Neu auf DVD: Verbotene Spiele

Nachdem bei einem Fliegerangriff der Deutschen (der in der deutschen Fassung offenbar fehlte) ihre Eltern sterben, landet ein junges Mädchen aus Paris auf einem Bauernhof, wo sie Tod und Religion kennenlernt…

Gefeierter Antikriegsfilm

Es geht vor allem um den Umgang mit dem Tod – und vor allem darum, wie sich Kinder quasi an dieses Thema heranarbeiten. Diese Verbindung zwischen Jugend und Tod war zur Entstehung des Films offenbar ein heikles Thema. Interessant ist, zu sehen, wie sich die Kinder dem Thema Tod nähern, wie sie damit umgehen, wie auch die Religion oder Ansätze davon mit hineinspielen.

Das kleine Mädchen verliert erst die Eltern und dann ihren Hund und fast scheint es, dass ihr letzteres näher geht. Und dann spielen Kreuze noch eine große Rolle…

Bonus

Gleichermaßen erhellend wie interessant ist der Bonusfilm, in dem man einige spannende Hintergründe über die Entstehung des Films erfährt – und, dass Regisseur Clément dafür seinen zweiten Oscar erhielt.

Verbotene Spiele (1952)

Jacques Marin (Heinz Schimmelpfennig), Brigitte Fossey (Reha Hinzelmann), Andre Wasley (Wolfgang Eichberger) – Regie: René Clément

Fazit

Der Umgang mit dem Tod – ein interessanter Ansatz, wie Kinder in einer kriegsgeschüttelten Zeit mit einem solchen Thema umgehen. Ab 22.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Der Dieb von Paris / Digital Remastered

Nachdem ihn sein Onkel um Erbe und Liebschaft betrogen hat, wird junger Mann zum Dieb und Einbrecher, wobei er einige Kollegen aus der Zunft kennenlernt…

Die Louis Malle Miniretrospektive

Jean-Paul Belmondo war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich bereits ein Star. Er hatte mit Godard gearbeitet und war sogar in einem Bond-Film zu sehen… einer Art Bond-Film. Streng genommen dem Bond, der am meisten verfilmt wurde (dreimal!) – und von dem keine Verfilmung zum Kanon gehört. Jedenfalls zum alten Kanon, der mit Connery beginnt und mit Brosnan endet. So gibt sich Belmondo also ein kurzes Stelldichein in „Casino Royale“ (dem zweiten), aber das tun ja einige… und ein guter Film (oder ein echter Bond) wird er damit noch lange nicht.

Jedenfalls ist es kaum überraschend, dass einer von Frankreichs größten Stars mit einem von Frankreichs größten Regisseuren zusammenarbeiten würde. Und so spielt Belmondo hier einen gentlemenartigen Dieb, der schlussendlich genauso ruhig und zurückhaltend ist wie der gesamte Film. Man erhält ein wenig Einblick in das Verbrecherwesen seiner Zeit, erhascht einen kleinen Ausblick auf die Politik, aber alles wirkt sehr ruhig, fast schon behäbig. Der Höhepunkt lässt sehr lange auf sich warten und selbst dieser unterwirft sich der Ruhe des Gesamtwerkes. Da darf man dankbar sein für Julien Guiomar (hierzulande wahrscheinlich am bekanntesten als Louis de Funès Gegner in dem appetitlichen „Brust oder Keule“), der den Film mit der nötigen Note Ironie ausstattet… von der ein wenig mehr nicht geschadet hätte.

Der Dieb von Paris (1966)

Jean-Paul Belmondo (Peer Schmidt), Julien Guiomar (Edgar Ott), Charles Denner (Heinz Petruo), Geneviève Bujold (Monika Barth) – Regie: Louis Malle

Fazit

Kein Werbefilm für die Gangsterzunft, aber ein teils netter Einblick in einen, wie der Film selbst sagt, aussterbenden Beruf. Vielleicht eine Spur ruhiger, als er hätte sein sollen. Ab 22.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu auf DVD: Viva Maria! / Digital Remastered

Zwei Frauen, ein Wanderzirkus und jede Menge Revolution. Die eine Maria ist eine Terroristin, die mit ihrem Vater Brücken und Menschen gesprengt hat, die andere ist eine Sängerin im Zirkus. Zusammen werden sie eine neue Sensation, doch als ein Revoluzzer das Interesse an der einen bekundet, führt dies dazu, dass Maria und Maria später eine Revolution anführen sollen…

Die Louis Malle Miniretrospektive

Unsere kleine Retrospektive über die Werke des französischen Regisseurs geht weiter. Diesmal führt sie uns in den nicht mehr ganz so wilden Westen und ins revolutionsgeplagte Mexiko.

Leider erreicht der Film nicht die gleichen Höhen, die uns andere Filme von Louis Malle bisher geboten haben. Er hat zwar ein paar nette Szenen und schöne Ideen, das wahrhaft Mallische kommt aber erst in der Schlussschlacht so richtig zum Zuge, die vor den Einfällen sprüht, die man von Malle gewohnt ist. Bis dahin gibt es leider die eine oder andere Länge – insofern ist es vielleicht auch ein wenig ein Fluch, wenn man die Latte so hoch setzt, dass man sie selbst nicht immer erreichen kann.

Viva Maria! (1965)

Jeanne Moreau (Rosemarie Fendel), Brigitte Bardot (Margot Leonard), George Hamilton (Michael Chevalier) – Regie: Louis Malle

Viva Fazita

Nicht ganz so überzeugend wie viele andere Filme des Regisseurs, da dieser erst auf der Zielgeraden so richtig zeigt, was einen guten Malle eigentlich ausmacht. Ab 22.6.2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: Du neben mir

Junges Mädchen mit Krankheit, die sie ans Haus fesselt, bekommt neuen Nachbarjungen. Es entsteht eine Beziehung, die nicht nur auf Distanz sein will…

Liebesgeschichte

Es fängt recht gut an, die Distanz, der nahe Tod, die Krankheit und was man draus macht. Zwangsläufig hat sie viel Phantasie in ihr Leben gebracht, um mit der Beschränktheit oder vielmehr Eingeschränktheit ihrer Situation besser umgehen zu können. Das ist alles sehr hübsch, aber dann vollzieht der Film im letzten Drittel, bevor er sogar noch zu einem ganz anderen Film wird, eine Wendung, die einfach eine Spur zuviel ist – oder deren Motivation besser hätte herausgearbeitet werden sollen. Nichtsdestotrotz, eine Person, die eigentlich keine Abwehrkräfte im Blut hat, sollte keinen mehrstündigen Flug antreten, denn, seien wir ehrlich, danach geht es schon gesunden Menschen oft nicht mehr gut. Hätte man das ein wenig anders gelöst, wäre dieser Teil weit befriedigender gewesen und hätte am nachfolgenden Ende auch nichts geändert.

The Dying Games

Dass der Film aber für die meiste Zeit sehr gut funktioniert, ist vor allem der Hauptdarstellerin zu verdanken. Amandla Stenberg ist einfach durch und durch liebenswert – und so kennen und lieben wir sie, denn das hat sie auch schon bei den „Hunger Games“ bewiesen, wo sie mit Rue die so ziemlich einzige Person war, deren Tod einem wirklich etwas bedeutet hat. Insofern wunderbares und treffendes Casting, das auch ein wenig darüber hinwegsehen lässt, dass ihr Nachbarjunge irgendwie ein wenig blass daherkommt.

Der Originaltitel „Everything. Everything“ erklärt sich übrigens durch den Film, ob das mit dem deutschen Titel auch so ist, kann ich nicht sagen.

Fazit

Fängt gut an, hat eine tolle Hauptdarstellerin, wandert im letzten Akt aber in ein paar Gebiete ab, die die Glaubwürdigkeit aus der Sache herausnehmen. Ab 22. Juni 2017 im Kino.

Neu auf DVD: Ein Sommernachtstraum

Ein unbarmherziger Herrscher, eine Hochzeit, verliebte Jugendliche und jede Menge Waldgeister…

Nach William Shakespeare

Und mit Waldgeister sind natürlich Elfen gemeint, aber dann hätte das Ganze zu sehr wie eine Variante von „Game of Thrones“ geklungen, auch wenn es hier weniger Nacktheit und Brutalität gibt.

Shakespeare ist bekanntlich bekannt für seine Verse und davon bekommt man hier eine ganze Menge zu hören – allerdings in der poetischen Weise, die ihnen angemessen ist. Das macht diesen „Sommernachtstraum“ ansehnlicher oder sagen wir „verständlicher“ als die jüngste „Macbeth“-Verfilmung mit Michael Fassbender, bei der man von den lyrischen Texten des gebrexiten Dichters nur hier und da ein Wort verstehen konnte, nicht aber komplette Sätze. Nichtsdestotrotz ist dieser Traum einer Sommernacht nichts zum nebenbei schauen, denn wenn man, zumindest beim Originalton, etwas verstehen möchte, muss man schon aufpassen und zuhören.

Russell T. Shakespeare

Aber auch wenn man nicht auf alle Texte achtet, bietet der Film doch genügend visuelle Anregungen, um die Handlung trotz allem nachvollziehen zu können. Das liegt an Meister Russell T. Davies, der uns „Doctor Who“ nach langer Pause zurückbrachte und damit großartige Dinge geleistet hat, bevor er den Staffelstab an Steven Moffat weitergab. Hier nun wartet er mit einer schönen Mischung aus buntem Elfenstück und modernisiertem Nazi-1984 auf, allerdings ohne dabei zu düster zu werden. Eine wundervolle Adaption eines Shakespeare-Klassikers, die gleichermaßen ansprechend wie ansehnlich ist und damit sowohl etwas für die Ohren als auch für die Augen bietet.

Wholigans

John Hannah darf hier den bösen, kalten Diktator geben – und das macht er ausgesprochen gut. Er hatte seinen ersten Durchbruch in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und wurde dann durch die „Mumie“-Filme (Fraser, nicht Cruise) bekannt. Ebenfalls mit dabei ist einer, der nicht nur bei ein paar der „Ist ja irre“-Filmen dabei war, sondern auch die Ehre hatte, zwei Doktoren zu treffen. In Davies Weiterführung von „Doctor Who“ traf er mehrmals mit David Tennant zusammen, seinen ersten Auftritt im Whoniversum hatte er aber 1966 – aber nicht auf dem kleinen Bildschirm, sondern auf der großen Leinwand. Dort spielte er an der Seite des kurzlebigen „Film-Doktors“, dem kürzlich in „Rogue One“ wieder auferstandenen Peter Cushing.

Mit

Maxine Peake, Matt Lucas, John Hannah, Bernard Cribbins, Nonzo Anozie

Ein Sommernachtsfazit

Sehr schöne Shakespeare-Adaption, die sich hören und sehen lassen kann. Ab 12.6.2017 auf DVD.

Neu im Kino: Monsieur Pierre geht online

In die Jahre gekommener Mann trifft auf Datingportal junge Frau, die er aber statt sich selbst den Freund seiner Enkelin treffen lässt…

Ein Profil für zwei

So in etwa der Originaltitel, man hätt’s aber auch

Cyrano de Internet

nennen können, und ja, ich weiß, es müsste „d’Internet“ heißen, aber da wäre vielleicht die schöne Anspielung ein wenig im digitalen Sande verlaufen. Man kann sich also vorstellen, in welche Richtung sich das Ganze ungefähr entwickeln wird und irgendwie tut es das dann auch, also bleibt die Frage nach der Umsetzung.

Und wieder einmal muss ich das Thema klare Linien anschneiden. Hätte man daraus eine starke Komödie gemacht, schön, oder ein knackiges Drama, auch schön, oder beides in starken Kontrasten miteinander verwoben, dass man von einem Gefühlszustand in den anderen fällt, wunderbar. Hat man aber alles nicht gemacht und außer ein paar nette Szenen bleibt nicht viel über den Film zu sagen. Die sind immer dann, wenn mit der Unwissenheit der anderen gespielt wird. Da hätte man eine Menge herausholen können – hat man aber nicht.

Monsieur Fazit geht online

Es war schön, Pierre Richard, hierzulande wohl am besten bekannt als „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, mal wieder zu sehen, aber leider wird der Film der Qualität dieses Schauspielers nicht gerecht. Ab 22.6.2017 im Kino.

Neu auf Netflix: GLOW – Staffel 1

Erfolglose Schauspielerin nimmt an einem Casting teil, das sich als Bewerbung für eine Wrestlingserie herausstellt…

Gorgeous Ladies of Wrestling

Dafür steht GLOW unter anderem. Google übersetzt „gorgeous“ mit „herrlich“ und genau das trifft auf diese neue Serie zu:

Einfach herrlich!

Ähnlich wie „Orange is the new Black“, von der einige aus dem kreativen Team auch hier beteiligt sind, stellt die Serie eine Menge Frauen in den Mittelpunkt und hält den Männeranteil sehr gering – und wie bei „Orange“ funktioniert das ganz ausgezeichnet.

Das liegt natürlich auch daran, dass die Serie von schönen Ideen und wunderbaren Dialogen strotzt. Zu Beginn hat man noch das Gefühl, es könne eine böse Satire auf das Showgeschäft in L.A. werden, doch schnell entwickelt die Serie ihre eigenen Dynamiken. Es ist keine Parodie auf Wrestling, aber auch keine Dokumentation – obwohl man bei einem schnellen Blick auf imdb feststellt, dass es das durchaus sein könnte, denn tatsächlich gibt es bereits eine Serie dieses Titels… und tatsächlich handelt es sich dabei um eine Wrestlingserie mit Frauen! Die aus den 80ern stammt, der Zeit, in der dieses „GLOW“ spielt. Ob es also Einflüsse gab, die über den Titel und das Thema hinausgehen, ob dies eine Verbeugung vor den Wrestlerinnen der Reagan-Ära ist, all das werden wir möglicherweise erst durch das Zusatzmaterial einer möglichen DVD-Veröffentlichung erfahren. Zu diesem Zeitpunkt kann man nur mit Sicherheit sagen:

Die Serie macht einen Riesenspaß!

Und das liegt, neben den guten Büchern vor allem an den guten Schauspielerinnen und ihren wenigen männlichen Kollegen. Angeführt wird die Riege von Alison Brie. Die dürfte vor allem bekannt sein aus „Community“ und ist hier sehr überzeugend als ehrgeizige Schauspielerin mit dem Hang zu mehr… oder überhaupt etwas. Trotz des großen weiblichen Cast sollte man aber auch das männliche Teammitglied lobend erwähnen. Marc Maron, seines Zeichens Komiker, gibt den herrlich abgefuckten Regisseur und man fühlt sich die ganze Zeit erinnert an eine Mischung aus Caputo von „Orange“ und Terry Kiser, der besonders durch „Immer Ärger mit Bernie“ im Gedächtnis sein dürfte, in dem er als nicht kaputtzukriegende Leiche brillierte… und an den sich heute bestimmt niemand mehr erinnert.

Fazit

Wer hätte gedacht, dass eine Serie über eine Gruppe angehender Wrestlerinnen so witzig und unterhaltsam sein kann? Aber sie ist – und das macht einfach Spaß! Ab 23.6.2017 auf Netflix.