Neu im Kino: Es war einmal in Deutschland…

Gruppe jüdischer Kleinkrimineller, die kurz nach dem Krieg versucht, sich mit leichten Betrügereien durchzuschlagen, während ihr Anführer von den Amerikanern wegen möglicher Kollaboration mit den Nazis verhört wird…

Humor kann Leben retten

Das ist in etwa das Resümee dieses Films, der ein paar nette Einfälle und Ideen hat, dann aber gerade gegen Ende eine Stimmung annimmt, die nicht zwingend zum Rest passen will. Wenn wären entweder stärkere Kontraste innerhalb des Films oder aber ein schärferer Bruch am Ende sinnvoll gewesen, so bleibt das ganze ein wenig schwammig, so rein gefühlsmäßig. Auch fragt man sich ab und an, ob die verwendete Sprache nicht vielleicht eine Spur zu modern ist, was dem Ganzen ein wenig seine Authentizität nimmt.

Mit

Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi, Mark Ivanir, Anatole Taubman, Hans Löw – Regie: Sam Garbarski

Ab

6. April 2017 im Kino.

Neu im Kino: Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

Da bei ihm die Geschäfte schlecht laufen, betreibt Gott eine kleine Hütte, in der er sich liebevoll um seine Gäste kümmert, bis einer ihn so sehr reizt, dass er wieder zum rachsüchtigen Gott von früher wird…

Echt?

Natürlich nicht! Denn das wäre jetzt schon der bessere Film. Was wir stattdessen zu sehen gezwungen werden, ist ein Missionarsfilm übelster Sorte – und leider ohne die erwähnte Missionarsstellung. Kurz gesagt, es ist

50 Shades of God

Genauso unerotisch, genauso ärgerlich. Nicht nur von der ganzen Handhabung her, auch die Aussage ist durchaus kritisch zu sehen. Es fängt damit an, dass ein untalentierter Schauspieler beim Camping seine Tochter verliert… oder ein Typ, der Dank Sam Worthlessness durch einen untalentierten Schauspieler gespielt wird. Auch möglich. Denn außer Octavia Spencer und Graham Greene, der wohl dringend Geld brauchte, war niemand erbärmlich genug, um sich an diesem höllischen Projekt zu beteiligen. Jedenfalls wird Töchterlein entführt – und da sehen wir zum Glück keine Überreaktion, wenn man quasi sofort, als sie nicht am Tisch sitzt, davon ausgeht, dass etwas schlimmes passiert ist (etwas so schlimmes wie dieser Film zum Beispiel), anstatt einfach mal zu denken, dass sie in den Wohnwagen gegangen ist, um sich ein paar Stifte zu holen, oder einfach mal für kleine Entführungsopfer ist. Jedenfalls verdächtigt man gleich den örtlichen Kinderschänder, der aber, trotz Finden eines blutigen Kleidchens in der titularen Hütte, nie gefasst wird. Ebensowenig, wie man die Leiche des Mädchens findet. Nun erhält Worthlessness aber eine handgetippte Einladung von Gott selbst (oder wahrscheinlich eher dessen Sekretärin, weil man ja seit der Bibel weiß, dass er den Schreibkram gerne auslagert), ihn dortselbst in der Hütte zu treffen, was Worthy dann macht. Doch statt dort Freund Kinderschänder anzutreffen, lädt Gott ihn in seine eigene Hütte ein und quatscht ihn so lange voll, bis einem als Zuschauer alles zum Halse heraushängt… obwohl das eigentlich schon ab Beginn des Films so ist. Oder, um es mit John Belushi in „Blues Brothers“ zu sagen, der Film hat „eine Art, dass man laufend kotzen könnte!“ Gut gesagt, Jake, denn genau das trifft hier zu.

Vergebung

Darum geht es diesem christlich-fundamentalistischen Propagandavideo denn letztlich, dass er nicht über andere urteilen, dem Mörder seiner Tochter vergeben und einfach mal den Ball flach halten soll, okay? Nicht aufregen, denn – und hier kommt das wirklich widerliche – Gott hat einen Plan, so, Alter, ja, und alles, was geschieht, geschieht, weil es gut so ist. Na, zum Glück ist das nicht unter- oder überschwellig eine komplette Rechtfertigung für Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und Massenmord, denn auch wenn ihr jetzt vielleicht glaubt, dass Genozid böse ist, dann ist das aber gar nicht so, weil das ja alles durch Gott gedeckt ist, sein Plan, seine Erde, seine Entscheidung. Hm, vielleicht ist der Film auch nur dazu gedacht, Präsident Trump zu rechtfertigen?

Anfangs hat man übrigens noch ein wenig die Hoffnung, dass das ganze eine Art zweites „Starship Troopers“ ist, ein Film, der eigentlich als Satire geschrieben ist, bei dem die Hauptdarsteller das aber nicht kapiert haben und alles so ernst spielen, dass man die Satire nicht mehr richtig erkennen kann. Doch leider scheint dem nicht so zu sein.

Prädikat: TWoT!

Um unser kürzlich eingeführtes Qualitätslossiegel zu verwenden. Der ganze Film hätte sich mit Intelligenz übrigens vermeiden lassen. Worthy hätte Gott lediglich fragen müssen: a) Ist meine Tochter wirklich tot oder lebt sie vielleicht noch? b) Falls sie tot ist, gibt es ein Leben nach dem Tod? Und c) Wenn es das gibt, wie geht es ihr hier? Gott hätte alle Fragen beantworten können und wir wären alle früher nach Hause gekommen. So gesehen lässt einen der Film möglicherweise eher daran zweifeln, dass es einen Gott gibt! Ab 6. April 2017 im Kino.

Neu auf DVD: Victoria – Staffel 1

1837 kommt die 18jährige Victoria auf den britischen Thron und wird Königin des Königreichs. Doch es gibt eine Menge Leute, die ihr in die Sache hineinreden wollen – und es gibt einen Mann, den sie sich an ihrer Seite wünschen würde…

Historiendrama

Für gewöhnlich schreibt man etwas darüber, dass Ausstattung und Kostüme gut waren, wenn einem der Rest nicht so unbedingt behagt hat. Hier ist das nicht nötig. Zwar sind beide Aspekte sehr schön, aber der Rest ist ebenfalls so gut, dass man auf die anderen Punkte eigentlich gar nicht eingehen müsste. Es gibt eine gute Geschichte, die offenbar auf den wirklichen Tagebüchern von Queen Victoria beruht, es gibt wunderbare Dialoge und ein paar Nebenstränge. Denn im standesgemäßen England zeigt man für gewöhnlich nicht nur die adelige Seite, sondern auch die Welt der Diener und Bediensteten – und was für „Das Haus am Eaton Place“ und „Downton Abbey“ funktioniert hat, darf auch im britischen Königshaus nicht fehlen… wenn hier auch davon ausgegangen werden darf, dass Serienautorin Daisy Goodwin diesen Teil nicht aus den Tagebüchern der Queen entnommen hat.

Wir erleben den Aufstieg einer klugen, starken Frau, die bei Amtsantritt zwar noch sehr jung ist, aber schnell lernt, was sie will. Dabei steht ihr ein betagter Herr zur Seite, mit dem sie ein sehr gutes Team bildet. Das funktioniert nicht nur wegen des guten Buches, sondern auch wegen der hervorragenden Darsteller.

Eine Königin zum Verlieben

Königin Victoria wird dargestellt von Jenna Coleman und die ist nicht nur eine gute Schauspielerin, sondern schlicht und ergreifend hinreißend. Eine Königin, in die man sich nur verlieben kann – und der man deshalb jeden Sieg gönnt, den sie gegen all die Intriganten und Manipulatoren, die sie lenken wollen, erringt. Am bekanntesten dürfte sie geworden sein als Wegbegleiterin von Englands bekanntestem Zeitreisenden, „Doctor Who“, und ein bisschen hofft man, dass Matt Smith oder Peter Capaldi mal in einer Folge als Gaststars auftauchen. Doch in Staffel 1 muss man leider noch darauf verzichten.

Ihr Wegbegleiter wiederum wird dargestellt von Rufus Sewell. Der ist nicht nur bekannt geworden durch den großartigen Film „Dark City“, sondern ebenfalls ein begnadeter Schauspieler. Er gibt seinen Premierminister mit einem amüsierten Charme und trägt damit enorm zur Leichtigkeit der Serie bei.

Ein bisschen heraus reißt einen Tom Hughes als Prinz Albert. Dabei ist es weniger das Problem, dass man für einige Rollen zwar Schauspieler gefunden hat, die perfektes Deutsch sprechen und dass er und sein Serienbruder Ernst nicht dazugehören, es ist mehr, dass er so aussieht und klingt, als würde Sacha Baron Cohen (Borat, Brüno, Ali G) den Prinzen spielen, und das ist… zumindest irritierend.

Mit

Jenna Coleman (Luisa Wietzorek), Eve Myles (Ilka Teichmüller), Tom Hughes (Arne Stephan), Rufus Sewell (Achim Buch), Peter Firth (Christian Rode), Peter Bowles (Lothar Blumhagen), Paul Rhys (Bernd Vollbrecht)

Fazit

Ein königliches Vergnügen! Historienserien leben oft allein von der Ausstattung, aber diese hat zudem schöne Dialoge, die richtige Prise Humor, eine gute Besetzung und eine wunderbare Musik. Schöne historische Ironie am Rande ist, dass der deutsche Prinz Albert gegen Sklaverei ist und zwar sehr steif, aber auch irgendwie sehr liberal, offenbar etwas, das den Deutschen ein Jahrhundert später ziemlich abhanden gekommen ist. Ab 17.3.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Voll verkatert

Reicher Schnösel wird in Katzenkörper versetzt, damit er das Herz seiner Tochter wiedergewinnt…

Ein Trauerspiel

Erstmal weiß man ziemlich genau, wie das Ganze ablaufen wird. Hat man schon zigmal gesehen, ist so weit von originell entfernt wie die 24. „Hund von Baskerville“-Verfilmung, man erwartet also nicht, dass man auch nur irgendwas Neues zu sehen bekommt. Und hat damit recht. Das Trauerspiel ist aber weniger, dass diese Köpertauschkomödie nur mäßig witzig ist, sondern wer alles dabei mitmacht. Barry Sonnenfeld hat mal tolle, großartige Filme gemacht. „Die Addams Family“, „Men in Black“, phantastisches, schräges, witziges Kino. Und jetzt ist er gezwungen, Mist wie diesen hier abzuliefern?

Gut, bei Kevin Spacey ist es ein wenig anders. Der hatte mal eine großartige Phase, „Sieben“, „Die üblichen Verdächtigen“, „L.A. Confidential“, „American Beauty“, Filme, in denen er zeigen konnte, was Subtilität und Wandlungsfähigkeit bedeutet. In den letzten Jahren hat er dann nur das das unsubtile Arschloch gespielt und, machen wir uns nichts vor, „House of Cards“ ist auch ein wenig überbewertet. Trotzdem ist es tragisch, dass er auch vor so was inzwischen nicht mehr zurückschreckt. Aber selbst das wird in der deutschen Fassung noch ruiniert.

Marketingsynchro

Promisynchro“ bezeichnet die Art von Synchronisation, bei der man irgendwelche (dahergelaufenen) Promis verpflichtet, die Aufgabe von Profis zu übernehmen, damit man mit ihren Namen (oder Fressen) werben kann, um mehr Leute ins Kino zu bekommen, auch wenn die Arbeit, die sie abgeliefert haben, weit hinter der der Profis zurückliegt… um mal die Umschreibung „beschissen ist“ höflich zu formulieren. Bei diesem Film nun hat man Oliver Kalkofe für Catvin Spacey engagiert. Der hat, das muss man zugeben, gute Arbeit geleistet für Jean Dujardin in den beiden OSS-Filmen, war aber schon bei dem furchtbaren „Ghostbusties“ für Bill Murray völlig fehlbesetzt. Da war es allerdings nur eine kleine Rolle, hier aber übernimmt er den kompletten Part von Kevin Spacey, und damit ist nicht nur die Katzenrolle gemeint, sondern auch Spacey selbst. Der hat nun aber seit Jahrzehnten einen grandiosen Sprecher, nämlich Till Hagen, der bei Spacey eine wunderbare Umsetzung des Originals ist, so dass es da keinen Qualitätsverlust gibt, wenn man die deutsche Fassung hört. Herrlich sardonisch kommt er auch für Walter Koenig als Alfred Bester in „Babylon 5“, wenn man sich mal einen Vergleichswert anhören möchte. Nun aber aus Marketinggründen, denn künstlerisch können sie nicht sein, einen grandiosen Sprecher, der das Original 1:1 trifft, durch einen in dem Fall eher mittelmäßigen zu ersetzen, ist mit Frechheit noch recht freundlich umschrieben. Ich meine, mich erinnern zu können, dass Kalkofe mal selbst irgendwo (in einem Audiokommentar oder so) gesagt hat, dass er viel von Synchronsprechern halten würde, da das Profis sind etc. Da sei denn also die Frage erlaubt, was er sich dabei denkt, Profis wie Herrn Hagen die Arbeit wegzunehmen, wo er doch angeblich soviel von denen hält? Angebot ablehnen wär keine Möglichkeit gewesen? Zu sagen, danke, ist nett gemeint, aber Herr Hagen macht das soviel besser? Oder braucht er auch einfach Geld – so, wie es Kevin Spacey zu brauchen scheint, denn warum sonst sollte er in einem solchen Film mitmachen?

Mit

Kevin Spacey (Oliver Kalkofe), Jennifer Garner (Dorette Hugo), Christopher Walken (Bodo Wolf)

Katzeklo

Nix Neues, nix tolles, nichtmal ein Katerfilm. Vorhersehbare Handlung, bei der die Katze meist so unecht wirkt, dass man sich wünscht, Disney würde ein Remake mit einer echten Katze und computergenerierten Menschen machen. Viel schlimmer könnte das auch nicht werden. Ab 31.3.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: The Boss Baby

Einzelkind bekommt kleines Brüderchen, das ihm die Liebe seiner Eltern stiehlt – doch dann stellt sich heraus, dass viel mehr dahinter steckt…

Animationsfilm

Klingt wie ein Krimi, ist aber irgendwie durchwachsen. Für Kinder, so schien es bei der Pressevorführung, geeignet, aber wenn man etwas älter wird, könnte man die eine oder andere Schwäche entdecken. Zwar gibt es ein paar ganz nette Einfälle, aber das „Magische“ scheint irgendwie zu fehlen. Die Phantasiewelt, die sich der Junge aufbaut, hätte besser eingesetzt werden und damit gespielt werden können. Prinzipiell hat man – als mitdenkender Erwachsener – einfach das Gefühl, dass man hier einfach die meisten Dinge nicht bis zum Ende durchdacht hat. Und das ist schade, da man da durchaus mehr hätte draus machen können.

Deutsch

Nachdem einem in Mails angedroht worden war, dass irgendwelche Youtuber in der deutschen Fassung dabei sein würden, muss man dankbar feststellen, dass die nicht negativ ins Gewicht fallen, und das ist ja auch schon mal was. Für die Rollen, die im Original von Alec Baldwin und Toby Maguire gesprochen wurden, hört bei man uns adäquat deren Synchronsprecher Klaus Dieter Klebsch und Marius Clarén, die ihre Sache gewohnt gut machen. Bei Steve Buscemi setzt man auf Tobias Lelle, der wie üblich ebenfalls nicht enttäuscht. Ein kleines Bonbon ist dann Eckart Dux für die Gandalfartige Uhr. Zwar war er erst die zweite Stimme des Zauberers, da er in der „Hobbit“-Trilogie den leider inzwischen verstorbenen Joachim Höppner ersetzen musste, aber gerade der schimmert hier sehr schön durch, wenn Dux Texte intoniert, die eher an den ersten Teil des „Herrn der Ringe“ angelegt sind. Das ist einfach schön – rettet den Film dann aber doch nicht.

Das Boss Fazit

Kinder und manche Erwachsene mögen daran ihre Freude haben, unterm Strich ist das Ganze aber leider nicht so ganz ausgegoren. Ab 30. März 2017 im Kino.

Neu im Kino: Ghost in the Shell

Geist einer Frau wird in künstlichen Körper versetzt und fortan arbeitet sie als Agentin…

Nach einer japanischen Comicserie

Weswegen schon im Vorfeld gegen Scarlett Johansson als Hauptdarstellerin gewettert wurde, weil die eben zu unasiatisch ist. Trotzdem macht sie eine gute Figur, aber die hat sie ja auch, und da neben dem asiatischen wohl teilweise auch doch noch der amerikanische Markt interessant ist, erklärt das ihre Besetzung.

Was ebenfalls für den Film spricht: Er schafft etwas, das viele Filme in letzter Zeit nicht hinbekommen: Er bietet eine passende Mischung aus visuellem Anspruch und guter Handlung! Sonst hat man oft was, das einfach toll aussieht, inhaltlich aber eher nich so dolle ist (siehe „The Neon Demon“, um nur ein Beispiel zu nennen). Mehr Schein als sein, Style ohne substance, all das. Doch da ist „Ghost in the Shell“ eine ebenso ansehnliche wie rühmliche Ausnahme, denn es gibt eine Handlung, die sich konsequent von Anfang bis Ende bewegt, ohne dass man das Gefühl hat, da hätte jetzt noch ne halbe Stunde raus gemusst. All das entwickelt sich spannend und bietet eine gute Geschichte, in der es um Agenten, künstliche Lebensformen, das Leben mit künstlichen Formen und die Entwicklung der Menschheit geht. Unterstützt wird das alles von tollen Bildern und einer visuellen Umsetzung, die schön spektakulär ist. Eben so, als hätte man ein Animee in der Realität umgesetzt – und wirkt es trotzdem immer echt. (Wenn man – und wir alle wissen, dass das nie geschehen wird – die hervorragende Comicserie „Transmetropolitan“ als Realfilm umsetzen wollte, dann beweist uns dieser Film hier, dass das absolut möglich wäre!)

Fazit in the Shell

Der Film ist genauso wie seine Hauptdarstellerin: Sieht gut aus und kann was! Eine interessante Geschichte mit diversen Wendungen und einer großartigen visuellen Umsetzung… und natürlich jeder Menge Action! Ab 30. März 2017 im Kino.

Neu auf DVD: Der gleiche Himmel

Unerfahrener Romeo-Agent aus der DDR soll 1974 in Berlin reifere Frau verführen, um über sie an geheime Informationen zu kommen…

Und

Nebenhandlungen über einen homosexuellen Lehrer, den Bau eines Tunnels, um in den Westen zu flüchten und ein junges Mädchen, das mit Hormonen ins Olympiateam gebracht werden soll…

Agententhriller und mehr

Die drei Teile a 90 Minuten bieten also mehr als nur eine spannende und vor allem clevere Agentengeschichte, bei der man interessante Einblicke in die damaligen (und bestimmt auch heutigen) Taktiken der Spionagedienste – und in die weibliche Psyche – bekommt. Sie bildet den Hauptteil, den Kern der Serie, doch da sind, wie gesagt, noch ein paar Nebenstränge, die über ein paar Personen lose mit dem Hauptstrang verbunden sind, aber nicht aufeinander einwirken. Doch auch die Hintergrundgeschichte, die sich nach und nach langsam entfaltet, ist wichtig und so wandelt sich das Ganze gegen Ende zu einer griechischen Tragödie. Einzig das Ende selbst kommt vielleicht etwas früher als erwartet, da man das Gefühl hat, die eine oder andere Geschichte hätte man noch ein bisschen weiter verfolgen können.

Gut gespielt

Tom Schilling ist sehr überzeugend als der junge und unerfahrene Agent, besonders dann, wenn er seine Verführungskünste oder die damit verbundene umgekehrte Psychologie spielen lassen kann, was immer zu den kleinen Höhepunkten der Serie zählt. Ihm ebenbürtig ist, besonders im gemeinsamen Spiel, Friederike Becht, die auf wunderbare Weise Intelligenz mit Humor verbindet. Herrlich abgefuckt ist Schillings Führungsoffizier Ben Becker. Wer sich fragt, wie er sich seine Stimme erarbeitet hat, hier zeigt er es, denn es dürfte kaum eine Szene mit ihm ohne Zigarette geben. Er bringt eine Lockerheit in die Sache, die ausgesprochen erfrischend ist.

Für Synchronfreunde gibt es auch noch zwei Gastauftritte in kleinen Rollen. Thorsten Michaelis, die deutsche Stimme von Sean Bean und Wesley Snipes, ist der Vorgesetzte des Vaters der Hauptfigur. Und dann ist da noch Udo Schenk. Der ist in Synchronisationen meist auf die Rolle des Bösewichts abonniert, und das nicht nur bei seinen Stammschauspielern Ralph Fiennes und Gary Oldman. Wenn man seine Stimme hört, weiß man, dass man den Bösen gefunden hat. Seine Klischeebesetzung im Synchron nutzt man nun auch hier, indem man ihn einen Verhörspezialisten spielen lässt – und den spielt er spielend böse.

Bonus

Es gibt noch Hoffnung! Eine deutsche Serie, die gut geschrieben, gut ausgestattet und gut gespielt ist“ habe ich geschrieben, bevor ich das Bonusmaterial gesehen habe. Wie sich herausstellt, handelt es sich um eine internationale Produktion mit einer britischen Autorin, bei der dann Oliver Hirschbiegel die Regie übernommen hat und viele Texte ins Deutsche übertragen wurden. Das nun erklärt, warum Ben Becker an einer Stelle sagt: „Das ist nicht mein erstes Rodeo“, was wie eine 1:1-Übersetzung eines laienhaften Übersetzers klingt, da ich bezweifele, dass jemand in Deutschland diese sehr englische (eigentlich amerikanische) Formulierung verwenden würde, gerade in den 70ern. (Angemessener wäre da ein: „Ich mach das nicht zum ersten Mal!“) Das Zusatzmaterial mit Making-of und Interviews ist also eine schöne Ergänzung zur Serie.

Das gleiche Fazit

Gut geschrieben, gut ausgestattet und gut gespielt, spannend vom Anfang bis zum Ende und vielschichtiger als viele Spionagethriller, da hier auch noch der Aspekt der DDR mit hineinspielt und die Handlung dadurch um Zeitkolorit bereichert. Hinzu kommt das kleine Wunder, dass man die ganze Zeit auf der Seite der Leute ist, auf deren Seite man eigentlich nicht sein sollte – ein Experiment, das wir so mit den Nazis bitte nicht auf die Beine stellen wollen! Kurz gesagt: Eine hervorragende Serie und sehr sehenswert! Ab 31.3.2017 auf DVD und Blu-ray.