Heimkino: THE LAST WAVE

© 2020 LEONINE

Die komplette Miniserie

Eine geheimnisvolle Wolke erscheint in der Nähe der französischen Küste. Als eine Gruppe Surfer für eine Veranstaltung ins Wasser geht, nähert sie sich und alle verschwinden. Später tauchen sie wieder auf, doch sie sind verändert…

Mystery aus dem Frankenreich

Es fängt sehr vielversprechend an. Die mysteriöse Wolke, die Wiederkehr, neue Fähigkeiten… All das ist so, wie man es sich erhofft. Auch die Wolke sieht gut aus und vermittelt eine gewisse Bedrohlichkeit. Nicht ganz realistisch ist, dass sich nicht innerhalb einer Woche die gesamte Weltpresse am Strand einfindet, um über das stationäre Wettergebilde zu berichten, aber das lässt sich durchaus noch verschmerzen.

Lost again?

Was schwieriger ist und die ganze Sache am Ende ein wenig unbefriedigend macht, ist der Mangel an Auflösung, nicht der Wolke selbst, sondern dessen, was sie nun eigentlich war oder wollte oder überhaupt. Da hätte es so schöne Möglichkeiten mit Außerirdischen oder Zeitreisenden oder sonstwas gegeben, doch was man am Ende erfährt ist, nahezu, nix. Und das ist frustrierend. Es ist die Schule von J.J. Abrams, der immer ein auf den ersten Blick interessantes Geheimnis in den Raum stellt, das am Ende aber zu einem echten Ärgernis wird, weil er von Anfang selbst an keine Ahnung hat, was denn nun eigentlich die Auflösung dafür ist. Womit er das Prinzip einfach nicht verstanden hat. Alfred Hitchcock hat gerne „Macguffins“ verwendet, etwas, das die Handlung ins Rollen bringt, aber letztlich dann doch keine so große Bedeutung hat. Abrams zieht das Pferd von der falschen Seite auf und deutet alle paar Sekunden mit dem Finger auf sein „Geheimnis“ und brüllt einen an, dass es TOTAL WICHTIG ist, und dann kapiert er nicht, dass, wenn er die Antwort, warum das so ist, schuldig bleibt, alles rückwirkend komplett ruiniert wird. Hitchcock lockt einen mit einem Appetitanreger und präsentiert einem dann einen Hauptgang, Abrams redet nur über den Hauptgang, schafft es aber nicht, ihn zu servieren. Und so endet nach langem Gerede über andere Leute diese Serie eben auch damit, dass man letztlich nicht weiß, was das alles nun sollte, was die Wolke wollte und warum es nicht „Die Wolke“ sondern „Die letzte Welle“ hieß, auch wenn Wellen eigentlich nicht so große Rollen spielen. Man könnte sagen, dass all das, was der Kollege Wunderheiler an unausgegorenen Theorien in den Raum schwafelt, dass sich „die Natur“ wehrt und all das, der Wahrheit letzter Schluss ist, aber das hält, unterm Elektronenmikroskop betrachtet, auch nicht wirklich stand.

OT: La Dernière Vague

David Kammenos (Sebastian Christoph Jacob), Marie Dompnier (Katharina Spiering), Capucine Valmary (Franziska Trunte), Lola Dewaere (Nora Kunzendorf), Arnaud Binard (Thomas Schmuckert), Gaël Raes (Emile Ismailov), Roberto Calvet (Nicolas Rathod), Guillaume Cramoisan (Sascha Rotermund), Théo Christine (Lasse Dreyer), Isabel Otero (Svantje Wascher), Olivier Barthélémy (Christoph Drobig)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Das letzte Fazit

Außer Spesen nichts gewesen. Ein Mysterium in den Raum zu stellen, das man am Ende nicht befriedigend auflöst, ist und bleibt einfach unbefriedigend und so wird der gute Anfang am Ende ein wenig negiert. Ab 10. Juli 2020 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: COLONY – Staffel 2

Im besetzten Los Angeles versucht ein Polizist noch immer, einen seiner Söhne zu finden, während ein anderes seiner Kinder in Gefangenschaft gerät und seine Frau für den Widerstand tätig ist…

Mysteriöse Besatzer

In der ersten Staffel haben wir nicht wirklich erfahren, was eigentlich passiert ist und wie es zu der Besatzung kam… diesmal bekommen wir hier und da ein paar Informationen in dieser Richtung. Man reicht uns kleine Puzzlesteine, die uns Details liefern, aber das Gesamtbild bleibt uns weiterhin verwehrt. So spannend es auch ist, immer mal ein bisschen mehr zu erfahren, so wissen wir doch noch immer nicht, wer die Fremden sind und was sie eigentlich vorhaben. Das hält einen noch bei der Stange, würde aber extrem frustrierend werden, wenn man es bis zum Ende der gesamten Serie nicht erfahren würde. Warten wir also ab – und hoffen auf ein bisschen Aufklärung am Schluss.

Kollaborateur City

Während wir ein paar Hinweise darauf erhaschen, dass die Fremden einen Plan haben, wie auch immer der aussehen mag, so bleibt da doch weiterhin ein klitzekleiner Haken, was die Gesamtsituation angeht. Zwar wird immer von den Besatzern gesprochen, doch weiterhin bekommt man keinen von denen zu sehen – und weiterhin wird ALLE Drecksarbeit von Menschen gemacht. Jeder, der für die ominösen Fremden arbeitet und dabei noch gerne Nazimethoden anwendet, ist schlicht ein Kollaborateur, doch die Erklärung, die uns sagt, warum so viele da so einfach mitmachen, bzw. was genau passiert sein muss, damit sie sich auf diese Weise in diese Situation gefügt haben, bleibt weiterhin aus… was ein bisschen schade ist, da hier eine Motivation zu finden wäre, die man auf spannende Weise ausloten könnte. Durch die Blume kann man erahnen, dass die ganze Welt in Blöcke aufgeteilt ist, aber wie sie sich wirklich gestaltet, bleibt auch noch ein bisschen im Unklaren.

Mit

Josh Holloway (Sven Gerhardt), Sarah Wayne Callies (Antje von der Ahe), Peter Jacobson (Jaron Löwenberg), Tory Kittles (Dennis Schmidt-Foß), Amanda Righetti (Nora Kunzendorf), Adam Busch (Dirk Stollberg), Kathleen Roese Perkins (Heide Ithlenfeld), Tony Plana (Matthias Klages)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Weiterhin spannend und interessant… aber vielleicht nicht ganz so durchdacht, wie man sich das wünschen würde? Ab 3. Juli 2020 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Soko 5113 – Staffel 4

Das Vorabendprogramm geht weiter…

Die Sonderkommission unter Göttman ermittelt weiter, und diesmal spielen Drogen eine große Rolle…

Konzeptänderung

Es sieht so aus, als habe es seit der letzten Staffel eine kleine Änderung bei Konzept und Ausstrahlung gegeben. Hatte man vorher eine längere Episode, die in zwei Teilen ausgestrahlt und für Werbung unterbrochen wurde, wobei alle Folgen einen staffelübergreifenden Handlungsbogen besaßen, ist man nun auf kurze Folgen umgestiegen, die dann aber wahrscheinlich nicht direkt nacheinander, sondern wohl eher im Wochentakt gezeigt wurden. Dadurch ergeben sich Dreiteiler und Einzelepisoden, der Handlungsbogen selbst ist zwar vom Hauptthema bestimmt, aber freier in seiner Umsetzung. Was ein bisschen schade ist, ist, dass manches ins Leere zu laufen scheint. Da gibt es Dialoge und Andeutungen, doch die weitere Ausarbeitung bleibt aus.

Moe Tivation

Vielleicht liegt es daran, dass man inzwischen so viel anderes kennt, aber an manchen Stellen fragt man sich, warum man das, was passiert, nicht in den Dienst der Handlung gestellt hat? An einer Stelle hat einer der Polizisten einen Autounfall, ist dabei betrunken und verliert seinen Führerschein. Das führt dann leider nicht so richtig zu was, auch wenn es später krz wieder aufgegriffen wird, während man es auch so hätte drehen können, dass all das nur vorgetäuscht ist, damit er als “dreckiger Bulle” die Gangster infiltrieren kann. An einer anderen Stelle hat ein anderer Kollege was mit einer Frau von der Presse, was zu einer schlechten solchen führt… doch das kehrt niemals wieder zurück. Dafür wird undercovert und das Ausland bereist, sogar ein Aufenthalt im Knast wird den Kollegen beschert, so dass sie stets an unterschiedlichen Fronten tätig sind. Gut und realistisch ist, dass die Beamten nicht perfekt sind und hier und da auch mal Mist bauen und auch Amtsschimmel und Bürokratie funken immer mal wieder in den Polizeialltag hinein.

Episodenübersicht
Kokain – Teil 1
Kokain – Teil 2
Kokain – Teil 3
Rosis Brüder – Teil 1
Rosis Brüder – Teil 2
Blüten und Heroin
Bruchlandung – Teil 1
Bruchlandung – Teil 2
Tod in Kapseln – Teil 1
Tod in Kapseln – Teil 2
Knastdealer – Teil 1
Knastdealer – Teil 2
Knastdealer – Teil 3

Mit

Werner Kreindl, Wilfried Klaus, Ingeborg Schöner, Diether Krebs, Bernd Herzsprung, Giovanni Früh und Rolf Schimpf, Michaela May, Hannes Gromball, Heinz Hönig, Bruno W. Panthel, Mathias Ponnier, Claus Wilcke, Gernot Duda, Dirk Galuba, Jörg Hube, Arthur Bauss, Udo Thoma, Franz Rutnik, Renate Küster

Fazit 5113

Gute Serie, die zu recht mit ihren aktuell 40 Jahren Dienstzeit sehr langlebig ist. Ab 3. Juli 2020 auf DVD.

Heimkino: Es war einmal… Amerika

Die Geschichte Amerikas, von der allerersten Besiedelung an, kindgerecht erzählt…

Bildung kann auch Spaß machen

Und die Historie in kleinen Geschichtchen verpackt zu präsentieren ist eine schöne Idee. Hier handelt es sich um die Geschiche Amerikas und die Box enthält alle 26 Folgen der Serie. Man erfährt, wie die ersten Ureinwohner dorthin kamen, lernt etwas über die Azteken, hat eine Begegnung mit Cortez und den Konquistadoren, sieht wie es um England und seine Kolonien bestellt ist, kämpft ein bisschen im Unabhänigkeitskrieg mit, profitiert ungeheuer von der Sklaverei und dem Godlrausch, sieht das Ende der Indianer und die Gründung der Vereinigte Staaten – und all das so, dass man es gut verstehen kann. Doch leider ist diese Geschichtsstunde kein reines Vergnügen…

Kinderserie – und ein Kind seiner Zeit

Ein leicht bitterer Beigeschmack kommt aber durch die deutsche Fassung. Die stammt aus einer Zeit, in der man sich noch an Ulksynchros im Stile von Rainer Brandts „Die 2“ erfreute – und man muss leider attestieren, dass davon nicht alle gut gealtert sind. Hier sind die Texte und ihre Umsetzung dergestalt, dass sie vielleicht noch für die ganz Kleinen funktionieren, wer aber mal aus dem Alter für Brandtsynchros herausgewachsen ist, kann hier durchaus Schwierigkeiten bei empfinden und sich bei den Schüttelreimen wirklich schütteln.

Episodenübersicht

DVD 1
1. Die ersten Amerikaner
2. Jäger und Sammler
3. Die Eroberer des hohen Nordens
4. Das ersehnte Land
5. Tempel, Städte, Pyramiden
DVD 2
6. Die Azteken vor der Eroberung
7. Der Traum des Christop Kolumbus
8. Amerika
9. Cortez und die Azteken
10. Viva Mexiko!
DVD 3
11. Pizarro und das Reich der Inka
12. Jacques Cartier
13. Die Zeit der Konquistadoren
14. Samuel Champlain
DVD 4
15. England und seine Kolonien
16. Die Indianer im 17. Jahrhundert
17. Die Indianer im 18. Jahrhundert
18. Ein Traum geht zu Ende
DVD 5
19. Ein neues Land entsteht
20. Der Unabhängigkeitskrieg
21. Der Sklavenhandel
22. Die Pioniere
DVD 6
23. Simon Bolivar
24. Der Goldrausch
25. Das Ende der Indianer
26. Die Vereinigten Staaten

Es war einmal… Fazitika

Viele Jahrhunderte Geschichte kindgerecht aufgearbeitet, aber leider mit einer Synchro, die so heute nicht mehr funktioniert. Ab 26. Juni 2020 auf DVD.

Heimkino: INSTINTO

Ein neumodischer Wagen, altmodischer Sex und ein behinderter Bruder…

Langsamer Ausbau

In der ersten Episode erschließt sich einem nicht so recht, worum es eigentlich geht, aber nach und nach erweitert sich das Bild und für den Zuschauer auch das Verständnis. Es ist weniger ein Fluss, in dem alles zusammenläuft, als vielmehr eine Art Puzzle, bei dem sich mehr und mehr Teile zusammenfügen, so dass man mehr und mehr versteht. Viele Elemente tauchen auf und nehmen an dem Puzzlegeschehen Teil, z.B. die Mutter und der Bruder. Sex spielt selbstredend auch eine starke Rolle und langsam kristallisiert sich heraus, warum die Hauptperson eine so spezielle Beziehung dazu hat, die ein wenig aus Kubricks „Eyes Wide Shut“ entstiegen zu sein scheint.

Integration und Interaktion

Auch die Interaktionen der Figuren entwickeln sich mehr und mehr zu einem Gefüge, das weniger für Verwirrung als vielmehr für Intrigen und gegenseitigen Betrug sorgt. Irgendwann greift vieles davon ineinander, auch wenn das futuristische Auto aus der Einleitung bald vergessen scheint und auch der Aspekt des Thrillers, der im Bonusmaterial propagiert wird, nicht ganz erreicht wird und eher in Richtung Familiendrama geht, aber das macht das Ganze nicht weniger unterhaltsam.

Spanien inklusionive

Dies ist (nach „Perfect Life“) schon die zweite spanische Serie dieses Jahr, die nicht nur einen sehr offenen Umgang mit Sex pflegt, sondern auch eine behinderte Figur in den Mittelpunkt stellt. Respekt – und vorbildlich!

Bonus

Interviews und ein Making-of, in denen man darüber erfährt, was die Beteiligten über ihre Figuren und auch die Serie selbst denken.

Mit

Mario Casas (Karim El Kammouchi), Ingrid Garcia Johnsson (Nurcan Özdemir), Jon Arias (Sebastian Christoph Jacob), Silvia Alonso (Nicole Hannak), Lola Duenas (Melanie Pukaß), Oscar Casas (Nicolas Rathod)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazito

Ein bisschen Familiendrama, ein Schuss Sex – und am Ende fügt sich alles zusammen. Ab 18. Juni 2020 auf DVD.

Heimkino: Agatha Christie: MARPLE – Staffel 5

Die alte Frau und der Mord…

Mord ist ihr Hobby“

Nur, dass die gute Miss Marple nicht darüber schreibt. Aber wenigstens ist sie inzwischen ein wenig aktiver, saß sie doch vorher oft nur am Rande, auch des Geschehens, und mischte sich auf der Zielgeraden mit ihrer Lösung ein, was sie durchaus ein wenig uninteressant und langweilig wirken ließ. Hier aber lässt sie nicht alles an sich vorbeilaufen, sondern wid selbst Teil der Handlung, was Fällen und Figur durchaus gut tut.

Abzüge in der B-Note

Das, womit diese Inkarnation von Agatha Christies in die Jahre gekommene Meisterdektivin oft trumpfen konnte, war das Aufgebot an Stars. Diesmal ist das Angebot leider nicht ganz so oppulent. Da hätten wir Sarah Alexander aus der exzellenten Serie „Coupling“, die an dieser Stelle empfohlen sei. Aus dem Whoniversum scheint diesmal niemand wichtiges vertreten zu sein und selbst in Sachen James Bond hatte die Serie schon mehr zu bieten. Toby Stephens war 007s Gegenspieler bei Pierce Brosnans letztem Bond-Auftritt „Stirb an einem anderen Tag“, ein Film, der zu Unrecht verschrien ist, ist doch die erste Stunde (mit Aussnahme von Madonnas Foltersong, der uns die Qualen miterleiden lässt, die der Agent in seiner Gefangenschaft durchstehen muss, auch wenn das bestimmt nicht so gemeint war) so ziemlich das Beste, was Bond in den letzten 20 Jahren zu bieten hatte – und ja, ab da kackt der Film dann leider ziemlich ab. Joanna Lumley traf den Agenten „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ in gleichnamigem Film, wechselte später zu den „New Avengers“ (also nicht Marvel, sondern „Mit Schirm, Charme und Melone“) und dürfte mit „Absoluteley Fabulous“ Fernsehrum erreicht haben. Und dann wäre da noch Bonds Vorgesetzter M. Der wurde in „Sag niemals nie“ von „Schakal“ Edward Fox gespielt – einem Mann mit Agatha Christie-Erfahrung, war er doch zusammen mit Angela Landsbury in „Mord im Spiegel“… spielt in dieser Inkarnation aber leider nicht die gleiche Rolle, sondern in einer anderen Episode mit.

Die Fälle (2010)

„Das fahle Pferd“

„Die Memoiren des Grafen“

„Die blaue Geranie“

„Mord im Spiegel“

Mit

Julia McKenzie (Liane Rudolph) sowie Neil Pearson (Till Hagen), Sarah Alexander (Maria Jany), Toby Stephens (Manou Lubowski), Sharon Small (Diana Borgwardt), Kevin McNally (Joscha Fischer-Antze), Donald Sinden (Horst Lampe), Paul Rhys (Oliver Stritzel), David Calder (Bert Franzke), Mathew Horne (Fabian Oscar Wien), Adam Godley (Oliver Siebeck), Jonas Armstrong (Tim Knauer), Stephen Dillane (Bernd Vollbrecht), Lindsay Duncan (Gabriele Libbach), Hugh Bonneville (Erich Räuker), Joanna Lumley (Andrea Aust), Edward Fox (Jürgen Thormann)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Miss Fazit

Dass die neugierige Dame endlich ein aktiverer Teil ihrer eigenen Fälle ist, kommt der Sache sehr zugute. Ab 26. Juni 2020 auf DVD.

Heimkino: Colonia Dignidad – Aus dem Innern einer deutschen Sekte

Vierteilige Dokumentation

Über die „Kolonie der Würde“, die diesem Namen in keinster Weise Ehre gemacht hat. Es war in den 60er Jahren, als eine Gruppe Deutscher, angeführt von einem Anführer, sich aufmachte, im fernen Chile eine Kolonie zu gründen, die dort der gebeutelten Bevölkerung helfen sollte, in der aber auch sehr unangenehme Dinge geschahen.

Gut und Böse liegen manchmal näher beieinander als man denkt

Die Geschichte, die wir hier präsentiert bekommen, ist gruselig, schlimm und furchtbar und das lässt man denjenigen, der sich nicht mit ihr auskennt, auch gleich zu Anfang wissen. Wir werden sehen, dass dort unschöne bis schreckliche Dinge passiert sind – wir sehen aber auch, dass die Kolonie teilweise sogar etwas gutes geschafft hat. Was das Ganze vielleicht umso schlimmer und perverser macht, da man es dadurch nicht komplett verbannen und in jenen Kreis der Hölle schicken kann, in den es gehört. Da der Begriff „Sekte“ eigentlich nie wirklich positiv besetzt war, kann man sich ausrechnen, dass hier etwas unangenehmes das Thema sein wird – aber wie unangenehm, nun, das übertrifft dann traurigerweise so manche Erwartungen.

Würde würde nicht schaden

Für diejenigen, die sich mit der Colonia Dignidad nie so recht auseinandergesetzt haben, soll deshalb an dieser Stelle auch nicht mehr verraten sein, aber wer eine grauenvolle Geschichte, die das Leben schrieb, erleben möchte, in der es auch um das Folgen eines Führers, wenn auch nicht des Führers (denn zum Glück haben der olle Addi und sein Haus- und Hofbiograph Guido Knopp da kein Copyright drauf), um Glauben, Verehrung, Familie und das Ausnutzen von Menschen geht, um nur ein paar der Highlights zu nennen, der bekommt hier spannende und unter die Haut gehende Unterhaltung.

Bonus

Zwei weitere Interviews, die noch einmal interessante Einblicke bringen.

Regie: Annette Baumeister, Wilfried Huismann

Colonia Fazidad

Kranke Scheiße… Spannend und unangenehm, ein Horrorszenario, das faszinierend ist – und bei dem man sich wünschen würde, dass es nur der Phantasie entsprungen wäre und nicht der grausamen Wirklichkeit. Ab 29. Mai 2020 auf DVD.

Schlechte Gesellschaft für gute Serien?

Manchmal fragt man sich, was hierzulande so erfolgreich ist… oder was nicht? „Doctor Who“ hat diverse Anläufe gebraucht, bevor es zu einem Hit wurde – und das kann man schon so sagen, da man seit einigen Jahren damit begonnen hat, auch ältere Abenteuer aus seiner jahrzehntelangen Geschichte zu synchronisieren und zu veröffentlichen. Der Doktor ist also endlich bei uns angekommen… aber bei anderen Serien scheint das nicht so zu sein.

Der Westflügel

Gemessen“ wird in diesem Fall der Erfolg oder Mangel an solchem daran, wie weit z.B. eine DVD-Veröffentlichung einer gewissen Serie fortgeschritten ist. Sicher, in Zeiten von Streaming mag das keine Messlatte sein, aber ich bin die altmodische Art von Detektiv, die ihre Filme und Serien gerne auf physischen Medien hat. Nehmen wir eine Serie wie „The West Wing“. Großartig gespielt, großartig geschrieben, aber erst Jahre später nach Deutschland gekommen. Die deutsche Fassung ist gut – und doch ist bei uns von dieser aus der Feder von Aaron Sorkin stammenden Serie nur eine von sieben Staffeln auf DVD erschienen. Schande (ein Wort, das noch mehrmals wiederkehren wird).

Comedy

Man muss ja schon dankbar sein, dass es eine so abgedrehte Serie wie „Community“ zu einer kompletten Veröffentlichung geschafft hat – und eine so herrliche wie „30 Rock“. Bei beiden erscheint es inzwischen irgendwie merkwürdig, dass das überhaupt passiert ist, wirken sie doch, als wären sie im Fernsehen nicht unbedingt die Renner bei den Einschaltquoten gewesen. Letztere spielt in New York und obwohl die dort ansässige „King of Queens“ wohl tatsächlich ein Renner gewesen sein muss, der rauf und runter wiederholt wurde, so fragt man sich dann doch, warum es das phantastische „Brooklyn Nine-Nine“ offenbar nicht geschafft hat? Von dieser phänomenal witzigen Serie ist bei uns gerade mal eine Staffel auf DVD herausgekommen, und das, obwohl offenbar weit mehr synchronisiert wurden. Schande, kann man da nur wiederholen, denn die Serie ist lustig, herrlich und immer wieder ein grandioses Vergnügen… das dem deutschen DVD-Käufer, so er denn noch existiert, vorenthalten wird. Was dann auch, um zum letzten Schande zu kommen, oder zur letzten Schande, je nachdem, für „Parks and Recreation“ gilt. Eine lausige Staffel auf DVD (wobei sich das lausige nicht auf die Staffel sondern auf das Eine bezieht, ist klar, oder) – und wer Blut geleckt hat, muss sich dann nach den britischen Veröffentlichungen umsehen. Gerade die letztgenannten Serien werden bei uns von Universal beherrscht – also wer möchte, dass wir hier außer dem Apetithäppchen einer ersten Staffel dann mal das ganze, leckere Mahl bekommen, kann ja mal eine Briefaktion starten und von denen mehr verlangen. Es lohnt sich!

Heimkino: KILLJOYS – STAFFEL 5

Die Kopfgeldjäger auf Abwegen… befinden sich wieder auf Abwegen. Bis man sich wieder zusammengefunden hat, geht es um nichts Geringeres, als die Übernahme durch eine mächtige Außerirdische zu verhindern…

Handlungsbögen

Die Staffel bietet viele schöne Episoden, eine Menge Abenteuer, aber auch einen durchgehenden Handlungsbogen. Ähnlich wie bei „The Expanse“ geht es nicht um die hohe Kommandoebene, sondern um „einfachere“ Leute, teils in einer schutzigen Welt – und dennoch oder vielleicht genau deshalb ist es an ihnen, die Menschen vor einer großen Gefahr zu retten. Mehr und mehr entwickeln sich Handlung und Geschichte weiter, was eine schöne Sache ist, aber auch zu einer anderen Schlussfolgerung führt: Die Serie, oder der Zuschauer, je nachdem, profitiert definitiv davon, wenn man sie am Stück schaut, und damit ist nicht nur die jeweilige Staffel gemeint, sondern jetzt, wo alle 5 da sind und damit die komplette Serie vorliegt, wirklich alles, vom Anfang bis zum Ende. Ansonsten kann es nämlich sein, dass Fragen zu gewissen Dingen aufkommen, weil man sich nicht mehr so genau erinnern kann, was der, die oder das gewesen ist. Durch eine komprimierte Rezeption sollte sich aber die gesamte Handlung bestens entfalten, also nicht in kleinen Dosen nach dem Essen einehmen, sondern so durchgehend wie möglich verabreichen.

Sprich

Die Serie lebt von schnellen und witzigen Dialogen, guten Darstellern, aber auch hübschen Ideen. Das macht auf mehreren Ebenen Spaß und kann sich sowohl hören als auch sehen lassen. Science Fiction Action mit dem Herz am rechten Fleck.

Mit

Hannah John-Kamen (Marieke Oeffinger), Aaron Ashmore (Dominik Auer), Luke Macfarlane (Tommy Morgenstern), Tamsen McDonough (Dana Friedrich), Rob Stewart (Bernd Vollbrecht), Thom Allison (Henning Nöhren), Sean Baek (Rainer Fritzsche)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazjoys

Die abschließende Staffel mit den „Spaßbremsen“ macht auch wieder Spaß. Ein guter Abschluss – und die Möglichkeit, gleich nochmal von vorne anzufangen. Ab 29. Mai 2020 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: The Good Fight – Season 3

Der gute Kampf geht in die dritte Runde

Das Leben in einer Chicagoer Anwaltsfirma ist nicht immer leicht, besonders, wenn gleichermaßen Vergangenheit wie Gegenwart mit Problemen aufwarten…

#goodfight

Eines der drei Hauptthemen in dieser Staffel ist sexueller Missbrauch, ebenso aktuell wie ekelhaft. Beides könnte man auch auf Thema Nummer 2 anwenden, den amerikanischen Präsidenten, denn seit Bestehen dieser Serie hat sie gezeigt, wie sie zu Mr. Donald Duck, äh, Trump steht und macht auch diesmal kein Hehl daraus. Das dritte Gebiet ist dann die Hautfarbe und die sich selbst gestellte Frage, ob man denn wirklich so divers ist, wie man es gerne hätte. Wie üblich wird Figuren gekündigt und sie dadurch gezwungen, gegen ihre alte Firma zu arbeiten, etwas, das es seit den ersten Tagen von „The Good Wife“ als Element geben dürfte. Allerdings wird es hier auch ein wenig schmutzig, denn jeder scheint so langsam jeden zu hintergehen… also ein ganz gewöhnlicher Tag in einer Anwaltspraxis, oder?

Politisch, praktisch, gut

Tatsächlich ist die Serie so politisch, dass die Fälle vor Gericht letztlich eher eine untergeordnete Rolle spielen. Wobei sie diesmal in einem anderen Aspekt eine Spur verrückter wird als sonst, was die Sache auflockert und großen Spaß macht, denn dies ist in gewisser Weise die Musical Staffel. Es beginnt mit „Good Fight Shorts“, in denen in einem Lied wichtige Sachverhalte erklärt werden und zieht sich auch in anderen Formen durch alle Folgen. Die Musik stammt auch dieses Mal wieder von David Buckley, hier und da klingt es aber fast so, als habe Cristobal Tapier de Veer den Taktstock übernommen – oder Buckley zumindest inspiriert – denn teils erinnert der Sound auf eine wunderbare Weise an die herrlich schrägen und unverwechselbaren Arbeiten de Veers für die Serie „Utopia“ oder den Film „The Girl with all the Gifts“, was dann auch wieder den schrägen Eindruck dieser Staffel lautmalerisch unterstreicht.

Brilliant, phantastisch!

Wäre das, wie man Staffel 3 in Kürze zusammenfassen könnte. Es gibt eine Handvoll Serien, die es schaffen, ihren hohen Standard Staffel für Staffel beizubehalten und nicht zu enttäuschen. Neben „Orange is the new black“ haben wir hier ebenfalls eine sehr frauenzentrische und diverse Serie, die großartig anfing und bisher auch blieb. Was in diesem Jahr allerdings nicht passiert, ist das Zurückholen farbenfroher Gastcharaktere. Der sehr zwielichtige Dylan Baker fehlt, ebenso wie die herrlich entrückte Carrie Preston, die hier, möchte man meinen, von einer ein wenig an ihr orientierten Cheryl Hines ersetzt wird. Man muss der Mutterserie „The Good Wife“ hoch anrechnen, dass sie nicht nur den schwer erkrankten Michael J. Fox mit einer Rolle versorgt hat, sondern dass es eine war, in der nicht das Mitleid für Behinderte geschürt wird, sondern in der er ein solcher Mistkerl ist, dass er seine Krankheit als Waffe einsetzt. Er hätte hier auch gut gepasst, doch hat man stattdessen einen anderen grandiosen Schauspieler auf den Plan gerufen: Michael Sheen. Der sieht hier so aus und wirkt auch genauso verrückt wie Maximilian Schell als Dr. Hans Reinhardt in „Das schwarze Loch“, also beim Remake bitte ihn besetzen. Ein wahres Vergnügen… wenn man nicht persönlich mit ihm zu tun hat!

Mit

Christine Baranski (Liane Rudolph), Rose Leslie (Maximiliane Häcke), Cush Jumbo (Anne Düe), Sarah Steele (Nadine Zaddam), Delroy Lindo (Oliver Stritzel), Nyambi Nyambi (Alexander Doerung), Michael Boatman (Claudio Maniscalco), Audra McDonald (Claudia Urbschat-Mingues), Gary Cole (Joachim Tennstedt), Daniel Davis (Michael Tietz), Alan Alda (Fred Maire), Cheryl Hines (Daniela Hoffmann), Richard Kind (Michael Pan), Kurt Fuller (Bernd Rumpf), John Glover (K. Dieter Klebsch) und Michael Sheen (Markus Off)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

The Very Great Fazit

Rassistische Machos, die Trump wählen (würden), müssten diese Serie hassen – wer auf einer anderen Seite steht, dem könnte sie dagegen ausgezeichnet gefallen! Ab 4. Juni 2020 auf DVD.