eine oder andere Schwäche in der Handlung hinwegsehen lassen. Als Videoüberraschung gab es dann noch Mr. Right mit Sam Rockwell und Anna Kendrick, eine abgedrehte Komödie über einen Killer und ein Mädchen, in dem beide Schauspieler zeigen können, wie gut sie sind.

Vielleicht nicht der beste Film des Jahres, vielleicht nicht die beste Komödie des Jahres, aber der Film, bei dem ich effektiv am meisten gelacht habe: Der Spion und sein Bruder mit Sacha Baron Cohen und Mark Strong. Nichts für jeden, auch nicht durchgehend gut, wie alle Cohens definitiv kein perfekter Film – aber an vielen Stellen einfach saulustig (und da schließe ich die Sache mit dem Elefanten mal aus).

Gemischtes Trippel

Lights Out war ein netter kleiner Horrorfilm, der in Sachen Gänsehaut ziemlich gut funktioniert und etwas aus seiner Grundidee herausholt. Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück mit Viggo Mortensen ist ein wunderbarer Diskurs über Bildung und nebenbei ein klasse Film. Ich, Daniel Blake zeigt uns mit komödiantischen Elementen, wie beschissen man mitunter von Ämtern behandelt wird. Tut weh, wo er wehtun muss und macht ihn zu einem weiteren kleinen Highlight des Jahres.

Der Meister ist zurück

Ein großes Highlight ist natürlich Paul Verhoevens Elle, dessen Thema zwar nicht jedermann erfreuen wird, der aber einmal mehr zeigt, dass man auch heute noch gute Filme machen kann… wenn es die richtigen Leute tun. Freuen wir uns über die Rückkehr von Verhoeven und auf eine gnadenlos gute Isabelle Huppert in der Hauptrolle.

Hier fehlt mir eine passende Überschrift

Mit Hacksaw Ridge liefert Schauspieler und Regisseur Mel Gibson einen spannenden, harten und extrem guten Kriegsfilm ab, der auf einer wahren Geschichte beruht… ebenso wie Sully von Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood, die beide nicht in ihren Filmen mitspielen. Dieser zeigt uns den Schicksalsflug von Pilot Chesley Sullenberger, der es schaffte, eigentlich das Unmögliche möglich zu machen. Gut erzählt, richtig aufgebaut, von vorne bis hinten spannend. Und da nicht nur die Amerikaner gute Filme machen können, wollen wir auch nicht den Italiener Suburra vorenthalten, der eine schön-spannende Mischung aus Mafia und italienischer Politik bietet… falls es da einen Unterschied zwischen den beiden gibt?

Animationsfilme

Die Kategorie wird mit großem Abstand angeführt von Zoomania, der einer der besten Filme des Jahres ist. Mit wunderbaren Ideen, viel Phantasie und einer großartigen Umsetzung zeigt er, wie Animationsfilme sein sollten, denn sonst braucht man eigentlich keine zu machen. Zu Unrecht untergegangen zu sein scheint Kubo – Der tapfere Samurai, der eine schöne Geschichte ebenfalls sehr schön erzählt. Ein paar Abstriche gibt es bei Vaiana – Das Paradies hat einen Haken, denn der ist zwar auch großartig – aber nur solange nicht gesungen wird!

Gutes Fernsehen

Es wird inzwischen gerne gesagt, dass das Fernsehen besser geworden ist als das Kino – und in einigen Fällen trifft das zu. Auch dieses Jahr wurden uns ein paar großartige Serien beschert, von denen wir drei hier die Ehre geben wollen. Der erste Fernsehhöhepunkt war The Night Manager, eine spannende Thriller-Serie nach John le Carré, in der Hugh Laurie nach House endlich mal wieder zeigen kann, wie gut er ist und wie schön er zwischen nett und böse liegt. Die Fernsehbiographie von Drogenboss Pablo Escobar zeigt in Narcos – Staffel 1 das Leben und Ablebenlassen von CEOs im Drogenbusiness und ist gleichermaßen unterhaltsam wie spannend… und absurd! Schön ist, dass es auch endlich ein Komödienhighlight zu uns geschafft hat, die erste Staffel der Polizeikomödienserie Brooklyn Nine-Nine, gespickt mit herrlichen Einfällen, schrägen Ideen und großartigen Schauspielern – hoffentlich kommen die anderen Staffel auch noch!

Der deutsche Film

Er ist viel gescholten, und in den meisten Fällen zu recht: der deutsche Film. Aber wenn es mal was positives zu berichten gibt, dann sollte man damit nicht hinter dem Berg halten. Denn es gibt gute deutsche Filme… hin und wieder mal… in Ausnahmefällen. Zum Beispiel die Liebeskomödie SMS FÜR DICH… Schön geschrieben und größtenteils gut gespielt, das ist doch mal ganz angenehm. Ein Highlight war natürlich Botschafter des Friedens, in dem ein paar alte DDR-Spione reaktiviert werden, um Herrn Kaleu zu befreien. Ein guter Agentenfilm, eine gute Komödie mit guten Schauspielern… einfach wunderbar.

Die Premiere

Aber, wie wir aus der Einleitung entnehmen können, nicht alle Filme sind gut oder machen Spaß oder fesseln einen an den Kinosessel. So kam es denn dieses Jahr, dass ich etwas getan habe, was ich vorher noch nie gemacht habe: Ich bin aus einem Film rausgegangen, bevor er zuende war. An dieser Stelle werde ich immer gefragt, welcher Film das denn war und ich sage: Dieses Sommergefühl. Denn da wird nur blöd in der Gegend rumgelatscht und -gestarrt und über Dinge gesprochen, die nicht nur uninteressant sind, sondern auch mit dem, was die nichtexistierende Handlung des Films quasi ausgelöst hat, nichts zu tun haben und so kam ich an den Punkt, wo ich mir gesagt habe, wenn jetzt noch ne Szene kommt, in der die nur blöde durch die Gegend latschen, stehst du auf und gehst… und nein, ich musste nicht lange warten. Ich habe also gelernt, dass man auch aus Filmen rausgehen kann und habe es seitdem auch noch mehrmals gemacht – aber leider nicht aus allen Filmen, die es verdient gehabt hätten, dass man sie frühzeitig verlässt!

Die Unverschämtheit des Jahres

Schließen wir ab dem hochgelobten, von allen geliebten, stets gepriesenen Toni Erdogan… äh, Toni Erdmann. Alle finden den so toll… und ich kann nicht nachvollziehen, warum? Denn, streng genommen, ist das handwerklich kein guter Film. Er ist 2 Stunden 40 Minuten lang, für eine Geschichte, die in der Hälfte der Zeit besser erzählt gewesen wäre, weil sie auch nicht mehr als das hergibt. Das ist eine Maßlosigkeit, die erschreckend ist und die nicht gerade auf handwerkliches Geschick schließen lässt, denn wenn jemand glaubt, all das in einen Film packen zu müssen, nicht in der Lage ist, sich auf das zu beschränken, was der Geschichte zuträglich und für sie notwendig wäre, wenn er (oder in dem Fall sie) die verschissene Arroganz besitzt, sich anzumaßen, dass das, was man da gemacht hat, so großartig ist, dass man dem Zuschauer damit fast drei Stunden seiner Zeit stiehlt… dann hab ich damit ein Problem. Ich sage nicht, dass der Film nicht nette Szenen hat und dass man daraus nicht auch einen guten Film hätte machen können, aber in diesem Fall hat man nicht nur Kerzen und Kugeln und anderen Baumschmuck verwendet, sondern alles, was danach noch an grünen Nadeln zu sehen war, so sehr mit Lametta vollgekleistert, dass der Weihnachtsbaum unter seiner sich selbst zu ernst nehmenden Last umgekippt ist… um da mal ein der Jahreszeit angemessenes Bild zu verwenden. Wenn man glaubt, einen Zuschauer mehr als zwei Stunden lang (und zwar weit mehr als zwei Stunden!) mit diversen Redundanzien überhäufen zu müssen, wenn man auch beim gefühlt 18. mal noch witzig findet, dass sich Peter Simonischek ein Gebiss in den Mund steckt, wenn man eine komplette Kundenpräsentation in den Film einbaut, die dem Zuschauer, der kein Kunde ist, nicht wirklich etwas bringt, wenn man nicht in der Lage ist, seine dünne Geschichte in einer von Länge und Form her angemessenen Weise zu erzählen, dann… bekommt dieser Film dafür garantiert auch noch den Oscar. Und ihr habt euch beklagt, dass er in Cannes nicht gewonnen hat, weil der soviel bessere Ich, Daniel Blake verdientermaßen den Preis erhalten hat – Schande über euch selbstverliebte Banausen, lernt erstmal, wie man einen Film macht, bevor ihr euch darüber mokiert, dass das auf jeder Ebene bessere Werk einen Preis bekommen hat.

Und mit diesen Worten wünsche ich allen einen guten Rutsch oder wahlweise ein frohes neues Jahr, das war das Kinojahr 2016, mal schauen, was 2017 so bringen wird… auch wenn ich den guten Vorsatz habe, diesmal weniger Filme zu sehen – und öfter rauszugehen!

FROHES NEUES JAHR!

Neu auf DVD: Mechanic: Resurrection

Ex-Profikiller wird mit Entführung von Neufreundin zur Arbeit motiviert…

The Mechanic

Vor wenigen Jahren gab es das Remake des Charles Bronson-Films „Kalter Hauch“, in dem Jason Statham als Killer unterwegs ist und, nachdem er dessen Vater umgelegt hat, einen jungen Mann ausbildet, was halbwegs gut geht, bis man dem steckt, wer für den Tod seines Vaters verantwortlich ist. Das war ein ziemlich guter Film, gute Handlung, gute Darsteller (neben Statham Donald Sutherland und Ben Foster), ein bisschen so, wie man sich die Arbeit eines James Bond vorstellt, der für Geld und professionell Menschen umbringt. All das fehlt leider in Teil 2.

Statt eines Films mit stringenter, guter Handlung bekommt man einen ziemlich austauschbaren Actionfilm geboten – und das ist gut zu wissen, denn wenn man von vornherein weiß, dass man seine Erwartungen herunterfahren muss, dass man hier keine coole Fortsetzung eines guten Berufskiller-Films bekommt, sondern einen Teller aus dem Einheitsbrei des Actionmarkts, dann kann man ihm vielleicht ein wenig mehr abgewinnen… oder ist zumindest weit weniger enttäuscht. Statt professioneller Killer zu sein, lässt sich Statham, der wirklich ein besseres Buch verdient hätte, nun mit Jessica Alba (noch immer hübsch, noch immer kein Talent) ein, auf dass die entführt werden und als Druckmittel gegen ihn herhalten kann. Viel zu lange Einführung, zumal man den beiden das Paar und die Romanze eh nicht abkauft. Außerdem soll Albern eine Ex-Soldatin sein, was so gar nicht passt, weder zum Aussehen noch zum Betragen. Nachdem die Olle also vom Oberbösmann gekäscht ist, muss Statham Leute umbringen, was man auch irgendwie anders hätte hinbekommen können. Hier wird es zwar fast ganz brauchbar, aber wo seine Morde im Original clever und durchdacht waren, bieten sie hier mehr Schauwerte – was das Gegenteil von unauffällig und damit blödsinnig ist. Einzig Tommy Lee Jones hat eine ganz nette Szene, bei der er, wie er im Zusatzmaterial, das, was er macht, merklich genießt.

Bonus

Ein paar nette Making-ofs, in denen man etwas über die Entstehung des Films erfährt – und wo durchklingt, dass sie alle glauben, sie hätten da n echt guten Job gemacht. Es gibt sogar ein deutsches Videotagebuch von Regisseur Dennis Gansel, das ungleich unterhaltersamer ist als der Film selbst. Und es ist irgendwie tragisch, weil er schön aus dem Nähkästchen plaudert über die Produktion und alles, denn er macht einen netten Eindruck, aber das Endprodukt ist dann eben einfach… nicht so dolle. Schade. Ein so nett wirkender Regisseur hätte da ebenfalls etwas Besseres verdient.

Mit

Jason Statham (Leon Boden), Jessica Alba (Stephanie Kellner), Michelle Yeoh (Arianne Borbach), Tommy Lee Jones (Ronald Nitschke)

Fazit

Ganz ehrlich? Lieber den ersten Teil gucken, denn an den reicht dieser Film leider nicht heran. Wer sich aber trotzdem ein wenig sinnlose Action und eine badebeanzugte Jessica Albern, die zwar leider nicht barbusig, dafür aber bar jeden Talents agiert, zu Gemüte führen möchte, der hat ab 27.12.2016 auf DVD und Blu-ray Gelegenheit dazu.

Neu im Kino: Passengers

Auf der Reise zu einem fernen Planeten wird ein Passagier durch einen Zwischenfall 90 Jahre vor dem Ziel aus dem Tiefschlaf geweckt. Offensichtlich ist es nicht möglich, wieder in die Schlafkammer zurückzugehen und so beschließt er nach einiger Zeit, eine Mitreisende zu wecken…

Konflikte vorprogrammiert

Natürlich weiß man, dass soetwas notgedrungen zu Konflikten führen wird, da er streng genommen das Leben der Frau beendet (was zum Glück auch thematisiert wird) und natürlich lässt sich dieses Geheimnis auf Dauer nicht verheimlichen. Nichtsdestotrotz bietet der Film eine schöne Science Fiction Geschichte mit Liebeselementen. Konsequent ist er darin, die Möglichkeiten durchzudenken und durchzuspielen, die eine solche Situation für den Sternenreisenden mit sich bringt – und da das ganze auf einem Raumschiff in der Zukunft spielt, kann man dem einsam Erwachten mit einem Roboter auch einen interessanten Gesprächspartner an die Hand geben, damit das Ganze nicht zu sehr im Monologisieren mündet. Zum Großteil ist der Film ein gut ausgestattetes Kammerspiel, aber wenn es dann an die Action geht, können sich auch die Effekte sehen lassen – nur das 3D erscheint wie so oft als überflüssig weil ungenutzt.

Getragen wird der Film vor allem von Chris Pratt, der hier dankensweterweise zeigen kann, dass er mehr drauf hat, als nur Starlord zu sein. Selbst seine Angeschmachtete Jennifer Lawrence scheint an diesem Projekt mehr Spaß gefunden zu haben als an ihren letzten Ausflügen ins Superheldengenre, so dass sie nicht ganz so gelangweilt und angeätzt wirkt wie dort. Und dass Michael Sheen so ziemlich jeden Film bereichert (außer „Nocturnal Animals“, wo man auch einen Pappaufsteller von Charlie Sheen hätte benutzen können), ist ja eh nichts Neues.

Mit

Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Andy Garcia

Faziters

Gut durchdachte Science Fiction mit einem Hauch von Liebe und jeder Menge Konflikt. Ab 5.1.2017 im Kino.

Neu im Kino: Assassins Creed

Auf der Suche nach dem Paradiesapfel, der für den freien Willen verantwortlich ist, welcher wiederum für die Gewalt verantwortlich ist, muss der Nachfahre eines Assassinen dessen Erinnerungen durchleben, die ihn in eine gewalttätige Vergangenheit führen…

!

Viel klarer formuliert, als es der Film tut. Denn der ist wirr, laut, schnell… nervig.

Kenner des Spiels sagen: Da fehlt eine ganze Menge.

Nichtkenner des Spiels sagen: Ja, vor allem die Handlung!

Die ist irgendwie dünn, aber trotzdem unübersichtlich, fast so, als wolle man mit der Wirrheit über den Mangel an Geschichte hinwegtäuschen… aber so ganz funktioniert das leider nicht. Und da man wenig für die Figuren empfindet, kann es sein, dass einem die ganzen Lauf-, Sprung- und Kampfsequenzen ziemlich am Allerwertesten vorbeigehen – wenn man aber keinen Bezug zu Figuren braucht, um an so was seine (oder ihre) Freude zu haben, dann mag auch das funktionieren. Viel Action, wenig Kakao.

Mit

Michael Fassbender, Marion Cottilard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling

Fazits Creed

Laute Action, die auf einer Videospielserie basiert und ihren Mangel an brauchbarer Handlung durch Wirrheit zu kaschieren versucht… aber für Freunde von viel Action vielleicht durchaus guckbar? Ab 27. Dezember 2016 im Kino.

Neu im Kino: Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki

Finnischer Boxer muss sich auf tiefere Klasse runterhungern, um dort gegen den Champion anzutreten und Weltmeister zu werden…

Wahre Geschichte

Und diesmal ist das ausnahmsweise nicht nur wahr, sondern auch hilfreich zu wissen, denn es erklärt… eigentlich alles. Zum Beispiel den schön altmodischen Stil, Film, schwarz/weiß statt Digital und Farbe. Es nimmt einem auch die Frage, wann der Film denn nun spielen könnte (in den 60ern), denn auch bis zu dieser Antwort dauert es ein bisschen.

Es gibt ein paar schöne Szenen, das Ganze ist überzeugend gespielt, so richtig einschlagen kann der Film leider nicht. Wer sich aber ein wenig für finnischen Boxsport interessiert und unbedingt einmal erfahren möchte, wie das denn damals mit Olli Mäki eigentlich so war, der dürfte hier wahrscheinlich vor Ehrfurcht auf die Matte gehen. Ab 5. Januar 2017 im Kino.

Neu auf DVD: Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück

Viggo Mortensen lebt mit seinen Kindern in den Wäldern. Aber sie leben dort nicht wie die Wilden. Er bringt ihnen sowohl das Überleben in der Natur als auch Philosophie, klares Denken und Diskurs bei. Lediglich, wie man sieht, im Zwischenmenschlichen hapert es ein wenig. Mutter liegt im Krankenhaus und als sie stirbt, macht sich die Familie mit dem Bus auf den Weg zur Beerdigung und die Konflikte beginnen…

Vielschichtig

Streng genommen passiert nicht viel, außer, dass Viggo die Frage aufgezwungen wird, ob die Art, wie er seine Kinder erzieht wirklich der beste Weg ist. Und da… stellt der Film in der Tat eine großartige Frage. Denn, wie gesagt, die Kinder sind nicht nur fähig, in der Natur zu überleben, sondern sie sind auch intelligent und können ihren Verstand richtig einsetzen. Von dem Standpunkt könnte es eigentlich kaum besser sein – aber da ist halt die Sache mit der Zwischenmenschlichkeit. Könnte man vielleicht noch dran arbeiten?

Man könnte den Film als faszinierenden Diskurs zum Thema Bildung und Erziehung sehen, aber auch das wird ihm in keiner Weise gerecht. Er hat anrührende Szenen, aber auch sehr witzige – und wird getragen von durch weg guten Schauspielern. Bei Viggo Mortensen fragt man sich an manchen Stellen, warum er nie in Komödien mitgespielt hat, denn wie man allein an seinem Gesicht ablesen kann, wäre er auch darin wahrscheinlich großartig – traut man es ihm nicht zu oder lehnt er alles ab, weil man ihm nur Mist anbietet, der unter seinem Talent liegt? Wir werden es wohl nie erfahren.

Mit

Viggo Mortensen (Jacques Breuer), Steve Zahn (Gerritt Schidt-Foß), Frank Langella (Jürgen Kluckert), Missy Pyle (Sabine Winterfeldt), Kathryn Hahn (Katrin Zimmermann) – Regie: Matt Ross

Captain Faztastic

Irgendwie ein wunderbarer Film, der einen schwerlich kalt lassen kann und bei dem es dankenswerter Weise kein schwarz/weiß gibt. Getragen von tollen Schauspielern, insbesondere den sehr jungen, die einfach komplett überzeugend sind. Ab 27. Dezember 2016 auf DVD und Blu-ray.