Arschmageddon

– aus unserer Reihe: „Filmverriss“

Das wäre durchaus ein treffender, ja gleich mehrdeutiger Titel gewesen. Denn der Asteroid, der in „Armageddon“ einfach so daher kommt, um die Erde zu zerstören, benimmt sich ja schon wie ein Arsch. Und Bruce Willis verhält sich so gegenüber Ben Affleck. Und Ben Affleck gegenüber eigentlich allen. Außer dem Asteroiden. Und Liv Tyler… deren Arsch man aber nicht zu sehen bekommt. Leider. Das hätte den Film durchaus aufwerten können.

Ach, wem mach ich hier was vor, auch das hätte nicht gereicht! Denn bei dem Film geht es nicht nur um eine Katastrophe, er ist auch eine. Was ausgesprochen schade ist, da er durchaus ganz viel versprechend anfängt. Da ist eine Gefahr, da ist ein Bruce Willis, das sind schon mal ganz gute Voraussetzungen. Aber dann kommt Ben Affleck ins Bild… und es wird schlechter.

Affjeleckt

Nichts gegen Affleck, in Interviews macht er immer einen sehr sympathischen und intelligenten Eindruck und er hat bewiesen, dass er ein durchaus guter Regisseur ist – aber Schauspielern war irgendwie nie so sein Ding. Was er hier unter Beweis stellt. Er ist weder besonders charismatisch noch besonders witzig noch besonders charmant. Er ist ein vorlauter Arsch, der keine Ahnung von seinem Job hat. Hey, als so was wird man Banker und verursacht eine Finanzkrise, aber im Ölbohrgeschäft landet man mit diesen Qualitäten nicht. Er mag gut aussehen, das kann ich nicht beurteilen, da müsste man die Frauen fragen. Aber wenn gutes Aussehen bei Frauen für Hauptrollen ausreicht, warum sollte das dann nicht auch bei Männern so sein? Ich meine, Pamela Anderson engagiert man auch nicht wegen ihrer großen Bandbreite – es sei denn, man ersetzt „Bandbreite“ durch „Brüste“ und „große“ durch „große“.

So, da haben wir also einen Asteroiden und einen Affleck und man fragt sich, was denn nun schlimmer ist. Dabei will der Asteroid bestimmt nur spielen, ehrlich!

Jedenfalls ist der einzige, der das Problem lösen (die Welt retten) kann, Bruce Willis mit seiner Horde ungewaschener Bohrfreaks, die alle aus dem Katalog für schillernde Nebenfiguren bestellt zu sein scheinen. Alle sind so individuell, dass man direkt weiß, wer gestorben ist, wenn das dann mal der Fall ist – was selbstredend auf die meisten von ihnen zutreffen wird. Und Benny darf auch mit, weil… es das Drehbuch verlangt. Dass diese Typen cleverer sind als alle klugen Köpfe der NASA zusammen, spricht eigentlich eher gegen das Weltraumunternehmen als gegen diese Truppe.

Moonbootcamp

Bis hierher geht es noch, außer Ben, der jede Szene zu einer macht, die man lieber nicht gesehen hätte. Nun wird die Truppe von der NASA auf ihre Mission vorbereitet – das macht noch Spaß. Überhaupt, die Besetzung des Films kann sich sehen lassen. Neben den erwähnten Vor- und Nachteilen gibt es ein Aufgebot an Stars, wie man es sonst nur bei den Oscars zu sehen bekommt – wenn auch mit anderen Stars. Aber kann denn ein Film, in dem man Michael Clarke Duncan, Steve Buscemi, Peter Stormare, Jason Isaacs, William Fichtner und Udo Kier zusammen hat, wirklich schlecht sein? Er kann. Und er wird!

Aaaaaaaaarschtacke!

Denn ab dem Zeitpunkt, wo sie von der Erde los fliegen, verliert der Film jeden Rest an Glaubwürdigkeit – und Erträglichkeit! In einem völlig sinnlosen Besuch auf der MIR schrotten sie die Raumstation und zwingen Stormare, mit ihnen zu reisen, der dann für den Rest des Films nur noch nervt. Sie machen ein „cleveres Flugmanöver“, indem sie das Gravitationsfeld des Mondes nutzen, um sich auf eine höhere Geschwindigkeit zu katapultieren (was bei „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ geklaut ist, oder bei Arthur C. Clarkes Buchversion von „2001“, oder sonst wo). Dabei rasen die beiden Shuttles so dicht nebeneinander her, dass es ein bis zwei Wunder sind, dass sie nicht zusammenstoßen – was das ganze zu einer völlig idiotischen Szene macht. Aber hey, Action, wow! Wen interessiert die Wissenschaft, wenn’s einfach geil actionig aussieht?

Sie rasen jetzt also mit astrophantastischer Geschwindigkeit auf den bösen Affle… auf den bösen Asteroiden zu. Haben aber keine Bremsraketen. Und sind total schnell. Würden voll dagegen knallen. Und kaputt sein. Aaaaaaaber da der Zuschauer von so was genauso wenig Ahnung hat wie die Filmemacher, wird sich da niemand beklagen. Außer mir, versteht sich.

Dann landen sie da, der eine oder andere geht drauf, aber, was wichtig ist, es gibt ein Zeitlimit. Denn wenn der böse Asteroid, auf dem sich jetzt auch der böse Affleck befindet, über einen gewissen Punkt hinausfliegt, dann ist alles vorbei, dann geht die Erde hopps und dann kommen die Aliens von „Independence Day“ und müssen aufräumen. Irgendwas in der Art. Fürs Protokoll möchte ich aber noch einmal erwähnen, dass das riesige Ding aus dem Weltraum den Mond inzwischen ja wohl passiert hat und damit dann doch wohl wahrscheinlich dicht genug an der Erde dran sein dürfte, dass es deren Gravitation nicht mehr widerstehen kann, ganz egal wie viel Dynamit Willis ihm auch in den Arsch pustet (daher der Titel des Films!).

BUMM

Wie dem auch sei, Willis opfert sich, damit der nervige Affleck später mit Liv Tyler „Jersey Girl“ drehen kann oder so was, man sprengt GERADE NOCH RECHTZEITIG!!! und El Asteroido trennt sich fein säuberlich in zwei Teile, die höflicherweise direkt an der Erde vorbeifliegen und dann zum Glück für eine Fortsetzung auch nicht mehr zur Verfügung standen. Das Ende… wenn auch nicht der Welt.

Traurig an diesem Film ist nicht, dass er so schlecht ist, sondern dass er soviel besser hätte sein können. Es ist die enorme Verschwendung von Talent, die hier weh tut, ich meine, was für einen großartigen Film hätte man mit dieser Besetzung machen können… und einem guten Buch! Aber das ist das, woran es in Hollywood wohl am ehesten scheitern wird: am Drehbuch! Und, ganz ehrlich, wenn inhaltlich grauenvoll schlechte Filme wie „Transformers“ oder „Ein Quantum Toast“ unglaubliche Erfolge werden, dann ist das doch ein Beweis dafür, dass das Drehbuch wirklich egal ist. Lasst die Leute irgendwas sagen und pflastert den Rest dann mit Spezialeffekten, Actionszenen und Explosionen zu. Fertig ist der Blockbuster. Und, ganz ehrlich, die Masse hat doch mit ihren Vorlieben noch nie falsch gelegen… oder?

NullNullSexy06Aufklaerung

von Martin Cordemann

Lakonische Leinwandhelden

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Kennen Sie den schon? Also den Film? Kommt ein Mann zum Arzt… und dieser Arzt heißt „Dr. No“. Nee, das wäre n Einstieg für die große Bond Retrospektive… naja, schade, Chance verpasst.

„Prestige“

Worauf ich hinausgewollt hätte, wenn ich mich nicht mal wieder in verworrenen Verwirrungen verrannt hätte, dann hätte ich darauf hingewiesen, dass ich auf verschiedene Filme gar nicht hingewiesen habe – weil man nicht darauf hinweisen muss. Dass „The Dark Knight“ von Christopher Nolan allgemein als Meisterwerk angesehen wird, muss ich Ihnen ja nicht sagen.

In meinen Augen muss er sich allerdings immer an seinem wirklich besten Film messen lassen, wobei der dunkle Ritter da bei mir leider ganz klar den Kürzeren zieht. Das ist übrigens nicht „Inception“, wie Sie wohl aus der Überschrift unschwer entnehmen konnten. Den finde ich eigentlich eher mittelmäßig. Sein absolut bester Film, neben dem großartigen „Memento“, ist in meinen Augen nämlich „Prestige“.

Und das fand ich komischerweise erst beim zweiten Gucken – aus einem ganz bestimmten Grund. Beim zweiten Schauen sieht man nämlich, dass all die Dinge, die man beim ersten Gucken teilweise vermutet hatte und die dann die große Auflösung waren, tatsächlich bereits im Film angelegt sind. Es ist alles da, es passt alles zusammen, die Filmemacher haben sich nicht gedacht: „Ach was, merkt doch keiner!“, sondern haben sich wirklich Mühe gegeben, dass alles passt – und das finde ich großartig. Aber darum ging es ja heute gar nicht, heute geht es um…

„Payback“

Und zwar die erste Schnittfassung, nicht die des Regisseurs. Ja, man hört viele negative Dinge über Mel Gibson, aber, ganz ehrlich, ich kenne den Mann nicht. Deshalb kann ich nichts darüber sagen, wie er persönlich ist und welche Vorurteile er wem gegenüber hat. Wenn Sie ihn auch nicht persönlich kennen, weiß ich nicht, ob Sie das tun sollten.

Doch zurück zum Film. Scheinbar hat es während der Produktion zwischen Star und Regisseur Probleme gegeben und so gibt es inzwischen zwei Fassungen, die, in der er ins Kino gekommen ist und die später erschienene Fassung des Regisseurs. Für gewöhnlich würde ich in einem solchen Fall wahrscheinlich der Fassung des Regisseurs den Vorzug geben (was nur bei Ridley Scotts „Blade Runner“ schwierig wird, wo es inzwischen gefühlte 3.000 Fassungen des Regisseurs gibt), da die wahrscheinlich am stimmigsten ist und die bessere Version und Vision widerspiegelt… seh ich hier aber nicht so.

Tatsächlich halte ich die Kinofassung für weit stimmiger als das, was Regisseur Brian Helgeland später als Director’s Cut herausgebracht hat. Dass James Coburn es „gemein“ findet, dass Gibson ihm seine schönen Koffer zerschießt, passt hier weniger z.B. als in der alten Fassung, ebenso wie das „wozu brauch ich dich dann noch“, als er Gregg Henry erschießt, weil der kein Feuer für ihn hat.

Während bei beim DC die schwarzhumorigen Szenen nicht so ganz in den Gesamtzusammenhang zu passen scheinen, zieht sich in der alten Fassung der lakonische Humor durch den gesamten Film. Es ist alles brutal und gemein und böse, aber Gibsons Figur versucht das alles mit einer Spur Galgenhumor zu nehmen. Konsequent, bis zum Ende. Und das zeichnet den Film aus.

Für Freunde von Synchronfassungen ist es immer wieder eine Freude, Elmar Wepper für Mel Gibson sprechen zu hören. Wepper trifft, genau wie Gibson, den richtigen Ton für diesen Film. Und selbst der deutsche Trailer schafft es, dem originalen noch einen draufzusetzen. Während es dort heißt, während Gibson von seinen Freunden betrogen, zusammengeschlagen und erschossen wird: „With friends like these – imagine his enemies!“ spielt der deutsche Trailer auf wunderbare Weise mit einem alten Spruch und macht daraus ein treffendes: „Wer solche Freunde hat – der hat sicher auch Feinde!“ Besser kann man den Film kaum zusammenfassen.

„Muxmäuschenstill“

Das dürfte wohl der erste deutsche Film sein, der hier auftaucht… und vielleicht auch der einzige bleiben? Wir werden sehen. „Muxmäuschenstill“ ist wohl eher ein Geheimtipp und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Es geht um Selbstjustiz, einen Weltverbesserer und unbeleckte Liebe. Ja, ich sehe auch, das klingt eigentlich weder ansprechend noch besonders positiv. Versuchen wir es anders.

Es geht um Mediensatire, Verlust von Gemeinschaftsgefühl und die Verrohung der Gesellschaft. Oh Mann, jetzt klingt es erst recht wie ein deutscher Film – wie ein humorloser deutscher Film! Aber das ist er nicht. Doch der Humor dieses Films ist eher trocken, bitter, böse. Ein Mann, der versucht, die Welt zu verbessern… der muss einfach scheitern. Und am ehesten an sich selbst und den Maßstäben, die er für sich aufgestellt hat. Ach, alles, was ich über den Film schreibe, klingt abschreckend.

Man könnte ihn ein wenig vergleichen mit dem Michael Douglas Film „Falling Down“ – also wenn Sie den nicht mögen, Finger weg hiervon! Wie auch Michael Douglas Figur, die versucht, auf illegalem Wege etwas gutes zu tun, läuft es auch hier auf dasselbe Ende hinaus: Die Figur tut etwas Unverzeihliches (Mord) und muss daher am Ende der einzig möglichen Gerechtigkeit ins Auge sehen (der eigene Tod).

Vielleicht bin ich ja einfach nur reaktionär, aber bei beiden Filmen habe ich das Gefühl, das macht man nur für das Publikum. Und zwar, um quasi alles, was die Figur getan hat, auch das Gute, wieder zu negieren. Um zu sagen: Nein, das war nicht gut, so was tut man nicht. Und wenn doch, dann legen wir dich um. Die, die legen dich um. Irgendjemand. Da findet sich schon wer!

Beide Elemente (Mord/eigener Tod) sind also nur aus einem Grund im Film: Damit die Figur a) gerichtet wird und b) es einen gerechten Grund dafür gibt, dass sie a) gerichtet wird. Und das finde ich schade, da damit all das Gute und Vernünftige, was die Figur vorher getan hat (ja, ich weiß, es ist Selbstjustiz!) völlig entwertet.

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von Martin Cordemann

Schlampen-Safari

Dass man in Hollywood ständig Remakes und Reboots von Filmen macht is ja nu nix neues, aber dass inzwischen auch das deutsche Fernsehen nicht davor halt macht… Da war doch gerade die eine „Sendung“ auf RTL vorbei, in der man einen Haufen nerviger Weiber, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen als „Promis“ bezeichnet werden, nach Afrika geschickt hatte, da kam einen Tag später das nahezu selbe Format bei Pro7 – nur halt mit anderen nervigen Weibern. Das wäre ja auch alles nicht so schlimm, wenn diese „Reality“ Formate nicht einen ganz großen Fehler aufweisen würden: Die Teilnehmer dürfen anschließend wieder zurück nach Deutschland!

„Reality“ TV

Erstmal is ja wohl klar, dass der Begriff „Reality“ in diesem Zusammenhang eigentlich nur ironisch gemeint sein kann, denn der Mist, den man da so vorgesetzt bekommt, hat mit der Realität ja meist weniger zu tun. Jeder Wissenschaftler wird Ihnen sagen, dass, sobald ein Beobachter (in dem Fall eine Kamera) sichtbar vorhanden ist, die Ergebnisse eines Experiments eigentlich nicht mehr viel Wert sind, weil es keine objektive Beobachtung mehr ist, sondern der Beobachter durch seine Anwesenheit quasi Teil des Experiments wird, etwas in der Art. Also wer glaubt, Leute, die von Kameras beobachtet werden, von denen sie wissen, dass sie da sind, würden sich absolut realistisch und wirklichkeitsgetreu verhalten, der ist genauso naiv wie die Leute, die sich für solche Sendungen melden. Oh, die reden übrigens nie von Sendungen, sondern von „Projekt“, das „Projekt“ bei dem sie hier mitmachen… auch eine Art, sich diesen Mist schön zu reden.

Dass sich trotz dieser schlechten Versuchsanordnung trotzdem noch einige Leute wahrscheinlich so verhalten, wie sie wirklich sind, liegt wohl eher daran, dass einige dieser Leute einfach Idioten Schrägstrich Arschlöcher sind, die sich ohnehin so verhalten, jedenfalls legen meine vielen Beobachtungen bei „Big Brother“ diesen Schluss nahe. Verzeihung, wenn ich da jetzt jemandem zu nahe trete, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass viele davon lesen, die Gefahr ist also nicht besonders groß, denke ich.

Tussen in Afrika

Nachdem also die erste Ladung Tussen gerade aus Afrika ausgeflogen wurde, geht eine neue auf anderem Sender an den Start. War es beim einen Sender ein reines Kontingent von Implantatsfehlern, wurde beim anderen Sender noch Doppel-Dig (aber nicht doppeldeutig) aufgerüstet. Neben Z-Klasse-Tussen kamen nun auch Busenwunder, Teppichluder und Ex-Pornostar dazu – wobei die wenigstens eine (un)anständige Filmographie vorweisen kann. Und wie die intelligenteste wirkte. Und sofort rausgewählt wurde. Da bleiben durfte dafür die Frau, bei der es schwierig ist, Bilder zu finden, auf denen sie nicht nackt ist und die uns immer wieder beweist, dass falsche Titten auch einfach mal scheiße aussehen können und ständig nackt sein auch nicht immer erotisch wirken muss. Armes Afrika!

Wobei man sich fragen muss, ob es Afrika nicht eigentlich auch so schon schlecht genug geht, dass man die auch noch mit aufgepumpten Dumpfbacken aus Deutschland behelligen muss; erinnern wir uns daran, dass es angeblich mal einen Stamm gab, der, als er feststellte, dass sie nicht die einzigen Menschen auf der Welt waren, dafür gesorgt hat, dass der Stamm aussterben würden. Wie soll dann also die Reaktion von afrikanischen Völkern sein, wenn man sie mit deutschen Idiotinnen konfrontiert? Die Sprachbarriere schützt da nicht, denn die Afrikaner sind ja nicht doof, die merken schon, wen sie da vor sich haben. Ach, hätte man ihnen doch erlaubt, jeden umzubringen, den sie für richtig hielten… das hätte die Sendung auch weit spannender gemacht.

Und es wäre durchaus gerechtfertigt gewesen durch die Wahl der Personen, die man nach Afrika geschickt hat. Denn unterm Strich war das doch größtenteils Ausschussware. Abgelegte Güter (um nicht zu sagen: Verliererinnen), die man eigentlich nur dann kennt, wenn man Sendungen wie „Big Brother“, „Bachelor“, „Top Model“ und die Klatschpresse verfolgt. Eine Gruppe von Frauen, denen ich gerne ein kollektives „HALT DOCH EINFACH MAL DIE FRESSE!“ kredenzen würde. Da es aber leider noch kein interaktives Fernsehen gibt…

No minierungen

Dann gibt es natürlich auch die unvermeidlichen Nominierungen – und die unvermeidliche Scheiße, die diese Leute dann erzählen. War bei „Big Brother“ schon so, war bei „Holt mich hier raus, ich bin ein Star“ (herrlich ironischer Titel übrigens) schon so, ist natürlich auch hier: das eklige Herumgeheuchele bei der ersten Nominierung. Was ist denn bitte so schlimm daran, zu sagen: „Mann, die geht mir auf den Sack, deshalb nominiere ich sie!“? Bisschen Ehrlichkeit, Leute, auch am ersten Tag.

Statt dessen hört man immer einen Mist wie „Ich hab die alle so lieb gewonnen“ und „ich möchte mich von keinem von denen trennen, aber“, was, wenn man die Sendung vorher verfolgt hat, völliger Mist ist, da man die alle zu einem anderen Planeten wünschen würde – in einem anderen Sonnensystem in einer anderen Galaxie in einem anderen Universum! Stattdessen aber verlogenes Rumgeseiere und dieser ständige „ich wähle dich raus, weil ich weiß, dass du dich hier nicht wohl fühlst“ Scheiß. Das haben die gefühlt, denn die sind ja alle so sensibel! Na gut, zugegeben, wenn Ehrlichkeit hier eine große Rolle spielen würde, dann hätte man wahrscheinlich andere Leute gewählt – oder eine andere Sendung!

Ja, ich weiß, Sie fragen sich (oder mich), warum ich mir einen solchen Mist überhaupt angucke? Nuuuuuuuun, okay, ich weiß auch nicht. Ich sehe Leuten ganz gerne dabei zu, wenn sie sich wie Arschlöcher verhalten – solange ich sie nicht persönlich kenne und nie was mit ihnen zu tun haben werde. Und man weiß, dass man sie nach dieser Sendung niemals wieder zu sehen bekommt. Aber leider ist das ja auch nicht mehr so. Früher war das noch anders. Aus dem „Big Brother“ (ihr solltet Orwells Erben mal ein bisschen Tantiemen für die Nutzungsrechte zahlen) Haus raus und man war von der Person erlöst, es sei denn, sie wohnte in der Nachbarschaft. Das war okay. Aber heutzutage ist selbst das leider nicht mehr so. Wie genau diese beiden „Titten in Afrika“ Formate beweisen. Der Abschaum wird die Toilette nicht mehr heruntergespült, sondern er kommt immer wieder hoch. Würde also mal Zeit, dass jemand das Fernsehklo repariert.

Eine einfache Lösung

Mein Wunsch für derlei „Reality“ Formate war schon immer, dass die Kandidaten nach den Sendungen einfach nicht mehr auftauchen. Hat doch in Rom bei den Löwen auch gut funktioniert und da wird sich auch keiner beschwert haben. Also warum bedeutet eine Rauswahl in so einem Afrika-Mist nicht einfach, dass die Rausgewählten allein durch die Wüste nach Hause finden müssen – oder dem Stamm, bei dem sie wohnen durften, als Menschenopfer dienen? Würde die Sendung doch gleich viel spannender machen – und endlich würde es auch um etwas gehen.

Ich meine, Dschungelkönig oder African Queen sind doch unterm Strich ziemlich bedeutungslose Titel. (So wie „Sommermädchen“, eine Sendung, die ich gerne gesehen habe, weil sie so unglaublich blöd war und eine Horde idiotischer Zicken um den nichtssagenden und effektiv wertlosen Titel des „Sommermädchens“ gekämpft haben, begleitet von einer langweiligen Moderation… ach, warum haben die das nur eingestellt?) Es sei denn, sie sind mit einem Haufen Kohle verbunden.

Und wie traurig muss es für die Leute sein, frühzeitig nach Hause geschickt zu werden, ohne eine weitere komfortlose Nacht auf einem harten Wüstenboden verbringen zu dürfen. Hmm, da das Idiotinnen sind, wahrscheinlich sehr. Aber eine Aufwertung wäre es, dass man sich nicht nur gegen die anderen aufgepumpten Nervtussis durchgesetzt hat, sondern dass man auch die einzige Überlebende ist?! Das mag jetzt natürlich ein wenig hart klingen – aber es würde diese Art Sendungen so viel befriedigender machen!

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von Martin Cordemann

For A Few Commas More

– Der vierte Teil der „Beobachte meinen Rücken“ Trilogie

Oder, genau genommen, der dritte, aber wer zählt da schon mit?

Und jetzt betrachten Sie mal die Überschrift. Finden Sie nicht auch, dass Großschreibung in englischen Titeln irgendwie merkwürdig aussieht? Gut, ich hätte diese Kolumne auch „Für ein paar Kommas mehr“ nennen können und die vorherige „Für eine Handvoll Kommas“, aber erstens geht es ja auch strengsterdings um englische Texte und da kann man einen englischen Titel ja mal rechtfertigen, und b) hieß der Film „The Good, the Bad and the Ugly“ bei uns ja „Zwei glorreiche Halunken“ und da scheint die dritte Person irgendwie der Zensur zum Opfer gefallen zu sein.

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Oh, kleiner Hinweis für alle O-Ton-Fanatiker: In welcher Sprachfassung guckt ihr denn eigentlich die Dollar-Trilogie? Okay, das war eher eine Frage als ein Hinweis. Genau genommen war das eine Frage. Denn wie wir alle wissen, sind die ja nun nicht unbedingt auf Englisch gedreht. Eigentlich eher nicht. Eastwood hat seinen (wenigen) Text auf Englisch abgeliefert und wahrscheinlich jeder andere in seiner jeweiligen Landessprache. Dann wurde im Nachhinein eine englische, eine italienische und zwei deutsche Fassungen erstellt… also welches ist die Originalfassung? Immerhin ist Leone Italiener!

Ganz ehrlich, bei „Für eine Handvoll Dollar“ habe ich es mit der englischen Fassung versucht… und bin daran gescheitert. Es gibt nur wenige wirklich brauchbare englischsprachige Synchronfassungen – wobei ich noch keine gefunden habe. Aber durch Masse und Erfahrung können das die Deutschen einfach besser, machen wir uns nichts vor.

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Und man kann einen Film oder einen Schauspieler ja auch durchaus aufwerten. Über die Serie „Die 2“ („The Persuaders“) mit Tony Curtis und Roger Moore wird das immer kolportiert. Die Legende will es, dass die Serie im Original langweilig wäre, aber Rainer Brandt, der hier auch Curtis spricht, durch seine flapsige Synchronfassung einen Erfolg daraus gemacht hat. Letzteres stimmt definitiv, die Serie war hier erfolgreich. Ob ersteres stimmt, nämlich ob sie im Original wirklich so langweilig ist wie behauptet, habe ich bislang noch nicht nachprüfen können – aber ich habe die DVDs und werde das sicher nachholen. Und dann werden wir ja sehen, ob die Legende stimmt.

Brandt und sein Kollege Karlheinz Brunnemann haben damals aber nicht nur „Die 2“ betreut, auch Serien wie „Ihr Auftritt, Al Mundy“ mit Robert Wagner (Rainer Brandt) fielen ihnen zu…m Opfer. Was bei „Die 2“ hervorragend funktioniert, will bei der früher entstandenen Fassung von „Al Mundy“ nicht so recht zünden. Die gleiche flapsige Art – und leider auch die gleichen Sprüche. Ist vielleicht einmal ganz witzig, aber beim zweiten Mal kann es dann schon anstrengend werden. Und eintönig. Und weit weniger originell. Unterboten wird dies aber noch durch die später synchronisierten Folgen (diesmal mit Joachim Kerzel für Robert Wagner), die versuchen, den Brunnemann/Brandt Stil zu kopieren, damit aber gnadenlos scheitern.

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Und doch besteht die Möglichkeit, aus miesen Filme gute zu machen und aus miesen Schauspielern bessere. Oder nicht ganz so schlechte. Machen wir uns nichts vor, würde Arnold Schwarzenegger sich bei uns selbst synchronisieren, wäre der Terminator bestimmt zur Lachnummer verkommen. Thomas Danneberg, der es schafft, hier eiskalt und mechanisch zu klingen, bügelt diesen Fehler des Originals aus.

Und – auch – William – Shatner – wirkt – auf – Deutsch – nicht – so – abgehackt – wie – im – Original… denn mit Gerd Günther Hoffmann führte er einen wunderbaren deutschen Schauspieler im Munde, der ihn zu einem charmanten und humorigen Helden machte.

Action-Superheld Bruce Willis klingt im Original auch eher blass und dünn – Manfred Lehmann macht ihn aber auch stimmlich zur coolsten Sau im Hochhaus/Flughafen/Stadt/Russland/Weltraum/Woauchimmer. Dass das seinem Jedermann-Image, das er noch in „Stirb langsam“ hatte und das diesen Film so ausgezeichnet hat, ziemlich entgegenläuft… macht nichts, denn seine Rollen tun dies ja auch.

DreiStripsFewCommas

Es ist oft eine Frage des Erstkontakts und in meiner Jugend, als die Gebrüder Wright ihre ersten Flugversuche unternommen haben… als man den Grundstein für den Kölner Dom gelegt hat… als es nur Videos gab und Originalfassungen teuer und schwer zu bekommen und schwer zu verstehen waren, da hat man solche Filme eben auf deutsch gesehen. Und das ist wohl einer der Gründe, warum ich bei Woody Allen seine deutsche Stimme Wolfgang Draeger seiner eigenen einfach vorziehe. Draeger ist zwar mehr nervös als weinerlich, aber so habe ich Allen eben kennen und schätzen gelernt. Aber es ist und bleibt eben eine Geschmacksfrage. Guten Appetit!

NullNullSexy15Nebenjob

von Martin Cordemann

„V“

Bevor „V“ für „Vampirblut“ stand („True Blood“), hatte es noch eine andere Bedeutung. „Visitors“? Weil es sich um Besucher aus dem Weltraum handelt? Liegt nahe, stimmt aber nicht. Denn wie uns die Serie selber sagt, steht das „V“ nicht für „Visitors“ sondern für „Victory“, den Sieg über die Besatzer. Welche Formen das inzwischen angenommen hat, erfahren wir jetzt.

Die erste Miniserie

Außerirdische kommen in riesigen Raumschiffen zur Erde… klingt vertraut? Ja, haben wir schon zigmal gesehen. Und zwar in diesem bekannten Film, wie hieß der noch mal, wo die Außerirdischen kommen und die Menschen sie auf eine irrsinnige Weise besiegen, die völlig unrealistisch ist. Richtig, das war „Mars Attacks!“. „V“ ist nicht die Mutter aller Alien-Invasion-Szenarien, dafür dürfte sich in den Science Fiction Filmen der 50er eine Menge anderer Beispiele finden lassen, aber es ist die würdevolle Tante, die man verdammtnochmal mit Respekt behandeln sollte.

Man sagt, die Spezialeffekte der Serie, die Raumschiffe, die Shuttles, all das war seiner Zeit voraus. Das lässt sich, wenn man das Material heute sieht, schwer nachvollziehen. Kann aber trotzdem so gewesen sein, da sich ja auch die Sehgewohnheiten ändern. Was aber definitiv seiner Zeit voraus war, war die Handlung. Denn hier gibt es nicht nur schwarz und weiß, gut und böse, Außerirdisch und Irdisch, hier gibt es jede Menge Grauzonen. Menschen, die mit den Aliens kollaborieren und Außerirdische, die mit den Menschen gemeinsame Sache machen. Dass das ganze auch irgendwie die Sache mit den Nazis widerspiegelt, ist kein großes Geheimnis, immerhin sind die Fahnen der Außerirdischen in schwarz/rot gehalten und ihrem Symbol fehlt nicht viel zum Hakenkreuz.

Diese Miniserie lohnt sich auf jeden Fall zu sehen, und dass die Sache mit den Grauzonen mehr als beabsichtigt ist, gibt Serien-Schöpfer Kenneth C. Johnson gerne zu. Netterweise gibt er im Audiokommentar sogar seine E-Mail-Adresse an, und sagt man solle ihm mailen. Habe ich gemacht, und ich habe auch eine sehr nette Antwort erhalten… die sich aber leider auf einem Computer befindet, der nicht mehr existiert. Schade drum!

Die zweite Miniserie

„V“ war ein Erfolg, also was macht man in einem solchen Fall? Richtig, eine Fortsetzung. Die zweite Serie setzt da an, wo die erste aufgehört hat, führt neue Charaktere ein und den Kampf gegen die Außerirdischen fort. Während man die erste Serie schon als eine Art Meilenstein betrachten kann, ist diese Fortsetzung zwar gut, aber sie erreicht das Original nicht ganz. Am Ende werden die Außerirdischen besiegt, so scheint es jedenfalls…

Die Serie

…und so wäre es wohl auch geblieben, hätte man nicht nun eine komplette Fernsehserie angestrebt. Wieder kommen neue Figuren dazu, doch es gibt zwei Dinge, die man hier wirklich als positiv hervorheben sollte:

a) die Serie setzt da an, wo die zweite Miniserie aufgehört hat und ignoriert damit nicht alles, was vorher war, wie das sonst gerne gemacht wird, und

b) die Serie ist ihrer Zeit in einer Sache um Jahre voraus: Sie hat eine durchgehende Handlung!

Was heute bei den meisten Serien zum guten Ton gehört und zwischen „V“ und heute in der Science Fiction wohl nur „Deep Space Nine“, „Babylon 5“ und in gewisser Weise „Farscape“ gemacht hatten, war damals eher neu. Eine Handlung, die sich durch die ganze Staffel zog. Ungewöhnlich, aber nicht verkehrt. Und es gibt sogar einen Schluss, ein Ende, ein gewolltes, vorbereitetes Ende. Für die Serie, das Universum und den ganzen Rest. Das kann man vom neuen „V“ leider nicht sagen…

Die Neuauflage

In den 2000ern gab es dann eine Neuauflage. Sie hat es auf zwei kurze Staffeln gebracht und die Struktur einer durchgehenden, sich weiter entwickelnden Handlung beibehalten. Qualitativ ist sie… schwierig einzuordnen. Die Handlung ist gar nicht schlecht, wenn sich auch hier und da das eine oder andere Klischee auftut. Auch hier gibt es die Grauzonen des Originals, die aber nicht ganz so gut herausgearbeitet sind.

Die Außenaufnahmen der Raumschiffe sind nicht schlecht, die Innenaufnahmen aber… furchtbar! Es sieht permanent nach Bluescreen aus, was den Genuss ein wenig schmälert.

Schön ist, dass im Pilotfilm ein Passant jemanden darauf hinweist, dass „Independance Day“ nicht der erste Film mit der Ankunft von Außerirdischen gewesen wäre, da hätte es schon vorher was gegeben, wo die geklaut hätten – eine nette Anspielung auf die „V“-Originalserie.

Weniger schön ist, dass man am Ende der zweiten Staffel wohl dachte/hoffte/betete, dass man eine dritte Staffel bekommen würde und deshalb mit einem Cliffhanger schließt… der niemals aufgelöst werden wird. Sieht man davon ab, kann man sich die Serie durchaus ansehen.

DoubleOhSexy03Chairman

von Martin Cordemann

Unmoralische Unternehmungen

– aus unserer Reihe: „Es muss nicht immer Nörgeln sein“

Die Welt ist schlecht – aber nicht alle Filme sind es auch. Auch, wenn diese Kolumne ähnliches vermuten lässt. Doch es gibt Filme, die wirklich, wirklich…

Wo war ich? Ach ja, gut sind. Aber die Welt ist es, wie wir eben gesagt haben, nicht – und da gibt es ein paar Filme, die sich genau damit auseinandersetzen. Und das, ohne einen auf moralisch zu machen. Schauen wir doch mal, was wir da so im Angebot haben.

„Flammen am Horizont”

Eine böse Satire mit Sean Connery, die eigentlich schon den zweiten Golfkrieg vorwegnimmt. Bzw. den Umgang damit. Medien, Manipulation, Macht. Aus dem Handbuch „So rechtfertige ich meinen nächsten Krieg“. Genau genommen war der Film seiner Zeit um einiges voraus, auch was die Entwicklung des Fernsehens angeht, die hier portraitiert wird. Oder ob man die Entwicklung des zweiten Golfkriegs vielleicht auf diesem Film basiert hat?

Nein, dafür war er wahrscheinlich nicht erfolgreich genug. Ein Film, der Amerika den Zerrspiegel vorhält, wird wohl kaum ein großer Erfolg gewesen sein. Umso mehr ein Grund, ihn in diesem Rahmen mal lobend zu erwähnen.

Neben Connery spielen in diesem Film auch Hardy Krüger und der spätere „Nackte Kanone“ Star Leslie Nielsen mit. Was uns zu dem kleinen Wertmutstropfen bringt, den dieser Film für mich hat. Connery wird in der deutschen Fassung leider nicht von seinem Stammsprecher Gert Günther Hoffmann gesprochen, sondern von Horst Schön… der wenig später der Stammsprecher von dem hier auftretenden Leslie Nielsen wurde… der wiederum hier von Heinz Petruo gesprochen wird… der Connery in „Der längste Tag“ die Stimme geliehen hatte. Soviel zu den wirklich unwichtigen Informationen, die Sie nicht haben wollten. Schön macht das ganz schön, aber Hoffmann wäre hier das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Aber das tut der ganzen Sache keinen Abbruch… was auch immer das heißen mag!

„Thank you for Smoking”

Während beim zuvor genannten Film eher die Handlungen des Fernsehens und der Regierung als unmoralisch zu betrachten sind, sind es in den folgenden beiden Filmen eher die Hauptfiguren, die ihre Unmoral zur Schau tragen. Aaron Eckhart geht hier für die Zigarettenindustrie ins Rennen und hat mit die unmoralischsten Dinge zu sagen, die man sich so vorstellen kann. Denn natürlich will die Zigarettenindustrie nicht, dass die Raucher sterben – weil sie dadurch ja treue Kunden verliert. Und, machen wir uns nichts vor, er hat damit völlig Recht!

Die Figur, die er hier spielt, tut unmoralische Dinge – und sie weiß das auch. Und tut sie trotzdem. Mit einer Freude an der Sache, die Freude bereitet. Was die Sache so erfrischend macht, ist diese unerwartete Ehrlichkeit, die die gesamte Verlogenheit, mit der sonst mit diesem Thema umgegangen wird, durch die in ihr enthaltene Satire erst so richtig deutlich macht. Würde die Welt anders aussehen, wenn man darüber in dieser Ehrlichkeit reden würde? Wohl nicht, denn auch wenn man die Bilder von verstümmelten Leichen auf Zigarettenschachteln abbilden würde, würde das wohl kaum jemanden vom Rauchen abhalten.

Was diesen – und den nächsten Film – über die Masse von moralisierenden Filmen erhebt, ist, dass die Hauptfigur, obwohl sie im Film mit etwas konfrontiert wird, das ein einschlagendes Erlebnis ist, das einen Wendepunkt darstellen, ein Umdenken bewirken sollte, am Ende genauso unmoralisch ist wie zuvor. Und das mit einem Lächeln auf den Lippen! Denn, machen wir uns nichts vor, so ein Umdenken passiert eigentlich nur in Filmen – und das hätte das Ende unrealistisch gemacht und den Film seiner Konsequenz beraubt.

„Lord of War”

Ja, Nicolas Cage kann auch anders. Je nachdem, von welchem Standpunkt Sie jetzt kommen, heißt das: „Ja, er kann auch gut.“ oder „Ja, er kann auch schlecht.“ Er kann beides. Er macht beides, was das Problem ist. Das hier ist aber einer von den Filmen, wo beides gut ist, sowohl der Film als auch Cages Performance.

Ähnlich wie der zuvor genannte Film (ja, ich bin einfach zu faul, die Namen zu kopieren, aber Sie haben’s doch gerade gelesen, Sie müssen doch noch wissen, worum es ging) geht es hier um völlige Unmoral. Hatten wir zuvor das Thema Zigaretten, haben wir hier das Thema Waffenhandel. Zwei riesige Industrien, deren Ziel es ist, Menschen zu töten. Naja, bei den Zigaretten vielleicht nicht gerade „Ziel“, aber es sollte den Herstellern klar sein, dass das nicht ausbleibt.

Cage spielt hier einen Waffenhändler und wir sehen, wie er durch die Welt reist, um seinen Job möglichst gut zu machen. Wie das in der Branche wahrscheinlich kaum zu umgehen ist, lernt er dabei natürlich auch einen afrikanischen Warlord kennen, Kindersoldaten inklusive. Auch ihm widerfährt eine Situation/ein Verlust, der in anderen Filmen ein Umdenken bewirkt hätte, doch auch Cages Charakter bleibt am Ende der unmoralische Sieger und dem, was er tut, treu.

Auch er ist sich, was, wie gesagt, diese Filme zu guten Filmen macht, der Tatsache bewusst, dass das, was er da tut, nichts wirklich Positives ist. Und wie Eckharts Figur rechtfertigt er seine Taten nicht mit irgendetwas fadenscheinigem, sondern gesteht sich – und uns – ein, dass er das allein aus dem Grund tut, weil er einfach verdammt gut darin ist. Das ist keine Rechtfertigung dafür, unmoralische Dinge zu tun, es ist nur einfach erfrischend ehrlich – und dadurch herrlich unmoralisch.

Großartig ist hier übrigens die Anfangssequenz, in der wir aus der Sicht einer Gewehrkugel ihren Lebensweg von der Produktion bis hin in den Kopf eines Kindersoldaten miterleben. Eigentlich würde das als Film schon fast reichen, denn es bringt das auf den Punkt, worum es beim Waffenhandel – lies das, Deutsche Regierung! – eigentlich geht: Leute umzubringen, meist Unschuldige!

Wenn Sie also unmoralische Handlungen sehen möchten, ohne dabei die Arschlöcher kennen lernen zu müssen, die in der Wirklichkeit für so was verantwortlich sind, dann seien Ihnen diese Filme wärmstens ans Herz gelegt!

Halb_Fiction276

von Martin Cordemann

Endlich: rauchfreie Filme!

Darauf haben wir alle gewartet! Nein, haben wir nicht. Aber irgendwo wäre es doch nur konsequent, dass man, wenn man in der Kneipe nicht mehr rauchen darf, das dann in den Filmen, die dort gezeigt werden, ebenfalls nicht darf, oder? Wär doch auch unfair. Da darf doch John Wayne nicht auf der Leinwand qualmen, aber an der Theke darf man es nicht. Gleiches Recht für alle – und das am besten rückwirkend.

Hollywoods Fähnchen…

…weht ja meist nach dem Wind, eigentlich nach dem, der am meisten Geld bringt, aber ein anderer Wind, der eigentlich stets durch Hollywood wehte, den wir aber nie sooo stark wahrgenommen haben, ist der der Propaganda. Oder der Ideologie. Suchen Sie es sich aus.

In Zeiten des zweiten Weltkriegs gab es jede Menge Propaganda gegen Nazis, und da kann man wohl schlecht was gegen sagen. Was aber vielleicht ein wenig untergeht, ist die Propaganda der letzten Jahre. Die, für den „Krieg gegen Terror“. Die christliche Propaganda. Und jetzt die Anti-Raucher-Propaganda.

Besonders letztere ist ein bisschen widersinnig um nicht zu sagen heuchlerisch, da gerade Hollywood das Rauchen besonders populär gemacht hat. Jetzt zurückzurudern und zu sagen: „Rauchen ist schlecht“ kommt da ein wenig unglaubwürdig daher. Doch der Trend ist seit Jahren zu sehen. Qualmten selbst in den 80ern noch raubeinige Helden wie Bruce Willis bevor, nachdem und während sie Bösewichter umlegten, so ist die Zigarette im Film inzwischen eher zum Erkennungsmerkmal von Bösewichten geworden. Ganz einfache Formel: Die Guten haben Apple-Computer und rauchen nicht, die Bösen haben PCs und rauchen.

Einzige Ausnahme im verlogenen amerikanischen Mediendschungel ist, wenn man seine Serie in die 60er verlegt, wo Rauchen noch möglich und gesellschaftlich angesehen war. Bestes Beispiel dafür ist die Serie „Mad Men“, in der man sich wundert, dass nicht auch die Kinder rauchen… obwohl sie die Frage selbst sehr schön beantworten. Abgesehen davon herrscht auf Leinwand und Schirm jedoch striktes Rauchverbot.

Rückwirkend rückwürgend

Von diesem Punkt an, das zeigt uns die Geschichte, ist es nur noch ein kleiner Schritt dahin, auch rückwirkend das Rauchverhalten in Filmen zu verändern. Leute, die schwarz/weiß Filme kolorieren, schrecken bekanntlich vor nichts zurück. Und ein Präzedenzfall in der Geschichte der Kunst wäre es auch nicht, da der ehemalige Kettenraucher „Lucky Luke“ in den Heften inzwischen statt einer Fluppe einen Grashalm im Mund hat.

Machen wir uns nichts vor, Ideologie hatte schon immer Einfluss auf die Kunst. Lebt man in einem freien, offenen Staat, in dem die Staatsmacht nur die befreundeten ausländischen Staaten bespitzelt… hmmm, zu aktuell. Und doch…

Es ist wahrscheinlich wie mit den Wahlen: Wenn es den Leuten gut geht, geht kaum einer hin. Sind die Verhältnisse aber schlecht, steigt automatisch die Wahlbeteiligung. Lebt man also in einem Land, das einem den Eindruck vermittelt, man wäre frei und alles würde gut laufen, dann sieht die Kunst wahrscheinlich ganz anders aus, als in einem Land, in dem sich der Künstler das Papier, auf dem er schreibt, vom Mund absparen muss, oder in einem Land, in dem er sich jedes Wort dreimal überlegen muss, damit der Staat darin nicht eine Kritik an sich erkennen könnte und den Künstler wegsperrt. Auf diese allgemeine Weise übt also jede Ideologie ihren Einfluss auf die unter ihr entstehende Kunst aus.

Das dritte reicht

Nun wird bestimmt jeder sagen, dass es nicht gut ist, wenn ein Regime wie das Dritte Reich einen Einfluss auf die Kunst ausübt. Und damit meine ich nicht die Bauten von Speer oder die Filme von Knoop. Es dürfte wahrscheinlich, außer vielleicht mit ein paar Nazis oder ein paar missmutigen Islamisten, ein allgemeiner Konsens bestehen, dass antijüdische Literatur eher weniger positiv zu bewerten wäre. Und dass eine solche Literatur in jenen dunklen Jahren in Deutschland durchaus gefördert wurde, darf man wohl voraussetzen. Das kann man dann wohl als negativen Einfluss der Ideologie auf die Kunst auffassen.

Aber gehen wir die Sache mal von einer anderen Seite an. Von unserer heutigen Seite. Dass man antisemitische Werke nicht unterstützen sollte, ist klar. Neu produzieren schon gar nicht. Aber was ist mit Werken, die aus einer anderen Zeit stammen, besonders aus einer Zeit vor dem Dritten Reich, in denen sich trotzdem diese Tendenzen finden, weil sie dem damaligen Zeitgeist entsprachen? Denn es gab eine Zeit, da war Antisemitismus durchaus „politisch korrekt“, wie man es heute ausdrücken würde. Diese Werke sind Dokumente ihrer Zeit, die die Stimmungen ihrer Zeit widerspiegeln, mögen wir die heute auch für noch so falsch halten.

Bei Kinderbüchern scheint sich derzeit etwas Ähnliches zu tun. Begriffe wie „Neger“ sollen ersetzt werden – oder sind bei Astrid Lindgren möglicherweise sogar schon ersetzt worden! Weil sie der heutigen Verlogenheit einer „political correctness“ nicht mehr entsprechen. Also gibt es Bestrebungen, diese Begriffe aus den Werken zu tilgen. Was uns zu der Frage dieser Kolumne bringt:

Darf Ideologie die Kunst verändern?

Aus meiner Wortwahl werden Sie geschlossen haben, dass ich diesen Ansatz für grundsätzlich falsch halte. Denn unterm Strich geht das durchaus in eine Richtung, die man als Geschichtsfälschung bezeichnen könnte – und ist das nicht genau das, was die Nazis versucht haben? Oder das kommunistische Russland? Es ist eine Verfälschung von Texten, eine Verfälschung von Zeitdokumenten, eine Verfälschung von Kunst. Ob dabei das Vorzeichen gut oder böse ist, spielt letztendlich keine Rolle. Was man erreichen will, ist eine Glättung von Wirklichkeit, die zu einem anderen Zeitpunkt eben anders war.

Oh, wieviel mehr würde es bringen, derlei Werke mit Fußnoten zu versehen?! Den Begriff „Neger“ zu erhalten und den Vater oder die Mutter den Kindern beim Vorlesen erklären lassen, dass man das früher gesagt hat, aber dass man den Begriff heute nicht mehr verwendet. Da hätte man ein Gespräch und einen Lerneffekt, was weit mehr wert ist, als die pure Auslöschung eines heute nicht mehr genehmen Begriffs.

Ähnlich verhält es sich mit Antisemitismus. Wenn ein Werk aus einer Zeit stammt, in der die allgemeine Stimmung eben so war, dann hat man kein Recht, dieses Werk zu verändern, denn es vermittelt ein Bild seiner Zeit – und, was sogar fast noch wichtiger ist, auch, was in seiner Zeit falsch war. Einzig, und wirklich EINZIG der Autor selbst könnte ein Werk korrigieren, sollte er meinen, eine unangemessene Sprache verwendet zu haben. Ein Verlag hat dieses Recht in meinen Augen nicht!

Also, liebe Politiker, Geschichtsfälscher und Hollywoodpropagandisten, ihr könnt eure Kunstverfälschungen in der Pfeife rauchen – die Frage ist, ob ihr das dann auch auf der Leinwand zeigt!

Halb_Fiction595

von Martin Cordemann