In tödlicher Mission

Die große James Bond Retrospektive

Der erste Bond, den ich im Kino gesehen habe, der erste Bond, den ich überhaupt gesehen habe – und einer der besten von Moore, wie ich finde. Nachdem man bei „Moonraker“ ein wenig über das Ziel hinausgeschossen war, kehrt man hier wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, sogar mit einer Geschichte, die mit Spionage und den Russen zu tun hat, auch wenn die nur im Hintergrund agieren. Aber fangen wir da an, wo die meisten Bond Filme anfangen…

Tease me, Mr. Bond

Dieser Teaser hat tatsächlich nichts mit dem Film zu tun – dafür aber mit den Filmen. Klingt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht. Für die nachfolgende Handlung ist er ohne Bedeutung, aber er geht auf vorhergegangene Dinge ein, genau genommen auf „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Eine – aus rechtlichen Gründen – nicht offiziell als Blofeld identifizierte Figur mit Glatze, Katze und Halskrause, versucht Bond umzubringen, der gerade das Grab seiner Frau Teresa besucht, die laut Grabstein 1969 verstorben ist. Wieder einmal ein klarer Hinweis: dies ist ein und dieselbe Figur.
Wenn man schon in der Vergangenheit schwelgt, darf die schlechte Rückprojektion natürlich nicht fehlen. Selbst der Hut darf ein weiteres Mal fliegen, ich spekuliere, zum letzten Mal.
Was dagegen fehlt ist M, da dessen Darsteller Bernard Lee kurz vorher verstorben war und man ihn damit ehrte, seine Rolle nicht direkt neu zu besetzen (das kommt erst im nächsten Film).
Eine seltene Ausnahme stellt der Vorspann da, in dem wir erstmals die Sängerin des Titellieds bei der Arbeit beobachten können. Die Musik stammt diesmal von Bill Conti und entspricht mehr ihrer Zeit als der Zeitlosigkeit eines guten Barry Soundtracks. Wenn das Bond Thema auftaucht funktioniert es ganz gut, ansonsten ist die Musik eher mau – aber ich schätze, das sag ich wahrscheinlich über jeden Soundtrack, der nicht von Barry ist. Ausgenommen vielleicht David Arnold… zu Brosnan Zeiten, nicht danach!

Der Name ist…

…diesmal erstmals nicht von einem Bond Roman, denn den letzten Titel der Bücher hatte man für „Moonraker“ verbraucht – abgesehen natürlich von Flemings erstem Roman „Casino Royale“, für den man aber zu dieser Zeit die Rechte noch nicht besaß. Mit „For Your Eyes Only“ wird also erstmals der Name einer Fleming Bond Kurzgeschichte verwendet. Um mal einen kleinen Schlenker zu machen, Lazenby und Moore sind einzigen Bonds, bei denen die Filme alle originale (oder fast, wie wir in zwei Filmen sehen werden) Titel von Fleming tragen. Bei Connery fällt „Sag niemals nie“ heraus, bei Dalton „Licence to Kill“, Brosnan hat keinen einzigen Flemingtitel und bei Craig ist es bislang „Durchfall“, äh, „Skyfall“, der keiner ist – obschon noch ein paar Originaltitel zur Verfügung stünden: „Risiko“, „The Property of a Lady“, „The Hildebrandt Rarity“ und „007 in New York“. Damit dürften die Fleming Titel dann aber wohl ausgeschöpft sein.
Für den Leser der Bücher – wie mich – war es damals schön, in den Filmen Elemente der Geschichten zu finden. Das werden wir in dem einen oder anderen Film der nächsten Zeit auch tun – dürfte sich dann aber ebenfalls mit Brosnan überlebt haben.

Zurück auf den Boden der Tatsachen

Interessanterweise hat dieser Film viele Elemente der Bond Reihe, ohne einem damit aber auf den Nerv zu gehen. Wir haben Action im Schnee, Action unter Wasser und, ich glaube erstmals, Action beim Bergsteigen. Und doch hebt er nicht so sehr ab, wie sein Vorgänger. Fast schon symbolisch erscheint es da, dass der Lotus in die Luft gesprengt wird und Bond mit einer klapperigen Ente vorlieb nehmen muss. Zurück zu den Wurzeln – und es funktioniert gut.
Überhaupt bietet der Film jede Menge guter Action, sei es die Verfolgungsjagd mit der Ente, seien es die diversen Verfolgungsjagden auf oder mit Skiern. Sei es im Wald gegen Motorräder, sei es auf einer Bobbahn… gegen ein Motorrad, einfach aufregend. Auch hier gebührt wieder Willy Bogner die Ehre, den Wintermord von seiner spannendsten Seite zu zeigen.
Vom Pfad des Bondes weicht der Film in einer Weise ab: Wir wissen nicht, wer der Gegner ist. Als wäre der Name des Verdächtigen, Columbo, Inspiration dafür gewesen, diesmal nicht mit einem großen Oberschurken zu arbeiten, sondern den Zuschauer zusammen mit Bond auf falsche Fährten zu locken und beide erfahren zu lassen, wer eigentlich wirklich hinter allem steckt.

Die schlimmsten Bondgirls aller Zeiten

Und hier haben wir sie, die andere: Bibi, die zwölfjährige Schlittschuhläuferin. Gut, sie ist älter, aber nicht viel – und sie verhält sich nicht so. Eine der nervigsten weiblichen Bond Figuren, die so anstrengend ist, dass nicht mal Bond sie schändet. An ihrer Jugend und „Unschuld“ kann es nicht gelegen haben, denn das hat ihn bei Solitaire auch nicht davon abgehalten.
Eine der Szenen aus dem Buch „Leben und sterben lassen“, die ein Boot, ein Tau, zwei Opfer und diverse Haie beinhaltet, findet sich hier auch wieder – leider aber nicht mit Bibi als Haifischfutter.

Game of Bonds

Zwei britische Größen, die später auch in der Serie „Game of Thrones“ auftreten sollen, gehören zur Besetzung dieses Films. Julian Glover, der auch in „Das Imperium schlägt zurück“ und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ mit von der Partie ist, spielt Kristatos. Eine der ersten Rollen dürfte das hier jedoch für den noch sehr jung wirkenden Charles Dance sein, der inzwischen zu einem der Glanzpunkte der oben genannten Fantasyserie gehört.
Fast schon, als wäre es aus ebendieser Serie, nimmt sich das Finale des Films aus. Statt auf massig Explosionen und viel Geknalle legt man diesmal scheinbar Wert auf andere optische Reize. So ist die Umgebung, in der sich der Showdown zuträgt, atemberaubend. Für mich einer der besten Filme der Reihe, zumindest, was Moore angeht.

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —
— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Das ist der Film, den ich mir nie merken kann. Bestimmt dreimal gesehen. Ich hab dennoch keine Ahnung, was drin passiert. Das ist aber auch nicht der einzige Bond, bei dem es mir so geht. Alle mit Pierce Brosnan gehen mir komplett durcheinander. Der eine ist mit Jonathan Pryce als größenwahnsinnigem Zeitungszar – aber welcher? Doch zurück zu „In tödlicher Mission“, worum auch immer es sich hier handeln mag!
Das Poster zum Film (1981) übrigens war spektakulär und wurde seither ca. 50 Mal mindestens kopiert. Der Betrachter sieht Bond im Hintergrund – durch zwei lange, nackte Frauenbeine hindurch. Ein Meisterwerk der „erotic art“.
Ach, HIER ist der Vorsetzer, in dem Bond endlich Blofeld killt (wir beenden das „loose end“ aus dem Lazenby-Film). Aber auch gemein, den einsamen Blofeld (im Rollstuhl!) so einfach auf die Kufen des Helikopters zu nehmen und in den Schornstein zu kippen! Ich denke, Blofeld WOLLTE sterben. Weshalb sonst stellt er sich allein und behindert auf einer Industriebrache seiner Nemesis, die auch noch über einen Hubschrauber verfügt?!
Also mal ehrlich. Die Logik von Bondfilmen darf man auch null hinterfragen…
Im Vorspann ist Sheena Easton, die Sängerin des Titelsongs „For Your Eyes Only“, prominent zu sehen! Das gab es auch nie zuvor und nie danach, oder?
Ich freue mich, mal wieder eine Kalter-Krieg-Handlung zu sehen: Durch einen dummen Unfall (Seemine an Bord gefischt, tzztzz) sinkt ein britisches Spionageschiff vor Albanien, dessen Ausrüstung den Russen nicht in die Hände fallen darf. Bond wird losgeschickt, die Hintermänner eines Attentats auf die Bergungscrew zu werfen. Zugleich etabliert der Film die Tochter der Ermordeten (Melina) als Elektra-artige Rachefee. Melina-Darstellerin Carole Bouquet traut man die Posterbeine zu, auch wenn sie einen flauschigen Damenbart trägt.
19. Minute: Wieder mal eine mit Bikinischönheiten überbevölkerte Pool-Szene. Dort lebt der Killer Hector Gonzales in einer Art Killer-WG. Bond gelingt erstmal gar nichts. Melina tritt auf den Plan, tötet Gonzales und verhilft Bond zur Flucht (dessen Lotus, Kuckuck!, in Minute 22 EXPLODIERT, weil er von einem Bösewicht geknackt zu werden drohte). Was für eine schwachsinnige Diebstahlsicherung ist das denn?!
Es folgt die Verfolgungsjagd in der gelben Ente durch spanische Olivenhaine. Sieht aus, als wolle sich „In tödlicher Mission“ als nächster Comedy-Bond gerieren.
31. Minute: Der nächstranghöhere Bösewicht ist gefunden, dank eines Phantombilds, das Q mühsam an einem Computer generiert. Papier und Stift wären schneller gegangen. Bond erhält einen neuen Lotus (diesmal in Rot) und reist ins winterliche Cortina D’Ampezzo, um Locque zu jagen.
35. Minute: Glühwein mit dem großen Griechen. Gewährsmann Kristatos gibt Tipps, und Elektra-Melina wird diesmal von Bond vor zwei Motorradrowdies gerettet. Ab der 43. Minute lauern weitere Motorradrowdies Bond auf – sowie der scharfschießende Teilnehmer eines soeben stattfindenden Biathlons (sollte der nicht beim Biathlon sein?). Auch Locque mischt sich ein. Kurzes Verschnaufpausen-Intermezzo, als Bond von einer Skischanze springt, dann geht die wilde Jagd durch den Schnee weiter. Bond entkommt, muss sich aber den nächsten Rüpeln bereits in Minute 54 in der Eishockeyhalle stellen. Komödiantisches Abräumen dreier Gegner ins Hockeytor. Herber Moment vor der Halle: Kontaktmann Luigi ist von Locque getötet worden. Das Sterben von Nebenfiguren erinnert uns daran, dass wir es hier mit ernsten Sachen zu tun haben (sonst wäre es bereits „Austin Powers“)!
Wir schalten um aufs malerische Korfu, wo Melina wieder ins Spiel kommt – und obligatorische Folkloreszenen (Feigenessen, Sirtaki, Tempel am Meer). Im örtlichen Kasino trinkt Bond einen Ouzo (schwere Entgleisung!).
61. Minute: Oberbösewicht Columbo (nicht der Detektiv!) erscheint auf der Szene. Bond macht sich an seine Gespielin ran, eine gierige deutsche Gräfin, die erste Eroberung in diesem Film (die mannstolle Eisprinzessin Bibi hatte er zuvor abgewiesen). Am nächsten Morgen ereilt sie das Schicksal vieler Bondscher One-Night-Stands – der TOD (hier am Strand von Locque mit dem Strandbuggy überfahren).
Gekonnter Verwirrmoment in Minute 68. Bond wird erneut gerettet als Locque auf ihn anlegt, aber nicht von Elektramelina, sondern Columbos Leuten! Was geht appa??? Die Handlung dreht sich: Der schelmische Columbo ist der Gute, und Kristatos der Finsterling! Eine hübsche Drehbuchfinte.
Nach der Schießerei der gegnerischen Schmugglerbanden macht Bond endlich Jagd auf Locque: Angeschossen hängt er in einem Autowrack (Mercedes) über der Klippe, als ihm Bond den entscheidenden Stoß hinab versetzt („Er war schon immer sehr runtergekommen“, 76. Minute).
82. Minute: Bond und Melina entdecken auf Tauchgang das Wrack des gesuchten Spionageschiffs, leider werden sie dabei im Gegenzug von Kristatos entdeckt. Unterwassergerangel mit Gegner in Tiefseetauchmontur, dem Bond den Kopf wegsprengt. Heavy! Ein Kampf der Tauch-U-Boote schließt sich an. Bond obsiegt, doch über Wasser wartet schon Kristatos mit seinem neuen Henchman – Erich, der blonde Biathlon-Riese.
94. Minute: Aneinander gefesselt werden Bond und Melina hinter Kristatos‘ Yacht durchs Wasser gezogen, dabei werden Haie angelockt. Simple, aber effektive Szene – so wird’s gemacht. In der 99. Minute verrät der Schiffpapagei essentielle Informationen zum verschwundenen A.T.A.C.-Gerät. Für die Herstellung dieses Films wurde kein Tierklischee ausgelassen. Noch’n Gag: Q sitzt als orthodoxer Pope kostümiert im Beichtstuhl. Hat aber weder Infos noch Gimmicks, ist somit auch nur ein Gag!
Und wir kommen zum Finale: Das Kloster auf der steilen Bergspitze! Schöner Stunt in Minute 106 (Bond stürzt vom Berg in sein Seil), General Gogol naht im Hubschrauber um die heiße Ware abzuholen, Eisprinzessin Bibi wird frech und verlässt Kristatos, Erich trägt ein rosa Hemd und fällt dramatisch aus dem Fenster, Columbo und Kristatos prügeln sich, Bond schleudert vor Gogols Augen das teure Spionagegerät vom Felsen (welches effektvoll in Peckinpah-Zeitlupe zertrümmert) – und ein großer Filmschluss.
Bond zu Gogol: „Das ist echte Entspannung. Sie haben es nicht, und ich hab’s auch nicht“. Gogol lacht und geht. Hinreißende Szene. Sehr cool.
Der Rest ist zum Lachen: Bond und Melina gehen im Mondlicht schwimmen (Romanze!), der Papagei wird per Funk zum englischen Premierminister durchgestellt. Und das ist Margaret Thatcher, die wir in Minute 119 als Double bei der Küchenarbeit sehen! Det is ja reinste Politsatire, Männeken!
Fazit: Nach dem im Vergleich hysterisch zu nennenden „Moonraker“ ist „In tödlicher Mission“ ein betont bodenständiger Bond. Moores Pendant zu Connerys „Liebesgrüßen aus Moskau“. Die Produzenten wollten die Bond-Serie ohne technischen Schnickschnack relaunchen. Das ist ihnen gelungen. Der zwölfte Bondfilm ist keineswegs zum Vergessen. Wieso bleibt er dennoch nicht haften?
Zu wenig Action? Zu wenige Gimmicks? Zu wenig Sex? Kein markanter Bösewicht? Keine durchgeknallten Welteroberungspläne? Keine richtig exotischen Orte?
Was eigentlich sind die Ingredienzien für einen Bondfilm? Gibt es ein Bondrezept? Und wenn ja, gelingt es immer – und klebt nicht?
Ist die erste Regie von John Glen zu hausbacken? Dieser Regisseur wird die nächsten vier (!) Bondfilme am Stück inszenieren. Schauen wir mal, was bei rauskommt…

In tödlicher Mission (1981)
Originaltitel: For Your Eyes Only
Regie: John Glen
Musik: Bill Conti / Titelsong: Sheena Easton
James Bond: Roger Moore / Niels Clausnitzer
Kristatos: Julian Glover / Horst Naumann
Melina Havelock: Carole Bouquet / Angelika Bender
Columbo: Topol / Wolfgang Hess
Lisl von Schlaf: Cassandra Harris / Helga Trümper
Bibi: Lynn-Holly Johnson / Simone Brahmann
Ferrara: John Moreno / Horst Sachtleben
Havelock: John Hedley / Hartmut Reck
Killer: Charles Dance / ???
Rollstuhl-Blofeld: Robert Rietty / Herbert Weicker
Bill Tanner: James Villiers / Klaus Guth
Sir Frederick Gray: Geoffrey Keen / Wolf Ackva
General Gogol: Walter Gotell / Walter Reichelt
und
Q: Desmond Llewellyn / Manfred Schmidt
Moneypenny: Lois Maxwell / Emely Reuer

Popkulturelle Differenzen
kehrt zurück
mit
Octopussy

Neu auf DVD: Don Jon

Ich sag’s direkt: Das ist kein Familienfilm! Aber das muss ja kein Nachteil sein. Es geht… um was geht es eigentlich? Nun, um Sex, Liebe, Pornographie – also eigentlich um das, worum es in jedem Hollywoodfilm geht. Mit einem Unterschied: Dieser Film geht weit ehrlicher damit um!

Porn as Porn can

Weniger die Sexsucht steht im Vordergrund als vielmehr die Sucht nach Pornographie, weil das wirkliche Sexleben im Vergleich damit irgendwie unbefriedigend erscheint. Was fast unwirklich anmutet, ist die Dame des Herzens und Bettes doch Scarlett Johansson – also viel besser kann man es kaum treffen. Denkt man. Doch je mehr sich der Film entwickelt, umso mehr sieht man, dass nicht alles goldenes Haar ist, was glänzt.
Das mag vielleicht auf den ersten Blick für einige nicht besonders ansprechend erscheinen, aber es ist dennoch ein extrem guter Film. Und nicht nur das, es ist das Regiedebüt von Joseph Gordon-Levitt, der gleichzeitig auch noch die Hauptrolle spielt und das Drehbuch geschrieben hat. Es ist also sein Film, sein Erstlingswerk – und es ist beeindruckend.
Die Schönheit ist die Klarheit, in der der Film gezeichnet ist. Es gibt Orte, die sich wiederholen, Szenen, die sich wiederholen, aber es ist alles so gut aufgebaut, dass man nicht viele Worte darüber verlieren muss, sondern immer weiß, wo man ist und was passiert. Das ist etwas, wovon sich „erfahrenere“ Regisseure durchaus eine Scheibe abschneiden könnten. Inszenierung, Schnitt, Musik, alles passt zusammen.
Ebenfalls schön sind die Details. Der Vater trägt zu Hause beim Essen mit der Familie immer das Feinrippunterhemd – es sei denn, es ist Besuch da. Die Beichtszene läuft immer nach einem gewohnten Schema ab – bis es am Ende eine Wendung gibt. Das beste Beispiel ist aber seine Schwester. Man sieht sie immer, immer mit ihrem Handy beschäftigt, doch als es einmal wichtig wird löst sie sich davon und leistet ihren Beitrag zur Handlung – was dadurch besonders schön wird, dass man eigentlich nicht angenommen hat, dass sie sich noch aus ihrem Klischee lösen wird.

Joseph Gordon-Levitt

Ich muss gestehen, dass ich von „Hinterm Mond gleich links“ („3rd Rock from the Sun“) nicht viel gesehen habe, aber zumindest amerikanischen Publikum ist Gordon-Levitt wahrscheinlich als Sohn in dieser Serie schon lange bekannt. Mein erster bewusster Kontakt war in dem Film „Brick“, aber auch dort zeigt er, dass er ein Schauspieler ist, von dem man noch viel erwarten kann. Dass er seitdem in mindestens zwei Christopher Nolan Filmen mitgespielt hat („Inception“ und „The Dark Knight Rises“), dürfte für sich sprechen. Oder für ihn in dem Fall. Als Freund kleiner Filme mit großer Wirkung (hey, so sollte ich eine Rubrik nennen!) würde ich natürlich den in dieser Kolumne bereits vorgestellten „Premium Rush“ empfehlen (siehe „Filmtipp“), ein Film, in dem Gordon-Levitt, genau wie hier, vollen Körpereinsatz zeigt. Doch während es dort um schnelles Fahrradfahren geht, hat er sich für „Don Jon“ den Körper eines Bodybuilders antrainiert. Frauen, die sich also einen Film auch mal nur wegen des gut gebauten (aber schauspielerisch fragwürdigen) Schauspielers ansehen, kommen hier voll auf ihre Kosten – bis auf das schauspielerisch fragwürdige, denn dass Joseph Gordon-Levitt neben einem guten Autor und Regisseur auch ein guter Schauspieler ist, hat er ja schon vorher bewiesen (und ich hatte es schon erwähnt).

Bonus

Das Bonusmaterial der DVD gibt interessante Einblicke darin, wie und warum der Film entstanden ist. Joseph Gordon-Levitt wirkt extrem sympathisch und er erzählt, wie es zu all dem gekommen ist – etwas, das man sich bei der DVD von „Prometheus“ gewünscht hätte, wo einem die Beteiligten mal (entschuldigend) erklären sollten, wie es zu diesem Mist eigentlich kommen konnte! Doch da dieser Film im Gegensatz zu Regiealt“meister“ Ridley Scotts Machwerk eine klare Struktur, ein gutes Buch und eine nachvollziehbare Handlung aufweist, ist keine Entschuldigung nötig und man erfährt auch ein wenig über die Musik, den Schnitt und dass Joseph Gordon-Levitt seinen Filmvater Tony Danza („Wer ist hier der Boss?“, wir erinnern uns?) seit 20 Jahren kennt. Also alles in allem eine schöne Ergänzung zum Film.
Die Frage, die ich gehabt hätte, wie das mit den ganzen Originalausschnitten aus den Pornofilmen war und wie er die Rechte dafür bekommen hat, das wird leider nicht beantwortet. Vielleicht auf der Blu-ray, denn die weist ein wenig mehr Zusatzmaterial auf als die DVD. Oh, ich hatte erzählt, dass Pornographie auch eine große Rolle spielt, oder? Würde mich mal interessieren, was der in Amerika für ne Altersfreigabe hat. Bei uns ist er übrigens ab 16, obwohl wahrscheinlich weit mehr Titten zu sehen sind als in dem ab 18 freigegebenen „Californication“. Naja, muss ich ja nicht verstehen.
Kurz gesagt also ein großartiges Regiedebüt und ein interessanter und unterhaltsamer Film über Entfremdung, Sexualisierung des Alltags und Pornographie. Wenn der katholische Filmdienst ihn nicht empfiehlt, ich tu’s!

von Martin Cordemann

Neu im Kino: Her

Die Liebe geht bisweilen seltsame Wege. Und besonders in unserer schnelllebigen, immer steriler werdenden Welt, in der das Prinzip Großfamilie bald nicht mehr existieren wird und die Singles einsam vor sich hindaten. Schon heute gibt es – wenn wir dem Fernsehen glauben dürfen – Menschen, die Beziehungen zu Puppen haben. Und wer von uns hat nicht schon mal in einer Gruppe von Leuten gesessen, die, statt miteinander zu sprechen, auf die Displays ihrer Smartphones gestarrt hat? Das ist nicht die Zukunft, das ist die Gegenwart. Spike Jonze denkt diese Themen in „Her“ einmal zuende.

Mitdenken

Genau genommen ist das der Grund, weshalb ich den Film mag: Er ist gut durchdacht! Ich schätze es sehr, wenn sich jemand eines Themas annimmt und es bis zu seinen logischen Konsequenzen durchspielt – LOGISCHEN Konsequenzen! Da ich einen Tag vorher den unsäglich dummen und kein Stück durchdachten „Star Trek Into Dumbness“ noch einmal gesehen habe, war ich umso mehr angetan von dem Film, den Spike Jonze hier abliefert. Denn der nimmt etwas, das man – besonders, wenn man nach dem Film aus dem Kino kommt – in seinen Ansätzen bereits heute sehen kann und spielt es einmal durch.
Die Handlung von „Her“ ist in einer nahegelegenen Zukunft angesetzt. Beziehungen sind, wie auch heute schon, schwierig und wenn man mit Menschen nicht so gut kann, dann hat man Glück, denn gerade eben kommt ein „intelligentes Betriebssystem“ auf den Markt. Joaquin Phoenix, der, passend zu dieser Welt, in einer Agentur arbeitet, die Briefe für andere Leute schreibt, also quasi schon das Persönliche aus einer persönlichen Korrespondenz herausnimmt, Liebesbriefe eingeschlossen, ist gerade kurz davor, seine Ehe zu beerdigen und auch der Kontakt mit anderen menschlichen Wesen scheint wenig fruchtbar zu sein. Da kommt ihm das neue Betriebessystem (im Original gesprochen von Scarlett Johansson) gerade recht. Unnötig zu erwähnen, dass aus der Beziehung zwischen Betriebssystem und Mensch bald eine Liebesbeziehung wird (ganz ehrlich, mit Microsoftsystemen nahezu unvorstellbar, besonders, wenn man sich an das grauenvolle Windows Vista zurückerinnert). Die Beziehung gedeiht und… andere Dinge passieren.
Schön und clever werden viele der Möglichkeiten durchgespielt, die eine solche Situation auch in der Wirklichkeit bieten würde (und in ein paar Jahren vielleicht auch wirklich bieten wird). (Einer der wenigen Aspekte, der ausgelassen wird, kann in der britischen Serie „Black Mirror“, die ohnehin sehr zu empfehlen ist und sich eigentlich mit verwandten Themen beschäftigt, nachgeholt werden.)

Details

Der Film konzentriert sich weniger auf eine masturbatorische Zurschaustellung einer möglichen Zukunft, wie Hollywood es gerne tut, sondern zum größten Teil auf seinen Hauptdarsteller Joaquin Phoenix. Er spielt… mit sich, zwar auch in mehrdeutiger Hinsicht, aber darauf wollen wir jetzt nicht eingehen, sondern vor allem, weil er meist die einzige Person ist, die wir sehen, da seine große Liebe ja nur die künstliche Lebensform in seinem Handy ist, die sich allein durch ihre Stimme materialisiert (von einem etwas eigenwilligen Experiment mal abgesehen). Alles steht und fällt also mit Phoenix – und wir dürfen dankbar dafür sein, dass er ein guter Schauspieler ist, denn man stelle sich diesen Film vor 15 Jahren mit Richard Gere in der Hauptrolle vor und verliehe dem Begriff „Desaster“ damit eine völlig neue Facette. Aber Phoenix meistert seine Aufgabe, ebenso wie es der hervorragende Tobias Kluckert für ihn in der deutschen Fassung tut. (Auch wenn Kluckert in meinen Ohren ein wenig zu oft eingesetzt wird und einfach phantastische Arbeit für Karl Urban leistet, lässt sein enormes Talent dann doch meist darüber hinwegblicken, dass er vielleicht 2 bis 3 Leute zuviel spricht. In der deutschen Fassung dürfte für Scarlett Johansson Luise Helm an den Start gehen, die ihre Sache ebenfalls großartig macht.)
Um uns zu zeigen, dass wir uns ganz knapp außerhalb der Gegenwart befinden, gibt es ein paar hübsche Kleinigkeiten. Zum Beispiel die Kleidung. Für den Film scheint eine eigene Mode erdacht worden zu sein, kein großer Schnickschnack sondern sehr subtil, aber wenn man darauf achtet, merkt man es. Auch die Technik ist natürlich zwei Schritte weiter als bei uns, vielleicht am besten dargestellt durch ein Computerspiel mit einer versaut daherredenden Spielfigur.

Die Zukunft beginnt heute

Alles in allem also eine logische Fortsetzung von dem, was wir heute schon erleben können. Statt in ungeselliger Runde auf sein Handy zu starren, kann man sich doch direkt mit einer künstlichen Frau unterhalten – Liebesbeziehung nicht ausgeschlossen. Und wenn man dann aus dem Kino kommt und Leute mit ihren Handys sieht… dann kann man sich ein Lächeln nicht verkneifen!
Wer also mal ausnahmsweise einen Film sehen will, der gut durchdacht ist, der sollte mit „Her“ gut bedient sein. Kinostart ist der 27.3.2014… wann es die erste künstliche Intelligenz für den Hausgebraucht gibt, kann ich allerdings nicht sagen!

Link zum Film: https://www.facebook.com/HERderfilm

Moonraker – streng geheim

Die große James Bond Retrospektive

Nein, wir haben die letzte Episode nicht mit der falschen Ankündigung beendet. Am Ende von „Der Spion der mich liebte“ wird als nächster Bond Film „For Your Eyes Only“ angekündigt und wer wären wir, dass wir den großartigen Machern der Bond Filme widersprechen würden? Nun, wahrscheinlich hatte man auch vor, den nächsten Film so zu benennen, doch dann passierte „Krieg der Sterne“ und Weltraum war auf einmal in und cool und toll und dann fiel ihnen auf, dass sie ja sogar einen entsprechenden Titel („Moonraker“ – meine Ausgabe des Buches heißt „Mondblitz“) gab, also, wird der Gedankengang gewesen sein, seien wir nicht mehr Wegweiser sondern folgen den Trends und… folgen diesem Trend und bringen Bond ins Weltall. Juchee!

Remake my day

Natürlich ist es schon ein bisschen dreist, quasi zwei Jahre nach dem Erscheinen des letzten Films ein Remake genau diesen Films zu machen – aber letztendlich ist „Moonraker“ nicht viel anderes: Ein wahnsinniger Superschurke will die Welt zerstören, um dann später mit einer Superrasse um die Ecke zu kommen. Ob er dabei nun auf dem Meeresboden lebt oder in ner Raumstation macht den Braten nicht fett, die Handlung ist dieselbe. Drax trägt sogar alte Klamotten von Stromberg auf, na ja, das vielleicht nicht, aber die Markierung seiner Hubschrauber sieht aus wie das Negativ von denen Strombergs. Vielleicht hat er die ja alle aufgekauft, nachdem Stromberg aus dem Geschäft war.

Da fragt man sich doch, wie das in der Superverbrechergemeinde so zugeht, ich meine, haben die keine monatlichen Treffen, wo sie sich miteinander absprechen? Was, wenn Stomberg jetzt die Welt zerstört hätte? Da hätte Drax doch ganz blöd dagestanden. „Hey, das hatte ich doch auch vor!“ Tja, Leute, nächstes Mal besser miteinander absprechen!

Star Tease

Aber zurück zum Film. Der Teaser bietet wieder etwas für die Handlung des Films wichtiges – und wieder verpulvert Gilbert seine beste Actionsequenz noch vor dem Vorspann! Die Actionszene mit den Fallschirmen ist einfach grandios. Wunderbar untermalt wird sie von der Musik von John Barry, der hier wieder einen schönen Soundtrack und einen gelungenen Titelsong abliefert. Auch sein 007 Thema gibt sich ein letztes Mal die Ehre, in einer Szene mit Booten – also genau so, wie wir es zum ersten Mal gehört haben. Höhepunkt ist jedoch, wie gesagt, die Fallschirmszene am Anfang, wo Barry einmal mehr beweist, wie großartig das Bond Thema zu guter Action passt.

Es fliegt sogar ein Hut – aber der eines Gondolieri. Ob das als Anspielung auf die alten Hutwerfsequenzen gedacht war, hmmm, sicher wäre ich mir da nicht, dafür liegt das alles zu lang zurück. Ein großes Comeback erleben aber die schlechten Rückprojektionen, die hier mal wieder zeigen, was sie drauf haben.

Buchmacher

Kleiner Exkurs: Im Buch zum Film heißt die Figur der Corinne Dufour noch Trudi Parker, Hugo Drax hat – welche Überraschung – wahrscheinlich eine deutsche Vergangenheit und der Beißer wird konsequent als „Jaws“ bezeichnet, auch wenn das in beiden Filmen nicht der Fall war. Ein weiterer Nachteil der deutschen Übersetzung ist die Verwendung des Begriffs „vermag“, Bond vermochte dies nicht zu tun. „Vermag“ ist in diesem Zusammenhang ein Wort, das in bestimmten Zeitperioden durchaus angemessen erscheint, in allem, was mit Zukunft und Weltraum zu tun hat, aber völlig fehl am Platze ist. Auch die deutsche Fassung von „Star Trek: Voyager“ vermag mich nicht zu überzeugen, da auch hier z.B. Fähnrich Kim sagt: „Ich vermag das Kraftfeld nicht zu durchbrechen!“ Das klingt nicht nur ungelenk, sondern unangebracht. Anders dagegen, wenn Hannibal Lecter über das, was der multiple Meeks in der Zelle nebenan alles so riechen kann, gesteht: „Ich selbst vermag das nicht.“

Vorreiter war einmal

Wir hatten ja schon beim letzten Film gesehen, dass Bond seiner Zeit nicht mehr voraus ist, sondern ihr inzwischen hinterher hinkt. Auch in diesem Film gibt es diverse Anspielungen und Zitate auf andere Filme: Der Hornbläser bei der Jagd spielt die ersten Töne von „Also sprach Zarathustra“, ein klarer Hinweis auf „2001 – Odyssee im Weltraum“; der Code, mit dem man die Labortür öffnet, ist die gleiche Melodie wie bei „Unheimliche Begegnung der dritten Art“; Bond sagt „Play it again, Sam“, eine Anspielung auf „Casablanca“ (oder Woody Allen?) und dann wird noch die Musik von „Die glorreichen Sieben“ eingeblendet, als Bond cowboymäßig unterwegs ist (obwohl hier eine Anspielung auf einen Clint Eastwood Western seiner Kleidung angemessener gewesen wäre).

Diesmal ist mir sogar die Schleichwerbung aufgefallen: aufdringlich drängen sich 7UP, Marlboro und Seiko ins Bild. Subtilität sieht anders aus.

Aus dem einst brutalen Beißer wird nun eine Cartoonfigur und zum Glück bleibt uns seine Darstellung als handzahmer Familienvater im nächsten Film erspart.

Trotz allem sagt mir „Moonraker“ weit mehr zu als „Spion“, ich halte ihn für den unterschätzten Film der Reihe. Gut, das Finale langweilt mich wie die meisten Finalen, es ist „Feuerball“ mit Astronauten statt Tauchern, aber vorher hat der Film durchaus seine Qualitäten. Und einen hervorragenden Bösewicht! Hugo Drax hat sehr schöne böse Texte und Michel Lonsdale spielt das mit einer höflichen Zurückhaltung. Das ist schön und macht Spaß.

Aaaaaaaber…

Man hinterfragt ja die Logik bei Bond Filmen eher selten. Und doch… das hier versucht, Science Fiction zu sein. Gut, das war Bond irgendwie immer, aber hier begibt er sich an einen Ort, wo er eigentlich nicht hin gehört. Und das Problem bei Science Fiction ist – wie wir erst jüngst bei „Prometheus“ und „Star Trek Into Darkness“ gesehen haben – dass so was immer schlecht ausgeht, wenn die Leute, die es schreiben, keine Ahnung von Science Fiction haben. Also wie zum Henker soll das mit der Raumstation vonstatten gegangen sein? Wie hat Drax die im Orbit zusammengebaut? Das Teil – sehr schöne Inneneinrichtung von Ken Adam – sieht so aus, als wären allein hundert Shuttleflüge nötig gewesen, um alle Teile da rauf zu bringen. Und dann braucht man noch jemanden, der sie zusammenschraubt. Aber als sie dort ankommen, ist niemand da. Also wie hat er das gemacht? Und nur, weil das Ding ein Radarstörgerät hat, wird es dadurch nicht unsichtbar. Also jeder Astronom mit einem ordentlichen Fernrohr hätte das Ding gesehen, wenn er zufällig in die richtige Richtung geguckt hätte. Das ist also schlicht und ergreifend Schwachsinn!

Nun, da wir also den Weltraum hinter uns haben, was mag da als nächstes kommen, wie mag man das übertreffen wollen? Mars? Zeitreisen? Paralleldimensionen? Wir werden sehen…

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Jetz simmer abba jespannt: Regisseur Lewis Gilbert zum dritten (und letzten). Nach „Man lebt nur zweimal“ und „Der Spion, der mich liebte“ schießt er Bond auf den Mond. Na, fast. „Moonraker“ ist der Weltraumbond, angeblich vom Erfolg von „Star Wars“ inspiriert.

Auf den geilsten Vorsetzer der Bondgeschichte (Bond fällt ohne Fallschirm aus Flugzeug, holt sich jedoch unterwegs einen, der Beißer verfolgt ihn und plumpst ins Zirkuszelt!) folgt der uninspirierteste Vorspann aller Bondfilme mit dem Song mit Shirley Bassey, den niemand im Ohr hat: „Moonraker“? Ja, der Song heißt so und ist nach exakt 30 Sekunden für immer vergessen.

8. Minute: Moneypenny wirkt gealtert, oder isses nur diese scheußliche Pudelfrisur?!

13. Minute: Bonds baldiger Gegenspieler Drax ist verrückt – er hat ein Schloss aus Frankreich in Kalifornien aufgebaut und „den Eiffelturm gekauft“ (darf ihn aber nicht abtransportieren). Herrlich drüber! Drax hat den wilden Haarwuchs eines Wookies (Sie erinnern sich, „Star Wars“) und hält noch wildere Hunde, die nur auf seinen Befehl hin mit dem Verzehr des ihnen hingeworfenen Futters beginnen. Jeder, der der auch wilde Hunde hält, weiß, wie schwierig das ist!

17. Minute: Auftritt des „Bond-Girls“ Lois Chiles als „Dr. Goodhead“. Der nach „Pussy Galore“ wohl unverschämteste Name, den Fleming seinen Frauenfiguren verpasst hat. 10 Euro in die Pascha-Kasse! Dann folgt auch schon Bonds Höllentrip im „Zentrifugentrainer“, den der schlitzäugige Handlanger von Drax manipuliert. Nach Oddjob und Schnickschnack weitere Asiaphobie mit Chang! Moore sieht anschließend fies mitgenommen aus und sagt auch nix mehr. Krass! Kein Spruch, Alter?

27. Minute: Die Treibjagd beginnt. Also im wörtlichen Sinne. Drax schießt in Jägerkluft Fasane, Bond soll in die Kugeln laufen. Der aber nimmt seinen Sniper gekonnt aufs Korn. Keine logische Szene, aber skurril und originell. Danach lässt Drax seine Assistentin von den Hunden zu Tode hetzen – für mich die grausamste Szene aller Bondfilme. Teilweise in Zeitlupe gefilmt und mit schwelgerischer Musik unterlegt. Echt fies. Sadistisch. Zwiespältig!

36. Minute: Ein heißgeliebtes Kabinettstückchen ist die komödiantische Verfolgungsjagd mit Gondeln in Venedig. Umso unpassender erscheint die vorangegangene bestialische Ermordung der zauberhaften Corinne.

44. Minute: Ein „Bus“, ein Schockmoment, wie man ihn aus den Gruselfilmen von Jacques Tourneur kennt: Chang springt aus dem Off in einer (wat is dat?) Kendo-Kampfmontur auf Bond los. Der Kampf beraubt das Glasmuseum seiner meisten Exponate. Spätestens ab jetzt zeigt „Moonraker“ deutlichen Willen zur Comedy. Chang endet kopfüber in einem Piano – also bitte! Venedig, Nacht, Balkon: Lois Chiles schaut aus wie der Parfümwerbung entsprungen. Bond enttarnt sie als CIA-Agentin und tut sich mit ihr zusammen – in jeder Hinsicht. Next Stop: Brasilien! Eine Concorde der Air France liefert Bond dort ab, achja, Concorde.

53: Minute – der „Ersatzmann für Chang“ trifft ein, es ist der Beißer! Sein Gebiss piept an der Sicherheitsschleuse im Flughafen. Golden comedy moment. Es naht eine nächste Klassikerszene, der Karneval in Rio. Eine meiner Bond-Lieblingsszenen, weil sie wirklich unheimlich ist. Eine triste Seitengassee voller Müll entlang wankt eine gespenstische Karnevalsfigur (57. Minute), darin steckt der Beißer, von Mordgedanken besessen. Großartige Auflösung des Schreckens ist, dass gar nichts passiert, denn die feierfröhliche Menge spült den Beißer einfach davon.

63. Minute: Seilbahnfahrt am Zuckerhut. Bond und Goodhead ringen mit dem Beißer und Rückprojektionen. Am Ende entsteigt der Beißer den Trümmern der gestrandeten Kabine und trifft auf seine goldbezopfte, dickbusige Gretel – Beißer in love! Geigen setzen kitschig ein (67. Minute) – die absolut groteskeste Szene des Films. Was geht denn hier ab?

71. Minute: Im Kampfkloster-Geheimquartier des MI6 schießt ein Mönch mit einem Lasergewehr. Welcome to Star Wars! Gleich geht’s los, gleich geht’s lohooos…

76. Minute: Spektakuläre Bilder bei der Motorbootverfolgungsjagd auf dem Amazonas. Minen, Torpedos und ein monströser Wasserfall, in welchen der Beißer hineinköppert. Hoffentlich rostet der Gute nicht! Bond segelt mit einem Lenkdrachen aus der Gefahrenzone.

84. Minute: Bond und Goodhead stehen ungünstig beim Start von Moonraker5, nämlich direkt unterm Triebwerk! „Sterben Sie wohl!“ (Drax). Bond aber kann sich einen Ausgang sprengen und entkommt den Flammen, die in den Fluchttunnel züngeln. Auch das fand ich als Jugendlicher beeindruckend. Nach dem 5. „Raumpendler“ startet auch sofort der 6. (die USA hatten auf dem Höhepunkt des ECHTEN Space Shuttle-Programms nie mehr als 3, oder?). 

89. Minute: We’re in space, people. Von hier an wird’s Science Fiction. Drax nämlich hat sich eine riesige Raumstation gebastelt (unbemerkt, Hallometer?!) – da wird natürlich tüchtig angedockt! Dazu üble Sphärenmusik mit Frauenchören. Es folgen vieleviele selbstverliebte Weltraumbilder. Gott ist das langsam. Irgendwie isses „Mondbasis Alpha Eins“… Auch kippt der Film jetzt phasenweise ins Englische (Weltraumsprache und Kontrollzentrums-Lingo, total authentisch, Mann).

96. Minute: Drax‘ teuflische Pläne – Erschaffung einer Superrasse. Drax = Hitler. Fieser Möpp. Bond dreht den Beißer mit Psychotricks um (104. Minute). Drax wird böse: „Bring Sie weg , Beißer!“ – Genau, Beißer, who’s your daddy? Ich bin dein Vater, Beißer.

Dann beginnt auch schon die Weltraumschlacht (106. Minute). Dutzende Typen in Raumanzüge beharken sich mit blauen und grünen Lasern (die dabei im luftleeren Raum Geräusche machen, ja klar, seufz), erinnert stark an das Unterwassergerangel in „Feuerball“. Astronauten dringen in die Raumstation, und wir erleben das Gilbertsche Syndrom: Mann-gegen-Mann-Kriegführung mit viel Explosionen und Heruntergestürze von Kommandobrücken. Wo kommen eigentlich all die Kerle her? Auf der Erde hat man uns in Drax‘ Hauptquartier nur miniberockte RaumfahrerINNEN gezeigt. Und wieso dürfen die jetzt nicht mitkämpfen? It’s a man’s warworld.

110. Minute: Bond komplementiert Drax mit den frechen Worten „Es ist nur ein kleiner Schritt für Sie, aber ein großer Schritt für die Menschheit“ aus der Luftschleuse ins Weltall. Hübsch. Dann geht noch die Raumstation krachend aus dem Leim. Der Beißer spricht vier Worte: „Auf uns, alles Gute!“ und stößt mit Champagner und seiner Gretel an. Dann segeln beide in einem Modul ins Weltall, wie einst Darth Vader am Schluss von „Star Wars“!

Und was noch dreister kopiert ist: Bond muss wie Luke Skywalker einen Präzisionsschuss absetzen – und tut dies seinem Gefühl nach mit der manuellen Steuerung. Fehlte bloß noch, dass der Geist von Connery um  ihn schwebte! Finale ist Sex in der Schwerelosigkeit. Das kann man sich nicht entgehen lassen.

Fazit: „Moonraker“ ist der fraglos beste Bond von Lewis Gilbert. Nach Hamiltons „Leben und sterben lassen“ der zweite Comedy-Bond. Dennoch inszeniert Hamilton die Komödie feiner und somit besser. „Moonraker“ ist eigenartig. Solider Agententhriller mit vielen memorablen Szenen für die Ewigkeit. Krankt leider an dem völlig übertriebenen Science-Fiction-Ende, welches selbst 35 Jahre nach der Filmpremiere keinen Funken an Glaubwürdigkeit dazugewonnen hat.

Was mir auffiel: Moore wirkt hier bereits ziemlich alt (er ist 51). Das wird in den nächsten Filmen nicht besser. Älter als Connery je gewirkt hat. Ich erinnere mich daran, seinerzeit im Kino über den Anblick Moores in „Im Angesicht des Todes“ SCHOCKIERT gewesen zu sein (noch drei Filme und sechs Jahre). Oh weh, oh weh.

Moonraker – streng geheim (1979)

Originaltitel: Moonraker

Regie: Lewis Gilbert

Musik: John Barry / Titelsong: Shirley Bassey

James Bond: Roger Moore / Niels Clausnitzer

Hugo Drax: Michael Lonsdale / Heinz Petruo

Holly Goodhead: Lois Chiles / Viktoria Brams

Corinne Dufour: Corinne Clery / Heidi Fischer

Beisser: Richard Kiel / Hartmut Neugebauer

Sir Frederick Gray: Geoffrey Keen / Harry Kalenberg

General Gogol: Walter Gotell / Walter Reichelt

und

M: Bernard Lee / Wolf Ackva

Q: Desmond Llewellyn / Manfred Schmidt

Moneypenny: Lois Maxwell / Emely Reuer

Popkulturelle Differenzen

kehrt zurück

mit

For Your Eyes Only… Again!

Neu im Kino: Endless Love

Irgendwie macht es ja mehr Spaß, Verrisse zu schreiben. Nicht, weil man ein so großes Vergnügen an schlechten Filmen hat, vielleicht nicht einmal, weil man es so dem Film heimzahlen kann, dass er einem zwei Stunden seines Lebens geraubt hat, sondern, weil es einfach mehr hergibt, sich über etwas auszulassen, das schlecht ist, als bewundernd aufblickend zu attestieren, dass man gerade ein Meisterwerk gesehen hat. Bei positiven Kritiken braucht man eigentlich nur zu schreiben, dass der Film toll war, sich darüber zu ergehen, warum das so ist, ist eigentlich wenig ergiebig. Ein Verriss dagegen… aber, machen wir uns nichts vor, ein Verriss macht auch dann mehr Spaß, wenn man neben zwei Stunden Zeit auch noch Geld für Kinokarte oder DVD investiert hat. Wurde man aber zu einer Pressevorführung eingeladen, dann hat man fast Skrupel, dem Werk das angedeihen zu lassen, was man anderen Filmen möglicherweise zumuten würde. Aber… vielleicht ist das ein Schatten, über den man springen muss.

Endlose Liebe

Das Problem ist… irgendwie ist der gesamte Film so oberflächlich wie das Spiel seiner Hauptdarstellerin. Sie ist blond, sie ist jung, sie hat nur einen Gesichtsausdruck – und den der Überraschung. Wäre sie ein schwarzer älterer Mann und hieße Denzel Washington, würde sie dafür einen Oscar bekommen. So darf sie nur hin und wieder mal im Badeanzug herumlaufen und schmachtend durch die Kameralinse schauen.

Alles bleibt an der Oberfläche. Es gibt Potential für Konflikte, aber irgendwie wird das nie wirklich umgesetzt. Weil nicht in die Tiefe gegangen wird. Weil die Handlung nicht in Bewegung gebracht wird, in die Tiefe stürzt und dann durch die alles heilende Liebe aufgefangen wird. Da hätte man was draus machen können, aber so verraucht alles. Wenn es um Liebe geht, sollte man die Dinge fühlen, mit den Figuren mitfühlen, am Verlust des toten Bruders teilhaben, aber das geschieht nicht. Da, wo Gefühle das Steuer übernehmen sollten, regiert Sterilität. Das hilft bei einer Liebesgeschichte nicht und bei einer romantischen schon gar nicht. (Wenn Sie eine romantische Liebesgeschichte sehen wollen, schauen Sie sich „About Time – Eine Frage der Zeit“ von Richard Curtis an, das ist eine!)

Nun, was ist die Geschichte? Ein Typ, der aussieht wie 30, verliebt sich in ein Mädchen, das aussieht wie 14. Das wäre eine andere Geschichte gewesen. Irgendwie Woody Allen, oder? Also Wirklichkeit, nicht Film! Jedenfalls wird eine Liebe zwischen den beiden vom Zaun gebrochen, die ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirkt und nur deshalb stattfindet, weil das Drehbuch danach verlangt. Sie sagen zwar, dass sie sich lieben, aber ich spüre es nicht, die Chemie stimmt nicht, wie man so schön sagt. Und, wie gesagt, das wäre das, worauf es bei einem Liebesfilm ankommen sollte.

Die Motivation stimmt auch nicht. Wären es zwei Menschen, die sich seit Jahren nacheinander verzehren, aber durch die Schranken der Gesellschaft voneinander ferngehalten wurden… Montagues und Capulets. Sowas wird hier angedeutet (sie: reich, er: arm), aber vertieft wird es nicht.

Wenn sie schon zueinander finden, dann sollte irgendetwas passieren, das die beiden trennt, das die Beziehung wirklich erschwert, das ihr eine Möglichkeit gibt, über die Lippenbekenntnisse hinauszuwachsen und zu zeigen, dass es wirkliche wahre Liebe ist, doch all das driftet an der Oberfläche vor sich hin, die Ansätze zu wahrem Konflikt verpuffen, die vorhandenen Konflikte erscheinen fast lächerlich, die Wandlung am Schluss zwar notwendig aber kaum motiviert.

Schauwerte

Da es Liebe ist und nicht Porno wird auf Nacktheit natürlich verzichtet, aber man gönnt dem Zuschauer junge Mädchen in knappen Bikinis, das hat ja schon bei „Baywatch“ ganz gut funktioniert.

Das von niemandem herbeigesehnte Zusammentreffen zwischen Captain Pike und dem T-1000 (Bruce Greenwood und Robert Patrick) ist dann auch dementsprechend wenig interessant. Davon ab versucht man, jedes Klischee eines Liebesfilms in diesen hineinzuquetschen und hat dabei großen Erfolg.

Die deutsche Fassung des Films ist völlig okay, wenn man das Spiel von Joely Richardson sieht, liegt es nahe, dass die deutsche Sprechweise von Christin Marquitan also eher dem Original geschuldet ist als einer schlechten Regie. Verschiedene Klugschwätzer ereifern sich ja gerne darüber, dass bei Aaron Sorkin, der einen pfiffigen, schnellen Dialogstil hat, alle Personen gleich klingen und finden es total gut, ey, wenn jede Figur „ihre eigene Sprache hat“. Man übersieht ja gerne mal, besonders, wenn man keine Ahnung hat, dass so eine eigene Sprache auch durch Sprech- und Spielweise des Schauspielers mitbestimmt wird, aber hey, wen störts? In diesem Film jedoch können sich all diese Spinner freuen, denn die Figur von Joely Richardson hat definitiv ihre eigene Sprache im ganzen Film – leider hat sie die schlimmsten, banalsten, dümmsten, naivsten Texte bekommen, die man sich so vorstellen kann, was dann von ihrer Spielweise leider nicht gebrochen wird. Hat also nicht nur Vorteile, wenn ein Autor so was für einen tut!

Tja, wer also oberflächliche Teenyromanzen mag und gerne mal blonde Mädels in knappen Bikinis oder kurzgeschnittenen roten Kleidern sieht, der kommt hier vielleicht auf seine Kosten. Und machen wir uns nichts vor, es gibt ein Publikum für so was! Nur fürs Protokoll, die junge Dame mit der ich den Film gesehen habe, war noch weniger davon angetan als ich. Und die ist halb so alt wie ich und eine Frau, also weit näher am Zielpublikum als ich! Daran, dass ich ein romantikverdrossener Mann bin, kann es also nicht liegen. Oder sagen wir, nicht nur!

Fazit

Deutscher Filmstart ist der 27. März 2014.

Halb_Fiction253

von Martin Cordemann

DVD-Tipp: Sein letztes Rennen

Dieter Hallervorden kehrt auf die große Leinwand zurück – aber nicht so, wie man das vielleicht erwartet hätte. Es ist kein „Didi“-Film, kein Doppelgänger, keine Rache der Enterbten, es ist ein eher trauriger Film mit humorigen Zügen, der sich nicht mit dem alt werden beschäftigt, sondern mit dem alt sein.

Rückblick

Man hat Dieter Hallervorden schon immer Unrecht getan, wenn man ihn auf „Nonstop Nonsens“ reduziert hat. Nehmen wir drei Aspekte seiner Karriere, die zeigen, wie viel tatsächlich schon immer in ihm gesteckt hat. Da ist sein Auftritt als Killer in dem Wolfgang Menge Film „Das Millionenspiel“, da ist seine Arbeit im politischen Kabarett und dann ist da auch noch „Nonstop Nonsens“. Böser Killer, politischer Kabarettist, Spaßmacher. Drei unterschiedliche Bereiche, die seinen schon immer da gewesenen Facettenreichtum zeigen. Dass ich seine bekannte und beliebte Serie als letzten Punkt aufführe, hat einen Grund. Ich habe sie nämlich vor kurzem noch einmal komplett gesehen. Und auch wenn heute nicht mehr alles funktioniert, kann man das nicht plump als Klamauk abtun, denn es steckt weit mehr dahinter. Die Folgen waren 45 Minuten lang und verbanden zwei Dinge miteinander: kurze Sketche und eine durchgehende Geschichte. Das lässt es heute vielleicht etwas anstrengend erscheinen, heutzutage würde man daraus zwei eigene Serien machen, aber es war etwas, das die Serie auch heute noch von vielem in diesem Bereich der Unterhaltung unterscheidet und sie davon abhebt. Hinzu kommt noch, und das hat noch mehr Wert, dass die Stunts alle selbst gemacht waren. Und das wirft ein ganz schlechtes Licht auf das heutige Hollywood, wo viele Stunts eher im Computer entstehen oder Leute vor eine Bluescreen agieren: bei „Didi“ ist alles noch handgemacht – und das von Dieter Hallervorden selbst. Er ist also nicht nur Autor und Schauspieler, sondern auch noch sein eigener Stuntman. Also wenn man es mal so betrachtet, dann sollte es einen nicht verwundern, dass er sein Comeback mit diesem Film feiert!

Alte Menschen im Altenheim

Olympiasieger Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) altert und muss, zusammen mit seiner Frau, ins Heim. Hier können wir froh sein, dass wir nur einen Hauch davon erleben müssen, wie schlimm es im Altersheim wirklich sein muss, jedenfalls, wenn man es mit einem Pflegeheim vergleichen kann, und das wäre ein Gruselfilm für sich. So verzichten wir auf wirklich schlimm vor sich hinvegetierende oder vor sich hin jammernde Menschen und erleben eher den Umgang mit denen, die eigentlich noch zu mehr in der Lage wären, die man aber mit sinn- und geistlosen Übungen wie dem Basteln von Kastanienmännchen abspeist. Das ist der Punkt, an dem aus Averhoff der Rebell wird, der sich gegen diese geistlose Tätigkeit auflehnt. Die Folge ist natürlich Zuspruch und ziviler Ungehorsam bei den Mithäftlingen, Verzeihung, Heimbewohnern. Und er findet das, was jeder braucht, um seine Zeit im Gefängnis eines Altersheims zu überstehen, nämlich ein Ziel: Er, der 1956 als Marathonläufer bei Olympia gewonnen hat, will beim Berlin Marathon mitlaufen. Also beginnt er zu trainieren…

Laufen gegen die Ausweglosigkeit

Dass das natürlich nicht ohne Komplikationen abläuft, kann man sich denken. Nun ist es hier aber auch die Heimleitung, die ihm, der er für sich einen Weg gegen die Trostlosigkeit gefunden hat, ständig Steine in genau diesen Weg legt – was wahrscheinlich mit der Wirklichkeit durchaus im Einklang ist, traurigerweise. Seine Rebellion geht also weiter, gegen die Trostlosigkeit und gegen das System, das ihn an seinem Weg hindern will.

Wenn man „Sein letztes Rennen“ mit einem Wort umschreiben sollte, dann wäre das wahrscheinlich „menschlich“. Es ist ein Film von Menschen mit Menschen über Menschen – das Gegenteil eines synthetischen Hollywoodblockbusters. Es ist ein Film mit komischen und tragischen Zügen, in der zweiten Hälfte eher mit letzteren.

Deutsche Filme kranken für mich oft am etwas gekünstelten Spiel der Schauspieler. Das bietet dieser Film nicht, alle wirken angenehm natürlich, allen voran Dieter Hallervorden und seine Filmehefrau Tatja Seibt, aber auch die wohl meinende aber schlecht handelnde Therapeutin und das wundervolle „Rentnerensemble“.

Auch wenn er ab 6 Jahren freigegeben ist (trotz Nacktszene von Hallervorden), bin ich allerdings nicht sicher, ob er für Menschen unter 30 Jahren wirklich geeignet wäre, denn es kommt nur zweimal ein Handy drin vor und es geht um wirklich, wirklich alte Leute. Vielleicht sollte man die Altersgruppe von 14 bis 29 erstmal auslassen, ab 30 würde ich ihn aber absolut empfehlen – damit man sich schon mal darauf einstellen kann, was kommen wird. Und weil es ein guter Film ist!

Bonus

Die Interviews mit Hallervorden und Regisseur Kilian Riedhof sind informativ und interessant und zeigen Hallervorden (wie auch die bei „Nonstop Nonsens“) als intelligenten Menschen, der im wahren Leben nichts von seinem „Didi“-Image hat. Das kommt auch im Audiokommentar mit den beiden durch. Beide Kommentare – der andere ist neben dem Regisseur auch mit Ko-Autor Marc Blöbaum und Komponist Peter Hinderthür – sind interessant und geben gute Einblicke in die Entstehung des Films sowie die Gedanken und Intentionen der Filmemacher. Wenn man Gefallen an diesem Film gefunden hat, ist das ein schöner Bonus. Passenderweise gibt es auch eine Hörfilmfassung – hilfreich auch für ältere Zuschauer.

Also:

Ein schöner Film von Universum Film, ab dem 28. März 2014 als DVD, Blu-ray und Video on Demand.

von Martin Cordemann

Der Spion der mich liebte

Die große James Bond Retrospektive

Für viele ist das einer der Bond Filme schlechthin, der ultimative Roger Moore Bond – für mich war er schon immer langweilig. Vielleicht liegt das am Soundtrack und teilweise sogar am Fehlen desselben von Marvin Hamlish. Zeitgemäße Discomukke holen Bond zwar in die 70er, aber ob das nun gut fürs Ohr ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Sobald Hamlish das Bond Thema aufdreht, funktioniert es, aber alles andere ist irgendwelche seichte Musik, die mir hier nicht ganz schmecken will. Auch der Titelsong zählt für mich zu den Tiefpunkten der Reihe. „Nobody does it better“, Selbstbeweihräucherung, die hier wenig angemessen erscheint. Nebenbei auch der erste Titelsong, der nicht nach dem Titel benannt ist, obwohl eine Stelle mit „spy who loved me“ drin vorkommt.

Tease me, Mr. Bond

Yeah, der erste Teaser bei Roger Moore, in dem Bond auch wirklich vorkommt. Nachdem Gilbert sein „Ich entführe ein Raumschiff/U-Boot/Spaceshuttle“ Spiel gespielt hat, kommt einer der (wenigen) Höhepunkte des Films: Bond darf mal wieder Willy Bogners Skikunststücke zum Besten geben. Da man mit Willy Bogner wenig falsch machen kann und er jeden Film bereichert, wird hier der Actionhöhepunkt des Films präsentiert, alles andere geht dagegen unter – im wahrsten Sinne des Wortes. Wie zumeist hat der Teaser wieder elementare Bedeutung für den Film, nicht nur die Entführung, sondern auch die Skiszene mit Bond. Sie bietet uns auch die Rückkehr einer der diesmal nur sparsam eingesetzten schlechten Rückprojektionen, der Hut bleibt aber nach wie vor ein Symbol vergangener Tage.

Neue Gesichter zum alten Preis

In diesem Film werden zwei neue Figuren eingeführt, die wir auch in anderen Filmen wieder sehen werden. Da ist zum einen General Gogol (gespielt von Walther Gotell, der auch schon in „Liebesgrüße aus Moskau“ dabei war, dort aber in einer anderen Rolle), Ms russisches Gegenstück, der mal mit, mal gegen Bond arbeitet, je nachdem, was der Film verlangt. Da ist zum anderen der Außenminister Frederick Gray, der auch hin und wieder auftauchen wird.

Und da es sich um zwei neue Figuren handelt, ist da drittens auch noch der Beißer, im Original nach einem bekannten Steven Spielberg Film „Jaws“ genannt. (Ich meine, mal eine Kritik gelesen zu haben, in der sich der Rezensent darüber echauffierte, dass die Figur bei uns Beißer heißt und damit der Gag mit dem Spielberg Film verloren ginge – ginge er auch so, weil der Film bei uns unter dem Titel „Der weiße Hai“ mehr als bekannt ist und mit „Jaws“ zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich keine Sau was hätte anfangen können… aber so sind sie, die Kritiker.) Dass Haie der beste Freund des Schurken sind, wissen wir ja spätestens seit „Feuerball“, aber auch seit „Leben und sterben lassen“ und zumindest noch einmal in „Lizenz zum Töten“.

Die Figur des Beißers ist mal wieder einer von den Punkten, wo die Bond Reihe gehörig über die Strenge schlägt und den Boden des Glaubwürdigen verlässt. Das ist einfach ein bisschen zuviel, denn der Kerl ist schon fast ein Vampir, jedenfalls beißt er seine Opfer zu Tode und ist auch ansonsten nahezu unkaputtbar. Aber irgendwie ist das eine Sache der Moore Filme: Hellseherei, Vampirismus und im nächsten Film die Weltraumfahrt. Alles ein bisschen zu übersinnlich, um noch glaubwürdig zu bleiben.

Frauensachen

Zur Kontinuität der Reihe gibt es hier eine Anspielung darauf, dass Bond einmal kurz verheiratet war, seine Frau aber ermordet wurde – ein Hinweis darauf, dass dies dieselbe Figur sein soll wie zumindest Lazenby, wahrscheinlich aber auch Connery. Obwohl der, nachdem er Blofeld vermeintlich ins Reich der Toten befördert hatte, kaum mehr großen Schmerz über den Verlust seiner Frau gezeigt hat – aber er hat Diana Rigg ja auch nie kennen gelernt.

Es gibt auch eine Anspielung auf Bonds Studienzeit, denn es wird angedeutet, dass er in Cambridge studiert hat – das nur für alle, die so was interessiert.

Kommen wir aber zum Bachpunkt des Films, äh, Schwachpunkt: Barbara Bach sieht zwar ganz lecker aus, verfügt aber leider nur über spärliche Mimik, was die ganze Sache etwas anstrengend macht. Sie spricht Q übrigens als Major Boothroyd an, die erste Bestätigung, dass er die gleiche Figur sein soll, wie der Waffenmeister aus „Dr. No“.

Zug um Zug

Tja, keine Zugfahrt ohne Probleme, was? Wann immer Bond einen Zug besteigt, wird das nicht gut ausgehen. Das war schon in „Liebesgrüße aus Moskau“ so, in „Leben und sterben lassen“, hier – und auch in „GoldenEye“ wird sich das eher negativ für ihn auswirken. Vielleicht sollte er den Zug einfach meiden.

Zu diesem Zweck wird ja auch ein neuer Held eingeführt. Nicht ganz so schön wie der Aston Martin, aber doch eine wahre Augenweide: Der Lotus. Natürlich verfügt er auch über diverse Spielereien wie Minen, Raketen und die Möglichkeit, ihn in ein U-Boot umzuwandeln – immer hilfreich, falls man mal die Fähre verpasst hat.

Was dieser Film als erster in dieser Form macht, ist eine (musikalische) Anspielung auf einen anderen Film: In der Wüste wird einmal die Musik von „Lawrence von Arabien“ eingespielt. Das zeigt unbewusst einen gewissen Wandel bei Bond. Vorher war man selbst noch derjenige, der wegweisend war, der neues geschaffen hat und kopiert wurde. Nun ist es umgekehrt, Bond wird nicht mehr zitiert, Bond zitiert selbst – ein Rückschritt!

BB – der Bond Bullshit

Noch einen aus der Kategorie: Bei Timmys Bond Filmen, äh, Timothy Daltons Bond Filmen, wurde sich einer darauf heruntergeholt (Darf man hier so was schreiben? Ja, ich denke schon.), dass Bond diesmal nur ein Mädchen hat, bla bla bla! Erstmal stimmt das nicht (da ist immer noch das Mädel auf dem Boot, das Margo darüber informiert, wie langweilig sie es gerade findet). Und zum zweiten: Hat mal jemand aufgepasst, wie groß seine Frauenrate hier ist? Das Mädel in den Bergen, dann eventuell noch eine aus dem Harem von seinem Cambridge Freund und dann die Russin mit dem einen Gesichtsausdruck. Und die ersten beiden laufen genauso unter „ferner liefen“ wie das Bootsmädel von Timmy. Oder was ist mit „Diamantenfieber“, wo er die „Schaubusenbesitzerin“ zwar trifft, aber eigentlich nur Tiffany Case flachlegt – womit wir bei einem Stand von 1 sind. Also glauben Sie nicht alles, was Sie lesen. Auch das hier nicht!

Dann geht’s ins Finale, bei dem die Raumstation explodiert… der Vulkan… das Schiff? Ja, irgendwas in der Art, irgendjemand in einer Farbe kämpft mit jemandem in einer anderen Farbe und Sachen gehen kaputt und Dinge explodieren und Bond gewinnt. Alles schon mal gesehen, alles noch mal zu sehen. Tja, das fasst die Reihe eigentlich prinzipiell ganz gut zusammen, oder? Dann könnten wir hier auch eigentlich aufhören, denn eigentlich haben wir ja jetzt alles durch. Hmmm…

— Martin Cordemann alias Null Null PeeWee Ende —

— es folgt Sonderbericht von Tillmann Courth alias Null Null Tilly —

Sehe ich zum höchstens dritten Male. Der Film mit Curd Jürgens als Fröbe-Verschnitt und der Frau von Ringo Starr (Barbara Bach, die eine russische Agentin spielt, harhar). In Ost und West verschwinden auf mysteriöse Weise waffenstarrende Atom-U-Boote, offenbar will jemand die Blöcke aufeinander hetzen.

Und hier ist der schöne Vorsetzer mit der Ski-Verfolgung, wo Bond am Schluss in diesen Wahnsinnsabgrund stürzt und dann einen Union-Jack-Fallschirm entfaltet. Toller Musikeinsatz dabei und Übergang zum Vorspann. Das süßlich-ekelhafte „Nobody Does It Better“ von Carly Simon, mein Anwärter für den schlechtesten Titelsong!

Fasziniert rückt man näher an den Schirm und staunt darüber, dass die Modelle im Halbschatten, die wie üblich durch den Vorspann turnen, tatsächlich splitterfasernackt zu sein scheinen. Lenkt jedenfalls vom Gesang ab!

11. Filmminute: Agentin Amasova (Barbara Bach, kicher) bekommt gesteckt, dass ihr Freund oder Verlobter (?) von den Briten getötet wurde. War natürlich Bond. Das scheint sie betroffen zu machen, aber war sie nicht wenige Filmminuten zuvor mit jemand anderen im Bett?! Aber prinzipiell eine hübsche Plot-Idee, um Spannung zwischen gegengeschlechtlichen Agenten aufzubauen.

15. Minute: Auftritt des Bösewichts – Curti sitzt an einem überdimensionierten Esstisch und entledigt sich im Raubfischbecken einer verräterischen Mitwisserin („Der weiße Hai“, zwei Jahre zuvor ein Kinoerfolg, lässt grüßen). Irgendwie hat das Ganze die Anmutung eines Loriot-Sketches. Curti lebt in einem Landhaus unter Wasser (!) und hört klassische Musik. Soll uns bedeuten: durchgeknallter Snob, ey!

18. Minute: Bis hier hat der Film Tempo, denn schon erscheint der „Beißer“ auf der Bildfläche. Ist das nicht der Bondbösewicht, dem später mal ein Happy-End in „Moonraker“ zuteil werden wird? Was tut der eigentlich für seinen Lebensunterhalt? Also außer einen Zahnarzt in Lohn und Brot zu halten. Tötet er Menschen? Wie? Wir schauen hin.

21. Minute: Seltsamerweise weiß ein Scheich in der Wüste, wen Bond in Kairo finden muss, um weiterzukommen. Dort Klopperei auf Hausdächern (wieso reißt der Dicke Bond nicht an der Krawatte in die Tiefe?, ist doch physikalisch unmöglich, oder?) sowie nächtliches Gewusel bei den Pyramiden. Der Beißer beißt den ägyptischen Mittelsmann zu Tode, und das blutlos. Sauber, sauber. Trotzdem igitt, und der Mann sagt nie was!

31. Minute: Erstes Aufeinandertreffen Bond-Bach (ich sag mal Bach im Folgenden). Sie steht nur dumm rum, während Bond zwei ihrer (!) Russkis vermöbelt. Hoffentlich schlüpft sie bald aus dem Ostblock-Kostümchen in was Bequemeres. Lechz, hechel. Die nächste Szene präsentiert sie prompt im dekolletierten und geschlitzten Abendkleid. Bond weiß wer sie ist, nämlich Agentin Triple-X (ist das nicht Vin Diesel?).

36. Minute: Der Beißer holt sich seinen zweiten Snack, Bond nimmt die Verfolgung auf. Bach folgt und lässt sich (in der Säulenhalle der Tempelruine) wie ein Schulmädchen entwaffnen (peinlich und falsch). In der 42. Minute demontiert der Beißer den Lieferwagen, in den sich B & B geflüchtet haben, das ist recht lustig. Dabei ist Bach sogar zu dumm zum Autofahren.

50. Minute: Lauschiges Geheimdiensttreffen in den Pyramiden (oder wo), wo der Secret Service ein riesenhaftes Büro unterhält. In das die Russen (General Gogol + Bach) eingeladen werden! Bond + Bach werden den Auftrag gemeinsam ausführen. Auch Waffenmeister Q betreibt dort eine Forschungsabteilung – das alles darf der englische Steuerzahlung nie, nie, nie erfahren.

55. Minute: Wieder gerät eine harmlose Zugfahrt zum Alptraum (zum 3. Mal in Bondfilmen). Der Beißer steht im Schrank und möchte Bachs Negligée zerbeißen. Bond greift ein und wirft den Unhold („Er kam auf einen kleinen Happen vorbei“) aus dem Fenster. Der aber überlebt auch das und rückt sich cool den Schlips zurecht. The Beißer will be back. Derweil schnackseln Bond und Bach. Von der Fähre vor Sardinien (Sitz vom schon vergessenen Curti, wo biste, Curti?) rutscht Q mit dem AUTO. Heimlicher Star des Films (ab Minute 59). Der Lotus Esprit, der auch schwimmen kann! Versuchen Sie das mal in der Sahara.

61. Minute: Der Bikini-Auftritt, allerdings nicht von Bach, sondern von Caroline Munro (Curtis Assistentin Naomi). Bach guckt, als wolle sie sagen: Aber das wollte doch ich…

Und endlich darf Curti wieder mitspielen, der auf seiner schrecklich unpraktischen spinnenartigen künstlichen Insel haust und im  Film „Stromberg“ heißt. Diese Rolle bekäme heutzutage Christoph Maria Herbst (ist der schon als Bondbösewicht angefragt?). Leider trägt Curti einen bordeauxroten Glitzerschlafanzug, glubscht aus meerblauen Augen und wirkt augenblicklich tragisch. Obwohl er weiß, wen er da vor sich hat, lässt er Bond ziehen – und setzt natürlich den Beißer auf ihn an. Hätte man aber auch gleich vor Ort erledigen können… also, effizient ist das nicht!

70. Minute: Ein Bond + Bach verfolgendes Auto knallt kopfüber in die Hütte eines verdutzten Bergbauern. Und wieder entsteigt dem Wrack der Beißer, nur leicht lädiert. Dafür kriegt sie der Hubschrauber, aus dem neckisch Naomi grüßt (ein hübscher Augen-Blick, wortwörtlich) – und der Lotus darf auf Tauchfahrt gehen (Minute 72). So’n Lotus sieht unter Wasser verdammt elegant aus, das sollte man mit allen Autos machen…

78. Minute: Bach erfährt, dass Bond in der Schweiz war, als ihr Verlobter getötet wurde. Sie konfrontiert ihn: „Hast du ihn getötet?“. Das wäre eine gute Gelegenheit, herumzuhüpfen und sie singen: „Ahaber nicht ahabbsihichtlich“. Bond aber gesteht mannhaft, Berufsrisiko halt. Sie schwört seinen Tod. Kommt nicht soooo glaubhaft rüber, finde ich. Hoffentlich tut sie’s im Bikini.

81. Minute: Stromberg hat einen Supertanker, mit welchem er U-Boote transportiert. Ist doch völliger Quatsch. Prompt schluckt er noch Bond + Bach, die mit einem weiteren U-Boot anreisen. Fühle mich unwohl erinnert an die miesen Raumkapsel-Einsammelszenen aus „Man lebt nur zweimal“. Curti hat eine Privatarmee in schicken knallroten Uniformen. Sie nehmen das U-Boot samt Mannschaft gefangen. Bond rät Bach: „Tu so, als seist du Besatzungsmitglied.“ Was denn sonst? Die Kompanie-Hure? Die Bord-Diva? Das Matrosen-Maskottchen? Herrje.

88. Minute: Curti erklärt seine Weltumgestaltungsfantasien, die null durchdacht sind. New York und Moskau atomisieren und auf den dritten Weltkrieg hoffen – damit er schön in Ruhe unter Wasser leben kann? Aber das tut er doch schon! Knallkopp! Textaufsager! Dieser Bösewicht hat kein plausibles Motihihiv.

91. Minute: Die Endkämpfe beginnen, die wiederum unheimlich an „Man lebt nur zweimal“ erinnern! Statt einer Vulkanfestung haben wir eine schwimmende Marinebasis. Des Bösen Privatarmee bekriegt sich mit den tapferen U-Boot-Soldaten. Ich hätte es lustig gefunden, wenn kurz Blofeld irritiert durchs Bild gelaufen wäre!

Derweil lümmelt sich Stromberg in seiner Schwimmspinne mit Bach, der er einen scharfen Fummel in Rot angezogen hat! Er selbst trägt ein unglücklich gewähltes Halstuch. Ist Curti ein irrer Designer?

104. Minute: Bonds brillanter Plan geht auf – die beiden gekaperten U-Boote vernichten nicht New York und Moskau, sondern sich gegenseitig in gewaltigen atomaren Explosionen. Das wird Greenpeace dennoch nicht lieb sein.

110. Minute: Bond kommt auffem Wassermofa, um Bach zu erretten. Stromberg/Curti stirbt unwürdig mit hochrotem Kopf und im Versuch, sich an einer Platte Meeresfrüchte festzuhalten (die er sich natürlich über und über kippt, ach, Vatter). Aber Anya, wo ist Anya? Denn da ist erst nochmal der Beißer (den ich tatsächlich vergessen hatte). Bond klebt ihn (gemein) an einen Magneten und lässt ihn zum Haifisch plumpsen (der wird sich die Zähne am Beißer ausbeißen, haha). Die Entdeckung des Sushi!

Aber wo ist denn nun Bach, und was ist mit ihrem Versprechen, Bond umzubringen? Wird wohl nix, denn in Minute 115 ist sie vollauf damit beschäftigt, Angst vor Wasser zu haben und ihre ansehnlichen Moppen exquisit auszustellen. Gut, sie trägt im ganzen Film keinen Bikini, aber wer will hier kleinlich sein?

Fazit: Dramaturgie und Drehbuch sind eigentlich prima. Die Regie ist dienstlich, aber nicht sonderlich inspiriert (Lewis Gilbert, der elf Jahre zuvor schon „Man lebt nur zweimal“ inszeniert hatte, ahaaaa) – wirkt deswegen so irgendwie Connery-Oldschool. Weshalb kommt der Film nicht so recht in die Puschen (oder aus den Puschen)? Ich fürchte, es sind die Darsteller! Bach ist zu püppchenhaft und nicht glaubwürdig (dasselbe gilt für Curti!, und ja, auch püppchenhaft), der Beißer passt besser in einen Horrorfilm (Frankensteins Monster), und diese drei tragen den Film nicht. Auch geht diesem Werk eine Eleganz in seinen Dialogen ab (und die legere Hamilton-Handschrift, achja). Des Weiteren ist die Musik dünn und äußerst sparsam eingesetzt.

Für mich wirkt der zehnte Bond wie eine eigenartige Collage aus „Liebesgrüße“, „Zweimal“ und „Goldener Colt“. Als Zuschauer beginne ich mich zu langweilen, Bond droht zur Formel zu erstarren.

„Der Spion, der mich liebte“ stellt dennoch essentielle Fragen: Kann man den Russkis wirklich trauen? Verdirbt Geld immer den Charakter? Zahlt mir die Krankenkasse solche Eisenzähne? Und warum kann man Barbara Bach als Schauspielerin nicht ernstnehmen?

Der Spion der mich liebte (1977)

Originaltitel: The Spy who loved me

Regie: Lewis Gilbert

Musik: Marvin Hamlish / Titelsong: Carly Simon

James Bond: Roger Moore / Niels Clausnitzer

Karl Stromberg: Curd Jürgens

Major Amasova: Barbara Bach / Dagmar Heller

Beisser: Richard Kiel / —

Max Kalba: Vernon Dobtcheff / Horst Sachtleben

Naomi: Caroline Munro / Rosemarie Kirstein

Cpt. Benson: George Baker / Alexander Allerson

Cdr. Carter: Shane Rimmer / Horst Niendorf

Sir Frederick Gray: Geoffrey Keen / Alois-Maria Giani

General Gogol: Walter Gotell / Herbert Weicker

und

M: Bernard Lee / Wolf Ackva

Q: Desmond Llewelyn / Leo Bardischewski

Moneypenny: Lois Maxwell / Emely Reuer

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