Kino: Transit

Während die Nazis Europa überrennen warten in Marseille Flüchtlinge auf ihre Passage und Transitvisa, um nach Mexiko zu kommen. Einer hat die Papiere eines Schriftstellers, dessen Frau er trifft…

Diskrepanz – der Film

Es spielt in der Gegenwart, aber die Gefahr kommt von den Nazis… irgendwie. Alles in eindeutig im Heute, aber die Papiere sagen „Deutsches Reich“. Der Regisseur behauptet, es wäre eine bewusste Entscheidung gewesen, die Geschichte, die in der Zeit der Nazis spielt, in die Gegenwart zu verlegen – aber streng genommen tut er das nicht. Er dreht sie nur in der Gegenwart, was ein gewaltiger Unterschied ist. Das Problem dabei ist, dass das Ganze nur

Halbherzig

gemacht wurde. Alles was man hört klingt nach damals, alles was man sieht, ist heute. Damit hätte man mehr machen können. Es hätte zwei Möglichkeiten gegeben, damit umzugehen. Entweder man hätte die Geschichte anpassen können. Die Gefahr in Europa ist nicht so explizit der Nazi-Faschismus, denn der klingt immer durch, sondern man hätte das etwas an die heutige Zeit anpassen können mit einer neuen Gefahr, die sich durch Europa zieht und alles niederbrennt – und wenn es Außerirdische gewesen wären, all das hätte besser funktioniert. Oder aber man hätte beide Welten stärker kontrastieren können, und zwar, indem das eine das komplette Gegenteil vom anderen ist. Ein wenig ist das drin, denn die meiste Zeit stimmt das, was der Erzähler berichtet, nicht mit dem überein, was man sieht. Leider sind all die Fragen, die man sich stellt, eher, ob das denn alles beabsichtigt oder schlicht inkompetent ist – ist n deutscher Film, da ist die Frage also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Und so wird man von dem Element der Verfremdung, der Diskrepanz, eher vom Geschehen abgelenkt, da man sich die ganze Zeit Fragen stellt, aber möglichweise die falschen.

Mit

Franz Rogowski, PaulaBeer, Godehard Giese, Barbara Auer, Sebastian Hülk, Justus von Dohnányi

Regie: Christian Petzold

Franzit

Der Grundgedanke, eine Geschichte aus der Nazizeit in die Gegenwart zu übertragen, ist nicht verkehrt, aber die halbherzige Umsetzung, die nichts Halbes und nichts Ganzes schafft, wirkt sich in diesem Fall eher als hinderlich als als hilfreich aus. Ab 5.4.2018 im Kino.

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DVD: The Heart Guy – Staffel 2

Der Herzspezialist in seinem Heimatdorf. Er hat noch über hundert Tage Verbannung abzubauen, bevor er wieder operieren und in die große Stadt zurück darf. Doch natürlich gibt es auf dem Land nicht nur medizinische, sondern auch menschliche Probleme…

Das Herz am rechten Fleck

Ein bisschen Spaß, ein bisschen Ernst, aber immer so gut, dass man es anderen verschreiben möchte. Die Frische der australischen Ärzteserie hat auch in der zweiten Staffel noch nicht nachgelassen. Zwar denkt man, dass am Anfang die Karten neu gemischt werden, um neue Dynamiken mit neuen Personen aufzubauen, doch schon bald findet man zu seinen alten Spielfiguren zurück. Und denen gibt man ein paar schöne Geschichten an die Hand.

Die erste Folge scheint sich noch ein wenig finden zu müssen, aber Folge 2 ist ein absoluter Höhepunkt, in der der Humor nur so durch die Adern der Serie fließt. Nach diesem kleinen Adrenalinschub pendelt es sich dann langsam ein zwischen mal ernster, mal leichter.

Dabei hat die Serie durchweg das Herz am rechten Fleck, die Figuren sind teils sympathisch, teils schräg und es gibt einige wunderbare Dialoge und Situationen. Ein paar Handlungsbögen ziehen sich über die ganze Staffel, wobei es sehr schön ist, dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln. Schön ist auch, dass keine der Figuren vernachlässigt wird und man genug Zeit mit ihnen verbringt, um sie kennen und schätzen zu lernen. Und so setzt diese zweite die erste Staffel nun mehr als würdig fort und macht Lust auf eine dritte.

OT: Doctor, Doctor

Rodger Corser (Dennis Schmidt-Foß), Nicole da Silva (Yvonne Greitzke), Ryan Johnson (Jaron Löwenberg), Hayley McElhinney (Vera Teltz), Steve Bisley (Jürgen Kuckert), Matt Castley (Fabian Kluckert), Charles Wu (Konrad Bösherz)

The Feart Zit

Bereits nach der ersten Diagnose war klar, dass der Herz-Typ ein Kerl mit Herz ist. Nun, da wir eine zweite Meinung einholen, kommen wir zu dem Ergebnis, dass der australische Doktor und seine Verwandten und Bekannten auch weiterhin eine gelungene Mischung aus Spaß und Ernst bieten, an der man seine helle Freude haben kann, auch ganz ohne Attest. Ab 22.3.2018 auf DVD und Blu-ray.

Film Festival Cologne: Mr. Bean

Also Sean in dem Fall! Sean Bean starb in „Die Stunde der Patrioten“…

 …er starb in „GoldenEye“…    …in „Der Herr der Ringe“…  …und natürlich in „Game of Thrones“…   …nur auf dem roten Teppich in Köln starb er nicht!   Aber die Frisur schreit nach einem „Haarschnitt“ a la GoT…

Neu im Kino: Overdrive

Amerikaner sollen für Gangsterkönig anderem Gangsterkönig in Marseille teure Autos klauen…

Car-napping“

Wir erinnern uns… natürlich nicht, weil die meisten wahrscheinlich zu jung dafür sind. Es gab mal einen deutschen Film namens „Car-napping“, mit Bernd Stephan in der Hauptrolle, der kurioserweise von Norbert Langer (Tom Selleck, Burt Reynolds) synchronisiert wurde (wohl wegen des Schnurbarts), obwohl er als selbst als Synchronsprecher arbeitet, u.a. für Dean Stockwell in „Zurück in die Vergangenheit“. Wie dem auch sei, ist n netter Film, eine Autoklaugaunerkomödie – und dieser hier geht ein wenig in eine ähnliche Richtung, nur mit mehr Geld… und weniger Stars.

Eastwood ist nicht gleich Eastwood

Was man dem Film hoch anrechnen muss, ist, dass die Autostunts und -fahrten so aussehen, als hätte man sie – größtenteils – mit echten Autos auf echten Straßen gemacht. Anders als bei der „Fast & Furious“-Reihe, wo die Autoszenen inzwischen so künstlich aussehen wie die Brüste von Micaela Schäfer (wollte ich schon in die „Fast 8“-Kritik einbauen, hat sich aber irgendwie nicht ergeben). Rein fahr- und stunttechnisch bekommt man hier also tatsächlich ein bisschen was geboten, und auch wenn man anfangs das Gefühl hat, das hier könnte ein zweites „Collide“ werden (und damit ist Desaster gemeint), so ist es am Ende doch weit besser. Es gibt sogar einen ganz brauchbaren Gaunerteil, der zwar in manchen Punkten ein bisschen besser hätte herausgearbeitet sein können, aber letztlich doch ganz gut funktioniert.

Schwachpunkt sind denn also die Stars oder vielmehr der Mangel daran. Auch wenn Scott Eastwood seinem Vater aus manchen Perspektiven durchaus ähnlich sieht, das Schauspielen hat er nicht erfunden… oder gelernt. Und Charisma… ist nichts, was man im Computer nachträglich einfügen kann, wenn es vorher fehlt. Hier schwächelt der Film also ein wenig, aber…

Fazitdrive

wer einfach nur ein bisschen coole Autoaction sehen will, der sollte hier eigentlich nicht enttäuscht werden. Mit einem etwas ausgefeilteren Drehbuch und besseren Schauspielern, hätte man da sicher einen richtig geilen Film draus machen können. Ab 29. Juni 2017 im Kino.

Neu im Kino: Pirates of the Carribean – Salazars Rache

Captain Jack Sparrow ist zurück und muss zusammen mit Will Turners Sohn und einem cleveren Mädchen nach etwas suchen, das alle Flüche der See auflösen können soll, damit Turner junior dadurch seinen Vater befreien kann…

Fluch der Titulierung

Der erste Teil hieß bei uns noch „Fluch der Karibik“, was besonders für diesen Film ein weit angemessenerer Titel gewesen wäre, aber da heute alles globalisiert statt individualisiert wird, haben wir auch hierzulande die „Pirates of the Carribean“, was es dann beim Besuch einer Disneylandfiliale Ihrer Wahl weit einfacher macht, das Fahrgeschäft zu finden, auf dem dieser Film basiert.

Womit wir halb bei der Crux dieses Films sind. Da steckt eine gute Geschichte drin und es hätte ein phantastischer Piratenfilm daraus werden können. Düster mit ein wenig Humor – und vor allem ohne Jack Sparrow. Das hätte toll sein können. Doch leider ist die Serie ihrer Serie verhaftet und das bringt, wie wir spätestens seit „Star Trek“ wissen, immer gewisse Probleme mit sich, da man sich treu bleiben muss, was prinzipiell nicht verkehrt ist, dann meist aber in ausgetretenen Pfaden endet, statt etwas zu machen, das dem Thema angemessener gewesen wäre, als das entstandene Endergebnis. So haben wir hier dann ein paar Dinge drin, die nicht ganz zur Geschichte passen. Jack Sparrow zum Beispiel, der „Dank“ Johnny Depp alles ins Klamaukige zieht – was beim ersten Film noch neu und erfrischend war, ist inzwischen anstrengend und nervig geworden. Außerdem muss man alles überdimensionieren, d.h. man wird zugepflastert mit Zeugs, statt sich in einer Szene auf das Wesentliche und vielleicht noch ein Zückerchen als Extra zu konzentrieren. Und dann ist da die mangelnde Homogenität, bei der man sich fragt, wer die Zielgruppe für diesen Film ist. Denn zur einen Hälfte ist er düster, beginnt damit, dass eine Meute Zombies eine komplette Schiffsbesatzung abschlachtet – zur anderen haben wir dann Klamauk aus Sparrowhausen. Beides will nicht ganz zusammenpassen, da es extrem voneinander entfernte Stimmungen und Tonalitäten sind. Dass kein Blut zu sehen ist, ändert nichts an dem gezeigten Massenmord. Deshalb bleibe ich dabei…

Fazit of the Carribean

eine starke und interessante Geschichte, die, als düsterer Film mit ein wenig Humor, einen grandiosen Piratenfilm abgegeben hätte, denn die Figuren, die die Reise antreten (müssen), haben alle sinnvolle Motivationen dafür, aber da man seinem eigenen Franchise und damit seinen eigenen Klischees unterworfen ist, wird man als Zuschauer mit mehr zugeschüttet, als der Handlung gut getan hätte. Kein schlechter Film, aber unter anderen Umständen hätte er soviel besser sein können. Ab 25. Mai 2017 im Kino.

Neu im Kino: Berlin Syndrom

Australierin wird in Berlin von einem netten jungen Mann in seine Wohnung gesperrt und nicht mehr herausgelassen…

Romantische Liebeskomödie?

Klingt eigentlich wie ne normale Beziehung, nur überspitzt ausgedrückt, ist dann aber eher Entführungs- und Einsperrfilm, der dann unterm Strich aber leider nicht mit artverwandten Werken wie „Raum“ und „Thirteen“ mithalten kann. Anfangs ist es noch ganz interessant, es gibt ein paar spannende Momente, aber ab einem gewissen Punkt, fängt man an, sich Fragen zu stellen – und deren Antworten sind eher unbefriedigend. Wie das Ende, denn in den letzten zehn Minuten wird alles komplett idiotisch, auch wenn man anfangs denkt, da geht man jetzt einen cleveren Weg, doch der war dann wohl zu clever für die Beteiligten, so dass sie ihn nicht erklärt oder gezeigt haben, was das ganze nebulös und idiotisch macht, weil nichtmal die Polizei vorbeischaut.

Dafür bekommen wir wenigstens gute schauspielerische Leistungen zu sehen, von Teresa Palmer, Max Riemelt und dem leider zu früh ausscheidenden Matthias Habich. Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, daraus einen wirklich guten Film zu machen. Zum Beispiel, indem man ihn tatsächlich wie eine romantische Liebeskomödie anfangen und dann unvermutet kippen lässt. Oder wenn man sich ab einem gewissen Punkt auf einen mentalen Zweikampf zwischen Gefangener und Wächter beschränkt hätte. Doch irgendwie verliert sich das alles ab einem gewissen Punkt und das macht es, wie bereits gesagt, wenig befriedigend, bis das Ende es komplett runterreißt.

Berlin Fazit

Hätte eine der schönsten Beziehungskomödien des Jahres werden können, oder ein knallharter Thriller, der noch nachhaltig weh tut, aber das einzige, was hier nachhaltig weh tut, ist da unausgegorene Ende. Oder schauen Sie sich den Film so oft an, bis Sie ihn dank Stockholm Syndrom mögen! Ab 25.5.2017 ist das im Kino möglich.