DVD: Top of the Lake: China Girl

Staffel 2 der Serie von Jane Campion

Die Polizistin aus der ersten Staffel ist von Neuseeland zurück in Sydney. Da (be)findet sich nicht nur ihre Tochter, sondern auch eine Leiche, die in einem Koffer an den Strand gespült wird…

Persönlich werden

Oft sind die Detektive und ihre Fälle „sich nicht sympathisch“, um es mal so zu formulieren. Mord ist für den Polizisten Arbeit, die sich vielleicht auf sein Privatleben auswirkt, aber nur selten daran teilnimmt, indem es persönlich wird und Freunde zu Beteiligten oder Opfern werden. Professionelle Distanz gewissermaßen. In dieser Serie ist das ein wenig anders. Zudem werden in der ersten Folge eigentlich nur diverse Figuren eingeführt, bevor überhaupt im wahrsten Sinne des Wortes die Leiche auftaucht. Das ist ein sehr langsamer Weg, zumal alle Episoden knapp eine Stunde lang sind, aber tatsächlich führt am Ende alles irgendwohin und alle Figuren und Stränge, so merkwürdig sie auch teils erscheinen, sind nicht nur reiner Selbstzweck, sondern Teil der Gesamthandlung.

Style mit Substanz

Es ist ein wenig die Entdeckung der Langsamkeit in Sachen Mord, aber diese ist sehr kunstvoll in Szene gesetzt und, wie beschrieben, kein reiner Selbstzweck. Die Serie sieht gut aus, ist professionell und formschön gemacht und von einer starken Musik untermalt. Die scheint allerdings in einem Thema 1:1 von Steven Moffats „Jekyll“ kopiert zu sein, wenn mich da meine Erinnerung nicht trügt.

Die Tochter des Präsidenten und die Frau mit dem Schwert

Elisabeth Moss kehrt in ihrer Rolle aus der ersten Staffel zurück. Sie wurde bekannt als die Tochter von Präsident Martin Sheen in einer der besten Serien aller Zeiten, Aaron Sorkins „The West Wing“, die es in unserem traurigen Land nur zur Veröffentlichung der ersten Staffel auf DVD gebracht hat. Armes Deutschland! Aus dem Mädchen von damals ist nun eine Frau geworden, und das zeigt sie auch, denn in dieser Serie geht es im wahrsten Sinne des Wortes um

Sex and Crime

asiatische Prostituierte inklusive. Ihr, also der Polizistin, nicht der Prostituierten, zur Seite steht eine Frau, die durch eine andere großartige Serie bekannt geworden ist: Gwendoline Christie. Sie spielt in „Game of Thrones“ eine sehr große Frau, die sich als Ritterin durch die Welt schlägt, auch wenn sie beim Beschützen der Stark-Mädels nicht ganz so erfolgreich ist. Und dann gibt es noch einen ostdeutschen Professor, der einem nach dem „Genuss“ von „The Room“ und dem Genuss von „The Disaster Artist“ ein wenig an „Schauspieler“, „Autor“ und „Regisseur“ Tommy Wiseau erinnert – was vielleicht mehr Spaß macht, als es sollte.

Bonus

Ein paar kleinere Making-ofs mit netten Hinweisen auf die Serie und ihre beiden Staffeln.

Mit

Elisabeth Moss (Simona Pahl), Nicole Kidman (Petra Barthel), Gwendoline Christie (Swantje Wascher), David Wenham (Michael Lott)

Fa of the Zit

Sieht gut aus, ist ein bisschen langsam, führt aber alle Figuren und Handlungsstränge am Ende zusammen und ans Ziel. Eine stilvolle und etwas andere Art des Krimis. Ab 20.12.2017 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: Call My Agent! – Staffel 1

Eine Schauspieleragentur in Paris und jede Menge Probleme…

* * * Die erste Besprechung 2018 * * *

2018 beginnt (für mich) mit dieser Serie und so sage ich erstmal

Frohes neues Jahr

und wünsche allen das, was sie sie auch wünschen – und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Wenn wir uns an das letzte Jahr erinnern wollen (oder lieber nicht), das fing an mit einem absoluten Tiefpunkt („50 Shames of Black“, wie man dieses unterschwellige Plädoyer für Rassismus eigentlich nennen sollte), da haben wir (ich) es in diesem Jahr weit besser. Das Konzept der Serie bietet viele Möglichkeiten, besonders für eine scharfzüngige Abrechnung mit dem Filmgeschäft, doch leider bleibt das ein wenig in den Kinderschuhen stecken, aus denen es gerne hinauswachsen könnte.

Französische Serien

Beim Betrachten einiger französischen Serien der letzten Zeit ist mir aufgefallen, dass Privatleben und die Familie der Figuren oft eine gesteigerte Rolle spielen. So ist es auch hier. Hätte man (ich) gerne einen böse-satirischen Umgang mit dem Thema gesehen, spielt einmal mehr die Familie mit hinein. Man könnte sagen, dass das dem Ganzen eine neue Dimension verleiht, man könnte sagen, dass das schlicht der französische Weg ist, man könnte sich aber auch meiner Hoffnung von oben auf eine Serie anschließen, bei der andere Dinge im Fokus stehen. Ohne all das wäre es vielleicht eine Serie von knackigen Halbstündern mit scharfen und pointierten Dialogen. Die tauchen hier zwar auch hin und wieder auf, aber es mag an der Inszenierung liegen, dass sie nie das Potential entfalten, das sie entfalten sollten.

Französische Stars

Im Groben erinnert die Serie ein wenig an etwas wie Ricky Gervais „Extras“ (in meinen Augen seine einzige wirklich gute Arbeit, da ich nie ein Freund des Fremdschämens im Ausmaß eines „The Office“ war – wobei ich allen Interessierten aber den Großvater britischen Fremdschämens, „Alan Partridge“ alias Steve Coogan empfehlen würde, sehr schöne Sache, aber in Deutschland leider kaum bekannt) erinnert, wo es pro Folge auch einen Star als Gast (Stargast sozusagen) gab. In Ansätzen ist das hier auch so, was sich ja auch anbietet, aber irgendwie hat man da doch das Gefühl, dass englischsprachige Stars vielleicht ein wenig besser bekannt sind, zumindest hierzulande. In Frankreich wird das besser funktionieren, aber für jemanden, der mit dem französischen Markt nicht so vertraut ist, könnte da einiges von den guten Intentionen ein wenig verpuffen. (In Staffel 2 soll jedoch u.a. auch der französische Schotte Christopher Lambert dabei sein, da sprechen wir dann mal über das Thema Synchro). Wobei man zugeben muss, dass die Geschichte mit Nathalie Baye und Laura Smet sehr pfiffig ist, aber erstere dürfte tatsächlich die bekannteste Darstellerin in dieser Staffel sein.

Mit

Camille Cottin (Franziska Ball), Thibault de Montalembert (Thomas Darchinger), Grégory Montel (Mark Kuhn), Liliane Rovère (Ilona Grandke), Fanny Sidney (Ilena Gwisdalla), Stéfi Celma (Stephanie Marin), Nicolas Maury (Benjamin Levent Krause), Laure Calamy (Shirin Lotze), Cécile De France (Laura Preiss), Laura Smet (Jo Kern), Nathalie Baye (Manuela Renard)

Call My Fazit!

Auch wenn meine Besprechung vielleicht ein wenig negativ klingt, so haben wir hier durchaus eine nette Serie, die bisweilen recht witzig ist. Mir fehlt nur die Schärfe, die Satire, Dinge, die, wie uns die wunderbaren „OSS117“-Filme mit Jean Dujardin beweisen, den Franzosen durchaus liegen. Das hier ist mehr familienfreundlich. Ich würde mir wünschen, dass Staffel 2 ein wenig schärfer wird – und damit meine ich nicht die weibliche Besetzung. Ab 29.12.2017 auf DVD.

DVD: THE SHANNARA CHRONICLES – Die komplette 2. Staffel

Die Zukunft der Fantasy… spielt in der Zukunft.

Die Geschichte geht weiter, Elfen, Druiden, Dämonen, Prinzessinnen, alles, was dazugehört. Nur spielt das alles eben nicht in der Vergangenheit und Mittelerde sondern eher in der Zukunft und Mittelamerika. Naja, zumindest San Franzisko und das ist ja auf dem Weg dahin.

Fantasy für Jugendliche

Hatte ich beim letzten Mal noch geschrieben, dass die Serie eher für die jugendliche Zielgruppe geschaffen zu sein scheint und jugendgemäße Gewalt zeigt, hat sich zumindest letzterer Punkt geändert. Zwar sind alle Schauspieler etwa so alt wie die Zielgruppe, aber das Gewaltpotential hat zugenommen. Sehr! Muss man zwar auf „Game of Thrones“che Sexszenen weiterhin verzichten, so geht es doch an mancher Stelle recht blutig zur Sache, einschließlich appe Finger und n Kopp. Und was den Sex angeht… vielleicht nächste Staffel?

Was ein wenig fehlt – und was eigentlich ein interessantes Element gewesen wäre, wäre eine Verbindung von moderner Technik mit Magie, bzw. sogar Technik gegen Magie, spielt das alles doch in der Zukunft. Doch das ist bisher ausgeblieben. Stattdessen schwappt „Der Herr der Ringe“ diesmal eine Spur stärker in die Handlung, tauchen doch nicht nur Figuren auf, die an Nazgul, die schwarzen Reiter, erinnern, auch soll eine Gestalt zum Leben zurückgelotst werden, die einst besiegt wurde, aber den eigenen Tod nicht so ganz als Ende ansehen wollte und daher Vorbereitungen für eine Rückkehr getroffen hat, Sauron, ick hör dir trapsen.

Politisch korrekte Fantasy

Wird sich sonst häufig beklagt, dass es in der Fantasy zu wenig Frauen, Schwarze oder Asiaten gibt, und wenn, dass sie dann böse wären, haben wir hier die politisch korrekteste Fantasy, die man sich vorstellen kann – und damit inbegriffen eine Anbiederung an den asiatischen Markt.

Mit

Austin Butler (Max Felder), Poppy Drayton (Ilena Gwisdalla), Manu Bennett (Oliver Stritzel)

The Fazit Chronicles

Man erkennt viele Elemente aus bekannten Fantasy-Geschichten und ich muss gestehen, dass ich am Anfang ein wenig Probleme hatte, wieder reinzukommen, was auch an den vielen Figuren liegt, aber nichtsdestotrotz, man kann das Ganze als eine lange, durchgehende Geschichte sehen und ansehen und es ist durchaus unterhaltsam und stellenweise sogar recht brutal. Ab 21.12.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf Netflix: Black Mirror – Staffel 4

Vor ein paar Jahren schuf Charlie Brooker mit „Black Mirror“ eine neue Anthologieserie, die ein wenig im SciFi-Bereich angesiedelt ist, eigentlich in einer Zukunft, nur wenige Minuten von uns entfernt. Kern bei allen Geschichten ist die Technik – und was man alles damit machen kann. Und mit alles ist zumeist negatives gemeint. Zumindest – und das ist ein Spoiler für ALLE Folgen der Serie, und keiner für jeden, der schonmal eine gesehen hat – haben alle Episoden gemein, dass sie irgendwie schlecht ausgehen.

Großartige kranke Scheiße!

Wäre da eine durchaus treffende Umschreibung. Und das ist ausgesprochen positiv gemeint. Nicht alle Episoden sind gut, aber einige sind großartig. Und doch tun sie weh. Und gehen unter die Haut. In dieser Hinsicht ist sich Broker auch bei dieser Staffel treu geblieben.

Krass, hart, krank

Man muss es mögen, man muss damit klarkommen – und man muss in der richtigen Stimmung dafür sein. In einer gefestigten Stimmung, denn dass die Serie auch runterziehen kann, hat sie oft genug bewiesen. Sie lotet Grenzen aus und überschreitet sie oft, auf eine grausame, fiese, gut durchdachte, böse, aber auch unangenehme Weise – und doch unterhaltsam.

Anthologieserien

In gewisser Weise setzt Brooker das Konzept von Serien wie „Twilight Zone“ und „Outer Limits“ fort, wobei wir natürlich wissen, dass es Unterschiede zwischen den beiden Formaten gibt. Während „Outer Limits“ auch Fortsetzungen aufweist und Episoden, die sich aufeinander beziehen, steht bei Rod Serlings großartiger, bahnbrechender, vorwergnehmender und wegbereitenden „Twilight Zone“ jede Episode für sich allein. Beim Schwarzen Spiegel ist das auch so. Zwar haben alle Geschichten das Thema Technik zum Hintergrund, Dreh- und Angelpunkt, aber jede davon scheint in ihrem eigenen Universum, ihrer eigenen Version einer technisierten Zukunft zu spielen. Soviel zur Einordnung.

Staffel 4

Arkangel“ zeigt uns, unter der Regie von Jodie Foster, dass es bei zu sehr behütenden Müttern schlecht ist, wenn man ihnen die Technik zur Verfügung stellt, mit der sie ihre Kinder noch mehr überwachen können, wobei eine durchaus ordentliche Episode herausgekommen ist, die es mit den Höhepunkten dieser Staffel aber schwerlich aufnehmen kann.

USS Callister“ ist großartig und brillant, ein Hauch „Raumschiff Enterprise“, ein Schuss „Galaxy Quest“, eine dicke Prise von Lt. Barclay aus „TNG“ und das ganze abgeschmeckt mit den Gewürzen von „Black Mirror“ schafft ein wunderbares Gericht, das, wie Rache, am besten kalt serviert wird. Gran-di-os!

In „Crocodile“ geht es um Mord und Totschlag, aber leider zieht sich das ganze ein wenig, bis es zu einer schönen Schlusspointe kommt.

Hang the DJ“ präsentiert uns eine interessante Art des Datings und ist wieder ausgesprochen gut.

Metalhead“ ist eine einfache Verfolgungsjagd Mensch gegen Maschine, was zwar tricktechnisch toll gemacht ist, aber auch ein wenig zäh und für diese Serie nachgerade unoriginell.

Black Museum“ gibt uns ein Schwarzes Museum, das uns ein paar Geschichten offenbart, eine kleine Grandiosität und ein schöner Abschluss… auch wenn ich das alles in falscher Reihenfolge gesehen habe und das hier für mich die erste war.

Mit

Rosemarie Dewitt, Jesse Plemons, Cristin Milioti, Jimmi Simpson, Andrea Riseborough, Georgina Campbell, Joe Cole, George Blagden, Maxine Peake, Douglas Hodge, Letitia Wright

Black Fazit

Licht und Schatten in einer Serie, die den Schatten vorzieht, ihn aber nach allen Regeln der Kunst technisiert. Wenn man wissen will, auf welche Abgründe unsere heutige Technik möglicherweise zusteuert, findet man in dieser Serie immer ein paar wunderbar-fürchterliche Beispiele – und da macht diese Staffel keine Ausnahme. Ab 29. Dezember 2017 auf Netflix.

DVD: KOMMISSAR MAIGRET – Staffel 2: Die Nacht an der Kreuzung / Die Tänzerin und die Gräfin

Zwei neue Fälle für Maigret:

Die Nacht an der Kreuzung“

In einem Auto wird die Leiche eines Mannes gefunden, was den Wagenbesitzer, der ein sehr merkwürdiger Mensch ist, ausgesprochen verdächtig macht, zumal er direkt zu fliehen scheint…

Die Tänzerin und die Gräfin“

Eine Tänzerin sagt der Polizei, dass sie von der anstehenden Ermordung einer Gräfin gehört, doch man findet diverse Leichen, zu denen auch sie gehört…

Rowan Atkinson holt auf

Und sogar ein. Jean Gabin, um genau zu sein. Der wohl berühmteste Maigret-Darsteller – und möglicherweise der einzige, der ihn auf der großen Leinwand porträtiert hat – kommt auf vier Filme. Das schafft Rowan Atkinson hiermit nun auch. Womit er mit Gabin gleichzieht – und wer kann das schon von sich behaupten?

Eine Art französischer Hercule Poirot

Nicht, weil der eine Belgier und der andere Franzose ist, sondern weil beide in ihrer filmischen Umsetzung miteinander verwandt zu sein scheinen. Beide haben es ins Kino geschafft, aber nur mit kleinen Ausschnitten aus dem Gesamtwerk der zugrunde liegenden literarischen Schöpfung, doch dann wurden viele (oder gar alle) Geschichten in einer Fernsehserie umgesetzt… in einer britischen Fernsehserie. Und nun kehren sie zurück, wieder von Briten interpretiert. Doch während man sich bei der jüngsten Kinoumsetzung von Agatha Christies belgischem Schnüffler fragen muss, wer denn da nun arroganter ist, der Detektiv oder der Mann, der ihn spielt und als Regisseur (und damit vor allem sich selbst) in Szene setzt, hat man diese Bedenken bei Rowan Atkinsons Darstellung von George Simenons bedächtigem Kommissar nie. Denn genau das ist er, bedächtig, zieht nachdenklich an seiner Pfeife (wie wir wissen, das Suchtinstrument von Detektiven weltweit, Sherlock Holmes hatte eine, Philipp Marlowe hatte eine, Miss Marple… ist da dann wohl die Ausnahme) und spricht hin und wieder mit seiner Frau, die dadurch in doppelter Hinsicht clever in die Fälle integriert wird, denn einerseits ist sie so auf clevere Weise Teil der Handlung, andererseits ist sie selbst aber auch clever und kann so einen Beitrag zur Auflösung leisten. Das ist schön und schafft irgendwie eine warme Atmosphäre.

Die Fälle selbst sind schön gestaltet, haben genug falsche Fährten, dass man sich am Ende von der Lösung überraschen lassen kann und hin und wieder gibt es sogar eine Actionszene. Und sogar ein Deutscher darf einmal mehr zeigen, dass er ein wirklich guter Schauspieler ist; Tom Wlaschiha aus „Game of Thrones“, der Mann ohne Gesicht, dem hier… ein Teil seines Gesichts fehlt. Böses Typecasting!

Mit

Rowan Atkinson (Lutz Mackensy), Shaun Dingwall (Oliver Siebeck), Mark Heap (Klaus Peter Grap), Douglas Hodge (Olaf Reichmann), Tom Wlaschiha

Kommissar Fazit

Ruhig und bedächtig, ein Rowan Atkinson, der in der Rolle des Maigret so richtig aufgeht und gute Fälle – alles in allem eine echte Freude für Krimifans. Ab 27.12.2017 auf DVD und Blu-ray.

DVD: SS-GB

Deutschland hat, nun, vielleicht nicht den Zweiten Weltkrieg gewonnen, doch aber die „Luftschlacht um England“ (mit Michael Caine), was dazu geführt hat, dass das Vereinigte Königreich nun von Deutschland okkupiert wurde. Als ein Mord geschieht, ermittelt ein britischer Scotland Yard Mann, aber auch ein kühler Deutscher aus Deutschland wird eingeführt. Und dann gibt es ja noch den König und den Widerstand…

Themenabend: Hitler hat gewonnen

Die Grundidee ist natürlich sehr spannend. Wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten, wie würde die Welt dann aussehen? Hätten wir McDonald’s in den Innenstädten und „Friedmann“ im Fernsehen? Nun, so weit geht die Serie nicht, also rein zeitlich, weil sie 1942 spielt und da war an derartige Fernsehformate noch nicht zu denken, war doch Hitler einer der wenigen, der gesendet hat (siehe „Contact“ mit Jodie Foster). So spielt das denn alles im besetzten England, ein Konzept, dass wir ähnlich auch in der letzten Staffel von „Star Trek: Enterprise“ gesehen haben, wo Nazis from Outerspace zusammen mit irdischen Vertretern Teile der USA beherrschen. Leider hat man das Gefühl, dass man mehr aus der ganzen Sache hätte machen können, was aber vielleicht auch ein Problem der Zeit ist, denn heutzutage könnte das auch 1:1 in Afghanistan oder Irak spielen, aber die waren zu Zeiten des Buches, auf dem die Serie beruht, noch nicht erfunden.

The Bond Connection

Die literarische Vorlage hierzu stammt… nicht von Norman Spinrad, der mit seinem „Der stählerne Traum“ ein ähnliches Grundszenario schuf. Ihr Autor war Len Deighton, den wir woher kennen? Richtig, aus den 60ern. Denn damals schrieb er Agentenromane mit einem namenlosen Helden, aus dem ein namhafter wurde, „das intellektuelle Gegenstück zu James Bond“, wie es gerne genannt wurde, mit einem noch namhafteren Hauptdarsteller: Michael Caine (s.o.) als Harry Palmer, der es zu drei Filmen brachte (und zwei Fernsehfilmen, auf die wir nicht näher eingehen wollen), von denen zwei ziemlich gut sind und der dritte eher ein Abklatsch als ein Gegenstück von und zu Bond. Da das (Spin)Rad der Geschichte sich weiterdreht, wurde sein Roman nun adaptiert von zwei der Typen, die seit Daniel Craig für die Bond-Drehbücher verantwortlich zeichnen. Ob das nun für Qualität spricht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

EingeBrockt

Als ich vor ein paar Jahren „Lauf, Junge, Lauf“ gesehen habe, dachte ich, dieser Rainer Brock ist gar nicht schlecht, den sollte man öfter mal sehen. Hab ich sogar geschrieben. Inzwischen ist genau das eingetreten – und ich kann ihn langsam nicht mehr ertragen. Tja, immer vorsichtig mit den Wünschen sein. Dafür ist aber wenigstens schön, dass die Nazis, äh, die Deutschen, hier alle richtiges Deutsch sprechen, das hat man ja auch nicht immer.

Bonus

Ein paar Featuretten, die einige nette Einblicke geben.

Mit

Sam Riley (Michael-Che Koch), Kate Bosworth (Daniela Bette-Koch), Lars Eidinger, Rainer Brock, James Cosmo (Gerhard Fehn), Christina Cole (Svenja Wasser), Nicholas Farrell (Fritz Stavenhagen), Jason Flemyng (Maximilian Hildbrand)

FA-ZT

Schönes Grundkonzept, aber es könnte spannender oder gar subversiver sein, was aber beides eher in den Ansätzen stecken bleibt. Am Ende gibt es eine nette Aufklärung, der Weg dahin hätte aber durchaus etwas straffer gestaltet werden können. Wer wissen möchte, wie Großbritannien aussehen würde, wenn die Nazis gewonnen hätten (was zumindest diese Idiotie mit dem Brexit verhindert hätte), der hat ab 20.12.2017 auf DVD und Blu-ray Gelegenheit dazu.

DVD: Crazyhead / 1. Staffel

Junge Frau glaubt, sie hätte Halluzinationen, doch dann lernt sie eine andere junge Frau kennen, die ihr sagt, sie könne in Wirklichkeit Dämonen sehen – und da die das wissen, ist Ärger natürlich vorprogrammiert…

Britische Horror-Comedy

Die Serie arbeitet auf drei Ebenen:

Da ist der Horroraspekt, der durchaus gut funktioniert.

Da ist der Comedyaspekt, der auch gut läuft, weil mit Brechungen gearbeitet wird, die die Szenen nett ironisieren und auch die Dialoge sind gut geschrieben.

Und da ist der, mit letzterem verbundene, Unter-der-Gürtellinie-Aspekt. Da ich da erklärtermaßen kein Freund von bin, kann ich da auch wenig Freude dran finden. Insofern lautet mein – sehr persönliches – Urteil:

Zu 2/3 gut!

Wem pubertärer Sexhumor aus den Mündern von Mädels aber gefällt, der könnte hier die volle Punktzahl erreichen. Ansonsten sind die Effekte ziemlich gut, die Geschichte an sich nicht wirklich neu, aber mit erwähntem Humor durchaus ansprechend umgesetzt und auch die Schauspieler und -innen sind alle in Ordnung. Es gibt sogar die eine oder andere Wendung.

Currancy

Es gibt auch ein Wiedersehen mit dem Unsichtbaren. Tony Curran gab ihn in „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, wir erinnern uns, dem Film, der Sean Connerys Filmkarriere beendete. Seitdem ist er öfter im Fernsehen zu sehen, also Curran, nicht Connery. Von der SciFi-Serie „Defiance“ habe ich ihn als eher eintönig und nervig in (schlechter) Erinnerung, aber hier kann er seine Ader zum Bösen angenehm amüsant fies rauslassen.

Mit

Cara Theobold (Josephine Schmidt), Susan Wokoma (Ilona Otto), Lewis Reeves (Rainer Fritzsche), Tony Curran (Frank Röth), Anrinzé Kene (Julien Haggége), Charlie Archer (Sebastian Kluckert)

Fazithead

Gelungene Mischung aus Horror und Comedy, die aber auch gut auf ihre Ausflüge unter die Gürtellinie verzichten könnte, ohne dabei etwas zu verlieren. Ab 7.12.2017 auf DVD und Blu-ray.