Neu auf DVD: Der Stellvertreter

Im Dritten Reich wird ein Wissenschaftler, der für das Hygieneministerium arbeitet, angeworben, um sein Wissen auch bei einer anderen Art von „Reinigung“ einzusetzen. Nach und nach erfährt er, was dort passiert und versucht, die Welt darauf aufmerksam zu machen…

Spannend und interessant

Liegt es daran, dass ausnahmsweise mal eine Menge Deutsche beteiligt sind und die Rollen von Deutschen spielen? Liegt es daran, dass Costa-Gavras, dem politische Themen nicht fremd sind, kein Regisseur von der Stange ist, bei dem ein Nazi-Film aussieht wie der andere? Jedenfalls haben wir hier einen guten Film, der sich auf eine wirklich spannende Weise mit einigen Aspekten des Holocaust auseinandersetzt. Und vielleicht macht er das sogar besser als Steven Spielberg in „Schindlers Liste“, denn hier nun wird jemand gezeigt, der Teil des Systems ist, aber trotzdem versucht, dagegen anzukämpfen. Wobei besonders interessant ist – und ich unterstelle mal, dass dieser Aspekt in amerikanischen Filmen eher vernachlässigt worden wäre – dass er gegen Windmühlen zu kämpfen scheint. Er tut alles, um die Vernichtung zu verlangsamen, andererseits versucht er aber auch, im Ausland – und besonders im Vatikan – Aufmerksamkeit zu wecken, doch das gestaltet sich dann schwieriger als erhofft. Und am Ende erinnert der Film ein wenig an das Ende des letzten „08/15“-Films, denn wie wir wissen gewinnen immer die Guten und die Bösen werden bestraft…

Mühe mit Tukur

Und einmal mehr stelle ich die Frage in den Raum, warum es ausgerechnet Christoph Waltz war, der von den Nazis – oder einer Rolle als Nazi – profitiert hat, während die großartige Arbeit von anderen nicht wahrgenommen zu werden scheint. Ulrich Tukur spielt hier den Mann zwischen den Fronten, der versuchen will, das Richtige zu tun, der noch ein Gewissen hat und diesem auch folgt. Unnötig zu erwähnen, dass er das ganz hervorragend macht. Ebenso großartig ist aber auch sein Gegen- und Mitspieler Ulrich Mühe. Denn während Tukur geradlinig ist, aber seine wahren Ziele verschleiern muss, ist Mühe ein wenig das Gegenteil davon. Er ist, streng genommen, selbstbewusst. Er ist sich seiner selbst bewusst, aber auch dessen, was er tut – und wie die Situation ist. Letztlich erweist er sich als jemand, der alles für sich selbst tut. Das Tolle daran ist, dass er nicht eindimensional böse daher kommt, sondern facettenreich und diffizil, wobei er immer glaubwürdig bleibt. Insofern liefert Mühe hier ein Leistung ab, die ihresgleichen sucht und die ihm einen ähnlichen Status wie Waltz hätte einbringen sollen.

Mit

Ulrich Tukur, Ulrich Mühe, Friedrich von Thun, Hanns Zischler, Sebastian Koch, Erich Hallhuber, Pierre Franckh & Matthieu Kossovitz (Martin Halm) – Regie: Costa-Gavras

Fazit

Sehr guter Film, der den Kampf gegen den Völkermord an den Juden mal auf eine andere Weise zeigt und der mit guten Schauspielern und einer guten Geschichte punktet. Ab 3. August 2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: The Promise – Die Erinnerung bleibt

Liebe, Krieg und Völkermord. Die Türkei, der erste Weltkrieg und ein armenischer Medizinstudent, der nicht nur ein nettes Mädchen kennenlernt, sondern auch, wie man einen Völkermord begeht…

Völkermord an den Armeniern – der Film

Das dürfte der türkischen Regierung nicht gefallen. Andererseits… was gefällt der schon? Außer die Wiedereinführung der Todesstrafe. Die könnte man dann ja gleich mal ausprobieren. An den Armeniern zum Beispiel. Wenn es noch welche gibt. Weiß man ja nicht, wie professionell man son Völkermord ausgeführt hat.

Im Film bekommen wir einen kleinen Eindruck davon. Dass das nicht schön ist und auch ein wenig an den Holocaust erinnert, kann man sich vorstellen. Gut ausgestattet und mit einer guten Besetzung bietet der Film ein interessantes Historiendrama, das an manchen Stellen auch unter die Haut geht.

Batman vs. Apocalypse

Natürlich ist es immer schön, Oscar Isaacs zu sehen, denn der ist oft von Film zu Film einfach nicht wiederzuerkennen, sowohl was seine Erscheinung, aber auch, was sein Spiel angeht. Und auch die Präsenz von Christian Bale ist oft eine Bereicherung. Aber es kommt einem dann doch immer ein wenig merkwürdig vor, wenn in einem Film über ein geschichtliches Ereignis in der Türkei gefühlt kein einziger Türke mitspielt und das ganze auf englisch gedreht ist. Das wäre fast so, als würde man „Gods of Egypt“ nur mit Weißen drehen oder einen Film über Oscar Schindler englisch und ohne Deutsche… Uuuuups! Abgesehen von diesen Abzügen in der B-Note bietet der Film aber erwartungsgemäß gute schauspielerische Leistungen, auch wenn Batman Bale und Apocalypse Isaacs nicht gegeneinander antreten.

Mit

Oscar Isaacs, Christian Bale, Tom Hollander, James Cromwell

Fazit

Teils mitnehmend kann er einen nicht kalt lassen, aber ein wenig Straffung hätte der ganzen Sache gut getan, auch, um seine Wirkung zu steigern, die so ab und an ein wenig untergeht. Ab 17.8.2017 im Kino.

Neu auf DVD: Black Butterfly – Der Mörder in mir

Erfolgsentwöhnter Schriftsteller trifft Anhalter und nimmt ihn aus Dankbarkeit mit in seine heruntergekommene Hütte, doch dann nimmt die Geschichte eine Wendung – zu der sie der Anhalter zwingt…

Der Autor und der Psycho

Natürlich weiß man schnell, was kommen wird – und doch heißt es, dranbleiben, besonders, wenn es zwischenzeitlich wirkt, als würde jetzt alles aus der Spur laufen und zu einem gewohnt konventionellen Mist abgleiten. Doch, dankenswerterweise, macht es das nicht. Am Anfang wird ein wenig mit Klischees und Erwartungshaltung gespielt, dann wird’s konventionell und dann wird’s ganz gut. Also gar nicht zuviel vorinformieren sondern einfach drauf einlassen – dann klappt’s auch mit dem Kidnapper.

Deshalb möchte ich auch gar nicht mehr auf den Inhalt eingehen. Gut, bei Antonio Banderas hat man hier ein paar sprachliche Herausforderungen, da sein Englisch bisweilen ein wenig schwer verständlich ist, aber das isses dann auch schon. Ansonsten ein netter kleiner Film, der aus einer guten Idee vielleicht nicht alles, aber doch eine Menge herausholt.

Vorlage

Der Nachspann sagt uns, dass es sich um Remake des französischen Films „Papillon Noir“ handelt – wäre also vielleicht mal ganz interessant, den schwarzen Flattermann zu fangen und in Augenschein zu nehmen.

Als Bonus gibt es ein kurzes Making-of. Naja.

Mit

Antonio Banderas (Bernd Vollbrecht), Jonathan Rhys Meyers (Norman Matt), Piper Perabo (Anna Carlsson)

Black Fazifly

Klein, interessant, zwischenzeitlich ein wenig schwierig, aber wenn man weiß, dass es „gut“ ausgeht, rein filmisch, versteht sich, ein guter Grund, um bis zum Ende durchzuhalten. Ab 17. August 2017 auf DVD und Blu-ray.

Neu im Kino: DER DUNKLE TURM

Ein Revolverheld jagt einen schwarzen Mann, der Kinder aus unserer Welt entführt, um sie für seine düsteren Pläne zu missbrauchen…

King of Horror

Nach der Buchreihe von Stephen King geht nun der erste Film an den Start – und der macht das eigentlich schon sehr schön. In angenehm knackigen 90 Minuten bekommt man Figuren, Welten und eine Handlung – und kapiert auch, was das alles soll. Man mag einwenden, dass da vielleicht wegen eines kleineren Budgets das Weltenbilden ein wenig geringer ausfällt als in anderen Produktionen, aber da man wie gesagt alles versteht, was Figuren, Turm und Motivationen angeht, und das in einer nicht überbordenden Laufzeit, lässt sich das eigentlich recht gut verschmerzen. Zumal das heutzutage kaum noch ein Film schafft, denn der meiste Mist ist nicht nur schlecht, unübersichtlich und belanglos, sondern dabei auch noch zweieinhalb Stunden lang.

Rassistischer Titel?

Eine der beiden Hauptrollen, nämlich der Revolvermann, wird gespielt von Idris Elba – und der ist nicht nur dunkelhäutig, sondern auch ziemlich groß. Bezieht sich der Titel also auf ihn und ist nachgerade rassistisch? Nope. Und auch wenn Elba immer so wirkt, als könnte er als Titelfigur durchgehen, hat er soviel Charisma, dass einem das auch nichts ausmachen würde. Als Gegenspieler, der schwarze Mann, gibt es dann Matthew McConnaughey, und der muss sich in Sachen Ausstrahlung auch nicht verstecken. So haben wir also zwei Gegner, die sich in nichts nachstehen, was dem Film eine starke, fast schon unbeugsame Qualität verleiht. Dann gibt es in einer Nebenrolle auch noch Jackie Earle Haley und selbst der Darsteller des Jungen, quasi unsere Eintrittskarte in die phantastischen Welten, macht seine Sache sehr gut. Wenn mehr Filme so wären, gäbe es weniger zu meckern – und Kino würde wieder Spaß machen.

Das dunkle Fazit

Spannend, gut gemacht, ein Auftakt, auf den mehr folgen könnte – und vor allem mit einer angenehmen Lauflänge so gestaltet, dass man alles verstehen kann. Ab 10. August 2017 im Kino.

Neu im Kino: Tigermilch

Zwei Mädchen in Berlin, kurz vor dem ersten Sex, zwei beste Freundinnen – aber es gibt immer was, das einem die Freundschaft versauen kann…

Na bitte, es geht doch!

Und damit meine ich, dass man einen guten deutschen Film über jugendliche Mädchen mit einer interessanten Handlung machen kann. Ich spare mir, all diese „neuen deutschen Filme“ von oder mit Frauen (oder beidem) aufzuzählen, die die Kritik scheints gelobt hat, obwohl sie eher das Gegenteil davon verdient hätten. Dieser hier hat das Gegenteil davon verdient, also nicht von Lob sondern von Schelte. Jawohl!

Keine Szene verschwendet

Hin und wieder hat man Filme, in denen Szenen sind, bei denen man darauf hofft, dass sie irgendwann irgendwohin führen, aber oft genug ist das nicht der Fall (quasi bei ALLEN Szenen im neusten „Transformers“). Hier ist das nicht so, jede Szene hat eine Bedeutung und ist nicht nur reiner Selbstzweck, alles, was wir sehen und hören, führt irgendwohin – und das ist ausgesprochen befriedigend.

Frisch verspielt

Obwohl… zugegeben, am Anfang ist es noch ein wenig schwierig. Der Off-Kommentar der Erzählerin wirkt ein wenig gewollt und ist auch nicht so toll gesprochen, wie man sich das wünschen würde. Doch recht bald scheint sich das alles sehr zu verbessern, vor allem das Spiel der beiden Darstellerinnen. Das wird im Laufe des Films richtig gut, so dass man die beiden richtig lieb gewinnt – auch etwas, das man bei deutschen Filmen eigentlich eher selten sagen kann. Flora Li Thiemann sind Emily Kusche ein super Gespann und man kann die innige Freundschaft zwischen den beiden Mädchen richtig spüren. Gerade dadurch kann die Handlung erst funktionieren. Und das tut sie, bis zum bitteren Ende.

Mit

Flora Li Thiemann, Emily Kusche, Narges Rashidi, David Ali Rashed – Regie: Ute Wieland

Tigerfazit

Nicht nur, dass der Titel recht schnell erklärt wird, danach entwickelt sich ein Film mit einer guten Handlung, bei der selbst ein Mord nicht fehl am Platz wirkt, sondern sehr gut zum Rest passt. Das kann sich sehen lassen! Ab 17. August 2017 im Kino.

Neu im Kino: Lucky Loser

Gutmütiger Vater verliert Wohnung, und um Tochter, die bei ihm wohnen will, nicht auch noch zu verlieren, macht er mit ihr eine Art Campingtrip im Wohnwagen…

Kli-schee

Irgendwie wird kein Klischee ausgelassen. Er will seine alte Frau wiederbekommen, und man darf raten, ob das wohl gelingen wird. Zudem gibt es da ein paar bestenfalls fragwürdige Dinge. Dass die 15jährige Tochter einen Freund hat, der laut eigener Aussage 30 Jahre alt ist, halte ich auf meine prüden alte Tage für ein wenig schwierig. Oder ist das etwas, das wir vermitteln wollen? Es ist okay, wenn man als 30jähriger mit einem Mädel zusammen ist, das halb so alt ist? Dass sie in ein paar Tagen Filmzeit 16 wird ändert da auch nicht viel dran.

Das Hauptproblem, neben dem Nichtauslassen von nahezu allen Klischees, Flüchtlingskrise inklusive, ist, dass einem wenige der Figuren wirklich sympathisch sind. Eigentlich nur Elvis Clausen, der zu alte Freund für das zu junge Mädchen. Alle anderen schrammen an der Antipathieschwelle entlang – und hier wäre es besonders wichtig gewesen, dass man die Titelfigur, den glücklichen Verlierer, so richtig ins Herz schließt. Doch irgendwie will das nicht so ganz gelingen – wie auch der ganze Film nicht so ganz gelungen ist, was man auch an den eher schwachen Dialogen hören kann.

Mit

Peter Trabner, Annette Frier, Emma Bading, Kai Wiesinger, Elvis Clausen

Unlucky Fazit

Eher weniger. Oder vielmehr: Lieber nicht! Ab 10. August 2017 im Kino.

Neu im Kino: Der Wein und der Wind

Nach zehn Jahren kehrt der Sohn, der seinerzeit wegen seines Vaters das Weingut der Familie verlassen hat, zurück, weil Vater schwer erkrankt ist, wobei er seinen Bruder und seine Schwester wiedertrifft…

Wein ist dicker als Blut

Um den Titel eines „Columbo“ zu zitieren. Es geht um Familie, aber es geht auch um Wein. Und hier lassen wir mal die persönlichen Präferenzen spielen, aber ich fand alles, was mit Wein zu tun hatte, weit interessanter als den Familienanteil. Natürlich braucht man den, weil es sonst eine Dokumentation wäre, aber eigentlich…

So erfährt man neben der Familiengeschichte, der Vater, der den Kindern viel beigebracht hat, die Schwierigkeiten, die die neue Situation mit sich bringt, die anstehenden Entscheidungen, eben auch eine ganze Menge über Wein. Von der Ernte, wann die beste Zeit zum Pflücken ist, bis hin zu dem Zeitpunkt, wo die Trauben in den Fässern enden. Das ist unheimlich interessant und so stellt der Film eine schöne Einführung in die Welt des Weise dar, nicht die, in der er konsumiert, sondern die, in der er hergestellt wird, eingebettet in schöne Aufnahmen von schönen Landschaften im Wandel der Jahreszeiten.

Der Wein und das Fazit

Stärker auf den Wein konzentrieren und das Familienzeugs straffen… wäre meine bescheidene Meinung, aber die meisten mögen das wahrscheinlich ein wenig anders sehen. Ab 10.8.2017 im Kino.