Kino: BRIGHTBURN: SON OF DARKNESS

Was wäre, wenn Superman statt gut einfach böse wäre…?

Netter Ansatz

Die Grundidee ist schön… und gleicht von der Struktur her sehr dem superigen Ankömmling von Krypton, nur, dass er irgendwann das Böse in sich entdeckt. Leider dauert das viel zu lange und man kitzelt einfach nicht genug aus dem Thema heraus. Was die Sache eher öde macht als spannend. Denn auch wenn das Ganze als Horrorversion von Heldenvision angedacht war, hapert es da doch ein wenig an der Ausführung. Einzig wenn man ein paarmal sieht, was das böse Kind mit seinen Opfern gemacht hat, bleibt einem die Spucke weg, denn das ist hart und fies und böse und geht wirklich unter die Haut. Leider bietet der Film nicht genug davon, um einen bei Laune – oder Spannung – zu halten und dann bekommt man im Nachspann als Andeutung den Film angerissen, den man eigentlich viel lieber gesehen hätte. Schade, das Böse hätte so schön sein können.

Mit

Elizabeth Banks, David Denman, Jackson A. Dunn, Matt Jones und Meredith Hagner

Regie: David Yarovesky.

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Son of Fazit

Mehr Brightboring als Brightburn. Ab 20. Juni 2019 im Kino.

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Heimkino: Seddok – Der Würger mit der Teufelskralle

Nachdem Stripperin von ihrem Freund verlassen wird, baut sie einen Unfall. Sie erwacht im Krankenhaus, wo sie erst einen Gesichtsverband und anschließend gesichtsüberwuchernden Krebs hat, der es darauf anlegt, ihr den Garaus zu machen, doch da ist ein Wissenschaftler Komma verrückter, der schon lange in diesen Weidegründen herumexperimentiert und möglicherweise eine Heilung hat…

Dr. Frankenstein und Mr. Hyde

Man hat hier föhlich ein paar Elemente des klassischen Horrors in einen Mixer geworfen und wild durcheinander gemischt. Zu den erwähnten kommt natürlich noch der treue Hund, äh, Angestellte Igor und selbst Mumie und Wolfmann kann man hineininterpretieren. Fehlt nur noch Dracula und die Scatrunde wäre perfekt gewesen. Nu is der Italiener über einige Jahrzehnte nicht pingelig gewesen, sich hier und da filmisch was zusammenzuklauen und auch der Begriff „Spaghettiwestern“ kommt ja nicht von ungefähr. Hier also baut man sich eine kleine Geschichte um spontan überwuchernden Krebs, der nur von einem Doktor aufgehalten werden kann, der alles gibt und vieles nimmt, um sein Ziel zu erreichen, z.B. das Leben von ein paar Frauen, womit wir noch einen Hauch Jack the Ripper in den Mix werfen können. Man könnte sagen, das, was wir hier sehen, ist

Eine feinsinnige Geschichte über Selbstaufgabe um andere zu retten

aber wir können es auch lassen. Tatsächlich hätte der Film ein wenig mehr in Sachen Spannung trumpfen können, wenn er deutlicher und fieser gezeigt hätte, was das Monster (der Begriff Seddok wird erst überraschend spät eingeführt, möglicherweise aus urheberrechtlichen Gründen) mit seinen Opferinnen so macht. Was er dagegen zeigt, ist die Verwandlung des Doktors in den titularen (und an den Haaren herbeigezogenen) Seddok, was zwar nicht die Güte eines „American Werewolf“ hat, sich aber durchaus sehen lassen kann und für die damalige Zeit gar nicht mal so schlecht gewesen sein dürfte.

Erstmals in restaurierter Fassung

Als Bonusmaterial gibt es die ungeschnittene Originalfassung.

OT: Seddok, l’erede di Satana (1960)

Ivo Garrani (Wolfgang Eichberger), Susanne Loret (Rosemarie Fendel), Franca Parisi (Helga Trümper)

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der deutschen Fassung]

Fazzok

Wilde italienische Mischung aus allem, was das Horrorgenre so zu bieten hat, außer wirklicher Spannung, leider. Ab 21. Juni 2019 auf DVD.

Kino: LONG SHOT – UNWAHRSCHEINLICH, ABER NICHT UNMÖGLICH

Journalist trifft nach Jobbendigung zufällig jemanden wieder, die er von früher kannte – und die nun Außenministerin auf dem Weg zur Präsidentinnenschaft ist…

RomCom mit politischen Anflügen

Natürlich weiß man bei dem Etikett, wo die Reise hingeht… und dann ist da auch noch Seth Rogen. Wenn man den nicht mag, isses schon schwierig. Und tatsächlich hätte der Film an manchen Stellen ein wenig weniger rogenisch sein können. Davon ab ist er aber durchaus unterhaltsam und stellenweise recht witzig. Großartig ist Charlize Theron, die mit „einfach phantastisch“ fast noch zu zurückhaltend umschrieben ist. Ein Moment der Erkenntnis traf mich nach etwa einer Stunde, als ich erst verstanden habe, dass diese eine Figur da von Andy Serkins gespielt wird… Schlicht nicht wiederzuerkennen, also wo ist seine Oscarnominierung?

HDTGM

Diesmal kommen Freunde des Podcasts „How Did This Get Made“ richtig auf ihre Kosten, Paul Scheers Auftritt ist zwar eher eine Randnotiz, dafür ist die Rolle von June Diane Raphael nicht nur groß, sondern auch wichtig – und sie macht das richtig gut. Das einzige, was ein wenig schwierig ist, ist, dass die Kandidatin für das Jahr 2020 als Präsidentin antritt – und der aktuelle Präsident ist zwar eine witzige Figur und hervorragend dargestellt von Bob Odenkirk, aber es ist eben nicht Donny Trump… was den Film quasi in einer Paralleldimension ansiedelt. Dafür reißt er ein paar interessante politische und private Themen an, was ab und an richtig Spaß macht.

Mit

Charlize Theron, Seth Rogen, O’Shea Jackson Jr., Andy Serkis, June Diane Raphael, Paul Sheer

Regie: Jonathan Levine

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Faz Shot

Sehr unterhaltsam, überraschend witzig, aber vielleicht hier und da ein wenig zu sehr rogenisch, dafür aber mit einer herausragenden Charlize Theron. Ab 20. Juni 2019 im Kino.

Heimkino: HAPPY DEATHDAY 2U

Studentin erlebt ständig ihren Geburtstag wieder, der damit endet, dass sie umgebracht wird. Nun kommt sie auf die Idee, den Mörder zu entlarven – wieder mal…

Fortsetzung folgt… Fortsetzung folgt… Fortsetzung folgt…

Könnte man schreiben, oder auch

Und täglicher grüßt das Murmeltier

Doch dabei übersieht man ein kleines Detail:

Super lustig!

Während Teil 1 noch sehr im Murmeltier-Territorium wandelt und dadurch nicht so irrsinnig originell ist, wie man sich das wünschen würde, wird hier mit dem Thema gespielt. Und das macht

irrsinnig Spaß

weil man eben nicht ausgetretene Pfade beschreitet, sondern tatsächlich andere Wege geht, wobei man sich auch nicht so ganz ernst nimmt. Hier und da flammt sogar ein herrlich böser Humor auf, aber genau der ist es, der im Vordergrund steht, der Humor und nicht der Horror. Wer sich also ein Slashermurmeltier wünscht, ist hier eher auf der falschen Party, auch wenn der Mörder mit der Babymaske natürlich auch diesmal sein Unwesen treibt. Was im ersten Teil an Cleverness gefehlt hat, wird hier nachgeholt und so ergibt sogar der Grund, warum die gleiche Frau den gleichen Scheiß ein zweites Mal erlebt (merkwürdig, warum dieses „Stirb langsam 2“-Zitat nicht auftaucht) einen Sinn, auch wenn ein Element, das zu Anfang eingeführt wird, am Ende vergessen zu sein scheint… aber, wir wissen, wenn der hier erfolgreich genug wird, kommen wir um einen dritten Teil nicht herum. Ob der dann in die gleichen Höhen aufsteigen könnte wie dieser, der in meinen Augen

weit besser als der erste Teil

ist, nun, das könnte schwierig werden. Also erfreuen wir uns erstmal an dem, was wir haben – und an einer phantastischen Jessica Rothe, die einen mit ihrem Spiel mehr als beglückt, da sie vom sarkastischen Gesichtsausdruck bis zur zur Herzen gehenden Szene alles beherrscht.

Bonus

Dazu gibt es ein paar kurze Featurettchen, die aber nicht wirklich sonderlich aussagekräftig sind.

Mit

Jessica Rothe (Kaya Moeller), Israel Brussard (Patrick Baehr), Rachel Matthews (Julia Kaufmann), Ruby Modine (Jodie Blank), Charles Aitken (Tobias Nath), Jason Bayle (Frank Röth)

Regie: Christopher Landon

Happy Fazday 2U

Ein großer Spaß, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und dadurch, dass er mit dem Genre spielt, weit frischer und witziger ist als der erste Teil. Ab 20. Juni 2019 auf DVD und Blu-ray.

Heimkino: YARDIE

© Studiocanal

Kingston Town, Jamaika, in den späten 70ern. Zwei Banden beherrschen die Stadt. Ein Mann, der Frieden bringen will, wird erschossen. Jahre später schickt jemand, der dadurch an die Macht gelangt ist, einen jungen Mann nach London, um zu vermeiden, dass er zu Hause einen Krieg anzettelt…

Romanverfilmung von Idris Elba

Und auch dessen Regiedebut. Man könnte fast sagen, dass er seine Sache zu gut macht, zumindest in einer Beziehung… was dann wiederum zum Abstrichen in anderen Beziehungen führt. Der Film spielt u.a. in Jamaika, joh, und die Leude von Kingstonn Taun sprechen auch in London sooo, Maaaan, was für fremde Ohren ein wenig schwierig klingen kann. (Man mag jetzt das Argument anbringen, dass Nativespeaker des Englischen mit diesem Dialekt ihrer Sprache keine Probleme haben werden, aber amerikanerische Podcasts sagen mir immer wieder, dass man auch in dem Fall Verständnisschwierigkeiten beim schottisch angehauchten Englisch in „T2 – Trainspotting“ oder Michael Fassbenders Genuschele von Shakespeares „Macbeth“ hat, mit dieser Sprache aufgewachsen zu sein macht da in manchen Fällen also auch keinen Unterschied.) Im Sinne des Verständnis wären also Untertitel oder die deutsche Tonspur empfohlen, denn ich fürchte, dass mir das eine oder andere entgangen ist. Vielleicht hätte dann aber doch eine etwas straffere Inszenierung bei der Sache geholfen, bei der die Suche nach dem Mörder des Friedensbringers ein wenig mehr im Vordergrund gestanden hätte als so gefühlt gar nicht und man läuft ihm fast zufällig über den Weg. Dafür hat Idris Elba, der nach wie vor ein großartiger Schauspieler ist und der sicher einen hervorragenden James Bond abgeben würde, das Markenzeichen Jamaikas in den Vordergrund gerückt, oder vielmehr in den Hintergrund und zwar als Musikuntermalung, denn der Reggae zieht sich durch den Film, wie es das eigentlich das Blut der vielen von den Banden ermordeten tun sollte.

B Griff

Yardie“ ist übrigens der englische Ausdruck für Kriminelle aus Jamaika, die in England ihrer Arbeit nachgehen… und genau das sehen wir hier, sogar mit einer interessanten Wendung am Schluss, die weit kräftigere Wirkung entfaltet hätte, wenn sie nicht im Dialekt untergangen wäre.

Bonus

Interviews mit Idris Elba und anderen Beteiligten, bei denen es auch einen Einblick in die Welt des Reggae gibt.

Mit

Aml Ameen (Leonhard Mahlich), Sheldon Shepherd (Asad Schwarz), Stephen Graham (Olaf Reichmann), Shantol jackson (Anja Stadlober), Akin Gazi (Samir Fuchs), Johann Myers (Samuel Zekarias), Adnan Mustafa (Dennis Sandmann), Mark Rhino Smith (Armin Schlagwein), Tanika Bailey (Nurcan Özdemir), Paul Haughton (Imtiaz Haque), Calvin Demba (Kaze Uzumaki), Myla-Rae Hutchinson-Dunwell (Zoé Zech), Reshawna Douglas (Derya Flechtner)

Regie: Idris Elba

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Farzie

Es geht natürlich etwas verloren, wenn man diesen Film nicht in der Originalfassung sieht, gewonnen wird dadurch aber im Zweifel Verständnis, worum es geht (also eher Untertitel). Musikalisch stimmig in Szene gesetzt, in Sachen Spannung aber durchaus mit ein wenig Spiel nach oben. Ab 13. Juni als Download (EST), ab 20. Juni 2019 als Blu-ray, DVD und VoD (Leih).

Heimkino: GREEN BOOK – Eine besondere Freundschaft

Amerika in den 60ern. Ein großartiger schwarzer Pianist will mit seinem Trio durchs Land touren. Er engagiert sich einen weißen Fahrer, denn es ist damit zu rechnen, dass es besonders im tiefen Süden zu Problemen kommen kann…

Inspiriert von wahren Begebenheiten

Es kam wohl ein wenig Kritik, dass wir hier ein bisschen den Fall eines „weißen Retters“ haben, der dem armen schwarzen Mann aus der Patsche hilft… aber es gibt Filme, die das schlimmer verkörpern. Ja, es ist drin, aber es ist insofern verzeihlich, als die beiden Hauptdarsteller, Viggo Mortensen und Mahershala Ali, eine so gute Chemie miteinander haben und sich auch sehr schön ergänzen, dass man darüber einfach mal hinwegblicken kann. Zumindest größtenteils, denn das Ende kaufe ich dem Film dann doch nicht ab, so befriedigend – und das ist es durchaus – es auch sein mag. Davon abgesehen haben wir aber einen höchst unterhaltsamen und amüsanten Film mit zwei exzellenten Darstellern, bei dem es ein bisschen so ist, als würde Spock von einem schlagkräftigen Italo-McCoy durchs Land chauffiert. Das macht Spaß, da wir hier auch ein bisschen die Umkehrung mancher Klischees haben, denn der schwarze Mann ist der gebildete und kultivierte, während der weiße in dieser Beziehung noch einiges von ihm lernen kann – und tut. Zudem ist es ein großes Vergnügen, Mortensen dabei zuzusehen, wie er gefährliche Situationen meistert. Wobei es bei seiner Figur die eine oder andere Frage gibt, denn am Anfang tut er etwas, mit dem er eigentlich seine Meinung über Schwarze zeigt, aber irgendwie passt das nicht ganz zur Figur und ist eigentlich nur dafür da, um seiner Frau seine Entwicklung am Ende deutlich – und sie auf ihn stolz – zu machen. Insofern sind Anfang und Ende ein wenig zuviel und nehmen der Sache dadurch etwas von ihrer, traurigen, Glaubwürdigkeit, denn es geht um Amerika in den 60ern und da hat man in Sachen Rassen und den Umgang damit auch 15 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem es ja auch um den Umgang mit Rassen ging, einfach nichts dazu gelernt. Das titulare grüne Buch zeigt einem nämlich, in welchen Hotels Schwarze absteigen können.

Bonus

Kurze Making-ofs mit ein paar Hintergründen.

Mit

Viggo Mortensen (Jacques Breuer), Mahershala Ali (Matti Klemm), Linda Cardellini (Dascha Lehmann), Joe Cortese (Roland Hemmo), Tom Virtue (Frank Röth)

Regie: Peter Farrelly

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Fazit

Hier und da ließe sich etwas bemängeln, aber im Großen und Ganzen ein sehr schöner Film mit viel Humor, der einem zeigt, wie man auch miteinander umgehen könnte und wie man es verdammtnochmal nicht sollte. Ab 19. Juni 2019 auf DVD und Blu-ray.

Kino: TOLKIEN

Er schuf den „Herrn der Ringe“ – dies ist seine Lebensgeschichte…

Filmbiographie

Tolkien hat nicht nur eins der bekanntesten und wohl auch bedeutendsten Werke der Fantasyliteratur geschrieben, er hat auch eine eigene Sprache dafür entwickelt. Der Film zeigt die jungen Jahre Tolkiens, der früh zur Waise wurde und später im Ersten Weltkrieg kämpfte…

Kein Film von Idioten für Idioten!

Auch wenn er letztlich nicht über „okay“ hinauskommt, so muss man dem Film doch hoch anrechnen, dass er seine Handlung nicht 1:1 in die Werke Tolkiens umsetzt… was schlechtere Filmemacher sicher gemacht hätten. Aber so haben wir nicht derundder Freund ist Bilbo und der böse deutsche General ist Sauron, was ganz angenehm ist. Zwar werden düstere Visionen und Andeutungen auf dem Schlachtfeld und bei seinen „Gefährten“ gemacht, aber es wird niemals aufdringlich oder peinlich. Die Freunde sind eine nette Truppe und haben ein gutes Zusammenspiel mit ihm… ein bisschen an der Oberfläche bleibt das Ganze dann aber irgendwie doch. Dafür endet es nicht da, wo ein lausiger Filmemacher es hätte enden lassen, nämlich damit, dass er anfängt zu schreiben: „Der Herr der Ringe“, Kapitel 1, „The Sound of the shell“ (ähhh… das war „Herr der Fliegen“, tja, Insiderwitz), sondern er beginnt mit dem „Hobbit“, der ja bekanntlich früher kam. Also insofern wirkt alles durchaus stimmig durchrecherchiert und wenig aufdringlich, aber den Reiz eines Werkes von Tolkien erreicht es dann doch nicht.

HdR vs. GoT

Hier gibt es ein interessantes Q&A von Jeff Goldsmith, das von „Game of Thrones“-Autor George R.R.R.R. Martin moderiert wird.

Mit

Nicholas Hoult, Lily Collins, Colm Meaney, Derek Jacobi, Anthony Boyle, Patrick Gibson, Tom Glynn-Carney

Regie: Dome Karukoski

[Besprechung erfolgt nach Sichtung der Originalfassung]

Der Herr der Fazits

Ein paar interessante Einblicke in das Leben von Tolkien, aber leider ohne einem so richtig nahe zu gehen. Ab 20. Juni 2019 im Kino.