DVD: National Treasure

Für Britischen TV-Comedian bricht eine Welt zusammen, als er plötzlich einer angeblich Jahre zurückliegenden Vergewaltigung beschuldigt wird…

Nationalheiligtum

Wie wie in dem sehr informativen Making-of erfahren, ist mit dem Titel des Vierteilers kein Staatsschatz gemeint, sondern eine Persönlichkeit, die gewissermaßen zum Nationalheiligtum geworden ist. Die Geschichte hat durchaus auch Vorbilder in der Realität, z.B. den in der Serie auch erwähnten Jimmy Saville, einen britischen TV-Star, nach dessen Tod herauskam, dass er offenbar den britischen Rekord in Sachen sexuellen Missbrauch hält. Aber auch Namen wie Bill Cosby und ganz aktuell Harvey Weinstein kommen einem in den Sinn, was der Serie traurige Aktualität verleiht.

Struktur

Geradezu grandios ist, dass die Serie sehr humorvoll anfängt – und dann scharf die Kurve zur Dramatik nimmt. Ein perfektes Beispiel dafür, wie man sowas macht und wie man das Thema Komödianten in einem Drama richtig nutzt. Schöner wäre es noch gewesen, wenn man das Heiß und Kalt zwischen lustig und dramatisch auch weiterhin beibehalten hätte, aber man kann bekanntlich nicht alles haben… auch wenn das die Hauptfigur hier möglicherweise anders sieht.

Besetzungsknautsch

Hier kann man sehen, wie wichtig die richtige Besetzung sein kann. Die Hauptrolle wird gespielt von Robbie Coltrane. Den kennt man einerseits als gutmütigen Haggrid aus den Harry Potter-Filmen, andererseits – und noch viel früher – als versoffen spielsüchtig herumhurenden Psychologen aus „Für alle Fälle Fitz“. Und eben das macht die richtige Mischung aus, denn Coltrane ist insofern perfekt für die Rolle, als man bei ihm immer den für die Handlung notwendigen Hauch des Zweifels hat. Er kann gutmütig sein – aber auch das Gegenteil davon. Deshalb besteht da also durchaus eine gewisse Möglichkeit, dass an den Anschuldigungen vielleicht doch etwas sein könnte…?

Abgesang

Leider werden wir Coltrane in deutschen Fassungen nie wieder mit einem von seinem beiden Stammsprechern hören. Wolfgang Hess, der ihm als Fitz seine Stimme lieh, und der am bekanntesten sein dürfte als deutsche Stimme von Bud Spencer, verstarb leider im vergangenen Jahr. Leider gilt das auch für das Multitalent Hartmut Neugebauer, der in den Potter-Filmen für Coltrane sprach. Der Mann, der auch John Goodman, Gene Hackman und William Shatner bei „Boston Legal“ synchronisierte, verließ uns auch vor wenigen Monaten und hinterlässt damit eine riesige Lücke in der deutschen Synchronlandschaft.

Mit

Robbie Coltrane (Douglas Welbat), Julie Walters (Angelika Bender), Andrea Riseborough (Natascha Geisler), Tim McInnerny (Matthias Klie)

Nationalfazitum

Hervorragende Miniserie, die sich mit Vergewaltigung bzw. der Anschuldigung einer solchen in der Medienlandschaft beschäftigt und einen schauspielerischen Höhepunkt bietet, wenn eins der Opfer vor Gericht aussagt – toll gespielt und zu Herzen gehend! Ab 13.10.2017 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: Hochzeit ohne Plan

Mann schläft mit Hochzeitsplanerin und engagiert sie dann, um den One-Night-Stand vor seiner Freundin zu verbergen, die sich als alte Bekannte von ihr herausstellt…

Tjaaaa

Nach zwei sehr schönen Liebesfilmen aus Frankreich kommt dieser dann etwas herkömmlich daher. Es gibt zwar hier und da ein paar nette Einfälle, aber so richtig will der Funke nicht überspringen. Man hat auch irgendwie das Gefühl, man weiß, wo die Reise hingehen wird. Für etwas Tiefgang soll eventuell die trinkfreudige Mutter sorgen, aber so richtig funktionieren will das auch nicht.

Fazit ohne Plan

Da gibt es zwar ganz schöne Landschaften und sogar eine Hintergrundgeschichte, aber auch wenn dann ein Moment der Erkenntnis kommt, ist es unterm Strich vielleicht eher ein Film übers Erwachsenwerden als ein Liebesfilm. Ab 20. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray.

DVD: New York – Die Stadt, die niemals schläft

Die Stadt, die niemals schläft“, eine der größten Metropolen der Welt – aber wie kann ein solches Menschenwerk mit mehr als acht Millionen Einwohnern überhaupt funktionieren…?

Verkehr, Essen, Wohnen, Geschichte

Wenn man sich dafür interessiert, wie Dinge funktionieren, dann ist dies eine von diesen wundervollen BBC-Doku-Serien, die einem echte Freude bereiten können. Denn von New York wissen wir vorehmlich, dass es dort genug Verbrechen für diverse Fernsehserien gibt, einen kleinen Mann namens Woody Allen, der der Stadt regelmäßig filmische Liebesbriefe geschrieben hat – und natürlich diese Sache mit dem Word Trade Center. Diese Doku gibt uns nun Einblick in all die kleinen und großen Dinge, die dafür sorgen, dass die Stadt überhaupt funktionieren kann.

Aufgeteilt ist sie dabei in drei Episoden und damit größere Themenbereiche. Der erste befasst sich mit dem Verkehr, Eine Riesenmetropole wie The Big Apple braucht jede Menge öffentliche Verkehrsmittel, damit jeder zu und von seinem Arbeitsplatz kommen kann. Hier erhalten wir Einblicke in das komplizierte Netzwerk, das über Jahrzehnte entwickelt wurde und auch weiterhin entwickelt wird und was alles dazu notwendig ist, dass es nicht – oder nicht so oft – zum Kollaps kommt und zusammenbricht.

In der zweiten Episode geht es darum, wie all diese Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt werden – und damit ist nicht nur Joes Pizza gemeint. Denn nur das Wenigste an Lebensmitteln stammt aus der Stadt selbst, und doch müssen Millionen von Menschen täglich ernährt werden… und da dabei auch Abfall entsteht, wird auch dieses Thema beleuchtet.

Im letzten Teil wird dann gezeigt, wie es um die Wohnsituation bestellt ist – aber auch um das Leben in der Stadt. Und dazu gehört auch die grüne Lunge der City, der Central Park – und seine Entstehung.

Einblicke, Rückblicke, Ausblicke

Neben einem faszinierenden Einblick in die aktuelle Situation bietet die Doku auch Rückblicke in die Vergangenheit, womit man auch interessante Einblicke in die Geschichte und Entwicklung der Weltstadt bekommt, die die ganze Serie abrunden.

Faz York

Faszinierende Einblicke in Gegenwart und auch Historie einer der bekanntesten Städte der Welt. Ab 29.9.2017 auf DVD.

DVD: Ein Verlobter zu viel

Frau, die Schwierigkeiten mit Entscheidungen hat, steht zwischen zwei Männern…

Liebeskomödie

Mit ungewissem Ausgang. Denn für gewöhnlich weiß man von Anfang an, wie solche Filme enden und mit wem die Hauptfigur am Schluss zusammen sein wird, doch hier ist das – dankenswerter Weise – nicht so. Das hält ihn frisch, spannend und sogar ein stückweit originell.

Der Film hat schöne Dialoge, nette Figuren und witzige Szenen. Auch wenn nicht alles funktioniert, so ist er doch ausgesprochen unterhaltsam. Die Grundidee, dass sich jemand einfach nicht entscheiden kann, ist interessant und in der Tat guter Stoff für einen Film. Schön, dass eine Komödie daraus geworden ist, denn man hätte auch weit mehr in die Tragödie hineingehen können, auch wenn die hier auch nicht ganz ausgespart wird, denn wir wissen, dass vor einem Happy End immer noch ein Konflikt kommt, den es zu lösen gilt.

Frauen, die sich nicht entscheiden können

Okay, das ist eigentlich der Standard, aber hier wird er noch auf die Spitze getrieben. Zwar wird der Gedanke nicht komplett konsequent ausgeleuchtet und durchgespielt, aber es gibt da schon viele schöne Ideen. Und ein Wiedersehen mit Captain Apollo von der „Galactica“: Jamie Bamber spielt einen der beiden Verlobten – und macht das auf französisch. Hut ab… oder Rock hoch? Wer weiß, denn er spielt einen Schotten.

Mit

Alexandra Lamy (Maud Ackermann), Arnaud Ducret (Thomas Nero Wolf), Jamie Bamber (Nico Mamone), Anna Marivin (Alexandra Wilke), Sabrina Ouazani (Daniela Thuar), Lionnel Astier (Frank Röth)

Ein Fazit zu viel

Eine spannende Liebeskomödie, bei der man nicht weiß, wie es ausgehen wird… wann hat man sowas schonmal? Insofern: Daumen hoch… wenn man sich dafür entscheiden kann. Ab 20. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Poirot – Mord im Orient-Express

Als der französische, Verzeihung, belgische Schnüffler Hercule Poirot von Istanbul aus mit dem Orient-Express fährt, geschieht an Bord des Zuges ein Mord – und die Anzahl der Verdächtigen erscheint recht übersichtlich…

Agatha Christie

Dies mag Agatha Christies bester Fall sein. Er ist großartig konstruiert, es ist ein wunderbarer Whodunnit und es ist auch nicht wie bei anderen Fällen, dass sich der Detektiv eine Lösung aus dem Allerwertesten zieht, auf die der Leser/Zuschauer niemals selbst hätte kommen können, weil ihm sämtliches Wissen fehlt, das der Detektiv aber nun an den Tag legt. Es gibt viele Hinweise, viele Andeutungen, wenige Verdächtige. So muss das sein und in dieser Perfektion mag Christie das nie wieder hinbekommen haben.

Starbesetzung

Wenn man an den „Mord im Orient-Express“ denkt – und diese Einzelveröffentlichung der David Suchet-Version verdankt ihre Auskoppelung aus der „Agatha Christie; Poirot – Collection 11“ sicher der bald auf die Kinoleinwände projizierten Neuverfilmung mit Kenneth „Shakespeare“ Brannagh als belgischem Schnüffler – dann fällt der erste Gedanke wahrscheinlich in Richtung Staraufgebot. Das gibt es. Mit „James Bond“ Sean Connery, „Norman Bates“ Anthony Perkins, „D’Artagnan“ Michael York, mit Martin Balsam, Vanessa Redgrave, Jacqueline Bisset, John Gielgud, Jean-Pierre Cassell, Ingrid Bergman, Richard Wirdmark und… Albert Finney als Poirot, um nur ein paar zu nennen. Eine großartige Verfilmung, die besonders durch erwähntes Staraufgebot lebt… jedenfalls neigt man dazu, genau das zu denken. Doch wenn man dann diese Version sieht, mit Hugh Bonneville aus „Downton Abbey“, David Morrissey aus „The Walking Dead“, mit Toby Jones in der Rolle des harten Widmark… und Jessica Chestain, die, welche Überraschung, eine distanzierte Frau spielt, sowie David Suchet als Poirot, dann merkt man schnell, dass die große und großartige Besetzung der erwähnten Sidney Lumet-Verfilmung zwar eine tolle Sache ist, dass aber, wie eingangs beschrieben, die Geschichte einfach so gut und fesselnd ist, dass sie auch mit weniger prominenten Schauspielern gut funktioniert – selbst dann, wenn man weiß, wie es ausgeht. Gegen Ende versucht man dann ein wenig neue Spannung aufzubauen, indem man sich von der anderen Verfilmung entfernt…

Bonus

Ein schönes Making-of sowie „David Suchet an Bord des Orient-Express“, eine Doku, in der der Poirot-Darsteller ein paar Einblicke in die Geschichte des echten Zuges und seine Eleganz gewährt.

Mit

David Suchet (Ulrich Frank), Jessica Chastain (Melanie Manstein), David Morrissey (Torben Liebrecht), Barbara Hershey (Kerstin Sanders-Dornseif), Toby Jones (Tobias Lelle), Hugh Bonneville (Christoph Jablonka)

Fazit im Orient-Express

Spannende Umsetzung von Agatha Christies vielleicht bestem Fall, die, auch wenn sie nicht mit dem Staraufgebot der Lumet-Variante mithalten kann, trotzdem hervorragend funktioniert. Ab 29.9.2017 auf DVD.

DVD: Glücklich geschieden – Mama gegen Papa 2

Papa und Mama haben sich getrennt… leben aber nur durch die Straße getrennt in eigenen Häusern. Er hat eine Freundin, aber als er erfährt, dass sie einen Freund hat, will er ihn kennenlernen, was zu Verwicklungen führt…

Fort, Setzung, fort!

Muss man den ersten Teil gesehen haben? Nein. Nicht, weil er schlecht wäre, was ich nicht beurteilen kann, sondern um diesen Film verstehen zu können? Selbe Antwort. Denn auch ohne das Vorwissen aus der Vorsetzung bietet dieser Film jede Menge Spaß und Unterhaltung. Und einen schönen, etwas eigenwilligen Humor. Was ihn von vielen anderen Komödien positiv abhebt und ihm etwas eigenes verleiht. Denn anders als sonst stehen die Kinder hier nicht im Vordergrund, sondern sind in gewisser Weise „Teil des Problems“. Auch sehr schön dabei der Running-gag mit dem jüngsten Teil des Nachwuchses.

Die männliche Hauptrolle spielt, wie im ersten Teil, Laurent Lafitte. Der war erst letztes Jahr in Paul Verhoevens „Elle“ zu sehen, wo er eine… etwas andere Figur spielt. Beides macht er sehr überzeugend und bei dem guten Buch, das dieser Film bietet, wünscht man sich eigentlich einen dritten Teil.

Auf deutsch

Es ist immer wieder schön, eine gute deutsche Synchronfassung erleben zu dürfen – schön und immer seltener, hat man das Gefühl. Eine Fassung, bei der alles stimmt, die Dialoge gut sind, die Sprecher in Spiellaune und bei der man die Stimmen auch kennt. Es mutet ein wenig merkwürdig an, dass Filme mit schwächerer Synchro es ins Kino schaffen, wie z.B. „Das Belko-Experiment“, während man sich für diesen fürs Heimkino bestimmten Film eine richtig gute Synchronfassung leistet. Insofern ist es also ein kleiner Genuss, den Film auf deutsch zu sehen, weil man erleben kann, wie gut Synchronisation sein kann, wenn man sie in die richtigen Hände und Münder legt.

Mit

Laurent Lafitte (Marcus Off), Marina Fois (Viktoria Stum), Alexandre Desrousseaux (Sebastian Kluckert), Anna Lemarchand (Vivian Gibert), Jonathan Cohen (Marius Clarén)

Glücklich gefazitet

Komödie, die wirklich witzig ist – was es umso schadeeer macht, dass sowas nicht ins Kino kommt. Auf jeden Fall ein schöner Spaß – wenn man den Humor dafür hat. Ab 20. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray.

DVD: Lutter – Die Gesamtedition

Nachdem er seine 99 Thesen an die Kirchentür genagelt hat, zieht der Reformator durch die Stadt und löst Kriminalfälle…

Das ist LUTHER!

Der löst Kriminalfälle?

Äh…

Und wird von Idris Elba gespielt?

Beides unterschiedliche Luthers. Der eine löst Fälle, der andere die Kirche auf. Dieser hier schreibt sich

Lutter

und…

Löst die Kirche auf?

Nein, Fälle. In Essen. Im Ruhrgebiet. Und das ist gleichermaßen spannend wie witzig. Wobei, manchmal mehr, manchmal weniger. Von beidem. Wie dem auch sei, wir haben hier sechs Filme und Fälle mit ihm, und damit die komplette Edition seiner Arbeit. Ein wenig fühlt man sich an „Schimanski“ erinnert, nicht wegen der scheiß Sprache, sondern weil bei dem auch innerhalb der Filme schnell der Partner ausgetauscht wurde. So darf man sich leider nur auf zwei Fälle mit Lukas Gregorovicz an der Seite von Joachim Króls Lutter freuen, wobei der auch irgendwie immer auf sehr ähnliche Typen besetzt wird, eher die feinen, Anzug tragenden. Lutter dagegen ist eher der bodenständige Typ, sympathisch, nett, im Fußballverein, fehlt eigentlich nur noch Kleingärtner. Zum Glück bemüht man sich nicht, ihn so stark ruhrpötteln zu lassen wie dereinst Jürgen von Manger, und auch sonst ist der pöttische Dialekt eher Lokalkolorit als aufdringliche Sprachlichkeit. In der ersten Folge wird zwar noch so ziemlich jeder Ruhrpottspruch aus dem Handbuch eingebaut, aber zum Glück ändert sich das schnell und die Sprache wird Teil des Gesamtbilds.

Die Fälle sind recht gut und warten mit schönen Wendungen und Auflösungen auf, sehr schön ist aber auch der Humor. Der ist nicht zu stark, aber er ist da, und wenn er kommt, macht er Spaß.

Allet, wat Rang und Nahmen hatt

Auch wenn man Joachim Król jetzt nicht zwingend mit dem Pott assoziiert, einige seiner Gastdarsteller dagegen schon. Jochen Nickel als einer seiner Freunde darf ebensowenig fehlen wie Ralf Richter als zwielichtige Gestalt und diverse andere Schauspieler, die man aus einschlägigen Ruhrpottfilmen von Peter Thorwart bis Frank Goosen, von „Band Boom Bang“ bis zu „Radio Heimat“ so kennt. Schön ist aber auch, dass man Susanne Uhlen mal wieder sieht, und Charles Brauer und Lambert Hamel sind ebenso mit dabei wie Jürgen Tarrach, Cosma Shiva Hagen, Armin Rohde und Tilo Prückner.

Fazzit

Hübsche Krimis, netter Humor – gute Unterhaltung. Ab 13. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray.