DVD: HANDS OF STONE – Fäuste aus Stein

Boxer aus Panama in den 70ern kriegt den Kanal nicht voll und schlägt sich so durch…

Wahre Geschichte

Filmbiographie über den Boxer Robert Durán. Der wird überzeugend dargestellt von Edgar Ramirez, seine Frau hinreißend von Ana de Armas und der Trainer tatkräftig von Robert de Niro. Vielleicht muss man von Haus aus mehr Interesse am Thema selbst haben, sonst kann es sein, das der Film seine Wirkung verfehlt und man nicht so recht gepackt ist von dem, was man da sieht. Angesichts der beachtlichen Zahl guter Schauspieler ist das dann ein bisschen traurig.

Bonus

Interviews, in denen man ein wenig über die Bedeutung von Robert Durán erfährt.

Mit

Edgar Ramirez, Usher, John Turturro, Ana de Arma, Ellen Barkin, Robert de Niro

Regie: Jonathan Jakubowicz

Hands of Fazit

Wenn man sich für Boxer oder Boxerfilme (vielleicht spielt deswegen „Barton Fink“ John Turturro mit?) interessiert, kann das eine schöne Ergänzung zur Sammlung darstellen, ansonsten kann es sein, dass er seine geballte Kraft bei einem nicht so recht entfalten kann. Ab 20. April 2018 auf DVD und Blu-ray.

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DVD: Chicken Run – Hennen rennen

Hühner, die eingepfercht und versklavt sind, um Eier zu legen, wollen ihrem Gefängnis entfliehen, doch das ist nicht so einfach – bis ein fliegender Gockel bei ihnen landet…

The Great Eggscape“

So wird es sehr treffend – und mit dem gleichen Wortwitz, den der Film bietet – im Zusatzmaterial genannt. Was natürlich eine durchaus zutreffende Anspielung auf „The Great Escape“ alias „Flucht in Ketten“ ist, in dem Steve McQueen, die James Garner und Coburn, Donald Pleasence und noch eine ganze Menge mehr im Zweiten Weltkrieg in einem Gefangenenlager eingesperrt sind und versuchen, von dort vor den Deutschen zu fliehen. Die eine oder Anspielung darauf, wie auch auf „Indiana Jones“ und „Krieg der Sterne“, gibt es, aber der Film ist keine einfache Parodie darauf, er ist soviel mehr. Denn auch wenn er von der sehr schönen Prämisse ausgeht, aus einer Legebatterie ein Gefangenenlager zu machen, so ergeht er sich nicht im Nachmachen von Dingen aus anderen Filmen, sondern schafft seine eigene Welt und lebt sie voll aus. Das gibt ihm das gewisse Etwas – und dass das alles mit Knetgummimännchen bzw. -hennchen gemacht wurde, ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i… oder vielmehr dem Ei.

Aardman

Sie schufen „Wallace & Grommit“ und „Shaun, das Schaaf“ und in Kürze sind sie mit dem herrlichen „Early Man“ wieder im Kino. Hier kann man einmal mehr sehen, nicht nur, was man aus Knetgummifiguren alles herausholen kann, sondern auch wieviel Liebe man ins Detail stecken kann. Neben dem erwähnten Wortwitz gibt es sehr schöne Ideen und umgesetzt ist das alles mit einem Spaß an der Sache, der sich auf den Betrachter überträgt. Und auch wenn der Film eine gewisse Leichtigkeit hat, so ist er doch ein stetiger Kampf gegen die Zeit, denn auch der Tod spielt in dieser Geschichte eine große Rolle – wenn er auch leider nicht als Knetgummiskelett auftaucht. Das wär doch mal was für einen zukünftigen Film!

Mad Mel

Die prominenteste Besetzung der Originalfassung dürfte der damals noch nicht in Hollywood-Ungnade gefallene Mel Gibson sein. Hier ist es schade, dass man für die deutsche Fassung nicht auf seinen Stammsprecher zurückgegriffen hat. Bei der Synchro von Animationsfilmen wird ja gerne statt Profi lieber Promi gecastet, aber Gibsons deutscher Sprecher in vielen seiner Filme ist Elmar Wepper, der neben seiner Stimme auch in Film und Fernsehen präsent ist. Das wäre doch eine Promi-Synchro vom Feinsten gewesen – also was ist da passiert, Leute?

Bonus

Es gibt ein kleines Gelege voll Bonusmaterial, das sich allerdings ein wenig „überlappt“ bzw. wiederholt. Trotzdem erhält man einen netten Einblick in die Aardman-Firma, die hinter dem Ganzen steckt, aber auch, wie schwierig und langwierig die Herstellung eines solchen Films ist und wieviel Geduld man dafür benötigt. Auch Ingolf Lück, der in der deutschen Fassung die männliche bzw. hähnliche Hauptrolle sprach, kommt zu Wort und dann gibt es noch einen Audiokommentar mit den Regisseuren, der das geknetete Bild abrundet.

Chicken Run – Hennen Rennen (2000)

Mel Gibson / Ingolf Lück, Julia Sawahla / Heidrun Bartholomäus, Miranda Richardson / Barbara Ratthey, Tony Haygarth / Klaus Sonnenschein, Imelda Staunton / Regina Lemnitz, Benjamin Whitrow / Hans Teuscher, Timothy Spall / Gerald Schaale

Fazit Run

Mit Liebe zum Detail animiert, schöne Ideen, die eine gute Geschichte abrunden. Eine sehr amüsante Art des „Eskapismus“. Ab 19.4.2018 auf DVD und Blu-ray.

Neu bei Netflix: The Alienist – Die Einkreisung / Folge 1-5

New York Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Serienkiller ermordet und verstümmelt kleine Jungen, die wie Mädchen gekleidet sind. Ein „Alienist“ nimmt die Untersuchung auf…

Sigmund Freud vs. Jack the Ripper

Wer sich der leisen Hoffnung hingeben möchte, es ginge um Aliens, die Ende des 19. Jahrhunderts in New York ihr Unwesen treiben und denen man mit altertümlichen Methoden stilistisch und erzählerisch interessant auf die Schliche kommen möchte, der sollte sie an dieser Stelle begraben. Es ist ein bisschen so, als hätte jemand die Idee gehabt: Was wäre gewesen, wenn Sigmund Freud, versucht hätte, die Jack the Ripper Morde aufzuklären. Schöne Idee, kann man so aber nicht machen, da wir ja alle wissen, wie diese Geschichte ausgegangen ist (der Ripper ist mit H.G. Wells Zeitmaschine entkommen, falls sich jemand nicht erinnern sollte!). Also verlegt man das Ganze nach New York (ähnliche Stimmung wie London, Großstadt, schmutzig, verkommen, lasterhaft) und erfindet einen eigenen Fall. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert und interessant, jedenfalls was die 5 Folgen angeht, die gesichtet werden konnten.

Frühe Ermittlungsmethoden

Vieles von dem, was man kennt, wird hier erst langsam eingeführt. Da ist der Fingerabdruck, da sind wissenschaftliche Methoden, wir erleben sogar eine frühe Form des Profiling. Es ist nett gemacht, wie sich das alles entwickelt und man dadurch versucht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Der Alienist übrigens ist jemand, der sich um Menschen mit seelischen Krankheiten kümmert, also eine Art Psychiater/Psychoanalytiker. Eben alles in seiner Urform, die sich langsam zu mehr entwickeln kann – und wird.

Brühl

Die Titelrolle wird gespielt von Daniel Brühl und er macht das sowohl sehr gut als auch sehr überzeugend. Würde einen nicht überraschen, wenn da nicht irgendwann bald mal ein Freud-Biopic mit ihm kommen wird. Wie üblich übersehbar ist und bleibt Luke Evans. Der Mann hat noch nie einen bleibenden Eindruck hinterlassen, das dürfte sich hier nicht ändern. Man sollte mal einen Film mit ihm, Charlie Hunnam, Sam Worthington und Jai Courtnay machen… wäre bestimmt uninteressant.

Mit

Daniel Brühl, Luke Evans, Dakota Fanning, Michael Ironside, Grace Zabriskie, David Warner, Ted Levine

The Fazitist

Spannend und interessant, gut ausgestattet, stimmungsvoll inszeniert. Ein nettes Konzept – bei dem aber nach 5 Episoden leider nicht beurteilt werden kann, ob es auch zu einem sinnvollen und befriedigenden Ende geführt werden wird. Ab 19. April 2018 bei Netflix.

DVD: INGRID GOES WEST

© Universum Film GmbH

Ingrid ist einsam und möchte anerkannt werden, aber nach einem Zwischenfall zieht sie in den Westen, wo sie eine neue Instragram-“Freundin“ persönlich kennenlernen will…

#Ein bisschen krank muss sein

Manchmal kommt einem im Internet der Name eines Films unter, es gibt einen Podcast dazu, ein – wie üblich sehr aufschlussreiches Q&A mit Jeff Goldsmith – aber die Pressevorführung bleibt aus und man wartet und wartet… bis der Film dann doch mal als DVD-Veröffentlichung auftaucht. Und einmal mehr erweist er sich als etwas, das man durchaus im Kino hätte zeigen können, wo man stattdessen mit irgendwelchem langweiligen Mist behelligt wird.

Wobei INGRID kein Wohlfühlfilm ist und auch mit Komödie muss man sich nach Ansicht ein bisschen schwertun. Er ist ein wenig eine Mischung aus einer Episode von „Black Mirror“ mit „Weiblich, ledig, jung, sucht…“ (wird in der Originalfassung erwähnt, in der deutschen nicht) mit einem leichten Hauch… Leichtigkeit? Humor? Aubrey Plaza? Schwer zu sagen, aber das Ganze fühlt sich nicht ganz so schwer, deprimierend und depressiv an, wie es die Handlung eigentlich zulassen würde, Was vielleicht daran liegt, dass man Aubrey Plaza in der Titelrolle irgndwie ins Herz schließt, auch wenn sie eine Stalkerin ist.

#Traurig

Letztlich ist das alles eigentlich unheimlich traurig – aber auch nicht aus der Luft gegriffen. Es geht um Einsamkeit, ums anerkannt, ums gesehen und geliebt werden wollen, um Freundschaft und auch darum, dass im Internet all das irgendwie nur substanzloser Schein ist, auch wenn das für die Generation, die es betrifft, am Ende vielleicht etwas stärker hätte herausgearbeitet werden können. Aber vielleicht versteht die Jugend es ja auch so – und wählt andere Wege als den der Hauptperson. Zu wünschen wäre es ihr.

#Bonus

Es gibt ein paar geschnittene Szenen mit Audiokommentar – aber leider keinen solchen für den ganzen Film, was sicher interessant gewesen wäre.

#Mit

Aubrey Plaza (Nadine Schreier), Elisabeth Olsen (Franciska Friede), O’Shea Jackson Jr. (Jan-David Rönfeldt), Billy Magnussen (Martin Brücker)

Regie: Matt Spicer

#Fazit Goes West

Eigentlich traurig, aber wegen der Hauptdarstellerin irgendwie zu Herzen gehend und durchaus unterhaltsam. Ab 20. April 2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: Die Pariserin: Auftrag Baskenland

Pariserin soll für Supermarktkette altem Mann im Baskenland den Laden abschwatzen, doch das läuft nicht ganz so gut und sie muss wieder hin, wo sie Land und Leute näher kennenlernt…

Komödie?

Das ist die Frage, die man sich während des Betrachtens stellt. Ist das eine Komödie – und wenn, warum ist sie dann nicht witzig? Das Presseheft beantwortet uns die Frage mit den Worten „eine temporeiche und witzige Liebesgeschichte“. Nunja, Liebesgeschichte stimmt, denn man hat ziemlich schnell raus, wie der Film wohl enden wird – und wird nicht durch eine Überraschung „enttäuscht“.

Das einzige wirkliche Plus des Films ist seine Hauptdarstellerin Élodie Fontan. Die ist wunderschön und kann spielen – aber leider bekommt sie nichts zu tun, womit sie außer durch ihr Äußeres glänzen könnte, wie z.B. lustige Dialoge. Für einen Film reicht das aber leider nicht aus – zumindest nicht für diese Art Film! Da sei dann eher „Alibi.com“ aus dem letzten Jahr empfohlen, der tatsächlich überraschend witzig war.

Mit

Élodie Fontan, Florent Peyre, Nicolas Bridet, Barbara Cabrita, Daniel Provost

Regie: Ludovic Bernard

Auftrag Fazitland

Ein bisschen Kifferhumor, ein wenig ETA-Terrorismus, eine schöne Hauptdarstellerin und schnöde Dialoge. Man kann sich mild unterhalten lassen, aber ein Fest ist das leider nicht. Ab 19.4.2018 im Kino.

DVD: Daddy’s Home 2 – Mehr Väter, mehr Probleme

Die Väter, deren Väter kommen zu Besuch – und dann auch noch Weihnachten?! Klingt wie „Bad Moms 2“…

…doch…

…dem ist nicht so. Zum Glück. Zwar fängt es ein wenig behäbig an, ganz ehrlich, Marky Mark und Will Ferrell, nicht unbedingt zwei Typen, für die ich gerne ins Kino gehen würde, einzig Mel Gibson reizt hier, aber auf positive Weise…

…und der…

…macht genau das, was man von ihm erwartet. Nämlich den Film sehenswert. Er hat Spaß und macht Spaß…

…doch dann…

…nachdem man die Sache mit der Lichterkette und dem albernen Schmu hinter sich hat, wird es irgendwann richtig lustig…

…und weit lustiger…

…als man erwartet hätte! John Lithgow ist auch dabei, allerdings eher als nerviges Gegenstück zu Will Ferrell, aber Gibson ist die sarkastische Seele des Films, der die Identifikationsfigur für den sarkastischen Zuschauer verkörpert, Wenn er über Dinge die Rase rümpft, ist man meist auf seiner Seite – auch wenn er eigentlich der Antagonist, der schlechte Vater ist, der Macho, der sich mehr für Frauen als seinen Sohnemann interessiert. Doch wie gesagt, ab einem Punkt ist es nicht er allein, der den Film ausmacht, sondern er wird lustiger, als er eigentlich ein Recht hätte, zu sein. Da sind sehr schöne Gags und Ideen, eine wunderbare Filmidee für Liam Neeson, die ein (im Original) glänzendes Wortspiel und eine herrliche Textstelle (mit Neeson aus dem Off) bietet und hier und da gibt es einfach sehr lustige Einfälle, die über die Wahlbergs und Ferrells des Films hinwegsehen lassen…

…und…

…das ganze nicht nur zu einem lustigen Weihnachtsfilm machen, sondern überhaupt zu einer lustigen Komödie – und das gibt es ja heute auch viel zu selten. Was…

…die deutsche Fassung…

…angeht, so ist es schon ein Vergnügen, Elmar Wepper in „Lethal Weapon 2“ für Mel Gibson zu hören, wo er Humor und Verrücktheit des Originals perfekt trifft und auch hier ist er einmal mehr ein echter Genuss. Und…

…als Bonus…

…gibt es ein paar nette, kurze Making-ofs, in denen überraschenderweise John Cena am besten wegkommt, ist der auch nur ein kleiner Teil der…

…Besetzung:

Mark Wahlberg (Oliver Mink), Will Farrell (Uwe Büschken), Linda Cardellini (Dascha lehmann), John Cena (Dennis Schmidt-Foß), John Lithgow (Bodo Wolf), Liam Neeson (Bernd Rumpf), Mel Gibson (Elmar Wepper)

Daddy’s Fazit

War letztes Jahr eine große Überraschung und es bleibt dabei; Überraschend lustig und auch auf deutsch sehr zu empfehlen! Ab 19.4.2018 auf DVD und Blu-ray.

Kino: Stronger

Nach dem Bombenanschlag beim Boston Marathon muss Jeff Bauman, der beide Beine verloren hat, wieder… auf die Beine kommen…

Wahre Geschichte

Ein Mann, ein Kampf, aber eigentlich ist nicht er der wahre Held der Geschichte – auch nicht der Mann, der ihm das Leben gerettet hat – sondern seine Freundin, die sich nach dem Verlust der Beine um ihn kümmert. Hier macht der Film etwas, das man sonst eher selten zu sehen bekommt, denn er zeigt seine Hauptfigur nicht unbedingt von ihrer sympathischsten Seite, um das mal so zu formulieren. Das ist ein netter Zug, fühlt man doch eher mit ihr als mit ihm mit. Am Ende kommt dann aber das, was einfach nicht fehlen darf: Soviel Patriotismus, bis der Arzt kommt… ihn aber leider nicht amputiert wie die Beine des Opfers.

Orphan Brown

Es ist immer schön, irgendwo Clancy Brown zu sehen, besonders, wenn es auf der großen Leinwand ist. Er wurde uns bekannt durch „Highlander“, wo er als Kurgan gewagte Frisuren trug und „New York, New York“ grölend durch den Big Apple fuhr, er war der Ausbilder Sim, der in „Starship Troopers“ den Brainbug fing und er spielte eine der Hauptrollen in der Fernsehserie „Carnivale“, bei der ich nicht sicher bin, ob sie es je bis nach Deutschland geschafft hat.

Und wo wir schonmal beim Thema Fernsehen sind, die weibliche Hauptrolle wird gespielt von Tatjana Maslany. Die zeigt ein wahres Füllhorn an Vielseitigkeit und -fältigkeit in der Serie „Orphan Black“, wo sie eine Vielzahl an Klonen spielt und dabei alle wunderbar voneinander abgrenzt. Dass sie spielen kann, weiß man also – hier zeigt sie es nur einmal mehr… was ihr hoffentlich in Zukunft auch mehr Kinorollen einbringt!

Mit

Jake Gyllenhaal, Tatjana Maslany, Miranda Richardson, Clancy Brown

Regie: David Gordon Green

Fazit

Das Opfer eines Anschlags, das sich, nicht ganz zu unrecht, fragt, warum er ein Held ist, nur, weil er überlebt hat. Den Heldenstatus gewinnt ihm der Film schnell ab. Es gibt hier und da einen Schuss trockenen Humor, einige heftige Szenen, z.B. als man ihm den Verband abnimmt und man stark mit ihm mitfühlt, ein blutiges Finale mit den Folgen des Anschlags, aber dann doch eine Spur zuviel Patriotismus. Nichtsdestotrotz: Super gespielt! Ab 19.4.2018 im Kino.