DVD: EIN SACK VOLL MURMELN

1942 fliehen zwei jüdische Kinder, von Eltern und Brüdern getrennt, von Paris in die „freie Zone“, doch auch die wird irgendwann von den Nazis eingenommen…

Wahre Geschichte

Die Geschichte ist bewegend und hat ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Hell und Dunkel, nicht, was die Figuren angeht, denn die Nazis sind durch die Bank weg böse, dafür gibt es aber französische Kollaborateure, sondern was die Emotionalität der Szenen betrift. Es ist ein Wechselbad von locker und bedrohlich, das sich sehr schön die Waage hält. So bleibt der Film durchweg spannend, da immer die Gefahr besteht, den Nazis in die Hände – und damit in den Untergang – zu fallen, gibt einem aber genügend Momente, um danach wieder aufatmen zu können. Irgendwie vermittelt sich dadurch ein Gefühl des Optimismus, der auch am Ende eine Rolle spielt.

Wichtig sind aber vor allem die Themen Trennung und Familie. Dass das Ganze von zwei sehr guten Jungdarstellern getragen wird, hilft der Sache ungemein und macht den Film, trotz seines nicht unbedingt anregenden Titels, ausgesprochen sehenswert.

Making-of

Es ist recht kurz, gibt einem aber einen kurzen Einblick, z.B. auf die wirklichen Personen und die Tatsache, dass dies bereits die zweite Verfilmung des Buches ist.

Mit

Dorian Le Clech, Batyste Fleurial Palmieri, Patrick Bruel, Elsa Zylberstein, Christian Clavier, Bernard Campan, Kev Adams – Regie: Christian Duguay

Ein Sack voll Fazits

Auch wenn einem die Thematik eigentlich so langsam aus den Ohren herauskommt, so ist dies ein durchaus sehenswerter Film, was vor allem an seiner Menschlichkeit und seinen Hauptdarstellern liegt, die diese wunderbar vermitteln. Ab 26. Januar 2018 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: Runaway Train – Express in die Hölle

Zwei Strafgefangene fliehen aus einem Gefängnis im Eis, doch der Zug, für den sie sich entscheiden, hat ein eigenes, tödliches Schicksal…

Zugzwang

Das Genre von spannenden Geschichten, die in Zügen spielen, ist relativ klein besetzt. Dieser Film ist fast ein wenig Kammerspiel, gewürzt mit tollen Stunts, harter Action und beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Es gibt also nicht nur eine spannende Geschichte, die dank des Genres nie wirklich zur Ruhe kommt, sondern auch jede Menge fürs Auge. Da sind die Aufnahmen der weißen Landschaft ebenso wie Stunts, die ihresgleichen suchen, sowohl auf dem dahinrasenden Zug als auch einem Helikopter. Schön ist auch die Ausweglosigkeit der Situation, sowohl innerlich wie äußerlich – ein weiteres Kammerspiel, wenn man den Geist der Figuren als eigene Kammer ansehen möchte, um das mal sehr poetisch zu formulieren.

Wahnsinn

Das Klima ist so kalt wie die Figuren – obwohl die nicht kaltblütig sind, sondern eher wahnsinnig. Keine der männlichen Personen ist sympathisch, mit niemandem kann man mitfühlen. Das gilt auch für den, der eigentlich der Gute sein sollte, der Gefängnisdirektor, der von der Jagd auf seinen Gefangenen genauso besessen ist wie der von seiner Flucht in die Freiheit. Feuer und Feuer, die in dieser Landschaft aus Eis aufeinandertreffen. Der beeindruckendste Charakter ist allerdings der Zug selbst, der sich unaufhaltsam und charismatisch seinen Weg durch die Schneelandschaft bahnt, immer in der Gefahr, genauso zu entgleisen, wie es die menschlichen Figuren von Anfang an tun.

Bonus

Zwei sehr umfangreiche Interviews mit Jon Voight und Eric Roberts, die Jahre später auf den Film zurückblicken und dabei interessante Anekdoten über seine Entstehung bieten.

Runaway Train – Express in die Hölle (1985)

Jon Voight (Manfred Lehmann), Eric Roberts (Joachim Tennstedt), T.K. Carter (Thomas Petruo), John P. Ryan (F.G. Beckhaus), Kenneth McMillan (Wolfgang Völz), Edward Bunker (Michael Chevalier), Rebecca De Mornay (Evelyn Maron) – Regie: Andrej Konchalovski

Fazaway Train

Spannend, ein bisschen atemlos, ein Film, der nie zum Stillstand kommt und der eine faszinierende Mischung aus Kammerspiel und Actiondrama in großartiger Landschaft bietet. Ab jetzt auf DVD und im Mediabook mit Blu-ray.

Kino: THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI

Eine Mutter mietet drei Plakatwände, um den Sheriff des Ortes zu fragen, warum es im Fall ihrer ermordeten Tochter noch zu keinerlei Festnahmen gekommen ist, was nicht jeder für einen guten Weg hält, aber doch wieder Bewegung in die Sache bringt…

Grandios, großartig, wunderbar, toll!

Um mal direkt zu Anfang mein Pulver zu verschießen. Ein großartiger Film, etwas, das in den Händen eines anderen Regisseurs zu einer zu ernsten Tragödie mutiert wäre, ist lustiger als vieles, das sich heutzutage Komödie nennt. Die Dialoge sind grandios, zwar manchmal eine Spur redundant, aber trotzdem einfach herrlich und witzig.

Die lustigste Tragödie

die man sich vorstellen kann. Auch wenn es das Thema, wie gesagt, nicht vermuten lassen würde. Hin und wieder haut der Film dann doch rein, aber auch das passt zum Inhalt und gehört einfach dazu. Aber nicht nur das Buch ist gut

Die Schauspieler

stehen dem in nichts nach. Natürlich hat man es sich da ein wenig einfach gemacht, denn mit Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell hat man eigentlich schon drei Asse, die man hier locker ausspielt, ein Selbstläufer gewissermaßen. Alle agieren zu sehen ist eine große Freude, ohne auch nur den Hauch einer Enttäuschung. Ein wahres Vergnügen. Dass Peter Dinklages Part dabei ein wenig klein geraten ist, fällt angesichts der anderen nicht weiter ins Gewicht.

Der Regisseur

hat auch „Brügge sehen… und sterben“ gemacht, der mich nie so richtig überzeugen konnte, aber auch den herrlich schrägen und schräg herrlichen „7 Psychos“, der sich auch zu sehen lohnt. Hiermit hat er allerdings erstmal sein Meisterstück vollbracht – einfach wunderbar!

Mit

Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Abbie Cornish, Lucas Hedges, Caleb Landry Jones, Clarke Peters, Samara Weaving, John Hawkes, Peter Dinklage – Buch und Regie: Martin McDonagh

Fazit

Hab ich, glaub ich, alles schon geschrieben. Also einfach reingehen, ansehen und genießen. Es gibt viele Komödien, bei denen ich weniger gelacht habe als hier. Eine der wenigen Freuden des Kinojahres (2017, denn die Pressevorführung fand im Dezember statt). Ab 25. Januar 2018 im Kino.

Kino: NUR GOTT KANN MICH RICHTEN

Kleinganoven werden für Überfall angeheuert, doch etwas geht schief – und auch die Polizistin hat Verwendung für das Rauschgift…

Asozialdrama?

Wird dem nicht gerecht. Es spielt in Frankfurt, keiner ist wirklich gut, es gibt Action und Gewalt. Kein Wohlfühlfilm, düster, schmutzig, gemein. Der Titel „Everybody Wins“ trifft hier eher nicht zu. Es geht hart zur Sache – aber das schöne ist: Die Handlung ist gut strukturiert, jeder hat eine Motivation, und wenn sich wer wann begegnet ergibt das Sinn. Das hat man viel zu selten, weswegen ist es dem Film hoch anrechne. Er ist nicht perfekt, aber durchaus ansehnlich. Spannend, nicht langweilig und gut gemacht. Der Titel soll zwar durch eine Erklärung im Film gerechtfertigt werden, aber so ganz haut das nicht hin. Hin hauen nur die Figuren, und zwar anderen auf die Fresse. Es wird teils brutal und blutig – also nix für Kinder!

Mit

Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Edin Hasanovic, Kida Khodr Ramadan, Franziska Wulf, Peter Simonischek, Tim Wilde, Alexandra Maria Lara

Nur das Fazit kann ihn richten

Solider deutscher Action-Gewalt-Drama-Film, gut strukturiert, gut motiviert und hundsbrutal. Ab 25.1.2018 im Kino.

DVD: Top of the Lake: China Girl

Staffel 2 der Serie von Jane Campion

Die Polizistin aus der ersten Staffel ist von Neuseeland zurück in Sydney. Da (be)findet sich nicht nur ihre Tochter, sondern auch eine Leiche, die in einem Koffer an den Strand gespült wird…

Persönlich werden

Oft sind die Detektive und ihre Fälle „sich nicht sympathisch“, um es mal so zu formulieren. Mord ist für den Polizisten Arbeit, die sich vielleicht auf sein Privatleben auswirkt, aber nur selten daran teilnimmt, indem es persönlich wird und Freunde zu Beteiligten oder Opfern werden. Professionelle Distanz gewissermaßen. In dieser Serie ist das ein wenig anders. Zudem werden in der ersten Folge eigentlich nur diverse Figuren eingeführt, bevor überhaupt im wahrsten Sinne des Wortes die Leiche auftaucht. Das ist ein sehr langsamer Weg, zumal alle Episoden knapp eine Stunde lang sind, aber tatsächlich führt am Ende alles irgendwohin und alle Figuren und Stränge, so merkwürdig sie auch teils erscheinen, sind nicht nur reiner Selbstzweck, sondern Teil der Gesamthandlung.

Style mit Substanz

Es ist ein wenig die Entdeckung der Langsamkeit in Sachen Mord, aber diese ist sehr kunstvoll in Szene gesetzt und, wie beschrieben, kein reiner Selbstzweck. Die Serie sieht gut aus, ist professionell und formschön gemacht und von einer starken Musik untermalt. Die scheint allerdings in einem Thema 1:1 von Steven Moffats „Jekyll“ kopiert zu sein, wenn mich da meine Erinnerung nicht trügt.

Die Tochter des Präsidenten und die Frau mit dem Schwert

Elisabeth Moss kehrt in ihrer Rolle aus der ersten Staffel zurück. Sie wurde bekannt als die Tochter von Präsident Martin Sheen in einer der besten Serien aller Zeiten, Aaron Sorkins „The West Wing“, die es in unserem traurigen Land nur zur Veröffentlichung der ersten Staffel auf DVD gebracht hat. Armes Deutschland! Aus dem Mädchen von damals ist nun eine Frau geworden, und das zeigt sie auch, denn in dieser Serie geht es im wahrsten Sinne des Wortes um

Sex and Crime

asiatische Prostituierte inklusive. Ihr, also der Polizistin, nicht der Prostituierten, zur Seite steht eine Frau, die durch eine andere großartige Serie bekannt geworden ist: Gwendoline Christie. Sie spielt in „Game of Thrones“ eine sehr große Frau, die sich als Ritterin durch die Welt schlägt, auch wenn sie beim Beschützen der Stark-Mädels nicht ganz so erfolgreich ist. Und dann gibt es noch einen ostdeutschen Professor, der einem nach dem „Genuss“ von „The Room“ und dem Genuss von „The Disaster Artist“ ein wenig an „Schauspieler“, „Autor“ und „Regisseur“ Tommy Wiseau erinnert – was vielleicht mehr Spaß macht, als es sollte.

Bonus

Ein paar kleinere Making-ofs mit netten Hinweisen auf die Serie und ihre beiden Staffeln.

Mit

Elisabeth Moss (Simona Pahl), Nicole Kidman (Petra Barthel), Gwendoline Christie (Swantje Wascher), David Wenham (Michael Lott)

Fa of the Zit

Sieht gut aus, ist ein bisschen langsam, führt aber alle Figuren und Handlungsstränge am Ende zusammen und ans Ziel. Eine stilvolle und etwas andere Art des Krimis. Ab 20.12.2017 auf DVD und Blu-ray.

Kino: Der andere Liebhaber

Junge Frau sucht Psychiater auf und entwickelt Interesse an ihm, doch als sie zusammen sind, stellt sie fest, dass er einen Zwillingsbruder hat, dessen Existenz er leugnet…

Spiel

Fangen wir damit an. Es ist gut gespielt und besonders Jeremy Renner, oder Jérémie Renier, setzt seine beiden Brüder sehr gut gegeneinander ab. Auch Marine Vacth ist durchweg gleichermaßen schön wie überzeugend.

Spiegel

Visuell ist das Ganze auch sehr schön gemacht, denn da es um Doppelgänger geht, wird sehr kunstvoll mit dem Einsatz von Spiegeln gearbeitet.

Ende gut?

Leider versaut das Ende den ganzen Film. Da wären so schöne Ansätze drin gewesen, Themen, die beleuchtet werden, doch der Schluss macht alles kaputt, da er keine sinnvolle, brauchbare oder befriedigende Auflösung bietet – was man Film und Regisseur übel nimmt, da man das, was man zuvor gesehen hat, nun leider in gewissem Maße als Zeitverschwendung ansehen muss. Schade!

Mit

Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond – Regie: François Ozon

Das andere Fazit

Gibt es nicht, es gibt nur das eine. Kunstvoll gemacht, gut gespielt, teils sexy, teils Horror, oft Psycho, was eine gute Spannung und Interesse aufbaut, die auf der Schlussgeraden aber alle in den Allerwertesten getreten werden und das vorher gesehene ziemlich nichtig machen. Ab 18.1.2018 im Kino.

Kino: HILFE, ICH HAB MEINE ELTERN GESCHRUMPFT

In der Schule wird eine verstorbene Lehrerin zum Leben erweckt, die für Ärger sorgt, nachdem Otto diesmal auch die Eltern der Hauptfigur geschrumpft hat…

Fort, Setzung, fort!

Unterm Strich, und nachdem ich meine Kritik zum ersten Teil nochmal gelesen habe, hat mir dieser hier ein wenig besser gefallen, zumal er auch ein wenig stimmiger ist. Zwar dauert es ein wenig, bis die eigentlich wichtigen Figuren, die Kinder, endlich zum Zuge kommen, aber dafür ist der Fluss bis dahin besser und das Zusammenspiel mit den Eltern ist recht nett gemacht.

Die Kinder spielen auch wieder ordentlich, ebenso wie Axel Stein, Otto ist IMMER nervig, wenn er zu hören ist (was sich zum Glück in Grenzen hält), aber eine schauspielererische Schwierigkeit gibt es auch hier wieder: Andrea Sawatzki. Die gibt zuviel, was eher anstrengend und nervig ist, auch wenn man versteht, was sie machen will, Frau im Körper der nicht so richtig funktioniert, aber ein darstellerisches Highlight ist das nicht.

Größter Lacher

Die Stelle, an der die Kinder im Saal am lautesten gelacht haben, hatte mit Pinkeln zu tun. Tjaaaaa…

Größte Peinlichkeit (aber nicht für diesen Film)

Traurig ist ein wenig, dass die Effekte hier, in denen groß und klein dargestellt werden, weit (weit!!!) besser und glaubwürdiger sind als in der teuren Hollywoodproduktion „Downsizing“ mit Matt Damon! Hier hat man sich Mühe gegeben und einzig die Puppenkleidung, die die Eltern zum Anziehen bekommen, hätte man weit gröber und „puppiger“ gestalten sollen, alles andere funktioniert angenehm gut. Friss das, Hollywood!

Mit

Oscar Keymer, Lina Hüseker, Georg Sulzer, Axel Stein, Julia Hartmann, Anja Kling, Andrea Sawaztki, Otto Waalkes

Hilfe, ich hab mein Fazit geschrumpft

Brauchbare Unterhaltung für Kinder, die zwar ihre Macken hat, ansonsten aber ganz gut funktioniert. Ab 18. Januar 2018 im Kino.