DVD: TABULA RASA

Frau mit Gedächtsnisproblemen soll im Fall einer verschwundenen Person helfen, wobei sie durchaus auch verdächtig ist…

Memento“ im Zeitlupentempo

Womit man der Serie eigentlich zuviel Ehre zukommen lässt. Denn irgendwie scheint sie nicht ganz zu wissen, was sie sein will, da ist ein Hauch Thriler, ein Hauch Horror, ein Hauch von Psycho-Drama, aber so richtig herauskristallisieren, was das soll, tut es sich erstmal nicht. Da sind dann zwar ganz nette Ansätze, aber es wirkt alles nicht so ganz stimmig. Traurig ist dann, wenn der Trailer zur nächsten Folge weit spannender und interessanter ist, als die Folge selbst.

Und auch wenn man das Potential sieht, das das Thema des Gedächtnisverustes so bietet und gerade in einem Vermisstenfall bieten würde, so hat es „Memento“ nun einmal perfekt gemacht und hier zieht und zieht sich das Ganze. Statt 9 Folgen wäre das als knackiger Vierteiler wahrscheinlich weit besser gewesen, weil man dann die vielen Umwege, die die Serie nimmt, hätte überspringen können.

Letztlich gibt es zu viele Elemente, die zwar, für sich genommen, spannend und interessant sind, z.B. die Sache mit den Zahlen, das Springen der Uhr, die sprechende Tür, aber all das scheint nach der jeweiligen Folge so vergessen wie die Dinge im Gedächtnis der Hauptfigur, und da sie so eigentlich nirgendwohin führen, sind das ganze keine falschen Spuren, die interessant hätten sein können, sondern lediglich Umwege, die den Weg zum Ziel verlängern.

Die eine oder andere Wendung sieht man kommen, am Ende gibt es aber eine durchaus interessante Auflösung – die soviel besser gewesen wäre, wäre der Weg dahin nicht so lang und zäh gewesen.

Mit

Veerle Baetens, Peter Van Den Begin, Gene Bervoets

Tabula Fazit

Eigentlich eine schöne Grundsituation, aber zu langgestreckt und zäh, um wirklich zünden zu können, oder zündeln, wie der Pyromane der Serie wahrscheinlich sagen würde. Zuviel Überflüssiges, das ins Leere läuft, zu viele Figuren, die nicht wirklich etwas bringen, vom gesamten Aufenthalt in der Irrenanstalt hätte man sich eigentlich trennen können. Unterm Strich also: Weniger Folgen, spannend umgesetzt, knackig gemacht, hätte der Serie gut zu Gesicht gestanden, denn auch wenn sie visuell schöne Dinge macht, hapert es leider in den erwähnten Bereichen. Ab 17. April 2018 auf DVD und Blu-ray.

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Neu bei Netflix: The Alienist – Die Einkreisung / Folge 1-5

New York Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Serienkiller ermordet und verstümmelt kleine Jungen, die wie Mädchen gekleidet sind. Ein „Alienist“ nimmt die Untersuchung auf…

Sigmund Freud vs. Jack the Ripper

Wer sich der leisen Hoffnung hingeben möchte, es ginge um Aliens, die Ende des 19. Jahrhunderts in New York ihr Unwesen treiben und denen man mit altertümlichen Methoden stilistisch und erzählerisch interessant auf die Schliche kommen möchte, der sollte sie an dieser Stelle begraben. Es ist ein bisschen so, als hätte jemand die Idee gehabt: Was wäre gewesen, wenn Sigmund Freud, versucht hätte, die Jack the Ripper Morde aufzuklären. Schöne Idee, kann man so aber nicht machen, da wir ja alle wissen, wie diese Geschichte ausgegangen ist (der Ripper ist mit H.G. Wells Zeitmaschine entkommen, falls sich jemand nicht erinnern sollte!). Also verlegt man das Ganze nach New York (ähnliche Stimmung wie London, Großstadt, schmutzig, verkommen, lasterhaft) und erfindet einen eigenen Fall. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert und interessant, jedenfalls was die 5 Folgen angeht, die gesichtet werden konnten.

Frühe Ermittlungsmethoden

Vieles von dem, was man kennt, wird hier erst langsam eingeführt. Da ist der Fingerabdruck, da sind wissenschaftliche Methoden, wir erleben sogar eine frühe Form des Profiling. Es ist nett gemacht, wie sich das alles entwickelt und man dadurch versucht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Der Alienist übrigens ist jemand, der sich um Menschen mit seelischen Krankheiten kümmert, also eine Art Psychiater/Psychoanalytiker. Eben alles in seiner Urform, die sich langsam zu mehr entwickeln kann – und wird.

Brühl

Die Titelrolle wird gespielt von Daniel Brühl und er macht das sowohl sehr gut als auch sehr überzeugend. Würde einen nicht überraschen, wenn da nicht irgendwann bald mal ein Freud-Biopic mit ihm kommen wird. Wie üblich übersehbar ist und bleibt Luke Evans. Der Mann hat noch nie einen bleibenden Eindruck hinterlassen, das dürfte sich hier nicht ändern. Man sollte mal einen Film mit ihm, Charlie Hunnam, Sam Worthington und Jai Courtnay machen… wäre bestimmt uninteressant.

Mit

Daniel Brühl, Luke Evans, Dakota Fanning, Michael Ironside, Grace Zabriskie, David Warner, Ted Levine

The Fazitist

Spannend und interessant, gut ausgestattet, stimmungsvoll inszeniert. Ein nettes Konzept – bei dem aber nach 5 Episoden leider nicht beurteilt werden kann, ob es auch zu einem sinnvollen und befriedigenden Ende geführt werden wird. Ab 19. April 2018 bei Netflix.

DVD: Lucky Luke – Die Klassiker / Die komplette Serie

Die Serie, die schneller zieht als ihr Schatten…

Lucky Luke ist zurück – nicht in Form von Comicbänden sondern einer 52teiligen Fernsehserie.

Zeit für einen weit hergeholten Vergleich

Wenn wir mal unterschiedliche Helden miteinander vergleichen wollen, dann sagen wir es mal so:

Asterix“ verhält sich zu „Lucky Luke“

wie „James Bond“ zu „Sherlock Holmes“.

Wie ist das zu verstehen? Nun, da stellen wir uns mal janz dumm… um einen anderen Klassiker zu zitieren. Alle basieren auf literarischen Vorlagen, wobei es bei ersteren beiden natürlich Comics sind.

Asterix nun aber hat es in verschiedenen Formen auf die große Leinwand geschafft, sowohl als Zeichentrick- und Animations- als auch als Realfilme mit Größen wie Gerard Depardieu. Und auch der bekannteste Agent Ihrer Majestät, James Bond, ist auf der großen Leinwand gelandet – wie Asterix aber nur da.

Anders nun verhält es sich mit Lucky Luke und Sherlock Holmes. Beide sind zwar auch im Kino gelandet, darüber hinaus aber auch im Fernsehen. So, wie man nach und nach die ganzen Geschichten über den berühmtesten Detektiv aller Zeiten in den verschiedensten Varianten und mit den unterschiedlichsten Schauspielern auf den kleinen Bildschirm brachte, wurde auch der glückliche Luke fürs Fernsehen umgesetzt.

Comicliche Grundlage

Wenn man einen Blick auf die Titel der einzelnen Episoden dieser Serie wirft, dann drängt sich einem der Verdacht auf, dass man mit dem Plan an die Sache herangegangen ist, die bestehenden Alben im 25minütigen Fernsehformat umzusetzen, was ja ein durchaus passende Idee wäre, auf die man bei Asterix bislang verzichtet hat. Wie groß die Ähnlichkeiten zwischen dem jeweiligen Album und der jeweiligen Folge ist, das müsste nun jeder Fan für sich selbst herausfinden – was er ja dank dieser schönen Box auch kann. Auf jeden Fall scheinen einige der Episodentitel mit denen der Comicbände identisch zu sein, was da natürlich auf nahe Verwandtschaft hoffen lässt. Wobei die ersten Folgen allerdings eher aus anderen Gründen vertraut wirken, denn dieses Material hat man auch für den Film „Das große Abenteuer“ verwendet, wenn auch dort anders synchronisiert.

Benny Luke

Neu sind auch einmal mehr die deutschen Stimmen der Figuren. Lucky Luke wird nun von Andreas Mannkopff gesprochen. Der dürfte vor vielen Jahren besonders bekannt gewesen sein als Stimme eines britischen Komikers, den eigentlich jeder gekannt haben müsste: Benny Hill! Er sprach ebenfalls für Dom deLuise, Charles Haid und Wallace Shawn, war aber auch in den „Ist ja irre“-Filmen für Kenneth Connor zu hören und lieh natürlich John Candy die Stimme.

Daneben bietet die Serie die Creme de la Creme der damligen Berliner Synchronschauspieler. Da ist Lothar Blumhagen, der Roger Moore u.a. in „Die 2“ sprach und heutzutage noch oft für Christopher Plummer zu hören ist.

Edgar Ott war die Stimme von Telly Savalas und das nicht nur in und als „Kojak“, er sprach – gemeinsam mit Andreas Mannkopff – in den „Ist ja irre“-Filmen, wo er Sidney James die Stimme lieh, war aber auch für harte Kerle wie Lino Ventura und Lloyd Bridges zu hören, für letzteren allerdings eher in Komödien wie den großartigen „Airplane“-Filmen.

Hans-Jürgen Dittberner war in jungen Jahren die Stimme von Alec Baldwin (z.B. in „Jagd auf Roter Oktober“), könnte aber am bekanntesten sein für seinen „Captain Future“ und David Rasche als „Sledge Hammer“.

Der unverwechselbare Wolfgang Spier lieh tatsächlich auch mal Roger Moore die Stimme, aber das war „Damals in Paris“ und ist schon eine ganze Weile her. Der Schauspieler, den er am öftesten synchronisierte, war Donald Pleasence, aber auch aus Gene Wilders Mund war er mal zu hören, obwohl in Fankreisen seine bekannteste Arbeit vielleicht die in „Jäger des verlorenen Schatzes“ sein dürfte, in dem er Ronald Lacey als den fiesen Nazi Toth intonierte.

Bevor er sich vor wenigen Jahren zur Ruhe setzte, hörte man Norbert Gescher u.a. für Richard Dreyfuss, Beau Bridges und Steve Martin und auch für Leonard Nimoy als Spock war er tätig, wobei er dort den verstorbenen Herbert Weicker würdig vertrat.

Herrlich ironisch und fast schon auf Schnauzbartträger abonniert ist Norbert Langer. Er dürfte vielen bekannt sein als wunderbare Stimme von „Magnum“ (den er sogar in beiden Synchronfassungen sprach, sowohl bei der ARD als auch bei der kompletten Neusynchronisation für RTL), aber auch für Burt Reynolds war er oft zu hören.

Das doppelte Bondchen: In mehr als einer Folge hört man gleich zwei James Bond-Sprecher im Zusammenspiel. Lutz Riedel, der neben seiner Arbeit als Synchronregisseur auch für Tom Wilkinson, Michele Placido („Allein gegen die Mafia“), Jonathan Pryce, Udo Kier und Sam Neill spricht, wurde nicht nur die Stimme von Timmy Dalton, er sprach auch mehrmals für Richard Gere… was beides auch auf Frank Glaubrecht zutrifft. Der war schon zu „Remington Steele“-Zeiten für Pierce Brosnan zu hören, ist aber auch oft die deutsche Stimme von Kevin Costner, Al Pacino, Paul Hogan, Jeremy Irons und Bill Nighy (mit dem er in „Tatsächlich…Liebe“ einen echten Hörgenuss schuf).

Und zu guter Letzt ist da noch Jürgen Thormann. Der ist schon eine Ewigkeit im Geschäft und bleibt es hoffentlich auch noch lange. Seit vielen Jahren ist er die Stammstimme von Michael Caine, er sprach aber auch Max von Sydow, Peter O’Toole, Peter Sellers und John Hurt, um nur ein paar zu nennen. So gesehen ist die Serie eine wunderbare Fundgrube an wunderbaren deutschen Stimmen – da stimmt einfach alles!

Staffel 1 (1983-84)
1. Ma Dalton
2. Die Daltons im Blizzard
3. Die Daltons bewähren sich
4. Die Postkutsche
5. Das Greenhorn
6. Lucky Luke am Mississippi
7. Calamity Jane
8. Die Gesetzlosen
9. Schienen durch die Prärie
10. Phil Defer
11. Doktor Doxey
12. Der Großfürst
13. Billy The Kid
14. Im Schatten der Bohrtürme
15. Die Daltons auf Schatzsuche
16. Der weiße Reiter
17. Den Daltons auf der Spur
18. Eskorte nach New Mexiko
19. Familienkrieg in Painful Gulch
20. Stacheldraht auf der Prärie
21. Der singende Draht
22. Jesse James
23. In den schwarzen Hügeln
24. Dalton City
25. Kalifornien oder Tod
26. Auf nach Oklahoma

Stimmen

Lucky Luke: Andreas Mannkopff

Jolly Jumper: Joachim Tennstedt

Rantanplan: Friedrich G. Beckhaus

Joe Dalton: Friedrich W. Bauschulte

Averell Dalton: Dieter Kursawe

Jack Dalton: Wilfried Herbst

William Dalton: Wolfgang Ziffer

Ma Dalton: Tilly Lauenstein

Staffel 2 (1991-92)
27. Goldrausch
28. Der Richter
29. Die Daltons brechen aus
30. Lucky Luke reitet für die 20er Kavallerie
31. Lucky Luke gegen Joss Jamon
32. Nitroglycerin
33. Tortillas für die Daltons
34. Pony Express
35. Der Kopfgeldjäger
36. Die Verlobte von Lucky Luke
37. Sarah Bernhardt
38. Der Hausierer
39. Highnoon für Lucky Luke
40. Der Apachencanyon
41. Die Erbschaft von Rantanplan
42. Der Daily Star
43. Vetternwirtschaft
44. Die Daltons auf dem Kriegspfad
45. Lucky Luke gegen Pat Poker
46. Das Alibi
47. Der falsche Mexikaner
48. Der einarmige Bandit
49. Western Zirkus
50. Finger
51. Gefährliche Reise
52. Die Reisschlacht

Stimmen

Lucky Luke: Andreas Mannkopff

Jolly Jumper: Joachim Tennstedt

Rantanplan: Friedrich G. Beckhaus

Joe Dalton: Harry Wüstenhagen / Arnold Marquis / Friedrich W. Bauschulte

Averell Dalton: Dieter Kursawe ?

Jack Dalton: Dieter Kursawe

William Dalton: Wilfried Herbst

Fazit Luke

Die „Lucky Luke“-Comics als Fernsehserie. Wie in den Comicbänden gibt es auf amüsante Weise Begegnungen mit wichtigen Aspekten und Figuren bei der Erschließung des Westens, vom Bau der Eisenbahn und der Telegraphenleitungen, der Suche nach Gold und dem Buddeln nach Öl bis hin zu Personen wie Calamity Jane, Billy the Kid und Jesse James. Anstrengend ist und bleibt allerdings Rantanplan, der dümmste Hund des Wilden Westens sowie die etwas merkwürdigen und überflüssigen ständigen Wiederholungen in den Dialogen. Ab der zweiten Staffel wird das zum Glück besser, es gibt auch weniger Rantanplan und Gerede von Jolly Jumper – und auf Freddy Quinns Titelsong muss man auch verzichten. Wie auch bei Asterix gibt es Figuren, deren Aussehen an bekannte Schauspieler angelehnt sind, und so hat man hier neben Abraham Lincoln auch ganz westerngerecht u.a. Jack Pallance und Lee van Cleef. Das Ganze ist hübsch gezeichnet und animiert mit netten Geschichten und einer Synchronfassung, die sich dank der tollen Besetzung wirklich hören lassen kann. In der Tat ein Klassiker. Ab 19.4.2018 auf DVD.

DVD: Mit Schirm, Charme und Melone / The Tunnel of Fear

Als ein entflohener Sträfling auf dem Behandlungstisch des guten Doktors landet, scheint es so, als würde manches nicht mit rechten Dingen zugehen. Also ermitteln er und Mr. Steed und die Spur führt zu einem Jahrmarkt…

BBC

Vom WDR weiß man, dass es eine Behörde ist, die nebenbei auch Fernsehen macht, wahrscheinlich, um die Gehälter all der Beamten durch irgendwas zu rechtfertigen. Die BBC war immer großartig darin, Fernsehen zu machen – aber sie war beschissen darin, einiges davon für die Nachwelt zu erhalten. Und so hat sie im Laufe der Jahre diverse Episoden „verloren“, darunter einiges von „Doctor Who“, aber auch frühe Folgen von „The Avengers“ (nicht zu verwechseln mit der Marvel-Serie). Ein bisschen was davon ist wieder aufgetaucht und hier nun erhalten wir eine weitere Folge, die eigentlich schon verloren geglaubt war.

Wer nur die neueren Episoden der Serie kennt, die in Farbe, der dürfte hier vielleicht überrascht sein, denn zu diesem Zeitpunkt war die Serie noch ein bisschen anders. Der Charme ist zwar da, aber Schirm und Melone fehlen noch. Dieser Stil sollte sich erst mit einer der stärksten Frauenfiguren des Fernsehens einstellen, Emma Peel, die intelligent, sexy und in jeder Beziehung schlagfertig war, auch wenn man sie heute gerne aber idiotischerweise auf enge Lederoutfits reduziert. Eine emanzipiertere und stärkere Frau wird man im Fernsehen der 60er Jahre kaum finden – und hier leider auch noch nicht, da es noch ein paar Jahre bis zu ihrem Erscheinen dauern wird. Dies ist also die frühe Phase der Serie, noch sehr bodenständig, ohne die teils abgedrehten Ideen der späteren Zeit, mehr Krimi als Bond. Ein interessanter Rückblick, aber nicht unbedingt der Höhepunkt der Serie.

The Avengers“… auf deutsch

Leider gibt es für diese Folge keine deutsche Fassung. Wir erinnern uns, dass es für „Mit Schirm, Charme und Melone“ mehrere Synchronphasen gab. Ins deutsche Fernsehen kamen zunächst die Folgen mit Emma Peel, dargestellt von der hinreißenden Diana Rigg (die Frau, die James Bond heiratete). Ihr zur Seite stand John Steed, als perfekter Gentleman gespielt von Patrick Macnee. Synchronisiert wurde er vom angesagtesten Heldensprecher seiner Zeit, Gerd Günther Hoffmann, in Fan- und Fachkreisen auch gerne als GGH angekürzt. Er war zu hören für Lex Barker als Old Shatterhand, Sean Connery als James Bond und später auch William Shatner als Captain Kirk, nicht zu reden von Paul Newman, Michel Piccoli und Rock Hudson. Er sprach für Steed in fast allen Synchronphasen der Serie, auch, als seine weibliche Begleitung umbesetzt wurde, er war die Konstante, die sich durch die Serie zog… mit der Ausnahme einer Folge, die man irgendwie übersehen zu haben schien und in der nun Hans-Werner Bussinger (Lee Majors in „Ein Colt für alle Fälle“, John Forsythe in „Der Denver-Clan“, aber auch hin und wieder John Lithgow) für ihn einsprang. Noch viel später dann reichte man die Staffeln (oder das, was davon noch auffindbar) nach, die vor Emma Peel spielten, die, wie man hier sieht, auch noch ein wenig anders waren und in der ebenfalls ein zukünftiges Bond-Girl eine der weiblichen Hauptrollen spielte, Honor Blackman alias Pussy Galore aus „Goldfinger“. Da leider keiner seiner beiden alten Sprecher – und wir vergessen nicht die Super8-Filmvariante, in der wahrscheinlich Helmo Kindermann für Steed sprach – mehr zur Verfügung stand, engagierte man für die frühen Folgen nun Holger Mahlich, der vornehmlich in Hamburger Synchros zu hören ist, hervorragend zu Xander Berkeley in „24“ passte und schon immer diesen leicht ironischen Stich in der Stimme hatte, der ihn zum perfekten Nachfolger von GGH machte, da er dessen Ton als Mann mit Schirm, Charme und Melone sehr gut traf. Da Synchronisationen aber eine teure Angelegenheit sind (auch wenn viele heutzutage nicht mehr so klingen), müssen wir hier leider auf einen weiteren Auftritt Mahlichs verzichten und uns mit der Originalfassung begnügen.

Bonus

Neben einigen restaurierten Folgen gibt es Interviews, in denen man auch etwas über die Schwierigkeiten bei der Restauration erfährt.

OT: The Avengers: The Tunnel of Fear / Staffel 1 – Episode 20 (1961)

Ian Hendry, Patrick Macnee, Ingrid Hafner, Anthony Bate,

Mit Schirm, Charme und Fazit

Ein interessanter Rückblick auf die Anfänge der „Avengers“ und natürlich ein Muss für Komplettisten. Ab 19.4.2018 auf DVD.

Neu bei Netflix: Lost in Space

Familie Robinson strandet im Weltall…

Danger, Will Robinson

Wer erinnert sich nicht… und nicht gern? Auch wenn Science Fiction Serien immer mein Ding waren, so bin ich nicht sicher, ob ich jemals eine Folge von „Lost in Space“ gesehen habe, in dem Fall also erinnere ich mich nicht. Und nicht gerne erinnere ich mich an den Versuch, daraus einen Spielfilm zu machen, der mit „wirklich extrem kacke!!!“ noch sehr positiv umschrieben ist, trotz einer Besetzung wie William Hurt, Gary „klischeebesetzt auf den Bösen“ Oldman und einem furchtbar computeranimierten Alien-tier. Das war das, was man als einen Griff ins schwarze Loch bezeichnet, auch bekannt als Klo. Hier nun macht Netflix den neuerlichen Versuch, Leben in ein Franchise zu hauchen, das seine Heimat in den 60ern hat und bei dem man sich bestenfalls daran erinnert, dass es einen bösen/verrückten Doktor gab und einen Roboter, der „Danger, Will Robinson“ sagte. Also wie ist dieser Versuch ausgegangen?

Ausgezeichnet!

Die Serie ist in jeder Hinsicht das komplette Gegenteil vom Spielfilm, sie ist größtenteils clever, die Effekte sind super, die Figuren sind alles andere als austauschbar, es gibt starke Frauen, einen Han Solo Charakter (bei dem man sich manchmal wünscht, er wäre von Sam Rockwell gespielt worden, was der Sache noch einen Kick mehr verpasst hätte), es gibt familiäre Probleme, aber auch Zusammenhalt. Streng genommen ist es aber ein bisschen eine

Horror-Überlebenskampf-Serie

denn so ziemlich jede Folge tut sich eine neue Gefahr auf, die darauf aus ist, den Robinsons einzeln oder kollektiv das Licht auszublasen. Macht aber nichts, man gewöhnt sich schnell dran, denn was die Staffel ebenfalls gut macht, ist, ein paar Geheimnisse aufzubauen, die sich erst nach und nach enthüllen. Das hält das Gesamtgefüge der Serie spannend und interessant, weil irgendwie mehr hinter der ganzen Sache steckt, auch wenn man am Ende der Staffel noch nicht alle Antworten hat, sich aber das eine oder andere zusammenreimen kann.

Verschollen im Weltraum

Nett ist auch, dass man mit dem wenigen, an das man sich über die Serie erinnert, spielt, das aber auf eine schöne Weise. Das erwähnte Zitat des Roboters ist da, der über alle Maßen manipulative Dr. Smith ist da, aber alles ein bisschen anders, als man es wahrscheinlich erwarten würde.

Die ganze Staffel scheint am Ende allerdings ein wenig wie ein 10stündiger Pilotfilm für eine Serie zu sein, denn erst dann sind alle Steinchen auf dem Brett da, wo sie hinzugehören scheinen. Und ja, den Darth Vader Moment aus „Rückkehr der Jedi-Ritter“ am Schluss sieht man kommen, macht aber nichts.

Das eine Haar in der Ursuppe

Okay, eine kleine Bemängelung hätte ich dann doch. Warum ist das Ziel der Reise Alpha Centauri? Wir alle wissen, das ist unser Nachbar im Universum, läppische 4 Lichtjahre entfernt, also dürfte wahrscheinlich bekannt sein, ob es da einen Planeten gibt und wenn es einen mit Erdbedingungen gäbe, hätten wir schon alle davon gehört, also warum bitte kein Ziel, das etwas weiter entfernt ist und wo nicht ein halbwissender Klugscheißer wie ich direkt auf das Problem hinweisen kann?

Davon ab haben wir hier aber eine sehr schöne SF-Serie, die sich mehr und mehr weiterentwickelt und bei dem einem die Figuren, selbst die zunächst etwas nervige Tochter, ans Herz wachsen. Molly Parker kann die Serie locker tragen und Toby Stephens, vor vielen Jahren mal Bond-Bösewicht, ist inzwischen nicht nur kaum wiederzuerkennen, sondern auch perfekt für die Rolle des Vaters. Und auch der Rest der Besetzung macht das so gut, dass man sich eine zweite Staffel wünscht… wenn man auch nicht so ganz sicher sein kann, wo die Reise hingeht.

Mit

Molly Parker, Toby Stephens, Parker Posey, Taylor Russell, Mina Sundwall, Ray Jenkins, Ignacio Serricchio

Fortsetzung, Will Robinson?

Clevere Figuren, tolle Effekte, gute Geschichten. Zwar ein bisschen nach ähnlichem Muster pro Folge gestrickt (was will die Robinsons diesmal umbringen?), aber doch ausgesprochen unterhaltsam und gut genug für eine zweite Staffel! Ab 13. April 2018 bei Netflix.

DVD: Poldark – Staffel 3

Ross Poldark und seine Frau Dementia… Demelza in Cornwall. Es gibt weiterhin Probleme mit dem bösen Michael Douglas Doubel George Warleggan, aber auch ein ins Haus stehender Krieg mit Frankreich und Demelzas Brüder führen zu Verwicklungen, die vielen Beteiligten das Leben schwer machen…

Ernst sein ist alles

Schöne Landschaften, attraktive Menschen, ernste Gesichter. Es ist keine Serie der Freude, denn gelächelt wird nur selten. Auch in düsteren Geschichten kann Humor einen Platz haben, möglicherweise sogar, um die Düsternis noch zu verstärken, doch wer sein Drama gern etwas leichtfüßiger hat, der ist hier eher im falschen Teil von Cornwall. Die Menschen sind so rau und hart wie die Natur, genauso schön, aber auch genauso erbarmungslos.

Historienkostümdramaserie mit drmatisch romantischen Liebesgeschichten

Sehr angenehm ist allerdings, dass sich Figuren und Handlungsstränge weiterentwickeln. Von letzteren gibt es eine ganze Menge, nicht nur mit den Brüdern, wobei hier neben einer Liebesgeschichte die nicht sein darf und einem schmierigen Vikar auch die Religion immer präsenter wird, sondern auch mit dem Doktor und der ame seines Herzens. Sebstgeschaffene Probleme kommen allerdings auch von Poldark selbst, denn als man ihm einen Posten in der Justiz anbietet, lehnt er völlig sinnloserweise ab, was dazu führt, dass, natürich wer? Richtig, Georgy Warleggan den Job bekommt und der ist natürlich Richter und Henker in einer Person – gut gemacht, Poldi, mal weniger Stolz und mehr Mitdenken würde… zu anderen Handlungsbögen führen. Naja.

Schlechte Neuigkeiten für die weiblichen Zuschauer

Auf das eigentliche Alleinstellungsmerkmal dieser Serie, den nackten Oberkörper von Aidan Turner, wartet man vergebens. Stattdessen werden aber neue männliche Brustlandschaften eingeführt, vielleicht kann man bzw. frau sich ja auch dafür erwärmen.

Pip Torrens dagegen, der auch schon im britischen Original von „House of Cards“ mitspielte, klingt mehr und mehr wie die böse Paralleluniversum-Version von Hugh Laurie.

Bonus

Einmal mehr gibt es jede Menge Zusatzmaterial, das tiefere Einblicke in die Serie und ihre Entstehung gewährt, wobei einer der beiden Audiokommentare mit einer gut gelaunten Gruppe aus Schauspielern und Besetzung überdies sehr locker ist und Spaß macht.

Mit

Aidan Turner (Stefan Günther), Eleanor Tomlinson (Kaya Marie Möller), Jack Farthing (Sven Gerhard), Luke Norris (Peter Lontzek), Pip Torrens (Oliver Siebeck), Christian Brassington (Axel Malzacher), John Nettles (Norbert Langer)

Fazit

Solide Fortsetzung, die weiterhin mit ihrer Ausstattung und der herb-schönen Landschaft, wenn auch nicht der von Aidan Turner, glänzen kann, wobei sie einige interessante Handlungsstränge bietet, aber leider in einer Zeit spielt, bevor der berühmte britische Humor erfunden wurde. Ab 6.4.2018 auf DVD und Blu-ray.

DVD: VAN HELSING – Staffel 1

2019. nach der Vampirapokalypse. Menschen werden von Vampiren gejagt, aber es gibt eine Auserwählte, deren Blut Vampire in Menschen zurückverwandeln kann, womit die Gewerkschaft der Vampire (o.ä.) natürlich Probleme hat…

Wahre Geschichte

Nach einem Comic. Der genannt wird. Dass sich der Name „Van Helsing“ auf den Urmythos der Vampirgeschichten überhaupt bezieht, auf den von Bram Stoker geschaffenen Gegenspieler und Vampirjäger, der in „Dracula“ Dracula höchstpersönlich an den Sarg wollte, wird natürlich nicht erwähnt, also quasi die Quelle der Quelle. Davon abgesehen hat man ein bisschen das Gefühl, die Entstehung könnte so gelaufen sein:

Zombies macht grad jeder, das is n alter Hut, in was können wir das ändern?“

Mumien?“

Nein.“

Haie?“

Nein.“

Vampire?“

Gekauft!“

Okay, super. Sollen wir noch irgendwas an unserem Skript über die Zombieapokalypse ändern?“

Nö, wieso?“

Also haben wir Vampire, die sich mehr oder weniger wie Zombies verhalten… tja und mehr gibt’s da eigentlich kaum zu zu sagen. Hier und da ein wenig Blut, aber dass Vampire sexy sein können – oder eigentlich alles, was Vampire mal ausgemacht hat, bevor inzwischen jeder über sie rübergerutscht ist und sie zu dem gemacht hat, was auch immer er, sie oder es damit wollte – davon ist nix mehr übrig. Graf Dracule würde sich im Grab umdrehen, wenn er nicht einen Pflock in der Brust hätte. Also Blut gibt’s und auf die Fresse Gehaue, Rumgeschieße, aber Dank dem Thema Vampire kann man sich eine gute Ausleuchtung der Sets sparen, weil die kleinen Blutsauger ja eine Sonnenallergie haben, also bleibt vieles im Dunkeln, nicht nur handlungsmäßig sondern auch rein visuell.

Vampire, ein Nachruf

Der Vampir, meine lieben Brüder und Schwestern, ist tot, ausgestorben, umgebracht von denen, die sich seines Namens bemächtigt und ihn dann in den Untergang gestürzt haben. Knoblauch, Sonnenlicht, ein Pflock durchs Herz oder das Trennen des Kopfes vom Rumpf, all das waren dereinst die Wege, uns seiner zu entledigen. Doch dem ist nicht mehr so. Heutzutage kann man ihn mit Maschinengewehren niedermähen wie Alliierte Soldaten bei der Stürmung der Normandie. Der Vampir, wie wir ihn kannten und mochten, lebt nicht mehr – was für einen ohnehin Untoten die reine Ironie sein muss. Betrauern wir seinen Verlust und tragen wir ihn zu Grabe – aus dem er diesmal erstmals nicht wieder auferstehen wird!

Mit

Kelly Overton (Gundi Eberhard), Vincent Gale (Gerald Schaale), Christopher Heyerdal (Rainer Gerlach), Rukija Bernard (Sabine Jaeger), Jonathan Scarfe (Sebastian Christoph Jacob), Gwynyth Walsh (Traudel Sperber), Tim Guinee (Peter Flechtner)

Van Fazit

Das Thema Vampire ist genauso ausgelutscht, wie das der Zombies tot ist – und dem der Werwölfe ein wenig der Biss fehlt. Leider wird hier dem Genre kein frisches Blut eingeflößt. Wer aber trotzdem auf die Blutsauger steht, mag hier auf seine, ihre oder esse Kosten kommen. Ab 30.3.2018 auf DVD und Blu-ray.