Kino: MA

Da sind Jugendliche in Amerika und die brauchen jemanden, der ihnen Alk kauft, weil die das ja nicht dürfen, also Waffen kaufen schon, aber Alk erst, wenn sie älter sind, und dann ist da diese Frau, die das für sie macht und dann lädt sie sie ein, sich in ihrem Keller zu besaufen…

Und?

Naja, für gewöhnlich gebe ich nur so die ersten 20 Minuten wieder, so als Einstieg, damit man nicht zuviel verrät.

Passiert da denn noch irgendwas?

Es fühlt sich nicht so an.

Häh?

Naja, der Mist kommt aus dem Hause Blumhouse und da würde man ja denken, dass das irgendwie Horror ist und irgendwann kippt das Ganze und es wird spannend oder brutal oder guselig.

Ich höre da ein Aber.

Aber so richtig kommt das alles nicht rüber.

Soll heißen?

Stinklangweilig!

Oh.

Aber sowas von Oh… also nicht Geschichte der, das wär ja wenigstens erotisch noch interessant, aber es ist sowas von öde und langatmig und es passiert nichts und da deutet sich eine Hintergrundgeschichte an, die sich als lauwarmer Kaffee entpuppt und da ist eine Tochter, mit der man nix macht und Luke Evans, der so gar keine Ausstrahlung hat, spielt auch mit.

So richtig dolle klingt das jetzt nicht.

Ach was!

Ähm…

Und dann ist da die Sache: Jordan Peele hat ja für Blumhouse zwei Filme gemacht, in „Get Out“ hatte er Bradley Whitford aus „The West Wing“ dabei und in „Wir“ war es Elisabeth Moss, da wollte ich eigentlich bei seinem nächsten Film in den Raum stellen, dass er wohl Fan der Serie ist, aber nu haben wir dann hier jetzt Allsion Janney und… man macht mit der genausoviel wie mit allen anderen Schauspielern in diesem Film.

Also nix?!

Exakt!

Das bedeutet dann also…

…dass dieser Film wahrscheinlich total erfolgreich wird, weil er nix gekostet hat und es aus irgendwelchen Gründen irgendwelche Leute gibt, die diesen langweiligen, schlecht geschriebenen, schlecht gespielten und schlecht gemachten Mist gut finden, aber da kann man nur hoffen, dass ich diese Leute niemals kennenlerne, denn diese ausgedehnte Langeweile kann man eigentlich nichtmal Wachkomapatienten oder Leuten mit Schlafstörungen empfehlen.

Mit

Octavia Spencer, Juliette Lewis, Diana Silvers, Luke Evans, McKaley Miller, Missi Pyle, Corey Fogelmanis, Gianni Paolo, Dante Brown, Allison Janney

Regie: Tate Taylor

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

TWOT!!!

Ab 30. Mai 2019 im Kino.

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Heimkino: IMMER, WENN DU BEI MIR BIST

Mädchen will Eiskunstläuferin werden. Ihre Begabung hält sich in Grenzen, aber ihre Beharrlichkeit schlägt alles, so dass sich eine Trainerin ihrer annimmt…

Märchen auf Eis

Ein bisschen ist es das, besonders, was das Ende angeht. Es geht aber auch darum, ein Ziel zu haben und sich nicht davon abbringen zu lassen. Und natürlich geht es auch um die Liebe. Nicht nur die zum Eiskunstlaufen, sondern auch die andere, herkömmliche. Das alles führt zu einigen hübsch gestalteren Eiskunstlaufszenen. Gespickt wird das Ganze mit

Musikeinlagen

Oder sollte an sagen Musicaleinlagen? Eine Mischung aus beidem, denn es wird gesungen und die Handlung mit einem Liedchen weiter vorangetrieben oder erklärt. Das hat durchaus seinen Reiz, kommt aber vielleicht eine Spur zu wenig vor, um das Ganze als Musical zu titulieren.

Abzüge in der B-Note

Auch wenn wir eine ganz nette wenn auch vorhersehbare Geschichte und die unterschwellige Botschaft haben, niemals aufzugeben (auch wenn man offensichtlich kein Talent für etwas hat, weil man das Ziel dann auch mit viel Anstrengung erreichen kann, was unterm Strich ein wenig fragwürdig ist), erreichen schauspielerische Leistungen und deutsche Synchro teilweise weder die Kür noch überhaupt die Pflicht. Das ist ein bisschen schade, weil das den Gesamteindruck ein wenig trübt.

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Immer, wenn du Fazit bist

Ganz nett, mit hübschen Eiskunstlaufszenen, aber nicht wirklich überraschend und schauspielerisch teils ein wenig schwierig. Aber wer seine Protagonisten gerne auf Eis hat, könnte hier auf seine Kosten kommen. Ab 8. März 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: Swimming Pool

Autorin fährt nach Frankreich in das Haus ihres Verlegers, um dort an einem neuen Buch zu arbeiten, doch in die ländliche Idylle bricht dessen junge Tochter ein, mit der und dessen Liebesleben sie nicht so gut klarkommt…

Ende

Zwischenzeitlich überlegt man sich, was man hätte anders machen, wie man besser hätte mit dem Thema spielen können, doch am Ende wird vieles davon hinfällig. Insofern sei hier nicht zuviel über den Inhalt preisgegeben, da er sich und das was er mit den beiden Frauen macht ein wenig „rehabilitiert“, um es mal so zu nennen.

Ab 12

Gehen wir stattdessen kurz auf etwas anderes ein. Der Film ist in seiner Art – und vor allem in der Präsentation seiner Hauptdarstellerinnen – sehr freizügig. Während man das Gefühl hat, dass sich die „Freiwillige Selbstkontrolle“ in Deutschland mehr und mehr nach amerikanischen Doppelmoralvorstellungen ausrichtet, stammt die Einstufung hier noch aus einer Zeit, in der nackte Frauen weit weniger „gefährlich“ für junge Zuschauer waren als nackte Gewalt. So ist er im Land der freiverkäuflichen Waffen und der heimlich verkäuflichen Liebe erst ab 17 Jahren in Begleitung Erwachsener (aber nicht ausdrücklich mit Waffen) erlaubt (das sogenannte R-rating), deutsche Zuschauer dagegen dürfen ihn sich schon ab 12 Jahren ansehen. Streng genommen bin ich der Meinung, dass man damit tatsächlich ein bisschen über das Ziel hinausschießt, oder drunter, um genau zu sein, dennoch zeigt es sehr anschaulich den Unterschied in der Bewertung dessen, was man Jugendlichen zumuten kann – und da finde ich große Brüste weit angenehmer als große Gewalt. Dennoch würde ich sagen, dass der Film eher ab 16 geeignet wäre, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Swimming Pool (2003)

Charlotte Rampling (Krista Posch), Ludivigne Sagnier (Julia Haacke), Charles Dance (Randolf Kronberg), Jean-Marie Lamour (Jacques Breuer)

Regie: Francois Ozon

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazit

An sich bietet das Spiel damit, was ein Autor sich denkt und schreibt und ausdenkt, vermischt mit der Wirklichkeit, tolle Möglichkeiten. Während man hier mit der Darstellung der weiblichen Darsteller sehr freizügig umgeht, ist der Umgang mit diesem Thema eher verhalten. Durch ersteres ist er aber durchaus sehenswert und mit dem Ende wird letzteres wieder in ein anderes, wenn auch weniger als möglich strahlendes Licht gerückt. Ab 14. März 2019 auf DVD und Blu-ray.

DVD: BAD SPIES

Freund von junger Frau stellt sich als Spion heraus, doch als ihm etwas zustößt, muss sie für ihn nach Wien reisen, um einen Kontakt zu treffen, wobei sie ihre nervige Freundin begleitet…

Humor ist…

…wenn man trotzdem lacht?

…eine sympathische Eigeschaft?

…subjektiv?

Ja!

Es mag Leute geben, die diesen Film lustig finden – es gibt aber auch welche, bei denen das nicht so ist. Da das Ganze als „Actionkomödie“ bezeichnet wird, muss es sich dieser Bezeichnung stellen – und versagt zumindest im zweiten Teil des Wortes. Action ist richtig, die ist auch ganz gut inszeniert, allerdings auch schweinebrutal und blutig, so dass das hier nix für Kinder ist.

Was fehlt ist Witz – und das in mehrfachem Sinne. Es ist nicht witzig, es ist aber auch leider nicht clever. Damit hätte man ja noch punkten können, tut es aber nicht. So zieht sich das alles ein wenig und wird immer ärgerlicher, besonders dann, wenn man eine der Hauptdarstellerinnen nicht mag.

McKunisson

Mila Kunis ist durchaus schick und sexy, und dabei irgendwie auch immer ein wenig geerdet, was durchaus sympathisch ist… Kate McKinnon dagegen ist mit den Worten schwierig, nervig, anstrengend, ärgerlich bis hassenswert in steigernder Tendenz während des Films angemessen wiedergegeben. Subtilität scheint ihr unbekannt zu sein, eine Figur konsequent anzulegen und dann so durchzuziehen aber auch. Also Herein mit den Durchfallwitzen, laß fließen, Kumpel! Wer sowas natürlich mag, der liegt hier goldrichtig und hat an dem, was sie da macht, sicher eine helle Freude. Alle anderen mögen ihr eventuell den Tod wünschen, also der Figur, was dem Film, gerade zu Beginn, sicher sehr geholfen hätte, während man gegen die Schauspielerin selbst mehr und mehr eine Abneigung entwickelt.

Bonus

Featuretten, ein Making-of und ein kleines Filmchen über das Improvisations“talent“ der Beteiligtinnen, das einmal mehr beweist, dass eine gute Stimmung am Set noch lange keinen guten Film macht – und unlustige Sprüche keine lustigen werden, auch wenn man ganz fest daran glaubt.

OT: The spy who dumped me

Mila Kunis (Anja Stadlober), Kate McKinnon (Katrin Fröhlich), Justin Theroux (Dennis Schmidt-Foß), Gillian Anderson (Elisabeth Günther), Paul Reiser (Ronald Nitschke), Jane Curtin (Kerstin Sanders-Dornseiff), James Fleet (K. Dieter Klebsch)

Regie: Susanna Fogel

Fazit

Bad Spies“ – Bad Film! Eine Schwalbe macht ja bekanntlich noch keinen Sommer und drei gute Gags machen keine Komödie. Hätte man das als ernsten Actionfilm durchgezogen… hätte man vielleicht zu sehr gemerkt, dass die Handlung keinen Sinn ergibt. So bleibt etwas, das witzig sein will, inklusive baumelnder Männersäcke und Muschiwitz (statt Mutterwitz, sollte man vielleicht als neues Markenzeichen einführen), aber dabei größtenteils versagt, gesteigert durch eine nervige Darstellerin, die wie Melissa McCarthy die Szene zu beherrschen versucht, dabei aber auf ähnlich nervige Weise genauso scheitert. Ab 10. Januar 2019 auf DVD und Blu-ray.

2018, 470, 182, 56, 23, 9

2018

470 Artikel

182 mal im Kino

56 Serien

23 ausgewählte Titel und…

9 mal frühzeitig rausgegangen!

Das Jahr ist auf der Zielgeraden angelangt, also ist es an der Zeit, sich entweder dem besinnlichen (oder besäuflichen) Treiben hinzugeben – oder bei einem Absacker die popkulturellen Höhepunkte Revue passieren zu lassen. Also Vorhang auf, Beine hoch und los geht’s…

Fish & Chips

Wer hätte gedacht, dass eine Beziehung zwischen einem Menschen und einem Fischwesen sexy sein kann? Nun, Guillermo del Toro hat es bewiesen und schafft mit seinem SHAPE OF WATER – DAS FLÜSTERN DES WASSERS nicht nur das, sondern auch den Ballanceakt, zwischen poetisch und blutig zu wandeln und sich damit absolut treu zu bleiben… und sich nicht so deprimierend anzufühlen wie PANS LABYRINTH.

Und wer hätte gedacht, dass Jessica Chestain mal richtig sexy sein könnte? Nun, Aaron Sorkin schafft es, die sonst distanzierte Chestpain so zu inszenieren, dass sie genauso Freude macht wie sein wie immer großartiges Buch. Sorkin ist einfach sehenswert – und MOLLY’S GAME – ALLES AUF EINE KARTE ist es in mehrfacher Hinsicht.

Animierhasen

Klingt wie #metoo, geht aber um die besten Animationsfilme des Jahres. Und die sind zwar alle animiert – und ein großer Spaß – aber doch in ihrer Art unterschiedlich. Der „überraschend großartige“ PETER HASE verbindet reale Menschen mit Animationsfiguren, SMALLFOOT ist ein reiner Animationsfilm und bei EARLY MAN – STEINZEIT BEREIT handelt es sich um Stop-Motion-Knetgummi-Animation. Bei letzterem stellt sich in Bezug auf die deutsche Fassung allerdings die Frage, warum man einen wunderbaren Gag komplett versemmelt hat. Kennt denn niemand den Spruch „das ist die beste Erfindung seit geschnitten Brot“? Also warum wird bei der Brotschneidemaschine das „Sliced bread? That’s the best invention since… ever!“ nicht angemessen übersetzt??? Davon abgesehen aber ein herrliches Vergnügen – was für alle drei gilt!

Super Helden

Marvel kommt zum Höhepunkt, auf den man 10 Jahre lang hingearbeitet hat. Man hat ein Filmuniversum aufgebaut, Figuren ein- und zusammengeführt und nun ist man da, wo man hinwollte: bei einem großen, epischen Finale. Oder zumindest dem ersten Teil davon. Und der ist unterhaltsam, witzig und, Vorsicht: Spoiler!, endet damit, dass alle unsere Helden besiegt werden und der Bösewicht gewinnt. Hut ab! Gut, dass viele davon wiederkehren werden, davon kann man ausgehen, dennoch ist es ein mutiger Weg, den AVENGERS: INFINITY WAR hier beschreitet, der Lust auf eine Fortsetzung macht – und einfach Respekt verdient!

Außenseiter

Als überraschend gut hat sich, trotz des gewöhnungsbedürftigen (Original)Titels CRAZY RICH (ASIANS) erwiesen, der zwar keine wirklich neue Liebesgeschichte erzählt, dafür aber beweist, dass das mit asiatischen Darstellern genausogut funktioniert wie mit den üblichen ausgelutschten Hollywoodfressen, wenn nicht sogar besser. Auf der anderen Seite (des Globus) stellt dann Michael „Bully“ Herbig mit BALLON sowohl unter Beweis, dass er (in meinen Augen) weit besser ist, wenn er keine Komödien macht, als auch, dass es durchaus gute deutsche Filme geben kann – was ihn zu einem mehrfachen Vergnügen macht.

SciFi Höhenflug

THE EXPANSE kehrt mit der 2. Staffel zurück – und die übertrifft ihre Vorgängerin bei weitem. Großartige Science Fiction, die Freunden des Genres einfach nur Freude bereitet – und sie wünschen lässt, es gäbe mehr SF-Serien in dieser Qualität.

Shakespeare süß-sauer

Shakespeare ist ein Mann des Wortes – dieser schöne chinesische Film zeigt, dass man seinen „Hamlet“ unter dem Titel THE BANQUET auch ohne die Dialoge und in rein poetischen Bildern einfangen kann, ohne dabei etwas von dessen Qualität einbüßen zu müssen. Tatsächlich ist diese Variante weit frischer und ansehnlicher als Kenneth Brannaghs zu lange geratene Selbstdarstellung. Ein sehr trefflicher Film über das Schreiben ist REBEL IN THE RYE, der allen angehenden Schriftstellern ans Herz gelegt sei, damit sie wissen, worauf sie sich da einlassen und dass, selbst wenn man gute Texte schreibt, das nicht automatisch Erfolg bedeutet – und schon gar nicht, dass man davon leben kann. Und wer kein Freund von dem ist, was die amerikanische Regierung so veranstaltet – denn die war auch vor Trump nicht immer so ganz astrein – der dürfte mit SHOCK AND AWE über die Lügen zur Begründung eines Krieges seine, ihre oder esse Freude haben… aber natürlich kommt sowas nicht ins Kino.

Zu gut fürs Kino

Bei manchen Filmen fragt man sich, warum sie überhaupt existieren, bei anderen, warum sie nur auf DVD rauskommen und nicht ins Kino. BRAWL IN CELL BLOCK 99 ist so ein Fall, gute Handlung, gute Darsteller, zwar hundsbrutal (und in Deutschland offenbar geschnitten), aber das ist dann ja ein von Jack gebautes Haus auch, aber da ist das dann in Ordnung, weil Kunst… oder so. BRAWL ist jedenfalls einer der Geheimtipps des Jahres, dem sich der deutsche SCHNEEFLÖCKCHEN anschließt. Ein No-Budget-Film, der mehr Ideen – und Qualitäten – aufweist als alle Schweigerhöferfitzens zusammen. Deutsches Kino kann gut sein… kommt dann aber nur ins Heimkino. Und mit vierjähriger Verspätung kommt dann auch endlich die herrliche RomKomParoDie THEY COME TOGETHER zu uns, der gut beobachtet und zielsicher umgesetzt und nebenbei sulustig ist.

Klassisch gut

Früher war vielleicht nicht alles besser – aber einiges ist dennoch großartig. THE DAM BUSTERS zeigt, wie man im Zweiten Weltkrieg die Staudämme in Deutschland sprengen wollte und das ist gleichermaßen interessant wie spannend – und man kann erkennen, wo sich George Lucas für „Krieg der Sterne“ hat „inspirieren“ lassen, um nicht zu sagen „geklaut“ hat. Wenn dagegen eine reife Frau einen jungen Mann verführt, dann ist das DIE REIFEPRÜFUNG der besonderen Art – und ein Film, der noch immer so frisch und unverbraucht ist wie vor 50 Jahren. Einfach toll! Einen der absoluten Höhepunkte diesen – und jeden Jahres, in dem man ihn schaut – ist allerdings ZEUGIN DER ANKLAGE. Einer der besten Gerichtsfilme aller Zeiten, witzig, spannend, clever, überraschend – und sehenswerter, als man es eigentlich formulieren kann!

Auf gut Deutsch

Eine lobende Erwähnung – nicht für einen Film, denn der ist okay, aber – für eine deutsche Fassung. Bei SOLO – A STAR WARS STORY hat es Synchronregisseur Björn Schalla (auch die deutsche Stimme für Casey Affleck Seann William Scott und Jay Mohr in der leider vergessen scheinenden Serie ACTION, hier ein Interview mit ihm) geschafft, mit Florian Clyde jemanden zu finden, der es tatsächlich schafft, ein bisschen wie Wolfgang Pampel, der deutschen Stimme von Harrison Ford und damit wie der deutsche Han Solo, zu klingen, Dadurch, unterstützt durch ein sehr schönes, lockeres und witziges Dialogbuch, gelingt es der deutschen Fassung weit mehr als das Original und Alden Ehrenreich, das Gefühl zu vermitteln, dass man es mit einem jungen Han Solo zu tun hat – und das macht Spaß!

Die Spitzenreiter

Von den Höhepunkten des Jahres sind diese ein bisschen die… Höhehöhepukte?! BAD TIMES AT THE EL ROYALE ist eine coole Geschichte, clever erzählt und ein hervorragendes Beispiel für etwas, das man als „modernes Autorenkino“ bezeichnen könnte. BOHEMIAN RHAPSODY ist ein langes Musikvideo mit einem Best of Queen und ein paar biographischen Infos zu Freddie Mercury. Wenn man die Musik mag und nicht zu viel über ihn weiß, ist das genau die richtige Mischung und macht einfach Freude. Und dann ist da noch THE GUILTY, der eins der besten Beispiele dafür ist, wie man mit wenig enorm viel erreichen kann und dass nicht viel Geld einen guten Film macht, sondern gute Ideen. So kann man Filme machen – und es ist schön, dass es noch jemand tut.

Und zum Abschluss…

…ein Blockbuster. Und Autorenfilm. Nachdem Joss Whedon aus den AVENGERS quasi Autorenfilme gemacht hat, indem er für Buch und Regie verantwortlich war, beweist auch Christopher McQuarrie mit MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT einmal mehr, dass ein hervorragender Autor auch aus einem Multi-Millarden-Dollar-Franchise einen Film herauskitzeln kann, der von vorne bis hinten überzeugt und sich nicht nur damit von vielen Konkurrenten abhebt, dass die großartige Action meist mit echten Stunts geschaffen wurde, sondern auch dadurch, dass der Hauptdarsteller bei diesen Stunts teilweise wirklich Leben und Gesundheit riskiert – und beides merkt man dem Film durchaus an.

In diesem Sinne…

Das war es für 2018. Dann lassen wir uns mal überraschen, was das nächste Jahr so zu bieten hat. Bis dahin wünsche ich

EINEN GUTEN RUTSCH

und

EIN FROHES NEUES JAHR!

DVD: DEATH WISH

Paul Kersey ist Arzt in Chicago und als seine Frau bei einem Einbruch brutal ermordet wird und die Polizei nicht so recht weiterkommt mit ihren Ermittlungen, fängt er an, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen…

Ein Mann sieht rot“

So hieß das zugrunde liegende Original bei uns, als man Filmen noch deutsche Titel gegeben und nicht einfach alles übernommen hat. Charles Bronson war damals der einsame Rächer und heute geht diese Aufgabe an Bruce Willis.

Dead Fish?

Das warf im Vorfeld die Frage auf, ob Willis so lustlos an die Sache herangehen würde wie an die meisten anderen Filme, in denen er in der letzten Zeit erschienen ist, ohne dass man das Gefühl hatte, er wäre wirklich da oder würde sich für das, was er da machte, sonderlich interessieren. Hier nun gibt er etwas mehr, auch wenn er da nicht unbedingt mit einem Bronson mithalten kann, aber immerhin.

Solide Action

Das ist das, was dabei herausgekommen ist. Da Regisseur Eli Roth ein Vertreter des Torture-Porn ist, sind gerade die Folterszenen sehr heftig geraten, so sehr, dass sie auch dem Zuschauer unter die Haut gehen. Ein bisschen schade ist, dass man die Möglichkeiten, die die dieses Thema bieten würde, nicht so recht ausspielt. Zum Beispiel das Thema Waffen, Selbstjustiz, Trump, eben alles, was gerade so angesagt ist.

Nun, jedenfalls hätte man da ein wenig mehr rausholen können, z.B. als Bruce bei seiner Psychiaterin ist und richtig guter Laune, weil er gerade die Selbstjustiz für sich entdeckt hat, da hätte man mit spielen können, ihn glücklicher zeigen, wenn er selbstjustiziarisch handelt… aber wenn man denn mal darüber nachdenken würde, ist es eigentlich ein bisschen schwierig, dass er plötzlich glücklich ist, obwohl seine Frau gerade gewaltsam ermordet wurde. Naja…

Der größte Unterschied zum Original ist übrigens, dass Bronson zwar zum großen Rächer wird, aber niemals den Kriminellen über den Weg läuft, die ihn dazu gemacht haben – anders als Willis, denn der macht hier keine halben Sachen (also, außer, was seine Schauspielerei angeht), da bleibt in Sachen Selbstjustiz kein Auge trocken und kein Fußboden blutlos.

Bonus

Making-of und Audiokommentar, die beide sehr informativ sind, auch wenn letzterer ein paar Pausen hat.

Mit

Bruce Willis (Manfred Lehmann), Vincent D’Onofrio (Christian Weygand), Dean Norris (Lutz Schnell), Elisabeth Shue (Arianne Borbach), Camila Morrone (Leonie Dubuc), Mike Epps (Peter Sura), Len Cariou (Peter Groeger), Stephen McHattie (Erich Ludwig)

Regie: Eli Roth

Death Fazit

Solide, brutal, hart – und irgendwie erschreckend unterhaltsam. Ab 10.8.2018 auf DVD und Blu-ray.